8. August 2026

Die Anker einer lobenswerten Gemeinde

Evangelium und Ewigkeitshoffnung tragen eine lobenswerte Gemeinde. In 1. Thessalonicher zeigt Paulus, warum alles andere daran hängt.

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Paulus und Silvanus und Timotheus der Gemeinde der Thessalonicher in Gott, [dem] Vater, und [dem] Herrn Jesus, [dem] Gesalbten: Gnade euch und Friede ⌜von Gott, unserem Vater, und [dem] Herrn Jesus, [dem] Gesalbten⌝. Wir danken Gott allezeit für euch alle, ⌜euer⌝ gedenkend in unseren Gebeten, unablässig uns erinnernd an euer Werk des Glaubens und die Bemühung der Liebe und das Ausharren in der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus vor unserem Gott und Vater, wissend, von Gott geliebte Brüder, um eure Erwählung, weil unsere Heilsbotschaft nicht allein im Wort zu euch gelangte, sondern auch in Kraft und in Heiligem Geist und in großer Gewissheit, so wie ihr wisst, wie wir unter euch waren um euretwillen. Und ihr wurdet unsere und des Herrn Nachahmer, als ihr das Wort in vieler Drangsal und mit Freude [des] Heiligen Geistes aufnahmt, sodass ihr allen Glaubenden in Mazedonien und in Achaia ein Vorbild wurdet. Denn von euch aus erscholl das Wort des Herrn nicht nur in Mazedonien und in Achaia, sondern euer Glaube an Gott ging auch aus an jeden Ort, sodass wir keinen Bedarf haben, etwas zu reden, denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch fanden, und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrtet, um dem lebenden und wahren Gott Knechte zu sein und auf seinen Sohn aus den Himmeln zu warten, den er aus den Toten [auf] erweckte, Jesus, der uns befreit von dem kommenden Zorn.
1 Thessalonicher 1 (ESB)

Wenn jeder von uns ein Seil bekäme von dem weltbekanntesten, renommiertesten Hersteller, den es gibt – ein Seil zum Spannen, ob das für deine Wäscheleine ist oder für die Seilbahn oder zum Balancieren –, du bekommst dieses Seil. Was ist nun das einzige, worauf du noch achten musst, damit dieses Seil belastet werden kann? Wenn das Seil schon mal nicht reißen wird, worum geht es dann nur noch? Dann geht es nur noch darum, was die Befestigungspunkte sind, wo du das Seil festmachst, und dass diese Punkte fest sind und dein Seil eine gute Verbindung hat mit diesen Punkten.

Nun, ähnlich wie meine Begrenzung, wo ich heute laufen darf – ja, unser Seil ist nicht vom renommiertesten Hersteller, aber als Illustration für uns: Wir werden heute Morgen sehen, dass genauso wie ein Seil an den zwei Ankerpunkten fest ist und dann Belastungen trägt und es überhaupt keine Sorge gibt, dass dieses Seil hält, sondern ganz viel Freude gibt, dass es dieses Seil gibt – genauso ist es im Leben der Gemeinde, sowohl der gesamten Gemeinde als auch jedes einzelnen Mitglieds der Gemeinde. Es hängt lediglich davon ab, woran der gesamte Dienst und unser Leben seinen Anker findet. Diese zwei Ankerpunkte, die dann die Bestimmung, die wir haben, den Alltag, den wir erleben, tatsächlich tragen, und das ganze Leben und der Alltag voll Freude sein können, voll Lob sein können für alle, die es sehen.

Und so brauchen wir, wenn wir denn dieses wundervolle Seil haben, nur noch zu wissen, was die Ankerpunkte sind. Heute Morgen wollen wir in der Predigtreihe über die Gemeinde unsere letzte Predigt für diese Serie haben und genau darüber sprechen: Was sind die zwei Ankerpunkte für eine lobenswerte Gemeinde in Gottes Augen?

Die lobenswerte Gemeinde besteht natürlich aus den einzelnen Gemeindegliedern. Ihr wisst, dass die Gemeinde nicht aus vier Wänden besteht, nicht aus einem Glockenturm oder dem Kirchenschiff, sondern die Menschen, die Seelen der Gemeinde bilden die Gemeinde. Wie wird also jeder einzelne Gläubige lobenswert und die Gläubigen als Gesamtheit, als Gemeinde, lobenswert?

Das Beispiel, das wir uns anschauen möchten, ist das Beispiel der Thessalonicher. Die Thessalonicher in den beiden ersten Thessalonicherbriefen sind eine Gemeinde, bei der Paulus vor Dank nur so übersprudelt. Er ist so dankbar für diese Gemeinde. Im ersten Thessalonicherbrief ein bisschen, im zweiten noch viel mehr.

Die Texte dazu sind 1. Thessalonicher 1, Vers 2. In seinem ersten Brief schreibt er: »Wir danken Gott allezeit für euch alle, wenn wir euch erwähnen in unseren Gebeten.« In seinem zweiten Brief schreibt er dann in Kapitel 1, Vers 3: »Wir sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, Brüder, wie es sich auch geziemt, weil euer Glaube über die Maßen wächst und die Liebe jedes einzelnen von euch zunimmt allen gegenüber.«

Und im gleichen Brief, 2. Thessalonicher, Kapitel 2, Vers 13, holt er noch einmal aus zum Dank: »Wir sind es Gott schuldig« – wieder diese Formulierung – »allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder.«

Was ist das Geheimnis der Thessalonicher? Wie kann so ein überschwänglicher Dank über Paulus‘ Lippen kommen? Und nicht nur Paulus, sondern das ganze Missionsteam um Paulus herum. Deshalb spricht er die ganze Zeit im Wir: »Wir sind Gott schuldig zu danken allezeit.« Euer Glaube wächst über die Maßen. Also, es gibt Glauben, der wächst, so wie es normal ist. Und die Thessalonicher sind über die Maßen gewachsen, mehr als normal, mehr als zu erwarten ist. Und die Liebe – stellt euch das vor – 2. Thessalonicher 1, 3: jedes einzelnen Gliedes gegenüber allen nimmt zu. Was für eine vollkommene Gemeinde.

Nein, sie sind keine vollkommene Gemeinde. Die Thessalonicherbriefe sind auch voll von Problemen, die diese Gemeinde hat, von Herausforderungen, die sie haben. Wenn sie eine vollkommene Gemeinde wären, hätte sie keine Menschen mehr. Solange die Menschen hier sind, sind sie nicht vollkommen. Nein, das Geheimnis der Thessalonicher ist nicht, dass sie eine vollkommene Gemeinde sind. Das Geheimnis liegt in ihren zwei Ankerpunkten.

Die zwei Punkte, die Paulus immer und immer wieder erwähnt in diesen beiden Briefen. Diese zwei Ankerpunkte sind ihr Fundament und ihr Ziel. Diese zwei Ankerpunkte sind die frische Erinnerung an das Evangelium und die freudige Erwartung an die Hoffnung. Diese zwei Ankerpunkte möchten wir uns heute anschauen und dann auf das leichte Leben als Gläubiger zu sprechen kommen, wenn diese zwei fest sind. Denn wenn die beiden Ankerpunkte des perfekten Seils fest sind, dann kann ich das Seil belasten, wie ich will. Ich brauche mir keine Sorgen mehr machen. Ich kann Wäsche aufhängen, egal wie nass sie noch ist und egal wie viele Kilo ein Waschgang trägt – das Seil wird halten.

Anker 1) Deine frische Erinnerung an die erfreulichste Botschaft unser aller Leben

Diese zwei Ankerpunkte sehen wir in den beiden Briefen. Wir springen gleich zu verschiedenen Stellen in den beiden Thessalonicherbriefen. Aber bevor wir dahin kommen, schauen wir uns an, wie die Gemeinde in Thessalonich gegründet wurde. Wie ist sie entstanden?

Der Anker Nummer 1, den sie haben, ist die frische Erinnerung an die erfreulichste Botschaft ihres Lebens. Und deshalb muss auch dein Anker sein und unser Anker als Gemeinde: deine frische Erinnerung an die erfreulichste Botschaft unseres Lebens. Es ist das Evangelium selbst, was den großen ersten Ankerpunkt bildet.

Paulus und seine Begleiter haben die Gemeinde in Thessalonich gegründet, wahrscheinlich während der zweiten Missionsreise. Wir lesen davon in Apostelgeschichte 17. Sie haben drei Samstage, drei Sabbate, um zu predigen. Danach ist ganz Thessalonich so aufgebracht, dass Paulus und seine Gefährten fliehen müssen und diejenigen, die sich bekehrt haben, vor Gericht gestellt werden. Drei Samstage. Was ist passiert?

Apostelgeschichte 17, Vers 1: »Sie reisten durch Amphipolis und Apollonia und kamen nach Thessalonich, wo eine Synagoge der Juden war. Paulus aber ging nach seiner Gewohnheit zu ihnen hinein und redete an drei Sabbaten mit ihnen aufgrund der Schriften, indem er erläuterte und darlegte, dass der Christus leiden und aus den Toten auferstehen musste, und sprach: Dieser Jesus, den ich euch verkündige, ist der Christus! Und etliche von ihnen wurden überzeugt und schlossen sich Paulus und Silas an, auch eine große Menge der gottesfürchtigen Griechen sowie nicht wenige der vornehmsten Frauen. Aber die Juden, die sich weigerten zu glauben, wurden voll Neid und gewannen etliche boshafte Leute vom Straßenpöbel, erregten einen Auflauf und brachten die Stadt in Aufruhr; und sie drangen auf das Haus Jasons ein und suchten sie, um sie vor die Volksmenge zu führen. Als sie sie aber nicht fanden, schleppten sie den Jason und etliche Brüder vor die Obersten der Stadt und schrien: Diese Leute, die die ganze Welt in Aufruhr versetzten, sind jetzt auch hier. Jason hat sie aufgenommen! Und doch handeln sie alle gegen die Verordnungen des Kaisers, indem sie sagen, ein anderer sei König, nämlich Jesus! Sie brachten aber die Menge und die Stadtobersten, welche dies hörten, in Aufregung, sodass sie Jason und die übrigen nur gegen Bürgschaft freiließen. Die Brüder aber schickten sogleich während der Nacht Paulus und Silas nach Beröa, wo sie sich nach ihrer Ankunft in die Synagoge der Juden begaben. Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf;«

Das ist die Geschichte der Thessalonicher. Paulus und Silas, wahrscheinlich mit weiteren Begleitern, kommen nach Thessalonich. Sie starten immer in der Synagoge. Sie starten immer bei den Juden. Einige Juden bekehren sich, einige Griechen bekehren sich und einige vornehme Frauen bekehren sich. Aber viele Juden weigern sich zu glauben – das, was Lukas beschreibt: sie weigern sich zu glauben. Nun, sie müssen Strafe zahlen in Vers 9, eigentlich für nichts, um wieder freigelassen zu werden. Und die Thessalonicherbriefe machen deutlich: das war nur der Anfang. Der Druck der Gesellschaft auf die Gemeinde zu Thessalonich war groß und er blieb groß. Wir werden gleich einige dieser Hinweise in den verschiedenen Versen lesen.

Das Ganze passiert in Apostelgeschichte 17. Woran scheiden sich hier die, die wohlgesonnen sind, und die, die sich dem Mob anschließen? Was ist das Kriterium? Nun, das Kriterium war: aufgrund der Schriften. Das ist, was Paulus benutzt – dieses Buch, in seinem Fall das Alte Testament. Paulus legt dar, dass Jesus der Messias ist, dass er leiden muss und dass er auch auferstehen musste. Und er sagt: »Dieser Jesus, den ihr gekreuzigt habt, ist der Messias. Er ist der Verheißene aus dem Alten Testament.«

Das ist, woran sich alles scheidet. Das ist der erste große Ankerpunkt: die Klarheit des Evangeliums, die Klarheit dessen, dass Jesus sterben musste. Warum muss er sterben? Er muss nur sterben, weil Sünde im Spiel ist. Es ist nichts weniger als Sünde, die den Tod erfordert, und deshalb muss er sterben. Warum muss er auferstehen? Weil der Tod besiegt werden muss. Er ist gestorben, um uns zu sühnen. Das ganze Evangelium ist klar, ist deutlich, und es führt dazu, dass einige glauben und bereit sind zu leiden, und dass andere sich weigern zu glauben und bereit sind, die Leute vor Gericht zu ziehen.

Der erste große wichtige Anker ist das Evangelium, die frohe Botschaft.

Das war in Apostelgeschichte 17. Nun, sie gemeinsam, die Thessalonicher, haben das erlebt, versteht ihr? Die wussten voneinander, wer sie vorher waren und wer sie nun sind. Der Text geht weiter in 1. Thessalonicher und er sagt: »Ihr habt euch von den Götzen wegbekehrt hin zu Gott.« Sie wussten nicht nur, dass es wahr ist für ihr Leben, sie wussten auch, dass diese Bekehrung wahr ist für das Leben des Nächsten, der neben ihnen sitzt oder der neben ihnen steht auf der Anklagebank. Das Evangelium war ihnen bewusst und sie wussten von ihrem Nächsten, ihren Geschwistern, dass das ist, wofür ihr Nächster, ihr Bruder, ihre Schwester bereit wären zu sterben.

Das alles wird beschrieben hier in 1. Thessalonicher 1 in den ersten Versen. Vielleicht nur ein paar Monate später, vielleicht auch ein Jahr später, aber nicht viel später – nach Apostelgeschichte 17 schreibt Paulus diesen ersten Thessalonicherbrief mit den Worten, die ich schon gelesen habe. Wir lesen jetzt 1. Thessalonicher 1, Verse 2 bis 6:

»Wir danken Gott allezeit für euch alle, wenn wir euch erwähnen in unseren Gebeten, indem wir unablässig gedenken an euer Werk im Glauben und eure Bemühung in der Liebe und euer standhaftes Ausharren in der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus vor unserem Gott und Vater. Wir wissen ja, von Gott geliebte Brüder, um eure Auserwählung, denn unser Evangelium ist nicht nur im Wort zu euch gekommen, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit, so wie ihr ja auch wisst, wie wir unter euch gewesen sind um euretwillen. Und ihr seid unsere und des Herrn Nachahmer geworden, indem ihr das Wort unter viel Bedrängnis aufgenommen habt mit Freude des Heiligen Geistes,«

Das ist der erste Thessalonicher. Kurz nach dem ersten Thessalonicherbrief schreibt Paulus den zweiten Thessalonicherbrief – einmalig im Neuen Testament, dass zwei Briefe an eine Gemeinde so eng beieinander liegen, wahrscheinlich nur ein paar Monate dazwischen. Der Grund sind kurze Reisezeiten: Paulus ist gerade in Korinth, Thessalonich ist nicht so weit weg, heute beides in Griechenland, und wenig Zeitverzögerung für die Boten. Paulus wollte unbedingt auf ein paar Sachen schnell antworten im zweiten Thessalonicherbrief, die er noch einmal klarstellen wollte.

Aber im zweiten Thessalonicherbrief schlägt er in dieselbe Kerbe. Schaut euch an, was dieser feste Anker ist, den Paulus hier beschreibt in 2. Thessalonicher 2, Vers 13. Dort schreibt er: »Wir sind Gott schuldig, alle Zeit für euch zu danken vom Herrn, geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang an zur Errettung erwählt hat, in der Heiligung des Geistes, im Glauben an die Wahrheit, wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt.«

Wir sind immer noch bei diesem ersten wichtigen Anker, an dem wir befestigt sein müssen. Achten wir darauf, wofür Paulus bei den Thessalonichern dankt. Er dankt erstens Gott für seine Erwählung – Gott hat sie erwählt, Gottes Vorsatz. Dafür dankt er in beiden Texten. Er dankt weiterhin für die Heiligung des Geistes. Heiligung ist die Absonderung. Heiligung ist: ihr wart und lauft in dem Lauf der ganzen Welt, und nun seid ihr abgesondert und ihr lauft in eine andere Richtung. Das wirkt der Heilige Geist – Gottes Vorsatz, Gottes Werk, Heiligung durch des Geistes. Drittens dankt er für den Glauben an die Wahrheit. Sie haben die Wahrheit gehört und sie haben – Worte aus den Thessalonicherbriefen – sie nicht als Menschenwort angenommen, sondern als Gottes Wort. Sie haben der Wahrheit geglaubt, dafür dankt er. Das ist die Reaktion der Thessalonicher auf die Predigt.

Sie reagieren im Glauben, und dann erinnert Paulus die Thessalonicher, dass ihr Glaube, ihre Heiligung und ihre Erwählung und ihre Berufung, wie zu ihnen gekommen ist? Wie kam sie zu ihnen? Vers 14.

2. Thessalonicher 2, Vers 14: Die Erwählung, der Glaube, die Berufung kamen durch unser Evangelium. Und in 1. Thessalonicher 1, Vers 5 heißt es: »Denn unser Evangelium …« Es ist ihr Evangelium. »Unser« heißt Paulus, Silas und alle ihre Gefährten.

Der Anker deines Dienstes, der Anker deines Lebens muss dieser erste Anker sein: dass du zu der gleichen Überzeugung kommst zu sagen – mein Evangelium. Mein Evangelium. Ich glaube es wirklich. Ich bin wirklich überzeugt, dass am letzten Tag, wenn Jesus mich abberuft, die frohe Botschaft noch viel froher wird. Es ist nicht etwas, was jemand mir erzählt. Es ist nicht das Evangelium meines Vaters, nicht das meiner Mutter, nicht das meines Opas, nicht das irgendeines Predigers. Es ist mein Evangelium.

Paulus kann das sagen, dass es sein Evangelium ist. Silas kann sagen, es ist sein Evangelium. Alle auf dem Missionsteam können sagen: mein Evangelium. Und deshalb ist es unser Evangelium. Und wenn Paulus sagt »unser Evangelium«, dann weiß er nicht nur, dass sein Evangelium für ihn wahr ist, sondern er weiß, dass diese frohe Botschaft für Silas wahr ist. Er weiß, dass diese frohe Botschaft alles ist, für das das Missionsteam sein Leben gibt. Und deshalb kann er sagen: unser Evangelium. Sie wissen voneinander, dass dieses Evangelium alles ist in all ihrer Leben.

Dieses Evangelium war alles, was sie umschlungen haben. Diese frohe Botschaft befreit von Sünde. Jesus am Kreuz für mich gestorben, auferstanden, der Tod ist besiegt und in Ewigkeit sind wir bei ihm. Mit meinen Sünden habe ich nur den Tod verdient. Mit seinen Sünden hat er nur den Tod verdient, aber er hat eine frohe Botschaft und ich weiß, dass er sie angenommen hat.

»Unser Evangelium« heißt, dass nicht nur ich Sünde habe, die den Tod Jesu braucht, sondern ich weiß: du hast Sünde, die den Tod Jesu braucht, und du und du und wir alle sind nur deshalb vereint, weil Jesus für jeden von uns bezahlt hat. Und daraus kam dieser felsenfeste Glaube, diese Risikobereitschaft – zur Ehre Jesu Risiken eingehen, die Jesu Namen Ehre bringen.

Es war hart in Thessalonich. Paulus flieht nicht einfach so. Er wurde weggeschickt. Sie hatten Angst, die Thessalonicher,  um Paulus‘ und Silas‘ Leben. Deshalb haben sie sie weggeschickt. Und im 2. Thessalonicher 1, 4 sagt er: »Wir rühmen uns wegen eures standhaften Aushaltens und eurer Glaubenstreue in allen euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr zu ertragen habt.« Das war der zweite Thessalonicherbrief. Da sind schon mehrere Monate ins Land gegangen und Paulus sagt immer noch: »Ihr habt Verfolgung und Bedrängnisse zu ertragen.«

Wie ist dieses Evangelium nun gekommen? »Unser Evangelium« heißt: jeder einzelne hat es zu seinem Evangelium gemacht und sie wussten voneinander, dass die anderen es zu ihrem Evangelium gemacht haben. In 1. Thessalonicher 1, Vers 5, dieser erste große Anker, das Evangelium: »Unser Evangelium ist nicht nur im Wort zu euch gekommen, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit, so wie ihr ja auch wisst, wie wir unter euch gewesen sind, um euretwillen.«

Paulus beschreibt hier nicht nur sein Leben, er beschreibt hier das ganze Missionsteam. Er sagt: »Unser Evangelium – nicht nur im Wort, auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit.« Wir haben das Wort. Das erste, wie das Evangelium beschrieben wird, ist: im Wort. Das Evangelium ist eine Botschaft, eine frohe Botschaft. Und Paulus sagt, es ist aber nicht nur Wort. Es sind nicht nur Worte. Es ist das Wort und wir müssen den Mund aufmachen. Die Botschaft ist der Kern, aber es sind nicht nur Worte, sondern auch – 1. Thessalonicher 1,5: in Kraft ist das Evangelium gekommen. In Kraft, denn Gottes Wort hat Kraft.

Es ist nicht nur eine Botschaft: »Sieg, wir haben die Schlacht gewonnen!« Das war ein übliches Evangelium. Ein Bote ist zurückgekommen vom Schlachtfeld und hat allen Bürgern verkündet: »Wir haben gewonnen.« Das war das übliche Evangelium, die übliche frohe Botschaft. Nein, diese frohe Botschaft hat Kraft, weil es Gottes frohe Botschaft ist. Es sind nicht nur Worte, sondern es ist Gottes Wort, das Kraft hat. Nicht nur im Wort, auch in Kraft und im Heiligen Geist.

Wir verstehen – jeder einzelne versteht es und wir als Gemeinde verstehen –, dass wir das Wort Gottes weitergeben und nichts wird passieren, es sei denn, der Heilige Geist wirkt. Davon spricht Paulus hier. Es ist nicht irgendein Wort, es ist Gottes Wort, das hat Kraft. Aber selbst dieses Wort wirkt erst, wenn der Heilige Geist selbst es zur Anwendung bringt im Heiligen Geist. Er muss wirken und er wirkt durch sein Wort. Er wirkt und er befähigt den, der Zeuge ist, und er wirkt an dem, der zuhört. Das wirkt der Heilige Geist.

Zuletzt sagt Paulus: Das Evangelium nicht nur im Wort, auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit – diese absolute Überzeugung, dass diese frohe Botschaft der einzige Weg ist, um deine Sünde ein für alle Mal aus dem Weg zu schaffen. Diese Gewissheit hatten Paulus und sein Team, und deshalb waren sie bereit, sogar zu leiden, weil sie gewiss waren dieses ersten Ankers des Evangeliums. In großer Gewissheit konnten Paulus, Silas und alle Beteiligten sagen: »Wir sind absolut überzeugt von dieser herrlichen Nachricht der Errettung.«

Wenn dir diese Gewissheit fehlt, dann ist dein Seil lose. Wie viel Belastung auf ein loses Seil – du wirst dich noch nicht mal selber dran hängen wollen. Kein Wunder, dass dann unser Mund zubleibt. Kein Wunder, dass dann unsere Taten den Versuchungen hingeben. Es ist diese Gewissheit, und sie kann ganz schnell wieder erlangt werden. Du musst dich nur ein wenig mit dieser herrlichen Botschaft, dem Evangelium, beschäftigen, und du wirst ganz schnell begeistert werden, denn es ist nicht schwer, es ist nicht kompliziert, das Evangelium. Es ist leicht, dass Kinder es glauben können, und es ist tief, dass Gelehrte es nicht ergründen. Aber die Freude und Gewissheit, das was da steht, glaube ich, brauchst du.

Und deshalb hatten sie in dieser Gewissheit eine noch größere Gewissheit, wenn sie unter Druck herausgefordert wird. Unter Druck zeigt sich, wie gewiss du bist, ob das jetzt passt oder nicht passt. Je mehr du an dieses Seil hängst, umso mehr wird sich zeigen, ob dieser Ankerpunkt hält oder nicht hält. Und umso gewisser wirst du sein: je mehr Last aufs Seil kommt, der Ankerpunkt ist fest. Druck wird uns daran erinnern, an den Ankerpunkt. Wird’s reißen oder wird’s nicht reißen? Wird’s sich lösen oder nicht? Und dieses Denken über das Evangelium wird uns zur Erinnerung führen: Nein, das Evangelium wird niemals reißen. Amen! Das Evangelium ist fest, und trotzdem kann es sein, dass du daran zweifelst, und dann wird dein Seil nicht belastbar sein, dein Dienst nicht belastbar sein, dein Leben nicht belastbar sein. Die Thessalonicher hatten Druck, und deshalb war die Gewissheit so groß.

Nun, das war das Missionsteam um Paulus. Was ist mit den Thessalonichern? Die Thessalonicher haben in 1. Thessalonicher 1, Vers 6 Paulus, Silas und ihr Team einfach nachgemacht. Sie haben einfach nachgemacht. »Und ihr seid unsere und des Herrn Nachahmer geworden, indem ihr das Wort unter viel Bedrängnis aufgenommen habt mit Freude des Heiligen Geistes,«

In 1. Thessalonicher 1, Vers 9 heißt es: »Denn sie selbst erzählen von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen, und um seinen Sohn aus dem Himmel zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet vor dem zukünftigen Zorn.«

Anker 2) – Deine lebendige Hoffnung auf unsere gemeinsame Ewigkeit

Nun, dieser Text hier in 1. Thessalonicher 1, 9 und 10 führt uns zu unserem zweiten Ankerpunkt. Die Thessalonicher haben das Evangelium klar gehabt und sie haben es angenommen. Sie haben es für wahr gehalten. Sie haben es als Gottes Wort angenommen, nicht als Menschenwort. Sie haben sich wegbekehrt von den Götzen hin zu Gott. Und nun geht der Text weiter: »um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen.« Das war ihr neues Ziel: um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen. Das ist unser Seil, unser ganzer Dienst, der zwei Ankerpunkte braucht.

Der zweite Ankerpunkt ist nun in 1. Thessalonicher 1, Vers 10: »und um seinen Sohn aus dem Himmel zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet vor dem zukünftigen Zorn.«

Der erste Ankerpunkt ist das Evangelium in deiner frischen Erinnerung – von den Götzen hin zu Gott, deine Bekehrung und die frohe Botschaft Tag für Tag, wie Jesus auf deine Sünde reagiert. Der zweite Ankerpunkt ist dieses Evangelium mit der freudigen Hoffnung auf die Ewigkeit, dass Jesus uns errettet vor dem zukünftigen Zorn. Der große zweite Ankerpunkt ist die Hoffnung auf unsere gemeinsame Ewigkeit. Und dann wird folgen, dass unser Leben ein Leben ist, dem wahren lebendigen Gott zu dienen. Unser dritter Punkt.

Nun schauen wir uns an, was der zweite Ankerpunkt ist. Die lebendige Hoffnung auf unsere gemeinsame Ewigkeit. Das war der Anker der Thessalonicher. Und Paulus macht in den Thessalonicherbriefen etwas ganz Eigenartiges. Ihr werdet es nicht erwarten. Ich weiß nicht, ob es in anderen Briefen, ich glaube nicht, so klar vorkommt. Womit Paulus beginnt, wenn er die Gemeinde in Thessalonich erinnert an die Zukunft, ist: »Liebe Gemeinde, jede Ungerechtigkeit wird bestraft werden.« Damit beginnt er – sehr ausführlich in beiden Briefen. Jede Ungerechtigkeit wird gerechte Strafe erhalten.

In 1. Thessalonicher 2, 16 sagt er: »Die Ungläubigen, die uns hindern wollen zu predigen, machen dadurch alle Zeit das Maß ihrer Sünde voll. Es ist aber der Zorn über sie gekommen bis zum Ende!«

Gläubige, die unter Druck stehen, die schlecht behandelt werden, die wirklich schlecht behandelt werden – Gläubige, die leiden, die gemobbt werden (neudeutsch) oder mehr, vielleicht sogar misshandelt –, die fragen sich: »Herr, was passiert mit dieser Ungerechtigkeit?« Und die erste Antwort, die Paulus gibt, wenn ein Gläubiger darüber nachdenkt, wie die ganze Ungerechtigkeit weitergehen soll, ist: »Denkt daran! Denkt daran! Bald ist das Maß der Sünden voll und der Zorn Gottes kommt.«

1. Thessalonicher 5, Vers 3: »Wenn sie nämlich sagen werden: »Friede und Sicherheit«, (es ist dieser Moment, wo Gott scheinbar nicht eingreift. Die, die Böses tun, sagen: »Friede und Sicherheit.« Denen Böses getan wird, denken: »Gott, wo bist du? Warum greifst du nicht ein?) dann wird sie das Verderben plötzlich überfallen wie die Wehen einer schwangeren Frau, und sie werden nicht entfliehen.«

Die erste Erinnerung in diesem zweiten Ankerpunkt ist sehr überraschend. Die erste Erinnerung ist: Jede Sünde wird den Zorn Gottes auf sich ziehen. Jede Sünde, die dir angetan wird, wird das volle Maß der Strafe bekommen, die Person. Und auch wenn scheinbar Gott nichts tut und die Bösen sagen »Friede und Sicherheit« – sie können tun und lassen, was sie wollen – Gott wird eingreifen.

Schaut euch an, was er in 2. Thessalonicher 1, Vers 5 sagt: »Sie sind ein Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes, dass ihr des Reiches Gottes würdig geachtet werdet, für das ihr auch leidet; wie es denn gerecht ist vor Gott, dass er denen, die euch bedrängen, mit Bedrängnis vergilt, euch aber, die ihr bedrängt werdet, mit Ruhe gemeinsam mit uns, bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung üben wird an denen (erstens), die Gott nicht anerkennen, und an denen (zweitens), die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorsam sind. Diese werden Strafe erleiden, ewiges Verderben, vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Kraft, an jenem Tag, wenn Er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die glauben – denn unser Zeugnis hat bei euch Glauben gefunden.«

Der zweite Ankerpunkt, liebe Gemeinde, ist der Blick in die Ewigkeit und darüber nachzudenken und vor Augen zu haben, dass jede Sünde den Zorn Gottes hervorrufen wird. Es ist ein Trost für alle Leiden in unserem Leben, denn unsere natürliche Reaktion ist: Wenn jemand an mir sündigt, das ich mich rächen will. Du auch? Wir wollen uns rächen. Und Gott sagt: Nein. Das Erste ist: Denk daran, Gott wird es tun.

Und direkt danach kommt aber dieser riesige Unterschied: Denn auch deine Sünde hätte den Zorn Gottes verdient. Erinnerst du dich daran? Auch deine Sünde hätte den Zorn Gottes verdient, denn auch du hattest diesen Moment, als du Gott nicht anerkannt hast. Und auch du hattest diese Phase und diese Zeit deines Lebens, in der du dem Evangelium des Herrn Jesus Christus nicht gehorsam gewesen bist. Das haben wir gerade gelesen in Vers 8. Und es hätte den Zorn Gottes zur Folge – aber was hat Jesus getan? Er allein macht den Unterschied. Die, die glauben, wird er verherrlichen im Himmel. Und die, die zu Lebzeiten nicht glauben, werden in Ewigkeit den Zorn Gottes ertragen müssen.

Vers 9 sagte: »Sie werden die Strafe erleiden, ewiges Verderben« – kein Fegefeuer, nicht 100 Jahre, nicht 1000 – »ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Kraft.«

Es ist beängstigend. Es ist für den Gläubigen, der leidet, ein großer Trost. Der Gläubige, der leidet, weil andere ungehorsam sind, der Gläubige, der leidet, weil Menschen Gott nicht anerkennen – für ihn ist es ein Trost für seinen gesamten Dienst, für seine gesamte Belastung, weil er weiß: Mein Anker ist in Gottes Gericht.

Und dann ist es die große Hoffnung. Der Grund für Gottes ewiges Gericht sehen wir in 2. Thessalonicher 2, Vers 10 im zweiten Teil bis Vers 12. Einfach, dass wir das auch vor Augen haben. Alle, die verloren gehen – warum gehen sie verloren? 2. Thessalonicher 2, 10, zweiter Teil: »Weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können. Darum wird ihnen Gott eine wirksame Kraft der Verführung senden, sodass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit.«

Wenn jemand dich fragt: »Dieses riesige Zorngericht Gottes – wie kann Gott das machen? Warum macht er das?« – Nun, Paulus lässt die Frage nicht offen. Er gibt uns zwei Antworten. Die erste ist: Sie haben die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen. Und die zweite ist: Sie hatten Wohlgefallen an ihrer eigenen Ungerechtigkeit. Und für diese Menschen, auf die das zutrifft – es sind alle, die nicht glauben –, ist deshalb dieses Zorngericht die gerechte Strafe. Und für jeden, der glaubt und von Ungläubigen gemobbt, verfolgt oder misshandelt wird, ist es ein großer Trost.

Und es ist eine riesige Demütigung für uns, denn wir wissen ganz genau: Wir sind nicht besser. Der Grund, dass wir hier sind, wo wir sind, ist Gottes Erwählung. Das war der erste Punkt, für den Paulus dankt in beiden Briefen. Aus dieser verrückten Gesellschaft in Thessalonich heraus muss Gott eingreifen. Nun, das trifft auf jeden zu, egal ob er im christlichen Elternhaus groß geworden ist oder in Thessalonich. Und das ist unsere große Hoffnung.

Die große Hoffnung ist nun der zweite Teil dieses zweiten Ankers: dass wir Hoffnung haben. Es ist die Erinnerung, dass Gottes Zorn kommt, und es ist die Erinnerung, dass unser Zorn getragen ist. 1. Thessalonicher 4, 14 bis 17. Schaut euch diese riesige Hoffnung an, die Paulus den Gläubigen gibt. Sie fragen sich: Wie wird denn das sein, dass wir auferstehen werden? Und Paulus antwortet hier:

»Wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist« – das ist die Bedingung; du glaubst, dass Jesus gestorben und auferstanden ist – »so wird Gott auch die Entschlafenen durch Jesus mit ihm führen.« Also die, die schon gestorben sind, das sind die Entschlafenen, frühere Gläubige, werden mit Jesus auferstehen. »Denn das sagen wir euch in einem Wort des Herrn: Wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrig bleiben, werden den Entschlafenen nicht zuvorkommen; denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zusammen mit ihnen entrückt werden in Wolken zur Begegnung mit dem Herrn in die Luft. Und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.«

In der Theologie nennen wir das die Entrückung. Wir werden entrückt durch die Luft. Und was ist das Herrlichste? Nicht, dass wir fliegen können. Das Herrlichste ist, dass wir dem Herrn begegnen. Zur Begegnung mit dem Herrn. Und was kann das nur toppen? Dass wir immer bei ihm bleiben werden. 1. Thessalonicher 4, Vers 17.

Unsere Hoffnung ist, dass wir diesen Zorn Gottes nicht mehr erwarten. 1. Thessalonicher 1, Vers 10: »und um seinen Sohn aus dem Himmel zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet hat vor dem zukünftigen Zorn.«

Jesus macht den Unterschied. Er ist unser erster Ankerpunkt, das klare Evangelium und unsere Erinnerung daran, wer wir waren, von welchen Götzen wir uns bekehrt haben hin zu Gott. Und er ist auch Ursache des zweiten Ankerpunktes. Er wird wiederkommen. Jeder, der ungläubig ist, dem wird er die volle Strafe geben. Du musst dich nicht darum kümmern. Und du, der du glaubst, du darfst die Freude haben, dass Jesus dich errettet von jedem Gericht. Bevor es zum Gericht kommt, wird er uns retten und vor dem zukünftigen Zorn Gottes.

Und wenn du heute Morgen hier bist und diesen Glauben an Jesus Christus hast – dass er vom Himmel kam, das Leben gelebt hat ohne Sünde, Gott Mensch geworden, an unserer Statt gestorben, unsere Sünde auf sich genommen, und dann, nachdem er den Zorn Gottes im Tod am Kreuz getragen hat, Gott ihn auferweckt hat am dritten Tag –, wenn du das heute glaubst, dann sagt die Schrift uns an vielen Stellen: Bist du gerettet, und der Zorn Gottes wird nicht mehr auf dich kommen, weil er schon auf Jesus kam.

Der Zorn Gottes bleibt. Er wird niemals unter den Teppich gekehrt. Die Frage ist nur, ob der Mensch ihn in Ewigkeit trägt oder ob der Messias Jesus Christus, verheißen im Alten Testament, ihn am Kreuz für dich getragen hat. Und dann erwartest du seine Wiederkunft – »den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet vor dem zukünftigen Zorn.«

Und dann brauchen wir keine Angst mehr haben vor dem Tod. 1. Thessalonicher 5, 4: »Wir sind nicht in der Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb überfallen könnte.« Dieser Tag, an dem Jesus kommt. Wir haben keine Angst mehr. 1. Thessalonicher 5, Vers 9: »Denn Gott hat uns nicht zum Zorngericht bestimmt, sondern zum Besitz des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit wir, ob wir wachen oder schlafen, zusammen mit ihm leben sollen. Darum ermahnt einander und erbaut einer den anderen, wie ihr es auch tut!«

Nicht zum Zorngericht bestimmt, sondern zum Heil, damit wir leben mit ihm. Die Folge ist: ermahnt einander, wie er es auch tut.

Wenn dieser Ankerpunkt wahr ist und jener Ankerpunkt wahr ist, dann ist die Folge, dass wir einander ermahnen und daran erinnern, dass wir uns bekehrt haben von den Götzen, dass das weg ist, das alte Leben, dass Jesus wiederkommen wird, dass jede Sünde bestraft werden muss, aber du nicht zum Zorngericht bestimmt bist. Und dann brauchen wir diesen Weg des Lebens gemeinsam als Gemeinde.

2. Thessalonicher 1, Vers 10: »An jenem Tag, wenn er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die glauben.« Wir werden ihn bewundern. Das Herrliche am Himmel ist nicht, dass es keine Sünde mehr gibt. Das Herrliche am Himmel ist nicht, dass der Blinde sehen kann. Das Herrlichste am Himmel ist nicht, dass der Lahme wieder gehen kann. Das Herrlichste am Himmel ist, dass Jesus da ist.

Und so wie in Anker 1 es dein Evangelium sein muss – du musst wissen: Jesus starb für mich, für meine Schuld –, so muss in Anker Nummer 2 deine große Freude sein, im Himmel Jesus zu sehen. Nichts darf dies überschreiten oder höher sein als das, sonst ist dein Anker lose und er wird nichts tragen.

Es ist nicht so, dass es ausreicht zu sagen: »Herr Jesus, ich weiß, dieses Leiden kann noch 20 Jahre gehen, aber ich freue mich so sehr – im Himmel wird das Leiden weg sein.« Dieser Gedanke reicht nicht aus. Das Seil ist locker. Es wird nicht belastbar sein. Was fehlt? Sich am letzten Tag, dieses vergangene Leiden wird mir egal sein. Glaubst du das wirklich? Es wird mir egal sein, weil ich Jesus sehe. Er stellt alles in den Schatten. Das müssen wir festzurren.

Das Evangelium in meinem Leben und das Sehnlichste in meinem Leben in der Zukunft ist Jesus zu sehen. Jesus macht den Unterschied im Himmel. Nichts anderes. Der Himmel ist herrlich, weil Jesus herrlich ist.

Ein Autor hat es in folgenden Zeilen versucht zu dichten: »Ach, nicht zum Reinschauen. Nein, sondern für immer zu Hause bei ihm werde ich ewig dort sein. Zu Hause im Himmelslichtschimmer am Ufer des gläsernen Meeres so rein. Doch selbst dort, wo alles nur Herrlichkeit ist und Friede und Freude, die kein Mensch ermisst, wär doch nichts vergleichbar dem seligen Glück, wenn ich ihn erschaue und mich trifft sein Blick.«

Der Himmel wird herrlich, aber Jesus wird alles in den Schatten stellen.

Der Ausweg aus dem Hamsterrad

Und doch leben du und ich in dieser Welt heute häufig so in unserem Hamsterrad gefangen, stecken in dem Trott dieses alltäglichen Kreislaufs fest. Am Ende des Tages nehmen wir uns vor: Morgen wird’s anders. Und dann kommt morgen und es ist nicht anders. Gibt es einen Ausweg? Gibt es einen Ausweg für den Gläubigen, für sein Leben, für seinen Dienst in diesem scheinbaren Trott, in diesem scheinbaren Kreislauf?

Der Ausweg ist diese beiden Anker. Der Ausweg ist die Ewigkeitsperspektive, so langfristig zu denken, wie Jonathan Edwards es als sehr junger Mann in seinen Resolutions, seinen Vorsätzen, beschreibt. Sein 55. Vorsatz lautete: »Ich bin entschlossen, mich nach meinen Kräften zu bemühen, so zu handeln, wie ich denke, dass ich es tun würde, wenn ich bereits die Glückseligkeit des Himmels und die Qualen der Hölle gesehen hätte.«

Er will nicht nur schon im Himmel sein. Sein Vorsatz lautet nur ein Bewusstsein dafür zu haben, wie die Qualen der Hölle sind und wie die Herrlichkeit des Himmels ist, und in diesem Bewusstsein heute zu entscheiden. Diese zwei Anker des frischen Evangeliums und der herrlichen Hoffnung mit Jesus werden den ganzen Dienst der Gemeinde belastbar machen. Es muss zutreffen auf den Einzelnen in der Gemeinde. Wir brauchen die Erinnerung einander gegenüber zu diesen zwei Ankern.

Es muss unsere Kultur sein zu wissen: Deine Sünden – nur das Evangelium kann dich retten. Deine? Du brauchst das Evangelium. Das Evangelium vereint uns. Wir ignorieren nicht Sünde. Wir wissen nur, es gibt jemanden, der sie bezahlt hat. Weil sie bezahlt ist, wissen wir und erinnern einander die ganze Zeit: Denk an die Zukunft, denk an die Hoffnung – da werden wir gemeinsam sein. Und wenn wir Stress miteinander haben, dann lösen wir den, weil wir wissen: Die Ewigkeit sind wir wieder zusammen – sollten wir lieber hier schon klären. Jesus sagt: »So viel an euch liegt.«

Ja, diese zwei Anker sind es, und dann kommt der lobenswerte Dienst hier und heute für Gott.

Der lobenswerte Dienst hier und heute für Gott

Das Ziel dieser Predigt war, den Dienst der Gemeinde zu beschreiben, den Dienst der Gemeinde, der in unserem Leitbild aufgelistet wird. Nun, anstatt diese – schätzungsweise 15 Punkte zu predigen, wollte ich euch erinnern, wie leicht es ist, sie zu leben, wenn nur die Ankerpunkte fest sind. Wenn nur feststeht, das Seil ist belastbar, dann sind alle anderen Punkte – die Liebe, die Jüngerschaft, unsere Gaben, die Gemeinschaft, die Einheit, die Unterordnung, die Erbauung, die Vergebung, das Gebet, das Tragen unserer Lasten, die Ermahnung, der Dienst, das Spenden – es wird alles leicht.

Nehmen wir irgendein Beispiel. Wer von euch möchte mir eine Zahl nennen zwischen 1 und 10? Acht. Ich habe acht gehört. Okay, ich zähle mal durch, was unser achter Punkt ist. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 – die Vergebung. Die Vergebung. Nehmen wir die Vergebung.

Wie wirkt sich die Vergebung aus und wie wird sie leicht? Wenn meine zwei Ankerpunkte fest sind: Was ist die große Anfechtung in der Vergebung? Ich will mich selber rächen. Ich spreche jetzt natürlich nur von mir – es kann bei euch ein bisschen anders sein. Eine der möglichen Anfechtungen: Wenn du dich selber rächen willst, sagst du dir: Gott wird nichts übersehen. Wenn du einem Gläubigen vergeben musst – was trifft auf ihn zu? Braucht er das Evangelium? Nun, wenn du nicht vergibst, zweifelst du das an. Du sagst dir: Ich will dir nicht vergeben. Es soll nicht jemand anders deine Schuld bezahlen. Du sollst deine Schuld bezahlen. Deshalb vergebe ich dir nicht. Vergeben heißt einfach nur: Ich übernehme die Schuld, ich zahle die Rechnung – das ist vergeben. Ich will Jesus nicht zugestehen, dass er die Rechnung bezahlt für das, was du mir gerade angetan hast.

Vergeben im Hinblick auf mein Wiedersehen mit Jesus: Was wird Jesus mir sagen, wenn ich nicht vergeben will? Da gibt es so ein Gleichnis. Endet nicht so gut. »Erinnerst du dich nicht, Theo, was ich dir alles vergeben habe, und du willst jetzt diese Kleinigkeit nicht vergeben?« So geht das Gleichnis. Und dann geht es weiter und endet mit Zähneknirschen. Nicht gut.

Das war Vergebung. Wie wird sie leicht? Ihr versteht, leicht ist subjektiv gemeint – im Verhältnis zu diesen Ankerpunkten. Ich muss sie mir nur in Erinnerung bringen, in Erinnerung rufen. Und das könnt ihr mit jedem einzelnen dieser Dienste durchgehen und euch fragen, was für Auswirkungen hat es in Bezug auf mein Denken, wenn ich auf einmal mich erinnere und das Evangelium frisch halte und die Hoffnung der Ewigkeit wirklich real ist?

Was würde sich ändern, wenn Jesus heute sagen würde: »Heute wirst du mit mir im Reich der Himmel sein«? Was würde ich tun? Nun, wir leben nicht immer so, als würden wir heute sterben. Wir leben auch so, als würden wir noch 80 Jahre leben. Es gehört dazu. Beides ist wahr. Es wird so praktisch, wenn wir es dann ausbuchstabieren. Aber wir müssen diese beiden Ankerpunkte haben.

Denn wenn ich anfangen würde, die Liste der Dienste der Gemeinde zu predigen, dann wird eure Last auf den Schultern immer schwerer und schwerer und schwerer. Aber Jesus hat gesagt: »Mein Joch ist leicht.« Warum ist es leicht? Weil er den Rest trägt. Er ist derjenige, der die Lasten getragen hat, der unsere Schuld getragen hat. Und deshalb sind diese beiden Punkte, wenn ihr die Thessalonicherbriefe lest – vielleicht war es ein bisschen schnell hin und her zu springen –, der Punkt dabei ist: Es steht überall drin. Das sind die zwei, die die Thessalonicher zu dieser Gemeinde gemacht haben. Was für eine Gemeinde? Zu der Paulus überschwänglichen Dank Gott gegenüber zum Ausdruck bringt. Diese zwei Ankerpunkte haben sie so lobenswert gemacht.

Wo immer du also stehst, frage dich: Wie ändert sich die frische Erinnerung des Evangeliums in diesem Punkt? Vielleicht musst du dich auch fragen: Wie ändert sich die frische Erinnerung des Evangeliums für meinen Nächsten? Ich erinnere mich daran, dass er oder dass sie dieses Evangelium haben. Was tut sich dann in mir? Wie und was wird sich ändern, wenn ich weiß: Die Ewigkeit kommt? Das sind die Anker, und wir werden zu einem gemeinsamen lobenswerten Dienst für Gott befähigt durch ihn.

Und dann im Himmel – was wird das Schönste sein? Jesus sehen.

»Oh herrlicher Tag, wenn wir vor ihm stehen, wenn alle unsere Schmerzen und Sorgen dahin, wenn irdische Schönheit wie Schatten wird fliehen, wenn wir nur noch Jesus alleine sehen.«

 

Herr Jesus Christus, wir wollen dir danken für deine große Macht, für dein herrliches Werk am Kreuz. Wir danken dir, himmlischer Vater, für die Erwählung zum Glauben, wie du vielen den Glauben geschenkt hast, wie dieser Glaube wächst, wie wir als Gläubige Tag für Tag wachsen dürfen, wie du uns geduldig trägst, wie wir einander darin unterstützen und helfen dürfen als Gemeinde, Herr, und in diesen vielfältigen Diensten, zu denen du uns berufen hast, nachdem du uns gerettet hast: Gott zu dienen, wie Paulus es den Thessalonichern bescheinigt, und Jesus zu erwarten. Wir beten darum, dass es unsere Gemeinde kennzeichnen möge und immer weiter und deutlicher kennzeichnet. Wir preisen dich dafür, Herr, dass diese Wahrheiten uns jetzt schon trösten und befähigen und anspornen, und beten darum, dass wir nicht nachlassen darin und unser Zeugnis groß wird, unsere Einmütigkeit stark in dir, unser Licht, mit dem wir leuchten, hell, und das Festhalten an der Wahrheit, an der alles liegt, das Evangelium klar zu verkünden. Wir danken dir, Herr, für deine Treue und dass wir einander haben, uns in diesem zu ermutigen und anzuspornen auf diesem gemeinsamen Weg, bis wir, Herr Jesus, bei dir sind. Amen.


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