6. Juni 2026
Die Bibel redet an vielen Stellen über die Ältesten einer Gemeinde. Doch was genau sind die Aufgaben und Rollen, die Gott ihnen gibt?
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Überall, wo eine Ansammlung von Menschen vorhanden ist, da braucht es Leitung. Nun, das betrifft schon die Ehe. Auch wenn dort nur zwei Personen durch einen Bund vereint sind, es braucht Leitung. Das sehen wir in der Familie, es braucht Leitung. Das sehen wir in der Gesellschaft, es braucht Leitung. Gott hat dies so eingerichtet und wir können uns diesem Prinzip nicht entziehen.
Alex Montoya, ein großartiger Prediger, er sagte: »Ein Leiter ist jemand, der andere zur Erfüllung eines gemeinsamen Ziels führt. Leiter ist kein Titel, sondern eine Rolle. Man wird nur dann zum Leiter, wenn man diese Rolle ausübt.« Sehr gut formuliert. Es geht darum, eine Gruppe zu einem gemeinsamen Ziel zu führen. Nun, es braucht Leitung, damit dieses Ziel erreicht wird. Und Tag ein, Tag aus hat jeder von uns damit zu tun, sogar die Kleinsten. Es betrifft sogar die Schule. Es braucht Lehrer, die die Klasse leiten, und dann braucht es einen Direktor, der die Lehrer leitet, und so weiter und so fort. Nun, wir steuern auf die Fußball-WM zu und selbst dort stellen wir fest, es braucht einen Trainer, der die Sportler anleitet.
Überall, wo eine Gruppe von Menschen da ist, braucht es Leitung, und das trifft allen voran auch auf die Gemeinde zu. Benedikt Peters hat auf der Hirtenkonferenz erst jetzt vor wenigen Tagen sehr treffend formuliert, und zwar zu dem Abschnitt aus Hebräer 13, Vers 17, wo der Schreiber sagt: »Gehorcht euren Führern und fügt euch« — er sagt: »Gutes Führen und williges sich Fügen ergänzen sich. Es liegt an beiden Seiten, dass die Gemeinde gedeiht«. Wie gut formuliert. Das heißt, da ist gutes Führen notwendig, aber auch williges Geführtwerden ist notwendig.
Gutes Führen bedeutet nicht, dass ein Leiter seine eigenen Regeln aufstellt. Gutes Führen bedeutet auch nicht, dass er herausfindet, was funktioniert und was nicht. Nein, sondern gutes Führen richtet sich nach den Anordnungen Gottes — und zwar überall, beginnend mit der Ehe, mit der Familie, mit der Erziehung, in der Gemeinde, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft. Und wir sehen, dass dort, wo Führer sich an Gottes Prinzipien der Leiterschaft halten und dort, wo die Geführten sich willig führen lassen, dort gedeiht die Arbeit. Dort wird das gemeinsame Ziel erreicht.
Denkt nur an Josua. Nun, das Volk Israel war wie es war. Das wissen wir alle — diese Wüstengeneration, halsstarrig und so weiter — aber sie sagen zu Josua, wie wir mit Mose gewesen sind oder wie wir Mose gehorsam gewesen sind, da kriegt man schon Gänsehaut, weil sie waren es oft nicht. Aber sie sagen: »So wollen wir auch dir in allem gehorsam sein.« Und wenn man dann das Buch Josua anschaut, dann haben sie es wirklich gemacht, und das Ergebnis war gewaltig. Sie haben so viele Schlachten geschlagen. Sie haben das Land Kanaan eingenommen.
Erinnert euch auch an Nehemia. Wir haben dort einen gottesfürchtigen Leiter, der das Werk Gottes vor Augen hat. Und wir haben ein williges Volk, das sich willig führen lässt. Und dann heißt es in Nehemia 3, Vers 38: »Wir aber bauten weiter an der Mauer und das Volk gewann Mut zur Arbeit.« Nun, die Mauern Jerusalems sind in hundert Jahren nicht erbaut worden. Und Nehemia kommt — ein gottesfürchtiger Leiter — und ein Volk, das willig ist, geleitet zu werden. Und gut, dass ihr sitzt: In 52 Tagen schaffen sie, was in hundert Jahren nicht geschafft wurde. Das ist unfassbar. Das ist gewaltig.
Ja, dort, wo gottesfürchtige Leiter sich an Gottes Prinzipien halten und da, wo ein Volk willig ist mitzuziehen, da wird ein gewaltiges Werk Gottes gebaut. Und das ist ein starkes Duo. Dort wird das Ziel erreicht. Dort, wo der Dirigent und das Orchester jeder seine Rolle einnimmt, da ergibt es eine gewaltige Sinfonie, die alle genießen.
Nun, wie sieht die Leitung in der Gemeinde aus? Gott hat der Gemeinde keine Geschäftsführer gegeben. Gott hat der Gemeinde auch keine Könige gegeben, wo das Amt an den nächsten Sohn weitervererbt wird. Gott hat der Gemeinde auch keinen General gegeben, der die Mitglieder wie Soldaten herumkommandiert. Gott hat der Gemeinde auch keinen Papst gegeben, der an sich eine eigene Autorität ist und sich an keine halten muss. Gott hat der Gemeinde auch keine Unterhaltungskünstler gegeben, sondern Gott hat der Gemeinde Älteste gegeben.
Die Leitung der Gemeinde wird nicht aus einer Koalition von unterschiedlichen Parteien gestellt. Es gibt auch keine Gewaltenteilung in der Gemeinde, wo Diakone die Opposition bilden oder was auch immer. Nein, sondern Gemeinde wird durch Älteste geleitet.
Im Haus Gottes legt Gott seine eigenen Spielregeln fest. Das müssten wir nachvollziehen können, nicht wahr? Das heißt, Gott legt fest, wer für diese Aufgabe überhaupt in Frage kommt. Das wird Theo nächsten Sonntag predigen: Was sind die Qualifikationen? Und heute werden wir uns ansehen, dass Gott auch festlegt, was die Aufgabe eines Ältesten ist. Wichtig zu wissen, was sie ist und was sie nicht ist. Die Apostelgeschichte macht deutlich, man kann sich auch verrennen und Dinge tun, die nicht notwendig sind. Und Gott hat auch festgelegt, wie die Rolle eines Ältesten aussieht — und zwar insbesondere in Bezug auf Gott und in Bezug auf die Gemeinde und so weiter.
Theo hat schon erwähnt, es ist tatsächlich interessant, zur Gemeinde zu predigen über die Aufgabe, die man selbst erfüllen soll. Das ist gar nicht so einfach. Es ist immer außergewöhnlich und ungewöhnlich, wenn jemand seine eigene Rolle in Worte fasst und dem anderen mitteilt. Ungefähr so wie wenn eine Frau ihrem Ehemann sagt, was ihre Rolle ist. Oder ungefähr so wie wenn die Kinder sagen: »Das ist meine Rolle«. Oder die Eltern sagen: »Das ist meine Rolle.« Aber es ist gut und richtig, dass wir das tun und auch tatsächlich selbst darüber predigen. Paulus tut es mit Timotheus und mit Titus, er tut es mit Archippus und mit vielen anderen. Er sagt der ganzen Gemeinde vor der Gemeinde, was die Ältesten zu tun haben.
Und das ist gut, weil dann wissen es die Ältesten, und die ganze Gemeinde weiß es und kann sie zur Rechenschaft halten. Jesus tut das mit den Sendschreiben. Es ist adressiert an die ganze Ortsgemeinde, aber allen voran an die Ältesten der Gemeinde. Nun, es gibt keine Geheimnisse über die Aufgabe und die Rolle eines Ältesten. Vielmehr ist es sehr gut, wenn sowohl die Gemeinde die Aufgabe und die Rolle kennt, als auch die Ältesten selbst. Im Alten Testament war es sogar so, dass ein König das ganze Gesetz abschreiben sollte, damit er weiß, was er zu tun hat, wenn er König wird.
Nun, heute werden wir in 1. Petrus 5 starten. Ihr dürft gerne das Kapitel schon mal aufschlagen, aber wir werden uns durch viele andere Texte aus dem Neuen Testament durcharbeiten und wir werden feststellen, dass die Bibel wirklich sehr viel zu diesem Thema zu sagen hat.
Aber bevor wir uns gleich dem Text und den Aufgaben und der Rolle der Ältesten zuwenden, möchte ich kurz auf die Notwendigkeit von Ältesten eingehen. Nun, immer wieder trifft man auf Christen, manchmal sogar auf Gemeinden oder sogar Denominationen, die der Ansicht sind, dass es keine Ältesten in einer Ortsgemeinde braucht. Und sehr oft ist das motiviert durch den Missbrauch des Amtes. Und es passiert leider immer wieder, sowohl in großen Kirchen, aber auch in kleinen Gemeinden.
Nun, nur weil etwas missbraucht werden kann, bedeutet es nicht, dass es an und für sich schlecht ist. Das stellen wir immer wieder fest. Da waren zum Beispiel die Wiedertäufer im 16. Jahrhundert, gerade aus dem dunklen Mittelalter der katholischen Kirche kommend, kamen sie zu der Überzeugung, dass es keine hierarchische Struktur von Bischöfen, von Priestern oder sogar Päpsten geben soll. Nun, das war korrekt. Wir werden uns es später ansehen, besonders bei der Rolle der Ältesten, und sehen, dass Gott keine Hierarchie lehrt. Aber wie das oft leider der Fall ist — schlägt ein Pendel, wenn es losgelassen wird, bleibt es oft nicht in der Mitte stehen, das wisst ihr, sondern es schlägt genauso wieder aus. Und das ist immer die Gefahr.
Und so hat es auch bei ihnen ein wenig ausgeschlagen. Und so haben die Wiedertäufer, die wirklich im Grunde eine sehr solide, gute Theologie hatten, die Schlussfolgerung gezogen, dass es gar keine Leiter gibt. Und wenn es Leiter gibt, dann lost man die Leiter in der Gemeinde aus. Und selbst dann, wenn sie ausgelost werden, hätten diese ausgewählten Brüder keinerlei geistliche Autorität über andere. Ein bisschen überreagiert.
Ähnlich war es bei den Quäkern. Das war in den 1650er Jahren ebenfalls eine Bewegung, die sogar so weit ging, dass ihre Versammlungen in völliger Stille abgehalten wurden. Nun, das muss man sich so vorstellen: Stellt euch vor, wir kommen alle zum Gottesdienst und alles ist still, nichts passiert. Nun, bei uns würde das gar nicht funktionieren — wir würden uns die ganze Zeit unterhalten und Gemeinschaft haben. Aber die hatten weder eine geplante Predigt, noch hatten sie einen Ablauf. Die Gläubigen saßen schweigend in ihren Stühlen, bis der Heilige Geist jemanden dazu bewegt, aufzustehen und zu sprechen. Ja, auch eine starke Überreaktion.
Nun, die Brüderbewegung, die mit John Nelson Darby und den Plymouthbrüdern begann, in den 1820ern und bis heute — die denken in vielen Dingen sehr ähnlich. Darby war der Überzeugung, dass nur Apostel die Autorität besaßen, Älteste einzusetzen. Nun schlussfolgernd, weil es heute keine Apostel mehr gibt, wäre die Einsetzung von Ältesten nicht mehr aus göttlicher Vollmacht, sondern irgendwie eine menschliche Nachahmung, der es an Kraft fehlt. Nun, die Argumentation ist nicht ganz korrekt, wie wir uns das später ansehen werden, weil wir sehen werden, dass Älteste tatsächlich die nächste Generation von Ältesten zurüsten und einsetzen sollen. Und Paulus weist Timotheus und Titus direkt an, dass sie das tun sollen. Und sie waren keine Apostel.
Heute trifft man besonders in der Hausgemeindebewegung, vielleicht habt ihr das schon auch gehört oder gemerkt irgendwo, auf dieses Denken, dass es keine Ältesten braucht. Gemeinde soll wie eine Familie funktionieren. Alle Entscheidungen werden im Konsens in der gesamten Gemeinschaft getroffen. Dieses Denken ist geprägt von dem Egalitarismus unserer Gesellschaft — und zwar wo alle Rollen verschwinden, wo keine Rolle mehr zwischen Kindern und Eltern da ist, wo es keinen Rollenunterschied zwischen Mann und Frau mehr gibt, wo es keinen Rollenunterschied zwischen Schülern und Lehrern gibt, keinen Rollenunterschied zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Und wir merken, das endet im Desaster.
Gott hat Rollen vorgegeben. Nun, die Frage ist nicht, wie wir diesbezüglich denken, sondern die Frage ist, was Gott diesbezüglich denkt. Und ich möchte nur zwei Stellen für sich sprechen lassen, die deutlich machen, dass Gott Älteste tatsächlich als notwendig ansieht für die Leitung der Ortsgemeinde.
Die erste ist in Apostelgeschichte 14, Vers 23. Nun, Paulus und Barnabas sind auf der ersten Missionsreise, sie gründen Gemeinden. Diese Gemeinden sind wenige Wochen alt. Und Paulus tut das, was er Timotheus später schreibt: Er setzt noch keine Neubekehrten in diesen Gemeinden als Älteste ein, sondern sie gehen weiter, und in dieser Zwischenzeit kristallisiert sich heraus, wer die Leiter sind. Und dann kommen sie zurück, nachdem sie auf der ersten Missionsreise waren, und auf dem Rückweg heißt es: »Nachdem sie ihnen in jeder Gemeinde Älteste bestimmt hatten, befahlen sie sie unter Gebet und Fasten dem Herrn an.« Also sehr deutlich: In jeder Gemeinde werden Älteste eingesetzt.
Die zweite Stelle ist Titus 1, Vers 5. Da sagt Paulus zu Titus: »Ich habe dich zu dem Zweck in Kreta zurückgelassen, damit du das, was noch mangelt, in Ordnung bringst und in jeder Stadt Älteste einsetzt, so wie ich dir die Anweisung gegeben habe.« Nun, wir sind dankbar, dass Paulus diese Anweisung zum Teil wiederholt, weil dadurch haben wir sie schriftlich festgehalten. Wie war es auf Kreta? Paulus hat in den unterschiedlichen Städten Gemeinden gegründet, aber sie hatten ebenfalls noch keine Ältesten. Und Paulus sagt, das ist mangelhaft. Nun, ihr wisst alle: Auf dem Zeugnis bedeutet »mangelhaft« — durchgefallen, nicht bestanden. Paulus sagt, das ist nicht in Ordnung. Und er sagt: Ich ließ dich zu diesem Zweck auf Kreta zurück, dass du diesen Missstand behebst und Älteste einsetzt. Wir sehen: Gott will, und das ist Gottes Plan, dass die Gemeinde von Ältesten geleitet wird.
Nun, was sollen Älteste tun? Wir beginnen mit 1. Petrus 5. Lass uns hineinschauen und wir schauen uns die Aufgabe der Ältesten an. 1. Petrus 5, die Verse 1 bis 3:
»Die Ältesten, die unter euch sind, ermahne ich als Mitältester und Zeuge der Leiden des Christus, aber auch als Teilhaber der Herrlichkeit, die geoffenbart werden soll; hütet die Herde Gottes bei euch, indem ihr nicht gezwungen, sondern freiwillig Aufsicht übt, nicht nach schändlichem Gewinn strebend, sondern mit Hingabe, nicht als solche, die über das ihnen Zugewiesene herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde seid!«
Das ist, was Petrus an die Ältesten schreibt, und wir sind so dankbar dafür. Im Neuen Testament werden drei beziehungsweise vier Titel für Älteste gebraucht. Es fällt auf: Das Neue Testament spricht von Ältesten, das Neue Testament spricht von Aufsehern, und das Neue Testament spricht von Hirten. Nun, im Hebräerbrief wird auch noch zweimal von Führern gesprochen, aber ich denke, das ist ähnlich wie die Ältesten.
Diese drei Begriffe sind nicht drei unterschiedliche Ämter. Zum Teil dachte man das — deswegen gab es dann Ämter wie Bischof oder Presbyter, die sich zum Teil vom griechischen Wort abgeleitet haben. Nein, sondern alle drei Begriffe beschreiben dasselbe Amt, dieselbe Tätigkeit. Sie heben aber unterschiedliche Aufgaben hervor. Diese drei Worte sind für dieselbe Gruppe gebraucht. Ähnlich ist in Apostelgeschichte 20. Dort gebraucht Paulus auch für die Ältesten alle drei Worte. In Apostelgeschichte 20 lässt Paulus die Ältesten von Ephesus zu sich rufen und er nennt sie Presbyteros. Dann, elf Verse später, sagt er, dass Gott sie eingesetzt hat als Aufseher — das Wort Episkopos. Und dann sollen sie die Herde Gottes weiden — das, was ein Hirte tut, nämlich Poimaino.
Nun lass uns beginnen und wir wollen die Tätigkeit, die Aufgabe anhand dieser Begrifflichkeiten sehen.
Der erste Begriff ist Ältester. Das ist die Aufgabe eines Ältesten. Der griechische Begriff Presbyteros hebt die geistliche Reife hervor. Das Wort beschreibt jemanden, der einfach älter ist in Jahreszahlen, aber es beschreibt auch manchmal — es wird übersetzt als — jemanden, der schon grau ist. Nun, insbesondere beschreibt es jemanden, der aber eine leitende Rolle innehat. Im Alten Testament — ihr erinnert euch an die Wüstengeneration — da sehen wir das auch: Da waren die Ältesten Israels, das waren die Leiter der Sippen. Und Mose wählt aus diesen vielen Ältesten später in Kapitel 18 siebzig Männer, die mit ihm zusammen die Last tragen. Ihr erinnert euch, Mose kam an seine Grenzen und die Leute zogen ein Ticket, warteten von morgens bis abends, um mit ihm zu reden, und es war einfach zu viel.
Nun, ein Ältester ist die offizielle Bezeichnung eines Leiters. Im Hebräerbrief wird das Wort Führer gebraucht, zweimal. Merke dir: Älteste sind die offiziellen Leiter der Gemeinde. Wir sehen das auch in der Apostelgeschichte — neunmal wird von den Ältesten aus Jerusalem geredet. Sie waren die offiziellen Leiter der Gemeinde in Jerusalem. Nun, sie haben streng und sehr eng mit den Aposteln zusammengearbeitet, und dennoch waren die Ältesten eine gesonderte Gruppe. Die Apostel waren verantwortlich, das Fundament der Gemeinde zu legen — und zwar das Fundament der Universalgemeinde. Aber die Ältesten waren die Leiter der Ortsgemeinde. Sie leiteten die Gemeinde, wie wir in der Apostelgeschichte sehen. Sie belehrten die Gemeinde. Sie verwalteten die Spendengelder, die gebracht wurden — Apostelgeschichte 11. Sie urteilten sogar über kritische Lehrfragen, wie wir auf dem Apostelkonzil in Apostelgeschichte 15 sehen. Und sie halfen sogar bei Konflikten und haben Rat gegeben. Als Paulus von seiner Missionsreise zurückkehrt in Apostelgeschichte 21, geben sie Paulus Rat, wie er sich zu verhalten hat.
Nun, nur eine kurze Klammer: Überall, wo der Begriff Älteste in Bezug zu einer Ortsgemeinde steht, kommt das Wort immer im Plural vor. Und worauf kann das hindeuten? Ganz einfach: dass Gott nie einen Mann vorgesehen hat, die Gemeinde zu leiten. Das Neue Testament spricht immer davon, dass die Gemeinde von einer Mehrzahl an Ältesten geleitet werden soll.
Nur vier Beispiele: Jakobus 5, Vers 14, da sagt Jakobus: »Ist jemand von euch krank? Er soll die Ältesten« (Plural) »der Gemeinde« (Singular) »zu sich rufen.« Titus 1, Vers 5: »Titus soll in jeder Stadt Älteste (Plural) einsetzen.« Apostelgeschichte 20, Vers 17: »Von Milet sandte Paulus nach Ephesus und ließ die Ältesten (Plural) der Gemeinde (Singular) rufen.« Apostelgeschichte 14 noch einmal: »Nachdem sie ihnen aber in jeder Gemeinde« (Singular) »Älteste« (Plural) »bestimmt hatten.« Und was macht das deutlich? Die Gemeinde soll von einer Mehrzahl von Ältesten geleitet werden.
Nun, warum ist das so wichtig? Ich denke, es gibt zwei Gründe dafür: Das eine ist Ergänzung und das andere ist Schutz. Gott hat jeden einzelnen unterschiedlich begabt. Das werdet ihr sogar in der Familie feststellen. Keines eurer Kinder ist dem anderen gleich — noch nicht einmal eineiige Zwillinge. Und das werdet ihr auch bei unseren Ältesten feststellen. Sie sind unterschiedlich. Und das ist gut so, dass Gott sie unterschiedlich begabt hat, weil Stärken und Schwächen eng beieinander liegen und die Schwäche des einen die Stärke des anderen ausgleicht. Das heißt, Älteste ergänzen einander. So unfassbar wichtig. Die anstrengende Aufgabe, eine Gemeinde zu leiten, wird auf mehrere Schultern verteilt. Es ist nicht nur ein Mann.
Sie ergänzen, aber es dient auch dem Schutz. Nun, wenn jemand weiß, dass das menschliche Herz trügerisch ist, dann sind es Älteste und Lehrer. Wir wissen, dass unser Herz trügerisch ist, und wir sind unseren Mitältesten Rechenschaft schuldig. Wir achten aufeinander. Und wie sieht es manchmal ganz konkret aus? Wir reden regelmäßig über Herausforderungen. Wir handeln nicht im Alleingang. Selbst externe Dienste sprechen wir ab, Theo und ich, oder andere Dinge — wir korrigieren einander. Aber besonders, wenn es manchmal zu schwierigen Gesprächen kommt oder wenn es zu Konflikten oder Herausforderungen geht, dann kann es sehr schnell den Anschein haben, dass es eine persönliche Angelegenheit ist zwischen dem Ältesten und dem Gemeindemitglied. Und da ist ein Team von Ältesten ein Segen. Zum einen, um wo nötig korrigiert zu werden, aber zum anderen, um Rückendeckung zu geben. Und man nimmt denjenigen aus der Schusslinie heraus.
Nun, es gab einen legendären chinesischen Strategen mit Namen Sunzi, der hat 500 vor Christus ein Buch geschrieben — »Die Kunst des Krieges«. Es ist ein sehr viel gelesenes Buch und breit anerkannt. Und zwar beschreibt er die Taktik des Krieges, und dort sagt er folgendes: »Ein mutiger Einzelgänger mag einen Kampf beginnen, aber nur eine geeinte Formation kann den Krieg gewinnen.« Wie gut formuliert. Ja, das ist eine Weisheit, die nicht er erfunden hat, aber gut formuliert hat. Da mag ein mutiger Einzelgänger sein, der einen Kampf beginnt, aber es braucht eine geeinte Formation, um den Kampf siegreich zu beenden. Es ist nur Dummheit, wenn jemand im Alleingang vorangeht.
Älteste sind offizielle Leiter der Gemeinde und Gott sieht sie immer in einer Pluralität. Nun, Älteste leiten die Gemeinde. Das bedeutet nicht, dass sie alles tun. Nun, es ist wie in einer Schlacht, ein General, der plant und die Truppe führt. Er koordiniert das Zusammenspiel von Infanterie, Luftwaffe und Logistik, aber er kämpft in der Schlacht nicht alleine. Es kommt auf jeden Soldaten an, mitzuwirken an dem großen Marschbefehl der Gemeinde Gottes — und zwar Jünger Jesu zu machen, Jünger, die das Wort bewahren.
Lass uns weitergehen und wir wollen uns das zweite Wort ansehen, und im 1. Petrusbrief im fünften Kapitel ist das der Hirte. Wie sieht Gott die Aufgabe? Was bedeutet es, Hirte zu sein? Schaut noch mal in 1. Petrus, Kapitel 5, Vers 2. Da sagt Gott: »Hütet die Herde Gottes bei euch.« Und dann beschreibt er, wie. Und er endet noch einmal mit dem Verweis auf die Herde Gottes und sagt in Vers 3: »Indem ihr Vorbilder der Herde seid.«
Und eine der häufigsten Metaphern für die Gemeinde, aber auch für die Gemeindeglieder, ist die von einem Hirten und der Schafherde. Und es ist kein Zufall, dass Gott uns mit Schafen vergleicht. Manchmal denke ich, ich frage mich manchmal, warum hat Gott Schafe so geschaffen, wie er sie geschaffen hat? Ich denke manchmal nur, um uns Anschauungsunterricht zu geben. Leider ist heute kaum jemand von uns ein Hirte. Das heißt, wir wissen gar nicht, wie Schafe funktionieren.
Philip Keller hat ein Buch geschrieben — »Psalm 23, aus der Sicht eines Schafhirten«. Er war sein Leben lang ein Schafhirte. Er wusste, wie Schafe ticken, was es bedeutet, ein Schafhirte zu sein. Und er sagt: »Keine andere Tierart erfordert eine sorgfältigere Behandlung und detailliertere Anleitung als Schafe.« Nun, anders formuliert könnte man auch sagen: Schafe sind die einfältigsten — nett formuliert — Tiere, die es gibt. Schafe sind niedlich, blöken, aber sie sind völlig hilflos.
Schafe können in der freien Wildbahn auf sich alleine gestellt nicht überleben. Habt ihr schon mal im Wald ein Schaf gesehen? Sie können nicht überleben. Sie fressen alles, was ihnen vor die Nase kommt, einschließlich Giftpflanzen. Sie können aus fließenden Gewässern nicht einmal trinken. Sie würden entweder verdursten oder sie würden ins Wasser fallen. Sie brauchen stilles Wasser, wie David es im Psalm 23 sagt: »Du führst mich zu stillen Wassern.« Nun, Schafe verirren sich. Sie brauchen einen Hirten, der sie bei der Herde hält. Schafe können sich nicht verteidigen. Sie sind wilden Tieren ausgelieferte Beute. Deswegen brauchen sie einen Hirten, der sie beschützt. Sich selbst überlassen würden Schafe sehr schnell umkommen. Sie brauchen einen Hirten, um sicher durch das Leben zu navigieren. Sie brauchen einen Hirten, der sie versorgt, der sie beschützt und der sie leitet. Sie können sich nicht selbst weiden. Das macht David auch klar.
Nun, wir alle wissen: Christus ist unser guter Hirte, nicht wahr? Aber der unsichtbare Oberhirte hat sichtbare Unterhirten eingesetzt, und durch diese sichtbaren Unterhirten will Christus seine Schafe in der Ortsgemeinde versorgen, schützen und leiten.
Und dieser Begriff Älteste/Hirte trifft den Nagel auf den Kopf und beschreibt überwiegend, was die Aufgabe ist. Nur eine kurze Klammer: In den USA wird es manchmal so gehandhabt, dass es zwei unterschiedliche Begrifflichkeiten gibt — vielleicht ist euch das schon mal begegnet. Da wird unterschieden zwischen jemandem, der Pastor ist, und jemandem, der Ältester ist. In der Regel ist es jemand, der eine theologische Ausbildung hat und bei der Gemeinde angestellt ist, während von einem »Lay Elder« gesprochen wird — einem Ältesten, der nicht unbedingt eine theologische Ausbildung hat, aber auf jeden Fall nicht angestellt ist. Und diese Unterscheidung finden wir im Neuen Testament einfach nicht.
Das Wort Pastor — unser deutsches Wort — kommt von dem lateinischen Wort für Hirte, insbesondere aus der Vulgata hat es sich abgeleitet. Und nach der Reformation dachten die Evangelikalen, dass »Pastorhirte« der bessere Begriff wäre und unterschieden sich »Priester« zu nennen. Ja, ist nicht so wirklich ein guter Begriff. Aber was wir sehen ist: Alle Hirten weiden die Herde Gottes, egal ob sie dafür freigestellt sind oder nicht, ob sie teilweise freigestellt sind oder nicht, ob sie mehr oder weniger freigestellt sind oder nicht. Und dann sehen wir, dass alle Hirten lehrfähig sein müssen. Titus 1, Vers 9 sagt, dass der Hirte sich an das zuverlässige Wort hält, »damit er mit der Lehre imstande ist zu ermahnen, als auch die Widersprechenden zu überführen.«
Ob jemand dafür eine formale theologische Ausbildung hat oder nicht, sei dahingestellt. Es muss auch nicht jeder Hirte predigen, aber jeder Hirte muss das Wort Gottes kennen, sich an das Wort halten, mit dem Wort ermahnen und mit dem Wort überführen.
Nun, 1. und 2. Timotheus und Titus werden gerne auch die Pastoralbriefe genannt. Wahrscheinlich kennt ihr den Begriff, nicht wahr? Und es ist sehr zutreffend. Man könnte sagen, 1. und 2. Timotheus und Titus ist die Arbeitsbeschreibung eines Ältesten oder eines Hirten oder Pastors. Alles derselbe Begriff, dieselbe Person. Es gibt keine Unterschiede.
Nun, was Paulus in diesen Briefen immer und immer wieder deutlich macht, ist folgendes: Er sagt, eine der wichtigsten Hauptaufgaben eines Hirten ist, die gesunde Lehre zu bewahren, gegen Irrlehre zu verteidigen und dann zu lehren, zu unterweisen und zurechtzuweisen. Und Timotheus und Titus sollen die gesunde Lehre der ganzen Gemeinde bringen. Paulus sagt an Titus: »An alle, die gottgläubig werden, sie sollen sie unterweisen.« Und dann sind ganz detaillierte Ansagen da. Nun, sie sollen die Männer anleiten, wie sie entsprechend der gesunden Lehre leben. Sie sollen die Frauen anleiten, wie sie entsprechend der gesunden Lehre leben. Sie sollen die Witwen, die Sklaven, die Reichen — allen entsprechend die gesunde Lehre verkündigen, ob es gelegen ist oder ungelegen.
Und zwar stets im Bewusstsein, dass Menschen — Paulus sagt — empfindliche Ohren haben. Es hat nichts mit Schwerhörigkeit zu tun, sondern immer geneigt, sein Ohr dem zu geben, der es besser kitzelt, wo es einfach angenehmer ist zuzuhören.
Nun, die Aufgabe eines Hirten ist nicht nur, eine tolle Predigt zu halten und dann ist alles getan, sondern die Aufgabe der Ältesten ist zu beurteilen, ob die Gläubigen entsprechend der gesunden Lehre wandeln.
Tozer hat es einmal sehr gut formuliert und zwar sagt er: »Wir leiden unter einer Plage von Predigtschnuppern.« So sagt er: »Der moderne Christ hört einer Predigt zu wie ein Kritiker einer Oper. Solange die Wahrheit auf der Kanzel eine abstrakte Theologie bleibt, ist der Pastor beliebt. Wenn er es jedoch wagt, diese Wahrheit auf den Alltag, die Freizeit und den Geldbeutel seiner Zuhörer anzuwenden, wird er bald herausfinden, wie sehr sie das Wort Gottes wirklich lieben.« Das ist so gut auf den Punkt zusammengefasst. Nun, solange man einfach nur predigt, ist alles in Ordnung. Aber erwarte nicht, dass ich das tue, was gepredigt wurde. Und genau das ist die Aufgabe eines Hirten. Ob es dich freut oder nicht — das ist unsere Aufgabe als Älteste, nicht nur zu lehren, sondern auch zu ermahnen, wenn das Gelebte mit dem Gelehrten nicht übereinstimmt.
Jesus sagt im Missionsbefehl: »Lehrt sie alles.« Lehrt sie, lehrt sie alles. Nein, nein, nein. Ihr kennt ihn sehr gut. Ja, er sagt: »Lehrt sie zu halten, lehrt sie zu bewahren, was ich euch befohlen habe.« Das heißt nicht, einfach lehren und dann ist gut, sondern: Hält derjenige auch das Wort? Lebt er entsprechend des Wortes? Es geht nicht nur um das Lehren, sondern: Lebt er das, was gelehrt wird? Und genau das ist die Aufgabe eines Hirten.
Paulus sagt zu Timotheus in 2. Timotheus 4, Vers 2: »Verkündige das Wort, sei es gelegen oder ungelegen.« Und nun verwendet er Worte, bei denen wir wahrscheinlich zusammenzucken. Er sagt: »Überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung.«
Das Weiden der Schafe geschieht vorrangig durch den Dienst des Wortes. Und in Apostelgeschichte 20 erinnert Paulus die Ältesten von Ephesus an sein eigenes Vorbild. Er sagt, erinnert euch, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, jeden einzelnen unter Tränen zu belehren, nein, zu ermahnen. Vers 20: »Ich habe euch verkündigt und gelehrt öffentlich, aber auch in den Häusern.« Paulus sagt zu Titus: »Rede, was der gesunden Lehre entspricht.« Titus 1, Vers 13: »Weise sie streng zurecht, damit sie gesund seien im Glauben, damit das Wort nicht verlästert wird.« Titus 2, Vers 15: »Dies sollst du lehren« — und dann fügt er noch einmal hinzu: »Mit allem Nachdruck ermahnen und zurechtweisen.«
Und das ist tatsächlich unsere Aufgabe als Älteste, zu sehen. Merke dir: Als Hirte soll der Älteste die Schafe ernähren, beschützen und zur Reife bringen. Der Begriff Hirte betont die Sorge um die Menschen, denen er dient.
In Hebräer 13, Vers 17 finden wir eine großartige Stelle, wo der Schreiber des Hebräerbriefes folgendes sagt — ich habe es aus der ESB zitiert, weil sie so gut zusammenfasst: »Gehorcht euren Führern und fügt euch, denn als künftig Rechenschaft Ablegende wachen sie über eure Seelen, damit sie das mit Freude tun mögen und nicht mit Stöhnen, denn dies wäre für euch nicht von Nutzen.«
Sehr gut formuliert. Älteste wachen über die Seele und sie geben Rechenschaft. Nun, wie sieht dieses Rechenschaftgeben für die Seele aus? Vielleicht fragst du dich das auch. Ich habe es mich auch gefragt, weil es ist meine Aufgabe.
Ich denke, Jesus hat uns in Johannes 17 das vorgelebt, wovon hier die Rede ist. In Johannes 17 betet Jesus das, was wir manchmal das hohepriesterliche Gebet nennen. Ihr kennt es ja. Und er sagt dort in Vers 6: »Ich habe deinen Namen den Menschen offenbar gemacht, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben.« Und dann sagt er: »Und sie haben dein Wort bewahrt.«
Nun stellt euch die Jünger vor, hier in Johannes 17, sie sind noch vor dem Kreuz. Da war keiner von ihnen perfekt, weit entfernt davon. Wir wissen, jeder der Jünger hatte noch viele Lektionen zu lernen, besonders auch Petrus. Aber wisst ihr, was Jesus über sie sagt, als er hier Rechenschaft abgibt? Er sagt: »Sie bewahren dein Wort.« Das ist das Ziel. Und dann sagt er, Vers 8: »Die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen.« Vers 20: »Als ich bei ihnen in der Welt war, bewahrte ich sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, habe ich behütet. Und keiner von ihnen ist verloren gegangen, als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde.«
Nun, Christus ist unser Vorbild. Hier gibt der Oberhirte Rechenschaft beim Vater ab für die, die Gott ihm anvertraut hat. Und dass Judas verloren gegangen ist, war nicht das Versagen des guten Hirten, sondern es sollte offenbar werden, dass das Schaf nicht zu ihm gehört, dass es nicht das Schaf Christi ist.
Als Hirte soll der Älteste die Schafe ernähren, beschützen und zur Reife führen. Und das geschieht vorrangig durch den Dienst des Wortes und durch Gebet. Und deswegen legen wir so großen Wert auf den Dienst des Wortes, wie wir in Kolosser in der Predigtreihe gesehen haben. Wir wollen das Wort Gottes reichlich unter uns wohnen lassen.
Nun kommen wir zum dritten — zum Aufseherdienst. Und schaut noch einmal in 1. Petrus 5 hinein. Da macht Petrus deutlich und er sagt: »Hütet die Herde Gottes bei euch.« Wie? Und jetzt sagt er — er nennt drei Gefahren und er verneint: Nicht gezwungen, das heißt aus Pflicht, sondern freiwillig Aufsicht übend. Nicht nach schändlichem Gewinn streben — das heißt nicht nach Profit, das ist die zweite Gefahr — sondern mit Hingabe. Nicht als solche, die über das ihnen Zugewiesene herrschen — das ist die dritte Gefahr, nämlich Macht — sondern indem ihr Vorbilder der Herde seid.
Und hier verwendet er den dritten Begriff — Episkopos. Episkopos bedeutet ein Wächter, ein Hüter oder ein Aufseher. Es setzt sich zusammen aus Epi — das heißt »auf« — und Skopeo — ein Ziel blicken, spähen oder achtgeben. Das heißt: Als Aufseher soll der Älteste den Auftrag der Gemeinde bewahren.
Das heißt, als Aufseher ist es die Aufgabe eines Ältesten, den Auftrag der Gemeinde immer im Blick zu halten. Und was genau? Und da helfen uns die Pastoralbriefe: Jünger machen, evangelisieren, missionieren, aber vor allem auch die nächste Generation von Leitern zurüsten.
Paulus sagt in 2. Timotheus 2, Vers 2 — achtet darauf, wie viele Generationen Paulus hier in diesem Vers anspricht: »Was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren.« Wie viele Generationen spricht er an? Vier Generationen. Das heißt, Paulus hat es an Timotheus weitergegeben. Timotheus soll es an treue Menschen weitergeben, und diese treuen Menschen sollen fähig sein, das wiederum an andere weiterzugeben.
Timotheus soll das anvertraute Gut — nämlich die gesunde Lehre — bewahren und er soll sicherstellen, dass es an die nächste Generation weitergegeben wird. Er soll die nächsten Leiter finden, zurüsten und einsetzen. Man könnte sagen, Älteste sind wie ein Kapitän. Sie halten den Kurs der Gemeinde im Blick. Sie stellen immer wieder die Frage: Erfüllen wir als Gemeinde unseren Auftrag? Tun wir noch das, was wir tun sollen, oder wie können wir es besser tun? Und da hilft ein Leitbild der Gemeinde enorm.
Nun, wir als Älteste tun es in der Regel ein- bis zweimal im Jahr auf der Ältestenrüstzeit, aber auch in den einzelnen Diensten, in den einzelnen Dienstbereichen wollen wir immer wieder die Frage stellen: Tun wir das, was wir tun sollen? Und falls nötig, wird der Kurs von den Ältesten korrigiert. Das ist unsere Verantwortung als Älteste, uns die Frage zu stellen. Stell dir vor, Christus würde Leuchtturm einen Brief schreiben — die Frage ist, was würde er loben und was würde er verurteilen? Diese Frage müssen wir immer vor Augen haben. Die Sendschreiben in Offenbarung 2 und 3 zeigen, dass Christus die Ortsgemeinde tatsächlich auf Herz und Nieren prüft. Als Aufseher soll der Älteste den Auftrag der Gemeinde bewahren.
Nun kommen wir noch recht schnell zu der Rolle der Ältesten. Wir schauen uns die Rolle gegenüber Gott an, die Rolle gegenüber der Gemeinde, gegenüber anderen Ältesten, und werden sehen, dass Unterhirten Schafe bleiben.
Schlagt Apostelgeschichte 20, Vers 28 noch einmal auf. Ich habe immer wieder zitiert, aber Paulus macht hier etwas deutlich und beschreibt die Rolle der Ältesten gegenüber Gott. Paulus sagt: »So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu hüten, die er durch sein eigenes Blut erworben hat!«
Und Paulus macht deutlich: »Älteste sind von Gott eingesetzt.« Und Paulus sagt zu den Ältesten von Ephesus: »Der Heilige Geist hat euch zu Aufsehern eingesetzt.« Nun, wer hat sie wahrscheinlich eingesetzt? Sehr wahrscheinlich sind einige von ihnen von Timotheus eingesetzt worden — ihr erinnert euch, 1. Timotheus: Timotheus soll unter anderem auch Älteste einsetzen. Und Paulus warnt ihn bisschen, nicht zu schnell, aber es war eine Aufgabe. Und wahrscheinlich sind die anderen Ältesten von Paulus eingesetzt worden. Nun, wie verhält es sich? Paulus sagt, durch den Heiligen Geist — und dabei hat er wahrscheinlich einen Teil und Timotheus einen Teil eingesetzt. Ist es so eine Art mystische »Finde-den-Willen-Gottes«-Erfahrung, irgendwie nebulös? Oh nein. Was die Schrift deutlich macht, ist: Der Heilige Geist begabt und beruft, und andere Hirten erkennen die Begabung, sie rüsten zu und setzen ein, um der Gemeinde zu dienen. Und das sollte Titus tun, das sollte Timotheus tun. Allerdings niemandem zu schnell die Hände auflegen, das heißt in dieses Amt einzusetzen.
Und Älteste sind von Gott eingesetzt. Gleichzeitig trägt ein Ältester, man könnte sagen, eine Zielscheibe auf seiner Brust, einfach nur weil er ein Leiter ist. Nun denken wir an Mose. Ach, wie war das Volk dankbar für Moses Sanftmut und für seine gottesfürchtige Leitung. Nein, überhaupt nicht. Bei Samuel, bei David, Nehemia, Jeremia, sogar bei Jesus war es nicht anders.
Und wir kennen uns alle sehr gut, nicht wahr? Du kennst dich gut und ich kenne mich gut. Und wie schnell neigen wir dazu, jemanden in Leitungsposition zu verurteilen, einfach weil mir die Entscheidung nicht passt. Wie scharf gehen wir manchmal mit Leitung ins Gericht? Manchmal haben wir sogar einen doppelten Maßstab. Nun, von der Leitung erwarten wir Perfektion, aber wir wissen ja alle, dass es bei uns völlig normal ist, noch nicht perfekt zu sein. Wie schnell reden wir schlecht über Leitung, wenn mir dies oder jenes nicht passt? Und dann machen wir aus einer Mücke einen Elefanten, weil wir der anderen Person nur Boshaftes unterstellen, und dann gesellt sich ganz schnell Verleumdung hinzu, und das Desaster ist gewaltig.
Deshalb sagt Paulus zu Timotheus in 1. Timotheus 5, Vers 19: »Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an, außer auf Grund von zwei oder drei Zeugen.« Im Alten Testament sehen wir ein ähnliches Prinzip. David sagt immer wieder, dass er seine Hand nicht an den Gesalbten des Herrn legen will. Nun, es ist jetzt nicht der richtige Vergleich, aber ein ähnliches Prinzip. Und wir erinnern uns sehr gut: David wollte Saul nicht nachhelfen, über die Klinge zu springen, obwohl Saul gottlos war, obwohl der Geist Gottes von Saul gewichen war, obwohl David bereits der neue König war und sogar gesalbt war — er respektiert Saul als Gesalbten des Herrn.
Nun, das bedeutet nicht — hör gut zu — dass Älteste absolute Immunität genießen wie die Botschafter hier in Berlin. Wir leben in der Hauptstadt und hier sind enorm viele Botschafter unterwegs. Bei einer absoluten Immunität neigt man dazu, es als Freibrief zur Sünde zu missbrauchen. Im letzten Jahr gab es hier in Berlin fast 20.000 Verkehrsdelikte von Diplomaten, und zwar weil sie absolute Immunität genießen und strafrechtlich nicht belangt werden können. Nun, das sind sage und schreibe 50 Verstöße pro Tag. Und der Schaden liegt so bei 200.000 bis 350.000 Euro pro Jahr. Nun, oft ist es falsches Parken, zu schnelles Fahren, aber selbst Unfälle mit Personen — bis dahin, dass sogar ein Fahrradfahrer ums Leben kam.
Nun nein, Älteste haben keine absolute Immunität. Sie sind weder immun gegen Sünde, noch sind sie immun gegen Klagen. Aber wer soll eine berechtigte Klage annehmen? Paulus sagt hier, die Mitältesten — du, Timotheus. Wenn es sich als Sünde herausstellt, Vers 20: »Die welche sündigen, weise zurecht vor allen, damit sich auch die anderen fürchten.« Nun, die Schrift macht deutlich, dass es keinen anderen Maßstab für Älteste gibt. Da, wo konkret Sünde ist, soll sie angesprochen werden. Und wir haben sogar ein Beispiel dafür. In Galater 2 macht Paulus genau das, was er hier sagt, mit Petrus. Und zwar — wir erinnern uns — Petrus hat geheuchelt: Er hat mit den Heiden gegessen, dann kamen die Juden und dann hat er sich abgesondert. Und Paulus sagt: »Nein, nein, nein, warte, das stimmt nicht, das ist Heuchelei.« Und dann sagt Paulus in Galater 2: »Als ich aber sah, dass sie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Petrus vor allen« und er weist ihn zurecht und sagte: »Du, der ein Jude bist und wie ein Heide lebst, wieso willst du, dass die Heiden wie Juden leben sollen?«
MacArthur schreibt in einem Buch über Gemeinde: »Wenn eine Gemeinde Sünde im Leben ihrer Leiter bewusst ignoriert, dann leidet dementsprechend ihr Zeugnis vor der Welt, die sie beobachtet. Es hat Einfluss auf die Reinheit der Gemeinde. Anstelle gesegnet zu werden, zieht der Ungehorsam einer Gemeinde das züchtigende Gericht Gottes herab.«
Aber es ist eine konkrete Sünde, die von zwei und drei bestätigt wird. Nun, wir haben gesehen: Älteste sind von Gott eingesetzt und Älteste sind primär Gott verpflichtet. Nun, der Arbeitgeber eines Ältesten ist nicht die Gemeinde, sondern der Arbeitgeber ist Gott — egal was auf dem Lohnschein steht. Älteste sind dem verpflichtet, der sie ins Amt eingesetzt hat, und das ist Gott. Älteste sind keine Politiker. Sie lassen sich nicht von der Beliebtheit ihrer Follower lenken. Das bedeutet nicht, dass die Gemeinde ignoriert wird. Wir haben gesehen, Petrus macht sehr deutlich, dass Älteste nicht herrschend leitend sind, sondern Vorbilder der Herde.
Nun, lass uns weitergehen und zurück zu 1. Petrus 5, und wir sehen die Rolle gegenüber der Gemeinde. In 1. Petrus 5, Vers 1 und 3 sagt Petrus zu den Ältesten: »Die Ältesten, die unter euch sind.« Und dann sagt er, sie sollen nicht herrschen über das ihnen Zugewiesene. Das heißt, die Gemeinde ist ihnen zugewiesen. Petrus macht deutlich, dass Älteste Teil der Herde sind. Älteste sind mitten unter der Herde.
Nun, Gemeinde und Leitung sind nicht zwei separate Gruppen, sondern es ist eine Herde, und dennoch sollen die Ältesten die Herde leiten. Nun, das soll mal jemand verstehen. Wie ist das möglich? Nun, uns geht es nicht in den Kopf hinein. Wir kennen oft nur eine steile Hierarchie oder gar keine — eine flache Hierarchie. Gott macht deutlich: In der Gemeinde ist es weder noch. Die Ältesten sind Teil der Herde und doch leiten sie die Herde. Gleichzeitig macht Petrus deutlich: Die Gemeinde ist nicht ihr Eigentum, sondern die Gemeinde ist das Eigentum Gottes. Es sind Gottes kostbare Schafe.
Nun, wie verhält sich die Gemeinde? In Hebräer 13, Vers 17 haben wir gesehen: »Gehorcht den Führern, fügt euch, weil sie Rechenschaft ablegen, damit sie es nicht stöhnend tun. Ja, es wäre nicht gut für euch.« Und in 1. Thessalonicher 5, Vers 12 und 13 adressiert sich Paulus an die Gemeinde in Thessalonich und er formuliert das so: »Wir bitten euch aber, ihr Brüder« — und er spricht die ganze Gemeinde an — »dass ihr diejenigen anerkennt, die an euch arbeiten.« Und dann beschreibt er ihren Dienst so: »Die euch vorstehen und euch zurechtweisen, und dass ihr sie umso mehr in Liebe achtet um ihres Werkes willen. Lebt im Frieden miteinander!«
Wie sieht die Rolle gegenüber anderen Ältesten aus? Das ist der dritte Unterpunkt. Nun, wir sehen im Neuen Testament, dass Gemeinden nicht als Bund oder Denomination organisiert werden, aber dennoch arbeiten Gemeinden und Älteste zusammen. Sie pflegen Beziehung. Ja, wir sehen ein gegenseitiges Anspornen, sogar Ermahnen unter den Mitältesten. Und Petrus tut das in diesem Brief. Er sagt: »Ich als Mitältester ermutige euch als Älteste.«
In Apostelgeschichte 15 finden wir ähnliches. Da ist diese große theologische Auseinandersetzung — müssen sich Heidenchristen beschneiden lassen? — und dann gehen Älteste aus Antiochia nach Jerusalem, um sich mit Ältesten und mit den Aposteln zu beratschlagen. Das heißt, wir sehen Älteste von Gemeinden, sie arbeiten zusammen. Und das tun wir auch als einige der Berliner Gemeinden. Alle zwei Monate treffen wir uns — die ECG, Eckstein, Gnadengemeinde, Bibelgemeinde und wir — tauschen uns aus, ermutigen, spornen einander an. Eine gute Möglichkeit — wir kommen gerade von der Hirtenkonferenz — ist, dass dort Älteste einander ermutigen und herausfordern.
Und zum vierten Unterpunkt — er passt nicht in die Reihenfolge mit den anderen, aber er war so wichtig, dass ich ihn noch mal hervorheben wollte: Unterhirten bleiben Schafe. Schaut noch mal in 1. Petrus 5, Vers 1 hinein. Da sagt Petrus: »Die Ältesten, die unter euch sind.« Unterhirten bleiben Schafe. Ihre Identität liegt nicht in ihrem Amt, sondern ihre Identität liegt in Christus.
Nun, die größte Gefahr für Älteste ist, sich von der Gemeinde zu distanzieren, zu isolieren und nur den Dienst zu tun. Und gleichzeitig ist es der größte Schutz, in der Herde zu bleiben. Paulus sagt in Apostelgeschichte 20: »Ihr kennt mein Leben. Ihr habt mein Leben angesehen. Ihr wisst, wie ich gelebt habe.« Nun, was bedeutet das? Das bedeutet, dass deine Unterhirten keine Helden sind, kein Superman. Sie sind auch nicht immun gegen Sünde. Sie kämpfen genauso gegen dieses Unkraut der Sünde wie jeder Gläubige auch. Auch die Ältesten müssen Zorn jäten, Stolz jäten, die Begierden, die Selbstsucht. Sie müssen das Evangelium nicht nur bewahren, nicht nur predigen, nicht nur verteidigen, sondern sie brauchen das Evangelium jeden Tag.
Und das sehen wir besonders bei Paulus in den Pastoralbriefen. Ich würde die Pastoralbriefe vielleicht beschreiben wie eine Business-E-Mail an Timotheus und an Titus: »Hey Timotheus, hier sind deine Aufgaben. Das ist der Grund, warum ich dich zurückgelassen habe.« Aber was auffällt: Genau in den Pastoralbriefen hebt Paulus so oft immer wieder das Evangelium hervor, und das zeigt, wie es in seinem Leben war. Und er sagt dort immer wieder: »Glaubwürdig ist das Wort: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten, von denen ich der größte bin.« Und dann sagt er: »Aber mir ist Erbarmung widerfahren. Die Gnade unseres Herrn wurde über alle Maßen groß an meinem Leben.« Andauernd sättigt er sein Leben in der Gnade.
Nun, vielleicht fragst du dich: Was kann ich tun, um die Ältesten zu unterstützen? Gut, dass du die Frage stellst. Nun, hier sind einige Dinge.
Erstens, bete regelmäßig für die Ältesten. Sie tragen eine Zielscheibe auf der Brust und Satan liebt es, den Hirten zu schlagen, damit die Schafe zerstreut werden.
Zweitens, vertraue und folge den Ältesten, auch wenn du es dir manchmal anders wünscht. Wir haben alle Verständnis dafür.
Drittens, rede mit den Ältesten.
Viertens, verbringe Zeit mit den Ältesten, wo auch immer es geht.
Und fünftens, lass nicht zu, dass eine Distanz aufgebaut wird.
Nun, deine Hirten sind verantwortlich, die Gemeinde zu leiten, die Schafe zu weiden, den Auftrag der Gemeinde zu bewahren. Und die Schafe sind verantwortlich, diese Leiterschaft anzunehmen und willig zu folgen. Und wenn das geschieht, dann haben wir ein unschlagbares Duo. Das ist wie ein eingespieltes Uhrwerk. Es ist wie eine gewaltige Sinfonie, wo Freude und Segen für alle Beteiligten herrscht. Es ist wirksamer wie Hammer und Amboss. Eine solche Gemeinde ist ein mächtiges Werkzeug in der Hand Gottes.
Alexander Strauch war in Spanien. Er ist einer der Ältesten, der ein sehr gutes Handbuch geschrieben hat über Ältestenschaft. Und er fragt einen Schafhirten dort ganz am Schluss, nach vielen Fragen, sagt er: »Was ist das Wichtigste beim Schafeweiden, Schafehüten?« Und der Hirte sagt: »Die Schafe zu lieben.«
Und das ist unser Wunsch, und das ist euer Gebet, das für uns zu beten.
Herr Jesus Christus, wir preisen dich über diesen großen Abschnitt, den Petrus geschrieben hat, um die Mitältesten zu ermutigen, anzuspornen und herauszufordern. Herr, er macht sehr deutlich, was die Aufgabe und die Rolle eines Hirten sind. Und Herr, wir wollen als Unterhirten von deinem Vorbild lernen und den Dienst als Unterhirten nach deinem Vorbild tun, weil du der gute Hirte bist. Herr, wir beten um Weisheit, wir beten um Kraft, und wir beten, Herr, dass dieses Duo von Führen und Geführtwerden tatsächlich auch in unserer Gemeinde sichtbar wird, Herr, wie ein gutes Uhrwerk, wie ein mächtiges Werkzeug und wie eine großartige Sinfonie, die allen Segen und Freude bringt. Amen.
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