25. Juli 2026
Gideon im Buch Richter zeigt: Demut trägt durch Zweifel zum Sieg – doch der Erfolg wird zur Falle für den, der Gottes Ehre nicht weitergibt.
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Normalerweise predigen wir als Gemeinde immer Vers für Vers, und wir sind zurzeit in 1. Mose und im Kolosserbrief. Im Sommer weichen wir etwas davon ab und machen verschiedene andere Themen. Letzte Woche hatten wir von Erik gehört über die Allgenugsamkeit der Schrift, und auch heute wechseln wir wieder das Thema. Und ihr habt auch schon gesehen, worum es heute geht. Das ist anlässlich des Kidscamps entstanden, was in knapp drei Wochen stattfindet. Wer also das Thema noch mal hören möchte und in kleineren Häppchen, der darf sich gerne noch anmelden, entweder als Mitarbeiter oder als Teilnehmer. Da werden wir nämlich auch dieses Thema haben. Und dadurch ist auch diese Predigt entstanden.
Stellt euch vor, ihr müsstet ein Buch schreiben über die letzten 350 Jahre, was in Deutschland passiert ist. Der eine oder andere hat im Geschichtsunterricht gut aufgepasst und kann ein paar Ereignisse nennen, die seit dem Jahre 1676 bis heute passiert sind. Die meisten werden wahrscheinlich den Ersten Weltkrieg nennen, den Zweiten Weltkrieg. Vielleicht hört es bei dem einen oder anderen da schon auf. Vielleicht kann auch noch einer die Gründung des Deutschen Reiches nennen, 1871, oder sogar die Krönung von Friedrich dem Großen, 1740.
Aber stell dir vor, du müsstest heute ein Buch schreiben und müsstest auf 350 Jahre Deutschland-Geschichte zurückblicken. Was würdest du schreiben? Was würdest du auslassen? Worauf würdest du deine Aufmerksamkeit richten? Was sollen deine Leser am Ende wissen?
In der Bibel finden wir einen Schreiber, der hat genau das getan. Der hat sich eines Tages hingesetzt und hat 350 Jahre zurückgeblickt und hat aufgeschrieben, wie die Geschichte Israels in diesen 350 Jahren war. Es war kein Bilderbuch. Er hat keine Bilder gezeichnet, aber er hat uns viele Lebensbilder überliefert. Er hat uns mit hineingenommen in die Höhen des Volkes, aber auch besonders in die Tiefen des Volkes zu der damaligen Zeit. Wir wissen nicht genau, wer dieser Schreiber war. Es spricht einiges dafür, dass es der Prophet Samuel war, aber wir wissen, warum er geschrieben hat.
Diese 350 Jahre, die er schreibt im Rückblick, die waren so schlimm, dass sie sich keinesfalls mehr im Volk Gottes wiederholen durften. Das einzig positive an dieser Geschichte war, dass es immer noch der gleiche Gott war, der sein Volk nicht verlassen hatte.
Ja, und jetzt habt ihr es sicher schon erraten. Es handelt sich um das Buch der Richter, das hier 350 Jahre Geschichte Israels abdeckt. Und wir werden uns heute eine einzige Figur aus diesem Buch der Richter anschauen, und ihr habt schon erkannt: das ist Gideon.
Das Buch Richter in der Bibel hat 21 Kapitel und es ist eines der tragischsten Bücher in der ganzen Bibel. Beim Lesen tun sich sehr viele Rätsel auf. Wenn man zu manchen Geschichten kommt, da rümpft man die Nase, und bei manchen Geschichten, vor allem am Ende, dann ekelt es einen sogar, wenn man das Buch liest. Und am Ende bleiben auch noch ganz viele Fragezeichen übrig.
Man kann sagen, dass der erste Satz im Buch der Richter der beste Satz ist. Und man kann sagen, der letzte Satz im Buch der Richter, das ist der schlimmste Satz. Schlagen wir mal auf.
Richter 1,1:
»Und es geschah, nach dem Tod Josuas, da fragten die Söhne Israels den HERRN und sprachen: Wer von uns soll zuerst hinaufziehen, um gegen die Kanaaniter zu kämpfen?«
Wir sehen hier ein Volk voller Glaubensmut, voller Tatendrang und mit sehr starkem Gottesbewusstsein. Sie fragen den Herrn.
Und der letzte Satz lautet wie folgt. Richter 21,25:
»Zu jener Zeit gab es keinen König in Israel. Jeder tat, was recht war, in seinen Augen.«
Es gab niemanden mehr, der Gottes Willen suchte. Jeder handelte nur nach seinem eigenen Ermessen, was richtig war in seinen Augen. Jeder tat sein Ding. Zwischen diesen beiden Sätzen liegen also 350 Jahre. Und vom ersten Satz bis zum letzten sehen wir im ganzen Buch der Richter eine Abwärtsspirale. Das Volk wird immer schlimmer, immer gottloser.
Im Buch Josua, was so erfolgreich angefangen hat und so vielversprechend war, von da an entwickelte sich das Volk immer mehr zum Götzendienst. Es wurde toleriert, niemand hat etwas dagegen getan, dass die Götzen angebetet wurden. Sie vergaßen ihren Gott, der sie aus Ägypten geführt hatte, und verehrten die Götzenbilder Kanaans. Und das hatte der Herr ihnen eigentlich scharf geboten, dass genau das nicht passieren sollte. Aber das hatten sie trotzdem getan.
Wir schlagen jetzt Richter Kapitel 2 auf, und da ist eine Zusammenfassung, wie die Zeit der Richter eigentlich immer ablief. Richter 2 ab Vers 11:
»Da taten die Kinder Israel, was böse war in den Augen des Herrn, und sie dienten den Baalen. Und sie verließen den Herrn, den Gott ihrer Väter, der sie aus dem Land Ägypten herausgeführt hatte, und folgten anderen Göttern nach von den Göttern der Völker, die um sie her wohnten, und beteten sie an und erzürnten den Herrn, denn sie verließen den Herrn und dienten dem Baal und den Astarten. Da entbrannte der Zorn des Herrn über Israel und er gab sie in die Hand von Räubern, die sie beraubten. Und er verkaufte sie in die Hand ihrer Feinde rings um, sodass sie vor ihren Feinden nicht mehr bestehen konnten. Überall, wohin sie zogen, war die Hand des Herrn gegen sie zum Unheil. Wie der Herr es ihnen gesagt und wie der Herr es ihnen geschworen hatte, so wurden sie hart bedrängt. Doch erweckte der Herr Richter, die sie aus den Händen derer retteten, die sie beraubten. Aber auch ihren Richtern gehorchten sie nicht, sondern sie hurten mit anderen Göttern und beteten sie an und wichen bald ab von dem Weg, auf dem ihre Väter im Gehorsam gegen die Gebote des Herrn gegangen waren. Sie handelten nicht ebenso.«
Dieser Text beschreibt uns, wie diese Abwärtsspirale vom Volk Gottes immer weiter nach unten ging. Und es fing immer an mit: erstens, Israel sündigte; zweitens, Gott straft Israel für ihre Sünde, für ihren Götzendienst – das hatte er schon angekündigt in dem Kapitel von Segen und Fluch in 5. Mose 28 bis 30; dann drittens, das Volk schrie zum Herrn um Hilfe; viertens, der Herr hörte auf das Volk und berief einen Richter und rettete sein Volk; und fünftens, das Volk hatte Ruhe, bis der ganze Kreislauf wieder von vorne losging.
Insgesamt zerfällt das Buch Richter in drei Teile. Die ersten drei Kapitel zeigen uns die Ursache dieser Abwärtsspirale: Warum ist das eigentlich passiert? Was war der Grund? Ungehorsam im Volk Gottes. Dann von Kapitel 4 bis 16 finden wir eine Beschreibung der Abwärtsspirale. Da finden wir eigentlich viele Abwärtsspiralen, die uns der Schreiber beschreibt, wie es immer weiter bergab geht im Volk Gottes. Und die letzten Kapitel, Kapitel 17 bis 21, zeigen dann die verheerenden geistlichen Ergebnisse von dieser Abwärtsspirale. Also, was ist letztendlich dabei herausgekommen? Das sind mit die schrecklichsten Kapitel, die man lesen kann. Ich habe uns eine Karte mitgebracht, da kann man sehen wo die einzelnen Richter, die im Buch vorkommen, geboren sind. Ihr seht es an den Sternen, die man da sieht, überall da ist der Geburtsort eines Richters. Und man sieht die zwölf Richter sind an ganz unterschiedlichen Orten geboren und es war also über das ganze Land verteilt. Und ich habe euch eine weitere Karte mitgebracht, wo man anhand der Kapitel und den Kreisen nachempfinden kann, wo in Israel diese Geschichte gespielt hat und der blaue Kreis ist heute unsere Zeit, nämlich die Zeit Gideons und da kann man sehen, dass das Land an fast jeder Stelle vom Krieg betroffen war. Das ganze Land, der Norden, der Osten, der Süden, der Westen und die Mitte, das ganze Land war betroffen.
Mittendrin finden wir einen Mann, der in seiner Zeit von Gott gebraucht wird, mit Namen Gideon. Wenn wir seine Geschichte lesen, sehen wir auch, wie die Zeit nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist. Er ist auch ein Kind seiner Richterzeit. Aber wie Gott diesen Mann trotzdem in überragender Weise gebraucht, um seinen eigenen Namen zu ehren – Gott kümmert sich um seinen eigenen Namen in der Richterzeit. Und das ist das Erstaunliche im Buch Richter. Eine so dunkle Zeit, aber Gott vollbringt es immer noch, für seinen eigenen Namen zu handeln. Gott vollbringt es immer noch, seinen Namen zu ehren.
Wenn wir jetzt das Buch Richter bis Kapitel 5 lesen, dann ist das erstmal ziemlich vielversprechend. Das Volk Israel hat im Norden des Landes einen großen Sieg errungen. Ihr erinnert euch sicher an Debora und an Barak. Die haben den Kanaaniterkönig im Norden besiegt und haben dann ein Siegeslied gedichtet, um an dieses Wunder von Gott zu erinnern. Das ist das ganze Kapitel 5. Und das Echo von diesem Lied klingt sogar bis ins 21. Jahrhundert nach, weil der letzte Vers von diesem Lied der Anlass für ein Lied ist, was wir auch heute noch singen, mit dem Namen: »Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne.« Also wenn ihr in euren Bibeln schaut, Kapitel 5 am Ende steht dieser Satz im Buch der Richter. Und dann zeigt uns der allerletzte Vers im Buch Richter 5, dass das Land 40 Jahre Ruhe hatte nach diesem großen Sieg. Und in diesen 40 Jahren muss Gideon geboren worden sein.
In unserer Geschichte lesen wir später, dass er schon einen erstgeborenen Sohn hatte, der schon im Teenageralter war. Das heißt, Gideon wird sicher schon mindestens 30, wenn nicht sogar Mitte 30 Jahre alt gewesen sein, als wir ihm in der Geschichte begegnen. Gideon hatte noch eine Zeit der Ruhe miterlebt im Volk Gottes. Er konnte vielleicht sogar den Klang des Siegesliedes noch in seinen Ohren haben.
Aber wenige Jahre später lesen wir jetzt in Kapitel 6, Vers 1, diesen Satz:
»Und die Kinder Israel taten wieder, was böse war in den Augen des Herrn. Da gab sie der Herr in die Hand der Midianiter, sieben Jahre lang.«
Die Midianiter haben Israel sieben Jahre lang großes Leid zugefügt. Sie kamen ziemlich weit aus dem Süden, haben ungefähr 500 km zurückgelegt, um Israel Schaden zuzufügen. Also heute ist das das Gebiet von Saudi-Arabien, liegt noch unterhalb von Jordanien. Das war das Gebiet der Midianiter. Und die Midianiter kamen immer genau dann, wenn die Ernte der Israeliten eigentlich reif war, um die Früchte davon zu genießen. Sie plünderten alles, was sie in die Finger bekamen. Sie zertrampelten die ganze Ernte. Die Bibel sagt in Vers 5 hier in dem Kapitel, dass sie wie Heuschrecken waren, die das Land abfraßen.
Also, wenn du nach dem Gottesdienst nach Hause gehst und gehst zu deinen Tomaten oder Gurkenpflanzen und siehst, die Tomaten sind abgesägt und zertreten und die Gurken sind auch nicht mehr genießbar, irgendjemand hat das alles zerstört, deine Ernte, in die du monatelang Arbeit und Mühen reingesteckt hast – dann kannst du vielleicht zu einem kleinen Teil empfinden, wie es Israel damals gegangen sein muss. Die ganze Ernte hinüber, einfach nur um zu zerstören. Das war die Taktik von Midian, sieben Jahre lang, Jahr für Jahr.
Und so kommen wir zu dem Zustand, der in Vers 6 beschrieben wird. Der Autor schreibt: »So wurde Israel durch die Midianiter sehr geschwächt.« Andere Bibelübersetzungen schreiben: Israel verarmte sehr durch Midian. Und die Reaktion von Israel lesen wir dann im zweiten Teil von Vers 6: »Da schrien die Kinder Israel zum Herrn.«
Und in diese notvolle Zeit hat Gott sein Werkzeug berufen.
Es ist erstaunlich, dass wir so viel von Gideon lesen. Bedenk mal: Das gesamte Buch erstreckt sich über eine Zeit von 350 Jahren, und die Gideon-Geschichte ist im Wesentlichen eine Erzählung über wenige Wochen. Also der Schreiber hat sich entschlossen, diese Geschichte, diese drei Wochen in diesen 350 Jahren, besonders detailliert zu erzählen. Die Gideon-Geschichte hat insgesamt 100 Verse und ist damit die längste im Buch der Richter. Es ist, als wollte der Schreiber uns sagen: »Ihr lieben Leser, hier werde ich jetzt ganz genau berichten, damit ihr euch das wirklich zu Gemüte führt, was hier passiert ist in dieser Zeit.« Und so fängt er an und erzählt uns ausführlich, wie Gideon von Gott zum Dienst gerufen wurde.
Was uns dabei heute besonders interessiert: Welche Art von Mensch ruft Gott in seinen Dienst, um seine Absichten zu erfüllen?
Zuerst einmal ist es sehr erstaunlich, dass Gideon aus dem Stamm Manasse kommt. Manasse wird uns als einer der ersten Versagerstämme im Buch der Richter genannt, nämlich in Richter Kapitel 1, Vers 27. Da lesen wir folgendes:
»Manasse aber vertrieb die Einwohner von Beth-Schean und seinen Tochterstädten nicht, und auch nicht diejenigen von Taanach und seinen Tochterstädten, noch die Bewohner von Dor und seinen Tochterstädten, noch die Bewohner von Jibleam und seinen Tochterstädten, noch die Bewohner von Megiddo und seinen Tochterstädten.«
Also die Manassiter, die haben gar nichts auf die Reihe bekommen. Die waren komplett ungehorsam. Die haben nichts von Gottes Auftrag erfüllt. Und aus diesem ungehorsamen Stamm ruft Gott hier seinen Diener.
Dann beruft Gott einen Mann, der ein Anliegen für sein Volk hat. Das lesen wir in Kapitel 6, die Verse 12 und 13:
»Da erschien ihm (dem Gideon) der Engel des HERRN, und sprach zu ihm: Der HERR ist mit dir, du tapferer Held! Gideon aber sprach zu ihm: Ach, mein Herr, wenn der HERR mit uns ist, warum hat uns dies alles getroffen?«
Gideon denkt im »Uns«, das zeichnet ihn aus. Er denkt nicht an sich und seine Situation, sondern an das Volk Gottes im Allgemeinen. Gott beruft einen Mann, der die Situation richtig einschätzte. Auch in Vers 13 sagt Gideon: »Nun aber hat uns der Herr verlassen und in die Hand der Midianiter gegeben.« Gideon wusste genau, dass es kein Zufall war, dass die Midianiter sieben Jahre lang das Land verhärtet hatten. Er wusste, das war eine Strafe von Gott. Er schätzte die Situation richtig ein.
Dann beruft Gott einen Mann, der klein ist in seinen Augen. Das ist eines der hervorstechendsten Merkmale von Gideon. Er ist demütig. Er hat nicht geantwortet: »Na endlich erkennt mal jemand mein wahres Potenzial und meine Fähigkeiten und meine Stärke!« Nein, seine Worte sind anders.
Vers 15: »Ach, mein Herr, womit soll ich Israel retten? Meine Sippe ist die geringste in Manasse und ich bin der Kleinste im Haus meines Vaters.«
Dann beruft Gott einen Mann, der bereit ist, ihm das Beste zu geben. In dieser Zeit war jeder Vorrat kostbar. Gideon aber nimmt jetzt ein Epha Mehl – das sind 13 kg Mehl – und ein Ziegenböckchen, um es diesem Boten zuzubereiten, den er zunächst für einen Reisenden hält. Er greift tief in die Tasche. Dieses Opfer, von dem wir in Vers 19 lesen, ist ein sehr großes Opfer in so einer Zeit, wo man jedes einzelne Körnchen Weizen verstecken und im Vorrat haben musste.
Dann beruft Gott einen Mann, der mit Furcht und Zittern reagiert, Vers 22. Die Anwesenheit Gottes durch den Engel des Herrn ist für Gideon keine Kleinigkeit. Das ist für ihn kein Grund zur Langeweile, sondern ein Grund, in große Angst zu verfallen, große Ehrfurcht zu haben. Er hatte mit dem Engel des Herrn gesprochen. Das wurde ihm jetzt bewusst, und er wusste auch, dass man dem Gott Israels nicht einfach so von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten konnte.
Und dann beruft Gott einen Mann, der ihm einen Altar baut. So setzt Gideon diesem Ereignis, dass er berufen wurde, ein Denkmal und erinnert die Menschen zu allen Zeiten daran, was hier passiert ist. Er nennt diesen Altar Jahwe Schalom – der Herr ist Frieden. Und wenn du damals gelebt hättest, als die Zeit, wo dieses Buch aufgeschrieben wurde, dann hättest du nach Ophra ziehen können und hättest diesen Altar noch an dieser Stelle betrachten können, weil der Schreiber uns sagt: »Der steht noch bis zum heutigen Tag in Ophra der Abiesriter« – in Vers 24 am Ende.
Wir müssen hier unbedingt bedenken, dass Gideon es nicht von Anfang an wusste, dass es der Engel des Herrn war, der mit ihm redete. Er hat ihn erstmal nur für einen Reisenden mit einem Stab gehalten. Er hatte einen Stab dabei und hat sich nicht sofort als Engel des Herrn zu erkennen gegeben. Wenn Gideon es von Anfang an gewusst hätte, dann wären seine Einwände, die er vorbringt, kein Zeichen von Demut, sondern einfach von Ungehorsam.
Wenn wir uns den Bibeltext genauer anschauen, fallen uns noch einige Merkmale auf, die zeigen, dass Gideon kein besonderer Mensch war, den Gott hier auserwählt hat. Er hatte Schwächen, er war unsicher und zweifelte. Das merken wir in jeder seiner Antworten und auch in jeder seiner Handlungen. Und was wir auch nicht außer Acht lassen dürfen, ist, dass der geistliche Grundwasserstand im Buch der Richter extrem niedrig war. Wir lesen von keinem Richter, dass er das Wort Gottes las oder das Volk zum Gesetz des Herrn zurückrief. Das Wort Gottes war in dieser Richterzeit wie verschollen.
Dann hatte Gideon noch grundsätzlich das Problem, dass sein Vater ein Götzendiener war. Das lesen wir in dem nächsten Abschnitt. Wir können nicht sagen, wie stark das Gideon beeinflusst hat, aber jedenfalls ist es keine leichte Ausgangsposition für einen, der von Gott berufen ist. Und schließlich sehen wir, dass Gideon ihm auch um ein Zeichen bittet. Er wollte absolute Gewissheit haben, dass es Gott ist, der ihm den Auftrag gibt.
All das zeigt uns, dass Gideons Sinne nicht so geschärft waren, wie sie vielleicht hätten sein können. Aber umso erstaunlicher ist es, dass Gott mit Gideon handelt. Gideon gehorcht demütig im Glauben.
Vom Evangelisten Moody hat mal jemand gesagt, Moody sei scheinbar ein Mann, der noch nie etwas von sich selbst gehört hat. Von Gideon können wir das Gleiche sagen. Das Hervorstechendste ist sein demütiger Glaube, der trotz Zweifel im Gehorsam mündet.
So lernen wir hier, dass Gott sich auf die Seite der Demütigen stellt. Er sagt zu Gideon die Verheißung: »Ich werde mit dir sein.« Und das bewahrheitet sich im Verlaufe der Geschichte. Wir sehen also: Gideon war ein zweifelnder Mann, und trotzdem gebraucht der Herr ihn, der klein war in seinen Augen. Weil er klein war in seinen Augen.
Wie gebraucht der Herr Gideon? Kommen wir zum zweiten Punkt. Zunächst einmal gab es einen kleinen Auftrag für Gideon. Es kann jetzt endlich losgehen, oder? Gideon war der richtige Mann für diese Aufgabe. Er war demütig genug, um nicht sich selbst, sondern Gott die Ehre zu geben. Aber der ganz großen Aufgabe, das Heer der Midianiter zu schlagen, stand noch etwas im Wege, etwas, was Gideon wahrscheinlich gar nicht auf dem Schirm hatte, aber für Gott musste das zuerst erledigt werden. Denn an der Stelle, wo Gideon seinen Altar gebaut hatte, den er Jahwe Schalom genannt hatte, an diesem Ort, an seinem Heimatort, stand noch ein Altar des Baal. Unmöglich für Gott, dass er sich den Platz mit einem Götzenaltar teilt. Unmöglich. Und darum gibt Gott Gideon einen ersten Befehl. Kapitel 6, Vers 25:
»Und in jener Nacht sprach der Herr zu ihm: Nimm den Stier, der deinem Vater gehört, und zwar den zweiten Stier, der siebenjährig ist, und reiß den Altar des Baal nieder, der deinem Vater gehört, und haue das Ascherastandbild um, das dabei ist, und baue dem Herrn, deinem Gott, oben auf dem Gipfel dieser Bergfeste durch Aufschichtung einen Altar und nimm den zweiten Stier und opfere ein Brandopfer mit dem Holz des Ascherastandbildes, das du umhauen wirst.«
Dieser Auftrag erfüllt gleich zwei Absichten von Gott. Zuerst einmal muss Gideon hier im Kleinen seine Treue zu Gott herausstellen, bevor er dann für den großen Auftrag gebraucht werden kann. Zuerst muss er vor der eigenen Haustür kehren, bevor er ein Führer im Volk Gottes sein kann. Zuerst muss er sein eigenes Herz von allem Sündigem reinigen, bevor Gott ihn weiter gebrauchen kann. Das war also eine Art Test für seinen Glauben. Würde er Gott schon in dieser Kleinigkeit gehorsam sein?
Und die zweite Absicht Gottes: Gott kümmert sich hier zuerst um das eigentliche Problem des Volkes in der Richterzeit. Die Midianiter waren nicht das eigentliche Problem, die waren nur die Auswirkungen von einem tieferliegenden Problem: der Götzendienst des ungehorsamen Volkes. Und dazu gehörte Gideons Familie leider ebenso. Seinem Vater gehörte dieser Baalsaltar, den er umhauen sollte. Würde Gideon sich hier bewähren, dann kann Gott ihn auch für weitere Zwecke einsetzen.
Wir dürfen nicht denken, dass dieser Auftrag leicht war für Gideon. Der Baalskult war in Israel zu der Zeit so fest etabliert, dass es ernsthafte Konsequenzen nach sich zog, wenn er angegriffen würde. Gideon sollte sogar einen Stier mitnehmen, um diesen befestigten Altar umzureißen. Das war also kein kleines Altärchen, was irgendwo in der Ecke stand. Das war ein riesiges Ding, dieser Altar befestigt. Das war Kult, das war für die Bewohner dort sehr wichtig. Und dann hat Gideon noch zehn Männer zusätzlich genommen, um in der Nacht diesen Altar umzureißen.
Vers 27: »Da nahm Gideon zehn Männer von seinen Knechten und machte es so, wie der Herr es ihm gesagt hatte. Weil er sich aber vor dem Haus seines Vaters und vor den Leuten der Stadt fürchtete, dies bei Tag zu tun, tat er es bei Nacht.«
Gideon hatte Angst, und das ist, menschlich gesprochen, verständlich. Später bewahrheiten sich auch seine Befürchtungen, nämlich als die Leute der Stadt mitbekommen, was er getan hat. Da sagen die in Vers 30 zu seinem Vater Joas: »Gib deinen Sohn heraus, er muss sterben, weil er den Altar des Baal niedergerissen und das Ascherastandbild daneben umgehauen hat.« Götzen umhauen war keine leichte Angelegenheit. Wenn du damals einen Götzen zerstört hättest, dann wärst du vielleicht der Nächste, der einen Kopf kürzer gemacht worden wäre.
Vielleicht ist die Art der Führerschaft, wie wir sie hier bei Gideon sehen, nicht die, die wir uns für Gottes Volk vorstellen: ängstlich, unsicher, jemand, der Angst hat und es deswegen bei Nacht tut. Er ist nicht so der Furchtlose wie Josua, den wir ja im Buch Josua sehen. Aber wir müssen Gideon zwei Dinge zugute halten.
Erstens: Er hat diesen Auftrag im Glauben ausgeführt. Das hat er gemacht. Obwohl er ziemlich Angst hatte, hat er es gemacht, wie der Herr es ihm gesagt hatte. Das steht ja in Vers: »so wie der Herr es ihm gesagt hatte.« Ich denke, da können wir uns auf jeden Fall eine Scheibe von abschneiden. Er war menschenfürchtig und er hatte auch menschliche Gründe dafür, aber mehr als das: Er tat, was Gott ihm befohlen hatte, in aller Schwachheit.
Vielleicht sehen wir einen schwachen Glauben, aber wir sehen Glauben, und dieser Glaube ehrt Gott und erfüllt Gottes Absichten. Wenn wir das mal mit Mose vergleichen, wie Mose berufen wird als Mann Gottes, wenn wir uns vorstellen als Führer in seinem Volk: Bei seiner Berufung hat er auch nicht besser abgeschnitten als Gideon. Er hat sogar viel mehr Einwände Gott vorgebracht, und Gott wurde sogar zornig bei Mose, weil er zunächst nicht gehen wollte – nachzulesen in 2. Mose 3.
Was wir lernen ist: Wenn Gott mit einem Menschen handelt, dann ist das Rohmaterial nie perfekt, sondern immer ausbaufähig. Vergiss das nicht, wenn du an dein Leben denkst, wenn du an Geschwister denkst, die jung im Glauben sind, die beginnen zu dienen, die noch viele Fehler machen. Wir sollten daran denken, dass Gott einen Menschen dann auch weiter gebrauchen kann, wenn er im demütigen Glauben handelt, auch wenn er noch viele Fehler hat.
Und Gideon lernt hier, dass er Gott im Bezug auf seine Sicherheit völlig vertrauen konnte. In Sprüche 29, Vers 25 lesen wir einen Vers, der auf diese Situation zutrifft:
»Menschenfurcht ist ein Fallstrick. Wer aber auf den Herrn vertraut, der ist geborgen.«
Die unerwartete Hilfe für Gideon kam in diesem Fall von seinem eigenen Vater, der sehr vernünftig handelt und seinen Sohn schützt. Sinngemäß sagt er: »Wenn Baal ein Gott ist, dann soll Baal gefälligst für sich selbst sorgen. Er soll sich selbst verteidigen und dann soll er Gideon strafen. Wir machen das nicht.« Und das brachte Gideon dann diesen interessanten Namen Jerub-Baal ein, was übersetzt heißt: »Der Baal rechte mit ihm.«
Unter diesem Namen Jerub-Baal wurde Gideon dann in den folgenden Jahrzehnten unter seinem Volk bekannt. Und damit wurde Gideon ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Baal tot war. Was glaubt ihr denn? Die Menschen damals haben sicher erwartet: »Aha, der hat den Altar vom Baal niedergerissen. Jetzt wird ein Blitz vom Baal vom Himmel Gideon tot umfallen lassen.« Das ist nie passiert. Baal hat Gideon nie gestraft. Die Leute von damals hätten also wissen müssen: Es gibt gar keinen Baal. Baal ist ein toter Gott. Der kann nichts machen. Gideon wurde nicht vom Baal für seine Tat bestraft. Der lebendige Gott ist Jahwe, der Gott Israels. So wurde Gideon sein ganzes Leben lang mit diesem Namen ein Zeugnis für den lebendigen Gott und für den toten Götzen.
Jetzt geht es aber los zum großen Auftrag. Der Bibeltext geht hier nahtlos zur nächsten Begebenheit über. Der Geist des Herrn kommt über Gideon in Vers 34. Und Gideon trommelt alles an Hilfe zusammen, was er bekommen kann. Die nördlichen Stämme Sebulon, Naftali, Asser – sie kommen und helfen ihm. Aber überlesen wir nicht diesen Hinweis in Vers 34: »Der Geist des Herrn kam über Gideon.« Ohne Gottes übernatürliche Befähigung kann nichts passieren. Das wird auch hier im Buch der Richter deutlich. Nicht nur bei Gideon, auch an anderen Richtern lesen wir das.
Durch einen kleinen Zwischenfall, der als nächstes kommt, lesen wir erneut, wie unsicher Gideons Glaube ist. Ihr kennt die Geschichte sicher mit dem Wollvlies, das Gideon gebrauchte. Da prüft Gideon Gott, ob Gott sein Wort wirklich einhalten wird. Und er bittet um ein Zeichen. Ihr kennt das mit dem Vlies. Eigentlich bittet er sogar um zwei Zeichen mit dem gleichen Vlies. Und Gideon beginnt diese Prüfung Gottes mit den Worten:
»Wenn du Israel durch meine Hand retten willst, wie du gesagt hast« – Vers 36.
Aber ja, der Herr hatte das ja gesagt. Sein Wort genügt doch. Das Zeichen, was Gideon jetzt fordert, war also völlig unnötig. Zeigt uns wieder einmal, wie schwach sein Glaube war. Es ist erstaunlich, dass Gott ihm trotzdem wieder nachkommt und Gideon selbst in dieser Schwachheit entgegenkommt.
Doch im Gegenzug passiert jetzt im Laufe der Geschichte etwas anderes. Gott dreht den Spieß um und prüft jetzt Gideon.
Stellt euch vor: Gideon hatte kurz vorher 30.000 Israeliten zusammengetrommelt. Sie kamen aus den nördlichen Stämmen ihm zu Hilfe. Das ist im Buch Richter noch nie passiert. Keiner bisher hatte 30.000 Leute zusammengerafft, um in den Krieg zu ziehen. So eine Menge von treuen Kämpfern. Wie muss sich Gideon gefreut haben, als er an dieser Quelle Harod diese ganzen Massen an Kämpfern gesehen hat, die alle für das eine Anliegen kämpfen: die Midianiter in die Flucht zu schlagen.
Und so lagerten sie jetzt alle an dieser Quelle Harod und gaben Gideon ein Gefühl der Sicherheit. Ich habe auch mal ein Bild mitgebracht von der Jesreel Ebene, wo damals die Midianiter lagerten. Das Bild ist jetzt drei Wochen alt und da kann man auch den Hügel More und das Gebirge Gilboa sehen, wenn man genau hinschaut. Am Gebirge Gilboa, links am Fuße des Gebirges lag die Quelle Harod und am Hügel More, da wird uns Kapitel 7, Vers 1 genannt. Die ganze Jesreel Ebene war also gefüllt mit 120.000 Midianiter. Das ist eine lange Ebene, die zieht sich sehr lang, da lagerten die Midianiter. Und jetzt hatte Gideon seine 30.000 zusammengerufen und dachte, damit könne er jetzt was bewirken. Aber Gott dachte anders. Er hatte andere Absichten. Und was er jetzt sagt, was Gott sagt, das verdient es wirklich, in Gold eingerahmt zu werden in eurer Bibel. Das ist nämlich ein göttliches Prinzip, was von 1. Mose bis Offenbarung immer gültig ist. Was Gott jetzt sagt in Kapitel 7, Vers 2:
»Der Herr aber sprach zu Gideon: Das Volk, das bei dir ist, ist zu zahlreich, als dass ich Midian in seine Hand geben könnte. Israel könnte sich sonst gegen mich rühmen und sagen: Meine Hand hat mich gerettet.«
Während Gideon noch überlegt, ob er genug Kämpfer hat, sagt Gott zu ihm: »Gideon, du hast zu viele.« Man kann sich das Fragezeichen auf Gideons Stirn gut vorstellen. Soll das ein Scherz sein? Aber das war kein Scherz.
Gott hat uns nicht im Unklaren gelassen und auch Gideon nicht, warum er so einen ungewöhnlichen Befehl gibt. Gott ist um seine eigene Ehre besorgt. Gottes Gedanke ist: Niemand soll daran zweifeln, dass ich es bin, der das Volk, mein Volk, aus der Hand Midians retten kann. Niemand sonst, niemand soll daran zweifeln. Und so gibt er dem sehr verwirrten Gideon, denke ich, diesen Auftrag, das Heer zu verkleinern. Und der erste Auftrag ist: Wer Angst hat, der soll gehen. Da haben 22.000 Menschen Angst. Ich habe mich gefragt, ob Gideon nicht auch vielleicht gerne mitgegangen wäre. Er hat ja die ganze Zeit Angst gehabt. Da waren noch 10.000 übrig, aber das waren jetzt wirklich nur die Treuen, die wirklich kämpfen wollten.
Vielleicht ist es neu für dich, dass das gar nicht Gottes erster Befehl in der Bibel ist, ein Kriegsheer zu reduzieren. Die Wahrheit ist, Gott hatte Israel schon im Gesetz immer befohlen, in jedem Krieg so zu handeln. Ich lese euch mal 5. Mose Kapitel 20, Vers 8. Da befiehlt Gott seinem Volk folgendes für jeden Krieg:
»Und die Vorsteher von Israel sollen weiter mit dem Volk reden und sagen: Wer sich fürchtet und wer ein verzagtes Herz hat, der gehe hin und kehre wieder in sein Haus zurück, damit er nicht auch das Herz seiner Brüder so verzagt mache, wie sein Herz ist.«
Also Gott hatte es sogar für jeden Krieg befohlen, es stand im Gesetz Moses.
Aber Gott ist noch nicht fertig. Er sagt, bei den 10.000 sind immer noch zu viele. Mit einem einfachen Test soll Gideon die 10.000 Männer noch weiter aussortieren, und am Ende bleiben noch 300 Männer übrig. 300 gegen 135.000 Midianiter. Das macht einer gegen 450.
Unglaublich. Aber Gott gibt Gideon auch dafür eine Verheißung. Er sagt: »Durch die 300, die geleckt haben, will ich euch erretten und die Midianiter in deine Hand geben.«
Manchmal ist es leicht zu erkennen, was Gott wohlgefällig ist. Man muss sich nämlich lediglich die Frage stellen: Wer bekommt am Ende eigentlich den Ruhm?
Das größte Beispiel ist deine und meine Errettung. Gott hat die gesamte Errettung so angelegt, dass niemals ein Mensch den Ruhm dafür bekommt. Ich lese uns einen Vers aus 1. Korinther 1, Vers 28:
»Das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt und das, was nicht ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich vor ihm kein Fleisch rühme.«
Das ist immer Gottes Absicht. Was auf deine Errettung zutrifft, das trifft auch auf alles andere zu in deinem Leben. Folge immer dem Pfad der Ehre. Und frag dich häufig: Wer bekommt hier die Ehre? Wer bekommt den Applaus? Wer bekommt hier die Anerkennung der Menschen? Wenn etwas außer dem lebendigen Gott die Antwort ist, dann ist der Weg falsch.
Es spricht für Gideon, dass er mit diesen 300 Männern weitermacht. Es spricht auch für seinen Glauben, dass er nicht die Reißleine zieht. Die Versuchung war groß, hier dem Wort des Herrn nicht zu glauben und das Handtuch zu werfen. Aber auch diesen großen Auftrag hat Gideon erfüllt.
Wenn wir jetzt den Abschnitt weiterlesen, lesen wir, wie Gott sehr gnädig Gideon ermutigt. Ich lese in Kapitel 7 ab Vers 9, wie Gott Gideon ermutigt:
»Und es geschah in derselben Nacht, da sprach der Herr zu ihm: Steh auf und geh ins Lager hinab, denn ich habe es in deine Hand gegeben. Fürchtest du dich aber hinabzugehen? So lass deinen Burschen Pura mit dir ins Lager hinabsteigen, damit du hörst, was sie reden. Dann werden deine Hände erstarken, dass du gegen das Lager hinabziehen wirst. Da stieg Gideon mit seinem Burschen Pura hinunter bis zu den äußersten Vorposten, die zum Lager gehörten. Die Midianiter aber und die Amalekiter und alle Söhne des Ostens waren in die Ebene eingefallen wie eine Menge Heuschrecken und ihre Kamele waren vor Menge nicht zu zählen wie der Sand am Ufer des Meeres. Als nun Gideon kam, siehe, da erzählte einer dem anderen einen Traum und sprach: Siehe, ich habe einen Traum gehabt. Und siehe, ein Laib Gerstenbrot wälzte sich zum Lager der Midianiter, und als er an das Zelt kam, schlug er sie und warf sie nieder, sodass sie umstürzten. Und er kehrte sie um, das Unterste zuoberst, und die Zelte lagen da. Da antwortete der andere: Das ist nichts anderes als das Schwert Gideons, des Sohnes des Joas, des Israeliten. Gott hat die Midianiter samt dem ganzen Lager in seine Hand gegeben.«
Nach dieser Ermutigung passierte mit Gideon eine große Veränderung. Ab jetzt lesen wir nichts mehr von einem ängstlichen Führer. Wir lesen nur noch von einem mutigen Krieger, der vorangeht und sagt: »Männer, mir nach!« Vers 17 klingt so: »Schaut auf mich und macht es ebenso.« Mit ein paar Hörnern und mit Krügen bewaffnet, mit Fackeln noch dazu, zieht er mit 300 in den Krieg. Mit der jämmerlichsten Kriegstaktik, die die Welt je gesehen hat, soll er den Sieg erringen.
Dieser Moment ist wahrscheinlich der Grund, warum wir Gideon später in Hebräer 11 in der Liste der Glaubenshelden finden. Das fordert großes Vertrauen, diesen Kampf hier aufzunehmen. Es war unmöglich, was er tun sollte. Es war unlogisch. Es war unvernünftig. Es war dumm. Aber hier lernen wir wieder einmal, dass es doch das Logischste, das Vernünftigste, das Weiseste, das Klügste ist, auf Gottes Wort zu vertrauen.
Ihr Lieben, wir kommen im Laufe unseres Glaubenslebens immer wieder an Prinzipien aus der Bibel, die unserem Verstand vielleicht unlogisch erscheinen. Aber Gott weiß es besser. Erik hat uns letzte Woche von der Allgenugsamkeit von Gottes Wort unterwiesen, dass die Schrift genügt, das Wort Gottes genügt. Für Petrus im Neuen Testament war es nicht logisch, das Netz auf der anderen Seite vom Boot auszuwerfen, wie der Herr Jesus ihm gesagt hatte. Aber er hat ganz deutlich gesagt in Lukas 5:
»Aber auf dein Wort, Herr Jesus, will ich das Netz auswerfen.«
Und sein Glaube wurde belohnt. Der Glaube stützt sich auf das Wort Gottes und handelt danach. Egal, ob es unmöglich oder unverständlich oder komisch erscheint, ganz egal. Das zeichnet den einfachen Glauben aus. Und das wollen wir auch von Gideon lernen. Obwohl wir ihn so zaghaft erlebt haben in dieser ganzen Geschichte, obwohl sein Vorgehen ängstlich und zögerlich war, hat er am Ende gesagt: »Gott, ich mach’s.« Und er hat’s gemacht.
Und jetzt ist es Gideon, der losgeht, aber es ist Gott, der in dieser Schlacht wirkt. Wir lesen in Kapitel 7,22 mitten in der Schlacht:
»Denn während die 300 Mann in die Hörner stießen, richtete der Herr in dem ganzen Lager das Schwert eines jeden gegen den anderen und das Heer floh.«
Der Herr richtete das Schwert des einen gegen den anderen im Lager der Midianiter. Nicht Gideon ist der Held, der Herr ist der Held. Und das Ende von diesem Lied ist: 120.000 Midianiter sterben, bringen sich gegenseitig um. Die 300 Israeliten haben nicht einen Finger krumm gemacht, außer dass sie ein paar Krüge zerstört haben und die Fackeln hochgehoben und in die Hörner geblasen haben.
Gideon ruft jetzt seine ganzen Kämpfer zusammen und jagt den restlichen 15.000 Midianitern nach. Ein paar sind noch übrig geblieben, und zwei dieser Fürsten werden schon auf dem Weg erschlagen, nämlich Oreb und Seeb – Kapitel 7, Vers 25.
Aber eine Sache kommt uns hier beim Nachdenken etwas suspekt vor, wenn wir uns das nochmal so durch den Kopf gehen lassen. Als Gideon seinen Kämpfern den Schlachtruf nennt, dann machen wir hier eine ungewöhnliche Beobachtung in Vers 18. Sie sollen alle rufen: »Für den Herrn und Gideon!« Warum will Gideon seinen Namen im Schlachtruf haben? Will er etwas von der Ehre bekommen, die allein Gott zusteht? Wir wissen es an dieser Stelle noch nicht, aber dieser kleine Schlachtruf wirft schon seinen Schatten voraus auf das letzte Kapitel und auch auf den letzten Unterpunkt.
In Kapitel 8 werden uns jetzt die weiteren Ereignisse der Jagd auf die Midianiter beschrieben. Gideon löst knapp einen Streit mit dem Stamm Ephraim. Die haben ihm vorgeworfen, dass er sie nicht auch noch gerufen hat. Das löst er sehr weise, indem er ihnen die Ehre erweist und seine Rolle herunterspielt. Seine Worte in Kapitel 8, Vers 3 sind:
»Gott hat die Fürsten der Midianiter Oreb und Seeb in eure Hand gegeben. Wie hätte ich tun können, was ihr getan habt?«
Und als er dies gesagt hatte, ließ ihr Zorn von ihm ab. Sehr gut gehandelt. Kurze Zeit später gelingt es ihm, die restlichen 15.000 Midianiter zu schlagen und die letzten Könige Midians gefangen zu nehmen. In Kapitel 8, Vers 12:
»Und als Sebach und Zalmunna, Könige der Midianiter, flohen, jagte er ihnen nach und fing die beiden Könige der Midianiter Sebach und Zalmunna und versetzte das ganze Heer in Schrecken.«
Noch mal zur Erinnerung: Vor etwa zwei Wochen hat Gott Gideon zum Richter berufen. Und vor wenigen Tagen wurden 120.000 Midianiter tot in der Jesreelebene aufgefunden. Und jetzt sind alle Könige der Midianiter tot. Der Feind ist besiegt und Gott hat Großes getan. Gott hat Großes getan. Gott hat Großes getan, wirklich?
Wenn wir jetzt den Männern von Israel genau zuhören, dann haben die das etwas anders verstanden. Kapitel 8, Vers 22:
»Da sprachen die Männer Israels zu Gideon: Herrsche über uns, du und dein Sohn und der Sohn deines Sohnes, weil du uns aus der Hand der Midianiter errettet hast.«
Du, du Gideon? Die Männer Gideons hatten sich in ihrem Urteil geirrt. Der Erfolg war da, weil Gideon gehorsam war, aber letztlich war es der Herr, der sie errettet hatte. Den Erfolg konnte man doch nicht Gideon zuschreiben. Und so wollen sie ihm sogar das Königtum Israels geben. »Herrsche über uns«, sagen sie. Vor wenigen Tagen sollte Gideon umgebracht werden, weil er den Baalsaltar umgerissen hat, und jetzt soll er der König werden. Das versteht mal einer.
Aber diese Angebote, diese Bewunderung der Männer, die Gideon bekommen hat, die brachten ihn in eine gefährliche Situation. Und das ist die Gefahr des Erfolgs. Und das bringt uns zu einem der größten Rätsel in der ganzen Geschichte um Gideon, nämlich der Antwort, die Gideon jetzt gibt.
Was er jetzt als nächstes sagt, ist so richtig, hundert Prozent bibeltreu, dass man nur sagen kann: »Amen, so soll es sein.« Aber was er danach lebt, ist so hundert Prozent falsch, dass man weinen könnte und sagen muss: »So darf es doch nicht sein.«
Vers 23: »Aber Gideon sprach zu ihnen: Ich will nicht über euch herrschen. Mein Sohn soll auch nicht über euch herrschen. Der Herr soll über euch herrschen.«
Hundert Prozent! Amen! Richtig! Aber wir verstehen jetzt nicht genau, was wirklich nach diesem Satz geschah. Wenn wir jetzt die nächsten zwölf Verse lesen, die noch bleiben bis zum Ende des Kapitels, dann wird deutlich, dass Gideon etwas mit seinen Lippen bekannt hat, was er mit seinem Leben völlig durchkreuzt hat. Die Königsherrschaft lehnte er ab, aber er lebte wie ein König.
Schaut mit mir jetzt über in diesen Text und beobachtet diese vier Dinge über Gideons Erfolg.
Das Erste, was wir sehen: Gideon nutzt die Lage und verlangt nach Gold. Seine erste Bitte folgt direkt auf sein starkes Bekenntnis, viel zu schnell. Er sagt: »Eines erbitte ich von euch: Gebt mir jeder die Ohrringe, die ihr erbeutet habt.« Und die Männer, die sind selbstverständlich bereit dazu. Die bewundern Gideon und sagen: »Dem Mann würden wir alles geben.« Und so kommen 1.700 Schekel, das sind 20 kg Gold zusammen, die aus der Kriegsbeute stammen.
Vielleicht hat Gideon gedacht, das ist mein Anteil – das wäre ja noch in Ordnung gewesen. Aber Vers 27 sagt uns jetzt, was er damit anstellte:
»Und Gideon machte ein Ephod daraus und stellte es in seiner Stadt auf, in Ophra. Und ganz Israel hurte ihm dort nach. Und das wurde zum Fallstrick für Gideon und sein Haus.«
Jetzt fragen wir uns: Was ist denn dieses Ephod, von dem wir hier lesen? Ein Ephod ist eigentlich ein priesterliches Kleidungsstück. Gott hat den Priestern, steht in 2. Mose 28, gesagt, wie man es herstellen sollte. Also ein priesterliches Kleidungsstück, was auch damals in der Stiftshütte verwendet wurde im Tempel. Es war also nicht per se ein Götze, den er jetzt dort aufstellte, aber es wurde zu einer Art Götze, und das macht seine Tat mehr als fragwürdig. Sie ist sogar sündig. Der Erzähler kommentiert das auch und sagt, dass ganz Israel diesem Ephod in Ophra nachhurte. Ganz Israel – nicht nur ein Teil, sondern alle gingen dahin. Das Heiligtum, die Stiftshütte, die stand zum damaligen Zeitpunkt eigentlich in Silo. Also, wenn Gideon ein Ephod anfertigt, dann für die Priester, die in Silo ihren Dienst tun. Aber er stellt es in Ophra auf, und ganz Israel hurt diesem Ephod nach.
Der Erfolg macht ihn blind für sein Handeln.
Die zweite Beobachtung: Gideon hat sich viele Frauen geholt. Der Bibeltext sagt uns: »Gideon hatte aber 70 Söhne, die aus seinen Lenden hervorgegangen waren, denn er hatte viele Frauen« – Vers 30. 70 Söhne, und von den Töchtern spricht er gar nicht hier. Die Frauen waren wohl beeindruckt von diesem Helden, der die Midianiter in die Flucht geschlagen hatte, umgebracht hatte. Der Erfolg brachte Gideon auch Ansehen bei den Frauen. Und manche wohnten davon sogar ziemlich weit weg. Im weiteren Verlauf lesen wir von seiner Nebenfrau, die wohnt in Sichem, also 50 km südlich von seinem Heimatort. Wie kommt er dahin? Also Gideon nahm sich das königliche Recht heraus, viele Frauen zu haben. Und damit verschob sich sein Fokus völlig. Gott wollte ihn gebrauchen, um sein Volk noch weiter zurückzuführen zu ihm. Aber Gideon war damit beschäftigt, sich mehr Frauen im Land zu suchen. Das war die Folge seines Erfolgs.
Die dritte Beobachtung lesen wir in Kapitel 9, Vers 1: Er nannte seinen Sohn Abimelech. Das wirft erneut ein sehr fragwürdiges Licht auf Gideon. Gideon hat ja gesagt, er will nicht herrschen. Er hat die Königswürde abgelehnt. Aber wie kann es jetzt sein, dass er seinen Sohn Abimelech nennt? Das heißt nämlich übersetzt: »Mein Vater ist König.« Er gibt seinem eigenen Sohn den Namen »Mein Vater ist König.« Hat er sich doch im Geheimen nach der Herrschaft ausgestreckt?
Hat Gideon etwas von dieser Herrschaft geschmeckt, als er mit Gottes Hilfe gegen Midian zog? Hat er zu viel von dieser benebelnden Wirkung des Stoffes Macht und Ruhm zu sich genommen? Bestimmt, leider. Man kann es wirklich so sagen, und auch für uns als Warnung nehmen.
Als Gideon das Heer der Midianiter ängstlich, aber im Glauben betrachtet hat, da war er siegreich. Aber als die Anerkennung in sein Leben kam, hat er die viel zu schnell umarmt und kam zu Fall. Er hat nicht die Fallen des Erfolges gesehen, die sich vor ihm auftaten.
Und so blieb es leider auch dieses Mal bei einer oberflächlichen Befreiung im Richterbuch. Das Land hatte 40 Jahre Ruhe, Vers 28, aber diese Ruhe war nur trügerisch, nur oberflächlich. Unter dem Deckmantel der äußeren Ruhe florierte weiter der ganze Götzendienst im Volk. Einen Baal hatte Gideon umgehauen, aber viele weitere hätten folgen müssen.
Und zuletzt beobachten wir: Es gibt kein Siegeslied. Debora und Barak, die hatten es richtig gemacht in Kapitel 5. Nach dem großen Sieg Gottes, der übrigens nur wenige Kilometer von Gideon entfernt stattfand, am Berg Tabor auch in der Jesreelebene, da haben sie ein Siegeslied gedichtet, und in dem Siegeslied kommen Zeilen vor wie: »Lobt den Herrn, preis den Herrn« – sie haben Gott diesen Sieg zugeschrieben. Aber nach Gideons Sieg lesen wir nichts von einem Lied. Keiner hat gedichtet, keiner hat gesungen, aber es hätte so viel zum Loben gegeben. Es wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, um den Sieg über Midian auch in einem Lied in der Geschichte Israels zu verankern und Gott die Ehre zu geben, die ihm gebührt.
Ihr Lieben, auch wir müssen, wenn wir das alles sehen, auf der Hut sein. Wo Schwierigkeiten oder Unmöglichkeiten in unser Leben treten, die bringen uns häufig näher zum Herrn. Aber es kann genauso sein, dass Lobhudeleien uns weiter weg von ihm bringen. Wofür bekommst du Anerkennung? Für ein Talent, für einen Dienst, für eine Arbeitsstelle? Fürchten wir uns vor dem Erfolg und wissen um die Fallstricke des Erfolgs in unserem Leben.
Das Ende von Gideon hatte gravierende Auswirkungen auf seine Familie und auf ganz Israel. Einer seiner Söhne, nämlich dieser Abimelech, beginnt einen Familienkrieg und bringt alle seine 69 Halbbrüder um. Infolgedessen kommt es dann zum ersten Bürgerkrieg in Israel. Das hat Gott nie so gedacht, dass eine Stadt in Israel gegen die andere kämpft. Schreckliche Zeit.
Aber wenn wir unsere Bibeln weiterlesen bis ins Neue Testament und in Hebräer 11, Vers 32, auf folgenden Satz stoßen, da schreibt der Schreiber:
»Und was soll ich noch sagen? Die Zeit würde mir fehlen, wenn ich erzählen wollte von Gideon, Barak, Simson, Jephta und David und Samuel und den Propheten, die durch Glauben …«
Hier wird Gideon in der Liste der Glaubenshelden aufgeführt. Er stellt seinen Glauben als Vorbild für uns dar, den wir nacheifern sollen. Und diese Bibelstelle in Hebräer 11 zeigt auch, dass wir Gideon auf jeden Fall im Himmel wiedersehen werden. Ganz sicher. Auch Gideons Sünde ist durch das Blut Jesu Christi ausgelöscht worden. Die Gnade Gottes hat auch ihn zum Ziel gebracht, obwohl er am Ende seines Lebens schlimm gesündigt hat und die Konsequenzen gravierend waren.
Das soll uns nicht ermutigen zu sagen: »Ach, dann kann ich ja genauso sündigen.« Nein, es soll uns viel mehr demütigen. Niemand kommt in den Himmel, weil er ein perfektes Leben geführt hat. Jeder Himmelsbürger ist dort, weil Jesus Christus sein Blut für ihn gegeben hat und für seine Sünden gestorben ist.
Und so ist dieses Kapitel im Buch der Richter mit Gideon für uns eine Ermutigung und eine Ermahnung für jeden von uns. Ich möchte schließen mit den Worten aus dem Judasbrief, die letzten zwei Verse:
»Dem aber, der mächtig genug ist, euch ohne Straucheln zu bewahren und euch unsträflich mit Freuden vor das Angesicht seiner Herrlichkeit zu stellen, dem alleinweisen Gott, unserem Retter, gebührt Herrlichkeit und Majestät, Macht und Herrschaft, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.«
Unser lieber Vater im Himmel, wir danken dir auch für diese Lektion aus dem Buch der Richter. Wir danken dir, dass wir Gideon vor Augen haben durften und danken dir, dass du uns auch seinen schwachen Glauben vor Augen gemalt hast. Wir müssen bekennen, dass es uns oft auch so geht. Wir bitten, dass du auch uns hilfst, deinem Wort zu vertrauen, was du gesagt hast, koste es, was es wolle. Herr, wir möchten dich auch bitten, dass du uns vor den Fallstricken des Erfolgs bewahrst, dass du uns hilfst, Herr, nicht die Anerkennung von Menschen zu suchen, sondern allein deine Ehre. Hilf du uns, das in unserem Leben einzuweben auch nach dieser Geschichte, und dass diese Lektion aus dem Leben Gideons weiter in unserem Leben wirkt. Lass uns daran erinnert werden und lass uns wirklich, Herr, dir die Ehre geben durch ein Leben, was dir gefällt. Amen.
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