4. Juli 2026
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Napoleon war ein begnadeter General der französischen Republik und schließlich wurde er sogar Kaiser der Franzosen. Im Oktober 1805 ging der sogenannte Ulmer-Feldzug in die Geschichtsbücher ein. Es war ein strategisches Meisterwerk von Napoleon, und zwar durch schnell und gut koordinierte Truppenbewegungen erreichte er fast kampflos den Sieg – die Kapitulation der österreichischen Soldaten bei Ulm.
Was die wenigsten wissen ist, dass Napoleon einen unfassbar gut begabten Adjutanten hatte, und zwar Louis-Alexandre Berthier, 1753 in Versailles geboren. Nun, wir sind so weit weg, dass wir gar nicht mehr wissen, was ein Adjutant ist. Unser deutsches Wort leitet sich vom Lateinischen ab und bedeutet – kommt von adjutare –, das heißt Hilfe oder Unterstützung. In allen lateinischen Sprachen ist es noch vorhanden. Wer nach Italien in Urlaub geht, kann sich merken: Aiuto heißt Hilfe.
Louis-Alexandre Berthier war ein ausgebildeter Offizier und er war der verlängerte Arm von Napoleon, dem Oberbefehlshaber. Als Adjutant koordinierte Berthier die Marschrouten der Armee. Als Adjutant stimmte er die Bewegungen zeitlich aufeinander ab. Als Adjutant konnte er die Gedanken Napoleons in gute Befehle formulieren. Berthier sorgte dafür, dass die Nachrichten schnell an Ort und Stelle ankamen.
Nun, zusammen waren die beiden ein großartiges Duo. Berthier als Adjutant unterstützte Napoleon auf solche Weise, dass die strategische Meisterleistung voll zur Geltung kam. Berthier war ein Segen, nicht nur für Napoleon, sondern auch für die Truppen, weil er so gut war.
Ich würde sagen: Ein neutestamentlicher Diakon ist das, was ein Adjutant für den Oberbefehlshaber ist – und zwar ein Helfer, ein Unterstützer, ein Assistent.
Wir befinden uns in einer Serie über die Gemeinde. Bisher haben wir uns angeschaut, wie notwendig Mitgliedschaft ist. Eine hohe Sicht über Gemeinde beginnt mit Mitgliedschaft, und die Schrift kennt keine Christen, die nicht zum sichtbaren Leib Christi, zur Ortsgemeinde, dazugehören. Wir werden sogar heute im Text über Diakone einige Aussagen dazu finden – später mehr dazu.
Wir haben uns im Verlauf die Aufgabe und die Rolle von Ältesten angeschaut. Theo hat in den letzten beiden Predigten über die Qualifikation von Ältesten gepredigt. Erik hat darüber gepredigt, dass Gottes Wort inspiriert, unfehlbar, irrtumslos, wirksam und unser Fundament ist, nach dem wir uns ausrichten.
Und heute werden wir uns ansehen, wie Gott das Amt des Diakons gebraucht, um Ruhe und Einheit in der Gemeinde zu bewahren und um sicherzustellen, dass den Ältesten der Rücken freigehalten wird, damit sie ihren Dienst tun und sich nicht verzetteln.
Das Neue Testament spricht viel vom Dienen. Sicherlich habt ihr das Wort schon gehört: das griechische Wort ist Diakonos, und es bedeutet schlichtweg einfach dienen. Das Neue Testament fordert uns immer wieder auf: Dient einander.
Aber das Amt des Diakons wird im Neuen Testament nur zweimal erwähnt. Einmal in Philipper 1, Vers 1: Einige Jahrzehnte nach der Gemeindegründung schreibt Paulus diesen Brief und sagt: »Paulus und Timotheus, Knechte Jesu Christi, an alle Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind« – und dann sagt er: »samt den Aufsehern und Diakonen«. Offensichtlich finden wir einige Zeit später Diakone in der Gemeinde.
Und der zweite Text im Neuen Testament ist 2. Timotheus 3, 8 bis 13. Dort beschreibt Paulus vorrangig die Qualifikation, die Erprobung, die Einsetzung, aber auch den Lohn eines Diakons.
Aber das Prinzip des Diakons ist nicht neu. Es taucht nicht im Neuen Testament das erste Mal auf, sondern wir finden dieses Prinzip von einem Diener, der offiziell in ein Amt eingesetzt wird, um den Leiter zu unterstützen, bereits im Alten Testament an mehreren Stellen.
Sicherlich kennt ihr alle 2. Mose 18, wo Jitro, der Schwiegervater, Mose und das Volk in der Wüste Sinai besucht. Und er sieht, dass Mose sich völlig verausgabt, um die ganzen Streitigkeiten unter dem Volk zu klären. Er sieht: Mose selbst wird müde und kraftlos, aber auch das ganze Volk wird aufgerieben. Und Jitro gibt Mose einen guten Rat, und Gott bekräftigt ihn. Und so suchen Mose und das Volk weise und erfahrene Männer und setzen sie ein, um Mose zu unterstützen.
Ein anderes Beispiel finden wir in 4. Mose Kapitel 8,10. Dort werden die Leviten offiziell durch Handauflegung in das Amt eingesetzt, um den Dienst an der Stiftshütte zu versehen. Nun, die Art und Weise, wie jemand damals offiziell in dieses Amt eingesetzt wurde, war, indem man ihm die Hände auflegte. Sogar heute in Deutschland ist die Amtseinsetzung etwas Feierliches, begleitet oft von einem Amtseid, von einer Zeremonie, und nicht selten ist sogar eine symbolische Handlung mit dabei.
Eine weitere sehr bekannte Stelle in Bezug auf Diakone finden wir in Apostelgeschichte 6. Diesen Abschnitt wollen wir uns heute anschauen. Hier werden Witwen in der Versorgung übersehen und die Apostel reagieren und setzen sieben Männer ein.
Nun, ganz wichtig: Diese Männer werden im Abschnitt nicht als Diakone bezeichnet. Aber es ist sehr auffallend, geradezu verblüffend, dass Lukas irgendwie ganz bewusst die Ämtertitel weglässt. Er nennt sogar die Apostel nicht »Apostel« an einer Stelle, sondern er nennt sie einfach »die Zwölf«. Und so nennt er auch diese Männer einfach »sieben Männer«. Aber das, was sie tun, wird als diakonein – als Dienst – beschrieben.
Viele Bibelausleger sind der Ansicht, dass hier in Apostelgeschichte 6 so etwas wie der Prototyp oder das Vorbild der Diakone beschrieben ist. Und ich würde dem zustimmen, denn wir finden so viele Parallelen zwischen Apostelgeschichte 6 und 1. Timotheus 3. In beiden Fällen sollen es qualifizierte Männer sein. In beiden Fällen werden sie zuerst erprobt, bevor sie eingesetzt werden. In beiden Fällen werden sie durch Handauflegung in ein offizielles Amt eingesetzt, um zu dienen. In beiden Fällen assistieren sie den Ältesten.
Und weil beide Stellen von der Qualifikation und der Einsetzung der Diakone sprechen, werden wir uns beide Stellen ansehen. Aber wir beginnen mit Apostelgeschichte 6, die ersten sieben Versen. Lasst uns sie gemeinsam lesen:
»In jenen Tagen aber, als die Zahl der Jünger wuchs, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Hilfeleistung übersehen wurden. Da beriefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht gut, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen, um bei den Tischen zu dienen. Darum, ihr Brüder, seht euch nach sieben Männern aus eurer Mitte um, die ein gutes Zeugnis haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind, die wollen wir für diesen Dienst einsetzen. Wir aber wollen beständig im Gebet und im Dienst des Wortes bleiben. Und das Wort gefiel der ganzen Menge. Und sie erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sich vor die Apostel, und sie beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger mehrte sich sehr in Jerusalem; auch eine große Zahl von Priestern wurde dem Glauben gehorsam.«
Wir sehen in diesem Abschnitt vier Dinge: Wir sehen ein Problem, wir sehen die Gefahr, wir sehen die Lösung und das Ergebnis. Und wir werden so durch den Text hindurchgehen.
Vers 1 schildert uns das Problem: »In jenen Tagen aber, als die Zahl der Jünger wuchs, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Hilfeleistung übersehen wurden.«
Was ist geschehen? Die Gemeinde ist sehr schnell und sehr stark gewachsen. In Apostelgeschichte 4, Vers 4, berichtet Lukas über eine Zahl von etwa 5.000 Männern. Das heißt, innerhalb weniger Tage und Wochen ist die Zahl auf ungefähr 10.000 Gläubige gestiegen. Rechnet man doppelt so viele Kinder noch hinzu, dann kommt man auf 20.000, die wahrscheinlich die Gottesdienste besucht haben.
Viele haben den Messias erwartet und er kam, und nun glauben sie an ihn. Unter ihnen sind einige arme Geschwister, vor allem Witwen. Und sie konnten ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen – nicht, weil sie faul waren, sondern oft, weil sie alt oder krank waren. Und besonders Frauen war es damals unmöglich, irgendwie eine Anstellung außerhalb vom Haus zu finden.
Witwen wurden in der Regel von den Synagogen versorgt. Es war so üblich in der Synagoge, dass jemand Freitagfrüh das Essen unter den Synagogenmitgliedern einsammelte und dann Freitagnachmittag wurde es den Witwen vorbeigebracht. Aber jetzt sind diese Witwen an christusgläubig geworden und sehr wahrscheinlich sind viele oder alle aus der Synagoge hinausgeschmissen worden, und nun hatten sie keine Versorgung mehr.
In Apostelgeschichte 4 und 5, die vorletzten Kapitel, da sehen wir, dass wohlhabende Gläubige Äcker oder Häuser verkaufen, das Geld zu den Aposteln bringen und die Apostel teilen es auf, so wie jemand bedürftig war. Was wir hier sehen, was zum Problem führt, könnte man Wachstumsschmerzen nennen. Es war nicht irgendwie böswillige Absicht, dass man sie übersieht, sondern einfach, weil die Zahl der Jünger so explodierte in kurzer Zeit, wurden manche Gruppen einfach übersehen.
Wachstum führt zu Herausforderungen. Das muss dir und mir immer wieder bewusst sein. Wenn du in der Gemeinde auf Herausforderungen triffst, dann hab das immer im Hinterkopf: Was ist die echte Ursache dafür? Ist es wirklich der murrende Bruder oder die murrende Schwester, oder ist die Ursache wirklich Wachstum? Oberflächlich betrachtet könnte man hier leicht meinen, das Problem sind murrende Witwen. Aber nein, das war nicht das echte Problem, sondern Wachstumsschmerzen.
Ein ganz normales, gutes, gesundes Wachstum bringt Herausforderungen mit sich. Die Witwen wurden einfach übersehen. Das kann passieren. Auch uns kann es passieren – obwohl wir zum Glück nicht 10.000 Mitglieder haben, aber auch in einer kleinen Gemeinde wie bei uns bei Leuchtturm kann man die eine oder andere Gruppe aus den Augen verlieren. Vielleicht denkst du: Nein, das passiert nicht. Aber stell dir einfach mal die Frage: Weißt du, wer alles zur JuLeu dazugehört? Oder weißt du, wer alles in der Kinderstunde dient? Oder weißt du, wer alles von uns einen ungläubigen Ehepartner hat? Auch wir können manchmal den einen oder den anderen aus den Augen verlieren. Und aus dem Grund sind es nicht nur die Ältesten, sondern die ganze Gemeinde, die aufeinander Acht geben. Wir sehen hier, das Problem entsteht durch gesundes Wachstum – Wachstumsschmerzen.
Das bringt eine Gefahr mit sich. Was ist die Gefahr? Mit diesem Problem kommt eine drohende Gefahr. Wir haben nicht nur ein Problem, sondern, wie es häufig der Fall ist, haben wir eine Verkettung von Problemen.
Es war nicht einfach nur, da wurden ein paar Witwen übersehen, sondern es waren ausgerechnet griechischsprachige Witwen, die übersehen wurden. Das ist eine Verkettung von ungünstigen Komponenten und die Sprengkraft davon potenziert sich. Es ist oft nicht nur ein Problem, sondern es kommen so viele ungereimte Sachen zusammen und das ganze wird dann größer. Es war nicht nur: Wir haben ein paar Witwen übersehen, sondern wir haben ausgerechnet eine ganze ethnische Gruppe benachteiligt. Nun, fast schon klischeehaft.
Die übersehenen Witwen waren Hellenisten. Was heißt das? Das waren Witwen aus der Zerstreuung, aus der Diaspora. Sie sprachen Griechisch, sie hatten zum Teil andere Gewohnheiten. Manche hatten sogar einen griechischen Ehemann gehabt. Und sie wurden von den – man könnte sagen – waschechten, von den reingebliebenen Hebräern mit Argwohn angesehen. Und jetzt werden ausgerechnet diese Hellenisten übersehen.
Das führt zu einer Spaltung von Gruppen, nicht von Einzelpersonen. Das führt zum Murren von einer Gruppe gegen die andere Gruppe. Schaut noch mal Vers 1. Dort heißt es: »Da entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen übersehen wurden.« Es waren sogar nicht mal die Witwen, die gemurrt haben, sondern es war die ganze Gruppe, die gegen die andere Gruppe gemurrt hat.
Nun, Murren führt immer zu Uneinigkeit in der Gemeinde. Murren und Uneinigkeit bereiten Christus Unehre. Murren und Uneinigkeit ziehen den Namen des Herrn in den Dreck.
Die sind gerade alle zum Glauben gekommen, wenige Tage oder Wochen vorher. Sie haben erfahren, was es bedeutet, Vergebung der Schuld zu bekommen. Dieser große Rucksack und Berg von Schuld, den man mit sich herumträgt, der ist am Kreuz abgerollt und vergeben. Sie haben Frieden mit Gott. Aber dass dieser Friede mit Gott hergestellt wurde, bedeutet auch, dass Friede untereinander hergestellt wurde. Und so wurde diese Trennwand niedergerissen. Das Evangelium hat die kulturelle Feindschaft niedergerissen. In Christus sind sie vereint worden. Aber jetzt kommt dieses Problem. Und was ist die drohende Gefahr? Diese Mauer wird ganz schnell wieder aufgebaut.
Wir finden aber noch ein anderes Problem, das sogar tiefer liegt. Diese Spannungen zwischen beiden Gruppen haben vermutlich die meisten wahrgenommen. Aber die tieferliegende Gefahr erkennen offensichtlich nur die Apostel. Schaut in Vers 2 hinein: »Da beriefen die Zwölf (das waren die Apostel, die Leiter der Gemeinde) die Menge der Jünger zusammen und sprachen.«
Nur eine kurze Klammer: Ich habe erwähnt, Mitgliedschaft wird selbst hier erwähnt, und das ist der Punkt. Offensichtlich wissen die Apostel, wer zu ihnen gehört und wer nicht. Offensichtlich wissen die Apostel, wen laden wir ein – wahrscheinlich war das die erste Mitgliederstunde, wir wissen es nicht. Wen laden wir ein, wen laden wir nicht ein. Offensichtlich wussten alle Teilnehmer, gehöre ich dazu oder lass ich mich dort gar nicht blicken.
Und dann geht es weiter und sie erkennen die zweite, tieferliegende Gefahr und sagen: »Es ist nicht gut, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen, um bei den Tischen zu dienen.« Die Spannungen innerhalb der Gemeinde sind eine Gefahr und vermutlich vielen sichtbar geworden. Aber die Apostel erkennen eine andere Gefahr: Und es besteht die akute Gefahr, dass sie sich in guten und wichtigen Aufgaben verzetteln und von ihren Hauptaufgaben abgelenkt werden.
Ihr kennt sicherlich Jakobus, der sagt: »Witwen und Waisen zu dienen ist eine makellose Frömmigkeit, ein angesehener Gottesdienst.« Das heißt, dieser Dienst, den Witwen zu dienen, ist wirklich wichtig und gut und Auftrag der Gemeinde. Sie sorgen sich um die eigenen, um die Hausgenossen des Glaubens. Allerdings sind die Apostel begrenzt in ihrer Zeit, in ihrer Gegenwart und in ihrer Kraft. Und dieser gute und wichtige Dienst würde schlussendlich dazu führen, dass sie ihre Priorität vernachlässigen.
Und das ist eine Wahrheit, eine Lektion, die wir alle lernen müssen. Ob Mann, ob Frau, ob jung oder alt, egal in welchem Dienst oder in welcher Rolle du stehst, musst du dir immer wieder die Frage stellen: Hält mich diese gute, wundervolle Aufgabe von meiner eigentlichen, primären Priorität ab?
Und die Apostel sagen: »Es ist nicht richtig, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen.« Die LSB, eine englische Übersetzung, übersetzt hier an dieser Stelle auch sehr treffend und sie sagt: »Es ist Gott nicht wohlgefällig, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen«. Und dann sagen sie in Vers 4: »Wir wollen stark sein im Gebet und im Dienst des Wortes und uns anhaltend dem Dienst des Wortes und des Gebetes hingeben.«
Die Apostel fassen ihren Dienst als Wort und Gebet zusammen. Was bedeutet das? Das bedeutet nicht, dass sie nichts anderes tun, als zu beten und die Bibel zu studieren. Das bedeutet nicht, dass Älteste aus aller administrativer Verantwortung raus sind und nichts mehr mit dem Gemeindedienst zu tun haben. Nein, die Aufgabe ist weiterhin, Aufseher der ganzen Gemeinde zu sein, die ganze Gemeinde zu leiten. Und das tun die Zwölf, die Apostel, die Leiter auch. Sie setzen hier die Diakone ein und später sieht man es andauernd – sie sind weiterhin beschäftigt, die Gemeinde zu leiten. Apostelgeschichte 15, das Apostelkonzil, und so weiter. Das heißt, ihre Aufgabe ist weiterhin, den Auftrag der Gemeinde umzusetzen. Ihr Auftrag ist weiterhin, Jünger zu machen. Der Hirtendienst und Wort und Gebet fasst es einfach nur alles zusammen.
Wir lernen hier, dass Probleme angegangen werden müssen. Man kann Murren und Parteiung nicht schwelen lassen in der Gemeinde. Es wird die Gemeinde von innen zerstören. Aber Probleme dürfen auch nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass sie von der Hauptaufgabe ablenken. Sogar gute Aufgaben, gute Dienste dürfen nicht von der Hauptaufgabe ablenken. Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt – eine sehr gute Formulierung. Und die Hauptsache ist der Dienst am Wort. Warum? Es ist das Wort, das errettet, das Wort, das korrigiert, das tröstet, das Wegweisung gibt. Das Wort baut auf, das Wort rüstet zu zu jedem guten Werk. Das hat Erik uns in Teil 1 vom Psalm 19 sehr deutlich gemacht.
Älteste würden so liebend gern in jedem Dienst dabei sein – das kann ich euch wirklich sagen. Egal, ob es der Kinderdienst ist, egal, ob es JuLeu ist, Älteste würden am liebsten in jedem Hauskreis dabei sein, bei jedem Umzug helfen, überall streichen. Manchmal lässt die Zeit es zu, manchmal lässt die Zeit es nicht zu.
Wir sehen hier: Wachstum führt zu Wachstumsschmerzen in der Gemeinde, und diese Probleme bringen Gefahren mit sich – zum einen Uneinigkeit und Spaltung, die drohen, aber auch, dass man sich verzettelt in Nebenschauplätzen.
Was ist die Lösung? Wir schauen uns die Verse 2 bis 4 an. Die Lösung sind qualifizierte Assistenten, die hier in Apostelgeschichte 6 im Auftrag der Apostel handeln.
Schaut euch Vers 2 an: »Da beriefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht gut, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen, um bei den Tischen zu dienen. Darum, ihr Brüder, seht euch nach sieben Männern aus eurer Mitte um, die ein gutes Zeugnis haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind. Die wollen wir für diesen Dienst einsetzen. Wir aber wollen beständig im Gebet und im Dienst des Wortes bleiben.«
Sie suchen qualifizierte Diakone – aber nach welchen Kriterien suchen sie diese Männer aus? Nach welchen Kriterien würde man heute so Männer aussuchen? Man könnte sich das vorstellen: Heute würde man vielleicht jemanden suchen, der ein Experte in Logistik ist, um die Versorgung gut zu koordinieren. Heute würde man vielleicht jemanden rekrutieren, der bereits Kaufmannserfahrung hat, der vielleicht schon gute Beziehungen zu Händlern hat, um an die Ware heranzukommen. Vielleicht würde man ein Organisationstalent einstellen.
Versteht mich nicht falsch – diese Begabungen sind gut und hilfreich, aber es sind nicht die wichtigsten Kriterien, die aufgestellt werden. Wenn nach pragmatischen Kriterien Männer für dieses Amt ausgesucht werden, dann ist die Kirche in der ganzen Kirchengeschichte immer auf die Nase gefallen. Das war schon immer die Gefahr der Kirchengeschichte.
Hieronymus (350 bis 420 nach Christus) schrieb an Nepotian: »Viele werden Kleriker nicht wegen ihres Dienstes, sondern wegen ihres Vermögens.« Falsche Prioritäten. Johannes Chrysostomus, Origenes, Ambrosius von Mailand – alle bemängeln, dass die Hauptkriterien in der Kirche, um jemanden für einen Dienst auszusuchen, leider oft Ansehen war, Macht, wieviel politischen Einfluss hat er, wie persönlich sympathisch ist mir diese Person usw. Chrysostomus schreibt: »Die größte Gefahr bei der Auswahl von Amtsträgern ist eine Verweltlichung des Auswahlprozesses.« Man könnte meinen, es wäre heute nicht anders. Das größte Problem ist eine Verweltlichung des Auswahlprozesses, dass war schon im 4. Jahrhundert so und hat sich nicht geändert.
Die Apostel geben Kriterien vor, nach denen Männer für dieses Amt gesucht werden. Was sind die Kriterien? Schaut in Vers 3 hinein. Theo hat in den letzten zwei Predigten deutlich gemacht, dass es – ob es nun die Kriterien für Älteste oder Diakone sind – nie um Perfektion geht, nie um Sündlosigkeit, sondern:
Vers 3 sagt: »Sie sollen ein gutes Zeugnis haben.« Das heißt, die Gemeinde kennt sie. Diese Männer haben sich bereits bewährt in anderen Aufgaben. Vers 3: »Sie sollen voll Heiligen Geistes sein.« Wie kann man das prüfen – mit einem Messgerät? Das ist gar nicht so einfach. Aber es bedeutet, dass bei diesem Gläubigen die Frucht des Geistes sichtbar wird. Das heißt, dieser Mann ist jemand, der von Liebe geprägt ist, von Freude, von Friede. Er ist langmütig, er ist freundlich, gütig, er ist treu, er ist sanftmütig und selbstbeherrschend. Das soll sichtbar werden, messbar sein. Vers 3 sagt weiter: »Sie sollen voll Weisheit sein.« Das war übrigens auch ein Kriterium, nach dem Mose damals Männer ausgesucht hat. Das griechische Wort hier ist Sophia und es bedeutet nichts anderes als geschickt oder erfahren, umsichtig, jemand mit Weitblick.
Was die Qualifikationen betrifft, gibt es nicht die eine Stelle, die alle Qualifikationen nennt, sondern sie beschreiben alle einen gottesfürchtigen Charakter aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Und schlussendlich ist es ein gottesfürchtiger Charakter, das Wesen eines Gläubigen.
Allen voran 1. Timotheus 3 – ihr könnt gerne 1. Timotheus 3 aufschlagen. Wir wollen ein bisschen durch diese Verse durchgehen. In 1. Timotheus 3,8 sagt Paulus dasselbe. Er sagt: »Gleicherweise sollen auch Diakone ehrbar sein.« Das Wort beschreibt eine Person, die durch ihr Reden, durch ihr Handeln den Respekt von anderen gewinnt. In Apostelgeschichte 6 haben wir gesehen, beschreibt es als ein gutes Zeugnis. Timotheus war so ein Beispiel. In Apostelgeschichte 16 sagt die eigene Gemeinde über Timotheus, dass er ein gutes Zeugnis hat. Das war der Grund, dass Paulus ihn überhaupt mitgenommen hat.
Nun, dann folgen in 1. Timotheus 3 drei Verneinungen – und man könnte meinen, vermutlich, weil es einfach weit verbreitete Laster sind. Und dann sagt Paulus in 1. Timotheus 3: nicht doppelzüngig. Das heißt, ein Diakon soll nicht mit zweierlei Wort reden. Das heißt, zu dieser Person sagt er etwas, zu der anderen Person sagt er etwas anderes. Und Lügen oder Halbwahrheiten sie untergraben das Vertrauen. Allein, wenn wir das umsetzen würden in unserer Gesellschaft, das würde so viel selektieren.
Alexander Strauch sagt: »Möglicherweise ist dieses erste Verbot – also nicht doppelzüngig – notwendig, weil Diakone häufig zwischen den Ältesten und den Leuten stehen, denen sie im Auftrag der Ältesten helfen. Wenn Menschen unter Druck stehen, kann es verlockend sein, nur einen Teil der Wahrheit zu sagen oder sie zu verschweigen, wenn man mit bestimmten Leuten redet.«
Die zweite Eigenschaft ist: nicht vielem Weingenuss ergeben. Das ist kein absolutes Alkoholverbot, aber es verbietet den exzessiven Gebrauch nicht nur von Wein, sondern grundlegend von berauschenden Mitteln. Paulus sagt es immer wieder – auch in 1. Timotheus 2 sagt er, dass jemand nicht ein Sklave des Weins sein soll.
Das dritte Verbot: nicht nach schändlichem Gewinn strebend. Das heißt, er soll nicht jemand sein, der Geld oder Wohlstand oder Hab und Gut liebt. Die Gefahr ist, dass Gemeindegelder veruntreut werden – nicht unbedingt, indem man aus der Barkasse stiehlt, wahrscheinlich, aber indem Spenden zweckentfremdet werden können. Und auch das wollen wir bei uns bei Leuchtturm durch ein Vier-Augen-Prinzip immer wieder dem Vorbeugen und rechenschaftspflichtig sein.
Vers 9: »Sie sollen das Geheimnis des Glaubens in einem reinen Gewissen bewahren.« Das heißt, der Diakon muss den christlichen Glauben kennen und selbst ein reines Gewissen bewahren. Das heißt, das Wort kennen und daran festhalten. Gott hat uns das Gewissen als einen Kompass für unser Innerstes gegeben. Und weil unser Herz trügerisch ist, kann auch das Gewissen falsch sein und es muss am Wort Gottes geschärft werden. Und deshalb muss der Diakon festhalten am Wort, weil das Wort das Gewissen korrigiert. Paulus warnt immer wieder davor, dass wir unser eigenes Gewissen nicht brandmarken oder abstumpfen – das führt zum Schiffbruch im Glauben.
Ein Diakon muss nicht lehrfähig sein, aber er kann lehrfähig sein. Das sehen wir besonders bei Stephanus in Apostelgeschichte 6 und 7. Es wird nicht gesagt, dass er viel gelehrt hat, aber er verteidigt den Glauben gegenüber den Schriftgelehrten. Ihr kennt sicherlich alle seine bekannte Anklage- oder Prangerpredigt aus Apostelgeschichte 7 – und es wird zu seiner eigenen Grabrede, weil aufgrund dessen wird er umgebracht. Nun, ein Diakon muss den christlichen Glauben kennen und bewahren.
Vers 10: »Diese sollen zuerst erprobt werden und dann sollen sie dienen, wenn sie untadelig sind.« Hier wird jemand in dieses Amt eingesetzt, wenn er sich bewährt hat. Und dasselbe haben wir in Apostelgeschichte 6 gesehen. Die Männer waren dort schon bekannt, sie hatten ein gutes Zeugnis und dann werden sie eingesetzt. Es geht hier also nicht einfach nur um allgemeinen Dienst, so wie alle Gläubigen dienen sollen, sondern es ist dieser Dienst mit einem offiziellen Amt.
Nun kommen wir in 1. Timotheus 3, Vers 11 zu einer kniffligen Stelle. Schaut hinein, Vers 11: »Die Frauen sollen ebenfalls ehrbar sein, nicht verleumderisch, sondern nüchtern, treu in allem.«
Die große Frage mit diesem Vers lautet: Wen hat Paulus hier vor Augen? Hat Paulus hier die Ehefrau der Diakone vor Augen oder hat Paulus weibliche Diakone vor Augen? Nicht Diakonissen, wohlgemerkt – Diakonissen sind evangelische Ordensschwestern, die in Diakonissen-Mutterhäusern organisiert werden und oft für soziale, medizinische, pflegerische Tätigkeiten dienen. Ich habe meine Ausbildung bei den Aidlinger Diakonissen gemacht für die Krankenpflege. Das ist nicht zu verwechseln.
Die Frage ist: Spricht Paulus hier von Ehefrauen der Diakone oder von weiblichen Diakonen? Und der Text gibt es nicht eindeutig her.
Theo hatte bereits sehr deutlich aufgezeigt – in 1. Timotheus 2 und sehr gut – warum Älteste Männer sein sollen. Aber was ist mit dem Amt des Diakons?
Wir gehen gleich durch einige Argumente. Ich denke, es gibt Hinweise, dass Paulus hier die Frauen der Diakone meint und nicht weibliche Diakone. Aber der Text, das muss man sagen, ist nicht so eindeutig, wie man sich das gerne wünschen würde. Und wir kennen gute bibeltreue Gemeinden, die dafür argumentieren, dass Paulus hier weibliche Diakone meint, und sie praktizieren das auch. Haben sie sogar auf ihrer Webseite. An dieser Stelle die eine oder andere Sichtweise zu haben, heißt nicht, dass wir die Beziehung zu dieser Gemeinde abbrechen und sie für liberal ansehen. Es gibt einige gute Älteste, die wir schätzen, mit denen wir zusammenarbeiten, die hier anders argumentieren.
Ich möchte vier Gründe nennen, warum ich oder warum wir der Ansicht sind, dass es hier eher um die Ehefrauen und nicht um weibliche Diakone geht.
Zunächst einmal gebraucht Paulus in dem ganzen Kapitel 3 den Begriff der Ämter. In Kapitel 3,1 und 3,2 spricht er von den Aufsehern, den Episkopos, von dem Amt des Aufsehers. Dann Kapitel 3 spricht er von dem Amt des Diakons, ja, der Diakonos. Und dann in Vers 11 geht er zu »die Frauen« und dann in Vers 12 geht er wieder zurück zu den Diakonos, den Diakonen. Ich denke: Würde Paulus hier wirklich weibliche Diakone vor Augen haben, dann würde er die grammatikalisch weibliche Form von Diakonos gebrauchen. Er spricht in Vers 1 von den Episkopos, dann die Diakonos, die männliche Form. Und ich denke: Würde Paulus weibliche Diakoninnen meinen, dann würde er einfach Diakonon sagen, also die Dienerin. Er spricht: der Diener, der Diakonos, dann die Frau, und dann geht er wieder zurück zu »die Diener« und spricht weiter. Und er gebraucht hier Frauen im Plural, weil Vers 8 die Diakone im Plural genannt werden und ich denke Paulus von ihren Ehefrauen spricht.
Der zweite Grund, warum ich denke, dass er nicht von weiblichen Diakonen spricht, sondern von der Ehefrau: Es gibt kein anderes Wort für Ehefrau als das, was hier gebraucht wird. Das griechische Wort für Frau lautet Gyne – kennen wir aus »Gynäkologie«. Und es bedeutet einfach »Frau«, so wie im Deutschen. Im Griechischen ist es wie im Deutschen: Wir sprechen im Deutschen von »der Frau« oder »die Frau« und wir meinen einfach die weibliche Person ohne irgendeinen Bezug auf ihren Familienstand, ob sie Single ist oder verheiratet ist. Aber dann sprechen wir von »Ottos Frau« und meinen seine Ehefrau. Das Griechische hat kein extra Wort wie »Ehefrau«, um deutlich zu machen: Wir sprechen jetzt nicht von Frau im Allgemeinen, sondern von seiner Ehefrau. Und das heißt, der Kontext zeigt auf, in welche Richtung es geht. Wenn Paulus von Ehefrauen sprechen wollte – und ich denke, er tut es – dann stand ihm gar kein anderes Wort zur Verfügung als das, das er benutzt. Und im ganzen dritten Kapitel benutzt Paulus das Wort im Sinne von Ehefrau, besonders Kapitel 3, Vers 2: »Mann einer Frau« – der Älteste, der Diakon, Mann einer Frau.
Der dritte Grund, warum ich denke, dass er nicht von weiblichen Diakonen spricht, sondern von der Ehefrau, liegt in der Rolle des Amtes. Wir werden gleich anschließend sehen, was das Amt des Diakons beinhaltet, und wir werden sehen: Es beinhaltet gewisse delegierte Autorität. Sie sind Assistenten der Ältesten. Sie handeln im Auftrag der Ältesten. Sie sind, man könnte sagen, der verlängerte Arm von den Ältesten. Und ich denke, in 1. Timotheus 2,12 – Theo hatte letzten Sonntag darüber gepredigt – wo Paulus sagt: »Ich erlaube einer Frau nicht zu lehren, auch nicht, dass sie über den Mann herrscht«, das heißt Autorität ausüben oder über jemanden verfügen – ich denke, das schließt beide Ämter mit ein: Älteste und Diakone.
Und der vierte Grund – da gehen wir wieder zurück zu Apostelgeschichte 6,3: Wir sind die Kriterien durchgegangen, nach denen jemand für das Amt ausgesucht wurde. Und eine habe ich unterschlagen, bewusst, weil ich sie hier erwähnen wollte. Schaut euch Vers 3 noch mal an. Als die Apostel jemanden aussuchen, sagen sie: »Darum, ihr Brüder, seht euch nach sieben Männern aus eurer Mitte um.« Eigentlich würde man denken: Warte mal, wer könnte Frauen besser dienen oder Witwen besser dienen wie eine Frau? Wären nicht Diakoninnen besser geeignet, um für Witwen zu sorgen? Warum suchen die Apostel ausgerechnet nach Männern für dieses Amt? Ich denke, auch das ist ein starker Hinweis, dass für beide Ämter – Älteste und Diakone – Männer vorgesehen sind.
Und aus dem Grund ist Vers 11 in 1. Timotheus 3 die Anforderung an die Ehefrau eines Diakons – ja, auch eines Ältesten, auch wenn das dort nicht explizit erwähnt wird. Das heißt in anderen Worten sagt er: »Die Ehefrauen oder ihre Ehefrauen sollen ebenfalls ehrbar sein, nicht verleumderisch, sondern nüchtern, treu in allem.« Alexander Strauch sagt in seinem wirklich sehr guten und hilfreichen Buch Gottesgemeinde unterstützen – dem Buch über Diakone: »Eine gottesfürchtige Ehefrau wird das Ansehen ihres Mannes als Diakon enorm steigern. Sie wird einer der wichtigsten Einflüsse sein, sowohl in der Entwicklung seines christusähnlichen Charakters als auch in seiner Arbeit in der Gemeinde.« Sehr zutreffend.
Vielleicht denkst du jetzt: Okay, aber was ist denn nun die Aufgabe von Diakonen? Und weißt du was? Wir finden im Neuen Testament keine konkrete Aufgabenbeschreibung für die Diakone, und es gibt recht viel Freiheit. Das Einzige, was wir haben, ist das Wort, das beschreibt, was sie tun. Es ist ähnlich wie bei den Ältesten: Ein Ältester wird »Aufseher« genannt, das heißt, das Wort definiert seine Tätigkeit oder »Hirte« oder »Ältester«. Und genauso beschreibt das Wort Diakonos – dienen –, was der Diakon tut. Er dient.
Ein Diakonos kann ein Bote sein, jemand, der eine Botschaft überbringt (Römer 11,4). Er kann ein Helfer sein. Ein Diakonos kann sogar ein Vollstrecker sein (Matthäus 22,13). Ein Diakonos ist ein Diener des Königs (Matthäus 27,55). Ein Diakonos ist jemand, der für die Nöte anderer sorgt.
Das macht deutlich, wie das Wort gebraucht wird: Ein Diakon handelt entweder im Auftrag von jemandem oder für jemanden handelt. Man könnte sagen, in Bezug zur Gemeinde könnten Diakone als Stoßdämpfer bezeichnet werden. Ihr Dienst bringt Ruhe und Ordnung und Einheit in das Gemeindeleben hinein. Und in Bezug zu den Ältesten kann man sie als Assistenten der Ältesten bezeichnen.
Sie werden immer im Zusammenhang mit Ältesten genannt. Wir haben gesehen: Eine Gemeinde ohne Älteste ist ein mangelhafter Zustand – eigentlich keine Gemeinde. Aber Diakone müssen nicht zwingend dabei sein. Diakone können im Prozess des Wachstums hinzukommen. Zu Beginn sind sie nicht zwingend erforderlich, aber mit dem Wachstum der Gemeinde wird ihr Dienst umso wichtiger. Und sowohl Apostelgeschichte 6 wie 1. Timotheus 3 da sehen wir, dass die Ältesten Diakone haben, die ihre Arbeit, ihren Dienst unterstützen.
Diakone halten Ältesten den Rücken frei. Diakone arbeiten im Auftrag der Ältesten. Sie haben keinen eigenen Missionsauftrag. Diakone sind der verlängerte Arm von Ältesten. Diakone sind weder die persönlichen Haussklaven von Ältesten, noch sind sie die Opposition von Ältesten. Sie arbeiten nicht gegen die Ältesten, sondern man kann sagen: Sie sitzen im selben Boot, sie verfolgen denselben Auftrag, sie ziehen am selben Strang, sie unterstützen die Ältesten. Sie sind Assistenten, sie handeln im Auftrag. Man könnte sagen: Ein Diakon ist für einen Ältesten das, was John Watson für Sherlock Holmes war. Deswegen ist ein Assistent nicht die zweite Geige, sondern er multipliziert die Leistungsfähigkeit des Ältesten.
Schaut euch noch einmal Vers 5 an in Apostelgeschichte. Dort heißt es: »Und das Wort gefiel der ganzen Menge und sie erwählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel und sie beteten und legten ihnen die Hände auf.«
Es fällt uns vielleicht nicht unbedingt auf, aber der Text macht deutlich, dass alle sieben Männer griechische Namen haben. Und es war sehr weise von den Aposteln, dass sie diese Männer entsprechend ihrer Begabung eingesetzt haben. Wir hatten griechischsprachige Witwen, die übersehen wurden, und nun werden griechischsprachige Diakone eingesetzt, um sie zu versorgen. Diese Männer würden von ihrem Gabenspektrum, allein schon von ihrer Sprache, wie Gott sie befähigt hat, gut für die hellenistischen Witwen sorgen. Sie haben ein Auge dafür.
Diakone können einen abgesteckten Bereich haben, den sie übersehen, aber sie müssen es nicht. Das kann zum Beispiel hilfreich sein, Diakone zu haben, die einen Dienstbereich überblicken, wie hier in Apostelgeschichte 6 die Versorgung von Witwen. Aber es muss nicht sein. Die Diakone können ganz allgemein Assistenten der Ältesten sein, ohne konkrete Dienstbereiche.
Vielleicht denkst du: Wie ordne ich das ein? Wie grenzen sich Diakone zu Ältesten ab? Sind Diakone kleine Älteste? Sind Diakone die Vorstufe von Ältesten? Nein. Älteste haben die Leitung der gesamten Gemeinde im Blick. Diakone überblicken oft einen Bereich, eine Kleingruppe. Sie assistieren. Älteste leiten die Gemeinde, bewahren den Auftrag der Gemeinde, lehren, weiden, schützen die Schafe. Diakone unterstützen sie in dieser Aufgabe.
Vielleicht denkst du: Wie grenzen sich denn nun Diakone zu den anderen Geschwistern der Gemeinde ab? Sollen nicht alle Gläubigen dienen? Muss man erst dienen, wenn man so einen langen Prozess der Qualifikation und Einsetzung durchlaufen hat? Nein, bitte nicht. Das ist nicht damit gemeint. 1. Petrus 4 fordert alle Gläubigen auf: »Dient einander, jeder mit der Gnadengabe.« Nicht erst: Geh halt diese ganzen Qualifikationen durch. Nein. Aber Diakone sind ein offizielles Amt. Sie werden eingesetzt. Man könnte sagen, sie sind der verlängerte Arm der Ältesten. Sie haben delegierte Autorität – ungefähr so wie beim Bürgeramt.
Mit dem Sommer kommt auch die Reisezeit und wir haben festgestellt, dass zwei Pässe unserer Kinder abgelaufen sind. Wir mussten schleunigst neue beantragen. Eigentlich ist der Bürgermeister dafür verantwortlich, aber versuch einen Termin beim Bürgermeister zu bekommen – das heißt, du wirst die nächsten drei bis fünf Jahre nicht reisen. Also sind wir dankbar für das Bürgeramt, wo man bei uns in Hoppegarten noch ohne lange Wartezeit einfach hingehen kann. Und der Verwaltungsbeamte am Schalter kann ohne Schwierigkeiten einen Pass, einen Personalausweis komplikationslos ausstellen und geben. Aber wenn man diese Unterlagen gründlich liest, dann stellst du fest – und das hast du wahrscheinlich auch auf Briefen von der Gemeindeverwaltung gesehen – da steht ganz oft unten der Bürgermeister. Dabei kommt es gar nicht vom Bürgermeister. Was das deutlich macht: Dieser Verwaltungsbeamte handelt im Auftrag des Bürgermeisters, einfach weil der Bürgermeister begrenzt ist in seiner Zeit, Macht und Kraft. Aber dieser Verwaltungsbeamte hat delegierte Autorität – ungefähr so wie ein Diakon.
Wir haben gesehen: Ganz normales Gemeindewachstum kann zu Wachstumsschmerzen führen. Wir haben gesehen, diese Probleme bringen Gefahren mit sich – es kann zu Spaltung oder Parteiung führen, und es kann zur Ablenkung führen, dass die Hauptsache zur Nebensache gemacht wird. Und als Lösung gibt Gott der Gemeinde Diakone.
Was geschieht, wenn qualifizierte Assistenten im Auftrag der Ältesten handeln? Das sehen wir uns zum Schluss an: das Ergebnis. Es führt zu einem unglaublichen Segen.
Punkt vier, das Ergebnis. Nun, schaut noch mal in Vers 5 hinein. Was ist das Ergebnis, dass die Apostel hier qualifizierte Männer einsetzen? Vers 5: »Und das Wort gefiel der ganzen Menge.« Qualifizierte Diakone bringen Ruhe, sie bringen Ordnung, sie bringen Einheit ins Gemeindeleben. Sie verursachen kein Erdbeben, sondern sie federn Erdbeben ab. Sie sind Stoßdämpfer, Stabilisatoren. Die Wachstumsschmerzen werden angepackt und behoben.
Aber ihr Dienst hat noch weitreichendere Auswirkungen. Schaut in Vers 7 hinein – sowohl nach innen für die Gemeinde als auch nach außen: »Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger mehrte sich sehr in Jerusalem. Auch eine große Zahl von Priestern wurde dem Glauben gehorsam.«
Wir sehen hier: Bei den Aposteln bleibt die Hauptsache die Hauptsache, weil den Aposteln der Rücken freigehalten wird. Und der Dienst der Diakone hat direkte Auswirkungen auf die Ausbreitung des Evangeliums. Ihr Dienst multipliziert die Wirksamkeit der Ältesten. Ihr Dienst ist nicht nur für die Gemeinde ein Segen, nicht nur nach außen ein Segen, sondern ihr Dienst ist für sie persönlich ein Segen.
Falls ihr noch 1. Timotheus 3 offen habt, könnt ihr zum letzten Vers übergehen, Vers 13. Da sagt Paulus: »Denn wenn die Diakone ihren Dienst gut versehen, erwerben sie sich selbst eine gute Stufe und viel Freimütigkeit im Glauben in Christus Jesus.«
Was heißt dieser Vers? Achtet darauf: Paulus sagt nicht, ihr Amt segnet sie. Nein, nein, nein. Sondern Paulus sagt, ihre Treue im Dienst wird Segen mit sich bringen. Es geht nie ums Amt, sondern immer um den Dienst.
Diese Diakone werden nicht nur am Ende ihres Marathons hören: »Recht so, du guter und treuer Knecht«, sondern sie werden bereits im Lauf – während sie der Gemeinde dienen, während sie die Ältesten unterstützen, während sie Initiative ergreifen und ihre Aufgaben treu zu Ende führen – werden sie, der Text sagt, eine gute Stufe erreichen. Damit ist nicht die nächste Stufe in der Gemeindehierarchie gemeint. Es geht nie um Gemeindehierarchie, es geht nie um ein Amt, sondern was Paulus meint, ist eine ehrenwerte Stellung. Das heißt, sie selbst wachsen im Glauben, genauso wie jeder von uns im Glauben einfach dadurch wächst, dass er dient. Willst du im Glauben wachsen? Fang einfach an zu dienen und diene. Aber ihr Dienst ist ein Segen für die Gemeinde und für die Ältesten. Das ist damit gemeint.
Ungefähr so wie Louis Alexandre Berthier für Napoleon und die Truppen. Berthier war zehn Jahre später als Adjutant nicht mehr dabei. 1815 fehlte er im sogenannten Feldzug der Hundert Tage. Napoleon war weiterhin ein exzellenter Stratege, aber sein qualifizierter Adjutant fehlte – und es war bemerkbar für ihn und für die Truppen. Im Feldzug der Hundert Tage kamen die Truppenbefehle verspätet an und sie wurden missverstanden. Was für ein Desaster! Im Feldzug der Hundert Tage wurden die unterschiedlichen Armeen schlecht koordiniert und aufeinander abgestimmt. Im Feldzug der Hundert Tage gab es Kommunikationsprobleme zwischen den Marschällen.
Wir sehen: Diakone leisten wichtige und notwendige Arbeit. Ein Diakon ist für den Ältesten das, was ein Adjutant für den Oberbefehlshaber ist – ein Helfer, ein Unterstützer, ein Assistent.
Und schlussendlich sind Diakone ein Abbild des Oberdiakons. Vermutlich hast du das Wort noch nie gehört, aber Christus wird als der König der Könige bezeichnet. Christus wird als der Herr aller Herren bezeichnet. Christus wird als der Hirte aller Hirten bezeichnet – der Oberhirte. Und Christus ist der Oberdiakon. Er hat uns ein Vorbild gegeben. In Matthäus 20,28 sagt Jesus: »Der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen« – ja, dasselbe Wort Diakonos, Diakonein – »und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.« Christus ging es nicht um das Amt, sondern um den Dienst. Und er hat uns vorgelebt, als er diente, wie er diente, während alle anderen sich bedienen lassen wollten. Er wusch den Jüngern die Füße und erledigte die niedrigste Arbeit.
Ich möchte dich zum Schluss ermutigen – und zwar ermutigen zum Dienst. Dadurch wirst du geistlich wachsen. Dabei geht es nie um ein Amt, sondern es geht um die Treue im Dienst. Das wird Segen mit sich bringen, auch wenn du nie ein offizielles Amt inne hast. Es geht nie ums Amt.
Ich möchte dich ermutigen: Wenn du Probleme siehst, dann gibt es zwei Möglichkeiten, wie du damit umgehen kannst. Du siehst Probleme in der Gemeinde, dann kannst du entweder murren und dich beschweren, weil niemand etwas dagegen tut, oder du kannst selbst Teil der Lösung des Problems werden. Und das ist, was hier in Apostelgeschichte 6 geschieht. Es waren aus den Hellenisten solche, die Stoßdämpfer waren.
Ich möchte dich ermutigen: Bete für Diakone, und wir wollen einige einsetzen. Heute Nachmittag mehr beim Gemeinschaftsnachmittag, aber lasst uns nach qualifizierten Männern Ausschau halten, die Ruhe und Ordnung und Einheit ins Gemeindeleben hineinbringen, nach solchen, die Assistenten der Ältesten sind und den Rücken freihalten.
Und zum Schluss möchte ich dich ermutigen: Wenn du Nöte im Gemeindeleben erkennst, dann sei dir bewusst – Gott gebraucht sogar Gemeindeprobleme zum Wachstum seiner Gemeinde.
Herr Jesus Christus, wir danken dir für diesen Abschnitt in Apostelgeschichte 6, wo wir sehen, dass du der Gemeinde Diakone gibst, die Ruhe, Ordnung und Einheit in der Gemeinde bewahren und hineinbringen, dass du Diakone gibst, die den Ältesten den Rücken freihalten und sogar ihre Leistungsfähigkeit potenzieren und verbessern. Herr, wir danken dir, dass das in deinem Ratschluss vorgesehen ist. Und Herr, wir wollen dich bitten, in all diesem Prozess selbst als Gemeinde durch diese Schritte hindurchzugehen – dass wir wachsam sind, dass wir nicht der Verweltlichung im Einsetzungsprozess anheimfallen, von dem schon die Kirchenväter gesprochen haben, Herr, sondern dass wir deine Prinzipien anwenden und uns nach Männern umsehen, Herr, die bereits dienen, die bereits ein gutes Zeugnis haben, und die einsetzen für diesen Dienst. Wir wollen dir alle Ehre geben. Amen.
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