11. April 2026
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Nun, hast du schon einmal von dem Stanford Marshmallow Test gehört? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Da wird einem fünf oder sechsjährigen Kind die Wahl angeboten. Vor dem Kind auf dem Tisch liegt ein Marshmallow. Nun, das Kind könnte jederzeit diesen Marshmallow essen, oder aber, wenn das Kind 15 Minuten wartet, würde es nachher eine größere, doppelte Belohnung bekommen. Nun gehen die Eltern aus dem Raum und kommen erst nach 15 Minuten wieder zurück. Und manche haben eine versteckte Kamera eingeschaltet und ihre Kinder gefilmt. Es gibt auf YouTube immer die amüsantesten Videos, was Kinder tatsächlich in diesen 15 Minuten tun. Sollen sie essen, sollen sie nicht? Sie überlegen. Natürlich haben sie verstanden, dass, wenn sie warten, eine größere Belohnung auf sie wartet. Aber der Marshmallow, der reizt so sehr.
Nun, was würdest du tun? Wie lächerlich denkst du wahrscheinlich bei dir selbst? Ach, das sind doch nur 15 Minuten. Es kommt nur auf 15 Minuten an. Ja, wahrscheinlich denkst du, ich würde 15 Minuten warten und freue mich dann auf die größere Belohnung. Nun, was hättest du als Sechsjähriger getan? Heute weißt du, was du tun würdest. Was hättest du damals getan? Wäre ein bisschen schwieriger gewesen, nicht wahr?
Nun, vielleicht denkst du, ach, das ist alles viel zu kindisch. Nein, in der Tat ist es nicht. Du und ich, wir befinden uns aktuell in einem Stanford Marshmallow Test. Allerdings dauert dieser Test nicht 15 Minuten, sondern er dauert 60 Jahre, 70 Jahre, 80 Jahre, 90 Jahre, bis du stirbst. Und es geht dabei auch nicht einfach nur um einen Marshmallow, sondern es geht darum, Reichtümer zu sammeln, Schätze zu sammeln. Der Text, den wir uns heute anschauen, er zeigt uns, wie ein Mann des Glaubens sich in einem solchen Marshmallow Test verhält. Wie lebt ein Gläubiger, der das Ende, die Belohnung ins Auge fasst? Wie lebt ein Gläubiger, dem die Belohnung Gottes wichtiger ist als alle Schätze Sodoms? Wie sieht richtiges Schätzesammeln aus?
Wir befinden uns im ersten Buch Mose in unserem Studium und wir haben festgestellt, dass Gott mit dem Vater des Glaubens Lektionen des Glaubens durchgeht. Abraham dient als Vorbild des Glaubens, sowohl für die Israeliten, die gerade durch die Wüstenwanderung hindurchgehen und an die Mose dieses Buch eigentlich adressiert, als auch für uns. Und hier in diesem 14. Kapitel wird Abraham in drei Disziplinen geprüft: Die erste Disziplin ist Gottvertrauen — das hatten wir uns angesehen. Er war siegreich durch Gottvertrauen. Die zweite Disziplin war Bruderliebe, und er geht ein hohes Risiko ein, um seinen Neffen Lot zu befreien. Und die dritte Disziplin — man könnte fast sagen, es ist ein Triathlon — ist Schätzesammeln, und das werden wir uns heute ansehen. Er beweist Unterscheidungsvermögen.
Lass uns 1. Mose, Kapitel 14 aufschlagen, und ich lese die Verse 17 bis 24.
Als aber Abraham von der Schlacht gegen Kedor-Laomer und die Könige, die mit ihm waren, zurückkehrte, ging ihm der König von Sodom entgegen in das Tal Schawe — das ist das Königstal. Aber Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein herbei, und er war ein Priester Gottes des Allerhöchsten. Und er segnete ihn und sprach: »Gesegnet sei Abraham von Gott, dem Allerhöchsten, dem Besitzer des Himmels und der Erde. Und gelobt sei Gott, der Allerhöchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat.« Und Abraham gab ihm den Zehnten von allem. Und der König von Sodom sprach zu Abraham: »Gib mir die Seelen und die Habe behalte für dich.« Abraham aber sprach zu dem König von Sodom: »Ich hebe meine Hand auf zu dem Herrn, zu Gott, dem Allerhöchsten, dem Besitzer des Himmels und der Erde, dass ich von allem, was dir gehört, nicht einen Faden noch Schuhriemen nehmen will, damit du nicht sagen kannst, ich habe Abraham reich gemacht — nichts für mich, nur was die Knechte gegessen haben und den Teil der Männer Aner, Eschkol und Mamre, die mit mir gezogen sind. Sie sollen ihren Anteil nehmen.«
Im 14. Kapitel vom ersten Buch Mose haben wir uns drei Kriegszüge angesehen. In den Versen 1 bis 7 hatten wir uns den Krieg der vier mesopotamischen Könige angesehen. Ihr erinnert euch wahrscheinlich an die Karte. Sie kommen aus Mesopotamien, aus dem Gebiet, wo Abraham vorher gewohnt hat. Sie durchziehen das ganze östliche Jordantal, schlagen einen König nach dem anderen, und es waren insbesondere gefürchtete Feinde der Israeliten. Dann wenden sie sich um, unten am Golf von Akaba, und sie ziehen nach oben durch die Wüste, durch das Gebiet Seir, und stoßen auf das eigentliche Ziel, nämlich die Könige Sodoms und Gomorras, die 12 Jahre Untertan gewesen waren, abgefallen sind und nun wollen sie ihre Beute und ihr Andenken zurückholen. Die zweite Schlacht sehen wir in den Versen 8 bis 12: Jeder, der fliehen kann, flieht auf das Bergland, und jeder, der nicht flieht, wird mitgenommen — einschließlich Frau und Kind, einschließlich Hab und Gut. Lot wird mit allem, was er besitzt, aus Sodom mitgenommen, und sie ziehen zurück Richtung Mesopotamien.
Ein Geflohener berichtet Abraham, und Abraham bewaffnet seine Knechte und zieht ihnen nach. Das ist die dritte Schlacht, Vers 13 bis 16. In unserem Teil, den wir uns heute ansehen, stoßen wir auf zwei Begegnungen: Die erste Begegnung ist mit Bera — allerdings wird er nur einmal in Vers 2 mit Namen genannt und danach immer nur als König von Sodom bezeichnet. Die zweite Begegnung ist mit Melchisedek, dem König von Salem. Und Mose stellt diese zwei Begegnungen absichtlich gegenüber.
In Vers 18 beschreibt Mose folgende Szene: Abraham kommt von der Schlacht zurück und zieht an Salem vorbei. Dann kommt ihm der König von Sodom entgegen. Aber irgendwie schiebt sich Melchisedek dazwischen, und dann berichtet Mose erst über das Gespräch mit Melchisedek, und dann erst kommt der König von Sodom an die Reihe. Mose erhebt diese Gegenüberstellung bewusst hervor, weil er aufzeigen will, wie unterschiedlich Abraham mit diesen Beziehungen umgeht. In beiden Begegnungen, sowohl mit Melchisedek als auch mit Bera, geht es um materielle Besitztümer, um Wohlstand, um Güter. Im ersten Fall gibt Abraham Melchisedek den Zehnten von der Beute, und in der zweiten Begegnung weigert sich Abraham, von Bera irgendetwas anzunehmen.
Abraham zeigt Unterscheidungsvermögen im Schätzesammeln. Die Verse 17 bis 20 zeigen uns, dass Abraham nach dem trachtet, was bleibenden Wert hat. Und in der zweiten Begegnung sehen wir, dass Abraham alles vermeidet, was ihm schadet. Nun werden wir Vers für Vers durch diesen Bericht durchgehen und wir wollen drei Dinge feststellen: Wir wollen sehen, was Mose schreibt und wir wollen das verstehen. Dann wollen wir sehen, warum Mose diesen Text so zusammenstellt — was ist seine Absicht für seine Zielgruppe, für das Volk Israel? Was beabsichtigt Mose? Und am Schluss der Predigt werden wir ins Neue Testament gehen und uns anschauen, was es auf sich hat, dass Jesus Christus ein Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks genannt wird. Was bedeutet das?
Nun, lass uns starten. Ich lese noch einmal Vers 17:
»Als aber Abraham von der Schlacht gegen Kedor-Laomer und die Könige, die mit ihm waren, zurückkehrte, ging ihm der König von Sodom entgegen in das Tal Schawe — das ist das Königstal.«
Wir hatten gesehen in der letzten Predigt, dass Abraham siegreich war durch Gottvertrauen. Wegen der Bruderliebe geht er ein großes Risiko ein. Als er hört, dass Lot gefangen ist, bewaffnet er seine 318 Knechte und zieht dieser großen Armee nach. Aber seine Privatarmee, so könnte man es nennen, die ist doch recht klein gegen diese mesopotamische Allianz. Und in Gottes Souveränität hat Gott das so geführt, dass die Bundesgenossen Abrahams — Aner, Eschkol und Mamre — Amoriter waren. Warum ist das relevant? Weil Kedor-Laomer im ersten Feldzug die Amoriter besiegt hatte. Das heißt, er hatte die Volksgenossen, das eigene Volk dieser Bundesgenossen, angegriffen. Und gut möglich, dass das die Bereitschaft erhöht hat, dass diese Bundesgenossen in diesen gewagten Kampf mit Abraham eingestiegen sind.
Wir hatten das letzte Mal gesehen, dass Abraham auf eine bewährte Taktik setzt. Er greift bei Nacht an, aus unterschiedlichen Richtungen, teilt das Heer auf. Wir haben gesehen, dass menschliche Verantwortung und Souveränität Gottes sich nie ausschließen, sondern immer in Harmonie sind. Abraham übernimmt Verantwortung, aber schlussendlich hat Gott den Sieg geschenkt. Es ist ein mächtiger Sieg. Es ist eine gewaltige Beute von all diesen Kriegszügen, und Abraham kommt nach Hause.
Nun, der Nachhauseweg führt ihn durch Salem oder an Salem vorbei. Ihr könnt es auf der Karte sehen. Der Weg zurück von oben führt an Betel vorbei, bei Salem, dann Bethlehem und dann Richtung Hebron. Dort war Abraham zu Hause. Und Abraham kommt an Salem vorbei, und hier kommt ihm der König von Sodom entgegen. Was macht der König von Sodom im Bergland? Nun, Vers 10 aus Kapitel 14 sagte uns, dass alle, die entkommen konnten, ins Bergland geflohen sind. Wahrscheinlich so auch der König von Sodom. Vermutlich hat er irgendwo in einer Stadt Asyl beantragt, könnte man sagen. Und es ist kaum vorstellbar, dass ein so egoistischer und gottloser König — Verbrecher könnte man fast sagen — wirklich gute, echte Freunde hat, die ihn aufnehmen und beherbergen. Wir wissen es nicht. Vielleicht war der König von Salem der einzige, der ihm ein Dach über dem Kopf gewährt hatte.
Nun, es hat sich herumgesprochen, dass Abraham siegreich war und auf dem Rückweg ist. So sieht es aus, dass jeder, der es sich einrichten kann, Abraham entgegengeht, ihn begrüßt, ihn willkommen heißt und sich mitfreut. Auch der König von Sodom — man könnte fast sagen, diese Schlange von König aus Sodom — er will als Erster mit Abraham reden. Aber da schiebt sich jemand dazwischen. Er geht auf Abraham zu, will mit ihm reden, und dann kommt ein »Aber« in Vers 18.
»Aber Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein herbei, und er war ein Priester Gottes des Allerhöchsten.«
Wie aus dem Nichts taucht hier auf einmal ein anderer König auf. Er ist König von Salem. Nun, wo liegt Salem? Auf der Karte habt ihr gesehen, da war ein Fragezeichen dahinter. Alles spricht dafür, dass es sich hierbei um Jerusalem handelt — drei Gründe. Der erste ist Josephus. Er bestätigt es in seinem 20-bändigen Werk »Jüdische Altertümer« und sagt, sie nannten Salem später Jerusalem. Ja, da steckt Salem noch im Namen mit drin. Außerdem begegnet uns das Tal der Könige noch einmal in 2. Samuel 18, Vers 18. Ihr erinnert euch an Absalom, den Sohn Davids. Der hatte sich im Königstal eine Gedenksäule errichtet, damit sein Name in Erinnerung bleibt, weil er keinen Sohn hatte. Die Ausleger vermuten, dass es sich um Ramat Rachel handelt — das ist ein wunderschönes Tal, ungefähr 4,5 km südlich von Jerusalem, heute ein Kibbuz. Aber der stärkste Beweis, warum Salem Jerusalem ist, den finden wir in Psalm 76, Vers 3. Dort wird Jerusalem als Salem und als Zion bezeichnet: »Dort in Salem ist sein Zelt und seine Wohnung in Zion.«
Und dann stellt uns Vers 18 Melchisedek einfach nur sehr kurz vor. Es heißt, er ist König von Salem und Priester Gottes des Höchsten. Und das ist überraschend. Das heißt, wir haben hier in Kanaan einen weiteren gläubigen Menschen. Nun, Abraham ist nicht der einzige gläubige Mensch auf Gottes weiter Erde. Es gab zu jeder Zeit Gläubige, die an den allerhöchsten Gott glaubten. Und so wie heute überall Gläubige sind, so gab es auch damals überall Gläubige. Und so wie es damals überall Gläubige gibt, gibt es auch in der schlimmsten, gottlosesten Zeit, die diese Welt je kennenlernen wird — in der Trübsalzeit — auch dort Gläubige. Schlussendlich sind vor dem Thron Gottes Menschen aus jedem Stamm, jeder Sprache und jeder Nation. Nun, vielleicht fällst du gleich vom Stuhl, aber das bedeutet, dass auch Kanaaniter und Jebusiter im Himmel sein werden.
Und hier haben wir einen weiteren Gläubigen: Melchisedek. Weder seine Nationalität noch sein Stammbaum werden erwähnt. Und es wäre sehr gut möglich, dass er aus dem Volk der Jebusiter kommt, denn Salem beziehungsweise Jerusalem war die Stadt der Jebusiter — das können wir in Josua und Samuel überall nachlesen. Nun stellt sich die Frage: Wie kommt dieser Melchisedek zum Glauben? Das ist eine spannende Frage. Weißt du was? Die kannst du ihm im Himmel stellen, und er wird dir garantiert gerne erzählen. Wir wissen es nicht. Wir müssen nur bedenken, dass die Sintflut um die 400 Jahre her ist. Noah erlebte 350 Jahre nach der Sintflut. Das heißt, Abraham und Noah haben sich um 60 Jahre überschnitten. Vielleicht kannten sie sogar einander. Sem, der Sohn Noahs, der auch in der Arche war, er war immer noch am Leben und er wird sogar Abraham überleben. Das heißt, die Wahrheit über die Herkunft des Menschen, die Hoffnung auf den kommenden Schlangenzertreter, die konnte man auch, wenn es schon 400 Jahre her ist, von Augenzeugen hören, die wirklich die Sintflut miterlebt und überlebt haben.
Nun, dieser Melchisedek war nicht nur gläubig, sondern er war König von Salem. Sein Name — Melchisedek — leitet sich ab von »Melek« und »Zedek«. Melek bedeutet König und Zedek ist Gerechtigkeit. Das sehen wir nachher im Hebräerbrief: Er wird auch als König der Gerechtigkeit bezeichnet. Sein Titel »König von Salem« — ihr wisst, Salem klingt an das hebräische »Schalom« an — bedeutet König des Friedens. Das heißt, wir haben hier einen gottesfürchtigen Monarchen, das Beste, was einer Stadt je passieren kann. Salem war sicherlich das Gegenteil von Sodom, auch wenn bestimmt nicht alle Menschen aus Salem gläubig waren. Aber es ging der Stadt Salem sicherlich gut, weil sie einen gläubigen König hatte. Salem war sogar so stark befestigt, dass es unter Josua nicht eingenommen werden konnte, sondern erst einige Jahrhunderte später von David. Und ab da wurde Salem zur Hauptstadt des Reiches Israel. Von hier regierte König David. Von hier wird einmal der Sohn Davids, der König der Könige und gleichzeitig der Priester nach der Ordnung Melchisedeks, regieren — in Gerechtigkeit und in Frieden.
Melchisedek war nicht nur gläubig, nicht nur ein König, sondern er war sogar Priester. Dieses Kapitel ist unfassbar. So viel kommt in diesem Kapitel das erste Mal vor. Man könnte es das Kapitel der Könige nennen, weil das Wort »Melek«, das Wort König, 28 Mal vorkommt. Aber es ist nicht nur das Kapitel der Könige, sondern es ist das Kapitel, wo der Begriff »Priester« das erste Mal in der Bibel überhaupt auftaucht. Ein Priester war ein Mittler zwischen Gott und Mensch. Ein Priester repräsentierte Gott vor den Menschen und repräsentierte den Menschen vor Gott. Und ein sündiger Mensch kann nicht in die Gegenwart eines heiligen Gottes kommen, sondern es braucht einen Mittler. Es braucht jemanden, der ein Opfer darbringt und Sühnung erwirkt. Und dafür war der Priester verantwortlich.
Nun, Abraham ist auf dem Rückweg nach Hebron, und sein Weg führt an Salem vorbei. Melchisedek kommt heraus — und es wird zwar hier in diesem Kapitel das erste Mal erwähnt, aber es wäre durchaus sehr möglich, dass Abraham Melchisedek schon früher kannte. Nun, wie ihr alle wisst, ist die Welt der Gläubigen sehr klein. Das stellen wir auch heute noch fest. Vers 18 sagt: Melchisedek bringt Brot und Wein heraus. Wohl gemerkt, das ist nicht das Abendmahl, auch wenn wir hier Brot und Wein haben, wenn wir nachher das Abendmahl feiern. Nein, sondern Melchisedek bringt Brot und Wein, um Abraham und seine Privatarmee nach dieser heftigen Schlacht zu erfrischen.
Etwas Ähnliches geschieht in 2. Samuel 17: Als David auf der Flucht ist vor seinem Sohn Absalom, kommt Barzillai, ein Freund Davids, und er bringt genauso Essen mit, weil er sagt, das Volk wird hungrig und müde und durstig sein. Das heißt, diese Stärkung von Brot und Wein soll Abraham erfrischen — aber nicht nur physisch, sondern auch geistlich ihn stärken und ihm Unterscheidungsvermögen geben für die nächste Prüfung, nämlich die Begegnung mit dem König von Sodom. In Sprüche 9, Vers 5 bis 6 haben wir eine interessante Szene: Die Weisheit lädt jeden ein und gebraucht exakt dieselben Worte. Es heißt dort: »Kommt her, esst von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe. Verlasst die Torheit, damit ihr lebt und wandelt auf dem Weg der Einsicht.«
Nun, es muss eine ungeheure Menge an Brot und Wein gewesen sein, um diese erschöpfte Armee zu versorgen. Das war Gastfreundschaft auf einem völlig neuen Level — nicht nur zwei bis drei Leute, sondern es waren hunderte Krieger, die zudem mit einem Bärenhunger am Tisch saßen. Sie haben gerade eine Schlacht hinter sich. Und Melchisedeks Ziel ist es, sie zu erfrischen, sie zu stärken, sie sollen ausruhen und wieder zu Kräften kommen. Melchisedek tut das, was ein Priester tut.
Und dann sehen wir in Vers 19, er segnet Abraham von Gott:
»Und er segnete ihn und sprach: »Gesegnet sei Abraham von Gott dem Allerhöchsten« — ja, das ist dieser Begriff »Eljon« auf Hebräisch — »dem Besitzer des Himmels und der Erde.««
Und ihr müsst euch vorstellen, das ist ein gewaltiges Zeugnis. Wir haben hier eine Art Feier nach dem Krieg, und alle Ungläubigen — mehrere hundert, vielleicht waren es 1000 — sind an diesem Ort. Da ist der gottlose König von Sodom, und er hört diese Worte. Da sind die amoritischen Bundesgenossen Abrahams, Aner, Eschkol und Mamre — sie glauben nicht an Eljon. Deren Soldaten sind auch da und hören auch diese Worte. Das sind die Leute aus der Stadt Salem, da sind die Diener Abrahams — und alle hören dieses gewaltige Zeugnis.
Es ist Gott, der Allerhöchste. Wenn es Götzen gibt, er toppt alle. Er ist der Allerhöchste. Er ist der Besitzer von Himmel und Erde. Vielleicht hast du dir auch schon mal die Frage gestellt: Woher weiß ich, welches der richtige Gott ist? Woher weiß ich, welches der lebendige Gott ist? Woher weißt du, ob du zum richtigen Gott betest? Nun, die Antwort ist dieselbe, die Melchisedek gibt: Wir glauben an den Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und dem alles gehört und der alles besitzt. Das ist unser Gott. Das ist der einzig lebendige Gott. Ihm sind wir verpflichtet. Ihm ist jeder Mensch verpflichtet, sogar der König von Sodom — und er muss es hören.
Und dann sagt Melchisedek: »Gesegnet sei Abraham von Gott dem Allerhöchsten.« Ihr erinnert euch: In Kapitel 12 hat Gott zu Abraham gesagt, »ich will segnen, die dich segnen, und du sollst ein Segen sein.« Und hier wird es wiederholt — das erste Mal, dass das Wort Segen wieder auftaucht. Gott hält, was er verspricht. Gott segnet Abraham. Und vielleicht denkst du, was ist der Segen Gottes? Nun, es ist das Wohlwollen Gottes über einen Menschen. Psalm 5, Vers 13 fasst es so wunderbar zusammen: »Denn du, Herr, segnest den Gerechten« — und dann wird eine Metapher gebraucht — »du umgibst ihn mit Gnade wie mit einem Schild.« Das heißt, jemand, der gesegnet ist, der ist von Gnade umgeben. Und Psalm 29, Vers 11 noch einmal: »Der Herr wird seinem Volk Kraft verleihen. Der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden.« Das bedeutet es, gesegnet zu sein. Gottes Wohlwollen ruht auf dem, der gesegnet wird.
Und dann lobt Melchisedek Gott in Vers 20:
»Und gelobt sei Gott, der Allerhöchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat.«
Stellt euch vor, Melchisedek macht vor allen deutlich — auch vor den Ungläubigen: Wer hat wirklich zum Sieg verholfen? Wer hat den Sieg geschenkt? Es war Gott. Es war nicht Abrahams Überlegenheit. Es war nicht seine Taktik. Es waren auch nicht Aner, Eschkol und Mamre oder deren Krieger, sondern Gott hat den Sieg gegeben.
Und dann folgt ein ganz kurzer Satz, der aber so enorm wichtig ist:
»Und Abraham gab ihm den Zehnten von allem.«
Wir haben gesehen, Mose packt oft die Dramatik in einen sehr kurzen Satz. Das ist der Wendepunkt. Nun stellen wir uns die Frage: Von was genau hat Abraham den Zehnten gegeben? Manche sagen, von seinem ganzen Besitz — aber Abraham war noch auf dem Rückweg. Er war noch gar nicht zu Hause. Alles deutet darauf hin, dass er den Zehnten von der Beute gegeben hat. Es wird zwar nicht explizit gesagt, aber es wird angenommen. Und genauso versteht es auch der Schreiber des Hebräerbriefes. Wir schauen uns nachher Hebräer 7, Vers 4 an — dort sagt er auch, dass er den Zehnten von der Beute gab.
Nun, dieses Kapitel 14 ist, wie ich schon gesagt habe, unfassbar. Es ist nicht nur das Kapitel der Könige. Es ist nicht nur das Kapitel, wo das erste Mal ein Priester erwähnt wird, sondern es ist auch das Kapitel, wo das erste Mal der Zehnte erwähnt wird. Offensichtlich wurde der sogenannte Zehnte nicht erst mit dem mosaischen Gesetz eingeführt — genauso wie es schon vor dem mosaischen Gesetz einen Ruhetag gab, Opfer gab und Priester gab. Genauso gab es auch schon vor dem mosaischen Gesetz einen Zehnten. Allerdings wird er dann unter dem mosaischen Gesetz anders reglementiert.
Das bedeutet: Gottesdienst ist nicht nur Singen und Gott zu loben. Gottesdienst ist nicht nur Beten und mit Gott zu reden. Gottesdienst ist nicht nur, dass wir in der Lehre der Apostel verharren, dass wir auf Gottes Wort hören, Gottes Wort zu uns reden lassen. Gottesdienst ist nicht nur anderen zu dienen und Gemeinschaft zu haben, sondern Gottesdienst ist auch ein Dienst des Gebens. Und das ist für Mose so selbstverständlich, dass er gar nicht weiter darauf eingeht, um den Zehnten zu erklären. Sonst erklärt Mose alles, was unverständlich ist — aber hier erklärt er es gar nicht.
Abraham praktiziert hier eine Gewohnheit, die er seiner Familie vorlebt und die seine Nachkommen übernehmen. Es wird nicht explizit gesagt, dass sein Sohn Isaak den Zehnten praktiziert hat, aber es ist offensichtlich, weil der Enkel, also der Sohn von Isaak — Jakob — es für selbstverständlich hielt. Einige Jahre nach dieser Begebenheit in 1. Mose 14 ist Jakob, der Enkel, noch nicht gläubig. Ihr erinnert euch: Er hat seinen Zwillingsbruder Esau betrogen, um den Erstgeburtsegen, und nun ist er auf der Flucht vor seinem Bruder nach Haran. Auf dem Weg dorthin übernachtet er bei Betel auf einem Stein, sieht diese Leiter und macht dort an Ort und Stelle ein Gelübde. Er sagt in 1. Mose 28: »Herr, wenn du mich behütest, wenn du mich versorgst und wenn du mich wohlbehalten wiederherbrings, dann sollst du mein Gott sein.« In anderen Worten, er sagt: »Du bist noch nicht mein Gott. Erst wenn das passiert, dann wirst du mein Gott.« Und dann nennt er zwei Dinge: Dieser Stein, auf dem er sein Haupt hingelegt hat, soll zu einem Haus Gottes werden. Und dann sagt er: »Von allem, was du mir gibst, will ich dir gewisslich den Zehnten geben.« Für Jakob ist es so selbstverständlich: Wer den Gott des Himmels anbetet, der gibt Gott den Zehnten. Abraham praktiziert den Gottesdienst des Gebens, und für Jakob ist es ganz normal und selbstverständlich: Wenn Jahwe mein Gott ist, dann praktiziere ich den Gottesdienst des Gebens.
Merke dir: Der Zehnte ist keine Anforderung des Gesetzes, sondern es ist eine freiwillige Gabe der Anbetung. Das sehen wir hier bei Abraham, bei den Patriarchen. Das sehen wir im Gesetz — auch dort wollte Gott fröhliche, dienende Geber. Und das sehen wir auch im Neuen Testament in 2. Korinther 9, Vers 7: »Jeder, wie er es sich im Herzen vornimmt, nicht widerwillig oder gezwungen, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.«
Der Zehnte ist keine Anforderung des Gesetzes, sondern eine freiwillige Gabe der Anbetung. Das Neue Testament nennt keinen konkreten Prozentsatz im Sinne von einem Zehntel oder einer Hälfte oder was auch immer. Aber Paulus sagt den Korinthern in 1. Korinther 16, Vers 2: An jedem ersten Wochentag, wenn ihr zusammenkommt, lege jeder unter euch etwas beiseite und sammle, je nachdem er Gedeihen hat — so viel möglich ist, oder wie Luther sagt: so viel seine Verhältnisse es gestatten. Heute verwenden wir sogar digitale Möglichkeiten. Alles ist komplexer geworden, aber die Prinzipien bleiben gleich: Es soll ein regelmäßiges, freudiges, geplantes, freiwilliges und großzügiges Geben sein, nach dem eigenen Vermögen, wie Gott segnet. Egal wie groß die Summe ist, du kannst schon mit Taschengeld beginnen.
Und vielleicht denkst du: Was soll ich dem Herrn geben? Nun, Jakob hat es richtig verstanden. Er sagt: »Von allem, was du mir gibst.« Also alles, womit Gott dich versorgt, davon gibst du. Und hier bei Abraham ist es sehr spannend: Gott schenkt Abraham Beute, und Abraham gibt von dieser Beute den Zehnten an Gott. Und das trifft nachher auch auf die Israeliten zu. Gott gibt den Israeliten Beute, und Gott erwartet, dass sie ihn ehren, indem sie freiwillig abgeben.
Ihr erinnert euch bestimmt: Bevor die Kinder Israel aus Ägypten ausgezogen sind, sollten sie von ihren Nachbarn sich einiges besorgen — Silber, Gold, Schmuck, Kleider, alle möglichen Kostbarkeiten. Gott sagt tatsächlich zu ihnen: »So sollt ihr Ägypten berauben wegen der Sklaverei.« Und dann ziehen sie aus und plündern Ägypten im wahrsten Sinne des Wortes. Wenige Monate später sind sie in 2. Mose 35 am Sinai. Wenige Monate später wird mit diesen Gaben, die sie erbeutet haben — mit Gold, Silber, Edelsteinen, Dachsfellen, Purpur, feiner Leinwand — mit dieser Beute die Stiftshütte gebaut. Unfassbar. Und zu diesem Zeitpunkt geben die Israeliten noch gerne, noch freiwillig, noch großzügig — und zwar so sehr, dass Mose einen Spendenstopp ausruft: Es ist genug, nicht mehr spenden, wir haben genug. Unfassbar.
Gott versorgt mit Beute, damit wir ihn ehren. Wahrscheinlich würdest du deinen Lohnschein, deine Zeit oder alles, womit der Herr dich versorgt, nicht als Beute bezeichnen. Aber in gewisser Weise ist es nichts anderes. Auch wenn dein Arbeitsverhältnis vertraglich geregelt ist, wenn deine Ein- und Ausgaben sehr komplex sind — es ist doch der Herr, der dich versorgt. Er gibt dir die Kraft. Er gibt dir das Gelingen. Er versorgt dich.
Nun könntest du vielleicht die Frage stellen: Wie gebe ich Gott? Soll ich alles opfern? Nun, es ist irgendwie eine schlechte Idee, wenn du alles, was du Gott geben willst, verbrennst. Also tu das bitte nicht. Und es ist auch nicht die beste Idee, wie der Witz über den Rabbi es sagt, wo der Rabbi sagte: »Ich mache es so: Ich werfe alles Geld nach oben in die Luft und sage zum Herrn, behalte was du möchtest, und alles, was wieder herunterfällt, das nehme ich.« Das ist auch nicht die Art und Weise, wie wir Gott geben. Abraham gibt uns ein Vorbild: Er gibt Gott über Melchisedek. So gibt er Gott. Und so wird es auch später unter dem Gesetz praktiziert. Der Zehnte für Gott sollte den Leviten gegeben werden. Das heißt, du gibst Gott durch Menschen beziehungsweise an Menschen.
Es ist sehr spannend zu untersuchen, wie und wofür die Israeliten den Zehnten abgeben sollten. Und oft war es auch mehr als der Zehnte. Aber es diente dem Bau der Stiftshütte, wie wir schon gesehen haben. Nachher diente er dem Bau und dem Erhalt des Tempels. Dann diente er den Priestern und den Leviten — sie wurden eingestellt. Sie sollten singen, sie sollten unterweisen, das Volk belehren, Opfer darbringen. Und dann diente er auch den Witwen, Armen und Waisen. Man könnte zusammenfassen: Es sollte für Säule und Weinstockarbeit dienen. Es sollte die physischen, materiellen Arbeiten am Reich Gottes ermöglichen, aber es sollte auch den Dienst an Menschen ermöglichen.
Stellt euch vor, Abraham gibt nun Melchisedek den Zehnten. Wir wissen nicht, wofür Melchisedek den Zehnten von Abraham eingesetzt hat. Das steht nicht da. Und Abraham fragt auch nicht danach und sagt: »Melchisedek, kannst du mir aufzeigen, wofür du den Zehnten verwendest?« Das war nicht seine Aufgabe. Aber wir können davon ausgehen, dass Melchisedek es für die Reichsgottesarbeit eingesetzt hat — auch wenn die Jebusiter, diese Stadt, in der er wohnte, später zu einem fürchterlichen und gottlosen Volk werden. Abraham konnte nicht abschätzen, welche direkte und indirekte Frucht aus seinem Geben entstanden ist.
Und es ist kein Zufall, dass alle Erwähnungen der Jebusiter schlecht wegkommen — bis auf eine einzige. Einige Jahrhunderte später lässt König David eine Volkszählung durchführen am Ende seines Lebens. Er ist stolz, er ist ungehorsam. Es war falsch. Sogar Joab weigert sich, den Befehl umzusetzen, aber er muss es tun. Und Gott straft David mit einer Plage, einer Pest, an der 70.000 Menschen sterben. Und der Engel des Herrn befindet sich auf der Tenne Araunas, um jetzt loszulegen und Jerusalem zu schlagen. Der Prophet Gad schickt David auf die Tenne Araunas, um dort einen Altar zu bauen und Brandopfer darzubringen. Und Gott lässt sich erbitten, und die Plage wird beendet. Diese Tenne gehörte Arauna, dem Jebusiter. Auf diesem Grundstück baut Salomo nachher den Tempel — 2. Chronik 3:1. Und das Überraschende ist: Jedes Mal, wenn von diesem Grundstück die Rede ist, wird Arauna ausdrücklich immer als Jebusiter genannt. Er ist kein Israelit, er ist ein Jebusiter.
Du kannst dir die direkte und die indirekte Frucht deines Lebens und deines Gehorsams nie ausmalen. Abraham hätte sich die Tragweite seines Schätzesammelns nie vorstellen können. Der Himmel wird erst die Frucht von all dem offenbaren. Aber bis dahin geben wir im Glauben für die Reichsgottesarbeit, für Säule- und Weinstockarbeit. Im Neuen Testament sehen wir, dass der Ort des Gebens insbesondere die Ortsgemeinde ist. Und deswegen haben wir es bei uns bei Leuchtturm auch so ähnlich formuliert in unserem Mitgliedschaftsversprechen. Dort sagen wir: Wir werden fröhlich, regelmäßig und großzügig zur Förderung des Dienstes, zur Deckung der Kosten der Gemeinde, zur Hilfe für unseren Nächsten und zur Verbreitung des Evangeliums in allen Nationen durch unsere Spenden beitragen.
Wir sind verantwortlich für die Treue im Geben. Gott sorgt für die Tragweite.
Gott geht mit dem Vater des Glaubens Lektionen des Glaubens durch und er ließ Mose diesen Abschnitt niederschreiben. Warum? Weil die Israeliten Vorbilder brauchten und weil wir — du und ich — gute Vorbilder brauchen. Vorbilder spornen uns an. Im ersten Jahr der Wüstenwanderung haben wir gesehen, da haben die Israeliten noch bereitwillig, freiwillig gegeben, so sehr, dass Mose einen Spendenstopp ausruft. Aber das hat sich geändert. In Amos 5, Vers 25 sagt Gott zu Israel: »Habt ihr mir 40 Jahre in der Wüste Schlachtopfer und Speisopfer dargebracht, Haus Israel?« Und das ist eine rhetorische Frage. Die Antwort lautet: Nein. Das heißt, die Israeliten haben aufgehört damit. Da war eine Begeisterung da, und die ist eingeschlafen. Sie haben nicht mehr Wert auf das gelegt, was bleibenden Wert mit sich bringt.
Nun gehen wir weiter und kommen zu den letzten Versen, zu der Begegnung mit dem König von Sodom. Vers 21:
»Und der König von Sodom sprach zu Abraham: »Gib mir die Seelen und die Habe behalte für dich.««
Was für ein starker, gravierender Kontrast zu Melchisedek! Melchisedek dient Abraham. Melchisedek erfrischt Abraham. Melchisedek segnet Abraham. Und hier kommt der König von Sodom. Er ist unfassbar stolz, selbstsüchtig und fordernd. Er denkt, er habe ein Recht auf irgendetwas. Im Hebräischen redet er nur sechs Worte, aber diese sechs Worte sagen alles über ihn aus. Er sagt eigentlich: »Gib mir Seelen, nimm Habe für dich.« Das ist alles. Man könnte meinen, Satan höchstpersönlich würde hier reden. »Gib mir die Seelen.« Auch er weiß, was kostbar ist. Es ist nie das Materielle. Es sind immer die Menschen.
Nun, der König von Sodom hat Anspruch auf nichts. Es gab eine Regelung — die ist ein bisschen kompliziert, aber sie trifft auf Abraham zu: Wenn König A von König B besiegt wurde und König C hat König B geschlagen, dann hat er die Beute König A nicht mehr zurückgegeben. Also musste Abraham dem König von Sodom nicht zurückgeben, es sei denn, sie hätten ein Bündnis gehabt. Sie wären Verbündete gewesen, so wie Abraham, Aner, Eschkol und Mamre. Aber das waren sie nicht. Der König von Sodom wollte den Anschein erwecken: »Ich bin so großzügig.« Er sagt Abraham: »Du kannst die ganze Beute behalten, gib mir einfach nur die Seelen.« Klingt das nicht großzügig? Aber es ist eigentlich extrem egoistisch — ihm gehörte gar nichts.
Und Abraham erkennt die Gerissenheit dieses Mannes. Abraham weiß, wie gerissen dieser König von Sodom ist und wie sehr er Wahrheit und Lüge verdrehen würde. Und deswegen will er nichts mit dem König von Sodom zu tun haben. Schaut euch an, was Abraham sagt, Vers 22:
»Abraham aber sprach zu dem König von Sodom: »Ich hebe meine Hand auf zu dem Herrn, zu Gott dem Allerhöchsten, dem Besitzer des Himmels und der Erde, dass ich von allem, was dir gehört, nicht einen Faden noch Schuhriemen nehmen will, damit du nicht sagen kannst, ich habe Abraham reich gemacht — nichts für mich, nur was die Knechte gegessen haben und den Teil der Männer Aner, Eschkol und Mamre, die mit mir gezogen sind. Sie sollen ihren Anteil nehmen.««
Man kann sagen, was man will, aber diese Worte sitzen gewaltig. Das sind deutliche Worte. Abraham sagt in anderen Worten: »Ich will mit dir nichts zu schaffen haben, weil ich weiß, du wirst die Wahrheit verdrehen. Du wirst sagen, du hättest Abraham reich gemacht. Nein, ich lasse mich nicht darauf ein. Ich verzichte auf deine ganze Habe. Du kannst sie haben. Ich will nichts davon.« Und dann besiegelt er es noch mit einem Schwur, wo er sagt, ich hebe meine Hand zu Gott dem Allerhöchsten auf. Das ist Entschlossenheit.
Stell dir vor: Das Beste, was Sodom zu bieten hatte — das war der Grund, warum Lot eigentlich dahin gegangen ist — das lässt Abraham kalt, weil ihm die Segnungen Gottes kostbarer sind. Unfassbar. Was für eine Wertsteigerung. Abraham hat Unterscheidungsvermögen. Er weiß, was wertvoll ist und was nicht. Er kann unterscheiden, was in dieser Situation richtig ist und was falsch ist. Er kann unterscheiden, was bleibenden Wert hat und was Schaden anrichtet.
Nun, war das Geld von Bera schmutziges Geld? Nicht wirklich. Ist es falsch, Geld von Ungläubigen anzunehmen? Nein. Abraham hatte vorher schon Geschenke von Pharao angenommen, und er wird später von Abimelech wieder Geschenke annehmen. Aber hier nimmt er nichts an. Und Abraham weiß: Der Reichtum Sodoms würde ihn ärmer machen. Der Reichtum Sodoms macht einen Gläubigen ärmer. Also besser nicht anfassen. Und deswegen macht er sehr klar: Ich will nicht mit dir in Verbindung gebracht werden. Wir haben keine Gemeinschaft. Da soll noch nicht einmal der Verdacht bestehen, wir hätten irgendein Bündnis.
Nun, wie sehr ähnelt der Glaube Abrahams dem Glauben Moses? In Hebräer 11, in dieser Ahnentafel von den sogenannten Glaubenshelden, die waren alle schwach wie wir. Da wird über Mose folgendes gesagt, Hebräer 11, 25 bis 26: »Er zog es vor, mit dem Volk Gottes Bedrängnis zu erleiden, anstatt den vergänglichen Genuss der Sünde zu haben, da er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze, die in Ägypten waren, denn er sah die Belohnung.« Das kann man über Abraham eins zu eins sagen: Er sah die Schmach Christi als größere Belohnung als alle Habe Sodoms.
Und als Gläubige brauchen wir Unterscheidungsvermögen, weil die Segnungen Gottes und die Güter dieser Welt sich manchmal sehr leicht verwechseln lassen. Philipper 3, Vers 7 sagt Paulus: »Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet.«
Nun, was beabsichtigt Mose mit diesem Kapitel? Mose zeigt den Israeliten am Vorbild von Abraham, dem Glaubensvater, wie sehr Unterscheidungsvermögen sich beim Schätzesammeln auswirkt. Abraham trachtet nach dem, was bleibenden Wert hat, und Abraham vermeidet alles, was ihm schadet. Und genau dieses Unterscheidungsvermögen fehlte dem Volk Israel im Alltag der Wüste.
Nun, man könnte sich die Frage stellen: Ist Knoblauch, Zwiebel, Melone, Lauch etwas Böses? Und wahrscheinlich würde jeder von uns sagen: Nein, es ist nichts Böses. Aber wenn man wie die Israeliten bereit ist, die göttlichen Segnungen wegen dieser irdischen Schätze preiszugeben, dann fehlt Unterscheidungsvermögen ganz gewaltig. Und sie waren bereit, wegen Knoblauch, Zwiebeln, Melonen und Lauch zurück nach Ägypten zu gehen, anstatt ins verheißene Land Kanaan. Und genau das bringt Mose am Ende der Wüstenwanderung in dem sogenannten Lied des Mose auf den Punkt. In 5. Mose 32 sagt er: »Denn sie sind ein Volk, an dem aller Rat verloren ist und das keine Einsicht besitzt« — oder Unterscheidungsvermögen. »Wenn sie weise wären, so würden sie das beherzigen. Sie würden an ihr Ende denken.« Und dann gebraucht er Metaphern, die genau von hier kommen: »Vom Weinstock Sodoms stammen ihre Reben, Gift der Drachen ist ihr Wein.«
Das ist auch der Grund, warum Mose am Ende seines Lebens in Psalm 90 diese bekannten Worte betet, die wir alle sehr gut kennen. Psalm 90, Vers 12: »Lehre uns unsere Tage richtig zählen, damit wir ein weises Herz erlangen.« In anderen Worten: Herr, ich brauche Unterscheidungsvermögen. Lass uns begreifen, was bleibenden Wert hat. Du brauchst Unterscheidungsvermögen, um festzustellen, was bleibenden Wert hat und was dir schadet. Und das ist der Grund, warum Paulus für fast alle Gemeinden betet. Immer wieder — in Philipper 1, Vers 9 zum Beispiel, dem Wochenvers — sagt er: Ich bete für euch, damit ihr prüfen könnt, worauf es ankommt. Für die Epheser betet er, dass Gott ihnen Erkenntnis, erleuchtete Augen gibt, damit sie die Hoffnung der Berufung und den Reichtum der Herrlichkeit erkennen. In anderen Worten: Wenn das Reich Gottes für dich nicht die kostbarste Perle deines Lebens ist, für die du alles aufs Spiel setzt, wirst du in dieses Reich Gottes nie hineinkommen. Und Israel war das Paradebeispiel dafür.
Stell dir die Frage: Herr, wie kostbar ist mir dein Reich? Ist mir deine Schmach der wertvollste Reichtum?
Wenn es dir an Unterscheidungsvermögen fehlt, dann brauchst du eine Begegnung mit dem Hohepriester. Nicht mit Melchisedek, sondern mit dem Priester nach der Ordnung Melchisedeks. Und er will dasselbe tun, was Melchisedek gemacht hat: Er will dich erfrischen, er will dich stärken und dir Unterscheidungsvermögen geben.
Nun kommen wir zum Schluss noch zu der letzten Frage und wollen sehen, was Melchisedek mit Christus zu tun hat. Gott verfolgte mit dieser Begebenheit eine weitere Absicht: Melchisedek soll ein Schatten auf den wahren König des Friedens und den König der Gerechtigkeit werden — ein Schatten auf Jesus Christus. Und Jesus Christus ist genauso wie Melchisedek nicht nur König, sondern er ist Priester, Hohepriester. Melchisedek wird einmal in Psalm 110, Vers 4 erwähnt und neunmal im Hebräerbrief, in Kapitel 5, 6 und 7.
Psalm 110 ist ein messianischer Psalm von David. Dort wird gesagt, dass der Messias als König aus Zion regieren wird — das heißt aus Salem, aus Jerusalem. Und Psalm 110, Vers 4 macht deutlich, dass der Messias nicht nur König ist, sondern er ist auch Priester. Hier heißt es: »Der Herr hat geschworen und es wird ihn nicht gereuen: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks.«
Nun möchte ich, dass ihr zwei Dinge beobachtet. Das Erste: Was David hier schreibt, ist nicht sein eigenes Nachsinnen oder Meditieren über 1. Mose 14, sondern David hat hier Einblick in die Gedanken Gottes, und David zitiert Gott den Vater. Gott der Vater hat geschworen und sagt an Gott den Sohn: »Du, Christus, bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.«
Nun gehen wir zu Hebräer 5, 6 und 7. Wir haben nicht die Zeit, durch drei Kapitel durchzugehen. Wir schauen uns nur einige wenige Verse an. Und im Hebräerbrief greift der Schreiber auf 1. Mose 14 und Psalm 110 zurück, um die Erhabenheit Jesu deutlich zu machen. Jesus ist der bessere Hohepriester.
Und vielleicht stellst du dir die Frage: Was bedeutet es, dass Jesus ein Priester nach der Weise Melchisedeks ist? Nun, es bedeutet: Auf dieselbe Art und Weise wie Melchisedek, so ist auch Christus Hohepriester. Wenn die Israeliten an Priesterschaft dachten, dann dachten sie automatisch an die Leviten. Sie dachten automatisch an Aaron. Dieses Amt wurde übers Geschlechtsregister weitergegeben. Man wurde in dieses Amt hinein geboren. Wenn die Israeliten an einen König dachten, dann dachten sie an David, an den Sohn Davids und an die Königslinie. Aber der Messias sollte beides sein. Er sollte König und Priester sein. Aber er konnte nicht gleichzeitig aus zwei Stämmen kommen, aus dem Stamm Juda und aus dem Stamm Levi. Also musste eine neue Ordnung her. Und das macht der Hebräerbrief deutlich. Hebräer 7, Vers 1 bis 4:
»Denn dieser Melchisedek war König von Salem, ein Priester Gottes des Allerhöchsten. Er kam Abraham entgegen, als er von der Niederwerfung der Könige zurückkehrte, und segnete ihn. Ihm gab auch Abraham den Zehnten von allem.«
Der Schreiber hält es für wichtig, alles zu wiederholen, was wir gerade gesehen haben. Und dann geht es weiter. Er wird zuerst gedeutet oder übersetzt als König der Gerechtigkeit — Melek Zadek, Melchisedek. Dann aber auch König von Salem, von Schalom, das heißt König des Friedens.
Und nun kommt ein Vers, der viele ein wenig verwirrt und immer wieder zu falschen Auslegungen geführt hat. Es wird gesagt, er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. Und als einer, der dem Sohn Gottes verglichen ist, bleibt er Priester für immer. Seht nun, wie groß der ist, dem selbst Abraham, der Patriarch, den Zehnten von der Beute gab.
Vers 3 wird oft falsch ausgelegt. Manche dachten, Melchisedek sei irgendwie kein Mensch, sondern ein übernatürliches Wesen. Manche dachten vielleicht, es sei Christus im Alten Testament. Warum? Weil der Hebräerbrief hier sagt, er hat weder Vater noch Mutter, weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. Aber was meint der Schreiber des Hebräerbriefes damit? Er meint: In einem Buch, das sich ausschließlich mit Stammbäumen befasst — nämlich das erste Buch Mose — wird absolut nichts über den Stammbaum dieses Melchisedeks gesagt. Es wird weder etwas über seine Geburt gesagt, noch über seinen Tod. Es wird weder etwas über seinen Vater noch über seine Mutter gesagt, wie über die anderen Könige oder wie über die anderen Priester. Wenn wir nur das Beispiel von Priester Aaron nehmen, wie er gestorben ist. Nein, sondern der Schreiber meint: Melchisedek taucht wie aus dem Nichts auf und verschwindet wieder im Nichts.
Und dann noch ein sehr wichtiger Hinweis: Der Schreiber des Hebräerbriefes sagt nicht, Melchisedek ist der Sohn Gottes, sondern er sagt, Melchisedek gleicht dem Sohn Gottes. Ein wichtiger Unterschied. Das heißt, Melchisedek ist nicht Christus aus dem Alten Testament. Melchisedek ist ein ganz normaler Mensch. Der hatte Vater und Mutter — allerdings kein bedeutendes Geschlechtsregister, auf das er seine Herkunft zurückführt.
Nun sagt der Schreiber: »Christus ist ein Hohepriester nach der Weise Melchisedeks.« Das bedeutet in derselben Art und Weise: Christus ist der wahre König der Gerechtigkeit. Christus ist der wahre König des Friedens. Christus ist ein König und ein Priester. Er ist unser Mittler. Wir werden es gleich nachher im Abendmahl feiern, dass er unser Hohepriester ist. Er hat mit seinem eigenen Blut Sühnung für uns erwirkt.
Nun kommen wir zum Schluss. Ich möchte das zusammenfassen in diesem Vers, den der Schreiber des Hebräerbriefes nennt. Hebräer 5, Vers 9 bis 10 — man könnte sagen, das ist wie ein rotes Band, das alles zusammenfasst:
»Christus ist allen, die ihm gehorchen, die Quelle der ewigen Errettung geworden, von Gott genannt Hohepriester nach der Weise Melchisedeks.«
Wenn du Christus als deinen König und Hohenpriester noch nicht angenommen hast, dann folg seiner Einladung noch heute. Alle anderen, die Christus als König und Hohenpriester angenommen haben: Wir wollen gleich zum Abendmahl übergehen und wir wollen Christus ehren. Wir wollen sehen, dass Christus uns mit jedem geistlichen Segen in der Himmelswelt gesegnet hat. Wir wollen lernen, ihn wertzuschätzen, uns an ihm zu erfreuen.
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Herr Jesus Christus, wir danken dir für dieses Kapitel, wo wir sehen können, wie ein Priester dient, was ein Priester tut. Er erfrischt Abraham und all seine Knechte. Er stärkt sie. Er versorgt sie, dass sie wieder zu Kräften kommen — insbesondere Abraham für die nächste Prüfung. Und Herr, wir danken dir für Psalm 110, aber auch für den Hebräerbrief, wo wir erinnert werden, dass du, Herr Jesus, ein Priester bist nach der Ordnung Melchisedeks und dass du jedem, der dir glaubt, die ewige Errettung geworden bist. Herr, in dir haben wir Erlösung, in dir haben wir Vergebung, durch dich sind wir Teilhaber eines Reiches geworden, das so kostbar ist, das so ewig unvergänglich ist, dass wir es uns kaum vorstellen können. Und Herr, was wir notwendig haben, ist, dass wir immer wieder den Wert deines Reiches erkennen. Überführe du uns durch deinen Geist immer wieder aufs Neue, dass dein Reich wirklich die kostbarste Perle, der größte Schatz ist, den man je finden kann, und dass wir wirklich mit unserem ganzen Leben nach deinem Reich trachten — Erben dieses Reiches zu werden für die, die es nicht sind. Und wenn wir es sind, dass unser größtes Verlangen ist, dich widerzuspiegeln, dich groß zu machen. Herr, wir geben dir alle Ehre. Amen.
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