8. Oktober 2023
Gottes Anleitung für deine Erziehung – Drei Grundsätze, um deine Kinder Gott wohlgefällig zu erziehen:
Gott erwartet von dir, dass du deine Kinder nach seinen Vorstellungen erziehst. Wenn die Welt dir weismachen will, dass du erst drei Jahre Erziehungswissenschaften studiert haben musst, damit du überhaupt darüber nachdenken kannst, Kinder zu erziehen, ist Gottes Plan ganz anders. Die Verse im Neuen Testament, die etwas über Kindererziehung sagen, lassen sich an einer Hand abzählen – es sind nicht viele. Wir werden uns heute einen davon ansehen. In diesem Vers findest du drei Grundsätze für eine Gott wohlgefällige Erziehung. Ob deine Erziehung gelingt oder du versagst, hängt davon ab, ob du diese Grundsätze verstehst und anwendest.
Das Problem haben wir letzte Woche gesehen: Der Mensch ist gefallen in Sünde. Auch die Kleinsten sind von Geburt an, vom Mutterleib an, von der Erbsünde betroffen – als Sünder geboren und damit in einem nicht neutralen und auch nicht guten Zustand, sondern böse von Mutterleib an. Aber die schlechte Nachricht ist gleichzeitig eine gute Nachricht, wie wir letztes Mal gesehen haben: Es gibt Hoffnung. Das Schicksal deines Kindes ist nicht durch seine Genetik, durch sein soziales Umfeld oder durch seine Eltern bestimmt. Dein Kind ist ein Mensch, im Bild Gottes geschaffen, und du als Elternteil, als Mama, als Papa hast das Vorrecht, deinem Kind die Hoffnung des Evangeliums weiterzugeben. Du kannst es mit dem bekannt machen, der es von der Sünde befreien kann, und ihm helfen, inmitten dieser verdrehten und verkehrten Welt Gott wohlgefällig zu leben.
Durch deine Erziehung kannst du dein Kind nicht zum Christen machen, du kannst es nicht retten – das kann nur Gott selbst. Aber du kannst es, wie Matthias es in seiner Predigt vor zwei Wochen ausgedrückt hat, in die Pole-Position stellen, damit es die besten Chancen hat – nicht nur für das irdische Leben, sondern auch für das ewige.
Heute wirst du drei Grundsätze kennenlernen, die du beherzigen musst, um deine Kinder Gott wohlgefällig zu erziehen. Du wirst sehen, dass du als Erstes deine Berufung kennen musst: Wem hat Gott diesen Auftrag versehen? Wem gehört der Auftrag der Kindererziehung? Als Zweites musst du die große Gefahr kennen: Wovor musst du dich ganz besonders in Acht nehmen? Und schließlich musst du verstehen, was dein Auftrag ist. Du wirst sehen, dass Gottes Wort genugsam ist – es reicht aus, um dich für diesen Auftrag auszurüsten.
Schlage bitte den Epheserbrief auf. Der Epheserbrief ist ein herrlicher Brief. Er startet nicht mit einer Reihe von Problemen, die die Gemeinde hat, oder mit irgendwelchen Dingen, die die Geschwister tun sollen, sondern er startet mit Gott, mit dem, was Gott getan hat. Gott der Vater hat die Gläubigen auserwählt, Gott der Sohn hat die Gläubigen gerechtfertigt, Gott der Heilige Geist hat die Gläubigen versiegelt. Er hat dich gerettet, wenn du gläubig bist, und zwar mit einem Ziel, das gleich am Anfang festgelegt wird – Kapitel 1, Vers 14: zum Lob seiner Herrlichkeit. Und in Kapitel 2, Vers 10, wird es noch etwas konkreter: Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.
Diese guten Werke werden ein bisschen weiter ausgeführt im Epheserbrief: Die Gläubigen sollen ihrer Berufung würdig wandeln, die Einheit bewahren, mit ihren Gaben einander dienen, in Aufrichtigkeit miteinander umgehen. Sie sollen Nachahmer Gottes sein und sich von dem Schmutz der Welt fernhalten. Paulus ruft die Epheser auch dazu auf, voll des Geistes zu werden, und das äußert sich ganz praktisch in den engsten Beziehungen: Mann und Frau leben die Rolle, die Gott ihnen zugeteilt hat, und Kinder sollen ihren Eltern gehorchen. In Kapitel 6 hat Paulus dann auch ein Wort an die Eltern: Was heißt es für die Eltern, voll des Geistes zu sein? Was heißt es für die Eltern, Nachahmer Gottes zu sein?
Wir lesen Epheser 6, Vers 4, unseren Predigttext heute:
Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und der Mahnung des Herrn.
Ein Satz mit zwei Aufforderungen und drei Grundsätzen, die du beherzigen musst. Das wird unsere Gliederung sein. Paulus macht am Anfang klar, an wen es geht: »Ihr Väter.« Das werden wir im ersten Punkt ansehen:
Dann die erste Aufforderung, eine negative: »Reizt eure Kinder nicht zum Zorn.« Das ist unser zweiter Punkt: Bedenke die große Gefahr. Und der dritte Punkt – die zweite Aufforderung in dem Vers, eine positive: »Zieht sie auf in der Zucht und der Mahnung des Herrn.« Das ist unser dritter Punkt: Lebe deinen Auftrag.
»Ihr Väter«, sagt Paulus, und spricht damit natürlich in erster Linie die Männer an, nicht die Frauen. In Vers 1 hat er den Kindern befohlen, ihren Eltern gehorsam zu sein, und hat sich damit ausdrücklich an Mutter und Vater gerichtet. Warum jetzt nur die Väter? Gott hat, wie Kapitel 5 deutlich gemacht hat, den Männern die Leitungsfunktion in der Ehe gegeben, und genauso hat er ihnen die Leitungsrolle auch in der Kindererziehung gegeben.
Die Parallelstelle Kolosser 3,21 fängt genauso an: Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, damit sie nicht unwillig werden. Gott selbst vergleicht sich mit einem Vater, der seine Kinder züchtigt. Hebräer 12, Vers 7: Wenn ihr Züchtigung geduldet, so behandelt euch Gott als Söhne; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Und die Voraussetzung für einen Ältesten in der Gemeinde ist, dass er jemand ist, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und die Kinder in Unterordnung hält mit aller Ehrbarkeit – 1. Timotheus 3, Vers 4. Wenn er das nicht tut, ist das ein Ausschlusskriterium: Wenn aber jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die Gemeinde Gottes sorgen? – Vers 5.
So geht der Aufruf der Kindererziehung primär an die Väter, und Väter tragen die ganze Verantwortung dafür vor Gott. Aber es ist nicht so, dass sie diese große Aufgabe alleine erledigen müssen. Vor zwei Wochen haben wir in der Predigt von Matthias gehört – das Thema war die Grundlage einer stabilen Familie –, dass Mann und Frau in der Ehe eine Einheit sind. Sie sollen als Team funktionieren, als Team agieren und gemeinsam Gottes Auftrag umsetzen. Und allein schon deswegen ist Kindererziehung Teamsache.
Als Frau – dafür hat Gott Eva geschaffen – bist du eine Hilfe für deinen Mann, eine Hilfe, um seinen Auftrag zu erfüllen. In den Sprüchen sehen wir, dass die Frau eine sehr wichtige Rolle in der Kindererziehung einnimmt. Sprüche 1, Vers 8: Höre, mein Sohn, auf die Unterweisung deines Vaters und verachte nicht die Lehre deiner Mutter. Mann und Frau erziehen und unterweisen gemeinsam die Kinder – Söhne wie Töchter.
Und entgegen unserer Kultur ist es nicht die Aufgabe von sogenannten Experten, deine Kinder zu erziehen. Nicht die Aufgabe von Tagesmüttern, nicht die Aufgabe von Kindergärtnerinnen und nicht die Aufgabe von ausgebildeten Pädagogen. Die Gesellschaft will dir weismachen: Du kannst es überhaupt nicht, deine Kinder zu erziehen – das müssen Leute machen, die sich damit auskennen. Besser, du überlässt es den Experten, und dann verbringst du am Abend die Stunde, die noch bleibt, etwas »Quality Time« mit deinem Kind – so nennt man das heutzutage –, nachdem sie die besten Stunden des Tages in Kindergarten, Schule und Hort verbracht haben und müde und ausgelaugt nach Hause kommen. Das ist nicht das, was Gott sich gedacht hat.
Mann und Frau haben den Auftrag bekommen, die Erde zu bevölkern, fruchtbar zu sein und Kinder großzuziehen. Natürlich hat der Staat verstanden, dass die ersten Jahre essenziell sind. Wenn du ein Kind prägen willst, wenn du einen Erwachsenen haben willst, der so denkt, wie du es möchtest, dann musst du anfangen, wenn die Kinder klein sind. Und deswegen gibt es seit einigen Jahrzehnten starke Bemühungen, die Kinder so früh wie möglich zu prägen, entsprechend den Grundsätzen, die unsere Gesellschaft hat. Aber Gott hat dem Staat diese Aufgabe nicht zugewiesen. Er hat ihm eine Aufgabe – für Recht und Ordnung zu sorgen, die Guten zu belohnen, die Bösen zu bestrafen – ganz klar definiert. Kindererziehung gehört nicht zum Auftrag des Staates. Es ist dein Job als Vater, dein Job als Mutter.
Nun ist es nicht die einzige Aufgabe, die Gott dem Mann gegeben hat. Er ist ebenso dafür zuständig, für seine Familie zu sorgen, indem er arbeiten geht, damit sie ein Dach über dem Kopf hat, zu essen hat, Kleidung hat. Und so kann der Mann sich natürlich nicht den ganzen Tag um die Kinder kümmern. Aber die Lösung für diesen Zwiespalt ist, wie wir eben gesehen haben, nicht Kindergarten und Hort, sondern die Hilfe, die Gott dir gegeben hat: deine Frau.
Als Paulus die Kriterien festgelegt hat, wann eine Witwe finanzielle Unterstützung von der Gemeinde bekommen sollte, sagte er in 1. Timotheus 5, Verse 9 bis 10: Eine Witwe soll nur in die Liste eingetragen werden, wenn sie nicht weniger als 60 Jahre alt ist, die Frau eines Mannes war und ein Zeugnis guter Werke hat: wenn sie Kinder aufgezogen, Gastfreundschaft geübt, die Füße der Heiligen gewaschen, Bedrängten geholfen hat, wenn sie sich jedem guten Werk gewidmet hat. Und dann weiter in Vers 14: So will ich nun, dass die Jüngeren heiraten, Kinder gebären, den Haushalt führen und dem Widersacher keinen Anlass zur Lästerung geben.
Eine Witwe qualifizierte sich dadurch für finanzielle Unterstützung von der Gemeinde, indem sie unter anderem Kinder aufgezogen hatte. Paulus beschreibt damit nichts anderes als die vorbildliche Frau. Jemand, der so gelebt hat, war ein Vorbild und verdient es, von der Gemeinde unterstützt zu werden, wenn niemand mehr für sie sorgen kann.
Und in Titus 2 schreibt Paulus, dass die älteren Frauen die Jüngeren anleiten sollen, ihre Männer und ihre Kinder zu lieben, besonnen zu sein, keusch, häuslich, gütig und sich ihren Männern unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert wird. Sowohl hier in Titus 2 als auch in 1. Timotheus 5,14 wird gesagt: Wenn eine Frau ihrem Auftrag nicht nachkommt, wird das Wort Gottes verlästert – vielleicht auch dadurch, dass deine Kinder kein besonders gutes Zeugnis für deinen Glauben abgeben werden. Und das ist, was auch auf dem Spiel steht, wenn wir unsere eigene Idee von Familie leben und nicht Gottes Idee.
Also sehen wir: Gott hat die Verantwortung auf die Väter gelegt für die Kindererziehung, aber Gott hat die Rolle der Frau, der Mutter, dafür vorgesehen, den größten Teil der tatsächlichen Kindererziehung – das Aufziehen der Kinder – zu übernehmen. Und so ist der erste Grundsatz, den du beherzigen musst, wenn du deine Kinder Gott wohlgefällig erziehen willst: Kenne deine Berufung.
Bevor wir nun dazu kommen, was der Auftrag der Kindererziehung ist, hat Paulus eine Warnung gegeben, und die müssen wir ernst nehmen. Paulus sagt: »Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn.« Das ist der zweite Punkt: Bedenke die große Gefahr.
Wir haben uns letzte Woche eingehend mit der Erbsünde beschäftigt. Wir haben gesehen, wie die Sünde sich schon in den Allerkleinsten auswirkt. Und vielleicht bist du ein bisschen sensibler geworden bei deinem Kind, bei deinem Kleinkind, und hast versucht zu unterscheiden: Hat er jetzt den Blumentopf umgeworfen, weil du ihm noch gar nicht erklärt hast, dass das kein Spielzeug ist und er das nicht darf? Oder hast du es ihm gesagt, er weiß es, und er macht es einfach aus Rebellion, weil er ein sündiges Herz hat? Es ist gut, wenn du bei deinen Kindern darauf achtest. Aber bist du dir deiner eigenen Sünde auch bewusst im Umgang mit deinen Kindern? Glaubst du, dass auch wenn du gläubig bist, dir immer noch die Sünde anhaftet?
Galater 6, Vers 1 sagt Paulus – er spricht zu Gläubigen: Brüder, wenn auch ein Mensch von einer Übertretung übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht, und gib dabei acht auf dich selbst, dass du nicht auch versucht wirst. Ein Gläubiger geht zu einem anderen: »Ich habe da ein Problem gesehen, ich will dir helfen.« Es geht nicht direkt um Kindererziehung, aber die Prinzipien sind die gleichen. Wenn du jemandem helfen willst, dann pass auf: Erstens könntest du genauso wie er in diese Sünde gefallen sein – du bist nicht sicher davor. Und du könntest sogar beim Ermahnen dich selbst versündigen, indem du hartherzig bist. Deswegen übe Sanftmut.
Und das Gleiche gilt bei der Kindererziehung. Denk daran: Auch du warst mal klein. Auch du musstest alles von null auf lernen. Jeden erdenklichen Fehler hast auch du gemacht. Auch du hast deine Eltern ab und zu – vielleicht sogar ein bisschen öfter – zur Verzweiflung gebracht. Du musstest erzogen werden. Und jetzt, wo du gläubig bist und den Heiligen Geist hast, ein neues Herz hast, sündigst du immer noch gegen Gott, gegen deinen Ehepartner, gegen deine Kinder. So warnte Jesus davor, den Splitter im Auge des anderen – des Kindes – zu sehen, aber den Balken im eigenen Auge nicht. Deshalb musst du dir deiner eigenen Sündhaftigkeit bewusst sein und dir bewusst sein, dass du dazu neigst, deine Kinder zum Zorn zu reizen.
John MacArthur hat ein Buch geschrieben – leider nicht auf Deutsch –: Being a Dad Who Leads – »Ein Vater, der leitet.« Dort schreibt er eine ganze Reihe von Dingen, die du bewusst oder unbewusst tust und damit gegen Gottes Gebot verstößt, deine Kinder nicht zum Zorn zu reizen. Die folgende Liste mit zehn Punkten stammt aus diesem Buch. Es sind teilweise Prinzipien ohne konkrete Bibelstelle, aber im Grunde ist alles eine Anwendung des Gebots: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.« Das sind Dinge, die wir ganz natürlich nicht tun sollten.
Erstens kannst du deine Kinder zum Zorn reizen, indem du übervorsichtig bist. Du gibst ihnen keine Freiheit, sich zu entwickeln. Du traust ihnen nicht, du behältst sie ständig unter deiner Kontrolle. Stattdessen solltest du, je älter sie werden, sie immer mehr loslassen und ihnen erlauben, die Welt zu entdecken, Abenteuer zu erleben, den Weg zu gehen.
Zweitens kannst du deine Kinder zum Zorn reizen durch Bevorzugung. Ein bekanntes Beispiel aus dem Alten Testament: Isaak bevorzugte Esau – das war sein Lieblingssohn – gegenüber Jakob. Bei Rebekka war es genau andersrum: Ihr Lieblingssohn war Jakob. Diese Bevorzugung führte dazu, dass Rivalität entstand unter den Brüdern. Jakob betrog Esau um sein Erbe, Jakob musste fliehen, und Rebekka hat ihren Lieblingssohn nie wiedergesehen. Daher pass auf, dass du deine Kinder nicht durch Vergleichen zum Zorn reizt: »Warum kannst du nicht so gehorsam sein wie dein Bruder?« »Warum sieht dein Zimmer so aus? Schau mal deine Schwester an!« Solche Sätze hinterlassen tiefe Verletzungen und führen zu Rivalität und Feindschaft unter den Geschwistern.
Drittens kannst du deine Kinder zum Zorn reizen, indem du unrealistische Leistungsziele setzt. Manche Eltern setzen ihre Kinder unter Druck, damit sie in der Schule, im Sport, in der Musik – egal was sie tun – immer die Besten sein müssen. Es hat oft wenig mit den Begabungen des Kindes zu tun und viel mit dem Ansehen und dem Stolz der Eltern. Wenn du deinen Kindern das Gefühl gibst, dass ihre Leistungen nie gut genug sind, wenn du sie nie lobst für eine Errungenschaft, werden sie verzweifeln, weil sie merken, dass sie dich nicht zufriedenstellen können.
MacArthur schreibt in dem Buch von einer Teenagerin, mit der er selbst Gespräche geführt hat, die erfolgreich war in der Schule, aber egal was sie tat, ihre Mutter hatte immer irgendetwas auszusetzen. Es führte dazu, dass sie nach einiger Zeit einen schweren Nervenzusammenbruch bekam und in eine psychiatrische Anstalt kam. Irgendwann wurde sie wieder entlassen, kam nach Hause, aber das Kritisieren ging weiter. Bevor sie ihren endgültigen Zusammenbruch bekam und sich das Leben nahm, sagte sie: »Egal was ich tue, meine Mutter ist nie zufrieden mit mir.« Achte darauf, dass du dein Kind lobst für die Fortschritte, die es erzielt. Pass auf, wie du kritisierst und wie häufig du kritisierst.
Viertens kannst du deine Kinder zum Zorn reizen, indem du übermäßig nachsichtig bist. Wenn du deinen Kindern alles gibst, was sie wollen, ständig hinter ihnen her aufräumst und ihnen erlaubst, die Verantwortung für ihr Verhalten immer auf andere abzuwälzen, dann reizt du sie zum Zorn. Du kannst sie übermäßig verwöhnen, indem du sie sündigen lässt und sie keine Konsequenz von ihrem Verhalten spüren. Das wird sie ermutigen, immer weiter und immer schlimmer zu treiben. Aber die Zeit wird kommen, wo Mami und Papi nicht mehr da sind, um all die negativen Konsequenzen aufzufangen. Sie werden merken, dass die Welt sich nicht nur um sie selbst dreht, dass sie nicht immer bekommen, was sie wollen, und dass nicht jeder nur dafür da ist, ihnen zu dienen. Dann werden sie vor Wut schäumen und um sich schlagen. Daher achte darauf, dass du nicht übermäßig nachsichtig mit deinen Kindern bist.
Fünftens kannst du deine Kinder zum Zorn reizen durch Entmutigung. Es kann sein, dass du mangelndes Verständnis hast für deine Kinder oder fehlende Belohnungen – beides wird die Motivation und den Ansporn deiner Kinder zerstören. Deshalb nimm dir Zeit, deine Kinder zu verstehen. Nimm dir Zeit herauszufinden: Warum hat er das jetzt so gemacht und nicht anders? Was wollte er damit erreichen? Was war seine Motivation, sein Ziel? Hab ein offenes Ohr und belohne großzügig. Wir haben eben gesehen: Gott ist ein großzügiger Gott, wir sollen Gott nachahmen. Gib ihnen Anerkennung und Ehre, wenn es angemessen ist, und sei geduldig mit ihnen. Leg die Erwartung nicht unrealistisch hoch und reagiere nicht auf eine Art und Weise, die dazu führt, dass sie sich unterlegen oder entmutigt fühlen.
Sechstens kannst du deine Kinder zum Zorn reizen, indem du keine Opfer für sie bringst. Du gibst ihnen das Gefühl, dass sie nur ein Eindringling in deinem Leben sind – offen oder unterschwellig. Du lässt sie spüren, dass sie eigentlich stören, dass sie dir im Weg sind bei dem, was du eigentlich tun willst. Du freust dich immer, wenn du sie mal abgeben kannst und irgendetwas machen kannst, was dir Spaß macht. Wenn du auf diese Weise gleichgültig und nicht verfügbar bist für deine Kinder, dann werden sie dich wahrscheinlich irgendwann verachten.
Siebtens kannst du deine Kinder zum Zorn reizen, indem du ihnen nicht erlaubst, Kinder zu sein. Kinder sind nicht perfekt, sie müssen viel lernen und werden viele Fehler machen. Wenn sie etwas umstoßen am Tisch, ist kein großes Ding daraus zu machen. Räum auf, hilf ihnen, ein bisschen besser zu werden in der Koordination, den Becher nicht so nah an den Rand zu stellen. Ja, wir wollen ihnen helfen, aber wir wollen nicht erwarten, dass sie keine Fehler machen. Wir wollen sie begleiten und ihnen helfen, loben für den Versuch, für jeden Fortschritt. Und das ist die Erwartung, die wir haben sollten: Fortschritt, aber nicht Perfektion.
Achtens kannst du deine Kinder zum Zorn reizen, indem du sie vernachlässigst. Ein bekanntes biblisches Beispiel für elterliche Vernachlässigung ist David und Absalom. David war schon Thema in den letzten zwei Predigten – ein Mann nach dem Herzen Gottes, vorbildlich in sehr vielen Bereichen, in der Kindererziehung leider nicht. Er war so beschäftigt, dass er offensichtlich keine Zeit für seinen Sohn hatte. Und Absalom fing an, gegen seinen Vater zu rebellieren – nicht als Vater, sondern als König. Er schmiedete einen ausgeklügelten Plan, um seinen Vater zu entthronen. Die schmutzigen Details dieser Tat Absaloms sind festgehalten in 2. Samuel, Kapitel 13 bis 18. Am Ende starb Absalom im Kampf.
Und wir sehen: David hat ihn sicher nicht absichtlich vernachlässigt. Er war nicht absichtlich gleichgültig. Er hat sehr getrauert um seinen Sohn, er war ihm sehr lieb. Er hat viel geweint, als er von seinem Tod gehört hat, auch wenn er wusste, dass er ihn vom Thron stoßen wollte. Aber dennoch war die Vernachlässigung da. Und du musst als Vater dafür sorgen, dass deine Kinder sich deiner Liebe zu ihnen bewusst sind. Es reicht nicht aus, wenn du weißt, dass du sie liebhast – du musst es verbalisieren, klarstellen durch Worte, aber auch durch die Zeit, die du ihnen widmest.
Neuntens kannst du deine Kinder zum Zorn reizen durch Missbrauch von Worten. Mit bloßen Worten können Eltern das Herz eines Kindes in Stücke reißen – Worte, die in Wut, im Sarkasmus, im Spott gesprochen werden. Manche Eltern sagen Dinge zu ihren Kindern, das würden sie keinem anderen Menschen sagen. Und Kinder sind nicht in der Lage, sich zu wehren. Sie bleiben zurück, verletzt, zertrümmert, zurückgewiesen. Und mit der Zeit führt solches Verhalten zu Verbitterung und Rebellion.
Zehntens kannst du deine Kinder zum Zorn reizen durch körperlichen Missbrauch. Manche Eltern sind übereifrig, wenn es darum geht, ihre Kinder zu bestrafen. Sie gehen weit über vernünftige, angemessene Maßnahmen zur Disziplinierung hinaus und verletzen sie am Ende sogar. Das ist die schlimmste Form von Mobbing und Brutalität, weil Eltern ihre Kinder beschützen sollen und sich am meisten um sie kümmern sollten. Nicht dass der körperliche Schaden genug wäre – auch der seelische Schaden ist nicht zu vernachlässigen. Wer seine Größe, seine körperliche Überlegenheit in die Waagschale wirft und sein Kind einschüchtert, der erfüllt ein Kind mit Angst, und das Kind wird höchstwahrscheinlich mit einem rachsüchtigen Geist aufwachsen und ein ähnliches Verhalten an den Tag legen.
Von Gott lesen wir, dass er seine Kinder in Liebe züchtigt – Hebräer 12, Verse 5 bis 7. Gottes Haltung ist immer von Liebe geprägt, auch wenn er schmerzhafte Umstände in unser Leben bringt. Und so musst auch du darauf achten, dass du dein eigenes Herz prüfst: nicht in Wut oder mit rachsüchtigen Gefühlen deine Kinder disziplinieren, sondern erstmal nüchtern die Situation anschauen, was passiert ist, den Herrn bitten um einen ruhigen Geist, um ein liebendes Herz, um Mitgefühl. Und was immer du tust, tust du aus Sorge um das Wohlergehen deines Kindes.
Das war eine lange Liste – viele Dinge. Ich denke, kein Vater ist unschuldig darin. Ich nicht. Aber die gute Nachricht: Auch wenn du dich an deinen Kindern versündigt hast, wenn du sie zum Zorn gereizt hast, ist es nicht das Ende. Gott ist ein Gott der Vergebung, der Versöhnung. Und so gibt es seinen biblischen Weg, der ist nicht anders bei Kindern als bei Erwachsenen. Wenn du gesündigt hast, geh hin zu deinem Kind, erkenne deine Sünde, red es nicht schön. Mach auf keinen Fall dein Kind verantwortlich: »Wenn du nicht … hätte ich nicht …« Übernimm Verantwortung für deine Sünde, nenne sie beim Namen, bitte um Vergebung. Das ist, was zerbrochene Beziehungen wiederherstellt.
Du musst nicht warten, bis dein Kind sechs Jahre alt ist. Auch ein Säugling versteht, wenn du es liebevoll in den Arm nimmst und mit einer ruhigen Stimme redest. Wenn dein Kind dich versteht, dann nutze diese Gelegenheiten, um über das Evangelium zu reden. Mach ihnen klar, dass du ein Sünder bist, der durch Gnade gerettet ist – und nicht weil du so ein toller Hecht bist. Das macht deinen Glauben authentisch und begehrenswert für deine Kinder.
Zehn Möglichkeiten, Kinder zum Zorn zu reizen – es gibt noch viel mehr, vor denen wollen wir uns hüten, um unsere Kinder Gott wohlgefällig zu erziehen. Und ja, als Männer müssen wir ganz besonders darauf achten. Gott sei Dank sagt Gott uns nicht nur, was wir nicht tun sollen, sondern er gibt uns auch einen Auftrag, was wir stattdessen tun sollen. Damit kommen wir zum dritten Punkt.
»Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf.« Das ist der Befehl: Zieht sie auf in der Zucht und der Mahnung des Herrn. Und wie wir gesehen haben, geht der Befehl an die Väter. Allein schon dass Paulus sagt »Zieht sie auf«, macht deutlich, dass Kinder nicht von alleine groß werden. Sie brauchen Hilfe, um erwachsen zu werden. Und das ist, was das Aufziehen bedeutet: Du hilfst ihnen, zur Reife zu kommen, erwachsen zu werden.
In den Sprüchen finden wir in Kapitel 29, Vers 15 eine Warnung genau dafür – ein Kind seinem eigenen Weg zu überlassen: Rute und Zucht verleihen Weisheit, aber ein sich selbst überlassener Knabe bereitet seiner Mutter Schande.
Was genau bedeutet es nun, Kinder aufzuziehen? »Zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn.« Das Wort »Zucht« – die erste Assoziation ist vielleicht die körperliche Züchtigung, aber das ist nicht der Hauptgedanke hier. Sondern es ist das ganze Spektrum der Erziehung. Was hier gemeint ist, ist das Wort paideia im Griechischen, wovon das deutsche Wort »Pädagoge« abgeleitet wird. Wir wissen, was ein Pädagoge ist: der ist dafür da, Kinder zu erziehen. Und das ist, was das Wort eigentlich heißt: das Kind trainieren, belehren, disziplinieren – das ganze Spektrum, was zur Erziehung dazugehört.
In 2. Timotheus 3, Vers 16 kommt das gleiche Wort vor: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit. So wie die Bibel nützlich ist, um den Menschen zu erziehen, in den Wegen Gottes zu wandeln, so sollen Eltern ihre Kinder erziehen. Hebräer 12, Vers 5 wird das gleiche Wort verwendet, und da liegt die Betonung eher auf der schmerzhaften Zurechtweisung: Ihr habt das Trostwort vergessen, das zu euch als Söhnen spricht: »Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm zurechtgewiesen wirst.«
Wie sieht diese Erziehung nun genau aus? Die Zucht und Ermahnung soll »im Herrn« sein. Springen wir mal zurück ins 5. Mose. Das Alte Testament enthält übrigens viel mehr Stellen zur Kindererziehung, die wir nicht übergehen dürfen. 5. Mose 6, Verse 4 bis 9 – ein zentraler Vers, was Kindererziehung angeht:
Höre, Israel! Der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf deinem Herzen tragen. Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg bist, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. Und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen dir zum Erinnerungszeichen über den Augen sein, und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben.
Wenn deine Erziehung im Herrn sein soll, dann musst du zuallererst das Wort dieses Herrn kennen. Du musst das Wort auf deinem Herzen tragen – das ist, was hier steht. Und genau dieses gleiche Wort sollst du deinen Kindern einschärfen. Wie macht man das? Kinder zur Sonntagsschule schicken ist ein guter Anfang, aber der Auftrag hier geht an die Eltern. Fünfzehn Minuten Familienandacht sind eine super Sache, ein sehr wichtiger Teil – aber es reicht nicht aus. Du sollst von Gott und seiner Größe reden, egal ob du sitzt oder stehst, ob du gehst oder liegst, ob du Auto fährst oder mit deinen Kindern Fußball spielst, ob du den Rasen mähst oder Geschirr abwäschst. Gottes Wort soll das ganze Leben durchdringen.
Und dabei geht es nicht um ein Regelwerk, das du ihnen beibringst: »Du dies, lass das, du dies, du das nicht.« Sondern was stand da? Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben. Ihr Väter: Wenn eure Kinder euch von Montag bis Samstag sehen – wissen sie, dass ihr Gott liebt? Sehen sie das?
Es ist wichtig, systematisch den Kindern in einer Familienandacht Gottes Wort beizubringen. Nutze das Familienandachtsbuch, das parallel zur Sonntagsschule läuft – eine super Sache. Nutze jede Hilfestellung, die du bekommen kannst. Die Sonntagsschule ist alles gut und sehr gut. Aber vernachlässige nicht, deinen Kindern im Alltag vorzuleben und beizubringen, was es heißt, Gott nachzufolgen.
Lass dich unterbrechen beim Rasenmähen: Wenn du an einem Ameisenhaufen vorbeikommst, erkläre ihnen, was die Ameise mit Fleiß zu tun hat. Lass dich beim Staubwischen unterbrechen: Erkläre deiner Tochter, warum es eigentlich Staub gibt, warum diese ganzen Unannehmlichkeiten – wo kommt das her? Nutze alltägliche Situationen, um geistliche Lektionen zu vermitteln.
Und das Buch der Sprüche ist das Handbuch für Kindererziehung, wo diese ganzen Lektionen zu finden sind. Die Sprüche sind zum großen Teil die Worte eines Vaters an seinen Sohn. Es ist das Erziehungshandbuch von Gott selbst. Nutze es, um deinen Kindern wahre Weisheit beizubringen.
Lehre sie, dass Gottesfurcht der Anfang der Weisheit ist. Lehre sie, ihr Herz zu bewahren vor den vielen Einflüssen in der Welt. Lehre sie, ihre Eltern zu respektieren und ihnen gehorsam zu sein. Lehre sie, ihre Freunde richtig auszuwählen. Lehre sie, auf ihren Körper zu achten und sich nicht von ihren Lüsten leiten zu lassen. Lehre sie Gottes Plan der Ehe zu folgen. Lehre sie, auf ihre Worte zu achten. Lehre sie, hart zu arbeiten. Lehre sie, mit ihrem Geld gut umzugehen. Und lehre sie, ihren Nächsten zu lieben.
Wenn du dir diese Liste nicht merken kannst – kein Problem. Du wirst an jedem dieser Themen vorbeikommen, mehrfach, wenn du einfach das Buch der Sprüche durchgehst mit deinen Kindern. Du kannst es der Reihe nach durchgehen – die ersten neun Kapitel sind eine große Rede, ab Kapitel 10 hast du viele einzelne Verse. Du kannst auch thematisch sammeln: Wenn du deinem Kind über Geld reden willst, sammel alle Verse, die zu Geld etwas sagen. Du kannst auf verschiedene Weise mit diesem Buch umgehen – aber eines kannst du nicht machen: dieses Buch in deiner Kindererziehung ignorieren. Nutze die Weisheit, die Gott dir hier gegeben hat, für dein persönliches Leben und für deine Kinder.
Nachdem wir gesehen haben, dass die Erziehung das ganze Leben umfasst und ganz natürlich ein Teil von deinem Leben ist, wollen wir uns ein bisschen auf das zweite Wort konzentrieren, das wir in Epheser 6, Vers 4 finden: »Ermahnung«. Im Deutschen legt es mehr den Schwerpunkt auf das situative Korrigieren. Es gibt eine Situation, da musst du eingreifen – jemand, dein Kind, ist vom rechten Weg abgekommen. Titus 3, Vers 10 sagt Paulus zu Titus: Einen sektiererischen Menschen weise nach ein- und zweimaliger Zurechtweisung ab. Das gleiche Wort – es geht eindeutig darum, jemanden, der abgekommen ist vom guten Weg, zurechtzubringen. An anderen Stellen im Neuen Testament wird das Wort in der Verbform mit »ermahnen« übersetzt.
Eli war ein Priester im Alten Testament. Er hatte zwei Söhne, die waren – im Gegensatz zu ihm – gottlos. Trotzdem dienten sie im Tempel, aber sie sündigten schwer gegen Gott. Wenn Opfer gebracht wurden, ignorierten sie die Vorschriften Gottes und nahmen sich von dem Fleisch nach ihren Lüsten, um es für sich selbst zu braten. Damit nicht genug, dass sie Gottes Anweisung für die Opfer verachteten – wir lesen weiter über Eli und seine Söhne in 1. Samuel 2, Verse 22 bis 25:
Eli aber war sehr alt, und er hörte alles, was seine Söhne an ganz Israel taten, und dass sie bei den Frauen lagen, die vor dem Eingang der Stiftshütte den Dienst verrichteten. Und er sprach zu ihnen: »Warum tut ihr dies denn? Ich höre von dem ganzen Volk euer böses Handeln. Nicht doch, meine Söhne, denn das ist kein gutes Gerücht, das ich höre. Ihr bringt das Volk des HERRN dazu, dass es Sünde begeht. Wenn jemand gegen einen Menschen sündigt, so wird Gott Schiedsrichter sein; wenn aber jemand gegen den HERRN sündigt, wer wird für ihn Fürsprecher sein?« Aber sie hörten nicht auf die Stimme ihres Vaters, denn der HERR hatte beschlossen, sie zu töten.
Eli bekam sehr wohl mit, was seine Söhne taten. Er bekam es nicht nur mit – er erkannte, dass es Sünde ist. Er erkannte es nicht nur, er konfrontierte seine Söhne damit. Wir würden wahrscheinlich sagen: Er hat sie ermahnt. Was war Gottes Urteil über Eli? Ab Vers 27:
Es kam aber ein Mann Gottes zu Eli und sprach zu ihm: »So spricht der HERR: Habe ich mich nicht im Haus seines Vaters deutlich geoffenbart, als sie noch beim Haus des Pharao in Ägypten waren? Ich habe mir dort vor allen Stämmen Israels zum Priester erwählt, damit er auf meinem Altar opfere, Räucherwerk anzünde und das Efod vor mir trage, und ich habe dem Haus deines Vaters alle Feueropfer der Kinder Israels gegeben. Warum tretet ihr denn meine Schlachtopfer und Speisopfer, die ich für meine Wohnung angeordnet habe, mit Füßen? Und du ehrst deine Söhne mehr als mich, dass ihr euch mestet vor den Erstlingen aller Speisopfer meines Volkes Israel.«
Das war das letzte Mal, dass Gott zu Eli gesprochen hat. Ab sofort würde er nicht mehr zu ihm, sondern zu Samuel reden. Und im dritten Kapitel von Samuel, ab Vers 11, lesen wir, was Gott Samuel sagt, als er ihn in der Nacht aufweckt:
Der HERR sprach zu Samuel: »Siehe, ich will eine Sache in Israel tun, dass jedem, der es hören wird, beide Ohren gellen werden. An jenem Tag will ich an Eli alles in Erfüllung gehen lassen, was ich gegen sein Haus geredet habe – ich will es anfangen und vollenden. Denn ich habe ihm gesagt, dass ich sein Haus auf ewig richten werde wegen der Sünde, von der er wusste, weil seine Söhne sich den Fluch zugezogen haben und er ihnen nicht gewehrt hat. Und darum habe ich dem Haus Elis geschworen, dass die Schuld des Hauses Elis ewiglich nicht gesühnt werden soll, weder durch Schlachtopfer noch durch Speisopfer.«
Gott sagt zu Samuel, dass er Eli und sein Haus richten wird – und zwar warum? Weil er von der Sünde seiner Söhne gewusst hat, aber er hat ihnen nicht gewehrt. Und das Wort, das hier mit »gewehrt« übersetzt wird, ist in der Septuaginta – der griechischen Übersetzung des Alten Testaments – das gleiche Wort, das wir in Epheser 6, Vers 4 finden und das »Ermahnung« heißt.
Hat Eli seine Söhne wirklich ermahnt? Ja, er hat etwas zu ihnen gesagt. Er hat sogar Sünde beim Namen genannt. Aber er hat nicht im biblischen Sinne ermahnt. »Nicht doch, meine Söhne, denn das ist kein gutes Gerücht, das ich höre« – das ist keine Ermahnung im Herrn. Gott sagt zu Eli: »Habe ich mich nicht im Haus deines Vaters deutlich geoffenbart?« Eli kannte das Wort Gottes – Gott setzt voraus, dass er es kannte. Aber er nahm es nicht ernst. Er rechnete nicht damit, dass Gott es wirklich ernst meinte mit dem, was er gesagt hatte. Das, was Eli tat, war keine Ermahnung im Herrn. Er spielte die Sünde herunter, er ließ sie weitermachen, es gab keine Konsequenzen – er wehrte ihnen nicht.
Und wie viele Väter handeln heute so mit ihren Kindern? »Junge, du weißt doch, dass du deine Schwester nicht schlagen sollst. Geh hin, sag, dass es dir leid tut.« Dabei bleibt’s. Es gibt keine Konsequenzen.
Wenn wir unsere Kinder in der Zucht und der Mahnung des Herrn erziehen wollen, müssen wir Gottes Wort ernst nehmen. Und das heißt, die Dinge zu hassen, die Gott hasst, und die Dinge zu lieben, die Gott liebt. Und es heißt, dass wir das unseren Kindern vermitteln – die Güte Gottes, ja, aber genauso auch die Strenge Gottes, die Heiligkeit Gottes, die Gerechtigkeit Gottes. Es heißt, dass wir unseren Kindern angemessene Konsequenzen für ihr Verhalten beibringen müssen.
Wenn du deine Kinder in diesem Sinne erziehst, dann bewahrst du sie vor viel schlimmeren Konsequenzen, die ihnen als Erwachsene unweigerlich begegnen werden, wenn sie nicht gelernt haben, weise zu leben. Und wenn du deine Kinder auf diese Weise erziehst, bereitest du ihre Herzen auf das Evangelium vor, weil du ihnen deutlich machst, dass Sünde Folgen hat – schlimme Folgen. Nutze daher die Gelegenheiten, um darüber zu sprechen: über Sünde, über die Strafe für Sünde, über den, der stellvertretend für Sünde gestorben ist – für jeden, der an ihn glaubt.
Das ist es, was es heißt, Kinder in der Zucht und der Mahnung des Herrn zu erziehen. Du vermittelst ihnen das Bild des großen Gottes, der die Welt geschaffen hat, machst ihnen aber gleichzeitig auch deutlich, dass sie vor Gott verantwortlich sind.
»Werdet Gottes Nachahmer« – das war Paulus‘ Aufruf an die Epheser. Und auch die Erziehung ist ein Teil dessen, wo wir Gott nachahmen sollen. Gott hat sein Gesetz den Israeliten gegeben und ihnen ganz klar gezeigt, worauf es ankommt, was er von ihnen erwartet: Gott und den Nächsten lieben – kurz gefasst. Und er hat ihnen genauso gezeigt, was sie erwartet, wenn sie gehorsam sind, und was sie erwartet, wenn sie ungehorsam sind.
Hat Israel das Gesetz gehalten? Nein. Kurz nachdem das Gesetz kam, haben sie sich schon das goldene Kalb gemacht und das Kalb angebetet anstatt Gott. Hat Gott deshalb den Standard abgesenkt und gesagt: »Gut, drei Tage im Jahr darf ihr einen Götzen anbeten«? Nein, hat er nicht. Gottes Standard blieb: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir – auch wenn Israel immer wieder versagt hat, ihn zu halten.
Wofür war das Gesetz dann da, wenn sie es ohnehin nicht halten konnten? Paulus sagt den Galatern in Galater 3, Vers 21, dass das Gesetz eben nicht dafür da war, dass der Mensch durch das Halten des Gesetzes zu Gott kommen kann, sondern es ist ein Zuchtmeister, ein Lehrmeister, ein Pädagoge, der das Volk Israel erziehen sollte. Was sollte es ihnen beibringen? Genau das: dass sie Gottes Gesetz nicht halten können. Egal was sie tun, sie werden es nicht schaffen, Gottes Maßstab zu halten. Das Gesetz deutete auf Christus hin, weil es den Menschen klarmacht: Gottes Anspruch wirst du nicht genügen. Du brauchst einen Mittler, du brauchst einen Stellvertreter. Also hat das Gesetz auf Christus hingewiesen.
Und wenn du deine Kinder in der Zucht und der Mahnung des Herrn erziehen willst, kannst du nichts Besseres machen, als Gottes Pädagogik zu übernehmen. Es gibt keine bessere. Erwarte Gehorsam, erkläre ihnen den Maßstab Gottes, sag ihnen, was sie tun sollen und was sie lassen sollen. Senke den Maßstab nicht, wenn du siehst, dass sie es nicht schaffen, sondern gebrauche den Maßstab, um ihnen deutlich zu machen, dass sie den Erlöser brauchen – und dass Gott Rettung anbietet jedem, der diesen Maßstab verfehlt und im Glauben zu ihm kommt: Jesus Christus, deine einzige Chance. Das ist, was wir unseren Kindern vermitteln wollen.
Wir haben heute drei einfache Grundsätze aus Gottes Wort kennengelernt, die du beherzigen musst, wenn du deine Kinder Gott wohlgefällig erziehen willst. Wir haben gesehen, dass der Auftrag der Kindererziehung an die Väter gerichtet ist, die mit der Unterstützung ihrer Ehefrau ihre Kinder erziehen sollen, während die Väter die volle Verantwortung tragen vor Gott. Wir haben die große Gefahr gesehen, dass deine eigene Sünde dir im Weg steht und du in der Gefahr stehst, deine Kinder zum Zorn zu reizen. Und wir haben auch die Möglichkeit gesehen, wie wir uns wieder versöhnen können. Und schließlich haben wir den Auftrag gesehen, den Gott uns als Eltern gegeben hat: Unser ganzes Leben soll davon geprägt sein, dass wir Gott lieben, dass wir ihm nachfolgen und dass wir diese Wahrheiten, die wir selbst leben und lieben, an unsere Kinder weitergeben. Wir haben auch gesehen, dass Gott uns die Verantwortung aufträgt, unsere Kinder zu korrigieren, wenn sie vom Weg abweichen, angemessene Konsequenzen zu gebrauchen und die Möglichkeiten zu nutzen, um auf Jesus Christus hinzuweisen.
Und wenn du diese drei Grundsätze in deiner Erziehung beherzigst, dann wirst du in den Werken wandeln, die Gott für dich bereitet hat – wie wir in Epheser 2, Vers 10 gelesen haben. Dann wirst du deine Kinder Gott wohlgefällig erziehen und sie in die Pole-Position stellen und ihnen die besten Chancen geben – nicht nur für das irdische Leben, sondern auch für das ewige.
Ich möchte abschließen mit einem Zitat von einem gläubigen Vater, der, als er schon ein bisschen älter war, folgendes sagte:
»Meine Familie ist jetzt erwachsen und die Kinder sind alle ausgezogen. Aber wenn ich noch mal von vorne anfangen könnte, würde ich folgendes tun: Ich würde meine Frau vor meinen Kindern mehr lieben. Ich würde mehr mit meinen Kindern lachen – über unsere Fehler und unsere Freuden. Ich würde mehr zuhören, selbst dem kleinsten Kind. Ich würde ehrlicher sein mit meinen eigenen Schwächen und nie so tun, als ob ich perfekt wäre. Ich würde anders für meine Familie beten, würde mehr für mich selbst beten. Ich würde mehr gemeinsame Unternehmungen mit meinen Kindern machen. Ich würde sie mehr ermutigen und mehr loben. Ich würde mehr auf die kleinen Dinge achten – die Taten und Worte der Rücksichtnahme. Und schließlich: Wenn ich noch mal von vorne anfangen könnte, würde ich meine Familie Gott näher bringen. Jede alltägliche Gelegenheit würde ich nutzen, um sie zu Gott zu führen.«
Möge Gott uns Gnade geben, dass wir den Auftrag der Kindererziehung heute wahrnehmen und nicht später bereuen. Amen.
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