6. Dezember 2020
Wir wollen auf Gottes Wort hören, auf Gottes Wort achten, und ich darf euch bitten, die Bibeln aufzuschlagen in der Apostelgeschichte 2, Vers 41. Das ist der Text, den wir uns beginnend anschauen werden.
Hast du schon einmal bei einer Hochzeit beobachtet, wie das Brautpaar die Ringe angesteckt hat? Wir erinnern uns insbesondere an das Hochzeitspaar, erst vor wenigen Wochen, wo sie die Ringe angesteckt haben. Aber ich meine weniger die zittrigen Hände, wenn dann der Ring über den Ringfinger gestülpt wird, sondern hast du schon mal das Gesicht beobachtet? Vielleicht erinnerst du dich damals, als du geheiratet hast: Das Gesicht sprudelt über, voller Freude, voller Erwartung und voller Glück. Der Moment, wo man den Ehe- oder den Verlobungsring ansteckt, ist in der Tat einer der besonderen Momente.
Ich kann mich auch sehr gut erinnern, als ich Esther den Verlobungsring auf der Brücke in Heidelberg angesteckt habe, am 29. November. Es war ein besonderer Moment, es war Samstag, und wir fuhren dann am Abend zurück zur Jugendstunde – das war eine ganz normale Jugendstunde. Ich habe diesen Ring, es war ein Verlobungsring, voller Stolz und Freude getragen. Ich habe ihn die ganze Zeit angesehen, weil er mich erinnert hat: Wir gehören zusammen. Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Abend in der Jugend, wie alle den Ring irgendwie besonders wahrgenommen haben.
Wie war es bei euch, als ihr das erste Mal den Ehering angezogen habt? Ihr wolltet ihn am liebsten jedermann unter die Nase reiben – voller Glück und voller Stolz. In den kommenden Tagen habe ich meinen neuen Ring allen gezeigt. Er war nichts Besonderes, das war ein einfacher Ring von Esprit, wir haben ihn immer noch. Aber der Ring war nicht das Wichtigste, sondern das Wichtigste war die Bedeutung: Esther und ich, wir gehören zusammen. Der Ring hat nicht die Einheit geschaffen, aber der Ring war das Symbol, die Bedeutung war da.
Und in gleicher Weise ist das, was wir heute feiern und gefeiert haben – die Taufe – ein Symbol, bei dem die Bedeutung umso tragender ist. Bei einem Ring ist die Symbolik des Eheringes sehr klar, jeder versteht sie: Sie sind ein Ehepaar, sie gehören zusammen. Der Ring kommuniziert Klarheit. Jeder weiß: Da braucht man nicht anzuklopfen, wer einen Ehering trägt, ist belegt, ist verheiratet.
Nun leider trifft das auf die Taufe nicht ganz zu. Es herrschen so viele Vorstellungen über die Taufe wie Sand am Meer. Durch die vielen Praktiken weiß man manchmal gar nicht mehr, was denn nun überhaupt die christliche Taufe ist. Manche sind der Ansicht, die Taufe bewirke irgendetwas – ein Sakrament, das den Glauben fördern und stärken würde. Allein schon bei der Frage, wer getauft werden soll, gibt es die unterschiedlichsten Aussagen.
Im dritten Jahrhundert begann man, Kinder nach der Geburt zu taufen, damit sie ihr Heil durch die Erbsünde nicht gefährden. Nur ein paar Jahrhunderte später, im zwölften Jahrhundert, begann die katholische Kirche zu lehren, dass nicht getaufte Kinder in den Limbus geschickt werden – man muss erst nachschauen, was der Limbus ist, aber das ist der Ort, der weder Himmel noch Hölle sein soll, ein Vorort der Hölle gewissermaßen. Worüber ich bei der Vorbereitung gestolpert bin: Es gibt Kirchen, die eine Taufe in zwei Schritten anbieten, für solche, die unentschlossen sind. Es gibt auch Unterschiede in der Form der Taufe: Die einen kennen das Übergießen, die anderen das Untertauchen.
Was wir heute tun wollen, ist, das Neue Testament durchgehend zu befragen, beginnend in der Apostelgeschichte 2, aber auch an sehr vielen anderen Stellen der Apostelgeschichte. Wir wollen feststellen: Was ist die Taufe? Wir sind uns bewusst, dass es Kirchengeschichte und Tradition gibt, aber die Tradition steht nicht über der Schrift, und die Tradition lag auch nicht immer richtig – besonders in Bezug auf die Reihenfolge und die Bedeutung der Taufe. Diese beiden Aspekte wollen wir uns heute insbesondere ansehen: die Reihenfolge und die Bedeutung der Taufe.
Lasst uns Apostelgeschichte 2, Vers 41 lesen. Theo hat ihn schon vorher vorgelesen. Dort heißt es: Diejenigen, die bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan.
Nun, keine Sorge – diese dreitausend Seelen, die wir jetzt schon zum zweiten Mal heute Nachmittag lesen, das ist nicht irgendwie die magische Zahl, das ist nicht das Ziel, wofür wir beten, das ist nicht das Ziel, nach dem wir Räumlichkeiten und neue Gebäude suchen. Das ist schlichtweg: Dreitausend sind an diesem Tag zum Glauben gekommen.
Nun, die Errettung ist im Neuen Testament eng mit der Taufe verknüpft, und die Taufe mit der Errettung. Die Taufe ist so sehr mit der Errettung verknüpft, dass im Missionsbefehl überhaupt nicht von Errettung gesprochen wird – ist das nicht überraschend? Sondern stellvertretend wird nur von der Taufe gesprochen. Jesus sagt: »Geht hin, macht Jünger aller Völker«, und dann erwähnt er die Errettung gar nicht, weil sie so eng mit der Taufe verbunden ist. Das bedeutet nicht, dass alle Menschen zwangsgetauft werden – was es durchaus gab –, sondern schlichtweg, dass Errettung und Taufe so eng zusammengehören wie die Trauung und die Eheringe.
Im Neuen Testament finden wir eine einheitliche Praxis, was die Reihenfolge angeht, und zwar: Errettung – Taufe – Gemeindemitgliedschaft. Das ist die Reihenfolge, die wir im ganzen Neuen Testament sehen.
Schaut euch noch einmal die Reihenfolge an in Apostelgeschichte 2, Vers 41: Wer wurde getauft? Die das Wort bereitwillig annahmen, ließen sich taufen. Die Taufe ist nicht die Bedingung zur Errettung, sondern die Taufe ist die Folge der Errettung. Die Taufe folgt der Errettung und geht ihr nicht voraus. Beim Bibellesen müssen wir wirklich sehr sorgfältig auf das achten, was die Schrift sagt, und durchaus auch die Reihenfolge beachten. Die Errettung ist die einzige Bedingung, um getauft zu werden. Und vielleicht fragt sich der eine oder andere: Wer kann sich taufen lassen? Jeder, der wiedergeboren ist, jeder, der errettet ist, jeder, der Vergebung der Sünden hat.
Lukas gebraucht im Verlauf der Apostelgeschichte viele Metaphern, mit denen er die Errettung beschreibt. In unserem Text spricht er davon, dass sie das Wort bereitwillig annahmen. Offensichtlich gab es eine ganze Menge anderer, die das Wort nicht bereitwillig angenommen haben, obwohl alle zugehört haben.
Welches Wort haben die Gläubigen, die sich hier taufen lassen, angenommen? Das Wort von Petrus. Es ist Pfingsten, Gott hat den Heiligen Geist ausgegossen, Apostelgeschichte 2. Petrus predigt das Evangelium und zeigt denen, die zuhören, auf: Sie sind Sünder, sie haben sogar den Messias getötet. Er richtet sich an seine Zuhörer und sagt in Vers 23: Diesen, der nach Gottes festgesetztem Ratschluss und Vorsehung dahingegeben worden war, habt ihr genommen, durch die Hände der Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und getötet.
Dann beweist Petrus in seiner Predigt, indem er viele alttestamentliche Stellen aus den Psalmen zitiert, dass Jesus der Messias ist, und dass sogar in den Psalmen vorausgesagt wird, dass der Messias sterben wird. Das hatten sie nicht wirklich auf dem Schirm – sie dachten, der Messias würde sie von den Römern befreien. Niemand dachte, dass der Messias stirbt. Und dann sagt Petrus: »Gott hat ihn aufgeweckt, und wir sind Zeugen.« Petrus zitiert David und sagt schlussendlich in Vers 36: So soll nun das ganze Haus Israel mit Gewissheit erkennen, dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, eben diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
Nun, die Zuhörer hören zu und merken: Wir haben ein Problem. Sie sind sich bewusst: Wenn dieser Messias der Herr und Retter ist, wenn das der Christus ist, dann haben wir ein ziemlich großes Problem. Erstens haben wir ihn kreuzigen lassen, und zweitens werden wir durch alle Opfer unsere Schuld nicht los.
Nun kommt der Wendepunkt. Lukas beschreibt in Vers 37: Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und zu den Übrigen: Was sollen wir tun, Männer und Brüder? Gottes Geist wirkte an ihnen und überführte sie – genau wie bei Lydia in Apostelgeschichte 16. Dort beschreibt ebenfalls Lukas es auf eine andere Art und Weise: Hier sagt er, es drang ihnen durchs Herz; in der Apostelgeschichte 16 sagt Lukas: Der Herr tat ihr das Herz auf.
Es gibt eine unsichtbare Komponente in der Errettung: Der Heilige Geist weht am Herzen des Sünders. Und das ist der Unterschied zwischen Hören, sich Umdrehen und Weglaufen – und zwischen Hören und Buße tun. So viele Menschen hören die Botschaft und sie ignorieren sie. Das Evangelium lässt sie kalt wie einen Eiszapfen, es verändert sich nichts.
Wenn du gläubig bist, dann weißt du, wovon ich rede. Wie lange hast du die Botschaft des Evangeliums gehört und ignoriert? Du hast das Evangelium zur Kenntnis genommen, so wie man Schlagzeilen zur Kenntnis nimmt, aber es hat dich kalt gelassen. Nichts hat sich verändert. Du hast vielleicht Gott nicht bewusst abgelehnt, aber du hattest auch keine wirkliche innige Beziehung zu Christus.
Und dann hörst du auf einmal die Botschaft – gerade in den Zeugnissen haben wir es gehört –, es ist die alte Botschaft, die auf einmal das Herz zertrümmert. Gott wirkt durch sein Wort und durch seinen Geist in deinem Herzen. Er durchdringt dein Herz, er tut dein Herz auf. Sein Wort und sein Geist durchdringen Mark und Bein. Sein Wort und sein Geist sind wie ein Hammer, der dein steinernes Herz zertrümmert.
Vielleicht hast du dieselbe Botschaft, die du jahrelang gehört hast, die du kennst – sie zwingt dich auf einmal auf die Knie, um Gott anzuflehen, dich zu erretten und deine Schuld zu vergeben. Dieselbe Botschaft, die du Woche für Woche in der Jungschar, in der Jugend gehört hast – auf einmal siehst du sie in einem völlig neuen Licht. Du siehst dich als einen erbärmlichen Sünder, der das Gericht Gottes verdient hat. Dieselben Verse, die du in der Sonntagsschule gelernt hast, auswendig gelernt hast, definiert hast, weil du Punkte bekommen wolltest für Süßigkeiten – dieselben Verse erschüttern dich durch Mark und Bein, und gleichzeitig geben sie dir Hoffnung in Christus. Sie geben dir die Gewissheit, dass Gott seinen Sohn in die Welt sandte, um dich zu erretten. Dieselben Antworten, die dir abends bei der Familienandacht einfach so über die Lippen gerutscht sind – sie geben dir Trost und Zuversicht, dass jeder, der an Christus glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Es sind nicht deine Werke, die dich retten, sondern es ist Christus. Sein stellvertretender Gehorsam wird dir zugerechnet.
Wenn du gläubig bist, dann hat Gott dein Herz zerbrochen und zertrümmert, er hat dein Herz geöffnet für das Evangelium. Wenn du heute Nachmittag hier sitzt und du bist noch nicht errettet, dann bitte Gott, dass er dein Herz zertrümmert, dass er genau das tut – dass er ein steinernes Herz, das so kalt ist gegenüber dem Evangelium, zerbricht, dass er Sündenerkenntnis schenkt, dass er die Gnade gibt.
Und genau das haben die Menschen, von denen wir gelesen haben, bei Petrus erfahren. Sie haben ihre Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit und Hilflosigkeit erkannt und wandten sich an Petrus: »Was sollen wir tun?«
Petrus antwortete in Vers 38: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden.
Ich habe die deutschen Bibelstellen nachschlagen müssen, und an dieser Stelle ist es ein bisschen unglücklich übersetzt oder wiedergegeben. Es deutet an, dass man durch die Taufe Sündenvergebung bekommt. Aber das widerspricht den übrigen Stellen des Neuen Testaments. Petrus predigt ein Kapitel später, in Kapitel 3, und sagt dort noch einmal: Tut Buße, bekehrt euch, dass alle Sünden ausgetilgt werden – also nicht durch die Taufe. Besser übersetzt wäre es zu sagen: »Tut Buße, und jeder lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi, aufgrund dessen, weil ihr Vergebung der Sünden empfangen habt.« Das griechische Wort wird besser mit »aufgrund« oder »weil« wiedergegeben.
Die Taufe ist die angemessene Antwort auf die Vergebung. Die Taufe ist nicht das Mittel, durch das man Vergebung bekommt. Mit der Taufe haben diese dreitausend Gläubigen zum Ausdruck gebracht, dass sie an Jesus glauben, der ihre Schuld vergeben hat.
Auf der Beliebtheitsskala sind sie damit nicht emporgeschossen, ganz und gar nicht. Diese dreitausend Menschen, die zum Glauben kamen, gingen eher nach unten. Es war verpönt, an diesen Jesus zu glauben, den die Juden umgebracht hatten. Sie erwarteten Demütigung, sie erwarteten Verspottung. Sie riskierten, aus der Synagoge und dem Tempeldienst ausgeschlossen zu werden. Sie riskierten, geächtet zu werden, wie Aussätzige behandelt zu werden. Aber das war es ihnen wert, weil sie einen viel größeren Schatz gefunden hatten – in Christus. Für diesen Schatz waren sie bereit, alles hinzugeben.
Die Taufe ist der sichtbare Ausdruck des Glaubens. Mit der Taufe folgt die Mitgliedschaft. Schaut euch noch einmal den Vers an – das macht der zweite Teil deutlich: Und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan. Wurden diese Namen auf eine Einkaufsliste gehängt, auf eine Gemeindestatistik, auf eine Gebetskarte oder den Missionsbrief? Nein. Sie wurden zur Gemeinde hinzugetan. Das macht auch Vers 47 deutlich, wo Petrus noch einmal diesen Ausdruck erwähnt: Die Geretteten werden zur Gemeinde hinzugetan.
Gleich im nächsten Vers, Vers 42, wird das Gemeindeleben beschrieben: Sie blieben beständig in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten. Das sind die vier Säulen der Gemeinde. Wir kommen nicht nur zusammen, um die Predigt zu hören, und gehen dann sofort wieder nach Hause – das wäre das, was Corona momentan sehr begünstigt. Wir kommen auch nicht nur zusammen als Gemeinde, um Gemeinschaft zu haben – das würde man irgendeinen Verein nennen, einen Tanzverein, einen Schwimmverein oder einen Hundeverein. Gläubige kommen zusammen, um in der Lehre der Apostel unterwiesen zu werden, um Gemeinschaft zu haben, um zu beten und das Abendmahl zu feiern.
Das Abendmahl ist gewissermaßen die monatliche oder wöchentliche Bestätigung der Taufe. Die Taufe ist der Beginn des Glaubenslebens, das Abendmahl markiert die Fortsetzung, das Bestehen des Glaubenslebens. Mit der Taufe beginnt die Mitgliedschaft in der Ortsgemeinde.
Gott schaut nicht erst, wenn meine Taufe da war – so wie heute –, und schaut dann nach zwölf Jahren herab, um zu checken, ob das wahr und ausreichend war, und entscheidet dann, ob jemand, der getauft wurde, würdig ist, die Uniform Christi zu tragen oder nicht. Nein, in keinerlei Weise. Mit der Errettung gibt Gott die neue Uniform und platziert jeden Gläubigen in seinem Bataillon namens Ortsgemeinde. Hier wirst du gerüstet, hier wächst du, hier wirst du beschützt, hier findest du deinen Platz zum Dienen, und hier hast du Anteil am Marschweg der ganzen Truppe.
Diese Reihenfolge – Errettung, Taufe, Mitgliedschaft – setzt sich fort in der ganzen Apostelgeschichte. Lasst uns weitergehen. In Apostelgeschichte 8 haben wir den Kämmerer gerade schon angesehen. Er ist auf dem Rückweg nach Äthiopien, liest Jesaja 53. Er kommt zum Glauben. Offensichtlich muss Philippus ihm nicht nur das Evangelium erklärt haben – dass er ein Sünder ist und dass Christus der Retter ist –, sondern er muss ihm auch erklärt haben, dass die Taufe dazu gehört. Denn er kommt an diesem Wasser vorbei und sagt auf einmal: »Siehe, hier ist Wasser – was hindert mich, getauft zu werden?« Und dann heißt es in Vers 38, den wir schon gelesen haben: Sie stiegen beide ins Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.
Was ist faszinierend? Philippus sagt nicht: »Okay, warte mal, ich gehe einen Eimer Wasser holen und übergieße dich.« Nein, sie gingen beide und stiegen ins Wasser – um ihn unterzutauchen –, einfach weil das Symbol des Untertauchens die ganze Ausdrucksweise der Taufe vermittelt.
Beim Kämmerer waren nicht viele Zuschauer – vielleicht eine Handvoll Leibwächter, die mitgereist sind. Der Kämmerer hat auch nicht erst seine weißen Kleider ausgepackt und sich umgezogen, um sich taufen zu lassen. Er hat sich taufen lassen, wie er war. In manchen jüdischen Gemeinden wurden die Gläubigen im Nachhinein mit weißen Kleidern angezogen. Sie gingen manchmal hinaus an das Ufer des Sees mit ihren alten Kleidern, zogen sie aus und ließen sie am Ufer. Im Untergewand ließen sie sich taufen und erhielten neue Kleider, mit denen sie in das Dorf zurückgingen – und alle wussten: Diese Person ist eine neue Person, eine neue Identität.
Lasst uns weitergehen, ein Kapitel weiter: Apostelgeschichte 9. Dort finden wir die Errettung des Paulus. Auf dem Weg nach Damaskus begegnet ihm Christus. Erst drei Tage blind, isst er nichts und trinkt nichts. Hananias kommt zu Paulus, Paulus wird gläubig, bekommt den Heiligen Geist, lässt sich taufen – der Text deutet sogar an, dass er sich taufen lässt, bevor er wieder Speisen zu sich nimmt –, und dann schließt er sich umgehend den Jüngern an und beginnt in der Synagoge von Damaskus zu predigen. Dasselbe Muster: Errettung, Taufe, Mitgliedschaft.
Wenn wir weitergehen zu Apostelgeschichte 16, dort finden wir Lydia. Sie hört zu, der Herr tut ihr das Herz auf – das haben wir schon gesehen. Sie lässt sich taufen, und was geschieht? Eine Gemeindegründung, sehr wahrscheinlich in ihrem Haus. Vers 40 macht das deutlich: Paulus geht nachher wieder dorthin zurück und trifft die Gläubigen. Dasselbe Muster: Errettung, Taufe, Mitgliedschaft.
Der Kerkermeister im selben Kapitel, Apostelgeschichte 16 – Paulus und Silas sitzen im Gefängnis. Erstaunlich, dass ihnen nach Singen zumute ist, und sie kannten die Lieder auswendig. Ein Erdbeben geschieht, und der sonst so hartgesottene Wächter, der es gewohnt war, als römischer Soldat mit aller Härte zu regieren, war so verzweifelt, dass er sich das Leben nehmen wollte. Paulus und Silas halten ihn ab, und er begreift, dass sie Kinder Gottes sind, und sagt: »Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?« Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du gerettet werden, du und dein Haus. Dasselbe Muster: Er hört das Wort, er kommt zum Glauben und lässt sich taufen. Es wird zwar nicht explizit erwähnt, dass er sich der Gemeinde anschließt, aber sehr wahrscheinlich der Gemeindegründung im Haus von Lydia.
Nun gehen wir zwei Kapitel weiter: Apostelgeschichte 19, die Johannesjünger in Ephesus. Hier ist eine Panne – hier ist die Reihenfolge übersprungen worden. Wir haben hier getaufte Jünger, die sich zur Gemeinde dazuzählen, aber nicht errettet sind. Ein Schritt ist übersprungen. Paulus merkt: Da stimmt irgendetwas nicht mit denen. Er nagelt sie fest, legt den Finger in die Wunde und sagt: »Habt ihr den Heiligen Geist bekommen, als ihr gläubig wurdet?« – mit anderen Worten: Seid ihr überhaupt wiedergeboren? Er stellt tatsächlich diese Frage, und es ist legitim, jemanden zu fragen: »Bist du wiedergeboren?« Sie sagen: »Nein, wir wussten noch nicht einmal, dass der Heilige Geist gekommen ist.« Und dann stellt sich heraus, dass sie gar nicht auf den Glauben an Christus getauft sind.
Paulus – und das ist so wichtig zu beobachten – lässt diesen Missstand nicht einfach so stehen, sondern er geht zu dem Prinzip zurück: Errettung, Taufe, Mitgliedschaft. Er bringt es ihnen bei, predigt ihnen und sagt: »Ihr müsst an Christus glauben.« Und sie kommen zum Glauben, werden getauft und schließen sich der Gemeinde an.
Simon der Zauberer ist ein weiteres Beispiel in der Apostelgeschichte mit demselben Problem: Da wird jemand getauft, der gar nicht errettet ist. Simon der Zauberer war nicht errettet. Selbst die Apostel hatten offensichtlich keinen Detektor für Wiedergeburt – auch sie waren angewiesen, anhand der Früchte und des Bekenntnisses zu beurteilen. Deswegen kauften sie auch auf das Bekenntnis, und hier finden wir ein anderes Muster: nicht errettet, Taufe, un-Mitgliedschaft. Vers 13 sagt nämlich: Er hielt sich beständig zu Philippus und zu den Jüngern. Und das ist gut so, weil im Gemeindeleben sichtbar geworden ist, dass Simon überhaupt nicht gläubig war, und er wurde ausgeschlossen. Petrus sagt zu ihm in Vers 20, Kapitel 8: Dein Geld fahre mit dir ins Verderben! Und dann sagt er in Vers 21: Du hast weder Anteil noch Erbe an diesem Wort; dein Herz ist nicht aufrecht. Tu Buße über diese Bosheit und bitte Gott, ob dir die Gesinnung deines Herzens vergeben werde.
Die Reihenfolge ist tatsächlich entscheidend, die wir im Neuen Testament sehen: Errettung, Taufe, Mitgliedschaft. Und überall, wo von dieser Reihenfolge abgewichen wird – wie in Ephesus bei den Johannesjüngern, wie in Apostelgeschichte 8 mit Simon –, schleichen sich Probleme ein. Wenn man das Problem nicht an der Wurzel packt, bei der Errettung, schleichen sich noch mehr Probleme ein.
Und genau das geschah in der Kirchengeschichte, besonders durch die Kindertaufe. Wie kam es dazu, dass im dritten und vierten Jahrhundert mit der Kindertaufe begonnen wurde? Die Apostel haben sie nicht praktiziert. Es gab zwei Gründe, die die Kindertaufe gefördert haben. Das eine war die Erbsünde: Einige sagten, durch die Taufe werde die Erbsünde von Adam abgewaschen – eine Theorie, die keine biblische Bestätigung findet. Der zweite Grund war die Kindersterblichkeit.
Auf dem vierten Konzil von Karthago im Jahr 418 wurde tatsächlich beschlossen und christlichen Eltern die Taufe ihrer Kinder gleich nach der Geburt empfohlen, und zwar »um sie der Gefahr der Verdammnis zu entreißen, die ihnen droht, falls sie ungetauft sterben«. Das waren die zwei Gründe, die zur Kindertaufe in der Kirchengeschichte geführt haben: die Erbsünde abzuwaschen und die Kindersterblichkeit. Und die Reihenfolge wurde umgedreht und auf den Kopf gestellt. Das ist das größte Desaster. Die Reihenfolge war nun: Taufe, Mitgliedschaft, und hoffentlich dann möglicherweise Errettung. Die Taufe sollte ein Sprungbrett für die Errettung werden. Was dann geschah: Die Kirchen wurden gefüllt mit Menschen, die nicht errettet waren, Menschen, die nicht wiedergeboren waren, Menschen, die den Heiligen Geist nicht hatten.
Die Reformation hat vieles geändert. Die Reformatoren waren Helden, was die Errettung angeht, was die Lehre der Rechtfertigung angeht, was das Evangelium angeht – die Reformatoren waren wahre Helden. Man könnte sagen, im Bereich der Soteriologie. Aber im Bereich des Gemeindelebens, der Ekklesiologie, waren ihre Taten nicht so rühmreich, weil hier so gut wie nichts reformiert wurde. Und das ist erschreckend zu lesen: mit welcher Vehemenz die Reformatoren der ersten Generation an der Kindertaufe festgehalten haben – gerade sie, die das Prinzip von Sola Scriptura so hochgehalten haben und das über alles gestellt haben. Vieles hing damit zusammen, dass Politik und Kirche vereint waren. Der Stadtrat war zugleich der Kirchenrat, und um die Reformation voranzubringen, musste immer der ungläubige Stadtrat überzeugt werden. Sie dachten und handelten nicht biblisch.
Während und kurz nach der Reformation gab es zwei Bewegungen, die mit der Kindertaufe gebrochen haben. Die eine Gruppe waren die Täufer oder Wiedertäufer, manchmal auch frühe Baptisten genannt – von ihnen stammen die Mennoniten, die Amish und die Hutterer ab. Die zweite Gruppe war etwas später dran: Um 1600 begann die Bewegung der Baptisten. Sie haben ebenfalls damit geendet, die Kindertaufe weiterzuführen, und haben tatsächlich die Glaubenstaufe wieder eingeführt, die sie in der Schrift erkannt haben.
Die Wiedertäufer – das ist sehr spannend in der Kirchengeschichte zu beobachten – entstanden inmitten der Züricher Reformation 1524, mit Zwingli. Ulrich Zwingli, Konrad Grebel, Felix Manz und Balthasar Hubmaier kämpften Seite an Seite. Sie hielten daran fest, was wir in der Schrift sehen: dass die Taufe aufgrund des Glaubens geschieht. Sie erhielten ein Lehr- und Versammlungsverbot vom Stadtrat. Zwingli war die Taufe nicht so wichtig, und er distanzierte sich mehr aus politischen Gründen von den Täufern, weil sie der Ansicht waren, dass Staat und Kirche getrennt sein müssten – wovon er auch überzeugt war –, und er befürchtete, dass durch ihren Einfluss die Reformation in Zürich scheitern könnte.
Und dann war es schlussendlich ein Ereignis, das alles herauskatapultiert hat wie ein Vulkan: Grebels Frau hatte einen Sohn zur Welt gebracht im Herbst, und die Situation war sehr angespannt. Alle warteten in Zürich – die ganze Stadt, die ganze Kirche. Er lehrte die Erwachsenentaufe, und alle warteten nun: Wird er seinen Sohn taufen, oder wird er ihn nicht taufen? Man konnte die Spannung hören und fühlen. Und er ließ ihn nicht taufen. Ihm folgten mehrere Eltern. Dann begann der Stadtrat von Zürich richtig ungehalten zu werden, und sie erließen am 11. August 1524 einen Befehl, alle Kinder in Zürich taufen zu lassen.
Das überrascht, wenn man es liest. Und dann schrieben sie tatsächlich: Alle, die die Kindertaufe verweigerten, wurden aufgefordert, ihre neugeborenen Kinder unverzüglich taufen zu lassen. Wer dieser Aufforderung nicht innerhalb von acht Tagen nachkäme, wurde des Landes verwiesen. Sie zogen dann weg in die Berge um Zürich. Anderthalb Jahre später verlor der Stadtrat von Zürich die ganze Geduld mit denen, die die Erwachsenen- und Glaubenstaufe gelehrt hatten, und sie verordneten, dass alle Wiedertäufer ertränkt werden.
Das ist traurig festzustellen: Es gab damals schon in der Kirchengeschichte heftigste Grabenkämpfe innerhalb der eigenen christlichen Front. Und wir stellen fest, dass das heute leider nicht anders ist. Glücklicherweise ertränkt der eine den anderen nicht mehr, aber die Wiedertäufer wurden aus ihrem eigenen Lager, aus der Reformation, heftigst verfolgt. Sie wurden ertränkt, sie wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt, und die Männer wurden auf habsburgische Galeeren verbannt, wo sie meistens den Rest ihres Lebens verbrachten.
Fast alle Reformatoren der ersten Generation hielten so fest an der Kindertaufe. Heinrich Bullinger sagt: »Warum soll ihnen« – er spricht von den Kindern – »das Zeichen des Bundes nicht gegeben werden? Warum sollen sie nicht durch die heilige Taufe eingeweiht werden, wenn sie doch Eigentum und in der Kirche sind?« Er schreibt weiter: »Wir verwerfen auch alle anderen Lehren der Wiedertäufer.« Die Kindertaufe war, man kann sagen, der heilige Gral, der nicht angetastet werden durfte damals. Das Thema wurde nicht angefasst, und wer es angefasst hat, zog den Zorn der Gläubigen auf sich. Das traf insbesondere auch leider für Calvin zu, für Luther, für Melanchthon.
Luther erkannte diese ganzen Debatten, er kannte die Einwände, und er antwortet darauf – traurigerweise musste ich feststellen – ohne jegliche biblische Grundlage. Einer der Einwände, die gebracht wurden, war: »Kinder wissen nichts von ihrer Taufe.« Und Luther antwortete: »Das ist ein windiger, fauler Grund, denn wir kennen viele Dinge, die wir nicht bewusst erlebt haben, und müssen sie doch vertrauend wahrsein lassen.« Nun, dem stimmt man im Allgemeinen zu, dass wir viele Dinge nicht verstehen – aber er wendet es auf die Kinder an. Wir sehen, dass Luther seine Sichtweise darüber sehr häufig geändert hat, was deutlich macht, dass er nicht wirklich sattelfest in der Errettungslehre war.
Auf den Einwand, Säuglinge, die getauft werden, könnten nicht glauben, erwiderte Luther: »Doch, sie können es«, und er beruft sich auf die Art und Weise, wie Jesus die Kinder als Vorbild des Glaubens hinstellte. Und dann ist es fast ein Widerspruch in sich: Auf den dritten Einwand, dass zuerst der Glaube kommt, die Errettung, und dann die Taufe, antwortet er: »Das führt in die Irre, denn dann baut ja die Taufe auf dem Glauben auf.« Ja, genau – das ist, was wir im Neuen Testament sehen! Aber Luther ließ es als Antwort gelten, und tragischerweise geht er so weit, dass er diejenigen, die die Glaubenstaufe lehrten, mit dem Papst gleichsetzt und sie Diener des Antichristen nennt.
Bis heute gibt es für die Kindertaufe kein biblisches Argument, und es wird auch in Zukunft keines geben, weil das Neue Testament keine Kindertaufe lehrt. Wenn wir die Reihenfolge verändern – Errettung, Taufe, Mitgliedschaft –, dann werden sich immer Probleme einschleichen, und zwar überall dort, wo man vom biblischen Vorbild in welchem Aspekt auch immer abweicht, ob bei der Taufe oder beim Gemeindeleben. Immer wenn wir vom biblischen Vorbild abweichen, bringt es Schwierigkeiten. Wir dürfen die Reihenfolge nicht umdrehen.
Die Taufe ist nicht das Sprungbrett in die Errettung, sondern man könnte sagen, die Taufe ist das Sprungbecken nach der Errettung. In 1. Korinther 12, Vers 13, erklärt Paulus, wie die Taufe mit der Errettung zusammenhängt. Paulus verwendet dieselbe Analogie für die Wassertaufe wie für die Geistestaufe, die Wiedergeburt. Und er sagt: Die Wassertaufe – durch die Wassertaufe wird der Gläubige in die sichtbare Gemeinde hinzugefügt, und sie deutet auf die Geistestaufe hin, wo jemand der unsichtbaren Gemeinde hinzugefügt wird.
Lasst uns weitergehen und uns Römer, Kapitel 6, Verse 3 bis 5 zuwenden. Wir wollen die Bedeutung in den nächsten wenigen Minuten ansehen. Wir haben gesehen, was die Reihenfolge der Taufe ist – alles, was die Schrift lehrt: Errettung, Taufe, Mitgliedschaft, das ist das Muster durchweg in der Apostelgeschichte. Und nun wollen wir uns ansehen: Was ist die Bedeutung der Taufe?
Schaut euch Römer, Kapitel 6, Verse 3 bis 5 an, wo Paulus davon spricht. Er sagt: Oder wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir in Christus Jesus hinein getauft sind, in seinen Tod hinein getauft sind? Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm einst gemacht und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.
Jemand, der mit dem Christentum nichts am Hut hat, kann sich die Frage stellen: Was macht ihr da mit der Taufe? Was soll das bedeuten, einen Menschen unterzutauchen? Wir wollen ihn nicht ertränken, wir wollen auch nicht feststellen, wie lange er die Luft anhalten kann. Sondern es ist eine Symbolik, die sichtbar macht, was bereits geschehen ist im Inneren. Die Taufe symbolisiert die Einheit mit Christus.
Die Taufe ist eine symbolische Handlung – nicht mehr und nicht weniger. Sie bewirkt nicht die Errettung, sondern sie bezeugt die Errettung. Sie ist nicht heilsnotwendig, aber sie ist auch nicht optional. Die Taufe ist eine symbolische Handlung, die Jesus von jedem erwartet, der gläubig ist. Jesus befiehlt es. Es ist eine Aufforderung, ein öffentliches Zeugnis abzulegen, mit wem ich mich identifiziere – das Einssein mit Christus.
Das ist unsere größte Freude, der größte Reichtum, die größte Hoffnung. Ich möchte das illustrieren: Hast du dir schon einmal gewünscht, einen Adligen oder einen Prinzen zu heiraten? Wie im Märchen manchmal, nicht wahr? Wenn wir ehrlich sind – ihr braucht nicht wirklich sichtbar zu nicken. Warum wünscht sich jemand, einen Adligen oder Prinzen oder eine Prinzessin zu heiraten? Sie werden immer als die Hübschesten dargestellt, aber das ist nicht immer der ganze Grund. Der Hauptgrund ist: weil sie reich und vermögend sind, ihnen gehört das ganze Königreich. Und wenn du heiratest, seid ihr vereint, und sein Reichtum ist dein Reichtum.
Und genau das ist das Einssein mit Christus. Seine Gerechtigkeit wird zu deiner Gerechtigkeit. Meine Schuld wurde zu seiner Schuld. Die Einheit wird durch die Taufe symbolisiert, insbesondere was den Tod Christi und die Auferstehung betrifft. Weil er gestorben ist, sind wir mitgestorben. Weil er auferweckt wurde, sind wir mit auferweckt. Sein Werk wird uns zugeschrieben, weil wir eins sind.
Der himmlische Vater nimmt nicht jeden in seinen Himmel auf. Der einzige Grund, warum er jemanden aufnimmt, ist, wenn jemand in Christus ist, vereint ist mit Christus. So wie ein König eine Bettlerin niemals in den Palast aufnehmen würde, aber wenn sie die Frau seines Sohnes wäre – nun dann wird sie aufgenommen, sie wird zu Hause willkommen geheißen. Der Grund, warum Gott seine Kinder annimmt, ist nicht, weil wir zwar Bettler sind, aber eigentlich ganz hübsch und ganz fleißig. Nein. All die guten Werke machen uns vor Gott nicht annehmbar, sie bringen uns nicht in den Himmel. Der Einzige, der uns in den Himmelspalast bringt, ist Christus – und zwar das Einssein mit ihm.
Und wenn du jemanden heiratest, der einen riesigen Schuldenberg hat, was tust du? Du heiratest diesen Schuldenberg mit. Und genau das tat Christus. Wenn du jemanden heiratest, dem alle Länder gehören, der das größte Vermögen hat, der die größte Ehre besitzt, der herrlichste Prinz, den es je gab – dann hast du Anteil an seinem Gut, nicht wahr? Genau das ist unser Zustand.
Die Taufe und das Abendmahl sind Kennzeichen, dass wir eins sind mit Christus. Das ist der Grund, warum wir uns mit Christus identifizieren. Er ist alles. Er ist unsere Freude, er ist unser Ruhm. Sehr zutreffend haben die Liederdichter die erste Strophe komponiert – ich freue mich besonders, dass wir das Lied nachher singen werden, wo die Gettys genau diese Einheit beschreiben: In Christus ist mein ganzer Halt, er ist mein Licht, mein Heil, mein Lied, der Eckstein und der feste Grund, sicher der Halt in Sturm und Wind.
Erinnerst du dich an den Moment, als du das erste Mal deinen Verlobungsring oder Ehering angesteckt bekommen hast – die Freude, zu deinem Ehepartner zu gehören, mit ihm vereint zu sein? »Wir sind jetzt eins.« Und du hast jedem Menschen den Ring unter die Nase gehalten, voller Stolz hast du immer auffällig den Ring getragen, so dass alle ihn sehen konnten – er war nicht zu übersehen, immer sichtbar platziert.
Das ist die Symbolik hinter der Taufe und dem Abendmahl: Wir sind vereint mit Christus, wir gehören zu ihm. Wer würde sich eines so herrlichen Prinzen schämen? Wer würde es ignorieren, nicht zu ihm zu gehören, mit ihm identifiziert zu werden? Dieser Schatz ist so kostbar, dass Gott uns befähigt, alles herzugeben, um Christus zu haben, weil er unser Schatz ist. Wer sich seiner schämt, dessen wird er sich schämen, wenn er wiederkommen wird in seiner Herrlichkeit.
Dieses Einssein mit Christus ist so kostbar. Das Neue Testament macht es an so vielen Stellen deutlich. Epheser 1, Vers 7: In ihm haben wir die Erlösung. Epheser 1, Vers 11: In ihm haben wir ein Erbteil. Epheser 2, Vers 6: Gott hat uns mitgesetzt in den himmlischen Örtern in Christus. Galater 3, Vers 27: Ihr alle, die ihr in ihn hinein getauft seid, habt Christus angezogen. 2. Korinther 5, Vers 17: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung. Und Johannes 15, Verse 4 und 5 macht deutlich, dass wer in Christus ist und wer mit dem Weinstock verbunden ist, viel Frucht bringen wird.
Die Taufe symbolisiert unser Einssein mit Christus. Sein Leben ist unser Leben, seine Bestrafung ist unsere Bestrafung, sein Tod ist unser Tod, seine Auferstehung ist unsere Auferstehung, seine Gerechtigkeit ist meine Gerechtigkeit, seine Himmelfahrt und seine Verherrlichung ist meine Himmelfahrt und meine Verherrlichung. Was für ein Privileg, dem König der Herrlichkeit, mit ihm einst gemacht zu sein.
Die größten Freuden einer Hochzeit sind nicht zu vergleichen mit der Freude, eins gemacht zu sein mit Christus. Deswegen taufen wir auf den Namen Jesu – das Bekenntnis und die Verpflichtung: Ich gehöre ihm, mit Haut und Haar. Genauso wie du damals, als du geheiratet hast, ein neues Leben begonnen hast. Vielleicht kannst du dich noch erinnern an die ersten Tage, die ersten Wochen: Wie war das vorher? Auf einmal warst du nicht mehr alleine, sondern ihr wart nun zu zweit. Ihr habt alles zu zweit unternommen. Genauso hat mit der Errettung und der Taufe ein neues Leben mit Christus begonnen.
Mit der Taufe beginnt alles erst richtig. Es ist ähnlich wie im Eheleben: Dem Ehepartner den Ring anzustecken ist ein großartiger Moment – für den Moment. Und dann geht es weiter. Mit der Errettung und mit der Taufe wird der Gläubige der Gemeinde hinzugefügt. Gewissermaßen kann man sagen, dass die Taufe die Immatrikulation ist, wo jemand eingeschrieben wird. Es ist nicht die Absolvierung, man hat noch nicht abgeschlossen. Die Taufe ist wie das Einberufen ins Militär, und nicht wie die Verleihung des Dienstordens. Wir sind noch nicht am Ende.
Das Muster ist immer dasselbe: Errettung, Taufe, Mitgliedschaft. So ging es den ersten Gläubigen weiter – wir hatten uns schon gesehen: Sie blieben beständig in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten.
Vielleicht bist du schon lange Zeit getauft. Aber wie in der Ehe auch, so kann auch zu Christus die erste Liebe verlassen werden. Die Gemeinde in Ephesus stand in dieser Gefahr – dass die Liebe erkaltet, dass sie nachlässt. Nach außen hin war alles großartig, eine tolle Gemeinde, aber ihre Liebe war erkaltet. Das regelmäßige Abendmahl soll genau dem vorbeugen. Es ist ein Moment, in dem wir unsere Aufmerksamkeit ungeteilt auf Christus richten. Es ist ein Moment, in dem wir uns an die Gnade Gottes erinnern. Es ist ein Moment, in dem wir uns bewusst werden, was das Einssein mit Christus bedeutet – mit dem König der Herrlichkeit. Sein Leben ist mein Leben. Wir haben Anteil an all dem, weil wir eins gemacht worden sind, an seinen ganzen Gütern.
Lasst uns Christus dafür anbeten. Wir wollen zum Schluss beten und anschließend das Lied singen »In Christus ist mein ganzer Halt«.
Lasst uns gemeinsam beten.
Herr Jesus Christus, wir danken dir für dein Wort, das du uns gibst. Wir danken dir, dass wir sehen durften im Neuen Testament, wie das Muster, das du festgesetzt hast, von Kapitel zu Kapitel der Apostelgeschichte gelebt und praktiziert wird. Ein gutes Muster war es: der Errettung folgt die Taufe, und der Taufe die Gemeindemitgliedschaft. Wir wollen uns als Gemeinde an dieses Muster halten und als Gemeinde leben. Wir wollen beständig in der Lehre der Apostel bleiben, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten. Herr, wir danken dir, dass wir in deinem Wort sehen durften, was die Bedeutung der Taufe ist. Die größte Freude ist das Einssein mit dir, Herr. Dein Leben ist unser Leben, weil wir eins sind. Deine Gerechtigkeit ist unsere Gerechtigkeit. Herr, das gibt uns die Gewissheit, dass wir im Himmel ankommen werden. Das gibt uns die Freude, die Zuversicht. Und wir wollen dich dafür anbeten.
Amen.
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