3. Mai 2026

Gottes Bund mit Abraham

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7 Und er sprach zu ihm: Ich bin der HERR, der ich dich von Ur in Chaldäa ausgeführt habe, daß ich dir dieses Land erblich zu besitzen gebe. 8 Abram aber sprach: Herr, HERR, wobei soll ich merken, daß ich es erblich besitzen werde? 9 Und er sprach zu ihm: Bringe mir eine dreijährige Kuh und eine dreijährige Ziege und einen dreijährigen Widder und eine Turteltaube und eine junge Taube. 10 Und er brachte solches alles und zerteilte es mitten voneinander, und legte einen Teil dem andern gegenüber. Aber die Vögel zerteilte er nicht. 11 Und es fielen Raubvögel über die Opfer her; aber Abram verscheuchte sie. 12 Da nun die Sonne anfing sich zu neigen, fiel ein tiefer Schlaf auf Abram, und siehe, Schrecken und große Finsternis überfielen ihn. 13 Da ward zu Abram gesagt: Du sollst für gewiß wissen, daß dein Same fremd sein wird in einem Lande, das nicht ihm gehört; und daselbst wird man sie zu dienen zwingen und demütigen vierhundert Jahre lang. 14 Aber auch das Volk, dem sie dienen müssen, will ich richten; darnach sollen sie mit großer Habe ausziehen. 15 Und du sollst in Frieden zu deinen Vätern hinfahren und in gutem Alter begraben werden. 16 Sie aber sollen im vierten Geschlechte wieder hierherkommen; denn das Maß der Sünden der Amoriter ist noch nicht voll. 17 Als nun die Sonne untergegangen und es finster geworden war, siehe, da rauchte ein Ofen, und eine Feuerfackel fuhr zwischen den Stücken hin. 18 An dem Tage machte der HERR einen Bund mit Abram und sprach: Deinem Samen habe ich dieses Land gegeben, vom Fluß Ägyptens bis an den großen Strom, den Euphrat: 19 die Keniter, die Kenisiter, die Kadmoniter, 20 die Hetiter, die Pheresiter, die Rephaiter, 21 die Amoriter, die Kanaaniter, die Girgasiter und die Jebusiter.
— 1. Mose 15,7-21 (Schlachter 1951)

Wenn du heute den 15 Versen aus dem Predigttext folgst, dann kann das ziemlich unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Das ist eigentlich immer so, wenn Gottes Wort gelesen und verkündigt wird, aber bei diesem Text scheint mir das ganz besonders der Fall zu sein. Die hier anwesenden Kinder, die gähnen vielleicht: »Langweilig« und denken: »Wäre ich doch heute zu Hause geblieben.« Der Livestream-Zuhörer ist geneigt, auf einen anderen Gottesdienst zu schalten, weil er denkt: »Das hat mit meinem Leben heute aber gar nichts zu tun.« Die Tierschützer schreien auf: »Was? Oh nein.« Der liberale Theologe denkt: »Gut, dass wir das alttestamentliche Gottesbild los sind.« Und der Historiker meint: »Das ist alles nachvollziehbar, aber der Text ist sowieso ausgedacht und viel später erst entstanden.« Und der Kritiker spottet: »So ein Quatsch.«

Und selbst als gläubiges Kind Gottes wirst du dich heute an der ein oder anderen Stelle am Kopf kratzen und das ein oder andere Fragezeichen haben. Da tut es sicher gut, wenn man sich daran erinnert, dass drei wichtige Personen eine ganz, ganz hohe Meinung von diesem Textabschnitt haben.

Zum Beispiel Mose. Mose sagte über das ganze Gesetz: »Was verborgen ist, das steht bei dem Herrn unserem Gott. Was aber geoffenbart ist« – dazu gehört auch der Predigttext heute – »das ist ewiglich für uns und unsere Kinder bestimmt.« Paulus, der Apostel, sagte: »Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich.« Und dazu gehört auch heute der Predigttext. Und Jesus Christus selbst sagte: »Es wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.«

Deshalb bin ich mir sicher, dass alle hier Anwesenden oder im Livestream anwesenden Personen einen Gewinn aus diesem Text ziehen werden, weil es Gottes Wort ist.

Lasst uns den Predigttext lesen aus 1. Mose 15. Der Predigttext geht heute ab Vers 7 los bis zum Ende des Kapitels. Ich lese aber ab Vers 1, das, was letzte Woche auch gepredigt wurde, also Kapitel 15 ab Vers 1 bis zum Ende des Kapitels.

» Nach diesen Begebenheiten geschah es, dass das Wort des HERRN an Abram in einer Offenbarung erging: Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn! Abram aber sprach: O Herr, HERR, was willst du mir geben, da ich doch kinderlos dahingehe? Und mein Erbe meines Hauses ist Elieser von Damaskus! Und Abraham sprach weiter: Siehe, du hast mir keinen Samen gegeben, und siehe, ein Knecht, der in meinem Haus geboren ist, soll mein Erbe sein! Doch siehe, das Wort des HERRN erging an ihn: Dieser soll nicht dein Erbe sein, sondern der aus deinem Leib hervorgehen wird, der soll dein Erbe sein! Und er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: So soll dein Same sein! Und Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete Er ihm als Gerechtigkeit an.

Und Er sprach zu ihm: Ich bin der HERR, der dich von Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zum Erbbesitz zu geben. Abram aber sprach: Herr, HERR, woran soll ich erkennen, dass ich es als Erbe besitzen werde? Und Er sprach zu ihm: Bringe mir eine dreijährige Kuh und eine dreijährige Ziege und einen dreijährigen Widder und eine Turteltaube und eine junge Taube! Und er brachte das alles und zerteilte es mittendurch, und legte jedes Teil dem anderen gegenüber. Aber die Vögel zerteilte er nicht. Da stießen die Raubvögel auf die toten Tiere herab; aber Abram verscheuchte sie.

Und es geschah, als die Sonne anfing sich zu neigen, da fiel ein tiefer Schlaf auf Abram, und siehe, Schrecken und große Finsternis überfielen ihn. Da sprach Er zu Abram: Du sollst mit Gewissheit wissen, dass dein Same ein Fremdling sein wird in einem Land, das ihm nicht gehört; und man wird sie dort zu Knechten machen und demütigen 400 Jahre lang. Aber auch das Volk, dem sie dienen müssen, will ich richten; und danach sollen sie mit großer Habe ausziehen. Und du sollst in Frieden zu deinen Vätern eingehen und in gutem Alter begraben werden. Sie aber sollen in der vierten Generation wieder hierherkommen, denn das Maß der Sünden der Amoriter ist noch nicht voll.«

Und es geschah, als die Sonne untergegangen und es finster geworden war – siehe, da war ein rauchender Glutofen und eine Feuerfackel, die zwischen den Stücken hindurchfuhr. An jenem Tag machte der HERR einen Bund mit Abram und sprach: Deinem Samen habe ich dieses Land gegeben, vom Strom Ägyptens bis an den großen Strom, den Euphrat: die Keniter, die Kenisiter, die Kadmoniter, die Hetiter, die Pheresiter, die Rephaiter, die Amoriter, die Kanaaniter, die Girgasiter und die Jebusiter. «

Ich möchte diesen Predigttext heute in zwei Teilen untergliedern. Im ersten Teil, das werden die ersten 30-35 Minuten sein, werden wir uns in die Situation hineinversetzen und das erklären, was hier so viele Fragezeichen aufwirft: Worum geht es hier eigentlich? Und im zweiten Teil der Predigt werden wir uns dann mit der Bedeutung, mit den Auswirkungen des Bundes auf Abraham, auf das Volk Israel und auf uns beschäftigen. Diesen zwei großen Teilen werden wir heute folgen. Wir werden, das werdet ihr merken, auch aus diesem Predigttext sehr sehr viel für uns lernen.

1. Die Erklärung des Bundes

Ja, es entstehen einige Fragezeichen, wenn man diesen Predigttext so liest, und das hängt damit zusammen, dass er in einer ganz anderen Lebenswelt entstanden ist. Es ist überhaupt nicht unsere Welt, unsere Kultur. Letzte Woche hat uns Erik aber darauf hingewiesen, dass auch wenn es in einer anderen Kultur geschehen ist, es gibt Parallelen zu unserer Zeit. Nämlich der Glaube, den Abraham hatte – das ist die gleiche Art des Glaubens, die auch wir haben. Der Glaube, der Abraham rettete, ist auch der gleiche Glaube, der auch uns rettet. Das haben wir letzte Woche gehört. In Vers 6 habe ich gelesen: »Und Abram glaubte dem HERR, und das rechnete Er ihm als Gerechtigkeit an.«

Das ganze Kapitel 15 hier im Predigttext ist ein Dialog zwischen Gott und Abraham. Die Verse 1 bis 6, die Erik letzte Woche gepredigt hat, die betreffen die Frage: Wer ist denn der Erbe von Abraham? Wer wird denn sein Nachkomme sein? Und die Verse 7 bis 21, um die es heute schwerpunktmäßig geht – da stellt sich die Frage, was wird das Erbe sein, nämlich das Land.

Nachdem Gott Abraham den Glauben zur Gerechtigkeit gerechnet hat, beginnt er wieder das Gespräch mit Abraham. Ja, Gott initiiert wieder das Gespräch, und das lesen wir in Vers 7. Stellt euch vor, es wäre bestimmt gewissermaßen komisch, wenn ich jetzt hier vorne hingekommen wäre und hätte mich euch selbst erst noch einmal vorgestellt. Ihr kennt mich, ja, ich bin der Markus. Aber Gott tut das bei Abraham. Er stellt sich in Vers 7 noch einmal selbst vor. Es steht: »Und er sprach zu ihm: ›Ich bin der HERR.‹« Und er stellt sich auch noch weiter vor als der, der schon in Abrahams Leben gewirkt hat. Es geht weiter: »Ich bin der HERR, der dich von Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zum Erbbesitz zu geben.«

Gott tut immer das Richtige, um seine Diener zu stärken. Was tut er hier bei Abraham? Er erinnert ihn einfach an sich selbst und daran, was Abraham schon in der Vergangenheit mit ihm erlebt hat. Das muss ermutigend gewesen sein für Abraham, so noch einmal Gott zu erleben. Und das ist auch stets für uns eine Ermutigung. Wenn wir entmutigt und verzweifelt sind, ist es immer das Gleiche: Wie Gott auch mit uns umgeht, er erinnert uns an sich selbst und daran, was er schon getan hat.

Jetzt müssen wir daran denken, dass diese Ereignisse – als Gott Abraham herausgeführt hat aus Ur in Chaldäa – das lag ja jetzt schon 5 bis 10 Jahre zurück. Und sicher war Abraham in der Gefahr, das alles zu vergessen. Ja, 5 bis 10 Jahre, das ist schon eine ganz lange Zeitspanne, und deswegen können wir gut verstehen, warum Gott ihn an der Stelle erinnern muss. Ja, vor einigen Monaten hatte Gott dem Abraham noch gesagt: »Abraham, dir werde ich das Land geben, und du mögest bitte jetzt einmal das ganze Land der Länge und der Breite nach zu Fuß durchziehen« – nachzulesen in Kapitel 13, Vers 14.

Und wir fragen uns: Ist Abraham vielleicht alt und schwerhörig? Ist er so senil, dass er so viele Erinnerungen braucht? Er wurde schon dreimal erinnert an das Versprechen Gottes. Wir müssen bedenken: Abraham hatte noch keine Bibel und konnte sich kein Zeichen in seine Bibel reinmachen und dann aufschlagen: »Ah ja, hier hat Gott schon zu mir gesprochen.« Nein, das war alles in seiner Erinnerung, und er musste sich das über die Jahre merken. Vielleicht hat er es sich aufgeschrieben – wir wissen nichts darüber –, aber er hatte es jedenfalls schwieriger als wir. Er konnte nicht einfach seine Bibel aufschlagen und nachlesen: »Ach, da steht’s ja.« Diese drei Verheißungen hatte er also in mehreren Jahre bekommen.

Und so freundlich ist Gott, dass er seinen Knecht jetzt nochmal erinnert und die Verheißung noch einmal wiederholt. Und so freundlich ist er auch, Gott sei Dank, auch mit dir und mit mir, wenn wir vergessen, was Gott mit uns getan hat.

Diese Vorstellung und diese Erinnerung hat nun eine Frage bei Abraham ausgelöst. Die lesen wir in Vers 8: »Herr, HERR, woran soll ich erkennen, dass ich es als Erbe besitzen werde?«

Stell ich uns mal eine Zwischenfrage: Wenn du eine Verheißung in der Bibel liest und du kannst sie auf dich beziehen – wann wünschst du dir, dass diese Verheißung erfüllt wird? Na ja, am liebsten heute noch, oder wenigstens morgen erwartest du, dass sie erfüllt wird. Ja, Gott soll sie möglichst sofort erfüllen. Das ist mein Anspruch, wenn ich eine Verheißung bekomme.

Jetzt stell dir vor, du hättest die Verheißung aus Kapitel 12 bekommen. Zu dir hätte Gott gesagt, Kapitel 12: »Ich will dich zu einem großen Volk machen. Ich will dich segnen. Ich will deinen Namen groß machen. Ich will die segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen, und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.« Was denkst du, wann soll Gott diese Verheißung erfüllen? Ja, natürlich so bald wie möglich. Morgen am besten. Ich will das es morgen zu sehen ist. Sehr wahrscheinlich werde ich das noch zu meinen Lebzeiten erleben, dass ich eine große Nachkommenschaft habe. Ich werde meine Enkel spielen sehen, und wenn ich zu Hause auf meiner Terrasse sitze, dann werde ich Uropa sein und eine Schar Urenkel um mich herum haben. Eine große Nachkommenschaft. Das hat Gott verheißen, und ich werde es erleben.

Kann es nicht sein, dass das in Abrahams Gedanken war? Hat er damit gerechnet, dass sich das so lange hinauszögert, diese Verheißung? Ich glaube nicht. Und wir können es natürlich total nachvollziehen, dass Abraham innerhalb dieser letzten 10 Jahre, wo er die Verheißung bekommen hatte und noch eine Wiederholung, das er sehr unsicher wurde und gedacht hat: »Ja, passiert das überhaupt noch?«

Also, wir können es menschlich sehr gut nachvollziehen, warum er hier die Frage stellt, den Herrn nochmal zu bitten. Darüber hinaus hat Abraham, als er das Land durchzog, der Länge und Breite nach, überall im Land die ganzen Kanaanitervölker gesehen und hat sich gedacht: »Moment mal, wenn ich und meine Nachkommenschaft das Land hier besitzen sollen, dann müssen die anderen ja alle weg sein. Das muss ja erstmal passieren.« Also, es sind einige Fragezeichen da. Und so stellt er diese Frage: »Herr, woran soll ich denn erkennen, dass ich es besitzen werde?«

Das stellt uns auch vor die Frage, ob wir Gott überhaupt um ein Zeichen bitten dürfen. Ja, nichts anderes macht ja Abraham hier. Er bittet noch einmal um zusätzliche Gewissheit: »Ich brauche irgendetwas Greifbares von dir, Herr. Dein Wort allein reicht mir nicht aus. Ich brauche irgendetwas, was ich nochmal mit mehr Gewissheit packen kann.«

Wir wissen in der Bibel, dass einige Gläubige Gott um ein Zeichen gebeten haben – wie Gideon, Hiskia, ein Zacharias als neutestamentliches Beispiel. Wir haben das auch in Zeugnissen immer wieder gehört. Ich glaube, letzte Woche hat es auch einer gesagt – war kein direktes Zeichen, aber: »Herr, wenn es dich gibt, dann zeig dich mir doch in einer Weise. Mach dich mir offenbar.« Auch wenn wir muslimische Zeugnisse hören, ist es sehr oft der Fall, dass sie Gott darum bitten, dass er sich noch einmal kundtut als der, der er ist. Das lesen wir immer wieder.

Dürfen wir also Gott um ein Zeichen bitten? Die Antwort ist: Eigentlich bräuchten wir das nicht. Gottes Wort als höchste Autorität ist eigentlich genug Bestätigung. Wenn Gott was sagt, dann gilt das. Er muss sich nicht mal wiederholen. Wenn er das sagt, dann ist das Bestätigung genug.

Deswegen finden wir auch in der Bibel keine Aufforderung, ein Zeichen zu erbitten. Ein positives Beispiel ist z.B. Petrus, der zu Jesus gesagt hat: »Auf dein Wort will ich die Netze herablassen.« Ja, da sprach auch alles dagegen. Er hatte keine Gewissheit, aber er sagt: »Auf dein Wort mache ich das.« Zacharias in Lukas Kapitel 1 stellt die gleiche Frage wie Abraham hier in Vers 8: »Herr, woran soll ich denn erkennen?« Und Zacharias wird dann sanft vom Engel bestraft, indem er neun Monate stumm ist.

Gott straft nicht immer direkt, wenn Menschen ihn um ein Zeichen oder eine zusätzliche Offenbarung bitten, weil er auch Verständnis hat für unseren schwachen und unsicheren Glauben. Das sehen wir auch in der Schrift. Und so ist, glaube ich, dieser Satz aus Markus 9, Vers 24 treffend. Da sagt ein Mann: »Ich glaube, hilf meinem Unglauben.« Das ist die Art Glauben, die wir oft haben und die wir auch bei Abraham sehen. Erik hat das letzte Woche auch schon gesagt. Abrahams Glaube war nicht jetzt einmal und für immer fest und 100 Prozent und perfekt. Das war ein schwankender Glaube. Das war ein Glaube, der eher Markus 9, Vers 24 entspricht: »Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben.« Und so hat Abraham, glaube ich, in diesem Geist auch den Herrn gebeten: »Herr, es ist so schwer zu glauben. Du siehst, ich habe viele Verheißungen von dir bekommen, aber es ist so – das ist Jahre her, und ich sehe nichts von der Erfüllung. Die Kanaaniter sind noch im Land, ich werde immer älter, 10 Jahre sind rum.«

In diesem Geist hat Gott sich gnädig zu Abraham gewandt und hat gesagt: »Gut, Abraham, dann gebe ich dir zusätzliche Gewissheit und lasse mich darauf ein.«

Und wie sah das aus, dass Gott ihm die zusätzliche Gewissheit gab? Das sehen wir jetzt in Vers 9. Gott gibt Abraham einen Auftrag: Er soll ein paar Tiere holen – eine Kuh, einen Widder, eine Ziege und zwei Tauben. Er sagt uns auch genaue Details, was er holen soll: eine dreijährige Kuh, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine junge Taube und eine Turteltaube.

Abraham musste jetzt also in seinen Stall gehen, den Tierbestand durchsuchen und gucken: »Dreijährige Kuh, wo ist eine? Und Widder und Ziege.« Und musste diese Tiere herbeibringen. Ich kann mir vorstellen, dass er sich dabei Hilfe geholt hat, auch wenn der Text das nicht direkt sagt. Warum? Weil das natürlich Zeit dauert mit so vielen Tieren. Ob er das alleine zusammen diese ganzen Tiere da zu dem Ort gebracht hat, weiß ich nicht. Vielleicht. Das kostete jedenfalls alles sehr viel Zeit. Das war nicht in einer Minute gemacht. Das hat schon ein bisschen gedauert, bis er alles herbeigeschafft hat.

Was geschah dann weiter? Abraham handelt auf einmal, ohne dass er einen Befehl bekommen hat – nämlich in Vers 10. Und wir sehen, dass er sehr, sehr zielstrebig das tut, was eigentlich gar nicht befohlen ist. Er wusste genau, was zu tun war. Vers 10 steht: »Er brachte das alles und zerteilte es mittendurch und legte jedes Teil dem anderen gegenüber.« Das war übrigens keine leichte Arbeit. Eine dreijährige Kuh ist locker 500 kg schwer. Die in der Mitte durchzuteilen, da brauchst du erstmal ein bisschen Verstand – durch Knochen, Sehnen alles durch –, und da brauchst du auch richtig Muskelkraft, um danach dieses 250 kg schwere Teil an Ort und Stelle zu schleppen. Das war Schwerstarbeit.

Ich weiß nicht, wie Abraham das hinbekommen hat. Wie gesagt, vielleicht hatte er Hilfe, und das ist ja sehr locker gerechnet mit 500 kg für eine dreijährige Kuh. Beim Widder und bei der Ziege hatte er es etwas leichter. Das stimmt. Aber er musste jedes dieser Tiere in der Mitte teilen und eine Hälfte jeweils gegenüberlegen, sodass die Tiere sich alle gegenüber lagen. Das war nicht nur schwer, das war auch eklig, das war blutig und das stank.

Und dann sagt uns der Text: »Die Vögel zerteilte er nicht.« Warum nicht? Ich kann es dir nicht genau sagen. Das bleibt auch ein Fragezeichen für mich. Wir sehen später in den Opfergesetzen, dass Gott auch gesagt hat: Vögel, die werden nicht geschlachtet oder sonst irgendwas, sondern werden so wie sie sind getötet und geopfert. Es hängt irgendwie damit zusammen, aber Gott erklärt nie den genauen Grund in seinem Wort. Wer eine gute Vermutung hat, kann sie mir nach dem Gottesdienst mitteilen, warum das so ist, aber es tut auch nicht zur Sache. Die Vögel zerteilte er jedenfalls nicht.

Abraham wusste also genau, was er hier tun sollte. Und was macht er hier? Was soll das? Er wusste deshalb genau, was er tun sollte, weil das sehr, sehr üblich war in der damaligen Zeit und er wusste, worauf Gott hinauswollte.

Jetzt schlagt mit mir zusammen eine Bibelstelle auf, die Licht gibt auf unsere Textstelle, aber erst 1.500 Jahre später handelt. Vielleicht steht es hier bei eurer Bibel schon in den Anmerkungen drin. Das ist nämlich Jeremia Kapitel 34. Schreibt sie euch daneben, wenn sie nicht in euren Anmerkungen steht. Und da lesen wir jetzt einen Abschnitt, der sehr, sehr ähnlich ist.

Das ist die Zeit des Königs Zedekias, der letzte Königs in Israel. Und Gott ermahnt diesen Zedekia und seine Männer sehr scharf für eine Sache. Dort geschah nämlich dasselbe. Ich lese jetzt Jeremia 34, Vers 18. Gott spricht: »Und die Männer, die meinen Bund übertreten haben, indem sie die Worte des Bundes nicht ausgeführt haben, den sie vor meinem Angesicht schlossen, als sie das Kalb zerteilten und zwischen seinen beiden Hälften hindurchgingen.«

Hier wird der gleiche Brauch beschrieben. Zedekia und seine Männer hatten nämlich einen Bund geschlossen vor Gott – sie haben gesagt: »Herr, wir wollen dir gehorsam sein und wollen etwas machen.« Ihr könnt es mal im ganzen Kapitel 34 nachlesen. Und dann haben sie auch Tiere zerteilt, hier steht ein Kalb, und sind durch die Mitte von diesen beiden Teilen durchgegangen. Und das was man damit sagen will, ist nichts anderes als: Wer von uns, von diesen Parteien, diesen Bund brechen, dann wird es uns ergehen wie diesen zerteilten Tieren, durch die wir hindurchgehen.

Beide Vertragspartner gehen also durch diese Stücke durch und sagen damit: »Wir werden uns verpflichten, den Bund einzuhalten. Und wer den Bund nicht einhält, das gleiche Schicksal wie den Tieren – das möge demjenigen geschehen.« Das ist also ein sehr feierlicher, ernsthafter und besonderer Bund, und zudem auch noch heilig, weil er vor Gott geschlossen ist.

Und sie haben hier in Jeremia 34 diesen Bund gebrochen. Und Gott ermahnt sie hier und in den weiteren Versen scharf dafür und sagt: »Das werde ich an euch richten. Ihr habt den Bund geschlossen und ihr habt ihn gebrochen. Ihr habt euch selbst das Gericht zugezogen.«

Also, diese Form, einen Bund zu schließen, war nicht unüblich, sondern war sehr bekannt. Sogar 1.500 Jahre später finden wir das noch. Und deshalb wusste Abraham, was er hier tun sollte mit diesen Tieren. Er hatte Ahnung und begab sich eifrig ans Werk.

Das ist übrigens nicht die einzige Art, wie man einen Bund schloss im Altertum. Das müssen wir wissen. Später schließt Abraham noch einen Bund mit Abimelech, und Jakob schließt später noch einen Bund mit Laban. Und diese Bundeszeremonien sehen ganz anders aus. Also, es muss nicht immer so sein.

Jetzt passiert aber etwas ziemlich Unerwartetes, bevor es weitergeht. Abraham verteidigt auf einmal seine in der Mitte durchgespaltenen Tiere vor plötzlich auftretenden Feinden. Vers 11: »Da stießen die Raubvögel auf die toten Tiere herab, aber Abram verscheuchte sie.«

Ich habe mich oft gefragt: Warum steht dieser Satz hier in der Bibel? Was macht er? Was beabsichtigt Gott damit, uns so ein Detail zu nennen? Ist das für die Geschichte wichtig? Offensichtlich, weil Gott sagt uns nichts Unnützes in seinem Wort.

Ich glaube, Abraham hatte sicher ziemlich viel Mühe mit den Raubvögeln. Ich hatte selbst vor einem halben Jahr meine Begegnung mit einem hartnäckigen Raben, der im Süden auf einer Alm meinen Kaiserschmarrn ebenfalls so lecker fand wie ich und nicht locker ließ, bis er ein Stück davon bekam. Und ich habe versucht, was ich konnte – Messer, Gabel, Drohungen –, nichts hat geholfen. Er wollte diesen Kaiserschmarrn. Ich habe das noch nie vorher erlebt, und es war auch nervig. Aber gut, dann hatte er gewonnen. Ich habe ihm ein Stück hingeworfen, und er zog glücklich von dannen – nur um dann keine Minute später wieder aufzutauchen und alle seine Freunde mitzubringen.

Also, wenn wir einem Raubvogel begegnen, wirklich einem Raubvogel, und er sieht: »Da ist fette Beute!« – und Tierkadaver, da müssen wir hin. Den kannst du nicht so einfach vertreiben: »Husch, husch, geh mal weg.« Also, ich glaube, Abraham hatte sehr viel Mühe. Und ich kann mir vorstellen, dass Abraham auch innerlich eine Sorge in sich trug, nämlich die Sorge: »Ich habe Gott um ein Zeichen gebeten, jetzt passiert irgendwas, aber das Werk Gottes wird durch die Raubvögel zerstört. Ich muss was machen. Das kann nicht sein. Ich muss aktiv werden. Ich muss die alle verscheuchen.« Ich kann mir gut vorstellen, dass er davor Angst hatte. So tut er, was er kann, und verscheucht nach Kräften die Raubvögel.

Und ich glaube, Gott hat sich die Situation von oben angesehen und er hatte keine Sorge, dass sein Werk in irgendeiner Weise zerstört würde. Gott wusste: »Niemand hält mich auf, auch kein Vögelchen, was ich selbst erschaffen habe.«

Und so passiert jetzt wieder etwas ganz, ganz Entscheidendes. Gott greift in die Szene ein, und Abraham steigt aus. Bis zum Ende, jetzt zwischen Vers 11 und Vers 12, nimmt Gott das Ruder in die Hand in dieser ganzen Erzählung. Und Abraham hat nichts mehr zu melden. Der sagt gar nichts mehr, weil Abraham schläft. Vers 12: »Und es geschah, als die Sonne anfing, sich zu neigen, da fiel ein tiefer Schlaf auf Abram, und siehe, Schrecken und große Finsternis überfiel ihn.«

Das ist kein gewöhnlicher Schlaf. Das war jetzt keine Übermüdung von zu viel Anstrengung, weil er mit den Raubvögeln gekämpft hatte. Dieser Schlaf war von Gott gewirkt. Das macht der Zusammenhang sehr deutlich. Das gab es auch schon einmal: Gott hat auch schon Adam einschlafen lassen – 1. Mose Kapitel 2. Und hier passiert das gleiche. Gott lässt Abraham einschlafen. Und dann passiert noch etwas Unheimliches. Wir lesen von großem Schrecken, großer Finsternis. Das klingt mehr nach einem Albtraum als nach einem normalen Schlaf.

Aber warum ist hier Schrecken für Abraham da? Weil Gott selbst gekommen ist. Weil Gott selbst gekommen ist. Wie komme ich darauf? Wenn Menschen in der Bibel schon einem Engel begegnet sind, dann war die Reaktion immer gleich: Sie fielen fürchterlich und zitternd nieder – schon bei einem Engel, den sie gesehen haben. Und selbst wenn Menschen auch nur ein Streiflicht von Gottes Herrlichkeit erfassen, dann ist die Reaktion genauso und noch viel stärker. Selbst bei den heiligsten Männern der Bibel – wie Mose, wie Daniel, wie Johannes – die fallen nieder auf ihre Knie, zittern und fürchten sich. Wenn Gott kommt, dann gibt es keine kumpelhafte Reaktion: »Ey Gott, cool, dass du da bist. Lass uns zusammen Kaffee trinken.« Das ist nicht die Anwesenheit Gottes. Wenn Gott kommt, dann wurde es ernst. Und das hat Abraham hier gemerkt. Es kam Schrecken auf. Die gewaltige Herrlichkeit Gottes hat auf sündige Menschen immer diese Reaktion hervorgerufen. Und bei Abraham war es genauso.

Letzte Woche hatten wir in der Sonntagsschule einen Jungen, der eine Frage gestellt hat. Er fragte: »Woher wissen wir eigentlich den Unterschied, dass Gott redet, oder ob es nur ein Traum ist, den wir in unserer Einbildung träumen?« Und die Antwort ist: Du merkst, wenn es Gott ist, der redet.

Unser Text sagt »Siehe«. Da steckt das Wort »Siehe« im Text. Und »Siehe« ist in der Bibel immer ein Hinweis: »Schau, da aufgepasst, da passiert was. Aufmerksamkeit hoch. Da ist jetzt was Wichtiges.« Gott war gekommen, und Gott fängt nun an zu sprechen.

Der Inhalt des Bundes

Die nächsten Verse sind der Inhalt des Bundes, den Gott mit Abraham schließt. Ich lese Vers 13a: »Er sprach zu Abram.«

Es ist wie bei uns, wenn wir einen Vertrag schließen. Wenn du einen ganz normalen Vertrag schließt – egal welchen, ein Haus kaufst, wie auch immer –, dann bekommst du ganz, ganz viele seitenweise, heute oft digital, Bedingungen und Inhalte, und ganz am Ende gibt es Unterschriftenfelder, und du setzt deine Unterschrift darunter und der andere, und beide Vertragsparteien stimmen zu. Und so ist es auch hier, dass Gott den Inhalt des Bundes nennt. Er sagt, was sind die Inhalte, und nachher wird zugestimmt.

Und jetzt ist es komisch, weil Gott hat zuerst seinen Diener einschläfern lassen, zu dem er jetzt reden möchte. Wir fragen uns: Wie kann das sein? Wenn er schläft, dann kann er doch nichts hören. Die einfache Antwort ist: Gott kann. Ihm ist nichts unmöglich.

Und hier passt endlich auch mal Psalm 127, Vers 2: »Solches gibt er seinen Geliebten im Schlaf.« Gott kann – das genügt. Er kann auch zu einem Schlafenden reden, wie auch immer er das tut, sodass er zuhören kann und wahrnehmen kann, was passiert. Abraham nahm nachher in Vers 17 – auch noch sichtbar etwas wahr. Also, es war eine Art Schlaf, aber er konnte noch Dinge sehen und hören.

Okay, worüber spricht er jetzt? Ich lese Vers 13 komplett: »Du sollst mit Gewissheit wissen, dass dein Same ein Fremdling sein wird in einem Land, das ihm nicht gehört, und man wird sie dort zu Knechten machen und demütigen 400 Jahre lang.«

Sehr auffällig ist, dass Gott Abraham jetzt erstmal die Gewissheit gibt. Die ersten Worte sind: »Mit Gewissheit sollst du wissen.« Darum hat Abraham ja auch gebeten: »Herr, woran soll ich erkennen? Ich brauche etwas Greifbares.« Und Gott sagt: »Ich gebe dir etwas. Mit Gewissheit sollst du wissen.« Dann kommt aber ein Teil, der ist nicht sehr ermutigend.

Erstmal hört Abraham, dass sein Nachkomme ein Fremder sein wird. Gut, das kannte er aus seinem eigenen Leben – er war auch ein Fremder in Kanaan. Dann hört er, dass sein Nachkomme ein Sklave sein wird. Dann vernimmt er – es steht nämlich auf einmal »sie« , man wird sie dort zu Knechten machen –, dass es nicht nur einen Nachkommen betrifft, sondern seine ganze Nachkommenschaft. Oha. Und dann hört er noch, dass es 400 Jahre sind. Er denkt: »Was? Nur Schlechtes? Nichts Positives? Nichts Ermutigendes?«

»Ich wollte ein schönes Zeichen haben und jetzt sowas. Demütigung, Knechtschaft, 400 Jahre. Was soll das?« Gut, dass Gott noch mehr sagt. Das Göttliche aber kommt in Vers 14: »Aber auch das Volk, dem sie dienen müssen, will ich richten, und danach sollen sie mit großer Habe ausziehen.«

Also über diese anfängliche düstere Zukunft sagt Gott: »Ich selbst greife ein eines Tages und werde retten und richten.« Und er verspricht noch mehr. Er verspricht ein großes Wunder, nämlich dass die ganze Nachkommenschaft mit großem Besitz aus der Sklaverei ausziehen wird. Das ist keine Kleinigkeit. Wenn ein Sklave entlassen wird, dann sagt man: »Geh, mach dich vom Acker, tschüss, wir brauchen dich nicht mehr.« Aber dass er mit großem Besitz auszieht – das kann nur ein Eingreifen der Fürsorge Gottes sein. Anders ist es gar nicht möglich.

Gut, bis hierhin merken wir, dass es noch gar nicht viel um Abraham ging. Es ging um Abrahams Nachkommen und eine entfernte Zukunft. Aber der nächste Vers hat Abraham, glaube ich, noch einmal besonders aufhorchen lassen, weil es jetzt um ihn geht. Das ist wie wenn man unseren Namen hört – »Günther!«, dann horcht der Günther auf: »Jetzt passiert was.« Und so ist auch hier. Gott sagt nicht seinen Namen, aber er sagt »Und du« – da spitzt Abraham die Ohren und hört: »Und du sollst in Frieden zu deinen Vätern eingehen und in gutem Alter begraben werden.«

Ich glaube, Abraham hat auch über sein Leben vielleicht mehr Details erwartet. Vielleicht hat er gedacht: »Boah, nach dem ›Und du‹ jetzt kommt mein Lebensplan. Gott wird mir jeden Tag zeigen, was dran ist. Er wird mir zeigen, wann der Nachkomme kommt, wann genau. Ich weiß das ja nicht. Er wird mir noch mehr zeigen über mein Leben. Er wird mir mehr offenbaren.« Ja, nichts davon. Kein genauer Termin, aber immerhin die Zusicherung: »Du wirst diese Demütigung deiner Nachkommenschaft nicht mehr erleben. Du wirst in Frieden sterben und dann zu deinen Vätern eingehen.«

Und dann wechselt Gott wieder zu der Nachkommenschaft von Abraham in Vers 16. Und hier erfahren wir jetzt auch den Grund, warum Gott so eine lange Zeit mit seiner Nachkommenschaft wartet, bis er eingreift. Vers 16: »Sie aber sollen in der vierten Generation wieder herabkommen, denn das Maß der Sünden der Amoriter ist noch nicht voll.«

Abraham erfährt also einen gewaltigen Einblick in die gesamte Zukunftsgeschichte. Es waren noch etwa 200 Jahre, bis Josef, sein Urenkel, nach Ägypten zog. Und dann waren es noch einmal 400 Jahre, wie sie in Ägypten gefangen waren. Also, es sind hier 600 Jahre, über die Gott schreibt. 600 Jahre über die er spricht – das ist Gottes Langzeitplanung. Das ist Gottes Geschichtsbuch – aber ein Zukunftsgeschichtsbuch.

Und das ist interessant, liebe Schüler. Es ist anders als im Fach Geschichte in der Schule. Wenn du im Fach Geschichte aufpasst und aufmerksam bist, dann lernst du, was in der Vergangenheit passiert ist. Und hier in Gottes Schule, so scheint es, wenn man schläft, dann lernt man, was in der Zukunft passiert. Das alles zeigt uns, wie unfassbar groß Gott ist. 600 Jahre hat er vorausgeplant, und das steht schon in seinem Buch drin. Er weiß genau, was passiert, und er spricht nicht in Wahrscheinlichkeiten: »Ah, vermutlich werden sie 400 Jahre gedemütigt.« »Möglicherweise werde ich das Volk dann richten.« Nein, er sagt: »Das wird geschehen. Das ist garantiert.«

Auch die Zahlen sind sehr exakt. Gott macht sich hier fest und sagt: »Es wird 400 Jahre sein.« Dann sagt er etwas von vier Generationen. Also auch die Ländergrenzen sind exakt. Er sagt: »Sie werden hierhin zurückkehren, deine Nachkommen.« Das sind alles sehr exakte Aussagen. So etwas findest du im Tageshoroskop von der Tageszeitung nicht. Das ist sehr vage dort.

Vers 16 gibt aber noch einen Einblick über eine ganz wichtige Sache mehr, nämlich über Gottes Pläne mit den sogenannten Amoritern. Die Amoriter werden hier als Sammelbegriff gebraucht für das gesamte Volk Kanaan. Ja, da waren viele Völker, die sich da angesiedelt hatten, und es spricht alles dafür, dass Gott hier den Sammelbegriff »Amoriter« gebraucht. Wahrscheinlich waren es das größte Volk unter diesen Stämmen, die dort angesiedelt waren, und er gebraucht es deshalb.

Und dieser Vers 16 ist für eine Wahrheit in Gottes Geschichte unfassbar wichtig. Viele Kritiker überlesen das hier und kommen später in Gottes Geschichte zu fatalen Schlussfolgerungen über Gottes Wesen und sein Vorgehen.

Nämlich: Im Buch Josua beauftragt Gott das Volk der Kanaaniter auszulöschen durch die Israeliten. Und dann kommen Kritiker und sagen: »Ja, guck dir das an. Der Gott im Alten Testament hat befohlen, das ganze Volk auszulöschen. Was ist das für ein Gott? Das ist völlig überzogen. Das ist auch ungerecht. Das ist ja ein blutrünstiger Gott. Damit will ich nichts zu tun haben. Gut, dass der neue Gott, der Gott des Neuen Testaments, ein anderer ist.« Das ist natürlich alles Quatsch. Warum? Weil man diesen Vers außer Acht lässt. Gott hatte die Amoriter schon 600 Jahre vor Josua im Blick und wusste ganz genau, wie ihr Sündenmaß zur Zeit stand. So formuliert es hier die Schlachterübersetzung: »Das Maß ihrer Sünden ist noch nicht voll.«

600 Jahre wartet Gott, bis er das Volk richtet. 600 Jahre Gnadenzeit. 600 Jahre Geduldszeit. 600 Jahre darf ein Volk weiter sündigen, bis Gott sagt: »Und jetzt ist Schluss.« Das ist Gnadenzeit ohne Ende. 600 Jahre. Gott hat nicht einfach aggressiv eingegriffen im Buch Josua. Da ist eine lange Zeit vorausgegangen, die er gewartet hat.

Und ja, es stimmt auch: Manche Städte hat Gott in diesem Land schon früher gerichtet. Sodom und Gomorra zum Beispiel. Das Maß ihrer Sünden, da kommen wir noch zu, war früher voll. Wir kommen noch in den nächsten Kapiteln dazu, warum das so war, und wir werden auch da lesen: Gott hat nicht einfach so eingegriffen. Er hat sich die Sache genau angeguckt, die da geschehen ist, bevor er eingegriffen hat.

Das Fass der Sünden der Kanaaniter war dann zum Überlaufen voll – das noch als Hinweis –, als sie anfingen, ihre eigenen Kinder dem Götzen im Feuer zu verbrennen. Das war die Sünde, die das Fass zum Überlaufen gebracht hat: die eigenen Kinder einem anderen Gott als Opfer zu verbrennen. Nachzulesen in 3. Mose 18 oder auch in 2. Chronik 28.

Eine Zusammenfassung des Bundesinhalts, den Gott Abraham gegeben hat: Gott hat Abrahams Geschichte in 200 bis 600 Jahren erkannt. Er hat ein Versprechen für seine Nachkommen bekommen, ein Gerichtsurteil über die Völker und auch eine persönliche Verheißung, dass er in Frieden sterben wird.

Fazit: Alles ist geregelt. Die Inhalte des Bundes sind klar. Die Unterschrift kann jetzt unter den Vertrag gesetzt werden. Jeder bekommt einen Kugelschreiber in die Hand und darf unterschreiben. Und in dem Fall heißt das: Jeder darf jetzt durch die Tiere durchgehen und den Bund schließen.

Aber was passiert jetzt? Wieder etwas Unerwartetes, aber etwas Großartiges. Vers 17: »Und es geschah, als die Sonne untergegangen und es finster geworden war. Siehe, da war ein rauchender Glutofen und eine Feuerfackel, die zwischen den Stücken hindurchfuhr.«

Was passiert hier? Gott schließt den Bund mit sich selbst. Es gibt keine zweite Vertragspartei, weil die zweite Vertragspartei liegt und schläft. Abraham geht nicht mit Gott durch die Stücke, um zu sagen: »Ja, wir verpflichten uns beide für diesen Bund.« Nein, Gott sagt: »Ich gehe allein durch diese Stücke, und ich allein gewährleiste die Erfüllung dieses Bundes.«

Warum macht Gott das? Weil er es so wollte. Er brauchte Abraham nicht für die Erfüllung seines Bundes. Deswegen sagen wir auch, dass dieser Bund ein einseitiger Bund ist. Gott allein von seiner Seite schließt den Bund, und Gott allein von seiner Seite ist für die Erfüllung des Bundes verantwortlich.

Egal, wie Abrahams Leben weiterlief, ob er gehorsam war oder ungehorsam – seine Treue spielt überhaupt keine Rolle. Der Bund würde erfüllt werden, weil Gott ihn mit sich selbst geschlossen hat und Abraham ganz unbeteiligt war. Dieser Bund hing also allein an Gottes Treue. Wenn Gott treu war – und das ist er –, dann wird dieser Bund auch erfüllt, und diese ganzen Inhalte, die wir gesehen haben, die werden eintreffen. Das ist 100% sicher.

Jetzt stellt sich auch die Frage: Woher weiß ich denn, dass es Gott war? Steht ja nicht direkt im Text. Ist ja eine komische Erscheinung. Ja, aber diese Erscheinung – nämlich von Feuer, von einem Glutofen, von einer rauchenden Fackel – das sind Erscheinungen, die in der Bibel ganz klar nur mit Gott in Verbindung stehen. Das Feuer sehen wir z.B. auch am Dornbusch, wo er Mose begegnet. Dann im Buch Richter offenbart er sich im Feuer, in den Psalmen, in Hesekiel, in Daniel – überall kommt Gott in Feuer. Der Rauch beschreibt genauso die heilige Gegenwart Gottes. Im Buch Jesaja sehen wir das, auch später in der Offenbarung. Wenn der Rauch da ist, dann ist Gott anwesend.

Und diese Zeichen tauchen auch wieder auf am Sinai. Wenn Gott nämlich seinen Bund mit Mose und dem Volk Israel schließt – ein neuer, ein anderer Bund, der Mosebund –, auch da erscheint Gott in ähnlicher Weise und noch viel größer sogar. Also für Abraham war es klar: Das war Gott, der hier durch die Stücke hindurchgegangen ist und den Bund geschlossen hat.

Hinzu kam, dass es dunkel wurde. Das heißt, die ganze Aufmerksamkeit lag wirklich auf diesem hellen Feuerschein, dieser Feuerfackel, die durch die Tiere hindurchfuhr. Alle Aufmerksamkeit sozusagen der ganzen Schöpfung lag auf diesem Moment. Gott war gekommen und hatte den Bund mit sich selbst geschlossen. Und da hatte Abraham nun sein Zeichen. Jetzt hatte er Gewissheit. Gott würde für den Bund garantieren. Was er versprochen hatte, das würde er auch halten. Das war Zeichen genug.

Die letzten Verse 18 bis 21 erklärt uns Mose wie das hier weitergeht– jetzt spricht nicht mehr Gott direkt, sondern der Autor, also Mose, erklärt uns hier etwas. Vers 18 steht: »An jenem Tag machte der HERR einen Bund mit Abram.« Hier taucht jetzt zum ersten Mal in diesem Kapitel das Wort »Bund« auf. Natürlich können wir uns auch schon die Frage stellen, ist dieser Bund denn in Erfüllung gegangen? Es war ja sehr konkret beschrieben, was Gott machen wird die nächsten hunderte von Jahren. Das werden wir uns gleich anschauen im zweiten Predigtteil. Und dann haben wir in den letzten Versen noch die Aufzählung von zehn Völkern in den Versen 19 bis 21. Da werden also zehn Völker aufgelistet, die damals das Land Kanaan bewohnten. Und da war klar: Diese Völker mussten noch weg, damit der Bund eines Tages erfüllt werden konnte.

2. Die Bedeutung des Bundes

Ich möchte also dazu übergehen, jetzt die Bedeutung des Bundes zu erklären. Welche Auswirkungen hatte dieser Bund auf Abraham persönlich und auf das Volk Israel, und auch für uns?

Ich glaube, dass dieses ganze Kapitel und dieser Abschnitt eine zweifache Absicht Gottes verfolgt. Einmal wollte Gott Abraham helfen, richtig zu denken. Und zweitens wollte Gott schon seinem zukünftigen Volk helfen, ihn als Gott anzubeten.

Versetzen wir uns mal in Abraham hinein. Ich habe eben schon gesagt, wenn du die Verheißung von Abraham bekommen hättest – »Dich mache ich zu einem großen Volk, deinen Namen werde ich groß machen, dich werde ich segnen, und in dir werden gesegnet alle Geschlechter« –, welche Versuchung wird diese Verheißung in deinem Leben auslösen? Was ist die Gefahr, die jetzt bei dir aufkommen kann?

Und das ist auch die Gefahr, wo ich mir ziemlich sicher bin, dass Abraham dieser Gefahr unterlegen war. Ich werde es euch auch gleich zeigen. Ja, die Gefahr ist: »Ah, Gottes Geschichte dreht sich also um mich. Ich werde gesegnet sein, zu einem großen Volk, mein Name – ich bin der Mittelpunkt von Gottes Weltgeschichte.«

Aber Abraham war nicht die Hauptrolle in Gottes Weltgeschichte. Und das dürfen auch wir nie glauben, du und ich. Wir sind nicht die Hauptrolle in Gottes Geschichte, auch nicht die Leuchtturmgemeinde. Auch wenn wir ein großes Gebäude bauen, sind wir auch nicht die Hauptrolle im Reich Gottes, egal wie viele Millionen es kosten mag.

Ich hätte Kapitel 15 auch so überschreiben können und zwar mit den Worten: »Das Kapitel, wo Gott Abraham von sich selbst entwöhnt.« Ich werde euch aufzeigen, warum ich das so überschreibe. Gott zeigt Abraham sehr sanft, aber sehr deutlich, wer die Hauptrolle in der Weltgeschichte hat und wer die Randfigur in der Weltgeschichte ist. Abraham ist von Gott gebraucht worden für seine Geschichte, für Gottes Geschichte. Nicht Abraham hat die Hauptrolle.

Jetzt kommen wir zum Text. Kapitel 15, Vers 1: Was will Gott dem Abraham helfen? Wozu will er ihm verhelfen? Er findet Abraham in Sorge. Deswegen spricht Gott als erstes zu ihm: »Abraham, fürchte dich nicht.« Ja, Abraham war in Sorge, hat sich über irgendetwas gefürchtet. Es hat vielleicht mit dem letzten Kapitel zu tun. Das ist Gottes erster Versuch, sich Abraham vorzustellen, denn er sagt: »Fürchte dich nicht, Abraham, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.«

»Ich bin dein Schild, dein sehr großer Lohn.« Und Abraham denkt als erstes an sich. Er sagt: »Herr, Herr, was willst du mir geben?« Und dann folgt noch eine gewisse Anklage: »Siehe, du hast mir keinen Nachkommen gegeben.« Um welche Gedanken, um welche Sache kreisen Abrahams Gedanken? Ja, um sich, um seinen Nachkommen, um seine Zukunft. Darum kreisen seine Gedanken. Er sagt nicht: »Oh Herr, dein Plan ist in Gefahr. Die Verheißung ist schon hinausgezögert. Die Kanaaniter sind noch im Land. Ich habe den Eindruck, deine Ehre steht auf dem Spiel.« Nein, er sagt: »Meine Zukunft, mit eigenen Worten, die steht auf dem Spiel.«

Gut, Gott geht sehr gnädig mit ihm um, sagt: »Geh raus, zähl die Sterne, so soll dein Same sein.« Abraham glaubt ihm – das ist super. Er macht die ersten Schritte in die Richtung. Aber Gott ist noch nicht fertig mit Abraham. Gott startet einen weiteren Versuch und fängt wieder an, sich Abraham vorzustellen als der, der er ist. Vers 7: »Ich bin der HERR, der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat.«

Wieder – Abraham hätte auf den Boden fallen müssen, hätte sagen müssen: »Du bist der Herr, du bist anbetungswürdig, ich habe keine Fragen mehr, das ist alles klar. Wenn du der Herr bist, dann gibt es keine Unsicherheit mehr. Ich brauche gar nichts mehr. Gelobt seist du.« Wenn du und ich – wenn Abraham, wenn wir das wirklich erfassen, wer Gott der Herr ist, dann sind alle Fragen geklärt. Dann fallen wir nieder und beten an.

Aber Abraham fragt wieder: »Herr, woran soll ich erkennen?« Das ist seine Reaktion. Also er will wieder einen Beweis für sich. Also Gottes zweiter Versuch war wieder gewissermaßen misslungen. Aber Gott lässt nicht locker. Er hat mit seinem Knecht noch etwas vor und leitet ihn wieder sanft dahin, was er ihm beibringen möchte.

Er lässt ihn dann die Tiere herbeiholen und die Raubvögel wegscheuchen, und dann greift Gott ein. Abrahams Frage war: »Herr, woran soll ich erkennen?« Und die Antwort ist: »Abraham, jetzt sollst du mich erkennen.«

Und das macht er so: Er lässt ihn einschläfern und sagt: »Abraham, jetzt brauche ich dich gar nicht mehr. Geh du in die Ecke, du bist jetzt der Zuschauer. Jetzt will ich zeigen, was meine Hand kann, und dann wirst du erkennen, was ich, der Herr, kann.«

Und dann bringt er ihm Folgendes bei. Er sagt: »Abraham, ich schreibe meine Geschichte mit dir, aber meine Geschichte geht weit über dich hinaus.«

Gott lässt Abraham erkennen, wer er ist:

– Der Handelnde in seiner Vergangenheit, der ihn aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat. Gott lässt Abraham spüren, wer er ist. – Der Heilige. Denn Schrecken und Finsternis überfallen Abraham. Gott lässt Abraham erkennen, wer er ist. – Nämlich der Überblicker über 600 Jahre Weltgeschichte. Gott lässt Abraham erkennen, wer er ist. – Nämlich der Planer seiner Lebenszeit. 100 Jahre, ja 95 Jahre später wäre Abraham nicht mehr da. Er wäre unter der Erde. Gott kennt seine Lebenszeit und seinen Tod genau. Gott lässt Abraham erkennen, wer er ist. – Er ist der Richter eines gesamten Volkes, nämlich des Volkes, was Israel eines Tages unterdrücken wird. Gott lässt Abraham erkennen, wer er ist. – Nämlich der Versorger seiner Nachkommenschaft, weil die ziehen aus mit großer Habe,  mit großem Besitz. Gott lässt Abraham erkennen, wer er ist. – Der Herzenskenner von allen Menschen, auch von den Amoritern. Er weiß, wie viel sie sündigen, und er weiß es auch von jedem anderen Menschen auf diesem Planeten.

Das ist der Herr, und das ist, was Gott Abraham hier klarmacht: »Siehst du, Abraham, wer ich bin? Ich bin der Herr.«

Der Bund, den Gott mit Abraham schließt, ist der Bilderrahmen, wo Gott sich selbst dem Abraham erhaben präsentiert. Das ist der Bund, den er hier mit Abraham eingeht.

Gott hat Abraham gebraucht wie einen Stift, auf dem »Abraham« steht, und er hat ihn 175 Lebensjahre gebraucht. So lang lebte Abraham, und dann legt er den Stift zur Seite und macht seine Geschichte mit jemand anderem weiter. Und das sind auch du und ich. Wir sind Stifte in der Hand Gottes. Der Stift hat nie das Recht zu sagen: »Aber ich spiele die Hauptrolle in dieser Geschichte.« Nein, du bist derjenige, mit dem Geschichte geschrieben wird. Das ist wahr, aber der Stift hat keinen Grund, sich selbst zu rühmen. Das wurde Abraham sehr klar: »Ich bin ein Werkzeug in der Hand Gottes. Solange Gott mich gebraucht, aber Gottes Geschichte geht weit darüber hinaus. Er ist der Herr.«

Und so lernt Abraham sich selbst im Weltgeschehen wieder richtig einzuordnen. Obwohl er Verheißungsträger ist, ist er das nicht für sich, sondern für höhere Zwecke, nämlich das Gott in dieser Welt erkannt wird.

Das Heilmittel: Eine wachsende Erkenntnis Gottes

Was lernen wir daraus? Auch die Verheißungen der Bibel, die uns gegeben sind, sollen dasselbe bewirken. Das ist ein Heilmittel gegen alles verkehrte Denken, auch bei uns Christen. Und ich weiß: Ich und du, wir brauchen diese Medizin ständig – dieses Allheilmittel, was jede Krankheit heilt, von A wie Angst über F wie Faulheit bis Z Zu-viel-von-sich-halten. Und dieses Heilmittel heißt: eine wachsende Erkenntnis von Gott selbst.

Eine wachsende Erkenntnis von Gott selbst – das durchzieht die ganze Bibel. Es ist Gottes Heilmittel z.B. in Ägypten. 2. Mose 10, Vers 2 sagt Gott zu seinem Volk: »Damit ihr erkennt, dass ich der HERR bin.« Das ist Gottes Heilmittel für die Schwierigkeiten des Psalmisten. Psalm 46, Vers 11: »Seid still und erkennt, dass ich Gott bin, und ich werde erhaben sein unter den Völkern.« Die Weisen raten es in der Weisheitsliteratur. Salomo: »Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit. Die Erkenntnis des Allerheiligsten ist Verstand.« Die Propheten verkündigen es lautstark, wie Jesaja Kapitel 11, Vers 9: »Denn die Erde wird erfüllt sein von der Erkenntnis des HERRN.«

Und Jesus Christus selbst sagt es in Johannes 17, Vers 3: »Das aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.« Und auch die Jünger von Jesus Christus haben es gelehrt und befohlen, wie Petrus in seinem zweiten Brief, Kapitel 3, Vers 18, wo er sagt: »Wachst dagegen in der Gnade und in der Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus.«

Ihr seht, das durchzieht sich durch die ganze Schrift: eine wachsende Erkenntnis Gottes. Wenn du und ich ihn größer sehen, dann wird sich alles andere in unserem Leben auch richtig ordnen. Und der Glaube ist sowohl das Mittel zur Errettung Abrahams als auch das Mittel zur größeren Erkenntnis Gottes.

So hat sich Gott Abraham vorgestellt. Die Ersten, die diesen Abschnitt in der Bibel schriftlich bekommen haben, das war nicht Abraham, sondern das war das Volk Israel in der Wüste. Wir hatten das schon öfter gesagt, während wir durch 1. Mose durchpredigen: Mose hat diese Dinge aufgeschrieben, und das Volk Israel in der Wüste liest diesen Abschnitt natürlich auch mit ihren Augen.

Und da entdecken wir auch einige Parallelen zu uns. Jetzt denken wir noch kurz nach die letzten Minuten: Welche Auswirkung hatte das für das Volk Israel, die die ersten Adressaten waren?

Gut, sie lasen in der Wüste diesen Abschnitt, und ganz sicher haben viele dieser Punkte ihnen auch eine sehr starke Ermutigung gegeben. Was sie hier gelesen haben, das war schon Vergangenheit oder war gerade dabei zu geschehen. Aber noch mehr: Alles, was Gott hier gesagt hatte in dem Bund, war für sie eine klare Anweisung, Gott anzubeten, der das alles zur Erfüllung gebracht hat.

Sie haben gelesen, dass Gott Abraham aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, und sie wissen: »Gott hat auch uns aus Ägypten herausgeführt. Das ist ja genau das Gleiche. Gott hat Abraham einzeln herausgeführt und hat uns als gesamtes Volk aus Ägypten, aus der Sklaverei gerettet. Wie groß ist Gott.«

Dann lasen sie, wer den Bund schloss. Sie lasen vom rauchenden Glutofen und von der Feuerfackel und sagten: »Natürlich, das haben wir Tag für Tag gesehen in der Wüste. Da war die Wolkensäule und die Feuersäule, die uns Tag für Tag geleitet haben. Das, was hier im Kleinen den Bund geschlossen hat, das ist der, der uns im Großen geführt hat.« Das haben sie gesehen.

Und dann zählten sie die Jahre, die Gott angekündigt hatte: 400. Und sie haben gemerkt: »Das, was wir in Ägypten erlebt haben in der Sklaverei, das war längst vorausgeplant. Gott hatte es ja längst auf dem Schirm gehabt. Es ist Gottes Geschichte gewesen. Gott gebührt die Anbetung dafür.«

Und dann lasen sie auch die große Absicht Gottes für das verheißene Land. Da waren sie noch nicht drin zu dem Zeitpunkt, wo sie das zum ersten Mal gelesen haben. Da standen sie kurz davor. Und sie haben noch einmal gelesen, warum eigentlich die Kanaaniter gerichtet werden – für ihre Sünden. Die Sünden waren noch nicht voll. Das, was vor 600 Jahren passiert ist hier in dem Text, da standen sie jetzt wenige Jahre davor und sollten den Auftrag Gottes ausführen, nämlich das Volk der Kanaaniter, die Bewohner des Landes, zu richten. Und so konnten sie den Befehl gut verstehen und richtig einordnen, was nun zu tun war.

An einem Punkt konnten sie aber noch keinen Haken setzen, nämlich an das, was in Vers 18 steht. Da schreibt Mose: »Deinem Samen habe ich dieses Land gegeben, vom Strom Ägyptens bis an den großen Strom, den Eufrat.« Da konnten sie zu dem Zeitpunkt noch keinen Haken dransetzen. Und übrigens konnte Israel an dieses Versprechen bislang noch nie einen Haken dransetzen.

Selbst unter der Königsherrschaft Salomos – das war die größte Ausbreitung des Volkes Israels in der Geschichte, steht in 1. Könige 5, Vers 1 – da ist die Ausbreitung des Volkes Israel in etwa so wie es hier steht. Der Unterschied ist aber: Diese ganzen Gebiete – Syrien, was da drumherum liegt – das war alles noch von fremden Völkern bewohnt. Israel hatte zwar die Herrschaft durch Salomo, aber diese Völker waren immer noch da, und wenige Jahre später war das auch hinfällig. Das heißt, auch zu dieser Zeit ist diese Verheißung hier noch nicht in Erfüllung gegangen.

Glaubst du, dass wir eines Tages einen Haken hinter diese Verheißung machen können? Die ist bis heute nicht erfüllt. Vom Strom Ägyptens bis zum Strom Eufrat soll das Land Israel sein. Das hat Gott gegeben. Na ja, wenn Gott alles andere schon erfüllt hat – Haken, Haken, Haken, Haken –, was glaubt ihr, wird bei dem letzten eines Tages passieren? Da wird noch ein Haken drankommen. Gott wird noch dafür sorgen. Egal, wenn du zur Zeit nach Israel guckst, egal wie es aussieht – es kann sein, das Volk Israel wird noch einmal sehr gedemütigt, vielleicht fast ausgelöscht, wer weiß. Aber die Verheißung, die wird sich erfüllen. Das können wir glauben. Alles andere hat sich erfüllt, und auch das hier wird sich erfüllen.

Bünde der Menschen – und der Bund Gottes

Und so sehen wir leider durch die ganze Bibel hinweg, dass Menschen Bünde brechen. Der Bund, der als nächstes kommt – den Bund, den Gott mit Mose geschlossen hat –, den haben die Israeliten gebrochen, weil er von ihrem Gehorsam abhing. Jeder Bund mit menschlicher Beteiligung ist immer unsicher. Auch wenn du in dieser Welt einen Vertrag mit Menschen hast, ist er immer unsicher. Friedensverträge – unsicher. Kaufverträge – unsicher. Es ist alles unsicher, kann alles gebrochen werden.

Aber Gottes Bund, der ist zuverlässig. Wenn Gott etwas sagt, dann gilt das, weil es nicht am Gehorsam von Abraham liegt oder irgendeines anderen Menschen, sondern allein an Gottes Treue.

Und hier haben wir dann auch eine ganz wertvolle Verbindung zum sogenannten neuen Bund, den wir z.B. im Buch Jeremia finden oder auch im Neuen Testament, wo wir als Gemeinde daran teilhaben dürfen. Auch der neue Bund, den Gott verspricht, ist ein einseitiger Bund. Gott garantiert für die Erfüllung, dass unsere Errettung sicher ist. Das gehört zum neuen Bund dazu.

Und das schreibt Gott uns z.B. in einer Verheißung in 1. Petrus 1, Vers 5. Mit diesem Vers und einem weiteren möchte ich schließen, eine Ermutigung für uns: »Die wir in der Kraft Gottes bewahrt werden durch den Glauben zu dem Heil, das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit.«

Unser Heil ist sicher, nicht weil wir die Erfüllung von unserer Seite aus durch Gehorsam garantieren könnten, sondern weil Gott es gesagt hat.

Und ein guter Vers, der alles zusammenfasst, was wir heute gehört haben, ist einer der letzten Verse im Alten Testament, nämlich in Maleachi Kapitel 3, Vers 6. Da schreibt Gott: »Denn ich, der HERR, verändere mich nicht; deshalb seid ihr, die Kinder Jakobs, nicht zugrunde gegangen.«

Der Grund, warum Israel noch existiert, ist Gottes Bund und nicht die Treue Israels. Darum seid ihr, die Kinder Jakobs, nicht zugrunde gegangen. Eine großartige Verheißung.

Wie wunderbar ist unser Gott.

Amen.

 

Gebet

Vater im Himmel, wir sind dir von Herzen dankbar, dass du einfach so deine Bünde knüpfst mit den Menschen und deine Verheißungen gibst, die alle fest sind. Herr, wir wissen: Wenn die Dinge an uns liegen würden – unsere Rettung, unsere Heiligung –, dann würden wir nichts zustande bringen. Aber weil du alles für uns getan hast, du uns gerettet und erlöst hast, deshalb dürfen wir auch sicher sein, dass unsere Rettung sicher ist. Wir danken dir für alles, was wir heute hören durften, und wollen dich bitten, dass du uns bewahrst, ja, selbstsüchtig deine Verheißungen anzunehmen, und dass du uns hilfst, immer an dich zu denken, an den, der die Verheißung gegeben hat. Hilf uns, dass unser Leben sich immer mehr um dich dreht, immer mehr um deinen Plan mit dieser Welt, immer mehr um dein Reich, und dass auch wir uns dann richtig einordnen in diesem Weltgeschehen. Ich danke dir, Herr, für deine Botschaft an uns und bete, dass du sie weiter in unseren Herzen wirken lässt. Deine Treue, Herr, das sie mit uns geht, und dass wir dich darüber verherrlichen. Amen.


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