Ein Mann, immer ein großes Mundwerk, meinte immer vorne mit dabei zu sein. Er sieht seine Probleme nicht. Voreilig, sieht seinen eigenen Status, hat eine große Klappe, aber wenn es drauf ankommt, ist nichts dahinter. Er kneift. Einmal, als sein bester Freund in eine lebensgefährliche Situation kommt, lässt er ihn komplett allein. Kleinmut.
Später sollte man aber diesen Mann nicht mehr wiedererkennen. Sein ganzes Leben ist verändert. Er dreht sich nicht mehr um sich selbst. Er hat ein Herz für andere Menschen. Er geht in seinem Glauben volles Risiko ein. Nicht eigennützig, sondern für die anderen.
Ein anderer Mann — der härteste Fall, man müsste sogar sagen, wahrscheinlich der gefährlichste. Der Mann war nicht nur schlau und intelligent, sondern er war sogar noch bereit, sein ganzes Leben für seine Ideologie aufs Spiel zu setzen. Er hatte diese gefährliche Mischung von Macht, Wut, Kraft, Intelligenz, eissernem Willen und dem Drang, nach vorne zu gehen. Sehr bekannt zu seiner Zeit. Viele hatten Angst vor ihm. Er war zu allem fähig.
Aber dieser Mann würde so radikal verändert werden, wie man es kaum für möglich halten kann. Er würde vom gefährlichsten Mann zum hingegebensten Diener für andere werden. Denn nicht mehr das Leben von anderen setzt er für sich aufs Spiel, sondern sein eigenes Leben für andere — und damit achtet er sein Leben für nichts, um die befreiende Botschaft des Evangeliums unter die Menschen zu bekommen.
Diese zwei Menschen sind nur zwei kleine Beispiele von Millionen und Tausenden von Beispielen von Menschen in der Geschichte.
Petrus und Paulus — die zwei Männer. Sie haben eines gemeinsam. Aufgewachsen als elend verlorene Sünder, kommen sie beide mit Jesus Christus und der lebensverändernden Kraft des Evangeliums in Kontakt. Sie werden durch diese Kraft der Evangeliumsbotschaft aus ihrem sündigen Leben herausgerissen und versetzt in ein völlig neues Reich, dessen Herrscher Gott, der Jesus selbst ist.
Aber das Erstaunlichste — nicht nur bei diesen zwei, sondern bei so vielen mehr in der Geschichte — ist, dass sie nicht nur durch die Kraft Gottes gerettet wurden, nicht nur in das Reich von Christus versetzt wurden, sondern dass sie anhaltend und andauernd verändert wurden.
Ihr Leben war nicht geprägt durch einen bloßen Religionswechsel, sondern davon, dass sie mehr und mehr ihre Sünden ablegten und gleichzeitig ihrem Herrn und Heiland Jesus Christus immer ähnlicher wurden — im Denken, im Leben, im Verhalten, im Umgang mit anderen, im Gehorsam Gott gegenüber, in der Liebe zum Nächsten und zu Gott selbst.
Sie waren durchdrungen vom Evangelium, vom Wort Gottes. Ihr Reden und Handeln war davon geprägt. Man hat mal über einen Mann gesagt, der so ähnlich gelebt hat: Wenn man ihn anschneiden würde, würde statt Blut Bibel herauskommen. Und überlegt mal — wenn ihr von Paulus und Petrus lest in den Briefen: Jeder Aspekt ihres ganzen Lebens, ob Tag oder Nacht, war vom Wort Gottes und Christus ergriffen. Ganz offensichtlich.
Aber wisst ihr, manchmal ist es bei uns so, dass wir als Christen müde und resigniert sind. Wir schauen auf diese biblischen Geschichten, auf diese biblischen Männer und fragen uns ganz ehrlich: Was läuft bei mir falsch? Warum wurden die so radikal verändert? Und ich scheine mich nur in einem andauernden Kampf zu befinden. Drei Schritte vor, vier zurück.
Du hörst in der Predigt, dass du Wut und Zorn und Lästerei ablegen sollst — und Stunden später wird deine Familie Zeuge davon, dass du diesen Mantel immer noch anhast.
Und vielleicht merkst du diesen dauerhaften geistlichen Angriff in deinem Leben. Du hast schon so lange abgewehrt und langsam verlässt dich die Kraft.
Letztens sah ich eine Dokumentation von den Bergrettern in Bayern in den Alpen. Sie sollten eigentlich nur einen Bergsteiger retten, der auf einem Gletscherfeld ausgerutscht war. Und angekommen merken sie, da sind noch viel mehr Wanderer — und vor ihren Augen rutscht ein weiterer Wanderer in eine Gletscherspalte hinein. Die zwei völlig überforderten Retter rufen die Kollegen, aber dann kommt ein riesiges Unwetter und Gewitter. Niemand kann dazu kommen. Der Hubschrauber wird abgezogen. Sie sind völlig alleine mit all den Leuten, die sie retten sollten. Es wird kalt, dann fängt der Steinschlag an. Ihnen tut alles weh. Über Stunden verharren sie in der Hocke, kämpfen um ihr Leben. Am Anfang beide hochmotiviert: »Wir retten Menschen.« Am Ende zweifelnd sagen sie: »Ich will nur noch hier raus. Ich habe Familie. Lass uns die Leute hier lassen. Wir können sie sowieso nicht retten.« Völlig desillusioniert. Am Ende der Kräfte — diese lange Zeit und im Angesicht der Möglichkeit, dass sie selbst sterben, geben sie innerlich völlig auf. Geht es dir so?
Vielleicht geht es dir so in deinem Leben. Abgekämpft, kein Wachstum mehr, Stillstand. »Früher bin ich so viel mehr gewachsen. Was ist passiert?«
Und ja, es kann auch gut sein, dass es nicht auf dich zutrifft. Deine Liebe zum Herrn und dein Leben sind in der Blüte des Glaubens. Du stehst gerade fest und gegründet auf einem festen Betonfundament des Glaubens. Kein Sturm mehr — die Südseeidylle des Glaubens. Gleichzeitig weißt du aber: Der Sturm kann kommen.
In gewissen Regionen in den USA haben die Leute extra deswegen Kellerräume ausgebaut, weil sie wissen: Es kann ein Tornado kommen. Ich muss vorbereitet sein. Und so musst du dich fragen: Wie bereite ich mich vor? Wie werde ich fester?
Gerade im Kolosserbrief haben wir von so vielen Dingen gehört — der Philosophie der Welt und von Sünden, die wir ablegen sollen. Mystizismus, Askese, eigenwilliger Gottesdienst. Und du weißt: Du brauchst tagtäglich diese Kraft, um Sünde zu überwinden. Wie geht es da weiter?
Wisst ihr, euer Leben ist nicht anders als das von Petrus und Paulus. Es gibt keine Spezialstufe von Heiligen, bei denen alles anders läuft — so Sonderheilige, denen das ja so leicht fällt.
Aber die große Frage ist: Wie geht das? Wie wächst du geistlich? Wie ziehst du herzliches Erbarmen und Güte an? Wie regiert der Friede des Christus in deinem Herzen? Wie ziehst du die Liebe an? Wie ordnest du dich deinem Mann freudig unter? Wie liebst du deine Frau? Wie gehorchst du deinen Eltern? Wie gehorchst du deinem Chef? Wie lässt du deine Kinder nicht mutlos werden? Wie arbeitest du für den Herrn? Wie kannst du vergeben, wie Christus vergeben hat?
Wie wächst du in Heiligung? Wie bereitest du dich auf Glaubenskämpfe und Stürme vor? Wie sorgst du dafür, dass dein Fundament fest ist? Wie kommst du aus der Phase heraus, wo du im Kampf resignierst? Wie kannst du wirklich wachsen? Wie kann dein Leben sein wie dieses Glaubensleben voll Wort und Tat, das wie eine Sommerblume hellgelb strahlt und geöffnet ist?
Und diese Liste waren alles Dinge, über die Paulus im Kolosserbrief spricht.
Kolosser 3,16: Der Schlüsselvers
Und in Kolosser 3, Vers 16 — unser heutiger Vers — zeigt uns der Heilige Geist selbst durch Paulus genau das auf. Er unterweist uns darin und zeigt uns konkrete Schritte auf, die wir als Gläubige gehen sollen. Schlagt bitte Kolosser 3 auf, und ich lese den Vers 16.
Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen. In aller Weisheit lehrt und ermahnt einander und singt mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern dem Herrn lieblich in euren Herzen.
Dieser Vers, ihr Lieben, ist so eine große Hilfe für alle Kämpfe. Er ist so eine Hilfe, um festzustehen, weil du durch diesen Vers lernst, wie du geistlich wächst. Aber nun stellt sich die grundlegendste der Fragen: Wie wächst ein Christ eigentlich geistlich?
Und schaut mal in den ersten Teil des Verses hinein: Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen. Das ist der Befehl. Alles andere in diesem Vers beschreibt nur, wie wir diesen Befehl umsetzen. Also: Wie geht das, dass ich das Wort des Christus reichlich in mir wohnen lasse? Und deswegen müssen wir uns zunächst mit diesem ersten Teilsatz beschäftigen.
Der Befehl, der hier benannt ist, ist: Lasst wohnen. Und wie ihr schon sehen könnt, ist das irgendwie ein komischer Befehl. Wir kennen das: Tu das, lass das, lies die Bibel, studiere das Wort, leg ab. Aber hier werden die Leser dazu aufgefordert, nicht etwas konkret ausführend zu tun, sondern etwas zuzulassen. Seht ihr das?
Lasst mich das anhand eines Beispiels aufzeigen. Viele Leute machen gern selbst etwas und helfen sich auch selbst gern. Stellt euch vor: Du und deine Familie seid jetzt so richtig krank — Magen-Darm. Du kommst nicht mehr dazu, deine Wohnung zu putzen. Du schaffst es nicht mal mehr zu kochen. Es sieht so schlimm aus. Und du willst niemals, dass jemand anderes das sieht. Und dann kommen Geschwister aus der Gemeinde — nicht deine besten Freunde, sondern liebe Geschwister — und die sagen: »Wir kommen vorbei, wir putzen alles, auch die Toiletten, wir kochen für euch, wir waschen die Wäsche und wir falten sie auch für euch.« Und sofort ist diese innerliche Abwehrhaltung da: »Nee, nee, danke. Geht schon. Wir kommen klar.« Aber anstatt aufzugeben, schauen sie dich an und sagen: »Lass dir helfen.« Es ist eine Aufforderung an dich, dass du etwas zulassen sollst — aber die Handlung nachher wird vollzogen durch das Subjekt. Also beim Putzen: Du sollst zulassen, dass jemand anderes dann diese Handlung ausführt. Du sollst zulassen und nicht verhindern.
Und genau hier ist schon das erste Problem. Wir wollen das so oft so gerne alles selbst machen. »Nein, Herr, gib mir bitte lieber eine Liste, was ich konkret mache, um geistlich zu wachsen. Also, kann ich nicht eine Liste bekommen? Zweimal täglich beten, einmal am Tag die Bibel lesen, jeden Sonntag in der Gemeinde, jede Woche — vielleicht alle zwei Wochen — einen Bibelvers auswendig lernen, ich lasse alle weltlichen Sachen, ich schaue keine Filme mehr und auch keine Annehmlichkeiten mehr. Das wäre doch viel besser. Dann könnte ich wenigstens was tun.«
Und vielleicht denkt ihr: Ach, das ist doch jetzt weit hergeholt. Nein, es ist nicht. Das ist der Grund, warum Paulus in Kolosser 2 genau darüber spricht. Erinnert ihr euch? Es ist der eigenwillige Gottesdienst. Es ist der Mystizismus oder die Askese — dass ich das schon selbst mache.
Ist das nicht interessant? Wir reden hier über Wachstum, und der Herr redet zu uns und sagt: »Lass etwas zu, dass es geschieht.« Warum? Nun, der erste Hinweis, den ich euch schon mal gebe, stand ganz am Anfang. Ich bin heute Morgen daran erinnert worden, dass das angeblich vor drei Jahren gepredigt worden ist — Kolosser 1, wo er schreibt, dass das Evangelium selbst Frucht bringt. Es bringt Wachstum und Frucht ganz automatisch. Das Wort Gottes tut es.
Alles, was jetzt kommt — merkt euch eine Sache: Ihr sollt das zulassen.
Also: Was ist der Befehl, den wir gehört haben? Wir sollen wohnen lassen.
Wenn wir etwas zulassen sollen, dann müssen wir jetzt wissen, was hier mit »wohnen« gemeint ist. Dieses Wohnen ist sehr wichtig. Warum?
Habt ihr schon mal Gäste bei euch zu Hause gehabt? Wisst ihr, was das Schöne an Gästen ist? Sie gehen wieder. Sie bleiben nur eine gewisse Zeit. Wir wissen, wann sie kommen, wir wissen, wann sie gehen. Aber das Wohnen, was hier steht, ist genau das Gegenteil davon. Es ist nicht der Gast, der bei dir wohnt — das betont das Wort sogar —, sondern es ist der Herr des Hauses.
Und wenn ihr mal mit dem Finger in eurer Bibel nur ein, zwei Zeilen zurückgeht: Was steht da? Da steht: »Der Friede des Christus regiere — oder sei Schiedsrichter oder Entscheider — in euren Herzen.« Und da geht Paulus schon in exakt die gleiche Richtung. Ja, beim Putzbeispiel gehen die Helfer wieder. Aber hier sagt der Heilige Geist uns durch den Bibeltext, dass wir zulassen sollen, dass etwas hier im Haus ist — nicht als Gast, sondern dass es dauerhaft wohnen gelassen werden soll. Es soll innewohnen. Und es soll nicht irgendwie da wohnen, sondern — schaut mal hinein — es gibt ein beschreibendes Adverb, das das Ganze noch einmal verstärkt. Dort steht: reichlich oder in vollem Maße.
An einer anderen Stelle wird das gebraucht, um zu sagen, dass Gott uns alles gibt, oder dass er den Heiligen Geist reichlich über uns ausgegossen hat. Es ist wieder der Becher im Psalm 23, der überfließt. Es ist genau das Gegenteil der menschlichen Knauserigkeit.
Habt ihr euch schon mal gefragt, warum auf Gastrobechern und Bierkrügen so ein Eichmaß drauf ist? Dieser kleine Strich ist eine Linie, die aufzeigt, bis wohin genau eingeschenkt werden muss. Und der Grund ist, weil der Mensch per se nicht zu viel einschenkt, sondern zu wenig, weil er mehr Gewinn machen kann. Und das ist genau der Gegensatz von dem »reichlich«, was hier steht. Es ist ein Über-die-Maßen, über den Eichstrich hinaus.
Jetzt haben wir einen Befehl: Lasst zu, dass etwas reichlich in euch wohnt. Und dieses, was da wohnt, muss Herr des Hauses sein, nicht ein Gast. Es soll über die Maßen wohnen.
Jetzt ist die Frage: Was soll da in uns wohnen? Schaut mal in den Vers. Was sagt der Vers? Das Wort des Christus.
Jetzt könnte man auf die Idee kommen und sagen: Na ja, das sind ja nur die Worte, die Jesus gesagt hat. Im englischsprachigen Raum gibt es da so eine Bewegung, die »Red Letter Bible«. Aber das ist hier nicht gemeint. Es ist nicht nur das, was Christus sagt, sondern auch alles, was von ihm zeugt. Und genauso wird dieses Wort hier auch benutzt. Es ist entweder das Wort, das von Christus zeugt, oder das Wort, das von ihm kommt. Und genau das Gleiche sehen wir, dass Paulus das in seinem Brief auch schon macht. Er spricht über Christus und was Christus getan hat. Das ganze Werk des Christus wird alleine in Kapitel 1 so reichhaltig dargestellt.
Aber nicht nur das — in Kolosser 1,27 wird aufgezeigt, dass es sich um den kompletten Ratschluss Gottes handelt, die komplette Offenbarung Gottes, wie Gott Christus in diese Welt gebracht hat. Und damit ist die komplette Heilige Schrift gemeint.
Der Befehl lautet: Lass es zu, dass das Wort — ja, dass Christus, die gesamte Heilige Schrift — unter euch über die Maßen viel wohnt und Hausherr im Leben ist.
Dieses Wort des Christus — nur damit wir das nicht verlieren während der ganzen Predigt: Es ist die Hauptsache des kompletten Verses. Das Wort Gottes ist hier die Hauptsache, die Spitze des gesamten Verses. Das solltet ihr unterstreichen und einkreisen, nur damit wir es nicht vergessen.
D. Wo soll es wohnen? »Unter euch«
Diese wichtige Frage ist noch offen: Wo soll es wohnen? In der Schlachter steht hier — wer die Schlachter nutzt — »in euch«. Andere, wie Luther, Menge und die ESB, übersetzen »unter euch«. Und dieses »unter euch« ist auch die konkretere Richtung, die das Wort und der Kontext beschreibt.
Denn wenn ihr auch wieder ein kleines Stück zurückgeht im Kontext, dann seht ihr, dass Paulus‘ Ansprache an eine Gruppe gerichtet ist. Seht ihr das? Also, Vers 15 — er spricht den Leib an. Er spricht von Anfang an die Gruppe von Gläubigen an, die Gemeinde in Koloss. Und in Vers 15 am Ende sagt er: »Ihr seid berufen in einem Leib.« Seht ihr das? Und das zeigt schon auf: Es geht um diese Gruppe. Und dann, Vers 16 — wenn ihr zwei, drei Worte weiterlest — sagt er, dass ihr euch gegenseitig lehrt, einander lehrt. Also zeigt dieser ganze Kontext auf: Es geht hier nicht um eine Einzelperson.
Und ihr werdet gleich noch sehen, worum es genau geht — nämlich den Leib. Es geht vor allem um den lokalen, örtlichen Leib von Gläubigen, die etwas untereinander tun.
Und es ist sehr klar, dass der Heilige Geist selbst ausdrücklich durch sein Wort hier klarstellt: Es kann unter Christen keine Einzelkämpfer geben. Er macht es ausdrücklich klar durch die mehrfache Nennung — »berufen in einem Leib«, »wohnen unter euch«, »euch gegenseitig gelehrt« — und dadurch wird diese Tatsache umso mehr hervorgehoben.
In einem kurzen Video sprach kürzlich ein Ehepaar über die Frage, die sie bekommen haben, ob es auch möglich ist, ohne örtliche Gemeinde Kinder für Gott zu erziehen. Ihre erste Aussage, ich zitiere: »Wir glauben, dass es möglich ist, denn es gibt ja Tausende von Christen, die überhaupt nicht die Möglichkeit haben, irgendwo in eine Gemeinde zu gehen. Oder Gott gibt jemanden einen besonderen Auftrag, wie Gemeindegründungsarbeit zu machen. Da darf man absolut darauf vertrauen, dass Gott auch bei der Kindererziehung helfen wird. Außerdem hat Gott diese Aufgabe der Kindererziehung auch im Glaubensleben wirklich den Eltern übertragen, und die tragen die Verantwortung für das, was ihren Kindern weitergegeben wird.« Am Ende des Videos kommen sie dann noch recht schwammig darauf, dass es ja Gottes Wille ist, dass wir als Christen grundsätzlich in eine Gemeinde gehen oder zusammenkommen. Insgesamt wird in diesem kurzen Video viel mehr optional dargestellt, dass wir in eine Gemeinde zusammenkommen.
Aber wisst ihr was? Das hat exakt mit unserem Text heute zu tun. Denn es geht hier nicht irgendwo um eine Theorie, wie wir noch sehen werden, sondern es geht um das komplette Leben — und sogar um die Kindererziehung — und es geht darum, warum das, was hier steht, auch dafür essenziell ist. Und deswegen muss ich den beiden mit diesem Bibeltext direkt widersprechen, denn das ist nicht die Antwort Gottes. Es ist explizit auf andere, auf das Gegenseitige ausgerichtet.
Und irgendwie meinen so viele Christen, dass Gemeinde und Gemeinschaft optional seien. »Ja, es ist Gottes Wille, aber es hat keine große Auswirkung, wenn ich nicht in einer Gemeinde bin.« Und sie sagen sogar, dass es möglich ist, geistlich zu wachsen ohne eine Gemeinde. Und das ist so fatal, weil der gesamte Abschnitt — und vor allen Dingen der heutige Vers — so deutlich zeigt, dass wir die Gemeinschaft innerhalb des Leibes nötig haben. Das ist sogar die einzige Möglichkeit, wirklich geistlich zu wachsen und standhaft zu bleiben.
Was sagt Paulus in Vers 16? Es soll unter uns wohnen. Denkt daran: Er spricht vorher vom Leib, und wir sollen das gegenseitig und untereinander tun. Und deshalb müssen wir es auch zulassen.
Versteht ihr? Wenn es nur um uns geht, dann fällt uns das nicht so schwer. Er spricht hier von der Ortsgemeinde. Er schreibt nicht irgendwie an zerstreute Christen-Einzelkämpfer, die sich irgendwo lose vielleicht treffen, vielleicht auch nicht. Jeder Christ muss verbindlich in einer Gemeinde sein. Es gibt sonst kein geistliches Wachstum.
Aber nicht nur das — er ist auch außerhalb der geschlossenen Kampfstellung. Paulus spricht in Kapitel 2 darüber, und er ist allen Angriffen von außen und von innen schutzlos ausgeliefert.
Kann es sein, dass es mal zeitliche Momente gibt, wo man gerade keine Ortsgemeinde hat? Ja, wir leben nach 1. Mose 3, aber es ist ein Mangel. Genauso wie keine Ältesten in einer Gemeinde zeitweise sein können — aber es ist ein Mangel, der beendet werden muss.
Und aus diesem Grund bestätigen wir uns als Gemeinde auch immer wieder gegenseitig in unserem gegenseitigen Versprechen: Wenn wir von diesem Ort wegziehen, werden wir uns so schnell wie möglich einer anderen Gemeinde anschließen, wo wir die Überzeugung dieses Versprechens und die Prinzipien des Wortes Gottes umsetzen.
Ich habe jetzt mehrfach gesagt, dass es hier um Heiligung und um geistliches Wachstum geht. Und der aufmerksame Leser hat jetzt bemerkt, dass das gar nicht da steht. Stimmt. Aber es gibt eine einfache Antwort. Warum schreibt Paulus, getrieben vom Heiligen Geist, dass das Wort des Christus reichlich in uns wohnen soll?
Im ersten Kapitel, Kolosser 1,7–11, zeigt Paulus die Absicht seines Briefes auf. Er hat ein Gebet und er will, dass die Kolosser erfüllt werden mit Erkenntnis seines Willens — Gottes Willens —, damit sie würdig wandeln und in jedem Werk fruchtbar sind. In Kolosser 1,28–29 zeigt er auf, dass sein Dienst für die Gemeinde ist, sie zu lehren und zu ermahnen. Warum? Um jeden Christen vollkommen in Christus darzustellen. Wieder: Der Christ soll wachsen.
Kolosser 2, die Verse 4 bis 7 — er warnt jetzt und sagt: »Passt auf, lasst euch nicht überreden, fallt nicht auf die Philosophie der Welt herein, sondern so wie ihr jetzt feststeht, haltet daran fest. Lasst euch nicht abbringen.« Auch hier zeigt er auf: Der Christ soll feststehen, und um festzustehen, muss er im Wort Gottes feststehen. Und hier wird die ganze Absicht des Briefes deutlich: Es ist das geistliche Wachstum des Gläubigen, dass er an Christus und seinem Wort festhält.
Das ist geistliches Wachstum, und das ist das Wachstum in der Heiligung. Und dann unser ganzes Kapitel — was macht er? Er zeigt auf, wie sie alle Sünde ablegen sollen. Von Unzucht angefangen über Zorn, über Wut. Sie sollen sich gegenseitig vergeben. Sie sollen Barmherzigkeit, Langmut, Sanftmut anziehen. Alles das ist was? Ein Wachsen in Heiligung, ein Voranschreiten in Heiligung und ein Wachsen im Glauben.
Und dann kommt unser Abschnitt. Er zeigt auf, wie das geschieht. Und nach unserem Abschnitt geht es direkt weiter — ihr könnt euch schon freuen auf die nächsten Predigten. Da zeigt er nämlich auf, wie man als Ehepaar leben soll, als Mann, als Frau, wie man als Kinder sein soll, wie man als Arbeitnehmer sein soll. Auch da geht es um die Heiligung, um das Wachsen zu Christus hin, um ihm ähnlicher zu werden. Und das ist das ganze Ziel: das Streben, unserem Herrn Jesus Christus, unserem Retter, unserem Herrn, unserem Heiland ähnlicher zu werden.
Und Kolosser 3, Vers 16 — das ist jetzt das, worauf er die ganze Zeit gezielt hat. Und er zeigt, wie der Christ dieses geistliche Wachstum, das Ziel, das er für sie hat, erreicht.
Und der Vers 16 ist keine losgelöste Aussage, kein praxisloser Auftrag ohne Ziel. Es ist der Kern eines jeden Christen. Es ist sogar das, was jeden Christen auszeichnen muss. Und was zeichnet ihn aus? Was soll er tun? Kolosser 3, Vers 16: »Lass das Wort des Christus reichlich in euch — oder unter euch — wohnen.«
Zusammengefasst: Was ist der Befehl? Wir sollen wohnen lassen. Du musst das zulassen. Was heißt das »reichlich wohnen«? Es heißt, dass es der Hausherr ist, kein Gast. Und wie? Über die Maßen. Über die Maßen in deinem Leben. Was soll wohnen? Das Wort des Christus — der Kern des ganzen Verses. Das Wort des Christus soll unter uns wohnen. Alles, was Christus gesagt hat, was auf ihn hinweist, der komplette Ratschluss des Wortes Gottes. Wo soll es wohnen? Unter uns. Kein Einzelkämpfer, sondern ein gemeinschaftliches Streben, ein gemeinschaftliches Einander, wie wir gleich noch sehen werden.
Und es geht um das geistliche Wachstum, weil Paulus im kompletten Kolosserbrief das als Ziel für die Gläubigen hat. Oder wie Paulus in Kolosser 1,10 sagt: Damit ihr des Herrn würdig wandelt und ihm in allem wohlgefällig seid, zu jedem guten Werk fruchtbar und in der Erkenntnis Gottes wachsend.
Das, womit Paulus anfängt — das ist der Befehl. Das ist, was wir im Leib tun sollen. Die Frage ist jetzt: Wie geht das? Jetzt kannst du sagen: »Ist ja klar, ich muss Bibel lesen und beten.« Aber das stand nicht da. Da stand, dass wir etwas zulassen sollen — nämlich, dass das Wort Gottes in uns wohnt. Und die Frage ist jetzt: Wie geht das?
Und wisst ihr was? Der Herr ist so gütig mit uns. Wirklich — ich meine das ernst. Er hat uns nicht nur einen Befehl gegeben und sagt: »Ja, mach halt mal.« Sondern er sagt uns noch genau, was wir tun sollen.
Wir haben uns die Merkmale eines reifen Christen angesehen: dass das Wort des Christus reichlich unter uns wohnen soll. Und jetzt schauen wir uns an, wie das Ganze geschieht.
Kolosser 3, Vers 16: Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen. Und ich lese jetzt aus der Elberfelder Bibel vor. Hört gut zu.
Das Wort des Gesalbten, des Christus, wohne in reichem Maß unter euch, lehrend und einander ermahnend in aller Weisheit, mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, und Gott mit Dankbarkeit singend in eurem Herzen. Das »Wie« — drei Partizipien erklärt
Und hier sehen wir, dass Paulus drei Partizipien benutzt. Was sind Partizipien? Ist ganz einfach: lehrend, ermahnend, singend. In unserer deutschen Sprache benutzen wir es nicht mehr ganz so oft, aber es ist etwas, was wir gleichzeitig tun. Es beschreibt das Wie. Und vielleicht bemerkt ihr hier schon ein paar Unterschiede in eurer Übersetzung.
Das kann manchmal der Fall sein, weil es grammatikalische Konstruktionen im Griechischen gibt, die nicht ganz klar sind. Und das ist auch hier der Fall. Es werden ein paar Sachen offengelassen — welches Wort jetzt genau wozu gehört. Aber es sind keine Probleme, die irgendwie theologisch irgendetwas ändern würden, versteht ihr? Es ist nichts Fragwürdiges.
Und es ist ja auch nicht so, dass die Schrift nur an einer Stelle von Sachen reden würde, sondern die Prinzipien sehen wir in der ganzen Schrift, und es wird überall deutlich. Aber hier sind einfach ein paar Dinge, wo man nicht hundertprozentig genau weiß, worauf das jetzt zielt.
Will euch ein Beispiel geben. Das ist so, wie wenn man im Deutschen das Komma weglässt oder an andere Punkte setzt. Der erste Satz: »Der Mann sagt, die Frau kann nicht Autofahren.« Ein Komma mehr: »Der Mann, sagt die Frau, kann nicht Autofahren.« Zweites Beispiel: »Computer arbeitet, nicht ausschalten.« Oder: »Computer arbeitet nicht, ausschalten.« Ihr könnt verstehen — es sind Kleinigkeiten, die etwas ändern, aber es sind eigentlich Kleinigkeiten.
Was hier klar ist: Es sind Partizipien — gar keine Frage. Es ist lehrend, ermahnend, singend. Und die Partizipien beschreiben, wie man das Wort des Christus wohnen lässt. Das Einzige, was nicht ganz klar ist, ist, wo die Worte Psalm, Loblieder und geistliche Lieder genau hingehören — ob sie zu »lehrend und ermahnend« oder zu »singend« gehören, weil sie genau dazwischen stehen und keine grammatikalische Richtung haben. Und auch das Wort »in Weisheit« — die Schlachter klammert das an den ersten Teil. Aber alle Übersetzer und Übersetzungen sind sich eigentlich einig: »in aller Weisheit« gehört zu »lehren und ermahnen«. Aber das ist keine große Sache. Lasst euch nicht verwirren, denn ich denke, es gibt eine sehr gute Erklärung dafür.
Ein weiterer Hinweis für die ganze Struktur unseres Abschnitts ist wichtig, und deswegen gebe ich euch jetzt die restliche Gliederung des Abschnitts.
Es sind zwei Richtungen, wie wir das Wort des Christus reichlich in uns wohnen lassen. Schaut mal in den Text. Auf der einen Seite steht dort: »Wir sollen uns gegenseitig lehren und ermahnen in aller Weisheit.« Seht ihr das? Gegenseitig. Und was steht bei »singend«? Dort steht: »Wir sollen dem Herrn mit Gnade oder Dankbarkeit in unseren Herzen singen.« Seht ihr das?
Also, wir haben zwei Richtungen in diesem Text. Und wir haben jetzt schon gesehen: Wir sollen das Wort des Christus reichlich unter uns wohnen lassen. Aber wie soll das gehen? Wir haben zwei große Punkte:
Erstens, indem wir uns gegenseitig lehren und ermahnen, und zweitens, indem wir Gott in Dankbarkeit singen. Das sind die zwei Wege, wie wir als Leib, als Gläubige — wie der einzelne das Wort des Christus reichlich in sich und unter uns wohnen lässt.
Und wie geht das jetzt genau?
Erstens — das erste »Wie« ist: lehrend und ermahnend. Man könnte auch sagen: es ist gegenseitiges Zusprechen. Worum geht es hier?
Und bevor wir weitermachen, muss ich euch jetzt noch einen Vers aus Kolosser 1 zitieren. Hört mal gut zu, ob euch irgendetwas bekannt vorkommt. Dort schreibt Paulus folgendes über sich und seinen Dienst: »Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen.« Kommt euch etwas bekannt vor? Hört sich sehr ähnlich an. Ist es auch.
Hier sagt Paulus genau das, und er sagt es als Auftrag — von sich zu jedem einzelnen Gläubigen. Er spricht hier konkret zu den Kolossern. Ja, Paulus war auch Apostel und Prediger, aber das Interessante ist, dass er in Kolosser 1,28 ein bisschen eine andere Sprache spricht. Und immer wieder fordert er im Neuen Testament z.B. andere Männer wie Timotheus auf, andere zu lehren und ihnen zu gebieten. Aber hier spricht er davon, dass er sagt: jeden einzelnen — seht ihr das? Jeden einzelnen. Es ist die viel engere Verbindung innerhalb des Leibes.
Und damit macht er sich selbst zum Vorbild für das, was er uns in Kolosser 3,16 aufträgt. Nämlich: Es ist nicht das Lehren und Ermahnen z.B. von der Kanzel, sondern das, was untereinander im Leib passieren soll. Seht ihr, wie er immer wieder in dem Brief diesen Fokus hochhält — dass der Leib untereinander, jeder einzelne, einander ertragen soll? Z.B. wenn einer eine Klage gegen den anderen hat — das hatten wir vorher auch — immer wieder das »Einander«. Und es hat den besonderen Fokus, weil genauso die geistliche Arbeit an uns und für die anderen passieren soll.
Und noch ein kleiner Hinweis: Das Lehren ist hier kein Imperativ. Hier steht nicht »lehrt«, sondern es ist das Wie — »Wie lasse ich das Wort des Christus reichlich in mir wohnen? Lehrend und ermahnend.« Es beschreibt die Vermittlung von Theorie und Praxis. Was ist das Ziel? Es ist das Ziel, dass alle Gläubigen innerhalb des Leibes in ihrem Leben geistlich wachsen.
Und in Kolosser 3,16 wird das Ganze — »lehrend und ermahnend« — noch eingegrenzt, und zwar durch das »in aller Weisheit«. Es ist das Lehren und Ermahnen von jedem untereinander in Weisheit. Genauso hat Paulus in Kolosser 1,28 auch das, was er tut, eingegrenzt.
Es ist ein Hin und Her. Es geht hier nicht um das Leiten oder Anleiten von Personen in der Gruppe, z.B. in der Predigt, wo einer zu allen spricht, sondern darum, dass die Wahrheiten aus dem Wort Gottes in jeden Aspekt und in jeden Lebensbereich des anderen eingebracht und angewendet werden sollen — und dass der andere das in meinem Leben ebenso tut. Es ist ein Hin und Her. Und deswegen auch »lehrend und ermahnend«. Diese beiden Worte beschreiben auf der einen Seite den informativen Teil und auf der anderen Seite den praktisch zurechtweisenden Teil.
Auf der einen Seite wird die Wahrheit des Wortes Gottes vermittelt — ja, Paulus tut das z.B., indem er im ganzen Kapitel über Christus spricht, über die Theologie, wie wir errettet worden sind. Und auf der anderen Seite soll der Bruder oder die Schwester zurechtgewiesen und ermahnt werden — und zwar auf die Folgen eines falschen Lebens, eines falschen Verhaltens aufmerksam gemacht und davor gewarnt werden. Auch das zeigt er auf: »Lasst euch nicht verführen« — das ist seine Ermahnung.
Die Wahrheit der Schrift, die Wahrheit der Bibel und das praktische Anwenden dieser Wahrheiten im konkreten Fall. Und dieser Weisheitsaspekt kommt genau da ins Spiel — nämlich es biblisch und in der richtigen Rolle und in der richtigen Art und Weise weiterzugeben.
Ein Beispiel sind z.B. die Frauen in Titus 2, wo ihnen aufgetragen wird — und hier ist auch wieder das Ganze eingegrenzt — das Gute zu lehren. Und dann steht genau, wie sie es tun sollen: nämlich die jüngeren Frauen anzuleiten, die Männer zu lieben, besonnen und häuslich zu sein. Und das wäre dann z.B. eine Anwendung in Weisheit — nämlich in der richtigen Rolle, in der richtigen Art und Weise üben sie das aus, dass sie die jungen Frauen anleiten und ermahnen, es auf die richtige biblische Art und Weise zu tun.
Jetzt die Frage: Wer soll das denn machen?
Der Leib — gegenseitig. Seht ihr das? Es ist nicht die Aufgabe der Ältesten und Pastoren alleine. Sie sind wofür zuständig? Epheser 4 sagt: Sie sind dafür zuständig, uns als Leib auszurüsten, damit wir eben das untereinander tun. Das ist ihre Hauptaufgabe. Sie rüsten uns biblisch aus, damit wir einander helfen und einander zurechtweisen — lehrend und ermahnend. Genau wie Paulus es vorgemacht hat, wie er jeden ermahnt und gelehrt hat.
Oder wie hier von der Kanzel: Ihr lernt heute durch das Wort Gottes, dass ihr einander lehren und ermahnen und singen sollt. Warum? Damit ihr geistlich wachst. Und dann sollt ihr das alles untereinander tun — wir alle untereinander.
Und jetzt noch mal zurück. Er hatte gesagt: Wir sollen etwas zulassen. Erinnert ihr euch? Es ist ein »Niemand hat in mein Leben zu reden«. Kennt ihr den Gedanken von euch selbst? »Niemand hat mir was zu sagen.« Oder: »Ich rede doch nicht in das Leben der anderen. Soll mal selbst klarkommen.« Vielleicht sind wir nicht immer ganz so böse dabei. Vielleicht ist es auch einfach Menschenfurcht. Nein — wir sollen es gegenseitig tun.
Und jetzt kommt der Teil mit den Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern. Ich denke, dass dieser auf der einen Seite stark an dem Partizip »singend« hängt, aber dass der Heilige Geist absichtlich durch Paulus dafür gesorgt hat, dass es genau zwischen »lehren« und »singen« steht. Warum? Weil wir durch Psalmen, Lobgesänge und geistliche Lieder auch lehren und ermahnen.
Und diese drei Dinge, die hier beschrieben werden, sie sind grundsätzlich nah beieinander. Man kann sie nicht absolut trennen, aber sie geben uns doch eine gewisse Richtung vor. Die Psalmen sind überwiegend wirklich die Psalmen. Ja, ich habe einen Ausleger gehört, der sagt, das seien nicht die Psalmen, das könnten nicht die Psalmen sein — hat aber keine Begründung. Er spricht von »dem Psalm«, er spricht auch sonst von den Psalmen. Sie zitieren auch manchmal die Psalmen im Neuen Testament — und wisst ihr, was sie tun? Sie zitieren die Psalmen, die vertont und gesungen werden sollen. Und zwar sollen wir damit lehren und ermahnen. Und die Psalmen haben genau diese Richtung ja selbst drin, denn sie lehren inspirierte Theologie und gleichzeitig ermahnen sie uns.
Denkt einfach nur mal an Psalm 1. Was macht Psalm 1? »Glückselig ist der Mann, der nicht wandelt nach dem Rat der Gottlosen« — lehrt und ermahnt gleichzeitig. Es ist nicht trivial, und es ist inspiriert.
Die Lobgesänge sind wahrscheinlich christliche Lieder — keine unbedingt inspirierten Lieder, aber Lieder, die Gott und Christus loben und anbeten. Und geistliche Lieder geben an, dass all diese Lieder grundsätzlich geistlich sein müssen.
Und Epheser 5,19 ist uns hier eine gute Parallele, denn Epheser 5,19 macht den Vergleich und den Kontrast und zeigt auf: Wir sollen nicht sein wie in der Welt, wie die Betrunkenen sind. Ja, die sind voll Alkohol — und wir sollen voll des Geistes sein. Und das ist genau der Kontrast, den er hier aufmacht. Nicht wie die Welt, sondern geistlich. Nicht der heidnische Gesang, sondern der geisterfüllte Gesang.
Und hier wird noch etwas klar: Das einander Zusingen ist ein wichtiges Mittel, das Gott uns gibt, wie wir geistlich wachsen. Und auch hier wird wieder eines deutlich: Wir tun es untereinander. Wir tun es gegenseitig. Es ist ganz im Gegensatz zur Selbstdarstellung — sondern es hat den konkreten Zweck. Diese Lieder haben den konkreten Zweck, dem anderen zu dienen und ihm zu helfen, geistlich zu wachsen, damit das Wort des Christus reichlich in ihm wohnt. Das ist der Zweck der Lieder.
Warum Lieder und Musik? Nun, Gott hat es genauso eingesetzt mit den Psalmen. Wir können uns vieles besser merken, wenn es gesungen ist. Wenn wir z.B. jetzt müde hier im Gottesdienst singen und dem Prediger nicht mehr ganz so gut folgen können, dann kommt uns vielleicht ein Lied in den Kopf, und wir werden wieder daran erinnert, dass wir das Wort Gottes reichlich in uns wohnen lassen sollen. Genauso benutzt Gott das in den Psalmen. Der Mensch muss sich erinnern — in den schwierigen Situationen, dann, wenn es anstrengend wird. Und dann tun wir es gemeinsam. Wir singen gemeinsam und wir erinnern uns gemeinsam an die Wahrheiten aus Gottes Wort. Wir singen sie uns zu. Und dann ist da noch der emotionale Teil, dass der Gläubige mit Körper und Seele darin involviert ist, Gott zu loben. Und Christen, die gemeinsam singen, sie bringen als komplette Einheit, als Leib, öffentlich diese Tatsache und dieses Lob und diese Wahrheiten aus dem Wort Gottes zum Ausdruck.
Und so wird Musik hier auch ganz klar definiert und eingeschränkt.
Wenn ihr mal ganz genau in den Vers schaut — schaut mal wirklich genau hinein. Kolosser 3, Vers 16. Seht ihr, was dort steht, was nicht erlaubt ist? Seht ihr das? Schaut mal genau hin.
Das Schlagzeug und die moderne Melodie?
Seht ihr nicht? Nee, steht da auch nicht.
Aber dafür ist ganz deutlich — ganz deutlich — impliziert, dass es um die Wahrheit gehen muss. Es wird nämlich schon definiert: Es muss das Wort des Christus sein. Es muss lehrend und ermahnend sein. Es muss geistlich sein. Es muss Gott loben. Von Melodien spricht Paulus hier überhaupt nicht, aber vom Inhalt sehr wohl. Und ich möchte hier einfach nur einen ganz kurzen, aber deutlichen Punkt machen.
Es ist nicht egal, was der Inhalt eines Liedes ist. Und das ist hier in Vers 16 sehr klar. Der Inhalt muss lehrend, ermahnend, ja, lobend sein. Er muss geistlich sein, und es muss das Wort des Christus sein. Es muss dem Christen helfen, geistlich zu wachsen.
Es gibt ein biblisches Lied — und es ist dadurch inspiriert. 5. Mose 32, das Lied des Mose. Keine Angst, ich werde es nicht komplett vorlesen, sonst würde ich meine Zeit komplett überschreiten. Aber hört einfach nur zu, wie dieser Text ist.
»Horcht auf, ihr Himmel, denn ich will reden, und du Erde, höre die Rede meines Mundes. Meine Lehre träufle wie der Regen und meine Rede fließe wie der Tau, wie die Regenschauer auf das Gras und wie die Tropfen auf das Grün. Denn ich will den Namen des Herrn verkünden. Gebt unserem Gott die Ehre. Er ist der Fels. Vollkommen ist sein Tun. Ja, alle seine Wege sind gerecht. Ein Gott der Treue und ohne Falsch, gerecht und aufrichtig ist er. Gegen ihn haben verderblich gehandelt, die nicht seine Kinder sind, sondern Schandflecken, ein verkehrtes und verdrehtes Geschlecht. Dankst du so dem Herrn, du törichtstes und unweises Volk? Ist er nicht dein Vater, dem du gehörst? Ist er nicht, der dich gemacht und bereitet hat? Denke an die Tage der Vorzeit, achte auf die Jahre der vorhergehenden Geschlechter. Frage deinen Vater, der wird es dir verkünden; deine Alten, die werden es dir sagen. Als der Allerhöchste den Heiden ihr Erbe austeilte, als er die Menschenkinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israels. Denn das Teil des Herrn ist sein Volk, Jakob ist das Los seines Erbteils. Er hat ihn in der Wüste gefunden, in der Öde, im Geheul der Wildnis. Er umgab ihn, gab Acht auf ihn. Er behütete ihn wie seinen Augapfel, wie ein Adler seinen Nestbrut aufscheucht, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie auf seinen Schwingen trägt. Der Herr alleine leitet ihn, und kein fremder Gott war mit ihm.«
Im Vergleich dazu habe ich wirklich ein Extrem herausgesucht. Es soll uns einfach nur aufzeigen, dass wir weise damit umgehen und wirklich prüfen. Und ich weiß, es ist ein extremes Lied. Der Vergleich dazu: das Lied »Chvrchies« von den O’Bros — eine sehr bekannte Band.
»Bang bang. Radikale Liebe, Frucht des Geistes, gute Vitamine. Lecker. Wir sind nice, denn wir retten die Delfine. Menschen fischen unsere Routine. Ah, dicker. Wir chillen mit unseren Leuten. Die anderen sagen, wir wären nur minderbemittelte Kinder mit Pickeln. Sie denken, wir wären die fettesten Checker der Welt. Aber eigentlich sind wir nur Kinder des Vaters, bekannte Kinder des Höchsten. Alle Dämonen machen sich ins Höschen. Ja, denn es geht klick klack in eine lyrische Offensive, die Ketten zerfetzt haben, alles was wir noch hatten, auf den Retter gesetzt, haben das Brot des Lebens gefressen. Es hat lecker geschmeckt. Sorry, vielleicht wisst ihr es schon. Aber das hier passiert, wenn zwei Christen flowen. Ja, Gott ist der King of Kings. Alles gehört ihm. Am liebsten chillt er mit seinen Churches.«
Was ein Unterschied! Deshalb müssen wir darauf achten, was die Inhalte der Lieder sind.
Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen.
Wie können wir dieses Wort Gottes reichlich in uns und unter uns wohnen lassen? Indem wir einander lehren und ermahnen — und anderes durch Psalmen, Loblieder und geistliche Lieder.
Das ist der erste Punkt. Zweitens — wie noch? Indem wir Gott in Dankbarkeit singen. Schaut noch mal in den Vers. Ich zitiere noch mal die Elberfelder Bibel: Das Wort des Gesalbten, des Christus, wohne in reichem Maß unter euch, lehrend und einander ermahnend in aller Weisheit, mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, und Gott mit Dankbarkeit singend in euren Herzen.
Gott singen wir dankbar — oder sollen dankbar singen in unseren Herzen. Das ist auch ein Thema, das die ganze Zeit in seinem Brief wiederkommt: die Dankbarkeit. Der ganze Brief fließt über von dieser Dankbarkeit über Christus und sein Werk und über Gott.
Wann schreibt er darüber? Nun, er fängt damit an und sagt: »Ich bin Gott dankbar, liebe Kolosser, dafür, was er in euch getan hat.« Dann Kapitel 1 sagt er: »Das ganze Mittel, damit ihr standhaft ausharrt, damit ihr im Glauben fest bleibt, damit ihr wächst und Frucht bringt — was ist es?« Er sagt: »Sagt dem Vater Dank.« Das ist das Mittel.
Dann Kapitel 2 ist es das Mittel, um gegen Philosophie und Lehrbetrug anzugehen, um standhaft zu bleiben. Er sagt: »Seid dankbar.« Das ist das Mittel. Dann Kapitel 2 ist es die Schlussbemerkung. Nachdem er aufgezeigt hat, dass wir Sünde ablegen sollen, dass wir Liebe untereinander haben sollen, sagt er: »Und habt Frieden im Leib untereinander und seid dankbar.«
Dann Kapitel 3, Vers 16: »Seid dankbar, singt dankbar.« Und Theo wird demnächst noch mal darüber predigen. Er sagt es noch mal: »Und übrigens, egal was ihr tut, sagt dem Vater Dank durch ihn.« Und dann Kapitel 4 am Ende sagt er noch mal: »Und jetzt, liebe Geschwister, betet ihr für uns und dankt dem Herrn in dem, wie ihr betet.«
Wenn du also geistlich wachsen willst, dann lehren und ermahnen wir nicht nur untereinander mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, sondern wir singen Gott Dank.
Und wenn das erste unser horizontales Handeln als Leib, als Geschwister untereinander ist, so ist dieses vertikale Handeln, was wir als Geschwister gemeinsam tun.
Und ja, ich weiß, er schreibt hier »in unseren Herzen«. Er meint damit folgendes — nicht, dass wir das stumm machen. Es ist nicht seine Aussage: »Ich bin ja im Herzen dem Herrn dankbar.« Sondern er zeigt damit das auf, was die Propheten schon lange gesagt haben. Sie zeigen dem Volk Israel auf und sagen: »Ja, ihr bringt noch Opfer, aber es kommt gar nicht mehr aus eurem Herzen.« Sie hatten in ihrem Herzen den Herrn schon lange abgelehnt und wollten nicht mehr machen, was er sagt. Aber die Opfer, die haben sie noch gebracht. Nein — es ist das Aus-vollem-Herzen-Heraus. Und so sollen wir mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern Gott singend danken.
Das ist, wie das Wort des Christus unter anderem reichlich in uns wohnt.
Und ist das nicht interessant? Ist das nicht interessant, was die Lösung dafür ist, dass das Wort des Christus reichlich in uns wohnt?
Erstens: Du wächst nicht alleine, sondern es ist so ein Segen, es ist so eine Güte Gottes selbst, dass er sagt: Wir tun das untereinander und sollen das untereinander in der Gemeinschaft tun, in der Ortsgemeinde einander helfen. Es ist das »unter euch«. Die Gemeinde als Leib soll das Wort des Christus reichlich unter sich wohnen lassen.
Und wie wächst dann der Christ? Indem er die komplette Schrift, das Wort des Christus, reichlich unter sich wohnen lässt. Und wisst ihr was? Auch hier kommt wieder das Gleiche zum Ausdruck — das, was Paulus schon so oft klargemacht hat. Was hat er gesagt? Christus reicht aus, ihr Lieben. Und das ist, was er hier wieder aufzeigt: Das Wort des Christus reicht völlig aus. Die Bibel reicht aus.
Es muss der überfließende Teil unserer Gemeinschaft sein. Es ist das Wort Gottes, das für alles ausreicht, mit dem wir vollkommen gesättigt sein müssen als ganze Gemeinschaft und als jeder Gläubige einzeln. Es muss unter uns wohnen. Es muss der Hausherr hier und in unserem Leben sein. Es ist kein vorübergehender Gast.
Und das Ganze passiert in der Gemeinschaft mit den Geschwistern. Nicht: »Ich alleine und die Bibel — ich brauche die anderen nicht.« Sondern dein Leben in diesem Bollwerk und der festgeschlossenen Kampfstellung — wie die Menge-Übersetzung Kapitel 2, Vers 6 übersetzt. Da soll das Ganze geschehen.
Und wisst ihr jetzt auch, warum man nicht einfach Kinder ohne Gemeinde erziehen kann? Weil der Abschnitt hier genau das Gegenteil aufzeigt. Er zeigt auf, dass wir einander brauchen, damit das Wort des Christus reichlich in uns wohnt — lehrend, ermahnend, singend —, damit wir zugerüstet sind, auch unsere Kinder zu erziehen, auch uns unserem Arbeitgeber unterzuordnen und was auch sonst noch.
Und wie geht das jetzt mit diesem Bollwerk? Indem wir uns gegenseitig lehren und ermahnen — mit was? Mit dem Wort Gottes, mit dem Wort des Christus selbst. MacArthur schreibt dazu folgendes:
»Die Wahrheiten der Schrift sollten jeden Aspekt des Lebens eines Gläubigen durchdringen und jeden Gedanken, jedes Wort, jede Tat bestimmen. Das Wort wohnt in uns, wenn wir es hören (Matthäus 13,9), damit umgehen (2. Timotheus 2,15), es verbergen (Psalm 119,11) und es festhalten (Philipper 2,16). Um dies zu tun, muss der Christ lesen, studieren und leben.«
Und wir nehmen dieses Wort, um unsere Geschwister, unsere Brüder und Schwestern die Wahrheit der Schrift weiterzugeben, um sie zu ermahnen, damit sie nicht auf falschen Wegen sind — oder wenn sie auf falschen Wegen sind. Wir tun es unter anderem durch Psalmen, Loblieder und geistliche Lieder.
Wir singen im Gottesdienst, ja. Aber wir sollen es auch im Privaten tun — untereinander. Wie kann man im Privaten singend das machen? Indem man es gemeinsam tut, indem man das Gleiche singt.
Das ist übrigens einer der Gründe, warum wir im Gottesdienst so viel Wert auf den Gemeindegesang legen, weil wir hier vorbildhaft für unser ganzes Leben genau das machen wollen. Wir wollen uns gegenseitig zusingen. Wir wollen uns gegenseitig durch diese Wahrheiten lehren und ermahnen und dem Herrn aus vollem Herzen loben und danken.
Und es ist nicht egal, was wir singen. Es muss im Wort Gottes gegründet sein. Es muss das Wort Gottes sein. Das Wort des Christus muss reichlich in uns wohnen. Und ja, singt es auch als Familie und als Freunde.
Und der zweite Punkt ist, dass wir Gott durch unseren Gesang Lob singen — ihm unseren Dank von Herzen im Lied ausdrücken.
Und wenn du im Kampf stehst und du fühlst dich wie diese zwei Bergretter — die hatten wirklich innerlich aufgegeben —, dann ist das der Weg.
Lass andere lehrend, ermahnend, vielleicht mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern in dein Leben reden. Lass die Geschwister das Wort des Christus in dein Leben sprechen. Lass es zu.
Und wodurch passiert das? Durch jedes Gespräch mit dem Wort des Christus, durch jedes Lied, jeden Psalm, jedes Loblied — dort, wo du überfließend bist, über die Maßen vom Wort des Christus, und genau das lehrend und ermahnend innerhalb des Leibes weitergibst. Aber auch da, wo andere dich lehren und ermahnen, vielleicht auch mit Psalmen und Lobliedern.
Es kann auch durch eine Predigt sein und durch gute Bücher — auf jeden Fall. Aber der Fokus liegt hier auf der Gemeinschaft. Und lasst uns das Wort Gottes in uns wohnen lassen und lasst uns Gott durch unser Singen loben und unseren Dank ausdrücken.
Das ist, was wir in den Psalmen an so vielen Stellen lesen — wie der Psalmist den Herrn preist und lobt und sogar sich selbst noch dazu aufruft, eben das zu machen.
Wisst ihr, Kolosser 3, Vers 16 ist kein neues Prinzip. Es ist nicht so, dass die ganze Bibel irgendetwas sagt und dann kommt Kolosser 3,16 aus dem Nichts und sagt »übrigens singt« — und dann macht die Bibel wieder weiter und kommt nie wieder vor. Es ist ein Prinzip, das wir in der ganzen Schrift finden. Z.B. im Psalm 103, Vers 1 bis 4 von David. Was macht er? Was singt er? Hört gut zu.
»Lobe den Herrn, meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen.«
Ist das nicht interessant? David fängt nicht an mit »Ich lobe den Herrn«, sondern David singt sich selbst sogar in diesem Fall die Wahrheit zu — Gott von Seele, vom Herzen her zu loben und zu danken. Und dann sagt er: »Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.« Theologie — das Wort des Christus — »der alle deine Sünden vergibt« — ach, Kolosser 1 — »und all deine Gebrechen heilt« — ja, Christus, Kolosser 3 — »er wird alles gut machen, wenn wir in der Herrlichkeit sind, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Barmherzigkeit.« Kommt euch das bekannt vor? Es ist kein neues Prinzip. Es ist das alte Prinzip. Das ist das, was Gott von Anfang an lehrt.
Und wenn du gerade keinen Sturm hast — was hat Paulus den Kolossern gesagt? »Ja, ich weiß, ihr steht fest.« Aber was brauchten sie trotzdem? Sie brauchten biblische Belehrung, worin sie feststehen, und die Aufforderung, Gott dankbar zu sein.
Über diese Dankbarkeit wird Theo in der nächsten Predigt noch viel mehr sagen, denn Vers 17 fasst das alles noch einmal zusammen. Ja, da kommt noch mal das Wort »dankbar« vor, und Vers 17 sagt übrigens: Egal was ihr tut, sagt Gott dem Vater durch Christus Dank dafür.
Paulus und Petrus — diese beiden Männer. Ich glaube, wenn wir denen damals begegnet wären, die meisten von uns sind sehr behütet in der heilen Welt aufgewachsen — ich bin mir nicht sicher, ob wir mit denen klargekommen wären. Das waren wirklich zwei spezielle Männer. Überlegt mal: Da steht so ein Petrus, was der von sich gibt. Und dann ist da so ein Paulus, der intellektuell uns allen überlegen ist und gleichzeitig wutschnaubend.
Und diese beiden Männer werden durch diese Kraft der Evangeliumsbotschaft einmal auf links gedreht — gerettet, völlig verändert und zu Männern der Gemeinde gemacht. Und sie haben genau das ausgelebt, ihr Lieben. Genau das haben sie getan. Sie haben das Wort des Christus reichlich in sich wohnen lassen — lehrend, ermahnend, singend.
Ich erinnere nur an Paulus, der im Gefängnis gesessen hat. Was hat er getan? Gesungen. Was hat er gesungen? Ein Loblied.
Und ja, sie wurden zu diesen vorbildlichen Männern. Und dieses Wort des Christus — wisst ihr was? Es ist nicht das Wort, das damals gewirkt hat und seitdem verblasst ist. Es ist nicht fade geworden. Es ist das Wort, das mit der gleichen Kraft heute in unserem Leben, in unserer Gemeinde wirkt. Es ist immer noch verändernd.
Und das ist, was Kolosser 3,16 beschreibt — was wir als Gläubige untereinander tun sollen. Wir rüsten zu und bekommen Zurüstung. Wir loben Gott gemeinsam. Es ist also wahr, dass wir durch Lehre, Ermahnung und Musik geistlich wachsen.
Ja, wenn das Wort des Christus reichlich in uns wohnt, wenn es unter uns wohnt — denn dieses Wort Gottes verändert unser Denken und unser Handeln. Es macht uns Christus ähnlicher. Und wenn du dich fragst: »Warum hat der Herr mir gerade diese Geschwister dazugegeben?« — dann hast du hier die Lösung: weil er uns allen dadurch hilft, dass wir das Wort des Christus reichlich in uns wohnen lassen — lehrend, ermahnend, singend — nicht als Einzelgänger, sondern einander.
Und ihr Lieben, dieser Aufruf ist wichtig, denn wir sollten als Gemeinde und Gläubige nicht in ein sogenanntes Sonntagschristentum verfallen. Sonntag alle im Gottesdienst — und nach der Predigt redet niemand mehr darüber, keine geistlichen Gespräche. Ich weiß, es ist aus meiner Vergangenheit schon lange her, aber da kamen die Aussagen, dass Leute gesagt haben: »Es ist so unnatürlich, wenn man im Freundeskreis über den Herrn spricht. Das wirkt so aufgesetzt.«
Aber das ist, was Paulus hier sagt, und wir müssen uns davor hüten. Es ist nichts Unnatürliches, wenn wir im ganz normalen Alltag einander lehren, ermahnen und singen und dem Herrn singen.
Wir sollen dem Hausherrn, dem Wort, uns vor ihm nicht verschließen.
Und das Schöne ist: Das ist bei uns in der Gemeinde, denke ich, sichtbar. Aber wir müssen uns warnen lassen, dass wir nicht den Philosophien der Welt verfallen, sondern dass wir an Christus und seinem Wort festhalten.
Kolosser 3, Vers 16: Das Wort des Gesalbten, des Christus, wohne in reichem Maß unter euch, lehrend und einander ermahnend in aller Weisheit, mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, und Gott mit Dankbarkeit singend in unseren Herzen.
Und genau das, Geschwister, werden wir jetzt tun. Wir werden im Abendmahl uns daran erinnern und Gott loben — singend loben. Wir werden uns durch die Schriftlesung ermahnen und belehren lassen, was das Wort Gottes sagt, damit das Wort des Christus reichlich in uns wohnt.
Steht gerne auf. Lasst uns dem Herrn danken für diese wunderbaren Wahrheiten.
Herr Jesus Christus, wir sind dir wirklich dankbar. Wir sind dir so dankbar, dass du uns dein Wort gegeben hast, dass du uns alles gibst, was wir zum Leben brauchen.
Herr, wie oft verfehlen wir uns in dieser Sache — dass wir uns zwar fragen, warum wir stecken bleiben, aber gar nicht mehr auf den Gedanken kommen, dass dein Wort, dass das Wort des Christus nicht mehr reichlich in uns wohnt. Herr, dass wir uns um alles drehen, aber nicht um dein Wort. Wie oft vergessen wir, lehrend und ermahnend und singend dieses Wort reichlich in uns wohnen zu lassen. Wie oft vergessen wir, dass wir es zulassen sollen, dass dein Wort in uns wirkt und diese Frucht produziert.
Stattdessen strampeln wir uns ab, verfallen in einer Askese, in einem Mystizismus, versuchen selbst aus eigener Kraft Dinge zu lösen, irgendwie geistlicher zu werden, versuchen diese Sünde loszuwerden mit eigenen Mitteln — und vergessen völlig, Herr, dass du uns schon den Plan gegeben hast, wie es absolut sicher funktioniert.
Herr, wir beten darum, dass dieses Wort, dein Wort, reichlich unter uns wohnt, dass wir einander lehren und ermahnen und dass wir nicht aufhören, dir unseren Dank durch den Gesang als Geschwister darzubringen.
Amen.
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