22. März 2026

Bestehe die Prüfung von Gottvertrauen, Bruderliebe & Schätzesammeln I

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1 Und es begab sich zur Zeit des Königs Amraphel von Sinear, Ariochs, des Königs von Ellasar, Kedor-Laomers, des Königs von Elam, und Tideals, des Königs der Gojim, 2 daß sie kriegeten mit Bera, dem König von Sodom, und mit Birsa, dem König von Gomorra, und mit Sinab, dem König von Adama, und mit Semeber, dem König von Zeboim, und mit dem König von Bela, das ist Zoar. 3 Diese vereinigten sich im Tal Siddim, wo jetzt das Salzmeer ist. 4 Sie waren zwölf Jahre lang Kedor-Laomer untertan gewesen, aber im dreizehnten Jahre fielen sie von ihm ab. 5 Darum kamen Kedor-Laomer und die Könige, die es mit ihm hielten, im vierzehnten Jahre und schlugen die Rephaiter zu Astarot-Karnaim, und die Susiter zu Ham und die Emiter in der Ebene Kirjataim; 6 auch die Horiter auf ihrem Gebirge Seir, bis nach El-Paran, welches an der Wüste liegt. 7 Darnach kehrten sie um und kamen zum Brunnen Mischpat, das ist Kadesch, und schlugen das ganze Land der Amalekiter, dazu die Amoriter, die zu Hazezon-Tamar wohnten. 8 Da zogen aus der König von Sodom, der König von Gomorra, der König von Adama, der König von Zeboim und der König von Bela, die Zoar heißt, und rüsteten sich 9 zu streiten im Tal Siddim mit Kedor-Laomer, dem Könige von Elam, und mit Tideal, dem Könige der Gojim, und mit Amraphel, dem König von Sinear, und mit Arioch, dem Könige von Ellasar; vier Könige gegen fünf. 10 Und das Tal Siddim hatte viele Asphaltgruben. Aber die Könige von Sodom und Gomorra flohen und fielen daselbst, und was übrigblieb, floh ins Gebirge. 11 Und jene nahmen alle Habe zu Sodom und Gomorra und alle ihre Nahrung, und machten sich davon. 12 Sie nahmen auch mit sich Lot, Abrams Bruder, und seine Habe (denn er wohnte zu Sodom) und gingen. 13 Es kam aber ein Entronnener und sagte es Abram, dem Ebräer, der bei den Eichen Mamres, des Amoriters, wohnte, welcher ein Bruder war von Eschkol und Aner; diese waren Abrams Bundesgenossen. 14 Als nun Abram hörte, daß sein Bruderssohn gefangen sei, bewaffnete er seine erprobten Knechte, dreihundertundachtzehn, die in seinem Hause geboren waren, und jagte jenen nach bis gen Dan, 15 verteilte sich und überfiel sie heimlich bei Nacht mit seinen Knechten und schlug sie und verfolgte sie bis gen Hoba, das zur Linken von Damaskus liegt. 16 Und er brachte alle Habe wieder; auch seinen Bruderssohn Lot und dessen Habe, die Weiber und das Volk brachte er wieder.
— 1.Mose 14,1-16 (Schlachter 1951)

PISA-Schock und geistliche Prüfungen

Das Jahr 2000 hat Deutschland in einen PISA-Schock versetzt. Die PISA-Studie ist eine internationale Prüfung, in der alle drei Jahre alle 15-Jährigen – meistens aus der neunten Klasse – in unterschiedlichen Disziplinen geprüft werden, und zwar im Lesen, in Mathematik und in Naturwissenschaft. Können die Schüler Texte verstehen? Können sie Texte auslegen? Was bedeutet der Text? In Mathematik: Können sie Probleme lösen, logisch denken? In Naturwissenschaft: Können sie Zusammenhänge erkennen? Das Ziel ist ein aussagekräftiger Vergleich, nämlich wo der durchschnittliche 15-jährige Schüler im Vergleich zu allen teilnehmenden Ländern stehen sollte. Im Jahr 2000 lag Deutschland auf Platz 28 von 31. Das sorgte für den sogenannten PISA-Schock. Alle waren erschüttert.

Im geistlichen Leben begegnen wir auch immer wieder solchen Prüfungen. Manchmal kommen sie geballt, manchmal kündigen sie sich an, und manchmal treffen wir völlig überrascht auf sie. Sie sollen uns immer wieder vor Augen halten: Wo stehe ich in meinem Wachstum? Hier auf Erden werden wir so lange die Schulbank drücken, bis wir absolvieren. Und das ist unsere Verherrlichung, wenn wir aber werden. Bis dahin drücken wir die Schulbank.

Glaubenshelden – warum ihre »Superkraft« nur Glaube war

Die Bibel gibt uns immer wieder Vorbilder des Glaubens, die durch ähnliche Prüfungen hindurchgegangen sind. Hebräer 11 macht deutlich, dass uns diese Vorbilder anspornen sollen. Sehr oft bezeichnen wir sie auch als Glaubenshelden. Die Gefahr dabei ist allerdings, dass wir denken, sie waren Helden – ich bin kein Held. Die Gefahr ist zu denken, sie hatten Superkräfte – ich bin ein Schwächling, ich bin froh, wenn ich den Tag überlebe. Nun, die einzige Superkraft, die diese Glaubenshelden hatten, war der Glaube. Sie waren nicht aus sich selbst heraus stark, sondern sie wurden von Gott gestärkt. Und das machte sie aus.

Heute stellt uns Mose in 1. Mose 14 – man könnte sagen – eine solche PISA-Vergleichsprüfung vor. Es geht um die Frage: Wie sollte das Leben eines Christen aussehen, der im Glauben wandelt, der seine Augen aufhebt und schaut – aber nicht so dumm wie Lot es getan hat –, sondern der seine Augen noch weiter aufhebt und auf das himmlische Paradies abzielt und das ins Auge fasst? Oder man könnte es auch mit den Worten von Kolosser 3 sagen: Wie sollte das Leben eines Gläubigen aussehen, der mit Christus auferweckt wurde und der sucht, was droben ist?

Hier in 1. Mose 14 wird Abraham in drei Disziplinen geprüft: im Gottvertrauen, in der Bruderliebe und im Schätzesammeln. Wir werden uns heute nur die ersten beiden ansehen und das Schätzesammeln dann für die nächste Predigt aufheben. Der Titel der Predigt lautet: Bestehe die Prüfung von Gottvertrauen, Bruderliebe und Schätzesammeln. Wir schauen uns heute nur den ersten Teil an. Wir lesen zwar das ganze Kapitel bis 15, Vers 1, werden uns aber auf die ersten 16 Verse beschränken.

Die vier Könige und der historische Kontext von 1. Mose 14

Ihr dürft gerne eure Bibel zur Hand nehmen und wir wollen gemeinsam das ganze Kapitel durchlesen. Da sind viele Namen, viele Orte. Lasst euch nicht irritieren, lasst euch nicht einschläfern. Wir werden sie ein bisschen einzeln durchgehen – sie sind sehr spannend und es hat wirklich viel Freude gemacht, sie alle ein bisschen zu untersuchen.

Und es geschah zur Zeit Amrafels, des Königs von Sinea, Ariochs, des Königs von Ellasar, Kedor-Laomers, des Königs von Elam, und Tideals, des Königs der Gojim, dass sie Krieg führten mit Bera, dem König von Sodom, und mit Birsa, dem König von Gomorra, und mit Sinab, dem König von Adama, und mit Semeber, dem König von Zeboim, und mit dem König von Bela, das ist Zoar. Diese verbündeten sich im Tal Sidim, wo jetzt das Salzmeer ist. Sie waren 12 Jahre lang Kedor-Laomer untertan gewesen, aber im 13. Jahr fielen sie von ihm ab. Darum kam Kedor-Laomer und die Könige, die es mit ihm hielten, im 14. Jahr und schlugen die Refaiter in Aschterot-Karnaim, die Susiter in Ham und die Emiter in der Ebene Kirjathaim, auch die Horiter auf dem Bergland Seir bis nach Elparan, das an der Wüste liegt. Danach kehrten sie um und kamen nach En-Mischpat, das ist Kadesch, und schlugen das ganze Gebiet der Amalekiter dazu, die Amoriter, die in Hazazon-Tamar wohnten. Da zogen der König von Sodom, der König von Gomorra, der König von Adama, der König von Zeboim und der König von Bela, das ist Zoar, zum Kampf aus. Und sie stellten sich gegen sie zur Schlacht auf im Tal Sidim gegen Kedor-Laomer, den König von Elam, und Tideal, den König der Gojim, und Amrafel, den König von Sinea, und Arioch, den König von Ellasar – vier Könige gegen fünf. Das Tal Sidim aber hatte viele Asphaltgruben, und die Könige von Sodom und Gomorra wurden in die Flucht geschlagen und fielen dort. Und wer übrig blieb, floh ins Bergland. Und jene nahmen alle Habe von Sodom und Gomorra und alle ihre Nahrung und zogen davon. Sie nahmen auch Lot mit sich, den Sohn von Abrahams Bruder, und seine Habe, denn er wohnte in Sodom, und zogen davon. Es kam aber ein Entflohener und sagte es Abraham, dem Hebräer, der bei den Terebinthen Mamres wohnte, des Amoriters, der ein Bruder von Eschkol und Aner war. Diese waren Abrahams Bundesgenossen. Als nun Abraham hörte, dass sein Bruder gefangen sei, bewaffnete er seine 318 erprobten Knechte, die in seinem Haus geboren waren, und jagte jenen nach bis Dan. Und er teilte seine Schar nachts auf und überfiel sie mit seinen Knechten und schlug sie und verfolgte sie bis nach Hoba, das zur Linken von Damaskus liegt. Und er brachte alle Habe wieder, auch Lot, seinen Bruder, und dessen Habe. Die Frauen und das Volk brachte er wieder. Als aber Abraham von der Schlacht gegen Kedor-Laomer und die Könige, die mit ihm waren, zurückkehrte, ging ihm der König von Sodom entgegen in das Tal Schawe, das ist das Königstal. Aber Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein herbei, und er war Priester Gottes des Allerhöchsten. Und er segnete ihn und sprach: »Gesegnet sei Abraham von Gott, dem Allerhöchsten, dem Besitzer des Himmels und der Erde. Und gelobt sei Gott, der Allerhöchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat.« Und Abraham gab ihm den Zehnten von allem. Und der König von Sodom sprach zu Abraham: »Gib mir die Seelen und die Habe behalte für dich.« Abraham aber sprach zu dem König von Sodom: »Ich hebe meine Hand auf zu dem HERRN, zu Gott, dem Allerhöchsten, dem Besitzer des Himmels und der Erde, dass ich von allem, was dir gehört, nicht einen Faden noch einen Schuhriemen nehmen will, damit du nicht sagen kannst, ich habe Abraham reich gemacht.« Nichts für mich, nur was die Knechte gegessen haben und den Teil der Männer Aner, Eschkol und Mamre, die mit mir gezogen sind – sie sollen ihren Anteil nehmen. Nach diesen Begebenheiten geschah es, dass das Wort des HERRN an Abraham in einer Offenbarung erging: »Fürchte dich nicht, Abraham. Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.«

Soweit Gottes Wort.

Abraham hat nicht jede Prüfung in seinem Leben mit Bravur gemeistert. Und das tröstet uns, denn dir und mir geht es auch so. Die Disziplin des Gottvertrauens war zu Beginn seines Glaubenslebens ganz schön stark ausgeprägt. Wir erinnern uns: Er hat sein Zuhause verlassen, er ist aufgebrochen, ohne zu wissen, wohin er reisen würde. Aber dann kam diese Hungersnot und er versagte. Kapitel 12 berichtet darüber: Sein Gottvertrauen wurde schwach und es bewegte sich in Richtung Selbstvertrauen. Das hatte andere Disziplinen in Mitleidenschaft gezogen. Er fiel durch die Prüfung in der Disziplin »Rede die Wahrheit jedem mit seinem Nächsten«. Er log. Er hat den Pharao angelogen in Bezug auf seine Frau – sie wäre seine Schwester. Es war nicht seine Schwester, sondern seine Halbschwester. Es war eine Halbwahrheit. Völlig durchgefallen.

Aber das hat nicht sein ganzes Leben gekennzeichnet, sondern er kehrt vom Holzweg zurück zur Anbetung. Wir haben in Kapitel 13 gesehen: Er ist ein Friedensstifter, er richtet seinen Blick auf Gottes Verheißung. Und Kapitel 13, Vers 18 endet damit, dass er einen Altar baut – das heißt, er ist in enger Gemeinschaft mit Gott. Und das befähigt ihn, diese Prüfung hier in Kapitel 14 ausgezeichnet zu bestehen.

Die ersten vier Verse in unserem Kapitel sind gewissermaßen die Einleitung oder das Hintergrundwissen zu dem Geschehen. Wir haben hier vier mesopotamische Könige – und das sind mächtige Könige. Es sind Könige einer ganzen Region und nicht nur einer Stadt, im Gegensatz zu den Königen aus der Jordanebene.

Kapitel 14 beginnt mit: »Und es geschah zur Zeit Amrafels, des Königs von Sinea.« Sinea ist das Gebiet Amrafels – das Gebiet von Babylonien. Hier in Sinea war Nimrod bereits ein gewaltiger Herrscher. Hier in Sinea wurde der Turmbau zu Babel gebaut. Hier lag Ur, das Zentrum der Sumerer – von hier kommt Abraham. Wer weiß, vielleicht war dieser Amrafel ein früherer Herrscher von Abraham. Wir wissen es nicht. Es kann sein, Abraham kannte ihn von früher.

Als nächster wird Arioch genannt, der König von Ellasar. Einige Historiker vermuten, dass es in Kappadokien in der heutigen Türkei liegt. Als dritter in dieser Liste wird Kedor-Laomer genannt, des Königs von Elam. Nun, es scheint, auch wenn er hier als Dritter vorkommt, dass er der mächtigere König ist und der Anführer in dieser Allianz von vier Königen. Vers 4 sagt nämlich, dass sie Kedor-Laomer 12 Jahre untertan waren, und Vers 5 und 9 erwähnen immer wieder ihn als den ersten. Also es scheint, dass er der Anführer war.

Und es ist sehr spannend zu sehen, dass die Archäologie und die Geschichte das belegt haben. Elam, wo Kedor-Laomer regierte, war eine aufkommende Macht und liegt im heutigen Südwestiran. Ungefähr 50 Jahre nach unserer Begebenheit – also rund 2004 vor Christus – führen die Elamiter Krieg gegen Sinea und stürzen Ur um. Das ist der Untergang der sumerischen Stadt Ur. Die dritte Dynastie fällt und erholt sich nie wieder.

Der Name Kedor-Laomer setzt sich zusammen aus zwei elamitischen Worten: Kudur und Lagamar, das heißt »Beschützer von Lagamar«. Das war eine elamitische Göttin. Und dann wird als vierter König Tideal genannt, der König der Gojim. Tideal ist ein hethitischer Königsname. Allerdings ist man sich nicht ganz sicher, ob Gojim den Ort bezeichnet oder eher von »Heiden« im Allgemeinen spricht, was das hebräische Wort bedeutet.

Wie auch immer – diese vier Könige machen sich auf und ziehen in die Jordanebene. Luftlinie sind es knapp 1.150 km. Allerdings hat man damals nie die Wüste durchquert, sondern die Route ging über Damaskus, entlang des sogenannten Fruchtbaren Halbmondes. Es waren ungefähr 1.500 bis 1.700 km, die man zu Fuß oder auf Kamelen zurücklegte. Eine Armee brauchte ungefähr zwei bis drei Monate, um dort anzukommen.

Warum der Krieg begann: Tribut, Rebellion und Koalition

Dann wird berichtet, dass sie Krieg führten mit fünf Königen aus der Jordanebene: mit Bera, dem König von Sodom, mit Birsa, dem König von Gomorra, mit Sinab, dem König von Adama, mit Semeber, dem König von Zeboim, und mit dem König von Bela, das ist Zoar. Sie verbündeten sich im Tal Sidim – wahrscheinlich da, wo heute das Tote Meer ist.

Mose ist ein guter Ausleger. Er schreibt an das Volk Israel ungefähr 600 Jahre nach diesem Ereignis und er ist sich bewusst – und alle anderen sind sich bewusst –, dass sich in diesen 600 Jahren die Geologie geändert hat. Deswegen sagt er: »da wo jetzt das Salzmeer ist.« In diesen 600 Jahren haben sich auch einige Namen geändert. Deswegen hilft Mose seinen Lesern auf die Sprünge.

Wie bereits in der vorletzten Predigt erwähnt wurde, ist es naheliegend, dass Sodom und Gomorra östlich, südöstlich vom heutigen Toten Meer liegen. Zwei gute Quellen für alle, die ein bisschen Archäologie schnüffeln wollen, sind Dr. Todd Bolen von bibleplaces.com und Dr. Bill Barrick, der einen Reisebericht geschrieben hat. Dr. Barrick sagt, dass Bad et-Dra der obere Ort sein könnte und möglicherweise Sodom war. Aber selbst wenn es nicht Sodom war, war es mit aller Wahrscheinlichkeit eine dieser fünf Städte aus 1. Mose 14.

Bad et-Dra hatte den Höhepunkt ihrer Besiedlung in der frühen Bronzezeit – das ist exakt die Zeit, in der Abraham dort gelebt hat, also ungefähr 2300 bis 2000 vor Christus. Die Stadt hatte eine Fläche von 4 Hektar – das sind 40.000 Quadratmeter, für alle Fußballfans ungefähr sechs Fußballfelder – und Archäologen sagen, sie zählte ungefähr 1.000 Einwohner. Es wurden Reste einer Stadtmauer ausgegraben, die 7 Meter hoch waren – also gewaltig.

Dr. Barrick schreibt über Numera, mit Blick nach Süden: »Die Archäologen stellten fest, dass es zwei verschiedene Schichten der Zerstörung gibt, die durch einen Zeitraum von etwa 25 Jahren oder mehr voneinander getrennt sind. Die erste Zerstörung könnte auf den Angriff der Koalition unter Kedor-Laomer in 1. Mose 14 zurückzuführen sein. Die zweite Zerstörung könnte das göttliche Gericht sein, das in 1. Mose 19 beschrieben wird, als Gott Sodom und Gomorra zerstörte.« Weiter schreibt er, die Ascheschicht wurde in Numera an einigen Stellen auf 1,20 Meter gemessen. Bei einigen der Gebäude hat man festgestellt, dass sie vom Dach abwärts begannen, Feuer zu fangen und zu brennen. Und das würde Sinn machen, wenn das, was in 1. Mose 19 berichtet wird, so war. Es wird sehr spannend bleiben, was die Archäologie noch entdeckt und zutage fördert.

Was war nun die Ursache für den Krieg? In gewisser Weise das, was immer die Ursache für Krieg ist, auch in unserer Zeit. Vers 4 sagt: Sie waren 12 Jahre lang Kedor-Laomer untertan gewesen. Das bedeutet, Kedor-Laomer war vor 12 Jahren schon einmal mit seiner Armee hier vor Ort. Und diese Könige aus der Jordanebene waren unterlegen und hatten einen Tribut vereinbart. Jährlich sollten sie eine bestimmte Abgabe entrichten.

Archäologen haben in Mesopotamien ungefähr 120.000 Keilschrifttafeln gefunden, die aus dieser Zeit stammen – also um 2000 vor Christus – und genau solche Transaktionen dokumentieren. Diese Tafeln fungierten als offizielle Quittungen für Lieferungen an staatliche Stellen oder Tempel. Bei kleineren Städten konnte der Tribut so bei 50 bis 300 Schafen und Ziegen liegen, dazu 10 bis 50 Rinder, Gerste – so 3.000 bis 30.000 Liter Getreide –, Silber und Textilien. Tribut war eine gängige Praxis in der damaligen Zeit. Wir sehen sogar später im Buch der Richter, dass die Israeliten Tribut an den König von Moab zahlen. Einige Jahre später, in 2. Samuel 8, besiegt David die Moabiter und lässt sich Tribut bezahlen. David hat von fast allen Nachbarländern Tribut eingefordert. Deswegen ging es ihm und später Salomo so gut.

Aber diese fünf Städte hatten genug. Im 13. Jahr sagten sie: Wir bezahlen nichts mehr. Sie beschlossen einen »Sodomexit« – im 13. Jahr fielen sie ab. Sie wollten nicht mehr für die Schulden der anderen Reiche aufkommen und all das mitfinanzieren. Einen solchen Exit konnte man sich nur leisten, wenn man wirklich Mann genug war und dachte, wir können es mit dieser Macht aufnehmen und Krieg führen.

Und es kam, wie es kommen musste. Vers 5 sagt: Darum kamen Kedor-Laomer und die Könige, die es mit ihm hielten, im 14. Jahr. Also: 12 Jahre Tribut bezahlt, im 13. Jahr raus, im 14. Jahr kommt Kedor-Laomer. Und es war klar – er konnte das nicht ungestraft stehen lassen. Er musste ein Exempel statuieren. Wer aufhört, Tribut zu zahlen, zieht den ganzen Zorn auf sich. Er kommt nicht allein, sondern mit einer Koalition. Das sehen wir heute auch so in manchen Kriegen, dass man sich durch Bündnisse einfach stärker macht.

Da er schon zwei bis drei Monate anreist, bis er da ankommt, muss es sich wenigstens lohnen. Und so kämpft, plündert und erbeutet er alles, was ihm in die Quere kommt. Die Verse 5 bis 9 beschreiben ganz genau den detaillierten Schlachtverlauf. Bevor er überhaupt unten in Sodom und Gomorra ankommt, schlägt er nämlich alles Mögliche sonst noch. Er schlägt die Refaiter in Aschterot-Karnaim, die Susiter in Ham, die Emiter in der Ebene Kirjathaim, auch die Horiter auf dem Bergland Seir bis nach Elparan, das an der Wüste liegt – ganz unten, man nimmt an, das war das heutige Eilat. Danach – und der Text ist sehr präzise – kehrte er um und kam nach En-Mischpat, das ist Kadesch, und schlug das ganze Gebiet der Amalekiter dazu, die Amoriter, die in Hazazon-Tamar wohnten. Und erst jetzt kommt es zur eigentlichen Schlacht: Da zogen der König von Sodom, der König von Gomorra und die anderen zum Kampf aus.

Das Tal Sidim hatte viele Asphaltgruben – das war Bitumen. Das verwendete man bereits in Kapitel 11 beim Turmbau zu Babel anstatt Mörtel. Und die Könige von Sodom und Gomorra wurden in die Flucht geschlagen und fielen dort, und wer übrig blieb, floh ins Bergland. Jene vier Könige aus Mesopotamien nahmen alle Habe von Sodom und Gomorra und alle ihre Nahrung und zogen davon. Und Vers 16 macht deutlich, dass sie außer der ganzen Habe und dem ganzen Essen auch jede Menge Gefangene machten – jeden, den sie in die Hände kriegen konnten und der nicht entwischt war.

Lot wird gefangen – Abrahams Entscheidung und Gottes Eingreifen

Dann gibt Mose uns zwei kleine Details, die aber wirklich wichtig sind. Vers 12 sagt: »Sie nahmen auch Lot mit sich, den Sohn von Abrahams Bruder, und seine Habe.« Und dann das zweite kleine Detail: »Denn er wohnte in Sodom.« Dieses kleine Detail ist der Anlass, dass Abraham sich überhaupt in diesen Krieg hineinziehen lässt. Warum? Weil sein Neffe – oder wie es hier heißt: sein Bruder – Lot mit weggeschleppt wurde.

Vielleicht denkst du jetzt bei dir: Wow, das ist ja ein tolles Kapitel – aber was soll ich mit diesen ganzen Details anfangen? Es ist ja schön, dass die Archäologie die Bibel bestätigt, immer und immer wieder. Es ist ja schön zu wissen, welche Route diese Könige genommen haben, wo sie gekämpft haben – aber wozu diese ganze Mühe, alles so detailliert niederzuschreiben? Mose hätte sich ein wenig Papyrus sparen können. Wir hätten es wahrscheinlich lieber in 1. Mose 1 etwas ausführlicher gehabt.

Wozu ist dieses Kapitel gut? Manche Kirchenväter, besonders die alexandrinischen des 3. Jahrhunderts, waren sehr allegorisch unterwegs. Ein Kirchenvater aus dem 4. Jahrhundert sagt zu 1. Mose 14: Die fünf Könige seien unsere fünf leiblichen Sinne – Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten, Hören. Die vier mesopotamischen Könige seien die Verführungen des Lebens und der Welt, denn das menschliche Fleisch und die Welt bestehe aus vier Elementen – Feuer, Wasser, Erde, Luft. Das ist eine sehr willkürliche Art mit der Schrift umzugehen. Das war unmöglich Moses Absicht. Es ging nicht um die fünf leiblichen Sinne, auch nicht um die vier Elemente. Die vier Elemente wurden erst im 5. Jahrhundert vor Christus von einem griechischen Philosophen erfunden, später von Plato übernommen. Das heißt, bis dahin gab es sie gar nicht – man könnte den Bibeltext gar nicht so verstehen.

Wir müssen uns immer fragen: Wie hat Christus und wie haben die Apostel das Alte Testament ausgelegt? Und sie haben immer den Literalsinn verfolgt – das heißt die wörtliche, direkte Bedeutung des Textes. Und das ist, was Mose hier tut. Moses Textmarker ist seine Wiederholung. Durch Wiederholung und durch Gegenüberstellung betont Mose, was ihm wichtig ist und worauf es ankommt.

Im ersten Abschnitt – in diesen 12 Versen – betont und wiederholt er immer wieder die Namen dieser mächtigen, siegreichen Könige, um deutlich zu machen: Ihnen ist niemand gewachsen. Er wiederholt immer wieder diese vier Könige und diese Schlachten, um deutlich zu machen: Niemand kann ihnen standhalten. Und er will deutlich machen: Abraham, für dich ist es unmöglich, diesen Kampf zu gewinnen. Das ist, was Mose sagen will.

Mose macht deutlich: Der Sieg kommt von dem HERRN. Abraham hätte diese Schlacht auf sich allein gestellt nie gewinnen können. Es war ein übernatürlicher Sieg. Abraham war nur siegreich, weil Gott mit ihm war. Man könnte sagen: Sieg durch Gottvertrauen.

Sieg durch Gottvertrauen: Anwendung für Israel und heute

Der Text gibt uns mehrere Hinweise dazu. Wir haben gesehen: In den ersten 12 Versen soll diese gewaltige Macht und Unbesiegbarkeit dieser vier Könige wirklich in Stein gemeißelt werden. Sie sind wie eine gewaltige Lawine in den Bergen, die alles mit sich reißt – und nichts und niemand kann standhalten.

Den zweiten Hinweis gibt uns Mose mit dem Zitat von Melchisedek. Dort sagt Melchisedek: »Gelobt sei Gott, der Allerhöchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat.« Wer hat den Sieg geschenkt? Gott hat den Sieg geschenkt. Es war nicht die zahlenmäßige Überlegenheit Abrahams. Es war nicht die Taktik Abrahams – ein Überfall bei Nacht, aufteilen in mehrere Gruppen. Es war nicht das Bündnis von Abraham mit Aner, Eschkol und Mamre. Es waren nicht die 318 top ausgebildeten Knechte in seinem Haus. Nein – es war Gott, der den Sieg gab.

Den dritten Hinweis finden wir in Kapitel 15, Vers 1. Deswegen habe ich soweit gelesen. Und ich möchte dich daran erinnern: Lass dich beim Bibellesen nicht von den Grenzen der Kapiteleinteilung aufhalten. Lies mal weiter, denn es ist eine zusammenhängende Geschichte. In 15, Vers 1 sagt Gott: »Fürchte dich nicht, Abraham.« Und dann kommen zwei wichtige Worte, die dieses ganze Kapitel zusammenfassen: »Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.« Das heißt, Gott knüpft hier an Kapitel 14 an und nimmt Bezug auf diese Prüfung. Er sagt: »Abraham, ich bin dein Schild.« Dieses Wort »Schild« hat dieselbe Wurzel wie in Kapitel 14, Vers 20, wo Melchisedek sagt: »Gott hat deine Feinde in deine Hand gegeben.«

Warum ist dieser Abschnitt so relevant? Weil diese Völker uns noch begegnen werden – beziehungsweise nicht uns, sondern dem Volk Israel. Die Refaiter, Susiter, Emiter, Amalekiter, Amoriter – die interessieren uns in der Regel gar nicht. Aber den Israeliten standen die Nackenhaare zu Berge, als sie diese Namen lasen und hörten.

In 4. Mose 13 schickt Mose 12 Kundschafter, die das Land Kanaan 40 Tage auskundschaften sollen. Sie sind kurz vor dem Land Kanaan und sollen es eigentlich gleich einnehmen. Die Kundschafter kommen zurück und sagen: »Ja, das Land fließt wirklich über von Milch und Honig. Aber das Volk, das im Land wohnt, ist stark. Die Städte sind sehr fest und groß, und wir sahen Söhne Enaks dort – das sind Riesen. Die Amalekiter wohnen im Land des Negev. Die Hethiter, Jebusiter und Amoriter wohnen im Bergland und die Kanaaniter am Meer und entlang des Jordan.« Vers 31: »Wir können nicht hinaufziehen gegen das Volk, denn es ist stärker als wir.« Und 4. Mose 13, Vers 32: »Alles Volk, das wir sahen, sind Leute von hohem Wuchs. Wir sahen auch Riesen, Söhne Enaks Geschlecht, und wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken, und ebenso waren wir auch in ihren Augen.«

Diese Orte werden noch einmal erwähnt in 5. Mose 2 und 3. Und in 5. Mose 3, Vers 11 sagt Mose: »Denn nur Og, der König von Baschan, war von dem Überrest der Refaiter übrig geblieben. Siehe, sein Bett, ein eisernes Bett – es ist in Rabba, der Stadt der Ammoniter. Es ist neun Ellen lang und vier Ellen breit nach der Elle eines Mannes.« Das sind ungefähr 4/5 Meter lang. Deine Matratze ist wahrscheinlich 2 Meter lang und 90 cm breit – seine Matratze war doppelt so lang und doppelt so breit. Könnt ihr euch vorstellen, wie groß diese Völker waren? Den Israeliten standen alle Nackenhaare zu Berge. Sie hatten Angst.

Und hier in 1. Mose 14 sind diese Refaiter, Emiter und Amalekiter besiegt. Könnt ihr euch vorstellen, wie stark die Sieger sein müssen? Wie stark muss Kedor-Laomer sein, um diese Völker, vor denen sich die Israeliten fürchten, zu besiegen? Unfassbar. Menschlich gesehen hätte Abraham mit seiner Privatarmee unmöglich siegen können. Was macht ihn siegreich? Gottvertrauen.

Und zu diesem Gottvertrauen wollten Josua, Kaleb, Mose und Aaron die Israeliten ermutigen. Als die 12 Kundschafter zurückkamen und sagten, wir schaffen das nie, da sind die Riesen, wir kommen da nicht hinein – da weinen sie die ganze Nacht und sagen: Warum habt ihr uns hergebracht? Wir gehen wieder zurück. Und Josua und Kaleb, Mose und Aaron sagen: »Wenn der HERR Gefallen an uns hat, so wird er uns in dieses Land bringen. Seid nicht widerspenstig gegen den HERRN. Fürchtet euch nicht vor diesem Volk, denn der HERR ist mit uns.« Das ist der Unterschied. Sie sagen: Ja, menschlich gesehen schaffen wir es nie – aber mit uns ist der HERR.

Was tut das Volk? Sie weinen, sie wollen zurück, sie vertrauen auf ihre eigene Kraft. Menschenvertrauen führt immer zur Niederlage. Das Volk will Mose, Aaron, Josua und Kaleb steinigen. Soweit sind sie gekommen. Und dann erscheint die Herrlichkeit Gottes an der Stiftshütte. Gott muss eingreifen und richtet sie so gewaltig, dass er sagt: »Alle, die über 20 Jahre alt sind, die bleiben in der Wüste und ihre Leiber werden dahin gestreckt.« Sie werden 40 Jahre Ehrenrunde drehen und kommen nicht hinein.

Und dann ist sehr spannend, was Gott tut. Er sagt am nächsten Tag: Geht wieder zurück Richtung Wüste, Richtung Rotes Meer. Er sagt nicht: Bleibt hier, wir warten 40 Jahre ab, bis ihr alle gestorben seid – sondern ganz bewusst schickt er sie zurück Richtung Ägypten. Am nächsten Morgen sagen die Israeliten: Ah, okay – lasst uns doch nach Kanaan ziehen und das Land einnehmen. Wisst ihr, was sie wieder tun? Sie vertrauen wieder auf ihre eigene Macht. Wieder hören sie nicht auf Gott. Und was geschieht? Sie versuchen ins Land Kanaan hineinzukommen. Und dann heißt es: »Da kamen die Amalekiter und die Kanaaniter herab und schlugen sie und zerstreuten sie bis nach Horma.« Im Gehorsam sind sie siegreich. Im Ungehorsam werden sie geschlagen.

Sieg durch Gottvertrauen – das ist die Lektion hier. Und das Beispiel Abrahams lehrt uns, dass der Sieg nicht in unserer Stärke liegt. Psalm 20, Vers 8 sagt: »Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse, wir aber auf den Namen des HERRN unseres Gottes.« Gott geht in Jeremia 17, Vers 5, so weit, dass er sagt: »Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht und dessen Herz vom HERRN abweicht.« Und dann gebraucht er eine Metapher: »Er wird sein wie ein kahler Strauch in der Einöde. Er wird nichts Gutes sehen.« Und dann sagt er: »Gesegnet ist der Mann, der auf den HERRN vertraut und dessen Zuversicht der HERR geworden ist. Denn er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist, der die Hitze nicht fürchtet, sondern dessen Blätter grün bleiben und der nicht aufhört, Frucht zu bringen.«

Das ist die Lektion, die Mose sein Volk lehren will: Vertraut auf den HERRN, dann seid ihr siegreich. Und das ist die Lektion, die der Heilige Geist uns lehren will. Psalm 56, Vers 4 sagt: »Wenn mir Angst ist, vertraue ich auf dich. Ich will Gottes Wort rühmen.« Warum? Weil Gottes Wort Trost gibt und die Angst wegnimmt. »Auf Gott will ich hoffen und mich nicht fürchten. Was können mir Menschen tun?« Wir sind siegreich durch Gottvertrauen.

Prüf dich in deinem Leben: Wo gibt es Situationen, in denen du auf dich vertraust – auf deine Stärke, auf deine Weisheit, auf deine Erfahrung, auf deine Ausbildung? Unsere Niederlagen erfahren wir immer dann, wenn wir auf uns vertrauen und nicht auf Gott. Meistens ist es so, dass wir sagen: Herr, dieses – was auch immer es ist, all die Unmöglichkeiten – die bringen wir zum HERRN und vertrauen auf ihn. Aber in allen alltäglichen Herausforderungen – na, die schaffen wir aus eigener Kraft. Denken wir nicht oft so? Auch das soll nicht so sein, sondern selbst in den Alltäglichkeiten vertrauen wir auf die Macht Gottes.

Ich bin mir sicher, ihr alle kennt Sprüche 3, Vers 5 auswendig: »Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand.« Man könnte sagen, das ist die Zusammenfassung dieses Kapitels. Aber es ist sehr interessant, wenn man den Kontext weiterliest, was Gottvertrauen bedeutet. Vers 6: Gottvertrauen bedeutet, nach seinem Willen zu fragen – das heißt zu fragen: Herr, was willst du? Vers 7: Gottvertrauen bedeutet, dass du dich nicht selbst für weise hältst. Vers 7 weiter: Gott vertrauen ist, vom Bösen Abstand zu nehmen. Vers 8: Gott vertrauen wird dich erquicken, wird dich erfrischen. Vers 9: Gott vertrauen ist, den HERRN mit Besitz und Einkommen zu ehren. Das tut Abraham später, als er Melchisedek den Zehnten der Beute gibt – das sehen wir uns in der nächsten Predigt an. Vers 11: Gott vertrauen ist, die Züchtigung des HERRN anzunehmen. Das heißt: Beschwere dich nicht über die Umstände, die der HERR in dein Leben bringt, über die Schwierigkeiten, durch die er dich hindurchgehen lässt. Das ist Gottvertrauen.

Und dann vertraust du auf ihn. Zu wissen, dass wir siegreich sind – das spornt uns an. Wenn du weißt, dass du auf der Seite der Sieger bist, dann spornt dich das an, für das Reich Gottes zu wirken. Und genau das sagt Paulus in 1. Korinther 15, Vers 57 und 58: »Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus.« Das heißt, wir sind gewiss, wir sind auf der Seite der Sieger. Und wozu soll das führen? Paulus sagt: »Darum, meine geliebten Brüder – und ihr wisst, die Schwestern sind im Moment eingeschlossen –, seid fest, unerschütterlich, nehmt immer zu in dem Werk des HERRN, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist im HERRN.« Und genau das sehen wir bei Abraham. Er ist bereit, ein Risiko einzugehen für seinen Bruder, weil er weiß, dass er siegen wird.

Bruderliebe: Das Risiko, das Abraham für Lot eingeht

Dreimal wiederholt Mose in diesem Kapitel, dass Lot Abrahams Bruder war: Vers 12, Vers 14 und Vers 16. Offensichtlich will er das hervorheben. Und das ist auch der einzige Grund, warum Abraham sich in diesen Krieg hineinziehen lässt – es ist wegen seinem Bruder Lot. Lot kam in Kriegsgefangenschaft.

Schaut in Vers 13: »Es kam aber ein Entflohener und sagte es Abraham, dem Hebräer, der bei den Terebinthen Mamres wohnte, des Amoriters, der ein Bruder von Eschkol und Aner war. Diese waren Abrahams Bundesgenossen.« Da ist jemand nach Hebron gekommen und berichtet Abraham, was geschehen ist.

Was tut Abraham? Was hättest du getan? Ich habe ihn ja gewarnt, aber er wollte nicht hören. Vielleicht hätten wir das gesagt – oder vielleicht hätten wir gesagt: Er erntet, was er gesät hat. Oder: Diese Suppe muss er nun selber auslöffeln. Aber wir sehen: Abraham, wenn er vergibt, dann bedeutet das, dass er nicht nachtragend ist. Und wenn Abraham vergibt, dann ist er auch nicht schadenfroh.

Und das trifft auch auf dich zu: Wenn du vergibst, dann gehst du immer ein Risiko ein, denn dann gibst du deine Macht über die andere Person aus deiner Hand. Aber Abrahams Risiko geht weit darüber hinaus. Schaut euch Vers 14 an: »Als nun Abraham hörte, dass sein Bruder gefangen sei, bewaffnete er seine 318 erprobten Knechte, die in seinem Haus geboren waren, und jagte jenen nach bis Dan.« Die Entfernung von Hebron bis Dan – das sind nicht 3 Stunden Sport, sondern 270 km, also fünf Tagesmärsche. Für alle, die hin und wieder nach Hannover fahren: Es ist ungefähr so wie von Berlin-Mitte bis Hannover zu Fuß.

Abraham riskiert sein Leben. Abraham riskiert das Leben seiner 318 Mann starken Privatarmee. Abraham riskiert sogar das Leben seiner Bundesgenossen. Und er teilt bei Nacht die Schar auf und überfällt sie mit seinen Knechten. Vers 15 und 16: »Und er schlug sie und verfolgte sie bis nach Hoba, das zur Linken von Damaskus liegt. Und er brachte alle Habe wieder, auch Lot, seinen Bruder, und dessen Habe. Die Frauen und das Volk brachte er wieder.«

Mose arbeitet nicht nur mit Wiederholungen, sondern auch mit Kontrasten, mit Gegenüberstellungen. Nachher sehen wir einen Kontrast zwischen Melchisedek und dem König von Sodom. Aber Mose hebt auch immer wieder den Kontrast zwischen Abraham und Lot hervor. Diese Begebenheit soll ein Warnschuss sein für Lot: Geh nicht auf den Weg der Sünde, sitz nicht im Tor mit den Spöttern. Aber Lot wird von der Macht und dem Wohlstand dieser Welt angezogen. Und Lot hört wieder nicht, obwohl Abraham am Ende des Kapitels sehr deutlich dem König von Sodom ins Gesicht sagt, was er von ihm hält.

Abraham geht ein gewaltiges Risiko ein, seinem Bruder nachzugehen und ihn zurückzuholen. Das ist der zweite Punkt: ein Risiko für Bruderliebe. Wie weit gehst du in deiner Liebe für deinen Bruder und für deine Schwester?

Galater 6, Vers 10 sagt: »So lasst uns nun, wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens.« Das heißt, deine Glaubensgeschwister haben Priorität. Und 1. Johannes 3, Vers 16 geht so weit: »Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gegeben hat. Auch wir sind es schuldig, für die Brüder das Leben hinzugeben.« Und wie kann es aussehen? Johannes nennt eine Möglichkeit: »Wer aber die Güter dieser Welt hat und seinen Bruder Notleiden sieht und sein Herz vor ihm verschließt – wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Meine Kinder, lasst uns nicht mit Worten lieben, noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.«

Ist es nicht unfassbar? Abraham geht dieses Risiko für Bruderliebe ein – 2.000 Jahre bevor Johannes das überhaupt niederschreibt. Und was macht es deutlich? Die Prinzipien Gottes ändern sich nie. Sie bleiben gleich, auch wenn sie noch nicht niedergeschrieben sind.

Lot geht nachher seinen eigenen Weg und entscheidet sich wieder, sein Ding zu machen. Aber wisst ihr, was Abraham nicht sagt? »Oh Lot, hätte ich gewusst, dass du wieder zurück nach Sodom gehst, ich hätte mein Leben für dich nicht riskiert.« Nein – 25 Jahre später feilscht Abraham noch einmal mit Gott und bittet für die Rettung Lots.

Abraham wird enttäuscht von seinem Bruder, von seinem weltlich gesinnten Bruder. Du wirst enttäuscht von deinem Bruder, von deinen Schwestern, von deinen Kindern. Du magst ihnen vielleicht guten Rat geben – und du hast Recht – und sie hören nicht auf deinen Rat. Sie hören nicht auf deine Warnung. Sie werden die Konsequenzen dafür tragen, so wie Lot 25 Jahre später. Aber was dich betrifft: Hör nicht auf, trotzdem zu lieben, trotzdem nachzugeben, weil das ist, was Abraham hier tut. Er vergibt trotzdem, obwohl er enttäuscht wird, obwohl Lot nicht auf ihn hört.

Hör nicht auf, trotzdem zu dienen, trotzdem ein Risiko einzugehen aus Liebe für deinen Bruder. Lass dein Herz nicht kalt, hart und bitter werden, weil Geschwister deinen Rat nicht befolgen und ihren eigenen Weg gehen – sondern geh ein Risiko für deinen Bruder ein und lebe ihn. Deinen Bruder zu lieben ist so vielfältig. Es beginnt mit dem Gebet – das ist die einfachste Form, Liebe auszudrücken. Bete einfach durch die Gemeinde hindurch.

Jedes Mal, wenn du anderen dienst anstatt dir selbst, gehst du ein Risiko ein. Wenn du Philipper 2 umsetzt und den anderen höher achtest als dich selbst, gehst du ein Risiko ein. Warum würde der andere dich auch höher achten? Weißt du nicht – aber du tust es. Galater 6, Vers 2: Wenn du dem anderen hilfst, seine Last zu tragen, gehst du ein Risiko ein. Wer hilft dir deine Last zu tragen? Es ist ein Risiko und ein Opfer, dem anderen zu dienen. Es ist ein Risiko und ein Opfer, die Geschwister aus deinem Team, in der Gemeinde, aus deinem Bereich zu fördern. Es ist ein Risiko und ein Opfer, deinem Bruder, deiner Schwester nachzugehen und sie aus der Misere rauszuholen, weil du dir dabei die Hände schmutzig machst und du sogar Verletzungen davontragen kannst. Vermutlich würdest du lieber einen Kratzer und eine Wunde davontragen – aber nicht einen Schnitt im Herzen.

Aber das ist, was Abraham hier tut. Und das ist, was unser Herr mit uns getan hat. Er ist uns nachgegangen, so oft wir nicht auf seinen Rat gehört haben.

Gottes Souveränität und menschliche Verantwortung

Dieses Kapitel ist einmal mehr ein Kapitel in der Schrift, in dem Gottes Souveränität und die Verantwortung des Menschen so glasklar gelehrt wird. Wenn die Schrift über Gottes Souveränität und menschliche Verantwortung spricht, dann bringt sie die immer in Harmonie zusammen und nicht in einen Konflikt. Wir Menschen spielen sie oft gegeneinander aus – aber nicht die Schrift. Sie bringt sie immer zusammen.

Was wir in diesem Kapitel sehen: Gott ist souverän und Abraham ist verantwortlich. Wir haben schon gesehen: Wer gibt den Sieg? Ohne Zweifel Gott. Und doch: Wer muss kämpfen? Abraham. Wer muss eine Entscheidung treffen? Abraham. Wer sagt: »Jungs, wir packen, wir ziehen in den Krieg«? Abraham. Wer muss auf das Bündnis zurückgreifen mit Aner, Eschkol und Mamre? Wer muss hingehen und mit diesen dreien ein Gespräch führen und sagen: »Hey, ich habe hier ein Problem. Mein Neffe ist gefangen genommen worden. Würdet ihr mit mir in den Krieg gegen diese vier Könige ziehen?« Es ist ein Unding, allein zu fragen. Aber wisst ihr – Gott hat es in seiner Souveränität so geführt, dass diese drei – Aner, Eschkol und Mamre – Amoriter waren. Das wird so beiläufig erwähnt, und es ist so erheblich. Sie gehörten zu der Nation, die Kedor-Laomer angegriffen und geschlagen hatte. Und wir können uns vorstellen, das hat ihre Bereitschaft, mit Abraham in den Krieg zu ziehen, ein wenig erhöht.

Wir sehen Gottes Souveränität und unsere Verantwortung in einer Harmonie. Wir dürfen sie nicht gegeneinander ausspielen. Abraham muss leiten, Abraham muss planen, Abraham muss überlegen: Wann greifen wir an? Wie sollen wir angreifen? Er braucht eine Strategie. Und doch kommt der Sieg von dem HERRN.

Psalm 33, Vers 17 sagt: »Betrogen ist, wer von Rossen die Rettung erhofft, denn trotz all ihrer Stärke vermögen sie nicht zu retten.« Das heißt: Wenn du auf das hoffst, wo du denkst, dass es dir Kraft gibt, bist du betrogen.

Vielleicht stellst du dir die Frage: Wieso konnte Abraham so schnell entscheiden? Woher wusste er, was falsch und richtig ist? Woher wusste er, okay, es ist richtig, dass ich mich in diesen Krieg hineinstürze gegen eine Macht, die wesentlich größer ist als ich, die ich menschlich gesehen nie bezwingen könnte? Woher wusste Abraham, was richtig und falsch ist?

Ich habe es erwähnt und ich habe es jetzt noch einmal: Kapitel 13, Vers 18 – so beginnt unser Abschnitt. Er baute einen Altar. Und Kapitel 15, Vers 1: Der HERR redet zu ihm. Abraham ist nahe an der Gemeinschaft mit Gott. Abraham ist nahe am Wort Gottes. Abraham ist im Gebet, in der Anbetung. Deswegen weiß er, was zu tun ist. Deswegen weiß er, es ist richtig, sich in diesen Krieg hineinziehen zu lassen.

Mose will seine Leser zum siegreichen Leben ermutigen, indem sie Gott vertrauen.

Was tun nach dem Versagen? Rückkehr zur Nähe Gottes

Vielleicht stellst du dir die Frage: Was tue ich, wenn ich die Prüfung vergeigt habe? Was tue ich, wenn ich in dieser oder in jener Disziplin versagt habe? Und die Antwort ist dieselbe wie bei Abraham: Kehre vom Holzweg um zur Nähe und zur Anbetung Gottes, weil das die Kraft gibt, die Prüfung zu bestehen. Das gibt die Garantie, siegreich zu sein.

Luther hat es sehr treffend in einem Lied komponiert – in seinem bekanntesten Lied. Er sagt: »Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.« Und in der zweiten Strophe fasst er das eigentlich zusammen, was die ersten 12 Verse meinen: »Mit unserer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren. Es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.« Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christus, der Herr Zebaoth, und ist kein anderer Gott. Das Feld muss er behalten.

Mose zeigt uns an Abrahams Vorbild auf, dass wir ein Risiko für die Bruderliebe eingehen. Und ich möchte dich herausfordern und dich fragen: Wie sieht es heute bei dir in diesen beiden Disziplinen aus? Heute – nicht damals. Hoffentlich ist es besser geworden, aber manchmal kann es sich auch verschlechtern. Hoffentlich erlebst du nicht einen PISA-Schock, wo du feststellst: Sieht nicht gut aus – sondern hoffentlich erfährst du, dass du in der Kraft Gottes siegreich bist. Im nächsten Abschnitt werden wir dann sehen, dass Abraham in der dritten Disziplin Klarheit beim Schätzesammeln hatte.

Lasst uns beten.

Herr, wir danken dir für dieses Kapitel – 1. Mose 14 –, dass er uns aufzeigt, wie das Leben eines Christen aussieht, das auf Glauben gegründet ist. Herr, Tag für Tag stehen wir in Prüfungen, wo unser Gottvertrauen auf die Probe gestellt wird, wo unsere Bruderliebe auf die Probe gestellt wird. Und Herr, wir danken dir für dieses ermutigende Beispiel und Vorbild von Abraham, der im richtigen Moment richtig handelt, weil er fest gewurzelt ist in der Gemeinschaft mit dir, weil er fest gewurzelt ist im Wort Gottes, in der Anbetung, im Gebet. Herr, wir bitten dich, dass wir in dieser Art und Weise siegreich sind durch Gottvertrauen und dass wir nicht müde werden, risikobereit zu sein, wenn es um unseren Bruder geht – zu helfen, zu dienen, zu beten, zurückzuholen, selbst wenn es hart ist und selbst wenn es nicht einfach ist. Herr, wir wollen dir in allem die Ehre geben. Amen.


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