27. April 2025

Geld und Geben: Die Prinzipien des Spendens heute

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Gliederung:

I. Das Prinzip des Zehnten (1Mo 14,20; 28,22; 2Mo 36,4-7; 4Mo 18,26; 2Tim 3,16-17)

II. Das Prinzip der Erstlinge (1Mo 4,3-5; Spr 3,9-10; Mt 28,18-20; 1Kor 16,2)

III. Das Prinzip der Freigebigkeit (Apg 11,27-29; 2Kor 8-9)

A. Freigebigkeit muss ausgegraben werden

B. Wir spornen einander an in Freigebigkeit

C. Wir planen Freigebigkeit

D. Wir halten uns an Recht und Ordnung

IV. Das Prinzip der Liebe Gottes (2Kor 8,9)

V. Das Prinzip des Gehorsams (2Kor 9,11-14)

 

Alles eine Frage der Perspektive Prinzipien des Gebens

Ihr kennt sicher die Aussage: Alles eine Frage der Perspektive. Wir sind heute in unserer fünften und letzten Predigt aus der Serie »Geld und Geben« angekommen. Wir haben in den letzten Monaten, über den Jahreswechsel – was schon lange her ist – diese Serie begonnen und möchten sie heute beenden mit den Prinzipien des Gebens, des Spendens. Alles eine Frage der Perspektive.

Nun, das sagt auch der Millionär, wenn er den Milliardär trifft und sich ganz arm fühlt. Wenn der Millionär sich mit dem Milliardär unterhält, meint er, er sei arm. So geht es uns oft im Umgang mit dem Geld, im Nachdenken über das, was der Herr uns anvertraut hat. Wir finden jemanden, der noch mehr hat, und fühlen uns dann erbärmlich.

Gott hat uns in Verwalterschaft gestellt und er möchte, dass wir ihm vertrauen. Damit haben wir diese Serie begonnen. »Du brauchst Gottvertrauen« war Teil 1. Diese Verwalterschaft hat sich in der zweiten Predigt gezeigt aus Lukas 16, wo der ungerechte Verwalter von Jesus als Vorbild genommen wird, weil er weiß, dass es ein Leben nach seiner Kündigung gibt und dafür vorgesorgt hat. Und diese Predigt hatte den Titel: »Sorge vor für alle Zeit« – also auch die Ewigkeit. Auch wir werden dieses Leben hier auf Erden beenden. Und wie geht es dann weiter? Unsere finanzielle Verantwortung spielt dabei eine Rolle.

Nun, wir hatten uns in der dritten Predigt angeschaut, dass die Gemeinde und die Gläubigen diejenigen zu unterstützen hat, die im Wort und in der Lehre arbeiten, dass Mitarbeiter am Wort und der Lehre unterstützt werden sollen – mit diesem Prinzip: »Der Ochse, der drischt, dem sollst du nicht das Maul verbinden.« Die letzte Predigt, die ich gehalten hatte, behandelte unsere fünf Verantwortungen, bevor wir Freigiebigkeit ausüben. Das sind all die Verantwortungen, die Gott uns gegeben hat in unserem Alltag und Leben hier.

Ich möchte euch erinnern: Wenn ihr irgendeine dieser Predigten verpasst habt, hört sie nach. Sie sind seit dieser Woche auch auf der Startseite von leuchtturm.info zu finden, damit ihr sie schnell finden könnt. Denn ich schaffe es nicht, das Thema heute zu behandeln und euch alles zu wiederholen, was wir schon gesagt haben. Deshalb werden wir all die Verantwortungen aus der letzten Predigt voraussetzen und heute das Spenden, die Freigiebigkeit, anschauen.

Gott hat uns als Verwalter eingesetzt. Du bist Verwalter von der Zeit, die Gott dir gegeben hat. Gott hat sie bemessen. Er hat dir Tag und Stunde festgesetzt, wann du geboren wirst. Deine Zeit ist begrenzt. Du bist Verwalter. Gott hat deine Gaben bemessen, deine natürlichen Gaben und auch deine Geistesgaben, wenn du gläubig bist. Nach dem Willen des Heiligen Geistes hat er dir gegeben, nach der Kraft und Fähigkeit – und du bist Verwalter, und sie werden enden. Und genau dasselbe trifft auf die Finanzen zu. Auch darin hat Gott gegeben, vertraut er uns an, und sie sind begrenzt. Das wissen wir an jedem Monatsende, dass sie begrenzt sind. Aber sie sind auch begrenzt auf diese Lebenszeit, denn das letzte Hemd hat bekanntlich keine Taschen.

All diese Verwalterschaft hat Gott uns gegeben, damit wir sie hier und jetzt und heute einsetzen für ihn, für ihn allein seinen Willen umsetzen. Und in dieser Verwalterschaft bewähren wir uns für die zukünftige Verwalterschaft, in alle Ewigkeit mit Christus zu regieren. Deshalb ist all das, was wir hier auf Erden tun, so unglaublich relevant für die Ewigkeit. Es ist wie die Qualifikation vor dem Rennen. Sie entscheidet über die Position, in der du startest – aber in Ewigkeit ist es dann die Position, in der du bleibst.

Nun, wir haben in der Schrift keinerlei Regelwerk für diese Verantwortung. Es gibt keine Regeln, wo du einfach durchgehen kannst und sagen kannst: abgehakt, abgehakt, abgehakt, fertig. Stattdessen gibt Gott uns in seiner Weisheit Prinzipien und er traut dir zu, dass du diese Prinzipien umsetzen kannst in deinem Leben, in deinem Alltag, in deinen Umständen. Ein Regelwerk wäre viel zu unwürdig deiner, denn du kannst in Weisheit, die Gott dir gibt, in den Umständen, in denen du sein magst, diese Prinzipien anwenden – egal in welcher Zeit du lebtest oder leben wirst, egal in welchen Umständen, egal in welchem sozialen Stand. Die Prinzipien sind gültig. Und diese Weisheit Gottes, die Prinzipien des Gebens – nachdem wir in der letzten Predigt die ganzen Prinzipien der Verantwortung für uns, unsere Familie und vieles weitere gesehen haben – wollen wir uns nun anschauen.

Die ganze Serie war schon überschrieben mit der großen Wahrheit: Gott gehört alles. »Mein ist das Silber und mein ist das Gold, spricht der Herr der Heerscharen« – Haggai 2,8 ist immer wieder mal gefallen. Auch dein Silber und Gold, nicht nur an deinem Finger und um deinen Hals, sondern auch das sprichwörtliche, die Moneten auf deinem Konto, gehören Gott. Das ist, was er hier in Haggai 2 sagt. Gott gehört alles. Und dieses überragende Prinzip: Wer reichlich sät, wird reichlich ernten. Diese zwei – wenn ihr die euch merkt, dann habt ihr schon sehr viel verstanden. Gott gehört alles, wir sind Verwalter, und wer reichlich sät, wird reichlich ernten.

Nun wollen wir uns fünf Prinzipien des Gebens, des Spendens, anschauen.

Das Prinzip des Zehnten

Wir beginnen mit dem Prinzip des Zehnten. Wie sieht es aus mit diesem Gebot? Nun, ich möchte beginnen, euch an die Geschichte des Zehnten zu erinnern. Der Zehnte wird als ein Begriff zum Spenden bezeichnet, manchmal einfach allgemein als »mein Zehnter«, obwohl es gar nicht immer 10% sind – denn 10% ist ja dann noch die Frage, wovon. Aber dazu kommen wir auch noch.

Der Zehnte kann manchmal als Zahl gemeint sein: Ich gebe 10%, oder einfach nur als Wort, um meine Spende zu bezeichnen. Nun, das Prinzip, 10% zu geben, kommt oder wird zuerst bei Abraham erwähnt. Abraham gab dem Hohepriester Melchisedek den Zehnten – in 1. Mose 14, Vers 20. Dort lesen wir: »Und gelobt sei Gott, der Allerhöchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat. Und Abraham gab ihm den Zehnten von allem.« Das sind die letzten Worte von Melchisedek und die Folge: Abraham gab ihm den Zehnten von allem, diesem Hohepriester Melchisedek.

Wir werden später sehen, dass auch Kain und Abel schon gegeben haben, geopfert haben – aber da haben wir in 1. Mose keine Angabe, wie viele Früchte oder Tiere sie geopfert haben. Also hier ist Abraham der Erste. Dann sehen wir Jakob in 1. Mose 28, Vers 22, dass auch er Gott versprach, den Zehnten zu geben. Jakob sagt in 1. Mose 28,22: »Und dieser Stein, den ich als Gedenkstein aufgerichtet habe, soll ein Haus Gottes werden, und von allem, was du mir gibst« – so sagt Jakob – »will ich dir, Gott, gewisslich den Zehnten geben.«

Wir sehen Abraham und Jakob noch vor dem Gesetz Moses dieses Prinzip ausleben. Wir sehen bei Abraham, dass er sagt: »Ich gebe den Zehnten dir, Melchisedek, von allem.« Wir sehen bei Jakob, dass er sagt: »Gott, ich werde dir von allem, was du mir gibst, gewisslich den Zehnten geben.« Kleine und wichtige Worte, die wir hier erkennen.

All das, was wir gerade gelesen haben, hat nichts mit dem Gesetz Moses zu tun, denn Abraham und Jakob handeln hier, bevor das Gesetz gegeben ist. Und deshalb ist es ein Prinzip, was wir erkennen, was Gott eingeführt hat und der Mensch von jeher praktiziert hat. Dann kommt Mose und das mosaische Gesetz, und die Juden unter Mose kannten drei Zehnte. 3 x 10% sind fast 30% – nicht ganz, weil der dritte Zehnte nur alle drei Jahre anfiel.

Der erste Zehnte fiel jedes Jahr an und hat den Lebensunterhalt für Priester und Leviten gedeckt. Ihr könnt es nachlesen in 4. Mose 18, 21 bis 24. Der zweite hat geistliche Feste finanziert – das ist so ähnlich, wie wenn du ein eigenes Budget für die Gemeindefreizeit hast. Finanzierung geistlicher Feste: 10% des ganzen Einkommens. 5. Mose 12, 17 bis 18 könnt ihr das nachlesen, und 5. Mose 14,23. Der dritte Zehnte fiel alle drei Jahre an und war die Abgabe zur Unterstützung von Waisen, Witwen und Armen. Ihr findet ihn in 5. Mose 14, 28–29 und 5. Mose 26. Dann gab es noch ein paar weitere kleine Abgaben, und man kommt ungefähr auf 25% Abgaben, die das mosaische Gesetz vorgesehen hat.

Diese Abgaben, diese Zehnten, sind ein Gemisch davon, das Werk und Reich Gottes zu finanzieren – weil es die Leviten waren – und die Steuern und die armen Waisen und Witwen mitzutragen. Das war alles in diesem Paket mit drin. Aber es waren in dem Sinne feste Abgaben, wo Maleachi dann sagt: »Wenn du sie Gott nicht gibst, beraubst du ihn«, weil es die festen Abgaben waren, die vorgeschrieben waren. »Du beraubst Gott mit diesen Abgaben.« Würde er heute genauso sagen bei deiner Steuerhinterziehung, den festgeschriebenen Abgaben, die da sind – wie auch Jesus und wir in der letzten Predigt schon gesehen haben: Wir sollten Steuern zahlen, das ist Teil unserer Verantwortung. Schon hat er gesagt: »Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.«

Es ist also diese drei Zehnten ein Mix, und wir können nicht einfach sagen, wir nehmen diese Zehnten des mosaischen Gesetzes und wenden sie heute an. Gleichzeitig sehen wir, dass jeder dieser Zehnten das Prinzip des Zehnten ist. Es sind nicht 12, nicht 15, nicht 7, nicht 3%. Es ist jedes Mal 10 – auch bei Waisen und Witwen alle drei Jahre.

Das Prinzip des Zehnten wird weiterhin untermauert darin, dass selbst die, die von dem Zehnten der Leute leben – die Leviten – wiederum den Zehnten geben sollen. Auch da keine neue Zahl, kein neues Irgendwas, sondern 4. Mose 18 sagt uns in Vers 26: »Rede auch zu den Leviten und sage ihnen: Wenn ihr von den Kindern Israels den Zehnten nehmt, den ich euch von ihnen als Erbteil gegeben habe, so sollt ihr davon dem Herrn ein Hebopfer abheben, den Zehnten vom Zehnten.«

Abraham hat den Zehnten gegeben, Jakob hat den Zehnten gegeben, Israel hat drei Zehnten gegeben, die Leviten haben den Zehnten gegeben – und es ist ein Prinzip, was Gott uns zeigt. Viele andere Kulturen oder Religionen haben Ähnliches, aber das ist kein wirkliches Argument. Manche haben weniger, manche mehr.

Wie gilt der Zehnte uns heute? Nicht als Gesetz, nicht als »du beraubst Gott«. Manche würden so weit gehen. Ich denke, das Prinzip ist ein Prinzip, damit du mitdenkst. Und es ist nicht das einzige Prinzip – wir sind nur bei Prinzip 1 der heutigen Predigt. Es kommen noch mehr. Dieses Prinzip ist aber nicht aufgehoben, weil das mosaische Gesetz aufgehoben ist. Die drei Zehnten des mosaischen Gesetzes sind aufgehoben, aber das Prinzip bleibt. Randy Alcorn, den ich nachher noch zweimal zitieren werde, beschreibt den Zehnten als Stützräder zum Üben, weil du anfangen musst, den Segen des Gebens zu lernen, so wie du anfangen musst, Fahrrad zu fahren. Und diesen Segen des Gebens lernen wir im Zehnten. Dieses Vorbild bleibt auch, wenn das mosaische Gesetz aufgehoben ist, als Vorbild bestehen, den Zehnten zu geben.

Erinnert euch an 2. Timotheus 3,16. Viele von euch kennen den Text sehr gut: »Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei zu jedem guten Werk, völlig ausgerüstet.« Der Text hier spricht von aller Schrift. Die Schrift, die Paulus zum Zeitpunkt des Schreibens schon hatte, war auf jeden Fall das ganze Alte Testament und einige der neutestamentlichen Bücher – aber er bezieht es, und Paulus selbst predigt primär aus dem Alten Testament. Und auch das Alte Testament ist uns gegeben – wir haben weitere Texte, die davon sprechen – zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei zu jedem guten Werk, völlig ausgerüstet.

Das Ziel der Schriften sind unsere guten Werke. Sie spornen uns an, aber nicht nur das – sie überführen uns auch und helfen uns, dass wir erzogen werden. Das Prinzip des Zehnten überführt jeden einzelnen, der behauptet, es gäbe ihn nicht mehr. Denn wahrscheinlich behauptest du, es gibt ihn nicht mehr, nicht weil du unbedingt 11% geben willst oder 15 oder 20, sondern als Ausrede zu sagen: »Ich will mehr für mich.« Deshalb frage ich dich: Ist es vielleicht eine Ausrede, auf das mosaische Gesetz zu schauen und nicht auf das Prinzip? Ja, das mosaische Gesetz ist zweifellos aufgehoben, aber 2. Timotheus 3,16 sagt auch, dass die Schrift gegeben ist zu deiner Erziehung. Zu deiner Erziehung, weil du etwas lernen musst – so wie du grün hinter den Ohren in die Vergangenheit guckst und dir denkst: »Wie konnte ich so handeln?« Wurdest du erzogen, bist reifer geworden und hast gelernt, was Gottes Weisheit ist. Dieses Prinzip des Zehnten ist ein Mittel zur Erziehung, sodass du zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet bist.

Ohne Zweifel – ich wiederhole – bleiben die speziellen Regelungen vom Alten Testament nicht bestehen. Sie gelten nicht. Die Regelungen, die behaupten: »So viel musst du geben, und wenn du es nicht tust, beraubst du Gott.« Und dennoch ist es ein Prinzip, das bestehen bleibt und vor dem mosaischen Gesetz schon galt und umgesetzt wurde. Wir lernen Fahrradfahren mit Stützrädern, und du lernst den Segen des Gebens mit dem Prinzip des Zehnten. Du lernst den Segen von Freigiebigkeit, zu der wir später noch kommen, indem du da mal anfängst. Dies ist kein Gesetz, sondern der Beginn, den Segen des Gebens zu erfahren, sodass wir in Gerechtigkeit erzogen werden, wozu die Schrift uns gegeben ist.

Das ist Wachstum und Reife. Wenn wir mehr und mehr erkennen, was Gott möchte, es umsetzen und erkennen, wie viel Segen Gott bringt, wenn wir auch in diesen praktischen Dingen ihm gehorchen und folgen. Jeder von uns möchte reif werden und nicht dauerhaft grün hinter den Ohren bleiben. Reif werden heißt für dich zu erkennen: Wenn ich in Ewigkeit mehr ernten will, dann muss ich heute mehr säen. Aber das ist Reife. Wenn du anfängst, deinem Vierjährigen Taschengeld zu zahlen, dann hat er diese Reife nicht, sondern er sieht den Lolli. Er kostet einen Euro, er hat einen Euro, und er ist weg. Reife heißt zu erkennen: Ich lebe für die Ewigkeit. Reife heißt zu erkennen, dass wer viel sät, viel ernten wird. Reife heißt zu erkennen, dass Geben seliger ist als Nehmen. Reife heißt zu erkennen, dass die Ewigkeit wichtiger ist und länger dauert als unser Leben hier auf Erden.

Randy Alcorn sagt in seinem Buch »Geld, Besitz und Ewigkeit«: »Das stärkste Argument, das heute gegen das Geben des Zehnten vorgebracht wird, ist das, bei dem es um Gesetz oder Gnade geht. Doch bedeutet, unter Gnade zu sein, dass wir aufhören sollen, alles, was unter dem Gesetz getan wurde, zu tun? Nein, es bedeutet das nicht. Mose hat im Gesetz geschrieben: Wenn du eine Dachterrasse hast, dann bau einen Zaun. Das ist heute immer noch richtig. Es heißt nicht, einfach weil das Gesetz nicht mehr gültig ist, ist alles, was im Gesetz je stand, ungültig. Das Gesetz regelt die Ehe. Das Gesetz regelt auch Unzucht. Das sind immer noch Prinzipien, die bleiben. Die Frage ist nicht, ob der Zehnte alles umfasst unseres Gebens und Spendens oder auch der Dreh- und Angelpunkt ist – weder noch. Es ist einfach ein erstes Prinzip.«

Das Prinzip ähnelt dem Prinzip vom Ruhetag. Auch davon haben wir in letzten Predigten in 1. Mose gehört. Das Prinzip des Ruhetags, das damals unter dem Gesetz das Gebot war, den Sabbat zu halten, ist immer noch Prinzip. Wir als neutestamentliche Christen sind nicht verpflichtet, den Sabbat mit all seinen mosaischen, festgelegten Regeln zu halten – wir kommen zu Kolosser 2,16 noch einmal. Und doch bestand der wöchentliche Ruhetag schon seit der Schöpfung vor dem Gesetz, in 1. Mose 2 und 3. Dieses Prinzip ist nicht widerrufen. Die Christen seit der Auferstehung feiern es am Auferstehungstag, am Sonntag, am Tag des Herrn, am ersten Tag der Woche bei den meisten. Und auch am Ruhetag ist es ein Prinzip. Arbeitest du sonntags, dann suchst du den Ruhetag woanders. Es ist kein Gesetz. Und so ist der Zehnte zu verstehen. Das Alte Testament ist von Christus vollkommen erfüllt, aber es heißt nicht, dass es bedeutungslos ist. 2. Timotheus 3:16 und 17 spricht auch vom Alten Testament.

Wenn wir geben, reflektieren wir Gott als Geber, als Versorger, und wir erkennen Gott an, dass er der Eigentümer ist all unseres Besitzes und wir seine Verwalter. Diese zwei großen Wahrheiten: Gott gehört alles, wir sind Verwalter. Und wer reichlich sät, wird reichlich ernten. Viele von euch sind große Vorbilder im Geben und in ganzer Hingabe. Und die Zeiten, in denen wir leben, werden nicht einfacher. Die Kosten steigen an allen Ecken. Auch für die Gemeinde steigen die Kosten. Wenn du das Alte Testament in Bezug auf das Geben mit betrachtest, nutze es nicht als Ausrede, sondern sieh das Prinzip, halte es hoch und denk darüber nach. Aber es ist eben auch nur ein Prinzip und nicht Gesetz. Das Prinzip wird von viel mehr Prinzipien ergänzt, die wir uns nun weiter anschauen.

Das Prinzip der Erstlinge

Das zweite Prinzip neben dem Prinzip des Zehnten ist das Prinzip der Erstlinge. Das Prinzip der Erstlinge sagt, dass du von dem ersten Ertrag gibst. Es beschreibt deine Herzenshaltung. Das Prinzip des Zehnten hat mehr die Menge beschrieben. Das Prinzip der Erstlinge beschreibt die Herzenshaltung, die Haltung, von dem ersten zu geben. Es bekräftigt, dass Gott alles gehört und ich Verwalter bin. Weil ihm alles gehört und ich Verwalter bin und er sagt: »Das erste soll mir gehören«, deshalb gebe ich, sobald der Ertrag eingebracht wird.

Dreimal im Jahr war das bei den Israeliten der Fall unter Mose: der erste Ertrag vom Weinberg, der erste Ertrag vom Getreide, Wein, Olivenöl oder Schafwolle, Schrotmehl und Honig wurde Gott gegeben. Diese Erstlingsgabe erkennt Gottes Eigentumsrecht an. Hofni und Pineas sind das Negativbeispiel in 1. Samuel 2. Diese Erstlingsgabe ist heute Teil der Antwort auf die große Frage der Gläubigen: Spende ich nun vom Brutto oder vom Netto?

Wir haben uns schon angeschaut, dass sowohl Abraham als auch Jakob als auch die Israeliten wovon gegeben haben. Der Text lautete: »Gewisslich von allem. Gewisslich von allem.« Manche antworten auch: »Wie möchtest du denn gesegnet werden? Vom Brutto oder vom Netto?« Beides ist wohl wahr. Zu meinen, ich will rechnen und ich will einen Anteil berechnen und dann das Netto zu nehmen – oder das, was die meisten machen, die Kaufkraft zu nehmen, ich erkläre sie gleich noch –, ist einfach nur, sein Gewissen zu beruhigen. Am Ende möchte Gott in dem Prinzip des Erstlings unsere Anerkennung sehen, dass ihm alles gehört.

Und wir sehen, nicht erst wie ich schon sagte bei Abraham und Jakob, sondern auch schon bei Kain und Abel, dass sie geben. Das sind 1. Mose 4, 3 und 5: »Es geschah nach geraumer Zeit, dass Kain dem Herrn ein Opfer darbrachte von den Früchten des Erdbodens.« Es steht nichts vom Zehnten, aber er bringt das Opfer. »Und auch Abel brachte ein Opfer dar von den Erstlingen seiner Schafe und von ihrem Fett. Und der Herr sah Abel und sein Opfer an. Kain und sein Opfer sah er nicht an. Da wurde Kain sehr wütend.«

Abel ist hier auch Vorbild und explizit für Israel benannt, dass er von den Erstlingen seiner Schafe und ihrem Fett gab. Das heißt nicht nur die erste Frucht, sondern die beste Frucht. In Sprüche 3, 9 bis 10 erinnert uns Salomo: »Ehre den Herrn mit deinem Besitz und mit den Erstlingen all deines Einkommens.« So zeigen wir Gott, dass er unsere Priorität ist.

Erstlingsfrucht heißt heute: vor der Rentenabgabe. Erstlingsfrucht heißt: vor der Krankenversicherung, vor der Miete und vor dem Supermarkt. Viele Gläubige heute geben 10% ihrer Kaufkraft. Kaufkraft ist der Betrag, der pro Haushalt vom Einkommen übrig bleibt, nachdem alle regelmäßig wiederkehrenden Verpflichtungen bedient sind – die Miete, die Kredite, die Versicherungen und so weiter. Unser Problem in Deutschland ist, dass wir kaum das Brutto sehen. Es erscheint nicht auf dem Konto, es sei denn, du bist selbständig oder schaust dir die Gehaltsabrechnung genau an. Wir sehen nur das Netto. Viele kennen sogar nur den Stundenlohnnetto, weil er nur auf dem Lohnschein steht, und wir machen uns gar nicht bewusst, was wir eigentlich bekommen, wie viel Gott uns versorgt. Er versorgt uns mit dem Brutto, denn am Ende wird vom Brutto auch unsere Rente bezahlt. Der Selbständige hat kein Brutto und Netto, er muss selbst dafür sorgen, dass er irgendetwas im Alter hat. Also schau dir deinen Lohnschein mal genau an. Die zweite Schwierigkeit in Deutschland ist: Du findest das Brutto kaum auf deinem Lohnschein. Da stehen so viele Beträge – man muss schon wissen, wo man hingucken soll. Und ganz unten kommst du auf jeden Fall wieder zur Nettoauszahlung, wenn du deinen Lohnschein anschaust.

Erstlingsfrucht ist ein Prinzip der Schrift, was Abel schon praktizierte, was Mose weiterhin gebot und was wir später in unserer Predigt sehen werden, dass die Gemeinde aufrechterhalten hat, indem sie am ersten Tag der Woche gesammelt hat.

Ich möchte euch in all diesen Details herausfordern, bewusster darüber nachzudenken, zu planen, Verwalterschaft auszuleben. Es geht am Ende nicht darum, dass ich dich herausfordern will, 11% zu geben oder neun. Es geht darum, dass Gott möchte, dass du deine Rechnung machst – beachtet die Predigt vom letzten Mal, es ist mehr als nur das Geben – und dass du dann ganz bewusst und mit wachem Geist in Dankbarkeit geplant x% oder eine bestimmte Summe gibst. So oft denken wir über den Gottesdienst des Lebens gar nicht wirklich nach. Es ist wie eine tote Liturgie geworden. Liturgie sind die Gottesdienstabläufe, an die gar keiner mehr denkt. Unser Geben ist nicht eine tote Liturgie, sondern muss eine lebendige sein: darüber nachzudenken, es zu planen und, wie wir gleich noch sehen werden, mit Freude zu geben.

Ich habe vor einigen Jahren deshalb angefangen, in meinem Budget diese Bruttobeträge herauszusuchen und sie als Einnahme aufzulisten und in den Ausgaben die Renten und die Abgaben und die Versicherung wirklich zu sehen. Denn nur wenn ich sie sehe, wann immer ich unser Budget anschaue, erinnere ich mich daran. Und natürlich – ihr könnt es schon ahnen – bist du jedes Mal schockiert. Aber du musst Bewusstsein haben, und das möchte ich euch herausfordern zu entwickeln, darin reif zu werden.

Ja, das Geben des Zehnten kann zur Gesetzlichkeit werden, wenn ich es abhake und dann stehen bleibe. Aber jede legitime Handlung kann zur Gesetzlichkeit werden. Das ist kein gutes Argument. Zu den Erstlingen sagt Alcorn – ich zitiere ihn noch einmal: »Manche Menschen argumentieren gegen das Gebot des Zehnten und für freiwillige Gaben. Das stimmt. Aber wie wir gesehen haben, tut das Alte Testament es auch. Freiwilliges Geben ist kein neuer Gedanke. Freiwilliges Geben und das regelmäßige Geben existieren im alten Bund nebeneinander. Warum nicht auch im neuen Bund?« Und Alcorn schreibt weiter: »Ich denke, dass hinter dem Gedanken, Gott die Erstlinge zu geben, eine zeitlose Wahrheit steht. Ob der Zehnte nun noch immer das Mindestmaß dieser Erstlinge ist oder nicht, so frage ich mich doch: Erwartet Gott von den Kindern seines neuen Bundes, dass sie weniger, gleich viel oder mehr geben? Ich habe festgestellt, dass für viele Menschen der Ausdruck ›Geben aus Gnade‹ einfach heißt, das zu geben, worauf man gerade Lust hat. Und offensichtlich haben die meisten Menschen einfach keine Lust, etwas zu geben. Die Annahme scheint die zu sein, dass Gott von seinen Leuten nicht mehr erwartet, dass sie bedeutende Beträge geben. Auch wenn das ›Geben aus Gnade‹ ein wunderschön klingender Begriff ist, wird er inzwischen dafür benutzt, eine zugrunde liegende Haltung zu bemänteln, die verdreht und unbiblisch ist. Diese hat uns, unsere Kinder, unsere Gemeinden und vor allem unseren Herrn entehrt. Was auch immer die Kirche heute über das Geben lehrt: Entweder entspricht es nicht der Bibel, die Botschaft erreicht uns nicht, oder wir sind ungehorsam. Der Zehnte ist seit jeher Gottes Methode, Menschen auf den Weg des Gebens zu bringen. In diesem Sinn kann er heute als ein Tor zur Freude des wahren Gebens aus Gnade dienen. Genauso wie er das spontane, freudige, freiwillige Geben entstehen ließ, das wir in verschiedenen alttestamentlichen Texten sehen.«

Einmal mehr: Nutze es nicht als Ausrede – das ist der große Gedanke dahinter. Und die Erstlinge zeigen uns: Wir erkennen an, Gott gehört alles. Und Predigt Nummer 1 lautete: Vertraue Gott. Erstlinge zu geben heißt Gott zu vertrauen, weil ich nicht weiß, wie mein Monat laufen wird – und ich gebe trotzdem vorher, weil ich ihm vertraue.

Nun, wohin spenden wir? Wir spenden heute in all das, was am Ende Matthäus 28 finanziert. Das ist unser großer Auftrag als Gläubige. Nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren ist, hat er uns gesagt: »Geht hin, macht zu Jüngern alle Völker.« Das ist, was er uns gesagt hat. Und wo immer wir das unterstützen, geben wir, denn es braucht Mittel, um diesen Jüngerschaftsbefehl zu vollbringen.

Ich möchte euch anspornen, das Geben nicht zu einer toten Liturgie werden zu lassen, sondern bewusst zu wissen, was mit eurem Geld passiert und warum ihr den oder den anderen Betrag regelmäßig gebt. Ihr gebt nach der Schrift, um die Ausgaben eurer Ortsgemeinde zu decken – den Gottesdienst, die ganze Jüngerschaft, die Räumlichkeiten, die man braucht. Wieso sehen wir im Neuen Testament nicht, dass Leute für Räumlichkeiten Geld bezahlen? Nun, wohlhabende Gläubige in der Apostelgeschichte haben ihre Räume einfach zur Verfügung gestellt. Das sehen wir an verschiedenen Stellen. Haben wir auch kein Problem damit, wenn jemand unseren Gemeindebau finanzieren möchte. Wir sehen auch, dass Paulus die Schule des Tyranus benutzt in Apostelgeschichte 19. Das waren offensichtlich seine Schulungsräume. Wir lesen nicht davon, dass er eine Miete bezahlt hat. Aber was wir in der ganzen Apostelgeschichte lesen, ist, dass die Jünger im ganzen Volk angesehen waren. Ich bin überzeugt, dass sie ihre Miete bezahlt haben.

Wir tragen mit unseren Spenden die Ausgaben der Ortsgemeinde, unser ganzes Essen, was zur Gemeinschaft dient, weil es ein Wille Gottes ist. Wir tragen, wie wir in Predigt Nummer 3 gesehen haben, unsere Ältesten, die an Wort und Lehre arbeiten. Wir tragen die, die in Predigt, in Seelsorge, in Musik dienen. All das ist Wort und Lehre. Wir spenden und nutzen Spenden für übergemeindliche Werke, die gemeindezentriert sind, wo Gemeinden zusammenarbeiten, um das Reich Gottes voranzubringen. Wir sind gleich in 2. Korinther 8 und 9. Das war eine übergemeindliche Spende zur Not der Gläubigen in Jerusalem. Es gibt dieses Gemeinden geben für die Not und das Werk Gottes. Und natürlich geben wir für Barmherzigkeit – die Diakonie, die Armen, die Witwen, die Notfälle. Es ist viel weniger geworden in unserem Sozialstaat, aber die Ukrainekrise hat viel davon wieder hervorgebracht und auch die Freigiebigkeit der Gläubigen auf ausnahmslose Weise gezeigt.

All das ist Teil, wofür wir geben. Und wie ich schon sagte, sehen wir in 1. Korinther 16 auch im Neuen Testament, dass wir von dem ersten geben und regelmäßig geben. In 1. Korinther 16,2 heißt es: »An jedem ersten Wochentag lege jeder unter euch etwas beiseite und sammle, je nachdem er Gedeihen hat, damit nicht erst dann die Sammlung durchgeführt werden muss, wenn ich komme.« Hier sehen wir als kleinen Hinweis, dass die 10% nicht mehr genannt werden, sondern ein Anteil genannt wird – je nachdem, wie viel Gedeihen da ist. Aber regelmäßig und vorne weg, am ersten Tag der Woche. Damals hat man eben täglich oder wöchentlich seinen Lohn bekommen. Auch heute gibt es noch viele Orte, an denen wöchentlich Lohn gezahlt wird. Wir bekommen ihn in der Regel monatlich. Aber diese Regelmäßigkeit, beiseite zu legen zum Geben, ist Teil des Prinzips der Erstlinge.

Das Prinzip der Freigiebigkeit

Wir haben also gesehen, dass die Schrift uns das Prinzip des Zehnten gibt. Wir haben gesehen, dass es uns das Prinzip der Erstlinge gibt, und wir sehen drittens das Prinzip der Freigiebigkeit. Freigiebigkeit, wie ich gerade schon im Zitat von Alcorn angedeutet habe, ist nicht erst ein Prinzip des Neuen Testaments. Freigiebigkeit, freiwillige Gaben, war auch schon im Alten Testament geboten. Es gab verschiedene freiwillige Gaben. Ihr könnt es nachlesen in 3. Mose 22, 4. Mose 15, 5. Mose 12, 2. Mose 35. Der Aufbau des Tempels wurde durch freiwillige Gaben finanziert – Esra 1, Esra 3, Esra 7, Esra 8. Und es gab Zeiten, in denen das Volk zu viel gab. Das ist es wert, zitiert zu werden, in 2. Mose 36, 4 bis 7:

»Alle weisen Männer, die an dem Werk des Heiligtums arbeiteten, jeder von seiner Arbeit, die sie machten, kamen und sie redeten mit Mose und sprachen: Das Volk bringt zu viel, mehr als zum Werk dieses Dienstes notwendig ist, dass der Herr auszuführen geboten hat. Da gebot Mose, dass man durch das Lager ausrufen und sagen ließ: Niemand, es sei Mann oder Frau, soll mehr etwas anfertigen als freiwillige Gabe für das Heiligtum. So wurde dem Volk gewehrt zu bringen, denn das Angefertigte reichte aus für das ganze Werk.«

Nun, dass das manchmal beim Gemeinschaftsnachmittag auch bei uns der Fall ist – ja, es reicht. Das freiwillige Geben ist also nicht erst im Neuen Testament, sondern war schon im Alten Testament. Und es zeigt die Herzenshaltung, die wir haben. Es zeigt die Herzenshaltung. Der Zehnte zeigt Gottes Eigentümerschaft. Die Erstlinge zeigen, wir vertrauen ihm. Das Prinzip der Freigiebigkeit zeigt unsere Herzenshaltung: Wir wollen geben. Wir sind dankbar. Wir lieben Gott.

Apostelgeschichte 11,27 beschreibt diese Freigiebigkeit: »In diesen Tagen kamen Propheten von Jerusalem herab nach Antiochia, und einer von ihnen mit Namen Agabus trat auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte. Diese trat ein unter Kaiser Claudius. Da beschlossen die Jünger, dass jeder von ihnen gemäß seinem Vermögen den Brüdern, die in Judäa wohnen, eine Hilfeleistung senden sollte.«

Diese Freigiebigkeit, die hier in der Apostelgeschichte beschrieben wird, die Hungersnot, die angekündigt wird – sie ist der Zusammenhang, der Kontext, der Hintergrund von 2. Korinther 8 und 9, wo wir uns den Rest der Predigt aufhalten. Diese Freigiebigkeit kommt aus einer Not heraus. Das ist das Beispiel, was die Schrift uns gibt: eine besondere Not. Und in dieser besonderen Not ist eine besondere Gnade allen gegeben. Das ist die Formulierung, die Paulus benutzt. Da ist jemand am Verhungern, und er sagt: »Alle anderen haben jetzt Gnade bekommen, dass sie daran Anteil haben, diesen Hunger zu stillen.«

Wir lesen davon in 2. Korinther 8,1 und 2: »Wir wollen euch aber, ihr Brüder, von der Gnade Gottes berichten, die den Gemeinden Mazedoniens gegeben worden ist. In einer großen Prüfung der Bedrängnis hat ihre überfließende Freude und ihre tiefe Armut die Schätze ihrer Freigiebigkeit zutage gefördert.«

Lass uns kurz auf diesen Versen stehen bleiben. Die Mazedonier haben auch für diese Hungersnot gespendet, und Paulus benutzt die Mazedonier jetzt, um die Korinther anzuspornen, auch zu geben, ihrem Versprechen nachzukommen. Er beschreibt die große Prüfung und er sagt: Diese ganze Bedrängnis hat Freude hervorgebracht, hat zu Armut geführt – aber was hat es getan? Freigiebigkeit zutage gefördert. Ausgegraben werden muss die Freigiebigkeit. Manchmal muss es erst große Not geben, dass wir in uns gehen und darüber nachdenken: Was können wir tun? Das ist hier der Fall gewesen – so sehr, dass die Freude so groß war, daran Anteil zu haben, dass die Armut noch größer wurde. Und was ist dabei herausgekommen? Freigiebigkeit. Lernen wir: Freigiebigkeit muss ausgegraben werden, in großen Prüfungen zum Teil.

Wir sehen in 2. Korinther 9,2, dass Freigiebigkeit anspornt. Wir spornen einander mit Freigiebigkeit an. Paulus schreibt hier den Korinthern: »Ich kenne eure Bereitwilligkeit.« Ihr habt mal gesagt, ihr würdet geben – der Konjunktiv. »Ich kenne eure Bereitwilligkeit. Das habe ich den Mazedoniern auch gesagt.« Die Korinther, die würden – und ich habe mich sogar gegenüber ihnen gerühmt, sagt Paulus. Und euer Eifer hat viele angespornt. Also selbst schon das Versprechen »Ich werde dann geben« spornt andere an. Die Korinther haben die Mazedonier angespornt, und dann spornen die Mazedonier wiederum die Korinther an, dass sie nun ihren Worten Taten folgen lassen.

Wir sehen sogar, dass Freigiebigkeit manchmal übertrieben wird. Einige übertreiben in Freigiebigkeit. 2. Korinther 8,3 bis 7 – es ist aber ein Übertreiben, was Gott lobt. Dort heißt es über die Mazedonier: »Denn nach ihrem Vermögen, ja, ich bezeuge es, über ihr Vermögen hinaus waren sie bereitwillig, und sie baten uns mit vielem Drängen, dass wir die Liebesgabe und ihre Gemeinschaft am Dienst für die Heiligen annehmen sollten.«

Wann musst du jemanden überreden, deine Gabe anzunehmen? Du musst ihn überreden, deine Gabe anzunehmen, wenn er den Eindruck gewinnt, du wirst am Ende weniger haben als die. Aber die Mazedonier haben gesagt: »Nimm, bitte nimm, wir wollen unbedingt Anteil haben an diesem Dienst, Gemeinschaft haben an diesem Dienst.« Das ist die Sprache, die auch im 3. Johannes benutzt wird für Gajus. Er hat Anteil an dem Dienst. Finanzielle Gaben haben hundertprozentigen Anteil an dem Dienst. Und wie sie diese Gabe betiteln, ist der Titel »Liebesgabe«. »Wir lieben die Gläubigen in Jerusalem. Bitte nimm die Gabe an.« Warum haben sie die Gläubigen in Jerusalem so geliebt? Weil von den Gläubigen in Jerusalem das Evangelium erst überhaupt zu ihnen nach Mazedonien gekommen ist. Das alles schwingt hier mit. Sie übertreiben, und so spornt Gott die Nächsten an.

Die Empfänger müssen sogar überredet werden. Und das sehen wir – diesen Ansporn von den Mazedoniern an die Korinther – in 2. Korinther 8, Vers 8: »Ich sage das nicht als Gebot, sondern um durch den Eifer anderer« – das sind die Mazedonier – »auch die Echtheit eurer Liebe zu erproben.« Die Mazedonier haben ihre Freigiebigkeit als Liebesgabe betitelt. Und jetzt sagt Paulus den Korinthern: »Ich will eure Echtheit der Liebe erproben. Sammelt, was ihr bereit wart zu sammeln.«

Wir sehen in 2. Korinther 9 weitere Aspekte, die zu diesem Prinzip der Freigiebigkeit gehören, nämlich dass Freigiebigkeit auch geplant ist. In 2. Korinther 9,5 heißt es, dass sie eine Segensgabe haben sollen: »Ich habe euch vorher Bescheid gesagt, damit ihr rechtzeitig bereit seid, denn wenn ihr nicht planen würdet«, sagt er, »wäre es eine Gabe des Geizes.« Also: Plane Freigiebigkeit, plane reichlich zu geben.

Und in 2. Korinther 8,5 heißt es wiederum von den Mazedoniern, dass sie nicht nur sich hingaben – sie gaben nicht nur, wie wir erhofften –, sondern sie gaben sich selbst hin, zuerst dem Herrn und dann uns. In dieser Freigiebigkeit, wie ich vorhin sagte, zeigt sich unsere Herzenshaltung. Wir geben zuerst uns selbst und dann unsere Mittel. 100% von mir und dann den Anteil, den ich geben kann.

All das ist wiederum an das Säen und Ernten geknüpft, was Paulus den ganzen Text hindurch deutlich macht, unter anderem in 2. Korinther 9:6: »Wer kärglich sät, wird kärglich ernten, und wer im Segen sät, wird im Segen ernten.« Und nun folgen in 2. Korinther 9 die Verse, die viele von euch oft gehört haben. Das Prinzip der Freigiebigkeit beginnt im Herzen, vorgenommen: »Jeder, wie er es sich im Herzen vornimmt, nicht widerwillig oder gezwungen« – 2. Korinther 9,7 – »fröhlich, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.« Und in Erinnerung daran, was Gott für dich getan hat – 2. Korinther 9,8 und 9: »Gott ist mächtig, euch jede Gnade im Überfluss zu spenden, sodass ihr in allem alle Zeit genüge habt, überreich seid zu jedem guten Werk, wie geschrieben steht: Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben. Seine Gerechtigkeit besteht in Ewigkeit.«

Gott gibt. Gott möchte, dass wir diese Freigiebigkeit planen. Manch einer verpflichtet sich privat zu so hohen Ausgaben, dass er keine Freigiebigkeit mehr planen kann. Das sollen wir nicht. Und wenn wir es haben, wollen wir davon loskommen, weil Gott möchte, dass wir unser Herz zeigen, uns selbst geben und dann Anteil an unseren Mitteln.

Und in all der Freigiebigkeit erinnert Paulus auch daran, dass wir uns an Recht und Ordnung halten. Man könnte meinen, in Freigiebigkeit können wir jetzt all die Regeln unseres Landes übertreten, weil es doch um Gottes Ehre und Namen willen ist. Nein, wir übertreten nichts. Wir übertreten nicht, wenn unser Geld knapp wird, und wir übertreten auch nicht, wenn wir mehr geben wollen. In schweren Zeiten, besonders wenn Geld knapp wird, ist das Erste, was wir opfern, Integrität – Wege finden, irgendwie mehr Netto zu haben. Aber die Schrift schreibt hier in 2. Korinther 8,21, in diesem Zusammenhang der Spendensammlung: »Weil wir auf das bedacht sind, was recht ist, nicht nur vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen.« Wir tun, was recht ist.

Und vielleicht habt ihr schon von Spendenkampagnen gehört – Schneeballeffekt-Investitionen: »Investiere in meinen Fonds und ich verspreche dir, ich gebe 50% in die Mission.« Es ist noch nicht lange her, dass viele Gemeinden, viele Pastoren die Kanzel diesen Investoren und Geschäftsleuten gegeben haben und unzählige Gläubige verführt wurden, weil sie diesen einen Vers nicht beachtet haben. Wir halten uns an Recht und Ordnung. Auch Spenden sind nicht von den Steuern befreit. Unser Land unterstützt ja ein wenig. Wir suchen nicht neue Wege, um mehr Geld, was nicht rechtens ist, für das Reich Gottes zu generieren, sondern Gott möchte, dass das rechtmäßige Geld – und ich erinnere an die letzte Predigt: rechtmäßiges Arbeiten, ehrwürdiges Arbeiten – sein Werk finanziert.

Das Prinzip der Liebe Gottes und das Prinzip des Gehorsams

Prinzip 4 und 5 werde ich radikal kürzen, aber sie wurden schon an vielen Stellen benannt. Das Prinzip 4 ist das Prinzip der Liebe Gottes. Es treibt uns nicht Schuld an, es treibt uns die Herrlichkeit Gottes an. Erinnert ihr euch an Lukas 16, unsere Predigt zu Lukas 16? Die Herrlichkeit im Himmel ist, was uns antreibt. Der Wunsch, im Himmel Menschen zu treffen, die im Glauben gerettet wurden oder gewachsen sind durch meine Gabe. Das treibt mich an. Die Liebe Gottes treibt mich an.

Er sagt von sich selbst in 2. Korinther 8,9: »Ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, obwohl er reich war, um euret Willen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet.« Erinnert ihr euch nicht? Jesus, der die Herrlichkeit bei Gott hatte, er ist Mensch geworden, arm geworden, damit du reich wirst. Alles, was du hast, ist auf Grundlage, dass jemand anders arm wurde. Das ist so wie in Lukas 16: Ich will geben, damit andere gerettet werden und reich werden. Dieser Vers, 2. Korinther 8,9, ist seine ganze Motivation. Erinner dich an Jesus, die Herrlichkeit, die er hatte in ganzer Ewigkeit, die er aufgegeben hat, um Mensch zu werden, damit du reich wirst.

Wir haben in all den Predigten schon gesehen, dass die Liebe Gottes das ist, was uns antreiben soll, und die Liebe zu Gott wächst, wenn wir geben. Warum wächst die Liebe zu Gott, wenn wir geben? Weil dein Herz deinem Geld folgen wird. Wenn deine Liebe erkaltet ist zu Gott, wenn deine Liebe erkaltet ist zur Gemeinde, dann fang an, mehr zu geben – denn dein Herz wird deinem Geld folgen. Das ist das Prinzip, was Jesus schon in der Bergpredigt lehrte.

Diese Liebe Gottes – er wurde Mensch, damit wir reich würden – motiviert uns. Und das fünfte Prinzip, was wir sehen, ist das Prinzip des Gehorsams. Und es ist eigentlich dasselbe wie unser erstes Prinzip des Zehnten, aber es ist Teil des Gebens, gehorsam zu sein. Denn 2. Korinther 9:13 beschreibt Paulus genau das so: »Indem durch den Beweis dieses Dienstes Gott zum Lob veranlasst werden wird, für den Gehorsam eures Bekenntnisses zum Evangelium von Christus und für die Freigiebigkeit der Unterstützung für sie und für alle.«

Bemerkenswert hier ist, dass Paulus den Gehorsam der Korinther nicht mehr an ihre Spendenversprechen koppelt. Er sagt nicht mehr: »Ihr habt doch gesagt, ihr werdet geben – jetzt gebt auch. Das ist euer Gehorsam.« Nein, der Gehorsam wird gekoppelt an das Bekenntnis zum Evangelium von Jesus. Und so ist das Geben auch ein Prinzip des Gehorsams, dem Herrn zu folgen. Wir loben und preisen Gott in all dem, was er uns gegeben hat.

Es gibt viele weitere Prinzipien in 2. Korinther 8 und 9. Eines, was wir letztes Mal schon leicht angesprochen haben, war das Prinzip des Ausgleichs: »Ihr sollt dem Mangel der anderen abhelfen.« Dieser Ausgleich ist auch ein Prinzip. Dieser Ausgleich ist aber nicht zu verwechseln mit der Umverteilung des Staates, die passiert. Der Ausgleich hier ist freiwillig und gewollt von der einzelnen Person und nicht eine Pflicht vom Staat. Die Umverteilung ist nicht biblisch zu begründen, in der wir leben – und trotzdem leben wir drin. Ja, sie ist Teil unserer Steuern, die sollen wir wiederum zahlen, und zwar mit Freude.

Und so haben wir heute im Schnelldurchlauf einige Prinzipien gesehen zum Geben. Das Prinzip des Zehnten, was aufzeigt, dass Gott alles gehört. Das Prinzip der Erstlinge, was aufzeigt, dass wir Gott vertrauen, weil wir geben, obwohl der Monat noch bevorsteht. Das Prinzip der Freigiebigkeit, die unsere Freude und unsere Dankbarkeit und unsere Liebe aufzeigt. Das Prinzip der Liebe Gottes zu antworten, weil er Jesus gegeben hat, der reich war und für uns arm wurde. Und das Prinzip des Gehorsams: Wenn wir sagen, wir glauben im Evangelium, dann zeigt sich das auch in unserer Brieftasche.

Mögen wir Gnade vom Herrn haben, diese Prinzipien umzusetzen, wie immer der Herr uns Gelegenheit gibt, und weiter den Herrn ehren und in seiner Freude wachsen, Anteil an diesem Dienst zu haben.

Herr, wir müssen und dürfen so viel lernen von dem, wie du bist. Wir sind in deinem Ebenbild geschaffen und du bist ein Gott der Freigiebigkeit, ein Gott, der arm wurde, damit wir reich würden. Ein Gott, der über die Maßen versorgt. Ein Gott, der gerne und freudig gibt. Ein Gott, der darauf wartet, gebeten zu werden, um zu geben. Herr, wir beten, dass wir in jeder Hinsicht Nachahmer von dir werden, dir ähnlich – und auch in Bezug auf die Mittel, die du uns anvertraust, deinem Willen entsprechen. Jeder einzelne Haushalt und auch wir als Gemeinde, die wir wiederum verwalten, was dir gehört. Wir bitten dich darum, dass diese Predigtserie uns zu fröhlicheren Gebern macht, zu planenden Gebern, zu Gebern, die »Liebesgabe« von Herzen über ihre Spende schreiben können, und zu Gebern, die in Freigiebigkeit wachsen und wachsen. Lass du uns, Herr, reif werden, die Gnade zu erkennen, die wir haben in Jesus Christus, und die Ewigkeitsperspektive vor Augen zu halten – deinen reichen Segen, reichen Lohn und viele Menschen, die wir treffen werden, weil sie zum Glauben gekommen sind und im Glauben gewachsen sind durch die Mittel, die wir eingesetzt haben. Wir beten zu deiner Ehre, Herr Jesus Christus. Amen.


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