8. Februar 2026

Das Fundament deiner Beziehungen stärken

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Belügt einander nicht und zieht aus den alten Menschen mit seinen Handlungen, und zieht an den neuen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild seines Erschaffers, wo nicht ist Grieche und Jude, Beschneidung und Unbeschnittenheit, Barbar, Skythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus. Zieht also an als Gottes Erwählte, Heilige und Geliebte inniges Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut.
Kolosser 3,9b-12a (ESB)

Die Bedeutung eines festen Fundaments

Was haben folgende Beispiele gemeinsam: Jenga spielen im Kinderbett, ein Duplo-Hochhaus bauen auf der Wiese und der schiefe Turm von Pisa? Sie alle haben kein Fundament – oder zumindest kein stabiles. Stellt euch vor, wie frustrierend es ist, im Kinderbett Jenga zu spielen. Wie viele Tränen fließen, einfach nur, weil die Grundlage nicht ausreichend ist für das, was wir vorhaben.

Der schiefe Turm von Pisa ist zum Wahrzeichen geworden für – nicht ganz, aber fast schon – die italienische Ingenieurskunst. Es war ihnen so peinlich, den schiefen Turm von Pisa wieder abzureißen – so schöner Marmor – dass sie einfach 100 Jahre gewartet haben nach den ersten drei Stockwerken, um zu gucken, ob es vielleicht besser wird. Es wurde nicht besser. Die Ingenieure und Architekten haben nach 100 Jahren versucht, mit optischer Täuschung aus den schiefen ersten drei Etagen eine Banane zu machen, sodass es ausgeglichen wird. Sie haben weitere Etagen drauf gebaut, gemerkt, der sackt weiter ab und wird immer schiefer. Wieder 100 Jahre Baustopp.

Nicht nur Türme brauchen Fundamente, auch all unsere Beziehungen brauchen Fundamente. Unsere Beziehungen werden mächtig belastet. Die größten Lasten des Lebens wirst du in Beziehungen erfahren, und ohne Fundament gerätst du in Schieflage. Ohne Arbeit am Fundament wird diese Schieflage zur Katastrophe führen.

Die Lasten der Beziehungen und Gottes Antwort

In den letzten Wochen ist mir einer der Sprüche oft in den Sinn gekommen, und zwar aus Sprüche 18, Vers 19: »Ein Bruder, mit dem gebrochen wurde, widersteht mehr als eine starke Stadt, und Hader ist wie der Riegel eines Palastes.« Ein Bruder, mit dem gebrochen wurde, an dem du treulos gehandelt hast, widersteht dir mehr als eine Stadt. Und Hader, diese schwelende Erbitterung, ist wie ein Riegel eines Palastes – durch diese Tür kommst du nicht rein. Das ist die Warnung dieses Spruchs.

Aber wenn in einer Beziehung treulos gehandelt wurde, was ist dann? War’s das mit unserer Freundschaft, mit uns als Geschwistern, mit unserer Ehe, mit unserem gemeinsamen Dienst in der Gemeinde? Die Gesellschaft nennt Beziehungen, in denen treulos gehandelt wird, immer häufiger »toxische Beziehungen«, giftig für mich. Die Antwort der Psychologen ist: Grenzen setzen und Trennung durchsetzen. Eine etwas verallgemeinerte Handhabung, aber so wird uns heute geraten, mit schweren Beziehungen und Beziehungen unter Last umzugehen.

Sind wir zum Scheitern verurteilt, wenn jemand dich verletzt oder wenn du jemanden verletzt? Gottes Wort sagt: Nein! Denn Gott ist ein Gott der Gnade und des Friedens, und er gibt uns ein festes Fundament. Er gibt uns tiefe Wurzeln. Er selbst ist der Fels, um alle unsere schweren Phasen, die wir durchleben, unser Fundament zu sein.

Das richtige Fundament für schwere Beziehungen

Der gemeinsame Weg mit herausfordernden Menschen ist nicht unmöglich, sondern einfach nur schwer. Das ist das Problem unserer Gesellschaft: Wir wollen nichts Schweres mehr, sondern den einfachen Weg. Aber was trägt schwere Lasten? Das richtige Fundament! Bei einem richtigen Fundament ist die schwere Last überhaupt kein Problem.

Und so wollen wir uns heute Fundamente anschauen für unsere Beziehungen, sodass auch schwere Beziehungen zu tragen sind. Wir erhalten die Erinnerung heute Morgen, dass Sünde von dir und an dir niemals persönlich bleibt. Es ist niemals einfach nur eine Sache zwischen dir und dir, die du dann mit dir selbst vereinbarst bei einem langen Spaziergang durch den Wald. Es ist auch nicht nur eine Sache zwischen dir und Gott. Jede Sünde wird früher oder später eine Sache zwischen dir und deinem Nächsten.

Der gemeinsame Weg mit herausfordernden Menschen ist nicht unmöglich, er ist lediglich schwer – besonders schwer für unsere Selbstverwirklichung. Sünde und Beziehung gehen Hand in Hand. Beziehungen offenbaren deine Sünde, und offenbarte Sünde wird in Buße und Vergebung zur Wiederherstellung einer Beziehung führen. Das ist unser Leben.

Gnade und Friede als Grundlage

Deshalb dieser häufige Gruß von Paulus in Kolosser 1,2: »Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater.« Oder von Petrus: »Gnade und Friede werde euch mehr und mehr zuteil.« Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ich als junger Bibelleser nie verstanden habe, warum ich mehr Gnade bräuchte als zum Zeitpunkt meiner Errettung. Wie kann es sein, dass ich noch mehr Gnade oder mehr Frieden brauche als zu dem Moment, als Gott Frieden mit mir geschlossen hat, als er mich gerettet hat?

Nun, im Laufe der Jahre merken wir auch als Gläubige, wie unsere Unzulänglichkeiten, unsere Sünden, unsere Treulosigkeiten und die Unzulänglichkeiten, Sünden und Treulosigkeiten anderer Menschen an uns immer wieder erfordern, dass wir mehr und mehr wachsen in Gnade und Frieden. Und dieser Gruß in beinahe jedem Brief macht so viel Sinn und richtet uns aus auf das Fundament, um das es heute geht.

Wir selbst und andere Menschen führen uns immer wieder regelmäßig in Stürme und in Turmschieflagen. Und woran müssen wir uns erinnern? Gnade und Frieden. Unser Fundament muss wachsen.

Unser Leben funktioniert nicht so, dass wir heute tolle Bauwerke planen, den Statiker rufen, Bodenproben nehmen und uns überlegen, wie dick die Fundamente werden, und dann steht das Ding für 100 Jahre. Unser Leben ist eher: Wir fangen an zu bauen, und das Fundament wird, während wir wachsen in Christus, immer tiefer, immer stabiler. Deshalb ist der schiefe Turm von Pisa ein viel besseres Beispiel für dein und mein Leben – nur, dass wir nicht Wahrzeichen eines Landes oder einer Stadt sind, sondern Wahrzeichen der Gnade Gottes, seiner Langmut.

Unsichtbare Fundamente und Beziehungslasten

Fundamente sind nicht sichtbar. Wann brauchst du feste Fundamente? Wenn mehr Last kommt. Die Schwierigkeit ist, dass Last erhöht wird, und dann gerät der Turm in Schieflage, wenn mehr Last kommt, wenn Beziehungen schwerer werden, so wie wir es gerade in Sprüche 18,19 gelesen haben. Vielleicht beschreibt Sprüche 18 eine deiner Beziehungen. Hat jemand an dir treulos gehandelt oder du an jemandem? Es wird schwerer sein als eine Stadt einzunehmen, aber es heißt nicht, dass es unmöglich ist. Es ist lediglich schwer. Was ist die Antwort auf schwere Last? Das richtige Fundament.

Und darum geht es heute Morgen: wie wir unser Fundament für unsere Beziehungen stärken können.

Im Kolosserbrief sind wir in Kapitel 3, im praktischen Teil, wie man so schön sagt, des Briefes. Und wir müssen uns immer wieder zurückerinnern an all die Wahrheiten, die Paulus vorher gesagt hat. Genau das ist der Inhalt der heutigen Predigt: deine Erinnerung an all die Wahrheiten, die notwendig sind als Grundlage, als Fundament, um dann in die Aufforderungen hineinzugehen, die echt steil sind, die herausfordernd sind, die dich ans Limit führen. Und du wirst sie nur meistern mit dem richtigen Fundament.

Damals wie heute fügen falsche Lehrer der Schrift Dinge hinzu, machen es dann geistlich relevant und wichtig. Aber wir haben in den ganzen ersten zwei Kapiteln des Kolosserbriefes gesehen, dass all diese Zusätze zu Christus keine Kraft haben in Bezug auf die Begierde in dir. Paulus reagiert immer noch auf diese falschen Sichtweisen, die er uns in Kolosser 2 gegeben hat, was äußerlich so gut aussieht, am Ende aber wertlos ist – sogar dann, wenn es Eifer, Opfer und Demut beinhaltet. Wie Kolosser 2,23 sagt: »Ein Schein von Weisheit in selbstgewähltem Gottesdienst und Demut und Kasteiung des Leibes und doch wertlos zur Befriedigung des Fleisches.«

Diese Worte haben wir selten auf unsere Beziehungen angewandt, aber auch in Beziehungen funktioniert diese Warnung. Die nächsten Predigten im Kolosserbrief drehen sich allesamt um unsere Beziehungen.

Wir können demütig sein, uns selbst kasteien und doch kraftlos und am Ende sogar wertlos an unseren Beziehungen arbeiten.

Der Umgang mit belasteten Beziehungen

Wenn eine deiner Beziehungen unter Last steht, dann hast du vielleicht auch schon mit viel Eifer versucht, die Schieflage zu stoppen. Vielleicht bist du auch im »Baustopp« von 100 Jahren und sagst dir: Das wird nichts mehr. Es ist peinlich, abzureißen. Wir warten einfach ab. Oder du bist in der zweiten Bauphase und versuchst mit optischer Täuschung, das Ding wieder gerade zu rücken, die nächsten Etagen schräg draufzubauen, und merkst gerade, wie es weiter absackt und noch schiefer wird. Und der nächste Baustopp steht bevor.

Unser »Lebensturm« – er soll doch so schön sein. Aber er ist so herausfordernd. Was sind die Herausforderungen, die auf uns zukommen? Warum habe ich dieser Predigt nur den Inhalt des Fundaments gewidmet? Die Herausforderungen, die auf dich zukommen, die Last, die dieses Fundament tragen muss, findest du in Kolosser 3,12–18 und dann bis 4,1.

Wir sollen nämlich etwas »anziehen«: Diese Lasten, die wir anziehen, sind herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut, einander ertragen, einander vergeben, die Liebe anziehen. Der Friede Gottes soll in unseren Herzen regieren. Dankbar sollen wir sein. Das Wort Christi soll reichlich in uns wohnen, einander lehren und ermahnen und singen – und das auch noch lieblich in unseren Herzen. Die Frauen sollen sich den Ehemännern unterordnen, die Ehemänner ihre Ehefrauen lieben, die Kinder den Eltern gehorsam sein, die Väter ihre Kinder nicht zum Zorn reizen, die Knechte in allen Dingen ihren Herrn dienen und die Herren den Knechten gewähren, was recht und billig ist.

Diese Lasten des Lebens, diese Aufforderungen kommen als Nächstes. Und das, was du brauchst, und das, was Paulus uns hier gibt, bevor wir loslegen mit diesen Aufforderungen in den nächsten Monaten, ist die Grundlage: das Fundament.

Denk einmal kurz nach über all diese Aufforderungen, die wir gerade aus Kolosser 3 angeschaut haben: Wem gegenüber fällt es dir gerade besonders schwer, diese freudig auszuleben? Welcher Name kommt dir in den Sinn? Wo erkennst du Schieflage in deinem Leben auf Beziehungsebene, oder bist du schon auf Beziehungspause und versuchst irgendwie den Status quo zu halten?

Vielleicht fallen dir jetzt zwei, drei Namen ein. Nun, reife Christen kommen bei längerem Nachsinnen zu dem Punkt, dass ihnen der Name einer jeden Person einfällt, die sie überhaupt kennen. Und Selbstgerechten fällt kein einziger Name ein. Warum? Weil das unser Leben ist. Gott hat uns für Beziehung geschaffen, und seit 1. Mose 3 ist das unser Problem, unsere Dauerbaustelle.

Ich würde sagen: All unsere Beziehungen sind schiefe Türme. Unsere Unzulänglichkeit, unsere Sünden, unsere Treulosigkeit und die Unzulänglichkeit, Sünde und Treulosigkeit der anderen Menschen an uns beschreiben jede Beziehung. Und so ist jede Beziehung ein schiefer Turm von Pisa. Wir können ihn nur weiterbauen und zu dem kommen, wozu Gott uns geschaffen hat, wenn wir auf das Fundament Acht haben und es nicht ignorieren.

Was wir ablegen und anziehen sollen

Wir haben in den letzten Predigten in Kolosser 3 gesehen, was wir alles töten und ablegen sollen: das ganze große Thema vom Zorn und von der Zunge. Viel zu schnell meinen wir, wir könnten den Zorn einfach selbst überwinden und die Zunge alleine unter Kontrolle halten – und merken: Es funktioniert nicht.

Aber der gerettete Mensch kann dieses alte Leben ablegen, diese Handlungen ablegen und das Neue tun – wie? Mit dem richtigen Fundament. Schon in Kolosser 2,6–7 hat Paulus davon gesprochen: »Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so wandelt auch in ihm, verwurzelt und auferbaut in ihm und gefestigt im Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid.« Diese Fundamentsprache – erkennt ihr sie? Verwurzelt und auferbaut in ihm. Kolosser 2,7: gefestigt im Glauben. Habt Acht, Vers 8, dass euch niemand beraubt durch Philosophie und leeren Betrug – nicht Christus gemäß.

Heute Morgen schauen wir uns drei Fundamentstützen an, die deine Beziehungen stärken. Nummer 2 und 3 haben wir schon oft angeschaut und werden sie am Ende der Vollständigkeit halber in Erinnerung rufen. Die erste Stütze ist das Neue, was Paulus uns hier liefert: nämlich der Ratschluss Gottes als erstes Fundament. Für deine Beziehung ist der Ratschluss Gottes das erste Fundament. Das zweite ist die Wiedergeburt und das dritte deine fortschreitende Heiligung.

Der Ratschluss Gottes als Fundament

Schauen wir uns dieses Fundament, das Paulus uns gibt, den Ratschluss Gottes, genauer an. Wir finden es in Kolosser 3,12. Ihr erinnert euch: Der ganze Abschnitt ist voll von den Aufforderungen, was wir ablegen sollen – Zorn und Zunge zusammengefasst. Wenn wir heute die Verse 9 bis 12 anschauen, arbeiten wir uns von hinten nach vorne. Wir fangen in Vers 12 an, denn dort beschreibt Paulus dieses Grundlegende in drei Begriffen:

Kolosser 3,12: »So zieht nun an als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte.«

Und dann kommt die ganze Liste, die ich gerade schon gelesen habe, was wir anziehen sollen. Aber wie ziehen wir das an? Was ist das Fundament und die Voraussetzung? Wir sind Gottes Auserwählte, Gottes Heilige und Gottes Geliebte.

Als erstes Fundament müssen wir den Ratschluss Gottes annehmen. Wir sind gerade in 1. Mose in der zweiten Predigtreihe und haben uns belehren lassen von Mose, wie die Schöpfung vonstatten ging. In sechs Tagen zu 24 Stunden, am siebten Tag ruhte der Herr – und wir nehmen diesen Bericht als Augenzeugenbericht an, weil wir gar nicht da waren.

In unserer Zeit kämpfen wir gegen die Weltanschauung, dass wir im Mittelpunkt des ganzen Universums sind. Die Schrift sagt uns: Gott ist im Mittelpunkt des ganzen Universums. Diese Weltanschauung ist auch hier in unserem Text heute die größte Herausforderung für dich. Und ich möchte dich aufrufen, dass du Gott in den Mittelpunkt deiner Weltanschauung stellst, wenn wir über diese Worte und dieses Fundament sprechen.

Denn wir schauen heute nicht nur auf die Wiedergeburt zurück, sondern wir lernen von Gott noch über die Zeit, die weit, weit vorher da war – nämlich vor Ewigkeiten, bevor die Welt überhaupt geschaffen wurde. So weit zurück geht Paulus’ Argument, damit du deine Beziehungen belasten kannst. Du könntest fragen: Wie tief bohren und baggern wir, um das Fundament zu gründen? Paulus geht in die Ewigkeit zurück, um dir ein Fundament zu geben, das mit Beziehungen belastet werden kann, um dir Ansporn zu geben, aus der Kraft Christi zu leben, um dir Gnade zu schenken. Seine Absicht ist deine Ermutigung.

Kolosser 2,2: »… damit ihre Herzen ermutigt werden, in Liebe zusammengeschlossen, in völliger Gewissheit, im Verständnis bereichert werden … zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters und des Christus.«

Du wirst ermutigt durch Geheimnisse, die du kennenlernst. Und dieses Fundament ist so ein Geheimnis: der Ratschluss Gottes, dass du auserwählt bist, heilig bist und geliebt bist. Wenn wir dieses Fundament haben, dann können wir ohne große Schwierigkeiten auf dieses Fundament eine Menge Lasten drauflegen. Ohne dieses Fundament wird dein Lebensturm in Schieflage geraten und du musst nachbessern. Und das wollen wir heute tun – uns mit diesen wundervollen Worten beschäftigen.

Geliebt, Auserwählt und Heilig – Die Identität des Christen

Es ist schon fast beiläufig, wenn ihr Kolosser 3,12 lest, wie Paulus es erwähnt: Diese tiefen Wahrheiten der Theologie – »Zieht nun an als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte« – in drei Worten zusammengefasst. Wir müssen diesen Ratschluss verstehen, und wir beginnen mit dem »Geliebten«. Du bist Gottes Geliebter. Wir sind Gottes Geliebte. Das ist Gottes Motiv hinter allem.

Und ich muss kein Prophet sein, um dir zu sagen: Wenn Stürme und Schwierigkeiten, wenn Last in dein Leben kommt, ist eines der ersten Dinge, die du anzweifelst, die Liebe – die Liebe einer Person dir gegenüber oder die Liebe Gottes zu dir. Deshalb beginnen wir da. Es ist das Motiv Gottes, das hinter seinem Rettungsplan steht.

1. Johannes 4,19: »Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.«
Gott sah nicht in die Zukunft und sagte: »Oh, der wird mich so doll lieben, ich liebe ihn auch.« Nein, es ist die Liebe Gottes, die am Anfang von allem steht. Er hat uns zuerst geliebt. Und es ist die Liebe Gottes, die so gut wie immer im Zusammenhang steht, wenn ein biblischer Autor davon spricht, dass Gott vor Ewigkeiten zur Rettung auserwählt hat. Die Autoren machen deutlich: Liebe ist sein Motiv gewesen.

Gläubige, die die Lehre der Auserwählung zum Heil ablehnen, sagen häufig: »Gott ist Liebe, er kann nicht auserwählen.« Die Bibel lehrt das Gegenteil. Die Bibel lehrt: Weil Gott liebt, erwählt er zum Heil.

Ich möchte, dass ihr euch dazu eine sehr wichtige Bibelstelle merkt, die diese Wahrheit zweifellos beschreibt. Vielleicht denkst du gerade, die muss ja aus dem Neuen Testament kommen. Ja, dort gibt es viele Texte, aber in der Geschichte Israels wird auf Erzählweise gezeigt, wie Gottes Wesen und Handeln ist. Wir merken uns zu dieser Wahrheit: Die Liebe ist es, die hinter unserer Erwählung steht.

5. Mose 7,6-8: »Denn ein heiliges Volk bist du für den Herrn, deinen Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, aus allen Völkern erwählt, die auf der Erde sind, damit du ein Volk des Eigentums für ihn seist. Nicht deshalb, weil ihr zahlreicher wärt als alle Völker, hat der Herr sein Herz euch zugewandt und euch erwählt – denn ihr seid das geringste unter allen Völkern – sondern weil der Herr euch liebte …«

Habt ihr die drei Begriffe von Kolosser 3,12 wiedergefunden? Ein heiliges Volk, ein erwähltes Volk und ein geliebtes Volk. 5. Mose 7,6-8. Hüte dich davor, jemals wieder zu denken oder zu sagen, dass Gottes Auserwählung lieblos wäre. Es ist die Folge seiner Liebe, dass er zum Heil und zur Rettung erwählt.

Und genau diese Kategorie – nicht, weil ihr zahlreicher wärt, nicht, weil ihr irgendwie besser wärt, sondern weil ich geliebt habe – passt zu 1. Korinther 1,26-29:
»Seht doch eure Berufung an, ihr Brüder … das Törichte der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zu Schanden zu machen … damit sich vor ihm kein Fleisch rühme.«

Als Geliebte spricht Paulus dich an, und es ist ein wichtiges Fundament im Ratschluss Gottes, gegründet zu wissen: Gott hat dich geliebt.

Jede Situation, die kommt, jede Aufforderung, die in Kolosser 3,12 gleich kommt, muss ihre Last abführen auf der Wahrheit, auf dem Fundament von Gottes Ratschluss und seiner Liebe zu dir. Und jeder Zweifel muss dahin gehen: Gott hat geliebt.

Die Bedeutung der Auserwählung

Und genauso lesen wir in Kolosser 3,11, dass diese Liebe jeglichen Status dahinnimmt. Vor unserem Vers, den wir gerade angeschaut haben, sagt Paulus, dass nicht mehr Grieche noch Jude ist, weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit, noch Barbar, Skythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus. Jeglicher Stand, Status, ethnische Herkunft – die, die Gott rettet, hat er geliebt.

Bei Zweifeln, bei Schieflage kommt schnell der Zweifel an der Liebe Gottes. Und deshalb steht hier: »Als Geliebte zieht an …«

Gehen wir noch mal zurück und schauen uns nun die Auserwählung an: »Als Gottes Auserwählte« – so werden wir betitelt. Warum, kurze Erinnerung, ist die Auserwählung notwendig? Warum war die Schöpfung notwendig? Weil es nichts gab. Da war nichts, und deshalb musste Gott eingreifen und schaffen.

Genauso trifft das auf dein geistliches Leben zu: Da ist nichts. Da ist nichts mehr. Und deshalb muss Gott einen Schöpfungsakt initiieren. Es gibt nichts, was ich irgendwie weiterentwickeln könnte, und dann kommt die Frucht des Glaubens. Es gibt nichts. Wir vergessen unsere totale Verdorbenheit und unsere Vergangenheit. Wir glorifizieren die Vergangenheit. Ihr kennt es alle: Besonders im Gespräch von Jugendlichen mit ihren Eltern. Der Vater sagt schnell: »So etwas haben wir damals nie getan.« Die Mutter erinnert sich vielleicht etwas genauer und weiß: Doch, das war schon so.

Wir vergessen das Schlechte. Wir glorifizieren die Vergangenheit. Wir wollen gar nicht wissen, dass wir schuldig waren. Deshalb müssen wir darüber belehrt werden, was in der Vergangenheit geschehen ist.

Die Wahrheit ist Kolosser 1,21: »Du warst entfremdet und feindlich gesinnt in deinen bösen Werken.« Zwei Kapitel vorher – die Wahrheit: Du warst fremd von Gott, hattest keinen Zugang zu ihm, und du wolltest auch nicht zu ihm, weil er dein Feind war, und du hast es untermauert mit all deinen bösen Werken. Es ist nicht so, dass du passiv warst, sondern mit all deinen Taten, mit deinen bösen Werken hast du es untermauert. Du wolltest nicht kommen.

Im Johannesevangelium schreibt Johannes in Kapitel 3, Vers 16 – der bekannteste Vers der Bibel: »Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes geglaubt hat.«

»Darin aber besteht das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse. Und jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.«

Johannes 3,16 erinnert jeden von uns daran, dass wir von uns aus nicht kommen wollten, weil wir geliebt haben – was? Die Finsternis. Wir liebten die Finsternis und wollten nicht zum Licht.

Nun ist die Ausrede derer, die nicht errettet werden: Gott hat mich nicht erwählt. Johannes 3 macht uns deutlich, was die Antwort ist: Nein – »wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes geglaubt hat.« Das ist die Antwort der Schrift. Wir riefen eben nicht: »Herr, befreie mich!« Wir saßen im Gefängnis der Dunkelheit und wollten gar nicht raus. Wir fühlten uns wohl, und wir konnten an Jesus Christus nichts Schönes erkennen. Das ist unser Zustand ohne Gott.

Spurgeon sagte: »Wenn wir nur auf uns gestellt wären, dann würden wir so natürlich den Weg in die Hölle wählen, wie ein jeder Stein am Abhang nach unten rollt, statt sich selbst nach oben zu bewegen.«

Gott hat dich gerettet, obwohl du nicht wolltest. Deshalb leben wir nun in Erbarmen, in Herzlichkeit, in Freundlichkeit, in Demut, in Sanftmut, in Langmut. Wir ertragen einander, wir vergeben einander, wir lieben unsere Ehefrauen, wir ordnen uns unseren Ehemännern unter. Wir sind unseren Eltern gehorsam, wir arbeiten als für Gott und nicht wie für Menschen, weil Gott uns gerettet hat, obwohl wir nicht wollten.

Außerdem hat Gott dich gerettet, obwohl du nicht konntest. Kolosser 2,13: »Er hat euch, die ihr tot wart in Übertretungen und im unbeschnittenen Zustand eures Fleisches, mit Christus lebendig gemacht.« Unser Zustand ist tot. Nicht nur wollten wir nicht und waren Gottes Feinde, sondern wir konnten auch nicht, weil wir tot waren.

2. Korinther 4,3-6 beschreibt es als Licht, das leuchtet: »Wenn unser Evangelium verhüllt ist, so ist es bei denen verhüllt, die verloren gehen, bei den Ungläubigen, denen der Gott dieser Weltzeit die Sinne verblendet hat, sodass ihnen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus nicht aufleuchtet.« Es hilft einem Blinden nicht, wenn du mehr Strahler hinstellst. Die Ursache der Blindheit muss behoben werden, damit er sehen kann.

Kolosser hat uns gesagt, wir waren Gottes Feinde, wir sind tot gewesen. 2. Korinther 4 sagt uns, der Fürst dieser Welt verblendet die Augen derer, die nicht glauben. Den musst du auch noch überwinden. Nein, kannst du nicht. Aber Gott kann es, und deshalb hat er auserwählt.

2. Korinther 4,6: »Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen Licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.«

Bei wem hat Gott Licht werden lassen? Bei denen, die er erwählt hat – nicht ein Kollektiv, sondern jeden Einzelnen, jedes einzelne Schaf hat Gott gerettet durch und in Christus.

Der Mensch ist tatsächlich Sklave der Sünde und Sklave des Teufels. Es reicht nicht, einfach nur mehr Lampen hinzustellen. Es reicht nicht, mehr zu reden. Gott muss wirken. Und du sagst Amen zu dieser Wahrheit bei jedem deiner Gebete für einen Ungläubigen, dass du betest: Herr, rette! Weil du weißt, du kannst es nicht. Sonst würdest du doch einfach nur überlegen, wie du ihn jetzt noch besser überreden kannst, dem Evangelium zu glauben. Aber du kannst es nicht.

Wir gestehen uns ein, dass Gott die Augen öffnen und Licht schenken muss in jedem unserer Gebete.

Gott hat dich gerettet, obwohl du nicht konntest. Deshalb lebst du nun in herzlichem Erbarmen, in Freundlichkeit, in Demut, in Sanftmut, in Langmut. Deshalb erträgst du den anderen und vergibst dem anderen. Deshalb liebst du deine Ehefrau und ordnest dich deinem Ehemann unter. Weil Gott dich gerettet hat, obwohl du nicht konntest, bist du deinen Eltern gehorsam und arbeitest für Gott und nicht für Menschen.

Das ist der Grund, warum Auserwählung notwendig war: Wir wollten nicht, wir konnten nicht, und der Teufel hat uns abgehalten. Und es gibt noch mehr. Aber unsere Zeit ist begrenzt, und Paulus ist beiläufig bei dem Begriff – also sind wir es auch.

Heiligkeit und Identität in Christus

Kolosser 3,12 sagt: »Zieht nun an als Gottes auserwählte, heilige und geliebte …«
Wir sind geliebt – das Motiv Gottes hinter all seinem Rettungshandeln. Du bist geliebt, dein Name auf seiner Hand. Du bist auserwählt. Epheser 1,4 sagt uns: »Vor Grundlegung der Welt auserwählt in Christus.« Erwählen heißt, eine Auswahl treffen mit einem Ziel, mit einer Absicht. Das Motiv war die Liebe zu dir. Die Handlung war: zu wählen und alles zu vollbringen für das Ziel. Das Ziel ist dein heiliges Leben – das dritte Wort in unserem Vers.

Nun habe ich eine Sache bis jetzt übersprungen, eine wichtige Beobachtung für all mein Argument und das von Paulus:
»So zieht nun an als Gottes auserwählte, heilige und geliebte« steht alles drei im Plural, in der Mehrzahl. Du bist nicht alleine geliebt, du bist nicht alleine auserwählt, du bist auch nicht alleine berufen, heilig zu leben. Sondern die Menschen um dich herum, die Gläubigen deiner Ortsgemeinde und der universellen Gemeinde sind es genauso. Und du hast den Auftrag, heilig zu leben gegenüber jedem Menschen, auch denen, die nicht gerettet sind heute – aber allem voran, und das ist Paulus’ Argument in Kolosser 3, den Mitgläubigen gegenüber, wo nicht nur du geliebt bist vom Vater und vom Sohn, sondern auch der Nächste, mit dem du gerade in Schieflage gerätst.

Dieses Bewusstsein ist das Fundament, das viele, viele, viele – alle – Lasten von Beziehungen trägt. Wenn wir am letzten Tag gemeinsam vor dem Thron Christi stehen und ihn anbeten, dann müssen wir auch hinkriegen, hier und heute gemeinsam anzubeten als Brüder und Schwestern im Herrn. Wie können wir Lasten tragen und schwere Verletzungen überwinden? Mit dem richtigen Fundament – kein Problem. Wie weit zurück geht Paulus im Argument? Bis in die Ewigkeit zurück. Wir sind Auserwählte, und Gott wollte dich mit genau den Leuten in Beziehung stellen, mit denen du in Beziehung stehst. Glaub das, und das Fundament wird stärker. Glaube, dass diese Wahrheit in Ewigkeit gegründet ist.

Das Ziel der Auserwählung ist, dass wir Heilige sind. Es ist die Absicht, für die Gott gewählt hat: abgesondert, um Gott widerzuspiegeln, herausgerufen, um Gott zu dienen. Und Kolosser 1, das Gebet von Paulus, hat dies schon beschrieben. In Kolosser 1,9–10 haben wir vor vielen Monaten gehört:
»Deshalb hören wir seit dem Tag, da wir es vernommen haben, nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, damit ihr des Herrn würdig wandelt und ihm in allem wohlgefällig seid, in jedem guten Werk fruchtbar und in der Erkenntnis Gottes wachsend.«

Die Absicht ist dieses heilige Leben: dem Herrn würdig wandeln, in allen Werken fruchtbar durch Wachstum in Erkenntnis.

Einheit in Christus statt Unterscheidung

Schauen wir noch einmal in die Verse 9 und 10 in Kolosser 3: Wir werden zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen immer mehr verwandelt und erneuert wie Christus selbst. Die Verbindung dieser Absicht, dieser Absichtserklärung, dieses Gebets von Paulus ist, dass du durch Erkenntnis Gottes würdig wandelst und weißt, was er von dir möchte. Deshalb bist du Heiliger – du und dein Nächster, mit dem du gerade in der Beziehung in Schieflage liegst, sind Heilige. Und wenn es ein Ungläubiger ist, dann nur du. Und trotzdem liegt es an dir, entsprechend zu leben, was wir in Kolosser 3,1–4,1 gleich lesen werden.

Es sind viele Lasten, aber die Lasten sind einfach, wenn das Fundament stark genug ist. Dieses Fundament trägt und überwindet alle Unterschiedlichkeiten. Schauen wir noch einmal genauer in 3,11 hinein: Auserwählt, Heilige und Geliebte sind nicht nur die Juden, sind nicht nur die Wohlhabenden, sind nicht nur die Armen – es sind alle. Es gibt nicht mehr Griechen, Juden, Beschneidung, Unbeschnittenheit, Barbar, Skythe, Knecht, Freier, sondern alles in allem Christus. Wo nicht? Beginnt 3,11. Wir sind geschaffen in Jesus und wir sollen in dieses Bild Jesu verwandelt werden, und es gibt da nicht mehr diese Unterschiede.

Im Reich des neuen Menschen gibt es keine ethnischen, religiösen, kulturellen oder sozialen Unterschiede.
In der Parallelstelle in Galater 3,28, die sehr ähnlich ist, aber noch weiter geht, fügt er Mann und Frau hinzu: »Wir sind einer in Christus.«

Barbar und Skythe, das, was wir in Kolosser 3,11 lesen, ist das Gegenteil von Griechen. Die Griechen haben ihre ganze Welt nur in zwei Gruppen eingeteilt: die Griechen selbst und die Barbaren. Die Griechen sind alle in besserem Stand und gebildet, die Barbaren sind die, die noch nicht einmal Griechisch können – einfach der Rest der Welt. Die Skythen sind die Untersten der Barbaren, die niedrigste Art der Barbaren.

Heute würden wir Kolosser 3,11 wahrscheinlich so beschreiben: Wo nicht Heide noch Jude ist, nicht aus christlichem noch atheistischem Elternhaus, weder die, die Englisch können, noch die, die kein Englisch können, oder die am Fließband stehen, weder Angestellte noch Unternehmer, sondern alles und in allem Christus. Jegliche religiöse Herkunft, ethnische Herkunft, kulturelle Herkunft – alles dahin.

Warum sagt er das? Weil es ein riesiges Potenzial für Schieflage gibt: »Du bist nicht wie ich bin« – wir haben Probleme miteinander, wir geraten aneinander, und ich will nicht langmütig sein, ich will nicht sanftmütig sein, ich will nicht demütig sein, ich will dich nicht höher achten als mich. Deshalb schiebt Paulus in Kolosser ein, dass auch diese Themen alle abgegolten sind – sie sind kein Grund für irgendeine Schwierigkeit.

Vielleicht teilst du die Welt auch in zwei Gruppen ein: Nicht Griechen und Barbaren, nicht Juden und Heiden – vielleicht irgendetwas anderes. Aber für Gläubige ist alles in allem Christus. Warum? Weil Gott geliebt hat, weil Gott auserwählt hat, weil Gott zu Heiligen gemacht hat.

Wiedergeburt – Das neue Leben in Christus

Wie hat Gott das Ganze getan? In Johannes 1 sagt Johannes:
»Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.« (Johannes 1,11–13)

In Kolosser 3,10 sind wir geschaffen – er ist unser Schöpfer. In Johannes 1,13 sagt er, wir sind »aus Gott geboren«. Wie werden wir aus Gott geboren? Nicht aus Blut – das heißt, nicht aus Abstammung, nicht aus dem Willen des Fleisches – keine eigene Anstrengung, nicht aus dem Willen des Mannes – nicht aus eigener Entscheidung heraus. Es ist Gottes Wille, der einen Menschen rettet.

Jedes Mal, wenn wir für jemanden beten, erkennen wir das. Und dieser innere Akt der Wiedergeburt wird in Apostelgeschichte 16,14 wunderschön beschrieben.
»Und eine gottesfürchtige Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; und der Herr tat ihr das Herz auf, sodass sie aufmerksam achtgab auf das, was von Paulus geredet wurde.«
Vor der Taufe kam der Glaube. Wie kam der Glaube? Der Herr tat ihr das Herz auf. Was für eine schöne Formulierung von Lukas. Das nennen wir die Wiedergeburt.

Die Wiedergeburt macht die Auserwählung notwendig, denn Gott muss zuerst eingreifen, weil der Mensch in Sünde versklavt ist. Und so ist das ein Fundament, auf das sich Last der Beziehung tragen lässt.

Warum ist die Auserwählung hier in Kolosser 3,12 genannt, mitten im Kolosserbrief? Einfach ein Wort: Weil bei mehr Last ein besseres Fundament notwendig ist. Und die Last, die Paulus gleich ansprechen will mit den Worten »zieht nun an«, ist groß, kann sehr groß sein. Deshalb vertieft er unser Fundament und erinnert uns daran: Wie sollen wir das schaffen? Weil wir Auserwählte sind, weil wir Geliebte sind, weil wir Geheiligte sind. Gott hat, deshalb kann ich, und deshalb will ich – weil Gott hat.

Aber vergesst nicht, dass Gott hat, sonst seid ihr in dem, wogegen Paulus sich gerade wendet in Kolosser – dass man etwas hinzufügt zu dem, was Christus getan hat. Dass du Christus widerspiegelst, hat Gott selbst vor Ewigkeiten geplant. Erinnere dich daran – nicht neue Gesetze aufstellen, sondern erinnere dich daran, dass Gott geplant hat, dass du Christus widerspiegelst in dieser Beziehung. Geh der Beziehung nicht aus dem Weg, sondern spiegele Christus wider in dieser Beziehung.

Es ist nicht nur deine Ehefrau, die dir von Gott souverän an die Seite gestellt ist. Nicht nur deine Kinder – es ist jede Person in deinem Leben, die dir von Gott an die Seite gestellt ist mit dem Ziel, dass du Christus widerspiegelst, in sein Ebenbild verwandelt wirst, was in den Versen 9 und 10 so deutlich wird.

Fortlaufende Heiligung und das neue Leben

Über die fortschreitende Heiligung haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten viel gesprochen. Deshalb ist es hier nur eine beiläufige Erinnerung an diese große und wichtige zweite Säule: dass du wiedergeboren wurdest. Du hast im Kolosserbrief den alten Menschen ausgezogen mit seinen Handlungen und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis. Diese Wiedergeburt ist geschehen, dieser Akt ist vollzogen. Wir haben in Kolosser 3,1 viel darüber gesprochen. Paulus kommt oft auf dieses einschneidende Erlebnis im Leben eines Christen zurück, auch wenn es kein Zeitpunkt war – aber du hast abgelegt und hast angezogen. Du bist ein neuer Mensch.

Auf ein Missverständnis, das immer wieder vorkommt, möchte ich hier kurz hinweisen: Der Text macht deutlich, dass wir den alten Menschen ausgezogen haben und den neuen angezogen haben. Es sind nicht zwei Naturen in uns, die gegeneinander kämpfen. Es ist nicht der eine Hund hier und der andere Hund da, und wen du mehr fütterst, der gewinnt – sondern du bist ein neuer Mensch, und der alte ist weg. Was bleibt noch? Der ganze Mantel des Alten ist da, und den müssen wir nach und nach ablegen.

John MacArthur schreibt im Kommentar zu Epheser diese Wahrheit wie folgt:

»Die biblische Begrifflichkeit sagt nicht, dass ein Christ zwei verschiedene Naturen hat. Er hat nur eine Natur, die neue Natur in Christus. Die alte Natur stirbt und die neue Natur lebt. Sie existieren nicht nebeneinander. Es ist nicht die verbleibende alte Natur, sondern das verbleibende Gewand des sündigen Fleisches, das Christen zur Sünde verleitet. Der Christ ist ein einziger neuer Mensch, eine völlig neue Schöpfung, kein geistlicher Schizophrener. Es ist der schmutzige Mantel der verbleibenden Menschlichkeit, in dem die Neuschöpfung wohnt, der sein Leben weiterhin behindert und verunreinigt. Der Gläubige ist als ganze Person verwandelt, aber noch nicht vollkommen. Er hat keine herrschende Sünde mehr. Er ist nicht mehr der alte verdorbene Mensch, sondern jetzt der neue Mensch, geschaffen in Gerechtigkeit und Heiligkeit, der auf die volle Erlösung wartet.«

Diese Wahrheit ist insbesondere schwierig, wenn wir die Bilder der Herzenswurzel, die wir in der biblischen Seelsorge gerne benutzen und die ihren Sinn und Zweck haben, vermischen mit dieser Wahrheit. Wir sind neu. Deshalb ist es manchmal irritierend zu sagen: »Wo ist die Sünde deines Herzens?« Versteht ihr? Denn das Herz ist neu. Wir müssen sehr gut differenzieren, dass die Wahrheit bestehen bleibt, auch wenn wir gegen lebensbeherrschende Sünden kämpfen – es auseinanderhalten: Wir sind neu.

Was ist der Wunsch, die Begierde, die dir immer noch anhaftet wie alte Kleider, gegen die du kämpfst? Der alte Mensch wurde ersetzt. Deine alte Natur, der alte Adam, die alte Eva wurden ausgetauscht, und du hast immer noch den Mantel der Sünde, das sündige Fleisch, gegen das du kämpfst. Und deshalb sagt Paulus hier in Kolosser 3,10:
»Ihr habt ausgezogen, ihr habt angezogen, und der, der angezogen wurde, wird erneuert.«

Das ist die große dritte Säule, über die wir die nächsten Predigten sprechen werden: die fortlaufende Heiligung, die stattfindet, die notwendig ist und die auch in Gottes Ratschluss gegründet ist. Wir streben nach dieser Heiligkeit durch Erkenntnis.

Warum diese drei Fundamente?

Warum sind diese drei Wahrheiten so wichtig? Damit du nicht zum »Baustopp« greifst bei deinem schiefen Turm. Warum haben sie in Pisa zum Baustopp gegriffen? Sie haben angefangen zu bauen, sie haben gesehen: Das Ding funktioniert nicht, das Gerät gerät in Schieflage – und haben einfach aufgehört. Ich will nicht sagen, keiner hatte die Idee, ans Fundament zu gehen, aber es war ihnen alles zu kompliziert. Hundert Jahre Baustopp – das ist keine Option für dein Leben und für deine Beziehungen. Stopp ist keine Option.

Paulus sagt in Kolosser 1,28:
»… dass er Christus verkündigt, indem er jeden Menschen ermahnt und jeden Menschen lehrt in aller Weisheit, um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen. Dafür arbeitet und ringt er.«

Die ganze Aufgabe, die wir haben in der Jüngerschaft, im Miteinander – ob von vorne in der Predigt oder im persönlichen Gespräch oder im Zueinander-zusingen – ist, dass wir reif werden, Christus so ähnlich wie möglich. Dafür kämpft er, dafür arbeitet er. Baustopp ist keine Option, sondern das Fundament festigen, stärken und weiterbauen.

Praktische Anwendung: Das Fundament stärkt die Beziehung

Das Fundament, das Paulus uns für all diese Aufforderungen in unseren Beziehungen gibt, ist, dass wir Auserwählte sind, Geheiligte und Geliebte.

In dieser Wahrheit findet sich auch Josef wieder. Josef vertraut Gott in den schwersten Umständen, die ein Mensch einem anderen antun kann – als Sklave verkauft nach Ägypten von seinen eigenen Brüdern. Josef geht so weit, Gott zu fürchten in all seinen Umständen: Gott zu fürchten gegenüber Potifar, Gott zu fürchten gegenüber Potifars Frau, und Gott zu vertrauen, dass er am Ende in 1. Mose 45,8 sagt:
»Nicht ihr, meine Brüder, habt mich hierher gesandt, sondern Gott.«

Josef hat wirklich geglaubt, dass alle Beziehungen und alle Umstände von Gott kommen, sodass wir ihn reflektieren und sein Plan vollzogen wird. Und am Ende seines Lebens diese bekannten Worte von Josef in 1. Mose 50:
»Ihr gedachtet mir Böses zu tun, aber Gott gedachte es gut zu machen, um es so hinauszuführen, um ein zahlreiches Volk am Leben zu erhalten.«

Diese Geschichte erinnert uns und zeigt uns, dass ein festes Fundament die schwersten Lasten von Beziehungen tragen wird. Wir alle sind schief und krumm, nicht Wahrzeichen von Pisa, sondern Wahrzeichen der Gnade Gottes. Gnade und Friede muss uns mehr und mehr zuteil werden, und wir müssen mehr und mehr erkennen, was Gott gewirkt hat – in der Auserwählung, in seinem Ratschluss, in der Wiedergeburt und wie er möchte, dass wir fortwährend in Heiligung wachsen in unserem Leben.

Der schiefe Turm von Pisa muss alle paar hundert Jahre gerade gerückt werden – haben sie gerade geschafft. Sie schätzen, dass es 300 Jahre hält. Mal schauen, wie gut sie gearbeitet haben. Und wir werden immer und immer wieder unser Fundament vertiefen, je mehr Last auf das Fundament kommt. Aber wenn das Fundament da ist, ist die Last leicht.

Das hat Jesus gesagt: Die, die an ihn glauben, sie haben ein leichtes Joch, weil Christus es getragen hat. Weil Christus getan hat, kann ich und will ich tun, was er mir sagt.

Abschlussgebet

Lasst uns gemeinsam still werden und beten. Ihr dürft gerne aufstehen dazu.

Himmlischer Vater, wir danken dir für dein heiliges und vollkommenes Wort.
Und wenn wir, Herr, in unserem Alltag stehen und unser Leben durchgehen, unsere Beziehungen und die Momente, in denen es herausfordernd wird, weil wir unter diesem Fluch der Sünde in so vielerlei Weise stöhnen und ächzen –
wir würden von uns aus kaum auf die Idee kommen, Herr, dein Handeln in Ewigkeit in Erinnerung zu rufen.
Und so danken wir dir, dass dein Wort es tut, dass dein Wort uns in Erinnerung ruft, was du gewirkt hast, bevor das leichte Joch, Herr, die Aufforderungen unseres Lebens kommuniziert werden.

Und so danken wir dir, dass du nicht nur das alles gewirkt hast, sondern dass du uns auch nicht alleine lässt, sondern uns den Heiligen Geist gesandt hast, der uns die Kraft gibt, der uns die Ausdauer gibt, dieses Leben zu leben – einen Tag nach dem anderen, einen Moment nach dem anderen.

Lass du uns weiterwachsen in der Erkenntnis von dir, sodass der neue Mensch, der wir sind, immer mehr sichtbar wird, dir immer ähnlicher wird, bis wir schon bald bei dir sein werden und das Äußere, das sündige Fleisch abgetan, weggetan sein wird und die Sünde keine Kraft mehr und keinen Einfluss mehr auf unser Leben hat.

In deinem Namen danken wir dir für dein großes Werk von Ewigkeit, Herr, in unserem Leben und preisen dich. Amen.

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