18. Juli 2026
In Psalm 19 zeigt die Allgenugsamkeit der Schrift, wie Gottes Wort warnt, befreit und fehlbare Geschöpfe nachhaltig verändert.
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Zum Start der Predigt zeige ich euch heute ein Bild, das wir in unserem Urlaub in Israel gemacht haben. Ein Bild aus dem Timna-Park. Der Timna-Park ist ganz unten im Süden Israels und zeigt hier an einem Ort eine Felsformation – und wenn ihr genauer hinschaut, sieht es aus wie verschiedene Säulen, die in Stein gehauen sind. Diese Felsformationen, diese Säulen, sind aber nicht durch einen menschlichen Steinhauer entstanden, sondern durch Gottes Kraft. Gott ist derjenige, der sie geformt hat.
Und wenn ihr vielleicht gut hinschaut, in der Mitte des Bildes, ungefähr ein bisschen unterhalb der Mitte, sieht man eine weiße Person – irgendjemand von uns, kaum erkennbar. Wenn wir, oder wenn du als Einzelperson, versuchen würdest, eine dieser Säulen zu bewegen, dann würdest du kläglich scheitern. Es bräuchte riesige Hilfsmittel, damit es vielleicht irgendwie funktioniert, aber ohne Hilfsmittel ist der Mensch, bist du, völlig machtlos.
Ganz im Gegensatz zu Gott. Gott ist derjenige, der nur gesprochen hat und es wurde. Gott hat durch seine Kraft, durch seine Macht, durch sein Wort erschaffen. Und selbst in dieser über 40° heißen Wüste, die so trocken ist, wird trotzdem Gottes herrliche Kraft sichtbar – Gottes herrliche Kraft verändert und formt. Es ist überall zu sehen. Und für all diejenigen, die im Urlaub sind: ihr genießt hoffentlich genau das, was Gott geschaffen hat.
Aber für uns heute ist wichtig, dass diese Kraft Gottes nicht nur die Natur ändert und formt, sondern dass sie auch in der Lage ist, den Menschen zu verändern. Dort, wo Gottes herrliche Kraft durch sein Wort auf unser Leben trifft, hinterlässt es sichtbare Spuren. Es ist nicht mehr so wie vorher, weil Gottes Kraft in seinem Wort lebensverändernd ist. Und genau diese Wahrheit sehen wir heute im zweiten Teil von Psalm 19.
Wir fahren fort mit dem zweiten Punkt des Leitbildes der Gemeinde – der Allgenugsamkeit der Schrift – und machen genau dort weiter, wo wir vor einem Monat gestartet haben. Wir schauen uns heute die Verse 9 bis 15 aus Psalm 19 an. Unter dem Titel »Gottes herrliche Kraft, Teil 2« gehen wir durch zwei Punkte: Gottes herrliche Kraft, offenbart in seinem allgenugsamem Wort, und Gottes herrliche Kraft, wirksam in seinen fehlbaren Geschöpfen.
Die Predigt hat einmal mehr das Ziel, uns die allgenugsame und wirksame Kraft Gottes aufzuzeigen, damit alles, was in unserem Leben getan wird, von Gottes Wort und von seiner Wahrheit geprägt wird, weil das allein die Kraft zur Veränderung hat.
Wir starten mit einer kurzen Wiederholung und wir lesen zunächst die ersten sieben Verse, Psalm 19, Verse 1 bis 7:
»Dem Vorsänger. Ein Psalm Davids. Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände. Es fließt die Rede Tag für Tag, Nacht für Nacht tut sich die Botschaft kund. Es ist keine Rede und es sind keine Worte, deren Stimme unhörbar wäre. Ihre Reichweite erstreckt sich über die ganze Erde, und ihre Worte bis ans Ende des Erdkreises. Er hat der Sonne am Himmel ein Zelt gemacht. Und sie geht hervor wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, die Bahn zu durchlaufen. Sie geht an einem Ende des Himmels auf und läuft um bis ans andere Ende und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen.»
David als Autor dieses Psalms beschreibt die herrliche Kraft ganz am Anfang, die in der genialen Schöpfung veranschaulicht wird – das hatten wir beim letzten Mal schon gesehen. Und diese herrliche Kraft ist in der genialen Schöpfung kontinuierlich zu sehen. Er schreibt: »Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes.« Die Himmel erzählen davon, wie groß und mächtig Gott ist. Der Himmel kann in verschiedensten Farben schimmern, er kann uns faszinieren, er gibt uns den Einblick ins Weltall. Wir sehen die Sterne, die Sonne, den Mond und manchmal auch die Milchstraße. Und hinter allem steckt Gott als Schöpfer. Gott macht seine Herrlichkeit sichtbar. Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände und es ist deshalb kontinuierlich weil es keine Pause gibt.
Es gibt keine Nacht und keinen Tag, an dem diese Herrlichkeit nicht in der ganzen Schöpfung gesehen werden kann. Das gibt es nicht. Gottes geniale Kraft und Herrlichkeit ist in der Schöpfung zu sehen – kontinuierlich, aber nicht nur kontinuierlich, sondern auch universell. Und um diese Kraft wahrzunehmen, braucht es keinen Kommentator wie bei einem Fußballspiel. Es muss die ganze Zeit erklärt werden, was passiert. Bei Gottes Schöpfung ist es nicht so, denn es reicht allein der Blick. Es ist wie eine unüberhörbare Stimme, eine Stimme, die kein Wort und keine Übersetzung braucht und die alle Menschen auf der ganzen Welt in jeder Generation sehen und verstehen können. Gottes herrliche Kraft, die in der genialen Schöpfung veranschaulicht wird, kontinuierlich und universell.
David benutzt dann in den weiteren Versen die Sonne als Beispiel, um diese herrliche Kraft zu veranschaulichen. Die Sonne, die frisch strahlt wie ein frisch verheirateter Bräutigam. Die Sonne wie ein Kriegsheld – unermüdlich, kraftvoll und unaufhaltsam. Nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen. Und dabei geht es David hier nicht darum, die Sonne anzubeten oder großzumachen, sondern David will den Schöpfer, der die Sonne geschaffen hat, großmachen. Für jeden Menschen auf dieser Erde ist die Sonne zu sehen, ist die Kraft der Sonne zu sehen – und nicht nur zu sehen, sondern auch zu spüren.
Gottes herrliche Kraft ist in der genialen Schöpfung veranschaulicht. Du kannst es nicht übersehen. Und bedenke das gerne, wenn du im Urlaub bist, wenn du die Natur und auch die Sonne genießt, dass du Gott dafür anbetest, weil Gott wahrgenommen werden kann. Genau das hat Paulus gesagt in Römer 1, Vers 20, dass Gottes ewige Kraft und Gottheit wahrgenommen wird, so dass kein Mensch eine Entschuldigung haben kann. Die Schöpfung attestiert jedem Menschen, kontinuierlich und universell, dass es einen mächtigen und ewigen Schöpfer gibt.
Aber, ihr Lieben, diese Veranschaulichung in der Schöpfung reicht nicht aus. Sie reicht nicht für alles aus. Ja, die Schöpfung kann uns aufzeigen, wie weise, wie genial und wie kreativ Gott ist. Die Schöpfung kann aufzeigen, wie herrlich und wie mächtig Gott ist, dass es einen Schöpfer gibt. Aber die Schöpfung kann nicht aufzeigen, wer der Mensch ist. Sie kann nicht aufzeigen, was Sünde ist und in welcher Beziehung der Mensch zu Gott steht. Die Schöpfung kann nicht aufzeigen, wie ein Mensch gerettet werden kann oder wie ein Gott wohlgefälliges Leben geführt werden kann.
Und genau deshalb legt David den Stift hier nicht zur Seite und hört bei Vers 7 einfach auf. Auch wenn er den Fokus jetzt von der Schöpfung wegschwenkt, gehört das, was danach gesagt wird, trotzdem unbedingt zusammen. Sowohl das, was er über die Schöpfung auf der einen Seite sagt, als auch das, was er gleich über Gottes Wort sagt – das gehört unzertrennlich zusammen, weil beides seinen Sinn und Zweck hat. Beides dient dazu, Gott anzubeten. Beides hat das Ziel, auf Gott ausgerichtet zu werden und seine Ehre hochzuhalten.
Warum braucht es aber mehr als die Schöpfung? Warum ist das Wort Gottes so notwendig? Das hatten wir beim letzten Mal auch schon gesehen: weil die Bibel, die heilige Schrift, Gott und seinen Willen detaillierter bezeugt. Die Bibel zeigt auf, woher wir kommen, wozu wir leben und wohin wir gehen. Die Bibel offenbart viele weitere Eigenschaften Gottes, wie zum Beispiel seine Gerechtigkeit. Und die Bibel zeigt auf, wie der Mensch vor Gott steht und wie er gerettet werden kann. Die Bibel macht es möglich zu glauben, wie Römer 10,17 sagt. Und deswegen ist Gottes Wort so notwendig. Deswegen legt David den Stift nicht einfach weg, sondern fährt fort und er bleibt nicht bei der Schöpfung stehen und widmet sich dem Wert des Wortes Gottes.
Wir lesen die Verse 8 bis 11:
»Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen. Die Furcht des Herrn ist rein, sie bleibt in Ewigkeit; die Bestimmungen des Herrn sind Wahrheit, sie sind allesamt gerecht. Sie sind begehrenswerter als Gold und viel Feingold, süßer als Honig und Honigseim.»
In diesen sechs Aussagen beschreibt David Gottes Wort mit ganz unterschiedlichen Synonymen, die aufzeigen, was für Charakterzüge und was für Auswirkungen es hat. Diese sechs Aussagen sind sehr eng miteinander verbunden und immer gleich aufgebaut. Vielleicht habt ihr das festgestellt: es kommt immer zuerst ein Synonym für Gottes Wort – David sagt »das Gesetz des Herrn« oder »das Zeugnis des Herrn«. Dann folgt jeweils eine Eigenschaft: »Das Gesetz des Herrn ist vollkommen«, »Das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig«. Und immer im zweiten Teil jeder Aussage zeigt es dann auf, was es beim Menschen bewirkt: »Es erquickt die Seele«, »es macht den Unverständigen weise«, »es erfreut das Herz«, »es erleuchtet die Augen«. Vers 10 fällt da etwas aus der Reihe, weil er keine Wirkung beschreibt, sondern weitere Eigenschaften, die aber das Ganze noch einmal sehr gut zusammenfassen.
Wenn hier der Name Gottes benutzt wird, dann seht ihr das vielleicht in euren Übersetzungen: es steht immer »HERRN« in Großbuchstaben – »das Gesetz des HERRN«, »das Zeugnis des HERRN«. Dahinter steckt der Begriff Jahwe: das Gesetz Jahwes, das Zeugnis Jahwes. David benutzt diesen Begriff ganz bewusst, weil er aufzeigen will: dieser Gott will eine Beziehung. Dieser Gott, der von sich sagt »Ich bin der, der ich bin«, der Gott, der die Quelle der Wahrheit ist – dieser Gott offenbart sich, um zu zeigen, wie wir Gnade finden können. Er offenbart sich in seinem Wort, damit wir wissen, wie wir gottesfürchtig wandeln können. Und all das macht David in diesen sechs Aussagen und zeigt damit die verschiedensten Charakterzüge auf.
David wird die ganze Herrlichkeit, die ganze Schönheit und Allgenugsamkeit von Gottes Wort hervorheben und immer wieder bekräftigen. Wir haben zwei Aussagen davon schon beim letzten Mal angeschaut – ich bringe sie trotzdem noch einmal kurz in Erinnerung.
In Vers 8a heißt es: »Das Gesetz des HERRN ist vollkommen, es erquickt die Seele.« Es könnte hier auch mit »Weisung« oder »Lehre« übersetzt werden. David benutzt das Wort »vollkommen«, um deutlich zu machen, dass Gott uns die komplette Schrift gegeben hat als Summe seiner Offenbarung, um uns darin zu unterweisen, wie wir gottesfürchtig wandeln können. Es ist wie ein Handbuch, das uns aufzeigt, wie wir als Geschöpfe vor Gott, unserem Schöpfer, leben können. Und dieses Gesetz, diese Anweisung bezeichnet er als vollkommen. Dieses »vollkommen« bedeutet: perfekt, vollständig, umfassend oder ausreichend. Und in diesem Kontext heißt es, es deckt alle Aspekte einer Sache umfassend ab. Es braucht nichts mehr drumherum. Es reicht alleine vollständig aus.
Gottes Wort ist vollkommen und deckt alle Aspekte für einen gottesfürchtigen Wandel ab. Und dieses vollkommene Wort hat die Eigenschaft, die Seele zu erquicken. Das vollkommene Wort Gottes hat die Kraft, einen Menschen von innen heraus vollständig zu verändern. Das ist der große Unterschied zu all den menschlichen Bemühungen, die immer wieder versuchen, den Menschen von außen zu verändern. Das Wort Gottes hat die Kraft, den Menschen von innen heraus vollständig zu verändern. Es macht weise zur Rettung. Es hat Paulus vom Christushasser zum Christusverehrer gemacht. Das Wort hat die Kraft, aus einem verkorksten Drogenjunkie einen demütigen Diener Gottes und liebevollen Ehemann und Vater zu machen. Das Wort macht weise zur Rettung. Aber es erquickt nicht nur in dem Sinne, dass es neues Leben schafft, sondern es erquickt auch diejenigen, die schon Christus nachfolgen. Du selbst kannst darin neue Kraft schöpfen in Gottes Wort. Es kann dich erquicken, indem es dir Gnade und Hoffnung aufzeigt, indem es dir Anleitung gibt, wie du die Aufgaben und Herausforderungen des Lebens so meisterst, wie es Gott vorgegeben hat. Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es erquickt die Seele.
Die zweite Aussage in Vers 8b: »Das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise.« Die Bibel, das Wort Gottes selbst, zeugt davon, wer Gott ist und was er tut. Und dieses Zeugnis von Gott ist vollkommen zuverlässig. Es räumt alle Zweifel aus darüber, wer Gott ist und was er tut. Und dieses zuverlässige Zeugnis richtet sich an unverständige, an einfältige Menschen. Es geht dabei nicht darum, Wissen anzuhäufen, sondern dieses Wissen, diese Weisheit zu leben. Es macht Unverständige weise, und die Bibel allein ist dazu in der Lage, jemandem zu helfen und anzuleiten, wie er gute, Gott wohlgefällige Entscheidungen trifft. Genau das bestätigt auch Paulus in 2. Timotheus 3,16–17, wo er schreibt: »Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.« Es braucht nichts anderes mehr.
Gottes Wort hat all das, was wir brauchen, um einen Gott wohlgefälligen Wandel zu führen. Und selbst wenn du gerettet bist, selbst wenn du Gnade erfahren hast, brauchst du jeden Tag das Wort Gottes, um weise zu leben, so wie es Gott gefällt. Deswegen sagt er: zur Belehrung – wir müssen es gelehrt bekommen. Unsere falsche Denkweise muss korrigiert werden, unsere Sünde muss konfrontiert werden. Wir müssen belehrt werden. Es muss uns überführen, es muss aufzeigen, wo unsere Fehler sind. Aber nicht nur aufzeigen, wo die Fehler sind, sondern auch zurechtweisen – wir müssen wissen, wie es stattdessen geht, wie es besser geht, damit wir nicht nur das Böse lassen, sondern auch wissen, wie wir das Gute tun. Schließlich muss es uns erziehen – wir müssen ständig darin trainiert werden, das Gute und Richtige zu tun. Und deshalb muss Gottes Wort die höchste Priorität haben in unserem persönlichen Leben, in unseren Beziehungen, auf der Arbeit und im Leben als Gemeinde.
Ja, manchmal ist Gottes Wort sehr klar, sehr offensichtlich, sehr direkt und wir wissen sehr schnell, was zu tun ist. Manchmal dauert es länger, bis wir gewisse Prinzipien studiert und verstanden haben. Aber wir dürfen uns sicher sein, dass Gott Antworten hat. Wir haben beim letzten Mal in der praktischen Anwendung gesehen, dass es Antworten darauf gibt, wie wir uns für ein Handy entscheiden können oder warum wir Technik in der Gemeinde benutzen – das könnt ihr gerne in der Predigt vom letzten Mal nachhören. Ich will dabei auch noch betonen, dass die Schrift den Anspruch der Allgenugsamkeit nicht auf das Lösen von Matheaufgaben oder das Schälen von Kartoffeln hat, sondern die Schrift hat den Anspruch der Allgenugsamkeit auf einen gottesfürchtigen Wandel. Und wer gottesfürchtig wandelt, der wird sehr wohl den Rat anderer einholen, wie man Matheaufgaben löst oder wie man Kartoffeln schält, wie man weise seine Zeit einsetzt. Aber die Schrift hat den Anspruch der Allgenugsamkeit auf einen gottesfürchtigen Wandel. Und Petrus sagt dazu in seinem zweiten Brief, Kapitel 1, Vers 3: »Da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zum Wandel in Gottesfurcht dient, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend.«
Und obwohl das Wort »allgenugsam« als Adjektiv in unserem Text nicht vorkommt, wird doch schon allein in diesen zwei ersten Aussagen, die David macht, das ganze Konzept deutlich, dass Gottes Wort allgenugsam ist. Gottes Wort allein ist vollkommen perfekt – was bedeutet, dass es alle Aspekte abdeckt, um gottesfürchtig zu leben. Gottes Wort allein erquickt die Seele. Nichts anderes kann das tun. Und Gottes Wort allein ist zuverlässig und macht den Unverständigen weise, um genau so zu leben, wie Gott es wohlgefällig ist. Um diese herrliche Kraft weiter zu sehen und in seinem allgenugsamen Wort darüber zu staunen, kommen wir zur dritten Aussage in Vers 9a. Schaut mit mir in den Text.
»Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz.« David beschreibt hier in der dritten Aussage das Wort Gottes als Befehl. Man könnte auch sagen: Vorschrift. Gottes Wort sind Befehle, Vorschriften, Lebensrichtlinien, die richtig, die gerade sind. Wenn wir manchmal an Vorschriften oder Richtlinien in der Gesellschaft denken, dann schlagen wir einfach beide Hände über dem Kopf zusammen – entweder weil wir sie nicht verstehen, weil sie so komplex sind, oder weil sie absolut keinen Sinn machen. Und ihr Lieben, wir dürfen getrost sein: bei Gottes Wort ist es nicht so. Gottes Wort ist gut und es zeigt uns den richtigen Weg. Es ist die absolute Wahrheit.
Die Befehle des Herrn sind richtig – und seht dann, was für eine Auswirkung das hat: sie erfreuen das Herz. Dinge, die wir nicht verstehen, Dinge in dieser Welt oder Vorschriften in der Gesellschaft, die frustrieren uns, weil sie nicht funktionieren. Aber Gottes Wort, seine Befehle, seine Richtlinien – sie erfreuen das Herz. Sowohl die Befehle als auch das Halten der Befehle erfreuen das Herz.
Wisst ihr, wenn wir nach den Vorschriften Gottes leben, dann können wir uns freuen, weil Gott weiß, was gut für uns ist. Weil Gott derjenige ist, der uns geschaffen hat. Weil Gott Jahwe eine Beziehung zu uns will. Er hat einen Bund mit uns geschlossen. Weil Gott derjenige ist, der uns bedingungslos liebt. Weil Gott uns alles zum Leben in der Gottseligkeit gegeben hat. Weil wir wissen, warum wir leben und nicht ziellos umherirren müssen. Weil wir wissen, wo unsere Zukunft hingeht, weil wir wissen, warum Gott Dinge zulässt. Und all das darf uns Ruhe und Freude schenken.
Gottes Wort erfreut das Herz. Und selbst wenn sich dein sündiges Fleisch oft dagegen wehrt, Gott gehorsam zu sein, liegt trotzdem darin ein Trost und sogar eine Verheißung, dass das Leben nach Gottes Wort Freude bringt. Und das darf uns ermutigen. Das darf dich ermutigen und es darf dir Hoffnung geben. Und es darf nicht nur dich ermutigen und dir Hoffnung geben, sondern du darfst auch anderen das weitergeben, wenn sie mit Traurigkeit zu kämpfen haben. Dann verweist du andere auf das Einhalten von Gottes Wort, auf das Ablegen von Sünde und auf die Verheißung, dass es bleibende Freude bringen wird, wenn wir dem gehorsam sind. Genau das meint David, wenn er hier schreibt, die Befehle sind richtig, sie erfreuen das Herz. Und im zweiten Teil von Vers 9 und damit kommen wir zur vierten Aussage, heißt es dann, wenn er hier schreibt:
»Das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen.« David beschreibt es hier als Gebot. Ihr Lieben, Gottes Wort ist kein Tipp oder eine Empfehlung, an die man sich halten kann oder auch nicht. Gottes Wort ist das Gebot des Herrn, das Gebot Jahwes. Es ist maßgeblich und verbindlich. Gottes Wort sind keine verhandelbaren Anweisungen, sondern klare Gebote, an die wir uns zu halten haben.
Diese verbindlichen Gebote sind lauter – ein Wort, das wir nicht mehr so kennen, aber »lauter« können wir auch besetzen mit »rein« oder »klar«. Gottes Gebot ist klar. Gottes Gebote sind nicht wie die deutschen Gesetzestexte oder Steuerangelegenheiten. Gottes Gebote sind klar und verständlich. Du brauchst keinen Doktor in irgendeiner Sprache dafür, um das zu verstehen, oder irgendwelche spirituellen, übernatürlichen Erfahrungen. Du kannst Gottes Wort lesen und verstehen. Gottes Gebote sind klar, sein Wort ist klar – und es erleuchtet die Augen.
Es hilft uns zu sehen, wo wir gesündigt haben oder wo wir sündigen. Und jemand, der sein Leben lang gegen Gott gesündigt hat, dem werden selbst im hohen Alter durch Gottes Wort die Augen aufgetan, und er versteht irgendwann, dass er das nicht mehr tun soll. Und du hast es ein Leben lang nötig, dass Gott dir die Augen öffnet. Aus dem Grund sollst du dich so lange mit der Bibel beschäftigen, solange du atmest. Du darfst nicht darin müde werden oder gar hochnäsig oder stolz werden und denken: »Ach, ich brauche das nicht mehr. Ich verstehe doch alles. Ist doch alles glasklar. Es gibt nichts mehr Neues für mich zu entdecken.«
Wir sind keine Bibeltouristen, die die Bibel toll finden, davon Fotos machen und dann einfach weitergehen. Nein, ihr Lieben, wir sind Bibelentdecker. Wir wollen darin forschen, wir wollen verstehen, wir wollen es sehen, damit wir es anwenden können. Und deshalb sollst du dein Leben lang darin bereit sein, neue Dinge zu entdecken, weiterhin zu reifen, nicht müde zu werden, Gott gehorsamer zu werden und damit auch Christus immer ähnlicher.
Genau das betet der Psalmist in Psalm 119 – es ist die verlängerte Version von Psalm 19, der noch viel intensiver beschreibt, wie Gottes Wort ist. Psalm 119, Vers 18 sagt: »Öffne mir die Augen, damit ich sehe die Wunder in deinem Gesetz.« Dieses Gebet dürfen wir zu unserem Gebet machen, dass Gott unsere Augen öffnet, dass er sie erleuchtet, damit Sünde aufgedeckt werden kann. Aber nicht nur damit Sünde aufgedeckt wird, sondern dass wir die Verheißungen Gottes sehen, dass wir den Trost in Gottes Wort sehen, dass wenn unser Blick trüb oder unsere Augen müde geworden sind, dass wir Hoffnung und Zuversicht schöpfen können in Gottes Wort, in seinen Verheißungen – auch das erleuchtet die Augen. Das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen.
»Die Furcht des Herrn ist rein, sie bleibt in Ewigkeit.« Im ersten Moment würde man »Furcht« nicht unbedingt als Synonym für das Wort Gottes sehen, aber der ganze Kontext macht deutlich, dass es hier um das Wort Gottes geht, weil es genau dem Muster der anderen Aussagen folgt und ein gewisser Parallelismus erkennbar ist – ein übliches Stilmittel in der Poesie.
Aber warum bezeichnet er hier das Wort Gottes als »Furcht«? Gottes Wort ist die Anleitung dafür, wie wir Gott zu fürchten haben. Furcht vor Gott zu haben heißt, Gott in der richtigen Haltung zu begegnen und vor ihm auch in der richtigen Haltung zu leben. In einer Haltung, das ich anerkenne, dass Gott vollkommen rein ist und dass ich ein sündiger Mensch bin. Zu erkennen, dass ich nur durch seine Gnade und seine Liebe mich ihm nahen darf. Zu erkennen, dass ich ein geheiligtes und weises Leben vor ihm leben soll.
MacArthur hat zu dem Punkt »Furcht« in seinem Buch zur biblischen Seelsorge folgendes gesagt: »Die Bibel lehrt uns, wie Gott zu fürchten und wie er zu verehren ist. Da die menschliche Seele gewöhnt ist anzubeten, brauchen wir Unterweisung, wer angebetet werden soll und wie er recht anzubeten ist.« Das ist so treffend auf den Punkt gebracht. Wir als geborene Sünder wissen nicht, wie wir Gott richtig fürchten, wie wir Gott richtig anbeten sollen. Deswegen brauchen wir sein Wort und seine Anleitung dafür, weil Gott uns dazu geschaffen hat, damit wir ihm Ehre geben. Von uns aus beten wir Gott nicht an – deshalb müssen wir darin unterwiesen werden. Deswegen ist das Wort Gottes auch die »Furcht des Herrn«.
Und diese Furcht des Herrn ist rein. Gottes Wort ist vollkommen rein, ohne Sünde, ohne Makel. Gottes Wort wird uns nie eine verzerrte Sicht von Gott geben. Gottes Wort wird uns nie eine verzerrte Sicht vom Menschen geben. Gottes Wort ist vollkommen rein, vollkommen irrtumslos. Gottes Wort wird uns nie zur Sünde hinführen, sondern immer von Sünde wegführen. Dieses Wort Gottes ist rein, es ist makellos und es besteht in aller Ewigkeit. Die Furcht des Herrn ist rein, sie bleibt in Ewigkeit.
Wisst ihr, selbst die besten Softwareprodukte und andere gute Geräte brauchen ständig Updates, um besser zu werden oder um vor neuen Gefahren geschützt zu werden. Gottes Wort braucht in aller Ewigkeit kein einziges Update. Es bleibt bei 1.0. Es muss nie 1.1 werden, sondern es bleibt bei 1.0. Jede Veränderung, jedes Update würde es nur verunreinigen. Aber Gottes Wort ist bereits rein und vollkommen. Es braucht keine Ergänzung von außen. Und genau deshalb können wir sagen, dass es allgenugsam ist. Gottes Wort darf und muss auch nichts mehr hinzugefügt werden. Gott selbst verbietet es, dass wir dem etwas hinzufügen. Gott hat sein Wort einmal so festgelegt und es bleibt in Ewigkeit.
Auch das bestätigt 1. Petrus 1, Vers 24, wenn er sagt: »Denn alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie die Blume des Grases. Das Gras ist verdorrt und seine Blume abgefallen, aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit.« Die Furcht des Herrn ist rein, sie bleibt in Ewigkeit.
»Die Bestimmungen des HERRN sind Wahrheit, sie sind allesamt gerecht.« Man könnte auch sagen: die Rechte oder die Rechtsbestimmungen des Herrn. David will damit aufzeigen und sich darauf beziehen, dass Gottes Wort die göttlichen Urteilssprüche enthält. Die Bibel ist der Maßstab und zeigt auf, wie Gott jeden einzelnen gerecht richten und beurteilen wird.
Dieses Urteil darüber, wie Gott über den Menschen denkt, ist die Wahrheit. Es ist nicht eine Wahrheit von vielen, sondern es ist die einzig gültige Wahrheit, die von Gott, dem Schöpfer selbst, festgelegt wurde. Auch wenn es heute so gern geleugnet und sogar vehement widersprochen wird, dass es nur eine Wahrheit geben kann, weil ja jeder seine Wahrheit haben darf – dürfen wir hier sehen, dass Gott selbst von sich behauptet, dass sein Wort die Wahrheit ist. Gottes Wort ist die alleinige Wahrheit.
Und Jesus bestätigt es in seinem hohepriesterlichen Gebet, kurz bevor er im Garten Gethsemane leidet, in Johannes 17, Vers 17: »Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.« In der Bibel finden wir die Wahrheit, woher der Mensch kommt, wohin er geht und wozu er geschaffen ist. In der Bibel finden wir die Wahrheit, wie der Mensch vor Gottes gerechtem Zorn bestehen kann. Wir finden dort die Wahrheit, wie der Mensch Gott wohlgefällig leben kann. Und diese Wahrheit beschreibt David zuletzt als »allesamt gerecht«. Und weil Gott gerecht ist, ist auch sein Wort vollkommen gerecht.
In einer Welt, die so voller Unwahrheiten, voller Lügen, voller Ungerechtigkeit ist, dürfen wir Gottes Wort haben, was die gerechte Wahrheit ist. Und das ist ein Trost, eine Ermutigung für uns.
Wir dürfen Gott so dankbar sein für sein allgenugsames Wort, sein vollkommen ausreichendes Wort, was unsere Anleitung für unser Leben ist. Sein zuverlässiges Wort, was uns weise und verständig macht. Sein richtiges Wort, was unser Herz erfreut. Sein klares Wort, was unsere Augen erleuchtet. Sein reines Wort, das uns lehrt, ihn zu fürchten und das in Ewigkeit besteht. Und sein wahres und gerechtes Wort, was uns aufzeigt, wie Gott über uns denkt. All dieses Wort hat Gott uns hinterlassen, damit wir wissen, wie wir gottesfürchtig wandeln sollen. Und das beschreibt David in all dieser Schönheit, in all dieser Einzigartigkeit, in all dieser Fülle, was Gottes Wort ist.
Sein Fazit darüber lautet dann in Vers 11: »Sie (also all das, die Bestimmungen des Herrn, das Wort Gottes, die Gebote des Herrn) sind begehrenswerter als Gold und viel Feingold, süßer als Honig und Honigseim.« Die Bestimmungen des Herrn, die Wahrheit aus Gottes Wort, die sind wertvoller als der größte Schatz, den ihr euch vorstellen könnt. Er sagt: es ist begehrenswerter als Gold, als viel Feingold. Gottes Wort ist einfach nicht mit materiellen Mitteln zu messen. Es ist so wertvoll und es schmeckt besser als der leckerste und süßeste Honig, den wir uns vorstellen können. Und nicht nur als Honig, sondern besser als Honigseim. Honigseim ist junger Honig, der aus den Waben herausfließt und die reinste Form von Honig ist – und Gottes Wort ist selbst süßer und besser und wertvoller als Gold und als dieser so leckere Honig.
Nikolaus Graf von Zinzendorf hat es vor einigen Jahrhunderten so ausgedrückt in einem Lied: »Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir, denn ich ziehe es aller Habe und dem grössten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun.« Herr, dein Wort, die edle Gabe – dieser Schatz, den wir haben dürfen. Wir dürfen es besitzen und wir dürfen ihm Beachtung schenken. Und dieses Wort ist so wertvoll, weil es uns aufzeigt, wer Gott ist. Dieses Wort zeigt uns auf, wer Christus ist. Dieses Wort zeigt uns auf, was Christus für uns getan hat und was Christus immer noch für uns tut. Dieses Wort ist die Wahrheit.
Ich hoffe, dass wir bei diesen sechs Aussagen gesehen haben, wie Gottes Wort ist und dass es eine Wirkung hat. Gottes Wort ist nicht etwas Neutrales, sondern es ist wirksam und es verändert Menschenleben für die Ewigkeit. Das sehen wir auch weiter im Text und damit kommen wir zum zweiten Punkt.
Wir haben eben schon gesehen: Gottes Wort verändert. Es ist verändernd, es ist zielführend. Das haben wir in diesen ganzen sechs Aussagen schon gesehen. Es erquickt, es macht weise, es gibt Freude, es erleuchtet die Augen. Gottes Wort, seine Wahrheit – das macht etwas mit uns. Es verändert den Menschen. Es ruft eine Reaktion hervor. Es kommt nicht leer zurück.
Genau das hat auch Jesaja in den so bekannten Worten Jesaja 55 geschrieben, Verse 10 bis 11: »Denn gleich wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, bis er die Erde getränkt hat und befruchtet und zum Grünen gebracht hat und dem Sämann Samen gegeben hat und Brot dem, der isst, genau so soll auch mein Wort sein, das aus meinem Mund hervorgeht: Es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es gesandt habe.«
So wie der Regen oder der Schnee dafür sorgt, dass die Erde mit Wasser getränkt wird, damit daraus Frucht entsteht – genauso ist Gottes Wort uns gegeben, damit es nicht leer zurückkommt. Gott hat dir nicht einfach sein Wort gegeben, damit du es toll findest und danach einfach wieder vergisst. Wir wollen keine Bibeltouristen sein. Gott hat uns sein Wort dazu gegeben, damit wir darin forschen und damit es Frucht bringt, damit es dich und mich in unserem Reden, in unserem Denken und in unserem Handeln nachhaltig verändert.
Paulus sagt es in 1. Timotheus 1, Vers 5: »Das Endziel des Gebotes aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben.« Es geht darum, dass wir das in der Bibel erforschen, lesen, entdecken – aber es nicht dabei bleibt, sondern dass wir es verstehen, damit es im Alltag auf die Straße kommt, damit wir es anwenden können.
Wir schauen uns die Verse 12 bis 15 an aus Psalm 19, wo weitere Wirkungen des Wortes Gottes beschrieben werden:
»Auch dein Knecht wird durch sie belehrt, und wer sie befolgt, empfängt reichen Lohn. Verfehlungen – wer erkennt sie? Sprich mich los von denen, die verborgen sind! Auch vor Mutwilligem bewahre deinen Knecht, damit sie nicht über mich herrschen; dann werde ich unsträflich sein und frei bleiben von großer Übertretung! Lass die Worte meines Mundes und das Sinnen meines Herzens Wohlgefällig sein vor dir, Herr, mein Fels und mein Erlöser!«
Auf diese ganze Offenbarung Gottes, auf das wie Gottes Wort ist, folgt nur ein Gebet von David – dafür, dass Gott auch genau das tut, wozu er es gegeben hat. David sagt in Vers 12, dass sein Knecht durch sie belehrt wird. David gebraucht das Wort »Knecht«, um deutlich zu zeigen, in welcher Haltung wir zum Wort Gottes stehen: dass wir uns dem unterordnen, dass das Wort Gottes sagt, wo es langgeht. In unserem Leitbild haben wir das wie folgt festgehalten: »Wir ordnen uns der absoluten Autorität der Schrift unter. Einfach ausgedrückt: was die Bibel sagt, müssen wir tun.« Genau diese Haltung hatte David damals schon. Wir wollen Knechte sein, die sich demütig und voller Freude der Autorität des Wortes Gottes fügen, weil Gottes Wort verändernd ist.
Es ist zielführend – aber nicht nur das, sondern es warnt auch. Und damit kommen wir zum zweiten Punkt.
Gottes Wort ist warnend. Er sagt, auch dein Knecht wird durch sie belehrt. Und anstatt belehrt, könnte man auch sagen warnt. Gottes Wort belehrt uns und warnt uns davor zu sündigen. Gottes Wort sagt uns, was wir ablegen müssen und was wir stattdessen anziehen müssen – das hatten wir ganz kürzlich im Kolosserbrief. Gottes Wort zeigt uns auf, wo wir überführt werden müssen. Und ihr Lieben, Gottes Wort geht dabei sehr tief, um aufzuzeigen, wo wir stehen und was unsere Motive sind.
Der Autor des Hebräerbriefes beschreibt es so in Hebräer 4, Verse 12–13: »Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben.«
Es schneidet, es ist scharf, es dringt bis ins Innerste hindurch, um zu prüfen, um offenzulegen, wie ernst du es wirklich meinst. Es dringt einfach durch von überall. Es legt das Innerste frei. Und ja, wir haben gesehen, dass das Wort Gottes Leben, Freude und Rettung bringt, aber es warnt uns auch und es legt offen unsere tiefsten Gedanken und Absichten. Es richtet über unsere Gedanken und Gesinnungen, über unsere Absichten und Motive, und warnt uns davor zu sündigen. Es warnt uns davor zu heucheln. Du darfst nicht leichtfertig damit umgehen, sondern du sollst diese Warnungen ernst nehmen und dich überführen lassen, wenn es Sünde und deine Motive aufdeckt, wenn es tief schneidet, aber wenn es dich warnt, Gott Unehre zu bringen, wenn es dich warnt, Sünde weiterhin nachzugehen. Dein Knecht wird durch sie belehrt, bzw gewarnt.
Er bleibt aber nicht nur bei der Warnung, sondern sagt weiter in Vers 12b: »Und wer sie befolgt, empfängt reichen Lohn.« Und damit kommen wir zum dritten Unterpunkt, Gottes Wort ist ermutigend. Gott verheißt uns hier in diesem Vers, dass das Befolgen von seinem Wort großen Lohn mit sich bringt. Und ihr Lieben, der größte Lohn besteht darin, dass wir ewiges Leben erhalten, wenn wir Gott glauben. Diesen Vers hatten wir heute Morgen schon im Gebet – Johannes 3,16: »Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.« Das ist ein unfassbar großer Lohn. Ein Lohn, den wir erhalten dürfen, wenn wir Gottes Wort befolgen.
Wenn wir Buße tun und Sünde bekennen, dann haben wir die Verheißung, dass wir gerecht vor Gott sind, weil Christus den Preis bezahlt hat. Wir haben die Verheißung des ewigen Lebens. Wir brauchen den Tod nicht mehr zu fürchten. Was für ein riesiger Lohn. Aber nicht nur das: auch wenn du als Christ im Alltag das tust, was Gott sagt, wenn du seine Prinzipien in den Entscheidungen anwendest, dann wirst du für deine guten Werke in der Ewigkeit belohnt – die Werke, die Gott in dir bewirkt hat, aber du wirst dafür noch zusätzlich belohnt. Und das darf uns anspornen und ermutigen.
Ja, Gottes Wort schneidet scharf, es warnt uns – aber es ermutigt uns auch. Aber es ist auch befreiend. Damit kommen wir zum vierten Unterpunkt.
Und wenn wir in Vers 13 reinschauen, seht ihr am Anfang: »Verfehlungen – wer erkennt sie? Sprich mich los von denen, die verborgen sind.« Gottes Wort ist befreiend. Es hilft uns, Verfehlungen und Verirrungen zu erkennen, weil wir auch blind dafür sind – aber Gott öffnet uns die Augen, damit wir sehen, wo wir falsch liegen. Und selbst für die Dinge, die wir nicht alle einsehen, dürfen wir zu Gott kommen und um Vergebung bitten.
»Sprich mich los von denen, die verborgen sind.« Wenn du einsiehst, wo du falsch liegst, darfst du Vergebung empfangen. Aber du darfst selbst Gott darum bitten, dass er dich von diesen Verirrungen freispricht, die du noch nicht gesehen hast. Und das ist so befreiend, das nimmt uns die Last ab. 1. Johannes 1,9 sagt uns: »Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.« Wir müssen diese Last der Sünde nicht mit uns herumtragen, sondern wir dürfen immer und immer wieder zu Gott zurückkehren und um Vergebung bitten. Das ist so befreiend, weil wir sonst unter dieser Last zerbrechen würden – aber wir dürfen damit zu Gott kommen.
Gottes Wort ist aber auch nicht nur befreiend, es ist auch bewahrend. Vers 14 heißt es dann weiter: »Auch vor Mutwilligem bewahre deinen Knecht, damit sie nicht über mich herrschen. Dann werde ich unsträflich sein und frei bleiben von großer Übertretung!« David ist sich sehr bewusst, dass Sünde Macht über ihn ausüben kann. Aber Gottes Wort kann, Gottes Wort will und Gottes Wort wird uns davor bewahren, dass wir bewusst gegen Gott sündigen, dass wir bewusst gegen Gott rebellieren.
Wir gehen lieber oft unseren eigenen Willen oder unsere eigenen Wege, anstatt Gott zu vertrauen. Und ja, wir brauchen Vergebung für die Verirrungen, die wir nicht sehen, aber wir brauchen auch Vergebung für die Sachen, wo wir uns ganz bewusst dafür entscheiden, gegen Gott zu sündigen. Und ihr Lieben, das passiert jeden Tag, weil wir selbstsüchtig, weil wir stolz und weil wir arrogant sind. Und deswegen ist dieses Gebet, diese Bitte so notwendig, dass Gott uns davor bewahrt – vor diesen mutwilligen Sünden, davor, dass die Sünde uns gefangen nimmt und uns knechtet.
David hat leider selbst erlebt, was es heißt, von Sünde so eingefangen und geknechtet zu werden. Und David weiß, dass er sich damit an Gott wenden muss, weil wir das aus uns heraus nicht schaffen. Wir sind fehlbare Geschöpfe. Deswegen brauchen wir Gottes Wort, was in uns wirkt. Und wir haben die Verheißung, dass es wirkt, dass es verändert. Wir brauchen Gott, wir brauchen Christus, wir brauchen sein Wort. Deshalb sind wir so abhängig davon, dass Gott uns durch sein Wort davor bewahrt, dass Sünde über uns herrscht.
Als letzten Punkt: Gottes Wort heiligt und reinigt uns. In Vers 15 heißt es: »Lass die Worte meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig sein vor dir, Herr, mein Fels und mein Erlöser!« David bittet darum, dass dieses so herrliche, dieses kraftvolle, dieses vollkommene Wort Gottes ihn so tief durchdringt, dass seine Worte und Gedanken wohlgefällig vor Gott sind. Und Gottes Wort allein ist dazu in der Lage, unsere Gedanken, unsere Worte, unsere Handlungen so zu verändern, dass wir Gott wohlgefällig denken, reden und handeln. Gottes Wort allein ist dazu in der Lage, unsere Gedanken, Worte und Handlungen so zu verändern, dass wir Gott wohlgefällig denken, reden und handeln. Es braucht nichts anderes dazu.
Gottes Wort reicht aus für einen Gott wohlgefälligen Wandel. Und kurz bevor Jesus von dieser Erde weggeht, betet er ein ähnliches Gebet. Wir haben das vorher schon gesehen: Christus bittet für all diejenigen, die nach ihm leben und ihm folgen werden, und sagt in Johannes 17,17: »Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.« Er wusste, wie wichtig es ist, dass wir ständig dadurch gereinigt werden, ständig unter dem Einfluss von Gottes Wort stehen. Seine Wahrheit, seine Prinzipien sind diejenigen, die uns fähig dazu machen, Gott wohlgefällig zu leben, heilig zu leben, abgesondert zu leben.
Ja, du bist ein fehlbares Geschöpf, aber Gottes Wort, seine Schrift hat die Kraft, in dir zu wirken. Du willst vor Sünde bewahrt werden – dann sei im Wort zu Hause. Du willst gute Entscheidungen in deinem jungen Leben treffen – dann kenne die Prinzipien aus Gottes Wort. Du willst wissen, wie du gegen Sünde ankämpfen musst – dann benutze deine Bibel. Du willst ermutigt werden, weil du manchmal niedergeschlagen und hoffnungslos bist – dann klammere dich nicht an menschenzentrierte Konzepte, sondern lies Gottes Wort. Christus ist der beste Ratgeber.
Du willst wissen, wie du deine Kinder erziehst? Forsch nach, was Gott darüber sagt. Du willst wissen, wie du deinen Ehepartner besser lieben kannst? Dann lies nicht die Klatschpresse oder irgendwelche Romane, sondern lies Gottes vollkommenes Wort. Du willst wissen, woher du kommst, wozu du lebst und wohin du gehst? Dann lies die heilige Schrift. Du willst wissen, wie du mit deinem cholerischen Chef umgehen sollst? Dann lies die Bibel. Ihr Lieben, Gottes Wort hat Antworten auf alle unsere Fragen zum gottesfürchtigen Wandel.
Gottes Wort ist die Wahrheit und enthält die Wahrheit, die wir als seine Kinder kennen müssen, um gottesfürchtig zu leben. Wir müssen auch die Wahrheit kennen, um Fälschungen zu entlarven, weil die Gefahr heutzutage in unserer Zeit ist, dass Menschenweisheit als Gottesweisheit ausgegeben wird oder dass Menschenweisheit mit Gottes Weisheit vermischt wird. Aber wir brauchen allein Gottes Weisheit und deshalb müssen wir die Wahrheit kennen, um die Fälschung zu entlarven. Wir müssen Gottes Wort kennen, um gottesfürchtig zu wandeln.
Aber ihr Lieben, beachtet es bitte immer im Kontext. Immer im Kontext Gottes Wort lesen – sonst geht es uns wie dem Mann in dem ausgedachten Beispiel: ein Mann, der in der Bibel nach Antworten und Orientierung für sein Leben gesucht hat. Er sagt, ja, er möchte Gottes Wort wirken lassen, er entscheidet sich für die Methode »Augen zu, Bibel aufschlagen und mit dem Finger auf eine Stelle zeigen und lesen«. Er praktiziert es, macht es – und liest: »Und er machte sich davon, ging hin und erhängte sich.« Der Mann ist etwas verwirrt, denkt: »Okay, das muss ich noch mal probieren.« Tief durchatmen, zumachen, noch mal aufschlagen, Finger drauf. »Da sprach Jesus zu ihm: Geh du hin und handle ebenso.« Jetzt ist er ziemlich verunsichert. Also probiert er es ein drittes Mal, schlägt die Bibel zu, macht auf – und liest: »Was du tun willst, das tue bald.«
Hoffentlich hat er verstanden, dass er das nicht so anwenden muss. Natürlich ist es fiktiv und es ist überspitzt – aber so wollen wir nicht mit Gottes Wort umgehen, wenn wir Antworten darin suchen. Wir wollen es im Kontext sehen. Wir wollen es erforschen. Deshalb legen wir so viel Wert auf Kontext, auf Lehre, auf das richtige Verständnis davon, wie wir Gottes Wort im Leben anwenden.
Wir haben gesehen, dass Gottes Wort verändert, dass es warnt, dass es ermutigt, befreit, bewahrt, heiligt und reinigt. Was für ein Privileg, dass wir es haben und lesen dürfen. Deshalb dürfen wir dankbar sein und es ernst nehmen.
Ich erinnere uns noch einmal an einen Teil unseres Leitbildes, wo es heißt: »Wir erkennen die völlige Allgenugsamkeit der Schrift an und sind überzeugt, dass Gottes Wort in allen Situationen relevant ist. Es mag uns nicht immer eine explizite Antwort auf ein spezifisches Problem geben, aber wir werden immer Prinzipien in der Schrift finden, durch welche wir Gott im Gehorsam verherrlichen können und Antworten auf alle Fragen zum Leben in Gottseligkeit finden.«
Ja, wir müssen darin wachsen und trainiert werden, aber wir dürfen uns darauf verlassen, weil Gottes Wort zuverlässig und wirksam ist in seinen fehlbaren Geschöpfen.
Wir durften heute im zweiten Teil sehen, wie Gott sich uns offenbart: seine herrliche Kraft, die veranschaulicht ist in seiner Schöpfung, die offenbart ist in seinem allgenugsamen Wort und die wirksam ist in seinen fehlbaren Geschöpfen. Ja, Gott zeigt seine ganze Herrlichkeit darin, wie er alles geschaffen hat. Aber diese Herrlichkeit reicht nicht aus, um gerettet zu werden und gottesfürchtig zu wandeln – sondern dafür hat Gott sich in seinem vollkommenen, allgenugsamen, zuverlässigen und irrtumslosen Wort offenbart. Er hat uns kommuniziert, wie wir vor ihm stehen und was er von uns braucht. Und er erwartet von uns, dass wir diesem Wort, diesem unglaublich süßen und wertvollen Schatz, gehorsam sind, damit es wirksam sein kann – sowohl in dir als Einzelperson, indem du es einfach gut kennst und in allen Situationen und Lebenslagen anwendest, aber auch als Gemeinde in unseren Diensten und im Umgang miteinander.
Deshalb haben wir in unserem Leitbild festgehalten: »Weil Gottes Wort so vollkommen, so klar und allgenugsam ist, wollen wir, dass wir als Gemeinde in allen Dienstbereichen dem Wort Gottes die höchste Priorität einräumen. Dass wir als Gemeinde mit dem Wort Gottes in äußerster Sorgfalt umgehen, um eine genaue Interpretation und exegetisch abgeleitete lehrmäßige Position sicherstellen. Dass wir als Gemeinde Gottes Wort mutig verkündigen. Unsere Reaktion auf die Irrtumslosigkeit und Allgenugsamkeit der Schrift ist, sie auslegend zu predigen und zu lehren. Mit auslegend meinen wir, sie so zu lehren, dass die Bedeutung der Bibelstelle vollständig und genauso dargelegt wird, wie Gott es gemeint hat.« Das ist unser Auftrag, damit unser Reden, unser Denken und unser Handeln von Gottes Wort, von seiner Wahrheit, von seinen Prinzipien geprägt ist.
Und ihr Lieben, so wie Gottes Wort die Kraft hat, diese großen Felsen in der Wüste zu erschaffen, so hat Gott noch viel mehr die Kraft, durch sein geschriebenes Wort, durch seine Wahrheit, dein Leben nachhaltig zu verändern und zu formen – damit du so lebst, wie Gott es erwartet, und ihm Ehre machst, und damit wir als Gemeinde ihn verehren und ihm wohlgefällig dienen.
Ich schließe ab mit Vers 15: »Lass die Worte meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig sein vor dir, Herr, mein Fels und mein Erlöser.« Amen.
Du großer und herrlicher, du weiser und gerechter, du liebender und barmherziger Gott – wir danken dir von ganzem Herzen dafür, dass du uns dein Wort gegeben hast, dass wir dein Gesetz, dein Gebot, deine Bestimmungen haben dürfen, was uns erquickt, unsere Augen erleuchtet, was uns weise macht, was uns verändert, was Leben in uns schafft – ewiges Leben –, was uns Trost, Freude, Hoffnung und Rettung gibt, was uns aber auch aufzeigt, wenn wir nicht so leben, wie du es dir vorgestellt hast. Und du siehst, wie oft es in unserem Leben passiert. Und deshalb bitte ich darum, dass du uns gnädig bist und uns vergibst in den so vielen Momenten, wo wir unserem eigenen Willen nachgehen, wo wir unsere Gedanken und unsere Konzepte höher stellen als dich und dein Wort. Und hilf uns, dein Wort zu lieben, wertzuschätzen, anzuwenden und anderen zu helfen, dein Wort lieb zu gewinnen – egal, ob es Menschen sind, die dich noch nicht kennen, oder auch wenn wir Menschen weiterhelfen, die Fragen haben –, dass alles, was wir tun, reden und sagen und wie wir leben, allein auf deinem Wort gegründet ist, damit wir einen gottesfürchtigen Wandel haben. Und so bitte ich für uns, dass du die Worte unseres Mundes und das Sinnen unseres Herzens wohlgefällig sein lässt vor dir, Herr, unser Fels und unser Erlöser. Amen.
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