23. Mai 2026

Die biblische Verpflichtung zur Mitgliedschaft in der Ortsgemeinde

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Die das Wort aufnahmen, ließen sich also taufen, und an jenem Tag wurden etwa dreitausend Seelen hinzugefügt. Und sie blieben beharrlich in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten. Und Furcht lag über jeder Seele, auch geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle Glaubenden waren an einem Ort und hatten alles gemeinsam. Und die Grundstücke und [andere] Besitztümer hatten, pflegten sie zu verkaufen und unter alle zu verteilen, wie einer [gerade] Bedarf hatte. Täglich – wobei sie einmütig im Tempel verharrten und in Haus um Haus das Brot brachen – nahmen sie Speise zu sich mit Frohlocken und Herzenseinfalt, wobei sie Gott lobten und Gunst hatten beim ganzen Volk. Und der Herr fügte täglich ⌜zur Gemeinschaft⌝ hinzu die gerettet Werdenden.
Apg 2,41-47 (ESB)

Mittlerweile ist die Grillsaison eröffnet. Nun, wenn du mit Holzkohle grillst, dann weißt du, wie du die Glut so richtig anfachst. Und zwar die Kohlen, die müssen alle zusammen auf einem Haufen sein und dann fachst du das Feuer so richtig an. Nimm eine glühende Kohle weg und isolier sie von dem Haufen – was geschieht? Nun, langsam verschwindet die Wärme und das Glühen erlischt. Für sich allein hat eine einzelne Kohle keine Wirksamkeit, und du würdest dein Würstchen mit einer einzigen isolierten Kohle nicht grillen können. Es sei denn, es sind 30° und die Sonne heizt das auf.

Aber ungefähr so ist ein Christ ohne Gemeinde. Christus hat nie vorgesehen, dass Gläubige isoliert leben.

Es sind schlechte Erfahrungen, es ist mangelnde Belehrung und es ist insbesondere der Individualismus, was zu einer niedrigen Sicht über die Gemeinde geführt hat. Nun, da bilden sich bei manchen so Gedanken wie: »Ich liebe Jesus, aber nicht die Gemeinde.« Oder: »Ich besuche zwar eine Gemeinde, aber ich möchte mich nicht festlegen.« Oder: »Die Mitgliedschaft in der Ortsgemeinde ist eine menschengemachte Tradition.«

Das Neue Testament kennt keine isolierten Christen. Durch die Bekehrung werden Gläubige sofort mit Christus und mit dem Volk Gottes verbunden. Und in der Schrift ist die Erlösung zwar persönlich, aber sie ist niemals eine private Angelegenheit. Und die Frage ist nicht, ob die Gemeinde wichtig ist, sondern die Frage ist, ob du als Gläubiger ein hingegebenes und verbindliches Leben innerhalb der Ortsgemeinde führst, wozu du eigentlich berufen wurdest.

Nun, auf der Rüstzeit im letzten Juli haben wir geplant, eine kurze Serie über die Gemeinde zu halten: Was ist die Gemeinde? Was sind wir als Ortsgemeinde? Wie stellt sich Christus die Gemeinde vor? Wie sieht die Leitung der Gemeinde aus, vor allem Älteste und Diakone? Und heute beginnen wir mit diesem Fundament, nämlich den Mitgliedern der Gemeinde. Wir werden bis in die Sommerferien hinein mit dieser Serie fortfahren, mit einer einzigen Ausnahme, nämlich am nächsten Sonntag, wo wir einen Gastprediger haben.

Ihr dürft gerne Apostelgeschichte Kapitel 2 aufschlagen und wir lesen die Verse 41 bis 47. Das ist der Ausgangstext, aber wir werden auch in viele andere Texte noch hineingehen.

Diejenigen nun, die bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen und es wurden an jenem Tag etwa 3000 Seelen hinzugetan. Und sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten. Es kam aber Furcht über alle Seelen und viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel. Alle Gläubigen waren aber beisammen und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften die Güter und Besitztümer und verteilten sie unter alle, je nachdem einer bedürftig war. Und jeden Tag waren sie beständig und einmütig im Tempel und brachen das Brot in den Häusern und nahmen die Speise mit Frohlocken und Einfalt des Herzens. Und sie lobten Gott und waren angesehen bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich die zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

In diesem Abschnitt sehen wir zwei Wahrheiten über die Mitglieder der Gemeinde. Die erste ist, wir sehen die Notwendigkeit von Mitgliedschaft, und dann sehen wir den Segen von Mitgliedschaft.

Die Notwendigkeit von Gemeindemitgliedschaft

Wir beginnen mit der Notwendigkeit von Mitgliedschaft in der Ortsgemeinde. Und was für eine großartige Erinnerung – heute ist Pfingsten, und Pfingsten ist in der Tat die Geburtsstunde der Gemeinde. Der Heilige Geist wurde ausgegossen und die Jünger sind wirklich Zeugen Jesu Christi. Der Geist Gottes hat diesen einfachen Petrus derart verändert, dass ein Mann, der vor dem Innewohnen des Heiligen Geistes so verunsichert und ängstlich war, dass er eine Magd angelogen hatte, zu Christus zu gehören – aus Angst. Und hier, erfüllt mit dem Heiligen Geist, ist er ein mutiger Zeuge Jesu und predigt mitten in Jerusalem und alle hören zu.

Petrus predigt Christus. Das ist, man könnte sagen, die Zusammenfassung von Kapitel 2. Und die Zuhörer werden überführt und kommen zum Glauben an Jesus.

Mitglieder der Gemeinde: gerettet und getauft

Vers 41 sagt: »Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen und es wurden an jenem Tag etwa 3000 Seelen hinzugetan.« Nun, dieser Vers erklärt zwei wichtige Fragen. Er erklärt erstens, wer sind die Mitglieder der Gemeinde, und dann klärt er, in welcher Beziehung die Geretteten zur Gemeinde stehen. Und das wollen wir uns ansehen.

Die Mitglieder der Ortsgemeinde – das macht der Text deutlich – sie sind gerettet und getauft. Dieser Vers erfasst Rettung, Taufe und Mitgliedschaft in einem einzigen Satz zusammen. Und wir finden hier eine wichtige Reihenfolge, nämlich erst Errettung, dann Taufe, dann Mitgliedschaft.

Nun, wer wird hier getauft? Es sind keine Babys, es sind keine Ungläubigen, sondern es sind die, die zum Glauben an Jesus gekommen sind. Achte darauf, wie Lukas es formuliert. Er sagt: »Diejenigen, die bereitwillig sein Wort annahmen.« Und das charakterisiert einen Gläubigen. Derselbe Petrus, der hier zu Pfingsten predigt, er sagt einige Jahre später in seinem ersten Brief, in 1. Petrus 1, Vers 23, dass wir Gläubige wiedergeboren sind aus unvergänglichem Samen durch das lebendige Wort Gottes, das in Ewigkeit bleibt. Das heißt, derjenige, der das Wort bereitwillig aufnimmt, zeigt, dass er durch das Wort wiedergeboren wurde. Ein Gläubiger erlebt das Wort Gottes. Ein Gläubiger gehorcht dem Wort Gottes. Das charakterisiert ihn. Ein Gläubiger hat das Wort Gottes bereitwillig aufgenommen.

Und dann macht Lukas, der die Apostelgeschichte schreibt, deutlich: »Dann wurden sie getauft.« Und vielleicht stellt man sich die Frage, warum um alles in der Welt soll jeder Gläubige im Wasser untergetaucht werden? Ich meine, was macht das für einen Sinn? Das ist so umständlich, vor allem wenn es 3000 Personen sind, die auf einmal getauft werden sollen. Insbesondere in Jerusalem, wo es sowieso an Wasser mangelt.

Warum Taufe und Mitgliedschaft zusammengehören

Ist diese symbolische Handlung so wichtig? Da passiert doch gar nichts. Das Wasser ist nicht magisch, die Handlung ist nicht magisch. Warum soll jeder Gläubige getauft werden? Paulus sagt in Römer 6 sehr deutlich, dass wir durch die Taufe eins gemacht werden mit Christus. Das heißt, wir drücken aus: Wir sind mit Christus gestorben und wir sind mit ihm auferstanden. Sein Tod war mein Tod. Seine Auferstehung ist meine Auferstehung.

Nun, für Jesus ist diese symbolische Einigung in der Taufe so wichtig, dass er von jedem Gläubigen erwartet, sich auf seinen Namen taufen zu lassen. Mit Ausnahme des Schächers am Kreuz – der wurde ganz sicher nicht getauft, aber er hat am selben Tag den Herrn im Paradies gesehen. Wenn es Jesus so wichtig ist, dass wir uns mit ihm identifizieren, dann sollte es uns auch wichtig sein, oder? Die sichtbare Wassertaufe macht die unsichtbare Wiedergeburt sichtbar.

Und dann heißt es, dann wird der Gläubige hinzugefügt. Nun, wem oder was wird der Gläubige hinzugefügt? Vers 47 sagt: der Gemeinde – das heißt dem sichtbaren Leib Christi. Das ist Mitgliedschaft in der Ortsgemeinde. Das heißt, durch die sichtbare Taufe wird der Gläubige dem sichtbaren Leib der Gemeinde hinzugefügt, der Ortsgemeinde. Das ist der Beginn des Glaubenslebens und des Gemeindelebens hier in Jerusalem.

Schau noch mal in Vers 41, da heißt es: »Und es wurden an jenem Tag etwa 3000 Seelen hinzugefügt.« Und das war nicht irgendwie eine Zahl, die aus dem himmlischen Buch des Lebens stammte. Nein, sondern die Apostel haben alle gezählt, die hinzugefügt wurden. Wir sehen: Die Mitglieder der Gemeinde sind gerettet und sie sind getauft.

Vers 44 sagt: »Alle Gläubigen waren beisammen.« Das ist Ortsgemeinde. Vers 47: »Der Herr tat täglich der Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.« Später in Kapitel 4, Vers 4, lesen wir: »Viele von denen, die das Wort hörten, wurden gläubig und die Zahl der Männer stieg auf 5000.« Es waren also noch wesentlich mehr – es waren um die Zehntausende in den ersten Tagen, die gerettet waren. Kapitel 4, Vers 32 sagt: »Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.« Kapitel 5 sagt: »Sie waren alle einmütig beisammen in der Halle Salomos.« Das ist ein Bereich am Tempelbezirk. Nun, sie hatten damals noch kein eigenes Kirchengebäude.

Die Gemeinde war nicht das Kirchengebäude, sondern die Menge der Gläubigen. Als Gemeinde wird im Neuen Testament nie das materielle Gebäude bezeichnet, sondern es sind immer die Menschen. Deswegen sind immer wieder manche überrascht, wenn sie hier reinkommen in ein altes Autohaus und das soll die Gemeinde sein. Nein, eigentlich ist die Gemeinde gar nicht hier – sondern die Gemeinde ist heute hier, unter uns.

Erst mit der konstantinischen Wende im vierten Jahrhundert entstanden diese großen öffentlichen Kirchengebäude und ab da begann sich der Begriff Gemeinde oder Kirche zu verschieben, und zwar weg von den Menschen hin auf das Gebäude, auf die Steine. Aber das Neue Testament bezeichnet mit Gemeinde immer die Gläubigen. Das griechische Wort kennt ihr sicherlich – das ist Ekklesia. Das bedeutet »die Herausgerufenen«. Es beschreibt eine Gruppe von Menschen, die heraus- oder zusammengerufen wurden. Und im Neuen Testament bezieht es sich immer auf die Gläubigen, die aus der Versklavung der Sünde herausgerufen wurden. Es sind diejenigen, wie wir in Vers 42 sehen, die in der Lehre der Apostel verharren, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen, in den Gebeten. Es sind diejenigen, die sich anfangs Tag für Tag und dann später Sonntag für Sonntag versammelt haben, um den Herrn anzubeten, einander zu dienen, zu belehren und zu ermutigen.

Was ist eine Ortsgemeinde? (Definition)

Ich habe eine kurze Definition von Gemeinde mitgebracht. Du kannst sie gerne mitschreiben:

Gemeinde ist die sichtbare Gemeinschaft der wahren erretteten Kinder Gottes, die den Herrn anbeten, einander erbauen und dienen und Botschafter für die Verlorenen sind.

Das macht aus, wer wir sind, und das macht aus, was wir tun – auch als Leuchtturm, als Ortsgemeinde hier vor Ort. Die neutestamentliche Gemeinde ist etwas völlig Neues, etwas völlig anderes als im Alten Testament. Im Alten Testament gehörte man durch familiäre Abstammung zum Volk Gottes, das heißt einfach durch die physische Geburt. Im Neuen Testament gehört man durch eine geistliche Geburt zum Volk Gottes dazu. Man wird hier nicht physisch hineingeboren, sondern man wird geistlich wiedergeboren. Wie wir zu Pfingsten sehen, ist es der Heilige Geist, der jemanden in die Gemeinde hineingebiert. Und das Neue Testament macht sehr deutlich, dass sie Kinder Gottes genannt werden. Man könnte sagen: Gott hat nur Kinder, keine Enkelkinder.

Kurze Klammer: Das heißt nicht, dass wir jetzt im Neuen Bund Gottes auserwähltes Volk Israel für immer verworfen hätten. Paulus macht in Römer 9 bis 11 sehr klar, dass es nur eine temporäre Verstockung ist, und zwar bis die Vollzahl der Heiden eingegangen ist.

Und wir sehen hier in diesem Abschnitt: Mitglieder der Ortsgemeinde sind gerettet und getauft. Und dieses Muster zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Apostelgeschichte hindurch. Apostelgeschichte 5,14: »Immer mehr wurden hinzugefügt, die an den Herrn glaubten.« Man sollte eigentlich meinen, dieses Prinzip ist so selbstverständlich – aber leider ist dem nicht so. Und jede Gemeinde, die dieses Prinzip umsetzt, muss mit Gegenwind rechnen.

Sicherlich kennen einige Jonathan Edwards – er war Pastor in Northampton in Massachusetts. Es war die Zeit der großen Erweckung in den Vereinigten Staaten. So viele kamen zum Glauben, dass 1835 ein neues Gemeindegebäude gebaut werden musste, weil das alte zu klein geworden war. Und trotz dieser großen Erweckung wurde Edwards 15 Jahre später von seiner Gemeinde rausgeschmissen. Warum? Die Gemeinde gehörte zu einem Bund, in dem die Reihenfolge, die wir gesehen haben – nämlich Rettung, Taufe, Mitgliedschaft – leider umgekehrt wurde. Sie praktizierten erst Taufe, Säuglingstaufe, dann Mitgliedschaft und hofften dann, dass sich auch die Errettung einstellt. Und das Problem war, dass die Gemeinde gefüllt war mit Ungläubigen. Als Jonathan Edwards begann, eine Linie zu ziehen zwischen Gläubigen und Ungläubigen – wer ist gerettet und wer ist nicht gerettet –, wurde er 1750 in hohem Bogen rausgeschmissen aus der Gemeinde. Der Kern war: Er wollte, dass nur Gerettete am Abendmahl teilnehmen. Man kann sich kaum vorstellen, dass 90 % seiner Gemeinde dafür stimmten, ihn rauszuschmeißen.

Nun, tiefgreifende Wahrheiten verselbständigen sich leider nicht, auch wenn wir es gerne annehmen würden, sondern sie müssen immer wieder gelehrt werden. Und beim Umsetzen dieser Prinzipien kann es sein, dass man immer wieder mit Gegenwind rechnen muss.

Ist Mitgliedschaft wirklich biblisch gefordert?

In welcher Verbindung steht der Gläubige zur Ortsgemeinde? Schau noch mal in Kapitel 2, Vers 41. Es heißt: »Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen und es wurden an jenem Tag etwa 3000 Seelen hinzugetan.« Wir sehen: Die Errettung verbindet den Gläubigen unmittelbar mit der Ortsgemeinde.

Und das sehen wir durch die ganze Apostelgeschichte hindurch. In jeder Stadt, wo Menschen gerettet wurden, versammelten sie sich in einer Ortsgemeinde. Wohlgemerkt: Es kommt nicht auf das Gebäude, auf die Steine an, sondern auf die Versammlung der Gläubigen. Oft begann die Gemeinde in der Synagoge, bis sie dann aus der Synagoge rausgeschmissen wurde. In Korinth war das der Fall und die Gemeinde traf sich dann im Haus neben der Synagoge – Apostelgeschichte 18. In Ephesus trafen sie sich in der Schule eines gewissen Tyranus – Apostelgeschichte 19. In Philippi trafen sich der Kerkermeister mit seiner Familie und alle neuen Gläubigen sehr wahrscheinlich im Haus von Lydia.

Das Neue Testament kennt schlichtweg keine Kategorie für einen Christen, der bewusst außerhalb der Ortsgemeinde lebt.

Nun, leider hört man Menschen immer wieder sagen: »Mitgliedschaft in der Ortsgemeinde ist nicht biblisch.« Habt ihr das auch schon mal gehört oder gedacht? Oder: »Gläubige wurden nicht in einer Mitgliederliste geführt.« Das ist nicht zutreffend. Das Neue Testament macht sehr klar deutlich, dass eine verbindliche Zugehörigkeit zur Ortsgemeinde nicht nur optional ist, sondern sie wird vorausgesetzt.

Schau noch mal in Vers 41, da heißt es: »3000 Seelen wurden hinzugetan.« Vers 47: »Der Herr tat täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.« Kapitel 4, Vers 4: »Viele, die das Wort hörten, wurden gläubig und die Zahl stieg auf etwa 5000.« Menschen kamen zum Glauben und sie wurden hinzugefügt. Es war der Herr, der gerettet hat, aber es war die Gemeinde, die gezählt hat. Die Gläubigen wussten ganz genau, wer ist drinnen und wer ist draußen. Nicht nur die Gläubigen wussten es – sogar die Ungläubigen wussten es.

Nach dem Vorfall von Ananias und Safira in Apostelgeschichte 5 heißt es: »Es kam Furcht über die, die drin waren, über die Gemeinde.« Und dann heißt es zwei Verse später: »Von den übrigen, das heißt von den Ungläubigen, wagte keiner sich, ihnen anzuschließen.« Es waren nicht nur die Gläubigen und nicht nur die Ungläubigen, die wussten, wer drinnen ist und wer draußen ist – das waren sogar die Verfolger der Gemeinde, die wussten, wer dazugehört und wer nicht.

Nun, Gott nimmt Mitgliedschaft sehr ernst und zwar so sehr, dass er jeden Gläubigen mit seinem Geist markiert, könnte man sagen, um deutlich zu machen: Er gehört zu mir. Er ist mein Kind. Wenn Gott im Himmel Buch führt über seine Auserwählten, warum sollten die Gläubigen in der Ortsgemeinde nicht in einer Mitgliedschaftstabelle oder in einer App oder in einer Software geführt werden? Wenn Gott im Buch des Lebens jeden Gläubigen mit Namen hineingeschrieben hat, warum haben Gläubige ein Problem damit, dass in der Ortsgemeinde schriftlich festgehalten wird, wer gläubig ist und wer nicht, wer drinnen ist und wer draußen ist? Schlussendlich will jeder von uns, dass sein Name im Buch des Lebens steht, oder? Das ist die größte Freude, die größte Hoffnung. Nun, Mitgliedschaft zur Ortsgemeinde wird im ganzen Neuen Testament vorausgesetzt.

Die Errettung verbindet den Gläubigen unmittelbar mit der Ortsgemeinde. Das ist so wie wenn du in eine Familie hineingeboren wärst. Dann hast du automatisch Geschwister, ob du willst oder nicht, ob du sie magst oder nicht. Du hast die Geschwister, die schon da sind, und du bekommst die als Geschwister, die noch dazu kommen. Du kannst nicht darüber entscheiden, wer deine Geschwister sein sollen. Es ist ein großer Irrtum zu denken: »Ich glaube für mich persönlich und das reicht.« Nein, der Glaube war nie eine private Angelegenheit.

Das war der Grund, dass Jesus will, dass jeder öffentlich getauft wird. Das ist der Grund, dass du zur sichtbaren Gemeinde hinzugefügt werden sollst. Gläubige sind keine Einzelkämpfer, sondern sie sind zur Gemeinschaft berufen.

Gläubige sind keine Einzelkämpfer – 1. Kor 12,27

Wenn Christus durch die Errettung den Gläubigen mit der Gemeinde verbindet, denkst du, es wäre klüger, gesünder und heilsamer, sich von der Gemeinde wieder zu entbinden? Nicht wirklich. Das ist nicht nur Dummheit, das ist nicht nur Stolz – weil man denkt, ich schaffe es allein, ich brauche die anderen nicht –, sondern das ist Ungehorsam gegenüber dem Herrn.

Es gibt ganz hartnäckige – ich würde sie Gemeindeverweigerer nennen –, die sehr spitz argumentieren und sagen: »Es gibt im Neuen Testament kein Gebot, dass du Mitglied einer Ortsgemeinde sein sollst.« Um ehrlich zu sein, dachte ich das auch sehr lange, aber das stimmt nicht. Wer so argumentiert, der liest Gottes Wort nicht wie ein Verurteilter, sondern wie ein Beurteiler. Wer so argumentiert, der liest Gottes Wort wie ein Richter und nicht wie ein Sünder. Nun, es stimmt schon, diese exakten Worte sind so nicht gebraucht, aber das Neue Testament ordnet eine aktive Zugehörigkeit zur Ortsgemeinde sehr wohl und sehr deutlich an. Der Hebräerbrief 10, Vers 25 macht das deutlich. Dort heißt es, beginnend in Vers 23: »Lasst uns festhalten am Bekenntnis und so weiter.« Vers 24: »Lasst uns aufeinander acht geben.« Und nun Vers 25: Wie? »Indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen« – offensichtlich schon damals –, »sondern einander ermahnen und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht.«

Der Schreiber des Hebräerbriefes hat die Ortsgemeinde vor Augen mit ihren wöchentlichen Gottesdiensten und der Befehl lautet: »Du sollst deine eigene Versammlung der Gläubigen nicht verlassen und nicht vernachlässigen. Du sollst dabei sein, du sollst zugehörig sein, du sollst ein aktives Gemeindemitglied sein.«

Christus hat eine extrem hohe Sicht von der Gemeinde, denn sie ist die Grundfeste der Wahrheit und die Gemeinde repräsentiert ihn. Ihr erinnert euch sicherlich: Als Paulus nach Damaskus reiste, um die Gemeinde zu verfolgen, sagt Jesus: »Saul, Saul, was verfolgst du mich?« Das heißt, Christus identifiziert sich nicht nur mit der Universalgemeinde. Nein, Christus identifiziert sich mit der Ortsgemeinde. Das sehen wir auch in den Sendschreiben sehr deutlich.

Das heißt: Wenn du die Ortsgemeinde verachtest – und vielleicht denkst du, wie verachte ich sie? Ich würde es nie tun. O doch –, wenn du die Ortsgemeinde verachtest, indem du dich ihr nicht anschließt, indem du sie nicht besuchst, indem du dich der Leitung nicht unterordnest, indem du nicht deine Gaben einsetzt und dienst, dann verachtest du das Haupt der Gemeinde, und das ist Christus. Es ist wie wenn du dem Herrn eine Ohrfeige gibst, weil der Herr nicht nur Herr der Universalgemeinde ist, sondern der Herr ist auch das Haupt der Ortsgemeinde.

Nun hört man oft den Einwand: »Das Wort Mitgliedschaft kommt im Neuen Testament gar nicht vor.« Um ehrlich zu sein, das dachte ich auch, und ich habe es auch schon öfter gesagt. Und beim Vorbereiten habe ich festgestellt, dass es gar nicht stimmt. Ihr dürft gerne 1. Korinther 12, Vers 27 aufschlagen. Hier spricht Paulus von der sichtbaren Ortsgemeinde in Korinth. Und er sagt dort folgendes: »Ihr aber seid der Leib des Christus und jeder ist ein Glied daran.« Habt ihr das gesehen? Da steht Glied. Nun, vielleicht sollte man einfach das Wort Gliedschaft benutzen, aber das klingt irgendwie sehr sonderbar. Mitgliedschaft ist tatsächlich das beste Wort, weil es biblisch ist. Paulus gebraucht es. Du willst doch ein Glied am Leib des Herrn sein, oder etwa nicht?

Wenn du Anteil an der Errettung haben willst, wenn du deinen Namen im Buch des Lebens niedergeschrieben haben willst, wenn du ein Glied am Leib des Herrn sein willst, warum weigerst du dich, ein Glied am sichtbaren Leib Christi zu werden? Da ist irgendetwas nicht in Ordnung, weil Christus will, dass du dich sichtbar mit ihm identifizierst.

Im Krankenhaus würde man ein Labor machen. Man nimmt Blut ab, man untersucht es auf Anomalien, auf Krankheitserreger und stellt fest, wo ist die Ursache. Aber wenn du dich einer Ortsgemeinde nicht anschließen willst, dann musst du ganz dringend deine geistliche Gesundheit checken lassen. Vielleicht ist deine Liebe erkaltet. Im schlimmsten Fall bist du gar nicht am Leben. Jemand, der sich im Inneren vom Herrn entfernt, der entfernt sich nach außen hin fast immer gleichzeitig auch von der Gemeinde.

Christus will, dass du dich sichtbar mit ihm identifizierst. Du repräsentierst Christus. Aber was geschieht, wenn du ihn nicht mehr repräsentierst? Was geschieht, wenn deine Errettung gar nicht echt war, sondern vielleicht gefakt? Was geschieht, wenn du nach einer Weile das Wort gar nicht mehr so bereitwillig annimmst?

Gemeindezucht: Drinnen und Draußen – 1. Kor 5

Paulus gibt uns eine Antwort in 1. Korinther 5. Ihr dürft gerne 1. Korinther 5 aufschlagen. Hier korrigiert er einen Missstand in der Gemeinde. Folgende Situation: Da war ein Mann in ihrer Mitte, ein Gemeindemitglied, der in Unzucht lebte. Paulus sagt: »Schlimmere Unzucht wie unter Ungläubigen.« Nun, was war die Ursache? Er hatte die Frau seines Vaters und lebte mit ihr – also eine uneheliche Beziehung, keine Ehe. Und die Gemeinde war sogar stolz darauf, dass sie so tolerant waren. Man könnte meinen, Paulus schreibt dann an eine Gemeinde von heute. Er muss sie scharf zurechtweisen und sagt: »Euer Rühmen ist überhaupt nicht gut. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?« Nun, als Hausfrau will man das ja gerade, aber nicht in der Gemeinde.

Und dann schreibt er ihnen, was richtig wäre, in Vers 4 und 5, und er sagt: »Auch wenn ich abwesend bin und nicht bei euch, habe ich beschlossen, denjenigen dem Satan zu übergeben, zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tag des Herrn Jesus.«

Nun, Paulus spricht damit Gemeindezucht an. Das heißt, einen an der Sünde festhaltenden Gläubigen aus dem Schutzbereich der Gemeinde zu entfernen und ihn dem Herrschaftsbereich Satans dieser Welt zu überlassen. Und das Ziel von Gemeindezucht ist sowohl die Reinheit der Gemeinde – Paulus sagt, den Sauerteig auswägen, damit meint er nicht Sündlosigkeit –, aber auch das Ziel ist schlussendlich die Errettung dieses Mannes. Hoffentlich wird diese Situation dazu führen, dass er Buße tut. Und sehr wahrscheinlich war das tatsächlich der Fall – im zweiten Brief lesen wir davon.

Aber dann sagt Paulus folgendes. Schau in Vers 9 bis 11 und dann Vers 12. Er sagt: »Ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass ihr keinen Umgang mit Unzüchtigen haben sollt.« Und er erklärt: »Und zwar nicht mit den Unzüchtigen dieser Welt überhaupt oder den Habsüchtigen oder Räubern oder Götzendienern, sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen.« »Jetzt aber habe ich euch geschrieben, dass ihr keinen Umgang haben sollt mit jemand, der sich Bruder nennen lässt und dabei ein Unzüchtiger oder Habsüchtiger oder Götzendiener oder Lästerer oder Trunkenbold oder Räuber ist. Mit einem solchen sollt ihr nicht einmal essen.«

Und jetzt kommt die Aussage, auf die ich abziele. Schaut euch Vers 12 und 13 an. Paulus sagt: »Denn was gehen mich auch die an, die außerhalb der Gemeinde sind, dass ich sie richten sollte? Habt ihr nicht die zu richten, welche drinnen sind? Die aber außerhalb sind, richtet Gott. So tut den Bösen aus eurer Mitte hinweg.«

Nun, dieser Abschnitt macht eines deutlich: Es gibt ganz klar ein Drinnen und ein Draußen. Drinnen ist jemand, der in ihrer Mitte ist. Das sind Gläubige. Das sind die, die sich am Tag des Herrn, im Namen des Herrn versammeln. Und Paulus sagt, für die sind wir verantwortlich, sie zu beurteilen: Stimmt ihr Wandel mit ihrem Bekenntnis überein? Und dann sagt er, draußen sind die Ungläubigen. Aber er sagt, nach draußen bewegt man auch jemanden, der sich Bruder nennt, aber nicht wie ein Bruder lebt.

Nun, Frage: Wie kann man jemanden von drinnen nach draußen befördern, wenn es gar kein Drinnen gibt? Es ist unmöglich. Es ist absurd zu sagen, es gibt keine Mitgliedschaft in der Ortsgemeinde. Die Bibel setzt sie voraus, denn die Errettung verbindet den Gläubigen unmittelbar nicht nur mit der Gesamtheit der Gläubigen, sondern auch mit der Ortsgemeinde.

Spurgeon trifft wie immer den Nagel auf den Kopf. Er sagt folgendes – ihr dürft gerne mitlesen:

»Ich weiß, dass es einige gibt, die sagen: ›Nun, ich habe mich dem Herrn hingegeben, aber ich habe nicht vor, mich einer Gemeinde anzuschließen.‹ Ich frage: ›Warum denn nicht?‹ Und sie antworten: ›Weil ich auch ohne Gemeinde ein guter Christ sein kann.‹ Und ich frage: ›Bist du dir da sicher? Kannst du durch Ungehorsam gegenüber den Geboten deines Herrn ein ebenso guter Christ sein wie durch Gehorsam?‹«

Und dann nimmt er einen Ziegelstein und illustriert: »Wozu ist der Ziegelstein da? Er ist da, um ein Haus zu bauen. Es nützt nichts, wenn der Ziegelstein sagt, dass er genau so ein guter Ziegelstein ist, wenn er allein auf dem Boden herumliegt, wie wenn er Teil eines Hauses wäre. Eigentlich ist es ein nichtsnutziger Ziegelstein.«

Und nun kommt seine Schlussfolgerung: »Also ihr Wanderchristen, ich glaube nicht, dass ihr dem Zweck dient, für den Christus euch gerettet hat. Ihr lebt entgegen dem Leben, das Christus von euch erwartet, und ihr tragt einen großen Teil der Schuld für den Schaden, den ihr anrichtet.«

Christus hat jeden Gläubigen seinem Leib hinzugefügt. Das bedeutet, deine Gaben sind wichtig, dein Dienst ist wichtig, deine Anwesenheit ist wichtig, deine Beteiligung an der Gemeinschaft der Gläubigen ist wichtig.

Der Segen der Mitgliedschaft

Nun, die Mitgliedschaft in der Gemeinde ist nicht nur eine Pflicht, die du erdulden musst. Nein, Mitgliedschaft ist eines der größten Geschenke Gottes an jeden Gläubigen. Und wir wollen uns nun im zweiten Teil den Segen der Mitgliedschaft anschauen. Was hat Gott sich ausgedacht, als er an Pfingsten die Gemeinde ins Leben rief? Nun, wir werden sehen, dass Gott deine Zugehörigkeit zu einer Ortsgemeinde als ein wichtiges Mittel der Gnade gebraucht, um dich zu versorgen, dich zu beschützen, dich zur Reife zu führen und mit Freude zu erfüllen.

Gehen wir zurück zu Apostelgeschichte 2, Vers 42. Dort heißt es: »Und sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten.« Und wenn man so weiterliest, dann strotzt dieser Abschnitt voller Freude, von Gemeinschaft, von Wachstum und Anbetung.

1. Geistliches Wachstum durch das Wort

Das erste, was wir hier sehen: Sie blieben beständig in der Lehre der Apostel. Der Segen von Mitgliedschaft ist der Segen von geistlichem Wachstum. Nun, Gott gebraucht allem voran sein Wort, um dich zu ernähren. Insbesondere die Predigt von Gottes Wort, aber es ist auch der Austausch, das Vertiefen und das Anwenden in den Kleingruppen, in den Diensttreffen, in den Hauskreisen, wie wir sie haben. Paulus sagt in Kolosser 3, Vers 16 und 17: »Lasst das Wort reichlich in euch wohnen.« Warum? Weil Gott das als Mittel gebraucht, um uns zum geistlichen Wachstum und zur Reife zu führen. Und Gott gebraucht Anbetung, Gott gebraucht Jüngerschaft, um dich im Glauben wachsen zu lassen. Und in erster Linie ist die Gemeinde der Ort, wo du ernährt wirst, wo du zugerüstet wirst, wo du heranreifst, wo du gestärkt wirst.

Nun, natürlich gebraucht Gott auch den Segen der Universalgemeinde, wie zum Beispiel eine Bibelschule oder viele gute Predigten oder ein Podcast, aber selbst diese dürfen nicht losgelöst von der Ortsgemeinde existieren. Gott gebraucht in erster Linie die Ortsgemeinde, um dich zur Reife zu führen. Und das wollen wir als Gemeinde immer vor Augen haben, ob in den Kleingruppen oder ob in den Diensttreffen. Es geht nie darum, dass wir dienen um des Dienstes willen. Gott verfolgt immer das Ziel, uns zur Reife zu führen.

Und weißt du, das Überraschende ist: Gott gebraucht sogar die Unvollkommenheit deines Bruders und deiner Schwester, um dich zur Reife zu führen. Das ist ungefähr so wie beim Immunsystem deiner Kinder. Es wird gestärkt durch Schmutzkontakt. Wenn du sie immer in eine sterile Umgebung einpackst und alles immer desinfizierst, dann kriegen sie eher Allergien, als dass ihr Immunsystem wächst.

Und so ist die Ortsgemeinde. Die Ortsgemeinde ist nicht vollkommen – nur das Haupt ist vollkommen. Die Ortsgemeinde wird dich enttäuschen. Geschwister werden dich enttäuschen. Die Ältesten werden dich enttäuschen. Und es geschah auch in der Urgemeinde sehr schnell – wenige Kapitel später, wenige Tage oder Wochen später, werden die hellenistischen Witwen bei der Hilfeleistung übersehen, und das führt zu Unzufriedenheit. Aber weißt du, Christus will die Ortsgemeinde gebrauchen, um dich zu schützen, dich zur Reife zu führen, und er will deine Gabe nutzen, um die Gemeinde zu erbauen.

Und Paulus beschreibt, das ist ein Geheimnis, das selbst die Engel versuchen zu verstehen und sie verstehen es nicht. Also können wir es auch nicht verstehen. Aber das Geheimnis ist folgendes: Er sagt, »der Leib erbaut sich selbst durch die unvollkommenen Heiligen.« So unfassbar. Wie kann das geschehen? Das ist das Geheimnis Gottes. Der Geist wirkt, aber der Leib erbaut sich selbst durch die Lehre der Apostel, durch die Gemeinschaft, durch das Verharren im Brotbrechen und in den Gebeten.

Wenn du dich für klüger hältst als Jesus und wenn du dich von dem Segen der Mitgliedschaft entbindest, obwohl Jesus dich verbunden hat, dann schadest du nicht nur dir selbst, sondern du schadest dem Leib des Herrn. Wir müssen Herausforderungen und Widrigkeiten erwarten. Das Gemeindeleben funktioniert so wie deine Muskeln – sie wachsen nur, wenn sie belastet werden und wenn Widerstand da ist. Gemeindeleben funktioniert wie ein Diamant. Er entsteht nicht, wenn man sanft streichelt, sondern er entsteht durch gewaltigen Druck und extreme Hitze.

2. Familiäre Gemeinschaft in Christus

Nun, es geht weiter in dem Abschnitt, und wir werden sehen: Der Segen ist nicht nur Wachstum, sondern der Segen ist familiäre Gemeinschaft. Schaut euch Vers 42 an und die nächsten Verse. Man könnte meinen, die nächsten Verse beschreiben den Himmel auf Erden. Dort heißt es: »Sie waren beständig in Gemeinschaft. Alle Gläubigen waren zusammen. Sie hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften ihre Güter und Besitztümer und verteilten, wie einer bedürftig war. Jeden Tag waren sie beständig und einmütig im Tempel. Sie brachen das Brot in den Häusern, in ihren Hauskreisen oder Kleingruppen. Sie nahmen die Speise mit Frohlocken und Einfalt des Herzens und sie lobten Gott und waren angesehen bei dem Volk.«

Und wir alle wünschen, dort gewesen zu sein, nicht wahr? Und in der Tat, eine gesunde Gemeinde sollte ein Vorgeschmack des Himmels auf Erden sein. Nun, es gibt wirklich Gemeinden, die verdienen den Namen Gemeinde nicht. Jesus sagt zu einer Gemeinde: »Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.« Zu einer anderen Gemeinde sagt Jesus: »Wenn du nicht Buße tust, werde ich den Laden dichtmachen.« Und wisst ihr, was passiert? Sie versuchen mit aller Kraft, den Laden am Laufen zu halten, ohne Buße zu tun.

Nun, eine gesunde Gemeinde ist nicht eine Gemeinde, wo es keine Probleme gibt, sondern eine gesunde Gemeinde ist eine Gemeinde, wo Probleme biblisch gelöst werden. Gott schickt Probleme. Er schickt Druck und Hitze, um uns zu schleifen. Aber eine gesunde Gemeinde ist eine Gemeinde, die sich eng an Gottes Plan hält, eine Gemeinde, die das Wort reichlich unter sich wohnen lässt, um beständig zu wachsen. Eine Gemeinde, die klare Linien hat: Wer ist drinnen, wer ist draußen, wer repräsentiert Christus und wer nicht? Und wo Mitgliedschaft und Gemeindezucht praktiziert wird. Eine Gemeinde ist gesund, wenn sie ein klares Verständnis von Evangelium und Bekehrung hat, wo biblische Leitung existiert, wo nicht hauptsächlich gedient wird, sondern wo wir biblisch dienen in der Frucht des Geistes. Nun, eine solche Gemeinde ist der Vorgeschmack des Himmels. Das wollen wir alle, oder? Das wollen wir alle als Leuchttürme. Und das ist eine Atmosphäre der Gnade. Wir haben Gnade empfangen und wir geben Gnade weiter im Dienen, im Reden, in allem.

Nun, hier ist ein großes Missverständnis. Vers 44 und 45 sagt: »Sie hatten alle Dinge gemeinsam« – nein, das ist nicht christlicher Sozialismus. Später bei Ananias und Safira sehen wir, dass Privateigentum nicht automatisch zu Gemeinschaftseigentum wird. Petrus sagt zu Ananias: »Du hättest dein Grundstück und dein Eigentum behalten können, und selbst als du es verkauft hast, war es in deiner Gewalt. Du musstest es nicht geben.« Das bedeutet, dass Christen auch nicht in einer großen Wohngemeinschaft miteinander wohnen sollen. Das bedeutet auch, dass Christen nicht in eine Kolonie ziehen oder eine Siedlungsgemeinschaft gründen sollen. Nein, sondern was der Text meint, ist: Wir sehen, dass die Gläubigen füreinander Sorge trugen, einander gedient haben, wie es in einer Familie geschieht.

Und das ist ein unglaublicher Segen der Mitgliedschaft. So viele Geschwister sind da, die bereitwillig sind, ihre Gaben einzusetzen, um dir zu dienen. Bist du dir bewusst, wie viele Geschwister dir gedient haben, einfach nur damit du hier sitzt? Du sitzt einfach nur da, aber so viele haben schon investiert und gedient, und wir kriegen es oft gar nicht mit.

Nun, Gemeinde ist der primäre Ort, wo du dienst und wo dir gedient wird. Und Paulus redet den Korinthern sehr ins Gewissen. Sie hatten zwei Sünden begangen. Manche dachten: »Auf mich kommt es nicht an.« Und die anderen dachten: »Ich brauche den anderen nicht. Ich habe mich.« Und deswegen weist er sie scharf zurecht und sagt: »Das Auge kann nicht zur Hand sagen, ich brauch dich nicht.« Wir brauchen einander. Du brauchst die Gaben deines Bruders und deiner Schwester. Und das ist der Segen von familiärer Gemeinschaft – nicht oberflächlicher Gemeinschaft, sondern echter, tiefer Gemeinschaft in Christus. Eine Anteilnahme am Leben. Das ist wie in einer Familie: »Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit. Wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.« Wir helfen einander, die Lasten zu tragen, ob es Herausforderungen sind, ob es Leid und Trauer ist oder Probleme in der Ehe, in der Familie.

3. Schutz vor Irrlehre und Abfall

Und der Segen der Mitgliedschaft geht weiter. Als dritten Punkt sehen wir den Segen von Schutz. Schutz vor Verirrung, Schutz, überhaupt die Ziellinie zu erreichen. Nun, hier in Apostelgeschichte 2 wird dies nicht ausdrücklich hervorgehoben, aber es wird an vielen anderen Stellen in der Apostelgeschichte und in anderen Texten sehr deutlich. Gott gebraucht in erster Linie die Gemeinde, um dich zu beschützen – vor dem Abfallen, damit du dich nicht verirrst, damit du nicht in Irrlehre stolperst und damit du überhaupt die Ziellinie erreichst.

Und Gott gebraucht die Hirten der Gemeinde, um dich zu schützen. In Apostelgeschichte 20, Vers 28, verabschiedet Paulus sich von den Ältesten aus Ephesus. Und er sagt zu ihnen diese bekannten Worte: »So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu hüten, die er durch sein eigenes Blut erworben hat.« Und er macht deutlich: Ihr Ältesten, ihr müsst die Schafe hüten. Aber um die Schafe zu hüten, müsst ihr wissen, welche Schafe denn in dem Stall sind. Welche sind drin und welche sind nicht drin? Gott hat die Ältesten als Hirten über die Ortsgemeinde gesetzt, um die Herde zu behüten. Und Paulus warnt und sagt, da kommen räuberische Wölfe von außen, und Paulus sagt, da werden aus eurer eigenen Mitte Menschen aufstehen und verkehrte Dinge reden – und dafür schützt Gott durch Älteste.

Nun, der Hebräerbrief macht sehr deutlich: Dein und mein Glaubensleben ist nicht ein Sprint über 50 Meter, sondern es ist ein Marathonlauf. Wir laufen, bis wir sterben. Das war der erste Marathon, von dem man sagt, er wäre gelaufen worden. Der Läufer kam nach 42 und ein paar Kilometern an, überbrachte die Nachricht: »Nike, Nike – Sieg, Sieg!« Und er brach zusammen und starb. Und das ist unser Lebenslauf. Wir laufen einen Marathon, bis wir die Ziellinie erreichen. Und die Ziellinie ist der Himmel, wenn wir sterben und die Nachricht überbracht haben oder wenn wir im Himmel angekommen sind.

Und wir werden garantiert müde. Wir brauchen gar nicht zu diskutieren – wir werden müde. Aber weißt du, Gott gebraucht die Mitgliedschaft der Ortsgemeinde, Gott gebraucht die Geschwister, Gott gebraucht die Versammlung am Sonntag, damit du nicht den Mut verlierst, damit du angespornt wirst, die Ziellinie zu erreichen.

Und Hebräer 10 sagt: »Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken. Lasst uns aufeinander acht geben, dass wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken. Indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht.«

Eine der häufigsten Metaphern über Gemeinde und deren Mitglieder ist Herde und Schafe. Und es sind nicht die starken Schafe, die sich von der Herde entfernen, sondern es sind die Unreifen. Es sind oft schwache Christen, die sich Unabhängigkeit wünschen. Reife Christen wissen, wie wichtig die Gemeinde ist. Sie wissen, wie sehr sie die Gemeinde brauchen. Ein Schaf, das sich von der Herde entfernt und eigene Wege geht, ist nicht ein Held, sondern es ist ein dummes Schaf. Es ist ein Schaf, das sich in große Gefahr begibt, weil es sich aus dem Schutzraum der Gemeinde entfernt. Und auch wenn das manchmal in scheinbarer Demut geschieht, ist das anmaßende Arroganz – zu denken: »Ich bin schlauer als Christus. Ich komme alleine ganz gut zurecht und ich brauche die Herde nicht.«

Nun, wenn dieses Schaf, das in die Irre geht, sich nicht von den Unterhirten zurückholen lässt, dann hat der Oberhirte Mittel und Wege – falls es überhaupt sein Schaf ist.

4. Evangelisation

Schauen wir uns kurz noch den letzten Vers an. Da heißt es: »Der Herr tat täglich die zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.« Nun, der Segen von Mitgliedschaft ist nicht nur Wachstum und Gemeinschaft und Schutz, sondern effektive Evangelisation. Dort, wo Mitglieder ihre Verpflichtung ernst nehmen, da geschieht Wachstum. Du kannst nicht alleine effektiv sein und den Missionsbefehl umsetzen. Du brauchst die Gemeinde.

Nun, wenn du sagst: »Ich liebe Jesus, aber ich brauche dafür keine Gemeinde«, dann musst du dir bewusst sein, dass jede glühende Kohle, die vom Feuer isoliert wird, bald an Wärme und Kraft verliert. Die Flamme erlischt und die einzelne Kohle hat keinen Nutzen mehr. Aber wenn die Kohlen zusammen bleiben, dann geben sie eine glühende Hitze ab, weil sie sich gegenseitig nähren.

Mitgliedschaft in der Ortsgemeinde ist notwendig, weil Christus sie geboten hat, aber sie ist viel mehr ein Segen, weil Christus durch sie wirkt. Die Gemeinde wird dich enttäuschen. Auch wir als Gemeinde werden ganz sicher dich enttäuschen. Jede Gemeinde ist eine Gemeinde voller geretteter Sünder, die alle noch in der Heiligung stecken. Aber die Gemeinde ist dennoch der Leib Christi, die Grundfeste der Wahrheit und der Tempel und das Haus Gottes. Und trotz aller Unvollkommenheit gibt es keine Institution auf Erden, die Christus kostbarer ist als die Gemeinde. Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.

Nun, wenn du hier bist und du bist noch nicht gerettet, dann möchte ich dich ermahnen, Buße zu tun. Kehre um, komm zu Christus. Er nimmt dich gerne in seine Herde auf, in seine geistliche Familie. Vielleicht bist du hier und du bist distanziert. Hör auf, am Rand der Gemeinde zu stehen. Werde Teil des sichtbaren Leibes Christi. Und wenn du hier bist und du bist ein treues und hingegebenes Mitglied, dann unterschätze nie, was Gott durch ein gewöhnliches, hingegebenes Gemeindeleben bewegen kann. Es kommt nicht auf deine Glut allein an. Sei dankbar für die Glut deines Bruders, deiner Schwester neben dir. Schätze ihren Dienst, ihren Eifer, ihre Hingabe, und richte deine Augen nicht auf die Herausforderungen – die wird es immer in einer Gemeinde geben –, sondern richte sie auf das, was der Herr durch seine Gemeinde bewirkt.

Die Gemeinde ist kostbar in den Augen des Herrn. Und mögen wir dahin kommen, dass wir die Gemeinde annähernd so sehr lieben, wie Christus sie liebt.

Ich möchte mit Psalm 84 schließen. Mein Gebet ist, dass deine Liebe zum Herrn und zu seiner Gemeinde so beschrieben wird, wie es hier heißt: »Wie lieblich sind deine Wohnungen, oh Herr der Heerscharen. Meine Seele verlangte und sehnte sich nach den Vorhöfen des Herrn. Nun jubeln mein Herz und mein Leib dem lebendigen Gott zu.«

Amen.


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