18. April 2026

Die perfekte Gemeinde, Arbeit, Beziehung …

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Über all dies [zieht an] die Liebe, welche das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede des Christus entscheide in euren Herzen, wozu ihr auch berufen worden seid in einem Leib. Und seid dankbar!
Kolosser 3,14-15 (ESB)

Die perfekte Gemeinde, Arbeit, Beziehung …

Eine junge Frau geht in der Mittagshitze durch einen Ort, bis an die Stelle, wo ein Brunnen steht. Ungewöhnlich die Zeit – normalerweise gingen die Frauen morgens. Als sie dem Brunnen näher kommt, sieht sie einen Mann dort sitzen. Seltsam, er ist einer von einer Gruppe, die uns gar nicht leiden können, denkt sie. Da spricht der Mann sie an: Gib mir zu trinken. Ein Mann, der eigentlich niemals etwas mit ihr zu tun haben will, weil sie in den Augen seines Volkes nichts wert ist, spricht sie an?

Ein Gespräch entwickelt sich. Dann der Schock: Der Mann sagt ihr, sie soll ihren Mann holen. Sie stockt kurz. »Ich habe keinen Mann.«

Recht so, sagt er: »Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesprochen!«

Warum diese Frau sechs Männer hatte, sagt uns die Bibel nicht. Der Herr Jesus, der der Mann an diesem Brunnen ist, spricht sie aber interessanterweise auf eine geistliche Tatsache an, nämlich einen Durst, der nur durch das Evangelium gestillt werden kann. Es ist also gut möglich, dass sie nach Liebe suchte, die sie nie fand.

Nick Freitas, ein Ex-Soldat der bei den Special Forces – den Green Berets – war, sagte einmal:

»Als ich herausfand, dass ich eine Tochter bekommen würde, hatte ich einen Kumpel beim Militär, der ein kompletter Aufreißer war. Ein echter Schürzenjäger. Der ging in den Club, kam mit einer jungen Frau zurück und machte das immer wieder aufs Neue. So war der drauf.

Ich erinnere mich, wie ich ihn fragte: ›Wie erziehe ich meine Tochter so, dass sie Typen wie dich meidet?‹ Er hat das sportlich genommen, schaute mich an und sagte: ›Sag deiner Tochter, dass du sie liebst.‹ Und er erklärte weiter: ›Denn wenn du es nicht tust, wird es irgendein Typ wie ich tun – und sie wird es glauben. Versteht das, Männer: Ein Aufreißer erkennt eine gebrochene Tochter auf einen Kilometer Entfernung. Er sieht die Vaterprobleme sofort. Mir war es immer sehr wichtig, meinen Töchtern Liebe zu zeigen – nicht nur durch das, was ich ihnen gebe oder die Zeit, die ich mit ihnen verbringe – sondern es auch auszusprechen.‹«

Frauen, die nach Liebe bei Männern suchen und sie nicht finden. Und dann gibt es den Mann, der sich einfach nur danach sehnt, mal in Frieden nach Hause zu kommen. In den Sprüchen steht schon:

»Eine rinnende Dachtraufe an einem Regentag und eine zänkische Frau, die gleichen sich.« (Sprüche 27,15)

»Besser ein trockener Bissen mit Ruhe als ein Haus voll Opferfleisch mit Streit!« (Sprüche 17,1)

Wie viele können davon ein Lied singen und sehnen sich danach, dass endlich Ruhe und Frieden ist. Oder der, der auf seiner Arbeit nur im Stress mit seinem Chef ist, ständig knallen die beiden aufeinander. Kein Frieden.

Und dann wiederum in der Gemeinde. Vielleicht bist du irgendwann zu dem Punkt gekommen, dass du keine einzige Gemeinde finden kannst, wo du dich wirklich wohlfühlst. Überall dasselbe: keine Liebe untereinander, Streitigkeiten – mal offen, aber oft nur schwelend – und dann eine durchgehende Undankbarkeit. Du willst einfach nur eine Gemeinde finden mit anderen, die einander lieben, wo Frieden ist und wo man wenigstens ein wenig dankbar ist.

Genug Leute kommen dann irgendwann zu dem Punkt, dass sie nirgendwo mehr hingehen. »Einzelkämpfer Gottes«. Und es gibt noch viele Bereiche, wo diese Dinge vorkommen. Die Arbeit, die dir langsam schwerfällt, weil du schon lange kein »Danke« mehr gehört hast. »Nicht geschimpft ist gelobt genug.« Und es macht dir zu schaffen.

Kennst du eine dieser Situationen? Geht es dir so wie der Frau am Brunnen? Suchst du nach Liebe und bekommst sie nirgends? Vielleicht bist du sogar genau wie diese Frau. Du hast viele Beziehungen gehabt und bist leer zurückgeblieben. Du hast auf Liebe gehofft, aber keine bekommen. Jetzt hörst du zu und fühlst dich innerlich leer.

Oder hast du in deiner Familie nie gehört, dass man dich liebt, dass man dankbar ist? Es war und ist nie genug. Oder es ist nie wirklich Frieden zu Hause? Oder es ist immer nur Kampf und Streit mit den Kindern. Es fühlt sich an wie in einem Wespennest – ständig laut, schwierig, und gefühlt wird man andauernd gestochen.

Vielleicht sitzt du auch hier und fragst dich, wann du endlich eine Gemeinde und Christen findest, wo du dich wohlfühlen kannst. Wo man dich wirklich liebt. Wo endlich diese Streitigkeiten aufhören. Eine Gemeinde, die besser ist oder so ist, wie du dir es vorstellst.

Vielleicht bist du in deiner Ehe, Arbeit, Familie und in der Gemeinde enttäuscht. Und auch wenn du es nicht so aussprechen würdest: Du suchst nach dem verlorenen Paradies, nach der perfekten Beziehung, der perfekten Arbeit, der perfekten Familie, der perfekten Gemeinde. Du bist mit diesem Gedanken sicherlich nicht allein. Manche ertragen es einfach den Rest ihres Lebens – langsam werden sie immer mehr verbittert. Aber Hauptsache durchgehalten.

Andere wiederum wechseln Gemeinden, Beziehungen und auch Ehen regelmäßig, immer auf der Suche nach dem Besseren, nach dem, was endlich passt. Wieder andere werden traurig, zynisch oder stumpfen einfach ab.

Wenn der Titel lautete: »Die perfekte Gemeinde, Beziehung, Arbeit …«, dann würden die einen sagen: Das gibt es nicht, ich muss mit dem leben, wie es ist. Und die anderen würden ihr Leben lang danach suchen. Aber was ist, wenn dieser Satz noch ganz anders vervollständigt werden könnte? Denn das, was wir im Kolosserbrief sehen, zeigt uns eine andere Richtung auf.

Wisst ihr, was uns Paulus im Kolosserbrief aufzeigt? Die perfekte Gemeinde, Arbeit, Beziehung … startet bei dir – mit dem Evangelium.

Schlagt bitte Kolosser Kapitel 3 auf. Wir werden heute in Kapitel 3, Verse 13–14 sehen, wie das Evangelium für Liebe, Frieden und Dankbarkeit sorgt und wie es Beziehungen durch dich nachhaltig verändert. Und vor allem: Wie es die Berufung ist, die wir als Gemeinde ausleben sollen.

Wir lesen Kolosser 3,1–14:

»Wenn ihr nun mit Christus auferweckt worden seid, so sucht das, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, offenbar werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht, die Götzendienst ist; um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams; unter ihnen seid auch ihr einst gewandelt, als ihr in diesen Dingen lebtet. Jetzt aber legt auch ihr das alles ab – Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, hässliche Redensarten aus eurem Mund. Lügt einander nicht an, da ihr ja den alten Menschen ausgezogen habt mit seinen Handlungen und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis, nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat; wo nicht Grieche noch Jude ist, weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit, noch Barbar, Skythe, Knecht, Freier – sondern alles und in allen Christus. So zieht nun an als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut; ertragt einander und vergebt einander, wenn einer gegen den anderen zu klagen hat; gleichwie Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Über dies alles aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.« (Kolosser 3,1–14)

In den vergangenen Predigten haben wir uns schon sehr ausführlich mit dieser Thematik beschäftigt. Um das Kapitel bis hierher kurz zusammenzufassen: In Kapitel 2 werden wir vor der Gefahr der Philosophie gewarnt, wie sie uns von dem Evangelium abbringen wird. Dann ab Kapitel 3 geht es um die Erinnerung daran, was Christus mit uns getan hat, wie er uns von Neuem geboren hat. Dann werden wir aufgefordert, Sünden zu töten und abzulegen und stattdessen Frucht des Geistes anzuziehen – alles das im Angesicht von Beziehungen, die durch dieses Christusähnliche Leben und Vergebung wiederhergestellt werden und im wahrsten Sinne des Wortes anfangen zu florieren wie eine Wildblumenwiese im Sommer.

Und schaut euch doch mal um: Ist das nicht genau das, woran wir immer wieder erinnert werden müssen? Ist es nicht so, dass diese Welt auf jeder erdenklichen Ebene der Beziehungen einem von Wildschweinen zerrissenen Acker gleicht? Es fängt weltpolitisch an mit Machthabern, die sich buchstäblich bekriegen, und es geht bis ins Kleinste, wo Kinder sich hässlichste Worte an den Kopf schmeißen. Gemeinden werden zerrissen und bekriegen sich leise oder ganz offen. Ist das nicht die Realität, in der wir leben?

Aber, ihr Lieben, es gibt Hoffnung. Und Hoffnung meine ich hier nicht als eine christliche Worthülse – es ist genau das, was die Bibel sagt. Es gibt echte Hoffnung, und zwar durch das Evangelium. Das Ziel ist, euch durch den Bibeltext aufzuzeigen, dass »die perfekte Gemeinde, Arbeit, Beziehung … bei dir startet – durch das Evangelium«. Paulus zeigt uns das in den Versen 13 und 14 durch drei Begriffe auf, die deutlicher nicht sein könnten: Liebe, Frieden und Dankbarkeit.

Sind das nicht drei Dinge, die wir uns alle in jedem Bereich wünschen? Echte Liebe, völligen Frieden und überschwängliche Dankbarkeit? Aber wie ist das möglich?

Liebe – das Band der Vollkommenheit

»Über dies alles aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.« (Kolosser 3,14)

Nachdem wir daran erinnert wurden, die hässlichen Sünden wie Hurerei, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust, Habsucht, Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schlechtes Reden und Lügen abzulegen und stattdessen herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut und Langmut anzuziehen und gegenseitig zu vergeben, wenn Streit ist, sollen wir in Vers 14 darüber die Liebe anziehen.

Die Liebe ist hier sozusagen das oberste Kleidungsstück, das alles wirklich zusammenhält. Ihr könnt euch das so vorstellen: Bis hierhin ist Paulus ins Detail gegangen, wir haben uns jeden Aspekt dieses Kleidungswechsels angesehen. Aber in den Versen 14 und 15 geht er nun heraus, er zoomt sozusagen weg und gibt das ganz große Bild. Und ohne dieses große Band, wie er es hier beschreibt, ist alles das andere, was vorher kam, nicht möglich.

Aber was ist eigentlich diese Liebe, und wie kannst du sie anziehen? Schaut nochmal in eure Bibel und geht mit dem Finger nur ein paar Verse zurück zu Vers 12. Seht ihr, dass dort das Wort Liebe nochmal vorkommt? Wie wird es da beschrieben? Er sagt: Zieht an als Geliebte! Seht ihr das?

Und hier kommt der wichtigste Punkt: Du kannst nur lieben, wenn du geliebt bist. Du kannst nur lieben, wenn du von Gott geliebt bist. Du kannst nur lieben, wenn die Liebe Gottes in dir ist.

An dieser Stelle möchte ich mit einer Aussage aufräumen, die in der Christenheit weit verbreitet ist. Man ist der Ansicht, dass jeder gleich geliebt ist und die Liebe Gottes in jedem ist. Das ist falsch. Die Bibel beschreibt einen sehr klaren Unterschied zwischen Menschen, in denen die Liebe Gottes ist, und Menschen, die Feinde Gottes sind.

Der Herr Jesus selbst spricht zum Beispiel zu den ungläubigen Pharisäern und Schriftgelehrten:

»Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir Zeugnis geben. Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen. Ich nehme nicht Ehre von Menschen, aber bei euch habe ich erkannt, dass ihr die Liebe Gottes nicht in euch habt.« (Johannes 5,39–42)

Oder in 1. Johannes 2,15:

»Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm.«

Und der Herr Jesus selbst sagt in Johannes 15,10:

»Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, gleichwie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe geblieben bin.«

Allein diese wenigen Stellen machen unmissverständlich klar: Jeder, der nicht an Jesus Christus als seinen Retter und Herrn glaubt, in dem ist die Liebe Gottes nicht. Du bist verloren, du bist sogar ein Feind Gottes. Römer 1 zeigt auf, dass der Zorn Gottes vom Himmel her über die offenbart wird, die in Gottlosigkeit leben. Und du kannst auch nicht so lieben, wie die Bibel es aufzeigt. Denn dein Leben dreht sich um dich selbst. Die Liebe, die die Bibel beschreibt, ist eine völlig selbstaufgebende Liebe, die nur den anderen im Blick hat und für ihn bis zum Äußersten geht, ohne eine Erwartung auf eigennützigen Gewinn.

Es kann gut sein, dass du heute Morgen hier sitzt – vielleicht schon oft. Nach außen sieht fast alles nach Christ aus, aber du bist nicht gerettet, nicht bereit, dein Leben aufzugeben und Christus dem Retter zu vertrauen. Lieber suchst du Liebe überall sonst: durch deine Werke, anderen zu gefallen, vielleicht sogar Gott zu gefallen. Vielleicht auch bei Männern und Frauen, durch deine Eltern, deinen Ehepartner. Vielleicht auch hier – die anderen sollen dich endlich mal richtig lieben, wie du es verdient hast.

Das größte Problem ist aber nicht, dass andere dich nicht lieben. Lass mich da sehr klar sein: Das ist nicht das Problem. Dein größtes Problem ist, dass du nicht mit »Geliebte« von Gott gemeint bist.

Aber! Gott ist Liebe. Und das ist deine einzige Hoffnung. Hör auf, nach Liebe zu greifen auf dieser Welt, die dann doch wie Rauch zwischen deinen Fingern verschwindet und nicht hält. Es hinterlässt dich nur leer, wie diese Frau am Anfang. Du brauchst ein Wasser, das nie wieder durstig macht. Du brauchst die Liebe Gottes. Aber die gibt es nicht auf dem Weg, den du wählst, sondern nur auf dem Weg, den Gott anbietet. Der Weg ohne Gott ist lieblos. Auch wenn an jeder Ecke angeblich die erfüllende Liebe zu bekommen ist, ist es wie Salzwasser trinken: Mit jedem Schluck wird der Durst mehr, aber nie gestillt.

Und weißt du was? Die Kolosser, das sind echte Menschen gewesen, die vor vielen Jahren in Kolossä lebten. Die waren genau wie du. Die waren entfremdet und Feinde Gottes. Die haben viele böse Werke getan. Sie waren nicht mit Gott versöhnt, sie waren völlig verloren und ohne Hoffnung – genau wie du, unterwegs ins ewige Verderben.

Aber weißt du was? Gott, der Retter-Gott, hat diese Menschen gerettet. Und weißt du, wie die auf die gute Botschaft aufmerksam geworden sind? Sie haben von der Hoffnung gehört, die im Himmel aufgehoben ist, weil sie durch das Evangelium davon gehört haben. Denn der Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, der jede deiner Zellen bewusst geschaffen hat, der diese Welt aktiv am Laufen hält durch das Wort seiner Macht, der Herrscher über alles ist – dieser Gott wurde Mensch und kam auf diese Erde, um für seine Feinde zu sterben und dabei stellvertretend für Sünder deren komplette Schuld und Rebellion zu tragen und dafür von dem heiligen und gerechten Gott gerichtet zu werden. Er hat den Platz im Gericht eingenommen, den du verdient hast. Er, Jesus Christus, hat sich an der Stelle von Sündern richten lassen.

»Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.« (Römer 5,8)

Und so drängt uns die Liebe des Christus, und so rufen wir dir zu: Lass dich versöhnen mit Gott! Denn wenn du zu ihm kommst, wird er dich von aller Schuld befreien und mit sich versöhnen. Du wirst dann für alle Ewigkeit heilig und tadellos vor ihm sein. Das ist die Hoffnung des Evangeliums, das ist die Botschaft, die eine lieblose, verhasste Welt hören muss. Das ist, was du hören musst, denn es ist deine einzige Chance, deine einzige Hoffnung auf Rettung.

Und wisst ihr was? Das macht uns zu Geliebten. Und ich muss auch jeden Christen ermahnen: Lasst uns das niemals vergessen, weshalb wir Geliebte Gottes sind. Vergiss nie, dass genau das mit dir passiert ist.

Denn wenn du gerettet bist, was soll dich dann von der Liebe Gottes trennen? Nichts kann davon trennen. Wenn er dich gerettet hat, dann liebt er dich. Und wenn du jetzt im Herzen mit »Weil ich …« antwortest, hast du ein großes Problem. Denn warum liebt Gott dich? Weil er alles dafür getan hat und nichts, aber auch gar nichts mehr dafür getan werden muss. Wenn Christus dich gerettet hat, dann bist du heilig, rein und tadellos vor Gott. Die Liebe Gottes ist dann in dein Herz ausgeschüttet.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir das verstehen. Diese Liebe in Kolosser 3,14 können nur Geliebte anziehen. Sie kommt durch Christus, der in uns lebt – es ist eine direkte Frucht des Geistes. Aber warum warnte uns Paulus vorher noch vor Sünde? Weil dort, wo Gesetzlosigkeit überhandnimmt, die Liebe erkaltet. Die Liebe hasst das Böse und hält am Guten fest.

»Darin besteht die Liebe – nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden.« (1. Johannes 4,10)

Das Evangelium ist nicht nur für den Ungläubigen, der es so dringend hören muss. Es ist auch für dich. Denn worin besteht die Liebe? Nicht darin, dass du Gott geliebt hast! Nein – er hat uns geliebt und seinen Sohn nicht verschont.

Und seht ihr jetzt, was diese Liebe, die wir über alles andere anziehen sollen, damit zu tun hat? Gott selbst ist Liebe, und er zeigt seine Liebe dadurch, dass er seinen Sohn gab, als wir noch Sünder waren, als wir noch seine Feinde waren. Es war kein Entgegenkommen von uns vorhanden. Diese göttliche Liebe sollen wir anziehen. Und sie ist das Band der Vollkommenheit. Die Gnostiker meinten, die Erkenntnis sei das Band der Vollkommenheit – aber damit lagen sie so falsch.

Es geht hier darum, in allen diesen Dingen die volle Reife des Christen auszuleben:

»… bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus.« (Epheser 4,13)

Denn die Liebe durchdringt alle anderen Tugenden, die bis hierher aufgezeigt worden sind. Und jetzt wird es interessant. Oft sagt man ja: »Ich liebe den Herrn Jesus, und für ihn mache ich alles – nicht für die anderen.«

Wenn man sich im Neuen Testament anschaut, wie die Schreiber das verwenden, fällt auf, dass sie ganz oft einen bestimmten Zusammenhang herstellen: Glaube an Jesus und Liebe zu allen Heiligen. Es wird besonders oft darauf Bezug genommen, dass man die anderen liebt – und sehr selten wird das direkt auf Jesus bezogen, sondern auf andere Menschen.

  • Joh13,35 Daran wird man sie erkennen an liebe UNTEREINANDER
  • Röm13,10 Liebe tut dem NÄCHSTEN nichts böses
  • Röm14,15 BRUDER um Speiße betrübt = keine Liebe
  • 1Kor13 langmütig, kein Neid, gütig, kein Prahlen…
  • 1Kor16,14 lasst ALLES in Liebe geschehen
  • 2Kor2,4 Sie sollten liebe des Paulus zu IHNEN erkennen
  • 2Kor2,8 Liebe gegen den AUSGESCHLOSSENEN walten lassen
  • 2Kor8,8 Erprobung der Liebe zu ANDEREN
  • Gal5,13 sollen durch Liebe DIENEN
  • Eph1,15 Liebe zu ALLEN HEILIGEN
  • Eph4,2 EINANDER in Liebe ertragen
  • Phil2,2 GLEICHE Liebe habend
  • Kol1,4 Liebe zu ALLEN HEILIGEN
  • 1Th1,3 BEMÜHUNGEN in der Liebe
  • 1Th3,12 Liebe ZUEINANDER und zu ALLEN
  • 1Th5,13 SIE noch mehr in Liebe achtet
  • 2Th1,3 Liebe ALLEN gegenüber nimmt zu
  • Philm5 Liebe gegen ALLE HEILIGEN
  • Hebr 6,10 Werk und Bemühungen der Liebe INDEM den HEILIGEN dient und dientet
  • 1Petr4,8 hab innige Liebe UNTEREINANDER
  • 1Joh3,17 Wer Güter hat, BRUDER NOTLEIDEN, Herz verließt = kein Liebe in IHM

Und manchmal wird es direkt so benannt als: Glaube an Gott und Liebe zu den Heiligen.

Warum denkt ihr legt Gott besonderen Wert darauf, das durch sein Wort so klar zu machen? Ich denke, es ist aus einem einfachen Grund. Es ist der Grund, warum es sicherlich vielen so geht, dass sie denken: Ich liebe Jesus, aber nicht meinen Mann. Ich liebe Jesus, aber nicht meine Frau. Ich liebe Jesus, aber nicht meine Eltern. Ich liebe Jesus, aber nicht meine Gemeinde. Ich liebe Jesus, aber nicht die Leitung. Ich liebe Jesus, aber nicht meine ungläubige Familie … Halt! Wo steht, dass wir die Regierung lieben sollen?

»Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen.« (Matthäus 5,43–44)

Warum also fällt es uns viel leichter zu sagen, dass wir Jesus lieben, aber nicht den Nächsten, der im besten Fall nur schwierig ist und vielleicht wie eine eklige Dornenhecke in unserem Leben steht? Erstens kann es sein, dass du nicht wirklich weißt, was es heißt, Jesus zu lieben. Aber viel eher ist das Problem: Der Herr ist wirklich perfekt. Er ist ohne Sünde und hat uns nur Gutes getan. Aber warum macht uns der Herr selbst mit so großer Deutlichkeit klar, dass wir den Nächsten und sogar den Feind lieben sollen? Warum steht Kolosser 3,14 direkt nachdem er uns aufgefordert hat, gnädig zu vergeben? Weil es genau da schwer wird. Wenn du in der Gemeinde jemanden hast, der wirklich schwierig ist, dann ist es so viel einfacher zu sagen: »Ich liebe den Herrn, und für ihn mache ich alles.« Aber die und die Person … puh.

Denn diese Liebe Gottes, die in uns ausgegossen wurde und die dieses Band der Vollkommenheit ist, ist eine Liebe, die Feinde lieben kann. Der Vers in Matthäus geht nämlich weiter:

»… damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel seid. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Machen es nicht auch die Zöllner ebenso? Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist!« (Matthäus 5,45–48)

Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Das ganze Ziel, das Paulus mit dem Brief hat, ist welches? Dass die Gläubigen dem Herrn würdig wandeln und in jedem Werk gute Frucht bringen und wachsen. Und das ist, was er hiermit aufzeigt. Denn diese Liebe, die alle vorherigen Punkte zusammenschnürt, ist eine Liebe, die Gott dir durch das Evangelium schon aufgezeigt hat.

Er selbst hat dich aus Liebe gerettet und von jeder Sünde und jeder Anklage befreit, die gegen dich stand. Und jetzt bist du, der Empfänger der größten Liebe des Universums, jemand geworden, der diese Liebe weitergeben darf. Und diese Liebe kommt gerade in schwierigen Beziehungen zum Tragen. Darin ist sie ein Förderer von Einheit.

Vielleicht denkst du über das Wort »vollkommen« nach. Es bedeutet »vollständig gemacht« oder »zu Ende geführt«. Und genau das ist das Ziel mit dieser Liebe – denn es ist diese vollkommene Reife, dieses Band der Vollkommenheit.

Die perfekte Gemeinde, Arbeit, Beziehung … startet bei dir – durch das Evangelium. Warte nicht, bis der andere … Nein. Wenn du gerettet bist, ist deine Aufgabe, diese Liebe anzuziehen, denn sie ist das Band, das Einheit schafft und dich Christus ähnlich macht. Lege jede Gesetzlosigkeit ab, denn sie lässt deine Liebe erkalten. Und du musst dich mit dem Evangelium beschäftigen, denn das ist, was das Feuer der Liebe Gottes in deinem Herzen so richtig entfachen wird.

Wenn du mehr und mehr verstehst, was Gott mit dir gemacht hat und wie verdorben du gewesen bist und dass du nichts davon verdient hattest, dann wird deine Liebe mehr und mehr anwachsen. Und worin wird sie sichtbar? Indem du sie in der Gemeinde auslebst und gerade in schwierigen Beziehungen.

Denn das Evangelium ist dieses lebendige Wasser, das unseren Durst stillt und die selbstzentrierte, egoistische Suche nach Liebe von anderen beendet. Es wird die Suche nach immer besseren und perfekteren Geschwistern in der Gemeinde beenden, nach Geschwistern, die so sind, wie du es dir vorstellst – denn du wirst durch das Evangelium verstehen, wie weit du selbst einst von Gott entfernt warst.

Folgende Geschichte wird George Whitefield zugeschrieben: Obwohl George Whitefield in einigen theologischen Fragen nicht mit John Wesley übereinstimmte, achtete er darauf, in der Öffentlichkeit keine Konflikte zu schüren, die dazu genutzt werden könnten, die Verkündigung des Evangeliums zu behindern. Als jemand Whitefield fragte, ob er glaube, Wesley im Himmel wiederzusehen, antwortete Whitefield:

»Ich fürchte nein, denn er wird dem ewigen Thron so nahe sein und wir so weit entfernt, dass wir ihn kaum erblicken werden.«

(Wycliffe Handbook of Preaching and Preachers, W. Wiersbe, Moody Press, 1984, S. 255)

Und so schließt sich hier ein Kreis, denn Paulus beginnt den Brief womit?

»Wir danken dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, indem wir allezeit für euch beten, da wir gehört haben von eurem Glauben an Christus Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, um der Hoffnung willen, die euch aufbewahrt ist im Himmel, von der ihr zuvor gehört habt durch das Wort der Wahrheit des Evangeliums.« (Kolosser 1,3–5)

Und seht ihr, wie hier genau das Prinzip aufgezeigt wird? Paulus dankt Gott, weil sie vom Glauben an Jesus und von der Liebe zu allen Heiligen gehört haben. Nochmal: Liebe geht nur mit Glauben an Jesus. Aber warum haben sie Liebe zu allen Heiligen – und dort steht wirklich alle? Weil sie sich an das Evangelium erinnern, an die Hoffnung, die ihnen durch das Evangelium verkündet wurde.

Willst du die perfekte Gemeinde, Ehe, Familie, Arbeit – was auch immer? Es fängt bei dir an. Such nicht bei den anderen, sondern zieh diese Liebe als Geliebter an.

Frieden – der Schiedsrichter im Herzen

Wie oft sehnen wir uns nach Frieden. In unserer jetzigen Zeit kann man sogar wieder sagen, dass ein Großteil der Welt nach Frieden seufzt und ihn sich herbeisehnt. In den Schlagzeilen liest man es im Moment so oft: Gibt es einen Friedensdeal?

»Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen; zu diesem seid ihr ja auch berufen in einem Leib; und seid dankbar!« (Kolosser 3,15)

Hier fällt direkt etwas auf: Dort steht nicht »Regiert ihr in Frieden.« Wir sind schon fast im Passiv, denn etwas ganz anderes soll in uns regieren: Christus selbst. Aber warum ist das wichtig? Wenn wir uns nochmal an das Evangelium erinnern, dann ist es hier wieder ausschlaggebend.

Wer warst du denn? Du warst ein Feind Gottes, und Gott stand in Feindschaft dir gegenüber. Es war Krieg zwischen Gott und dir. Echter Krieg – und ein viel schlimmerer und vernichtenderer als jeder Krieg gerade auf dieser Welt. Denn diese Kriege können nur unsere Körper vernichten. Aber Gott wirft jeden seiner Feinde in die Hölle zur ewigen Verdammnis. Das ist eine ganz andere Dimension von Krieg.

Und wenn du noch nicht gerettet bist, dann steht der allmächtige Gott dir als Feind gegenüber. Und er ist ein Heerführer, mit dem nicht zu spaßen ist. Es nützt dir gar nichts, wenn du jeden Sonntag hier sitzt und vielleicht gläubige Eltern hast. Es nützt dir nichts, wenn du nach außen versuchst, gut dazustehen.

Gott kennt dein Herz, jede einzelne Lüge, auch wenn du sie noch so gut versteckt hast, jeden Gedanken, in dem du etwas von jemandem beneidet hast, jeden Fluch in deinem Herzen – alles das kennt Gott, und er führt Buch. Und er hasst Sünde, denn Gott ist heilig und gerecht. Jede Sünde ist nämlich zutiefst ein Angriff auf ihn, der Liebe und Heiligkeit ist. Es ist nicht nur Sünde gegen einen Menschen oder nur in deinen Gedanken, sondern ein Frontalangriff auf den Herrscher von Leben und Tod. Und Gott wird richten, denn er ist der gerechte Herrscher dieser Welt. Und du wirst diesem Gericht nicht entfliehen können.

Vielleicht denkst du: »Ach, ich hab noch Zeit. Ich werde erst mal 18. Ich werde erst mal erwachsen. Ich werde erst mal umziehen. Ich werde erst mal …« In meiner Zeit im Rettungsdienst habe ich einige Tote gesehen. Einige wussten, dass sie bald sterben würden. Die anderen nicht – sie wurden, wie man so schön sagt, aus dem Leben gerissen. Aber es kann auch sein, dass Jesus heute noch wiederkommt. Und er wird Gericht halten.

Was solltest du also tun?

»Auch euch, die ihr einst entfremdet und feindlich gesinnt wart in den bösen Werken, hat er jetzt versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und tadellos und unverklagbar darzustellen vor seinem Angesicht.« (Kolosser 1,21–22)

Wer hat was getan? Gott ist es, der versöhnt. Du kannst dich nicht selbst versöhnen, aber Gott ist ein Retter-Gott und er ist fähig, dich mit sich selbst zu versöhnen. Warum? Weil sein Sohn Jesus Christus das getan hat, was du niemals tun kannst: Er hat für die Schuld bezahlt – für jede einzelne Sünde.

Lass dich versöhnen mit Gott! Bete zu ihm, dass er dich rettet und aus einem Feind ein geliebtes Kind macht. Denn er ist derjenige, der Frieden stiftet – Jesus Christus, der Friedefürst.

Und dieser Friede des Christus, ihr Lieben, soll in unseren Herzen entscheiden. Denn wenn Streit und Unfrieden da sind, können wir zwei Dinge machen: Wir können in unser inneres Gartenhaus gehen und den Benzinkanister hervorholen, um das Feuer des Streits so richtig einzuheizen. Darin sind wir meistens sehr gut. Und es ist schon interessant: Wenn der Sprit 2,20 € kostet, überlegen die meisten zwei- oder dreimal, ob sie tanken. Aber Benzin auf das Feuer von Konflikten zu schütten – da scheint der Preis meist völlig egal zu sein.

Genau aus diesem Grund soll der Friede des Christus in unseren Herzen entscheiden. Das Wort, das hier gebraucht wird, bedeutet so viel wie »Schiedsrichter sein« oder »den Kampfpreis erteilen«.

Und jetzt schaut nochmal weiter in Vers 15: »… zu diesem seid ihr ja auch berufen in einem Leib.« Das Wort »einem« ist im Griechischen betont. Es betont also gerade die Einheit der Gläubigen.

William MacDonald schreibt in seinem Kommentar zum Neuen Testament dazu:

»Christus hat uns berufen, seinen Frieden zu genießen, sowohl als einzelne Personen als auch in der Gemeinde. Man sollte nicht die Bedeutung des zweiten Teiles dieses Verses übersehen: ›… zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib.‹ Wir könnten den Frieden auch genießen, indem wir in Isolation von allen anderen Christen lebten. Doch das ist nicht Gottes Ziel. Er hat den Einzelnen in die Familiengemeinschaft eingebunden. Es ist Gottes Absicht, dass wir uns in Ortsgemeinden sammeln. Obwohl das Zusammenleben mit anderen Christen manchmal unsere Geduld erproben kann, so kann doch Gott auf diese Weise Tugenden im Leben des Christen entwickeln, die er auf keine andere Weise hervorbringen könnte. Deshalb sollten wir nicht von unserer Verantwortung in der Ortsgemeinde zurückschrecken, noch sie aufgeben, wenn wir gereizt oder herausgefordert werden. Wir sollten stattdessen versuchen, in Frieden mit unseren Mitgläubigen zu leben und ihnen mit allem, was wir tun und sagen, zu helfen.«

Und das ist wieder sehr spannend. Was ist oft die Reaktion in der Gemeinde, aber auch in Familien? Menschen fliehen aus der Situation. Ich spreche hier nicht davon, dass es auch biblisch Momente gibt, wo Flucht angesagt ist. Aber ich habe Menschen kennengelernt, die von einer Gemeinde zur nächsten gewechselt haben und nie eine richtige dabei war. Andere von einer Arbeitsstelle zur nächsten, denn immer war hier etwas schlecht, da Stress. Andere wiederum von einer Beziehung zur nächsten – immer waren die anderen das Problem. Gerade im christlichen Bereich gibt es so viele sogenannte Einzelkämpfer, die meinen, dass es ja keine Gemeinde gäbe, wo man sie verstehen könnte.

Uns Christen hat der Herr aber zu etwas ganz anderem berufen. Die perfekte Gemeinde, Ehe, Familie, Arbeit … startet bei dir, nämlich durch das Evangelium. Gott hat dich mit sich selbst versöhnt. Du bist jetzt sein Kind. Und es ist sein Friede, der in deinem Herzen entscheiden soll.

Was also, wenn es schwierig wird? Erinnere dich an das Evangelium. Und das gilt wieder: Wenn wir das Evangelium, diese so gute Botschaft, durchgehen, dann ist es nichts, was ausschließlich für jeden ist, der hier gerade sitzt und nicht gläubig ist. Nein! Es ist für dich, ob du frisch oder schon ganz lange gläubig bist. Du musst das hören und verinnerlichen, denn du hörst so viel falsches Evangelium jeden Tag durch Wort und Tat. Und diese Botschaft, diese Hoffnung, dass Gott dich mit sich versöhnt hat – sie erinnert dich daran, dass dieser Christus in dir lebt und sein Friede gerade in den schwierigen Herausforderungen Schiedsrichter in deinem Herzen sein soll.

Wenn du dich fragst, ob der andere es schlecht oder gut mit dir meinte – wie ist wohl das Ergebnis, wenn der Friede des Christus in deinem Herzen entscheidet? Wenn jemand eine Entscheidung ganz anders treffen möchte als du es für richtig hältst und es keine Sünde ist – wie wird wohl das Ergebnis im Herzengericht ausfallen, wenn der Friede des Christus entscheidet? Wenn du über einen Satz, den deine Frau gesagt hat, innerlich entscheiden musst, wie sie ihn dir gegenüber gemeint hat – wie entscheidet da der Friedefürst?

Zieh die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist. Und lass den Frieden des Christus in dir entscheiden, weil wir zu einem Leib berufen sind. Die Gemeinde ist Gottes Plan, und sie soll nicht zerteilt sein durch unsere Brandbeschleuniger.

Dankbarkeit – die Grundhaltung des Erlösten

Paulus ruft uns am Ende von Vers 15 noch zur Dankbarkeit auf. Und ich denke, damit schließt er dieses vollständige Paket so gut ab.

Wenn du kein Christ bist, wenn du nicht gerettet bist, wenn du ein Sünder bist, dann ist einer der Hauptgründe dafür eine riesige Sünde, die du ständig und andauernd gegen den heiligen Schöpfergott begehst – den Gott, der gut ist und Gutes tut.

»Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, sodass sie keine Entschuldigung haben. Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.« (Römer 1,18–21)

Der Zorn Gottes kommt vom Himmel her! Warum kommt er? Weil Menschen gottlos und ungerecht sind. Warum sind sie das? Weil Gott sich jedem Menschen durch die Schöpfung offenbart hat und sie es ignorieren. Und warum haben sie keine Entschuldigung und der Zorn Gottes wird über sie kommen? Weil obwohl jeder Mensch Gott dadurch kennt, sie ihn weder geehrt noch gedankt haben.

Was? Nur wegen Undankbarkeit? Ist das denn wirklich so schlimm? Ja. Deine dauerhafte Ignoranz Gottes und damit Undankbarkeit gegenüber seiner Schöpfung – und vor allem gegenüber seinem Werk der Rettung durch seinen geliebten Sohn Jesus Christus, den er hingegeben hat, um für Sünder zu sterben – zieht den Zorn auf dich. Das ist, was Römer 1 aufzeigt.

Ganz im Gegenteil dazu der Christ. Was zeichnet einen Christen aus? Dankbarkeit. Aber Dankbarkeit in sich selbst kann nicht funktionieren, wenn sie kein Objekt hat, dem gedankt wird. Wenn also Leute sagen, sie seien »dankbar für die Wärme«, macht das in sich keinen Sinn.

Albert Mohler schreibt dazu:

»Paulus verbindet Undankbarkeit direkt mit Sünde, Torheit und Götzendienst. Bereits im Garten Eden war fehlende Dankbarkeit der Kern der Ursünde – Gott gab Adam und Eva unvorstellbaren Reichtum, und trotzdem wollten sie mehr. Sünder, die durch Gottes Gnade gerettet wurden, kennen eine Dankbarkeit, die jede menschliche Dankbarkeit übersteigt. ›Dank sei Gott für seine unaussprechliche Gabe!‹ (2. Korinther 9,15)«

Die Dankbarkeit, zu der uns Paulus aufruft, ist keine einmalige Dankbarkeit, sondern sie beschreibt eine Grundhaltung des Christen. Und warum werden Christen so oft zur Dankbarkeit aufgerufen? Weil wir durch seine Gnade gerettet wurden. Er hat uns zu geliebten Kindern gemacht, und nichts kann uns von seiner Liebe trennen. Er hat seine Liebe in uns ausgegossen, und wir können jetzt sogar unsere Feinde lieben. Er hat uns mit sich versöhnt – wir sind vom Feind Gottes zu seinem Auserwählten, Heiligen und Geliebten geworden. Je mehr du dich mit dem Evangelium beschäftigst, umso mehr wird dir auffallen, wie du ihm deinen Dank für das, was er getan hat, bringen kannst.

Aber noch mehr: Was macht Paulus selbst? Er dankt für seine Geschwister – und er tut es in fast jedem Brief. Er dankt dafür, was Gott in ihrem Leben getan hat und noch tut. Und ist das nicht genau das, was unsere ganze Perspektive in Konflikten und Herausforderungen ändert?

Die perfekte Gemeinde, Ehe, Familie, Arbeit … startet bei dir, und zwar mit dem Evangelium. Wenn du Herausforderungen mit der Gemeinde, also mit den Leuten darin, hast, fang an, für sie zu beten – und zwar auch für sie zu danken, wie der Herr in ihnen wirkt und für die Gnade Gottes, die durch sie sichtbar ist. Das wird dein ganzes Denken und dein Herz ihnen gegenüber verändern.

Schluss – Es startet bei dir

Wir sind zu Anfang so viele Aspekte durchgegangen, wo du in Beziehungen zu Problemen kommst. Hör auf, immer an die anderen zu denken und daran, was die alles ändern sollen. Du bist als geliebtes Kind zur Einheit berufen. Ziehe die Liebe als Band der Vollkommenheit an, lass den Frieden des Christus in deinem Herzen Schiedsrichter sein und sei ihm dankbar.

Die junge Frau vom Brunnen sucht nicht mehr nach Liebe. Denn sie hat das Wasser des Lebens bekommen durch Jesus Christus, damit sie nie wieder Durst hat. Aber nicht nur hört diese Suche auf – es ändert sich komplett. Durch den Heiligen Geist in ihr, der sie befähigt, andere über die Maßen zu lieben, hat sie jetzt Liebe zu allen Heiligen, und sie »wandelt jetzt in Liebe, wie auch der Christus sie geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, als Darbringung und Schlachtopfer, zu einem lieblichen Geruch für Gott.« (Epheser 5,2)

Der Mann, der für sich Frieden zu Hause suchte, hat durch seine Errettung und die Erkenntnis des Evangeliums innige Liebe, denn »die Liebe wird eine Menge von Sünden zudecken.« (1. Petrus 4,8) Und so betet er mit Danksagung und lässt »den Frieden Gottes, der allen Verstand übersteigt, sein Herz und seinen Verstand in Christus Jesus bewahren« (Philipper 4,6–7), auch wenn die Situation zu Hause immer noch herausfordernd ist.

Der Arbeitnehmer, der nur Stress mit seinem Chef hat, wird von der Liebe des Christus gedrängt, da er davon überzeugt ist: »Wenn einer für alle gestorben ist, so ist er deshalb für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist.« (2. Korinther 5,15) Und er erinnert sich daran, für alles dankbar zu sein.

Und dann wiederum in der Gemeinde. Die Person, die schon so oft gewechselt hat oder wieder wechseln will, erinnert sich, »welche Liebe uns der Vater erwiesen hat!« (1. Johannes 3,1) Und da der Herr Jesus »sein Leben für uns hingegeben hat« (1. Johannes 3,16), versäumt sie die Gottesdienste nicht mehr und will nicht mehr fliehen, sondern »hält das Bekenntnis der Hoffnung fest ohne zu wanken, denn er ist treu, der die Verheißung gegeben hat. Und lasst uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzuspornen.« (Hebräer 10,23–24)

Die perfekte Gemeinde, Beziehung, Arbeit – alles Bereiche, die im weiteren Verlauf dieses Kapitels noch von Paulus angesprochen werden. Vollkommen, weil wir zur vollen Reife wachsen sollen in Christus. Sie startet bei dir – mit dem Evangelium. Denn dieses Evangelium verändert dein Leben. Für immer.


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