19. November 2023

Kindererziehung: Das kostbarste Erbe für jede Generation

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4 Höre Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. 5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit aller deiner Kraft! 6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, 7 und du sollst sie deinen Kindern fleißig einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzest oder auf dem Wege gehest, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst; 8 und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen dir zum Schmuck zwischen deinen Augen sein; 9 und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben.
— 5. Mose 6,4-9 (Schlachter 1951)
  1. Lieben & Lesen
  2. Lehren & Leben

 

Was wäre das größte Erbe, das du der nächsten Generation weitergeben möchtest oder weitergeben würdest? Nun, vielleicht ein physisches Erbe – Grund und Boden. Vielleicht denkst du an gute Werte. Für manche war das höchste Ziel, dass die nächste Generation lesen und schreiben kann, denn das befähigt sie für alles. Ich denke, heute würde man eher dazu neigen, dass selbstständiges, kritisches Denken die wichtigste Tugend wäre und nicht, sich für sich denken zu lassen.

Aber was auch immer es sein mag – all das ist zweitrangig. Es gibt etwas Wichtigeres, und zwar ist es der Segen Gottes auf jede Weise, beginnend in der Errettung, aber in allen Aspekten. Würdest du zustimmen, dass der Segen Gottes, das Wohlwollen Gottes, wichtiger ist als Gut und Geld? Wenn der Herr segnet, dann ist es egal, was die Gesellschaft sagt. Wenn der Herr segnet, ist es egal, wie wohlhabend du bist. Wenn der Herr segnet, sind all die anderen Dinge zweitrangig.

In dem Abschnitt, den wir uns heute Morgen in 5. Mose 6 anschauen, geht es um das kostbarste Erbe für die lebende, aber auch für die nächste Generation – und das ist auch der Titel der Predigt: Das kostbarste Erbe für deine und für die nächste Generation.

Lass uns gemeinsam den Abschnitt lesen, den wir uns heute anschauen werden, aus 5. Mose, Kapitel 6, die Verse 4 bis 9:

Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen. Du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. Und du sollst sie zum Zeichen an deine Hand binden und sie sollen dir zum Erinnerungszeichen über den Augen sein. Und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben.

Vor den Toren Kanaans

Nun, das Volk Israel steht hier im 5. Buch Mose unmittelbar vor den Toren des verheißenen Landes Kanaan. Fast 41 Jahre sind sie schon unterwegs, durch die ganze Wüste hindurch. Wegen ihres Unglaubens mussten sie eine Ehrenrunde von ganzen 40 Jahren drehen und in der Wüste bleiben, bis eine Generation ausgestorben ist. Und Mose beginnt hier im 5. Buch Mose in den ersten Kapiteln die Etappen zu wiederholen und sie zu erinnern, wo sie überall waren, wo sie durchgegangen sind, woher sie kommen.

Insbesondere erinnert er sie an dieses einschneidende Erlebnis bei Kadesch-Barnea. Das ist da, wo die Spitze ist. Das war nämlich nach knapp einem Jahr – sie waren im Begriff, ins Land Kanaan einzugehen, aber sie waren ungläubig, ungehorsam. Sie sagten: »Gott wird es nicht schaffen, uns in dieses Land hineinzubringen.« Und deswegen mussten sie weitere 40 Jahre umherirren.

Das 5. Buch Mose wird auch das Evangelium nach Mose genannt – ein sehr interessanter Titel, nicht wahr? Warum? Nun, zum einen wird das 5. Buch Mose auch Deuteron genannt, die Wiederholung des Gesetzes, häufig zitiert im Neuen Testament. Aber besonders weil der Schwerpunkt in 5. Mose auf dem Erinnern liegt und darauf, Gott zu lieben. Es ist nicht erstaunlich – Evangelium mitten im Gesetzestext. Mindestens siebenmal wird dieser Ausdruck im 5. Buch Mose geprägt: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben.«

Und jetzt, am Ende der 40 Jahre, stehen sie Jericho gegenüber, im Begriff, das Land einzunehmen, das ihnen verheißen wurde. Da, wo der Pfeil endet, ganz oben – dort ist Aaron gestorben, und dort wird Mose in wenigen Tagen sterben, nachdem er das Gesetz noch einmal gegeben hat und es ihnen eingeschärft hat. Und jetzt, am Ende der 40 Jahre, sind sie im Begriff, dieses Land einzunehmen.

Dieses Kapitel, Kapitel 6, beschreibt die ganzen Segnungen sehr anschaulich. Nun, der Begriff ist uns vertraut: In Vers 3 heißt es, du kommst in ein Land, in dem Milch und Honig fließt – nicht wortwörtlich, sondern metaphorisch gemeint, sprichwörtlich – ja, ein Land, das Wohlstand hat. Vers 10: Du nimmst Städte ein, die du nicht gebaut haben wirst. Vers 11: Gefüllte Häuser mit allerlei Gutem, die du nicht gefüllt hast. Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast. So sagt Gott zu Israel. Und dann sagt er, Vers 18: »Damit es dir gut geht und du das Land in Besitz nimmst.«

Nun, was für ein Meilenstein für diese Generation! Aber wie werden sie dieser Segnungen teilhaftig, und wie können sie dafür sorgen, dass sogar ihre Kinder und Kindeskinder – dass ihnen diese Segnungen erhalten bleiben? Wie werden sie in diesem guten Land bleiben? Denn die Gefahr besteht, dass Gott sie wieder herauswirft. Und das hat er ihnen sogar vorher gesagt – ein paar Kapitel vorher, und ganz später in Kapitel 28. Da sagt er in drei Kapiteln: »Ich werde euch hinauswerfen« – noch bevor sie überhaupt hereingekommen sind.

Nun, das ganze Kapitel betont Folgendes: Bevor du die nächste Generation Gottes Wort lehrst, musst du zunächst selbst Gott lieben und sein Wort befolgen. Und dann erst sollst du es deinen Kindern einschärfen, damit auch die Kinder und Kindeskinder die Segnungen Gottes erfahren und im Land bleiben. Dieses Kapitel ist voll davon. Vers 3: Die Kinder und Kindeskinder sollen sich an die Worte Gottes halten. Vers 7: Die Kinder sollen unterwiesen und belehrt werden. Vers 20: »Wenn dich dein Sohn fragt …« – also im Blick ist immer die nächste und die übernächste Generation.

Kontinuität und Diskontinuität

Wie bleiben sie in diesem Land? Nun, wir müssen uns bewusst sein, dass die Bibel einen Unterschied macht zwischen der Gemeinde und Israel. Da gibt es immer Kontinuität und Diskontinuität – Dinge, die gleichbleibend sind, und Dinge, die sich ändern. Und etwas, was nicht gleichbleibend ist zwischen dem Alten und dem Neuen Testament, ist das: Im Alten Testament wurde der Segen Gottes zu seinem Volk sehr oft auf physische Weise sichtbar. Das heißt, es war ein Gradmesser, wie gut es ihnen ging – das deutete darauf hin, wie ungefähr der geistliche Zustand im Volk Israel war. Zwar nicht immer so, aber überwiegend. Das ist im Neuen Testament nicht zwingend so.

Es ist so ähnlich wie in den Sprüchen. Die Sprüche sind allgemeine Wahrheiten, die schlussendlich zutreffen, aber es sind keine Verheißungen. Wenn wir in den Sprüchen lesen von dem Gerechten, dann kann er wohlhabend sein, es kann ihm auch gut ergehen – und dennoch trifft es zu, dass Menschen Prüfungen erleiden, so wie Hiob. Es kann sein, dass jemand fleißig ist und doch arm wie eine Kirchenmaus, wie Paulus. Es kann sein, dass jemand reich ist, aber dabei wirklich faul und gottlos ist. Oder so wie wir gerade eben in Sprüche 2 gelesen haben in der Schriftlesung: Die Redlichen werden das Land bewohnen, die Unsträflichen übrig bleiben, aber die Gottlosen werden aus dem Land ausgerottet und die Treulosen vertrieben werden.

Nun, das stimmt im Großen und Ganzen zu, und das stimmt für Israel zu, dass wenn sie treulos sind, Gott sie hinausschmeißen wird aus dem Land. Aber da sind viele Gottlose im Land gestorben und nicht hinausgetrieben worden. Und gleichzeitig sehen wir Daniel – ein gottesfürchtiger, der hinausgetrieben wird und unter den Konsequenzen leidet. Das heißt, wir müssen uns bewusst sein: Der Segen Gottes ist nicht immer auch in deinem Leben an die materiellen Dinge, an das materielle Wohl geknüpft. Und das Neue Testament bestätigt diese Wahrheit immer wieder, nämlich dass diejenigen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten, zum Besten mitwirken werden. Das heißt, der Segen Gottes ist auf denen, die Gott lieben, werden – auch wenn es manchmal durch Bedrängnisse hindurchgeht.

Das Schma Israel

Und nun schaut euch Vers 4 an – diese bekannten Worte: Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Nun, das ist das bekannte Schma Israel, »Höre Israel«. Nun, diese Verse sind alles in einem – drei in einem, wie wir vorhin schon gesehen haben. Es ist ein Glaubensbekenntnis, es ist ein Gebet und gleichzeitig ein Gebot. Die Juden beten diese Worte in der Regel mindestens einmal am Morgen – momentan, insbesondere in dieser Zeit, in dem Krieg, durch den sie gerade hindurchgehen, hört man davon immer wieder: »Höre Israel.«

Nun, es ist eine beliebte Anrede im 5. Buch Mose. Mehrmals sagt Gott im 5. Buch Mose: »Höre Israel.« Das heißt, es ist so wie wenn ich dir sage: »Jetzt hör gut zu, was ich sage.« Es ist diese Worte »höre« – die wollen deine Aufmerksamkeit. Das heißt, Gott will die ganze Aufmerksamkeit seines Volkes. Es ist so wie die Sprüche Salomos, wo Salomo an seinen Sohn schreibt: Höre, mein Sohn, auf die Unterweisung deines Vaters und verwirf nicht die Lehre deiner Mutter.

Wenn du ein paar hebräische Worte auswendig lernen willst – außer »Schalom«, Friede, ja, die Verabschiedung – nun, dann ist hier das Schma. Das sind wahrscheinlich die wichtigsten Worte, die du auf Hebräisch auswendig lernen kannst. Ich hörte von einem Gläubigen, der im Krankenhaus zu Besuch war, und im Nebenbett war eine Frau jüdischer Herkunft. Und diese Worte waren wirklich ein Türöffner für das Evangelium. Die ältere Frau war zu Tränen gerührt und gestattete, mit ihr zu beten und über den Glauben zu reden. Du weißt nie, wann du diese Worte gebrauchen kannst, wann sie dir vielleicht ein Türöffner sein werden, um mit Menschen zu reden.

Es lautet – ihr könnt gerne mitsprechen: Schma Israel, Adonai Elohenu, Adonai Echad. Das heißt: »Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.«

Nun, man kann gerade dieses letzte Wort auf zweierlei Arten übersetzen. Man kann es als Adjektiv übersetzen: »Der Herr ist einer.« Oder man kann es als Adverb übersetzen: »Der Herr allein.« Und die Juden meinen, dass dieser Vers die Trinität widerlegt – eigentlich nicht nur die Juden, sondern alle, die die Trinität leugnen. Auch die Zeugen Jehovas gebrauchen federführend an der Spitze diesen Vers, um zu sagen: »Es gibt keine Trinität.« Immer wieder wird dieser Vers zitiert. Sogar die Pharisäer zur Zeit Jesu haben diesen Vers zitiert, um den Anspruch Jesu auf seine Gottheit zu widerlegen.

Nun, wie lautet die bessere Übersetzung – »der Herr allein« oder »der Herr ist einer«? Wenn wir uns den Kontext, den direkten, aber auch den erweiterten Kontext in 5. Mose ansehen, dann ist es naheliegend, es adverbial zu übersetzen: »der Herr allein« – nämlich, es gibt keine anderen Götter. Das sagt Gott immer wieder: »Ich bin der einzige Gott, und du sollst dir keine anderen Götter anschaffen. Es gibt keine anderen.«

Aber selbst wenn wir hier übersetzen »der Herr ist einer«, wie sie es gerne immer so übersetzen würden, würde es der Trinität nicht widersprechen. Denn das hebräische Wort Echad – »eins« – das kann sich auch auf eine zusammengesetzte Einheit aus mehreren Objekten oder Personen beziehen. Und ich glaube, das geläufigste Beispiel, das wir kennen, ist 1. Mose 2, Vers 24, das wir uns zu Beginn der Serie schon angesehen hatten: Ein Mann wird Vater und Mutter verlassen, seiner Frau anhängen, und sie werden ein Fleisch sein. Ja, das ist eine zusammengesetzte Einheit. Es widerspricht nicht der Trinität, wo wir ebenfalls eine Einheit sehen – eine zusammengesetzte Einheit.

Lieben und Lesen

Nun, wir werden uns heute durch diese Verse durcharbeiten. Ihr habt die Gliederung im Wochenblatt. Wir werden uns »Lieben und Lesen« in den Versen 5 bis 6 anschauen, und wir werden »Lehren und Leben« in den Versen 7 bis 9 anschauen. Vers 4 ist gewissermaßen die Überschrift über die Verse, die da kommen.

Lass uns die Verse 5 und 6 noch einmal lesen: Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen.

Bevor du irgendetwas der nächsten Generation weitergibst, musst du es selbst vorleben. Du musst beherzigen, was du deine Kinder lehrst. Du musst vorleben, was du der nächsten Generation weitergibst. Und vielleicht denkst du: »Okay, was soll ich vorleben?« Diese Verse, Vers 5, nennen uns zwei Dinge: nämlich den Herrn zu lieben und sein Wort zu lesen. Vers 6 sagt: »Sein Wort auf dem Herzen tragen« – das bezieht sich darauf, auf die Bibellese, Gottes Wort zu studieren, es zu lesen, darin zu sein.

Aber ich möchte, dass du auf die Reihenfolge achtest. Gott beginnt hier diesen Abschnitt nicht mit »gehorche«, sondern mit: »Du sollst den Herrn lieben.« Das ist so wichtig. Warum? Weil Gehorchen ohne Liebe zur Gesetzlichkeit führt. Das Christenleben ist nicht eine Pflichterfüllung. Das Christenleben ist nicht ein sturer, widerwilliger, bockiger Gehorsam. Das Christenleben ist nicht eine Checkliste von Geboten, die du abarbeitest – Gebot 1: Check, befolgt. Gebot 2: Check, befolgt. Gebot 3: Ja, da muss ich noch ein bisschen arbeiten, und dann irgendwann kannst du sagen: Check. Nein! Das Christenleben ist, Jahwe zu lieben. Darum geht es – den einen Gott, den einzigen Gott, den lebendigen Gott. Und wenn du den Herrn liebst, dann folgt der Gehorsam automatisch.

Wenn du das nicht glaubst, dann lass dich von Christus selbst überzeugen. Er sagt in Johannes 14, Vers 23: Wenn jemand mich liebt, so wird er meine Worte befolgen. Das heißt, wer Gott liebt, der liebt sein Wort, der wird gehorsam sein. Der Gehorsam folgt automatisch.

Und vielleicht denkst du: »Wie sollen wir den Herrn lieben?« Schau dir Vers 5 an: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Etwas vom Schwierigsten ist, Liebe zu definieren, nicht wahr? Hollywood will dir weismachen, dass Liebe lediglich ein Gefühl ist, das dich irgendwann überfällt, ob du willst oder nicht, und du dich dagegen nicht wehren kannst. Und wenn dich dieses Gefühl überrannt hat, dann musst du diesem Gefühl folgen, was auch immer es dir sagt. Nun, die Stoiker sind recht emotionslos – für sie sind Emotionen irrational und unzuverlässig, und aus dem Grund sollten die Menschen sich von ihnen befreien. Alles ist vernunftgemäß, selbst die Liebe. Für die Praktiker gilt: Nur wenn die Liebe in die Tat umgesetzt wird, wenn sie sichtbar wird, dann ist es echte Liebe. Und keiner der Dreien hat recht.

Wir sehen hier: Gott sagt, du sollst den Herrn lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Das Herz – hebräisch Lev – wurde im Verständnis bezeichnet als der innere Mensch. Insbesondere stand es für den Verstand. Es bezeichnet die Brust, das Gewissen. Die Seele – Nefesch – betont die Wünsche und die Neigungen. An anderer Stelle wird das Wort Nefesch, »Seele«, für das sexuelle Verlangen von jemandem beschrieben. Es wird gebraucht, um Hunger, um Appetit, ein Verlangen nach etwas zum Ausdruck zu bringen. Und es wird für das heilige Begehren, das Verlangen nach Gott gebraucht – eine Sehnsucht zu haben nach Gott. Und dann hier das letzte Wort: Kraft – das betont die Willenskraft.

Jetzt sollst du aber nicht da sitzen und grübeln und sagen: »Okay, wie kann ich Gott mit meinem Herzen lieben? Wie kann ich Gott mit meiner Seele lieben? Und wie kann ich Gott mit meiner Kraft lieben?« Ja, das ist nicht, was der Vers betont. Er betont nicht die Unterschiedlichkeit, sondern die Gemeinsamkeit – die Ganzheitlichkeit. Du sollst als ganzer Mensch, alles was du bist, mit Haut und Haaren, vom Scheitel bis zur Fußsohle, den Herrn, deinen Gott, lieben – mit deinem ganzen Sein. Jeder Bereich deines Menschseins, dein Verstand, deine Emotionen oder dein Verlangen und deine Entscheidungen, sollen das widerspiegeln.

Bei der biblischen Liebe geht es nicht um weniger als Emotionen, sondern wir sehen: Es ist weit mehr als nur Emotionen. Wenn deine Frau dich z.B. bittet, den schweren Einkaufswagen aus dem Auto herauszutragen – nun, vermutlich wirst du nicht sagen: »Ich habe dir am Traualtar versprochen, dich zu lieben, daran hat sich nichts geändert. Heute ist der Vernunfttag, ja, morgen der emotionale Tag und übermorgen mache ich mein Handeln sichtbar.« Keiner würde das verstehen. Aber häufig unterteilen wir und trennen – und es ist nicht in Gottes Absicht.

Schau, dieser Vers sagt: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit aller Kraft.« Das ist immer ausschließlich – nicht nur ein wenig, sondern ungeteilt. Manchmal neigen wir dazu, in zwei Gegensätzen zu denken. Wir denken: »Okay, Gott zu lieben ist etwas, und Gott zu fürchten ist etwas anderes – das sind so zwei Gegensätze.« Ja, das, was wir fürchten, vor dem laufen wir weg, und das, was wir lieben, zu dem laufen wir hin. Aber 5. Mose widerlegt diese These. 5. Mose spricht mehrmals von: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, fürchten und ihn lieben.« Für die Israeliten war es kein Widerspruch, Gott zu fürchten und ihn zu lieben – nicht. Es sind keine zwei Gegensätze. Du sollst den Herrn aber nicht nur fürchten, sondern du sollst ihn lieben. Du sollst ihn nicht nur respektieren, sondern du sollst ihn lieben.

Das größte Erbe, das du der nächsten Generation weitergibst, beginnt damit, dass du den Herrn liebst – nicht nur gehorchst, sondern ihn liebst von ganzem Herzen.

Das erste Gebot

Und Jesus bestätigt dieses Gebot. Nun, dieser Vers wird dreimal im Neuen Testament wiederholt: bei Matthäus, Markus und Lukas. Wir schauen uns Markus 12, Verse 28 bis 31, an. Da hatte Jesus einigen Leuten den Mund gestopft – so heißt es tatsächlich darin. Und dann sieht ein Schriftgelehrter das, und dann sagt er folgendes, Markus 12, Vers 28: Da trat einer der Schriftgelehrten herzu, der ihrem Wortwechsel zugehört hatte, weil er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, und fragte ihn: Welches ist das erste Gebot unter allen? Also, er meint das wichtigste Gebot.

Jesus aber antwortete ihm: Das erste Gebot unter allen ist – und jetzt zitiert Jesus das Schma Israel – diese Worte: Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Dies ist das erste Gebot. Und das zweite ist ihm vergleichbar, nämlich dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Größer als diese ist kein anderes Gebot.

Nun, sehr erstaunlich – Jesus nennt hier zwei Gebote, und keins dieser Gebote kommt in den Zehn Geboten vor, nicht wahr? Aber im Gegenteil: Diese beiden Gebote fassen die Zehn Gebote zusammen – aber nicht nur die Zehn Gebote, sondern auch alle anderen 613 mosaischen Gebote. Man könnte sagen, diese beiden Gebote sind das Grundgesetz Gottes. Auf diese hat Gott unser Universum aufgebaut. Sie gelten für alle Menschen, die über Gottes Planeten gehen. Gott hat sie sogar gewissermaßen jedem Menschen eingraviert – dass es einen Gott gibt und dass er ihm rechenschaftspflichtig ist und dass er seine Nächsten liebt wie sich selbst.

Liebe als Antwort

Biblische Liebe umfasst die ganze Person, alles was wir sind, alles was wir haben. Aber biblische Liebe ist gleichzeitig auch eine Antwort. Und das ist der Kontext von 5. Mose. Die Aufforderung, Gott zu lieben, ist nicht im luftleeren Raum. Sondern Gott gibt hier bis jetzt ganze sechs Kapitel Gründe, warum Israel Gott lieben soll. Der ganze Kontext ist: »Erinnere dich, erinnere dich, wo du herkommst, Israel. Du sollst lieben, weil Gott dich herausgeführt hat aus der Sklaverei, weil er gut war, weil er sein Wort gehalten hat, weil er dich versorgt hat.«

Und manchmal müssen wir aufhören, irgendwie aus dem Sparschwein der Liebe irgendwelche Centmünzen herauszukramen und zu meinen, wir müssten das alles zusammenstellen, um Gott zu lieben. Nein! Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Gott hat nicht in die Zukunft geschaut und gesehen, ob du ihn lieben würdest oder nicht, und dann hat er seinen Sohn an deiner Stelle sterben lassen. Sondern er hat seinen Sohn gesandt, als wir noch Feinde waren. Und selbst als Gerettete ist unsere Liebe zu ihm immer noch zu stümperhaft, nicht wert, dass er für uns sterben würde.

Ich möchte dich herausfordern: Liebst du den Herrn? Liebst du den Herrn? Vielleicht denkst du: »Wie kann ich das herausfinden?« Nun, verlangt es dich nach der Gemeinschaft mit Gott? Beantworte die Frage für dich selbst: Wenn du in den Himmel kommst und da findest du dort alles vor, was du dir erträumen würdest, außer Gott – wäre das in Ordnung? Und wenn ja, dann liebst du die Segnungen mehr als den Herrn. Dann musst du noch ein wenig an deiner Liebe zum Herrn arbeiten. Vielleicht hast du festgestellt, dass du den Herrn noch gar nicht liebst. Das war die ganze Absicht, die Gott hier gibt, nämlich zu kapitulieren und zu sagen: »Herr, ich kann dich nicht lieben, verändere mein Herz, bekehre du mich.« Das ist die ganze Absicht.

Vielleicht ist deine Liebe zum Herrn lau geworden. Das erging Israel genauso. Sie liebten – wenn wir die Seiten weiterblättern – das gute Land mehr als den Herrn. Sie liebten die Segnungen mehr als den, der ihnen die Segnungen gegeben hat. John Piper sagt sehr zutreffend: »Das, wonach wir am meisten verlangen, ist das, was wir anbeten.« Das, wonach wir am meisten verlangen, ist das, was wir anbeten. Und wenn du den Herrn liebst, wirst du häufig dort anzutreffen sein, wo er ist – nämlich im Wort.

Und das ist, was Vers 6 sagt: Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen. Nun, das Wort ist sowohl eine Reaktion – wenn du den Herrn liebst, bist du im Wort – aber das Wort schafft auch die Liebe zum Herrn. Das ist wie ein Kreislauf: Die Liebe zum Herrn bringt dich zum Wort, und das Wort mehrt deine Liebe zum Herrn.

Das Wort im Leben

Und in Vers 6 dreht sich alles nur noch um das Wort: Du sollst das Wort auf dem Herzen tragen, du sollst es lehren und du sollst es leben. Für Israel waren diese Worte, von denen Mose hier spricht, alles was sie besaßen – die Tora, fünf dicke Schriftrollen. Mit dem gesamten Alten Testament – dem Gesetz, den Schriften und den Propheten, also der Tora, den Ketuwim und den Newiim – sollten es wahrscheinlich so um die 25 Schriftrollen gewesen sein, je nachdem, wie viele Propheten auf eine Schriftrolle zusammengefasst wurden. Und sie konnten 25 Schriftrollen nicht einfach so in ihrer Hosentasche mit sich herumtragen, wie wir das Neue Testament, die ganze Bibel, mehrere Übersetzungen und sogar noch Kommentare und alles Mögliche. Nein, sie brauchten mehrere Tonkrüge, um überhaupt das Ganze zusammenzufassen.

Deswegen hat man jeden Bereich reduziert auf eines der wichtigsten Bücher: nämlich 5. Mose, die Psalmen und Jesaja. Das waren die am meisten gelesenen Bücher – 5. Mose für den ganzen Pentateuch, die Psalmen für die Weisheitsliteratur und Jesaja für alle Propheten. Das waren die am meisten gelesenen Bücher. Jesus zitiert bei seiner Versuchung ausschließlich aus 5. Mose, Psalmen und Jesaja. Die werden im Neuen Testament am häufigsten zitiert. Bei den Schriftrollen von Qumran, die man gefunden hat, sind es die häufigsten Bücher und Exemplare: 5. Mose, Psalmen und Jesaja. Es sind 900 Handschriften gefunden worden – 29-mal 5. Mose, 36-mal die Psalmen und 21-mal Jesaja. Das war das, was sie gelesen haben.

Und dieses Muster – die stille Zeit mit Gott – finden wir in der gesamten Schrift. Josua wird nachher in wenigen Tagen oder Wochen aufgefordert: Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Mund weichen. David sagt in Psalm 1: Wohl dem, der seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht. Psalm 119, Vers 11: Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige.

Es ist sehr zutreffend, was John Bunyan sagt: »Dieses Buch wird mich entweder von der Sünde abhalten, oder die Sünde wird mich von diesem Buch abhalten.« Trifft so wunderbar zu. Das Buch wird dich abhalten von Sünde, oder die Sünde wird dich von dem Buch fernhalten.

Wie kannst du feststellen, ob du Gott liebst? Nun, wenn es dich nach Gott verlangt – macht es dir etwas aus, wenn du mehrere Tage nicht in der Schrift gelesen hast? Wirkt es sich aus? Nun, wahrscheinlich würden deine Mitmenschen sagen: »Ja, es wirkt sich definitiv aus, ich merke es.« Aber merkst du es auch, wenn diese Zeit zu kurz gekommen ist?

Nun, die Menschen, von denen wir sagen würden, sie hätten es am wenigsten notwendig gehabt, Gemeinschaft mit Gott zu haben, waren am meisten in der Gemeinschaft mit Gott – das war Adam vor dem Sündenfall und Jesus Christus. Adam hatte stille Zeit mit Gott im Garten Eden. Vor dem Sündenfall sind sie spazieren gegangen, als Gott in der Kühle des Abends kam. Und er war vorher schon auf das Wort Gottes angewiesen, noch bevor der Sündenfall eintrat – hinterher noch viel mehr. Jesus, der Sohn Gottes, war am häufigsten in der stillen Zeit mit Gott – auf dem Berg, in der Einöde. Manchmal musste er seine Jünger wegschicken und sagen: »Los, fahrt los, ich bin noch alleine auf dem Berg mit dem Vater.« Manchmal hat er sich früh morgens davon gestohlen, um mit Gott alleine zu sein.

Das größte Erbe, das du der nächsten Generation weitergibst, beginnt damit, dass du den Herrn liebst und dass du dich dort aufhältst, wo er ist – nämlich in seinem Wort, dass du sein Wort auf dem Herzen trägst.

Gefahren für die Liebe

Nun, kann es passieren, dass die Liebe zu Gott schwindet, dass sie weniger wird? Ja, leider. Nun, wo lauern Gefahren, die dazu führen können, dass unsere Liebe zum Herrn weniger wird? Wenn wir 5. Mose 6 weiterlesen, dann nennt Gott selbst dem Volk mehrere Gefahren. In Vers 12 sagt er: »Du kommst in dein Land, und es könnte sein, dass du den Herrn, deinen Gott, vergisst.« Du vergisst den Herrn. »Wo komme ich her?« ist mir gar nicht mehr wichtig, dass er mich gerettet hat. Die Gewohnheit an diese Segnungen kann dazu führen, dass die Liebe weniger wird. Die Genügsamkeit mit allem Materiellen, was du hast, und du brauchst auch nicht mehr – aber das kann dazu führen, dass du den Herrn vergisst. Die Routine des täglichen Lebens, die Geschäftigkeit, die das Leben mit sich bringt, aber auch müde zu werden im Dienst für den Herrn – das nennt er im selben Kapitel: »Du wirst müde werden, dem Herrn zu dienen.« Vers 14: Andere Götzen können die Aufmerksamkeit bekommen.

Nun, wie wirkt es sich aus, wenn man den Herrn nicht mehr liebt? Nun, dann wird der Gottesdienst zu einer Pflichtveranstaltung. Wenn der Gehorsam nicht aus Liebe kommt, dann wird es Gesetzlichkeit. Und Gott hasst Gehorsam ohne ihn zu lieben. Du kannst Gott nicht lieben ohne ihm gehorsam zu sein, aber du kannst ihm gehorsam sein, ohne dass du ihn liebst. Du kannst sogar sein Wort leben, ohne den Herrn zu lieben.

Und Gott ist selten so direkt, aber manchmal fasst er diese Dinge in deutliche Worte, was er hasst. In Amos 5, Vers 21 – und es ist noch weit vor der assyrischen und der babylonischen Gefangenschaft – da sagt Gott: Ich hasse eure Festveranstaltungen – also ihre Feste, die sie in Jerusalem zu Gottes Ehre gefeiert haben. Er sagt: Ich habe kein Wohlgefallen an euren Brand- und Speisopfern. Und dann sagt er sogar: »Sie singen ja.« Und dann sagt der Ewige: »Den Lärm deiner Lieder …« Es ist abstoßend für Gott, wenn man Gottesdienst feiert, wenn man Dinge tut, gehorsam ist, ohne ihn wirklich zu lieben. Er hasst es. Gott will keine widerwilligen Opfer. Gott will, dass du gehorsam bist, aber nicht mit einem mürrischen, widerwilligen, eigenwilligen, selbstsüchtigen Gehorsam. Sondern er will, dass du ihn vor allem erst liebst – mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit all deiner Kraft.

Liebe oder stirb

Mit einigen leitenden Männern lesen wir gerade das Buch von Alexander Strauch durch, und der Originaltitel ist im Englischen ein bisschen spannender: »Liebe oder stirb« – das Sendschreiben an die Gemeinde von Ephesus. Sehr zu empfehlen, das Buch. Ephesus war eine großartige Gemeinde – wir hörten vorhin schon im Gebet: Werke, Ausharren, theologisches Unterscheidungsvermögen. Aber sie haben die Liebe verlassen. Und die Veränderung begann langsam, aber für Gott sichtbar. Und bei allem, was sie getan haben – und sie waren wirklich sehr aktiv –, haben sie den Herrn nicht mehr mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit aller Kraft geliebt. Und Gott sagt: »Buße, sonst werde ich deinen Leuchter umstoßen.« In anderen Worten: »Lieb oder stirb.«

Und vielleicht denkst du: »Heißt das, dass ich die Bibel nur dann lesen soll, wenn ich wirklich Freude dazu habe, weil ein pflichterfülltes Bibellesen Gott ja wirklich nicht gefällt?« Oder: »Heißt es, dass ich mit dem Dienen in der Gemeinde aufhören soll, wenn ich merke, dass ich es nicht aus Liebe tue?« Nun, sagt der Text das nicht wirklich. Nein, der Text sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, und gleichzeitig sollst du in seinem Wort sein, und gleichzeitig sollst du dienen. Das bedeutet nicht, dass du den Dienst einstellst und wartest, dass die richtige Haltung sich irgendwann einstellt. Nein, sondern ändere deine Haltung und diene weiter. Punkt. Lieben und Lesen – das ist, was Gott hier fordert.

Lehren und Leben

Und nun kommen wir zu den Versen 7 bis 9. Wir sehen, dass er von Lehren und Leben spricht. Lass uns die nächsten Verse lesen, die Verse 7 bis 9:

Und du sollst diese Worte deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. Und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden und sie sollen dir zum Erinnerungszeichen über den Augen sein. Und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben.

Nun, die Wenigsten in Deutschland wissen, auf wen die mittlere Bildung zurückzuführen ist – also die Bildung des Durchschnittsbürgers und des armen Bürgers. Auf wen geht sie zurück? Die Reichen konnten sich schon immer Schule leisten für ihre Kinder, aber nicht der Durchschnittsbürger. In Deutschland geht es zurück auf Philipp Schwarzerd – nun, er ist auch besser bekannt als Philipp Melanchton. Den kennt ihr wahrscheinlich. In seinem Todesjahr 1560 wurde ihm der Ehrentitel »Praeceptor Germaniae« verliehen – nämlich »Lehrer Deutschlands«. Ein Ehrentitel. Einige sagen, selbst dieser Ehrentitel sei zu einschränkend, denn was er getan hat, hatte Auswirkungen nicht nur auf Deutschland, sondern auf ganz Europa.

Melanchton war ein Weggefährte von Martin Luther, er war stark in der Reformation beteiligt. Er war der Organisator der Reformation. Er war federführend für das Augsburger Bekenntnis von 1530, wo das erste Mal der protestantische Glaube verteidigt und offiziell dargelegt wurde. Und dann – was aber die Wenigsten wissen – war Melanchton begeistert vom Lernen und vom Lehren. Sein Traum war, dass jedes Kind lesen und schreiben kann. Wow, spannend, nicht wahr?

Er begann, Lehrpläne zu entwickeln – neben all dem, was sonst noch lief in der Reformation, unfassbar. Er entwarf das Grundgerippe der Grundschule, dem in der Regel vieles bis heute noch folgt. Im ersten Haufen – das war die erste Klasse – da lernte man lesen und schreiben. Das Alphabet wurde gelernt, und es gab so ein kleines Lehrbuch, von Melanchton selbst verfasst, mit einigen einfachen Texten und mit Gebeten. Im zweiten Haufen – das war die zweite Klasse – da kam Grammatik hinzu.

Und nun kommt das Besondere, das, was glaube ich alles wirklich so besonders macht: Melanchton lässt die neu übersetzte Bibel von Luther in den Lehrplan, in das Unterrichten hineinfließen. Und in diesem zweiten Jahr lesen die Kinder im zweiten Haufen das Matthäusevangelium, die Psalmen, die Sprüche und Auszüge aus den Paulusbriefen – unfassbar. Und dann im dritten Haufen – die dritte Klasse – kam Latein, Rhetorik, Dialektik und Argumentationskunst hinzu.

Nun, die Stadt Nürnberg war die erste, die eine neue Schule gründete und ihn einlud. Und bis heute gibt es dieses Melanchton-Gymnasium dort. Und sie sind sehr stolz darauf, die erste Schule gewesen zu sein. Aber Melanchton hat dann Zeit seines Lebens in ganz Deutschland ist er umhergereist und hat bei vielen Schulgründungen geholfen, nämlich den Kindern lesen und schreiben beizubringen – und das anhand der Bibel. Und er schreibt Schulbücher, denn er hatte eine Gabe, den Lehrstoff wirklich gut zu organisieren, so dass man ihm folgen konnte.

Aber ich denke, was ihn am meisten auszeichnet, ist seine Absicht. Melanchtons Ziel war nicht Lesen um des Lesens Willen. Sein größtes Ziel war – und er sagt folgendes: »Um gerüstet zu sein fürs Leben und in allen Bereichen das tun zu können, was Gott gefällt.« Wow! Das heißt, er bringt den Kindern lesen und schreiben bei, mit dem Ziel, dass die Kinder in allen Bereichen des Lebens das tun können, was Gott gefällt – unfassbar. Das ist das größte Erbe, das weitergegeben werden kann. 5. Mose 6 war seine Dienstphilosophie: der nächsten Generation nicht nur lesen und schreiben beizubringen, sondern sie mit Gottes Wort auszustatten, dass sie es leben und dass sie wissen, was ihr Auftrag ist – unfassbar.

Das ist, was 5. Mose 6, Vers 7 sagt: Du sollst es deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt, wenn du auf dem Weg gehst. Nun, dieses Wort »einschärfen« – das bedeutet »wiederholen«. Das hebräische Wort beschreibt an anderer Stelle das Schärfen eines Schwertes. Nun, selbst wenn du in deinem ganzen Leben noch nie ein Schwert geschärft hast – wovon ich ausgehe –, dann weißt du, dass man ein Schwert nicht einmal drüberfährt und die Klinge ist scharf. Richtig? Sondern, so wie mit den Küchenmessern: immer und immer wieder müssen die geschärft werden. Nicht nur einmal, sondern du musst immer wieder über die Klinge drüber gehen. Und nach einigen Wochen muss es wieder geschliffen werden. Genauso wie man immer wieder über die Klinge fortwährend einschärft, genauso reicht das einmalige Belehren der nächsten Generation nicht aus. Sondern es muss immer und immer wieder geschehen, eingeschärft werden.

Wenn wir als Gemeinde nach drei Jahren mit »Generation der Gnade« fertig sind – wo fangen wir an? Vorne wieder. Genau. Vielleicht denkst du das zu Hause auch: »So oft habe ich das schon mal gesagt, fünfmal, und er hat es noch nicht gelernt.« Ja, das ist, was es ist – immer wieder, und das mit Liebe.

Und dann sagt Vers 7: überall und immer. Wenn du in deinem Haus sitzt oder wenn du auf dem Weg gehst. Er macht deutlich: überall. Also sowohl zu Hause, immer wieder beim Tischgebet, bei der Familienandacht, aber auch unterwegs – wenn ihr in der Natur unterwegs seid, wenn ihr die Schöpfung Gottes im Tierpark bestaunt, wenn ihr Auto fahrt, vielleicht manchmal auch in einer verspäteten Bahn sitzt oder auf sie wartet. Und all die unliebsamen Dinge – bring ihnen die Wahrheit Gottes bei, wie man in diesen Dingen reagiert.

Es gibt in unserem Leben keine gottfreie Zone. So wie eine rauchfreie Zone – nach dem Motto: Das alltägliche Leben wird vor sich hingelebt, und das erste Mal, wenn Gott am Tag aufgeschlagen wird, ist es abends bei der Familienandacht. Dann wird er ausgepackt, erwähnt und zugeschlagen und wieder ins Regal geschoben. Nein! Sondern was Mose hier sagt, was Gott hier sagt, ist: Es soll dich von morgens bis abends begleiten, immer – vom Aufstehen bis zum Niederlegen.

Gott hat sie dir übergeben

Es ist die Verantwortung der Generation, die den Herrn kennt, das weiterzugeben an die nächste Generation. Du kannst dich nicht drücken vor der Verantwortung, sie nicht wegschieben. Ja, es ist hier in Mose besonders – wir sehen: Es ist ein Kollektiv an ganz Israel, aber es wird in der Familie umgesetzt. Die Aufforderung gilt ganz Israel, aber die Umsetzung geschieht zu Hause, in der Familie. Wo geschieht Aufstehen, Schlafengehen, zu Hause sein, weggehen? Das sind alles Elemente, die man als Familie tut.

Als Gemeinde wollen wir diesem Auftrag nachkommen. Und so haben wir im Mitgliedschaftsversprechen, das wir heute Nachmittag bei der Aufnahme von zwei neuen Mitgliedern durchlesen werden, auch folgenden Satz formuliert – für alle, für unsere ganze Familie, unabhängig ob du Kinder hast oder keine hast, ob du Mutter, Vater, Großvater bist: »Wir werden uns bemühen, Kinder, die unserer Fürsorge anbefohlen sind, in der Zucht und Ermahnung unseres Herrn aufzuziehen und durch ein reines und liebevolles Vorbild nach der Erlösung unserer Familie zu streben.« Das wollen wir uns immer wieder bewusst machen, was wir als Gemeinde tun wollen. Deswegen machen wir Sonntagsschule. Aber auch sie kann unmöglich bei jeder Familie sein, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen.

Nun, liebe Eltern, das ist eure Verantwortung. Gott hat sie dir übergeben. Und als Älteste und als Gemeinde möchten wir alle Eltern ermutigen und stärken, den Auftrag anzunehmen und umzusetzen, weil Gott es ist, der diesen Auftrag gegeben hat und erwartet. Das ist die Pflicht der Eltern, ihre Kinder in der Furcht des Herrn zu erziehen – besonders der Väter, die geistlich zu Hause leiten müssen. Es ist die Pflicht der Eltern, den Kindern zu erzählen.

Josua hatte das richtig verstanden. Er sagt bei seiner Verabschiedung in Josua 24, wo ganz Israel kollektiv versammelt ist und diesen Auftrag bekommt – wo er sich aber bewusst wird, dass er familiär diesen Auftrag umsetzt: Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen. Es beginnt in der kleinsten Zelle der Gemeinde. Abraham – Gott sagt zu Abraham: Ich habe ihn ersehen, dass er seinen Kindern und seinem Haus nach ihm gebiete, den Weg des Herrn zu bewahren.

Nun, Gottes Prinzip ist klar und unmissverständlich: Du sollst Gottes Wort deinen Kindern einschärfen und davon reden – zu Hause, wenn du unterwegs bist, wenn du dich niederlegst, wenn du aufstehst. Wie du das umsetzt, nun, das bleibt dir überlassen. Du kannst sehr gerne kreativ sein, aber du kannst die Aufgabe nicht weiter delegieren – auch nicht an den Kassettenrekorder oder den MP3-Player oder was auch immer. Dieser Auftrag gilt, unabhängig ob die Mehrheit des Volkes lesen kann oder nicht.

Gott gibt hier diesen Auftrag, und die meisten konnten gar nicht lesen. Aber die Aufgabe war da, es ihren Kindern einzuschärfen, das, was sie wussten und gehört hatten. Dieser Auftrag gilt, abhängig ob man eine Schriftrolle zu Hause hat oder keine zu Hause hat, oder ob du eine ganze Bibliothek in der Hosentasche hast. In der meisten Zeit der Geschichte hatten die Gläubigen keine Bibel zu Hause, und trotzdem war das ihr Auftrag. Dieser Auftrag gilt unabhängig, ob es in unserer Sprache viele Ressourcen gibt oder nicht. Preis den Herrn – es gibt sie! Nun, wir sind in Deutschland reich gesegnet mit so viel gutem Material. Und das macht unsere Ausrede nur noch schlechter, nebenbei.

Und auf der Webseite leuchtturm.info haben wir einen Blogartikel schon lange angefertigt – Material für Kinder – und hat ein paar Dinge zusammengestellt, die du durchgehen kannst: Bücher zum Vorlesen, Kinderbibeln, Hörbücher für Kinder, Missionsgeschichten, Lebensbilder – so viele Ressourcen, die es gibt, die du nutzen kannst, um diesen Auftrag, den du hast, umzusetzen.

Die Familienandacht

Und ich möchte unsere Aufmerksamkeit auf ein Mittel lenken, besonders auf ein Mittel heute, das Gott gebraucht, damit du deinen Auftrag umsetzt – und zwar die Familienandacht. Die Familienandacht ist keine moderne Erfindung, sondern sie ist so alt wie Gottes Gebot selbst.

Und es gibt viele Gründe, die uns abhalten, regelmäßig Familienandacht zu tun. Es gab so Statistiken – ich würde gerne bei uns in der Gemeinde mal eine durchführen, anonym natürlich, aber einfach um zu hören, wie regelmäßig Familienandacht betrieben wird. Ich glaube, die meisten scheitern schon am Plan: »Was sollen wir überhaupt lesen?« Man ist sich nicht bewusst, welche Auswirkungen es hat. Oft sind wir zu bequem, oder manchmal fehlt es an den Männern, Initiative zu ergreifen. Ich glaube, der häufigste Grund ist, dass man ein zu perfektionistisches Bild von Familienandacht hat. Wenn die Familienandacht nicht perfekt ist, dann mache ich lieber gleich gar nicht. Wenn sie nicht 30 Minuten geht, wenn nicht alle mitmachen, wenn nicht alle mitsingen, wenn nicht alle ermutigt und begeistert sind, dann lohnt es sich gar nicht zu beginnen. Wenn nicht alle ruhig da sitzen und auf nichts anderes warten als dass Papa endlich beginnt, die Bibel aufzuschlagen – vergiss es, das wird nie geschehen.

Nun, es gibt die nicht, die perfekte Situation. Aber ich denke, der Hauptgrund, warum wir – beziehungsweise warum statistisch gesehen drei Viertel aller christlichen Eltern – Familienandacht schleifen lassen, ist, weil es ein geistlicher Kampf ist. Es ist ein geistlicher Kampf um deine Seele, und es ist ein geistlicher Kampf um die Seele deines Kindes. Es ist nicht so, dass für einen Film oder irgendeine Serie immer noch genügend Zeit da ist, aber nicht für das Wichtigste der Welt, für Gott.

Arthur Pink, ein großer Theologe des 20. Jahrhunderts, sagt folgendes: »Die Vorteile der Familienandacht sind unermesslich. Zunächst wird die Familienandacht viele Sünden verhindern. Sie macht die Seele ehrfürchtig, vermittelt ein Gefühl von Gottes Majestät und Autorität, führt dem Denken feierliche Wahrheiten vor Augen und bringt Gottes Segnungen für das Zuhause.« Wie gut zusammengefasst. Familienandacht ersetzt den Gottesdienst nicht, aber bereitet darauf vor.

Nun, was zu Hause nicht geschieht, wird in der Gemeinde nicht geschehen. Wenn wir sagen, dass uns Gottes Wort, dass uns Gott und sein Wort wichtig ist, das aber zu Hause nie lesen – dann merken alle, dass die Taten lauter sprechen als die Worte. Familienandacht rettet deine Kinder nicht, aber Gottes Wort wirkt gegen den geistlichen Niedergang in unserer Zeit. Wir können die Kinder nicht beschützen vor allem, was da draußen in unserer Gesellschaft vor sich geht, aber wir können ihr Inneres beeinflussen.

Der Bruder von Joel Beeke – ein bekannter Theologe, der auch viele Kinderbücher geschrieben hat – sein Bruder hat folgendes zu seinem Vater gesagt. Und offensichtlich hatte er auch eine Odyssee hinter sich, wo er, nachdem er aufgewachsen ist im Elternhaus, Dinge verlassen hat. Er sagte folgendes zu seinem Vater: »Die früheste Erinnerung, die ich habe, ist, wie du uns mit Tränen in den Augen die ›Pilgerreise‹ sonntagabend vorgelesen hast und wie der Heilige Geist Gläubige leitet. Gott hat dich damals, als ich drei Jahre alt war, gebraucht, um mir beizubringen, dass das Christentum wahr ist. Unabhängig, wie weit ich mich in späteren Jahren davon entfernt habe, konnte ich nie ernsthaft daran zweifeln.«

Unglaublich. Das ist, was wir tun wollen: unsere Kinder prägen mit den Wahrheiten Gottes. Und wir wissen nicht, wie sie sich entfernen, wann sie sich entfernen, ob sie sich entfernen. Aber dass das tief in ihrem Herzen gepflanzt ist – das ist das Wichtigste.

Fang einfach an und sei beständig. Es ist nie zu spät zu beginnen. Wenn du bisher noch nicht begonnen hast, fang heute Abend das erste Mal an. Wenn du Familienandacht längere Zeit hast schleifen lassen, fang heute Abend wieder an. Mach es nicht kompliziert, mach es nicht staubtrocken. Die Familienandacht ist keine Predigt, wofür du 20 Stunden Vorbereitung brauchst.

Nun drei Schritte – merkt ihr, drei Schritte. Lieber Mann, und die Frauen können für ihre Männer mitschreiben.

Erstens:

Trommel alle zusammen.

Vielleicht denkst du: »Okay, wie soll ich starten?« – Fang an, alle zusammen zu trommeln. Jeder soll teilnehmen, vom Kleinsten bis zum Größten. Gerne auch Besucher, die gerade zu Gast bei euch sind oder was auch immer. Und ob ihr zu zweit seid und noch keine Kinder habt, oder ob ihr einen ganzen Bus voller Kinder habt – jeder soll teilnehmen. Kündige es an, damit alle es wissen. Plan die Zeit, so dass wenn möglich alle im Haus dabei sind, und überleg einfach, was der beste Zeitpunkt und der Ort für euch als Familie ist. Bei uns ist es während der Schulzeit in der Regel am Abend nach dem Abendessen, aber im Urlaub gerne auch vormittags, bevor wir etwas unternehmen. Du musst wissen – plan! Vielleicht kannst du morgens beim Frühstück vor der Schule mit den Kindern schon einen Kalender, ein Andachtsbuch für Kinder lesen und einfach nur beten.

Nun, lieber Vater, Gott fragt dich nicht, ob du 10 Euro mehr oder weniger am Ende des Monats nach Hause gebracht hast, sondern er fragt dich, ob du deine Kinder im Wort Gottes angeleitet hast. So wichtig! Du musst liebevoll Initiative ergreifen.

Nun, liebe Mütter, falls er es erst vergessen sollte, dann kannst du einfach schon mal die Teller nach dem Essen hinschieben oder alle schon mal sammeln und ein bisschen das Andachtsbuch rüberschieben – was auch immer notwendig ist. Macht die Familienandacht nicht zu einer steifen, kalten Kirchenatmosphäre, wo niemand hingehen will und sitzen will. Nun, natürlich sollen die Kinder lernen, ruhig zu sitzen und zuzuhören und nicht mit Spielsachen abgelenkt zu sein. Aber wenn der Zweijährige auf dem Boden krabbelt und mit seinem Kuscheltier leise ist, dann ist es okay, wenn er die anderen nicht ablenkt.

Zweitens:

Schlag einfach Gottes Wort auf und lies.

Okay, ist nicht schwer. Meistens stellt man sich die Frage: »Was lese ich?« Nun, das musst du entscheiden. Aber schlag einfach Gottes Wort auf und lies. Die Andacht soll nicht als Checkliste abgearbeitet werden, sondern du willst, dass sie lernen, die Kinder. Du willst, dass sie verstehen. Du willst, dass sie das anwenden – nicht einfach nur abgehakt. Vermeide es, staubtrocken und todlangweilig zu sein. Und hab das Alter der Kinder und die Reife der Kinder vor Augen. Wenn du die Kinder vor Augen hast, dann passt du sehr wahrscheinlich automatisch das Niveau an deine Kinder an – was du liest und wie du liest. Wenn du die Kinder vor Augen hast, dann weißt du ungefähr, wie lange die Familienandacht gehen kann und wie lange sie besser nicht gehen sollte.

Du willst nicht jeden Tag überlegen: »Was lese ich heute?« Du kannst gerne das Familienandachtsbuch von »Generation der Gnade« benutzen. Wer es noch nicht hat: Allen Familien unserer Gemeinde und allen, die es werden wollen, die bekommen eins gratis. Meldet euch einfach nur bei Ralf. Wir wollen euch ermutigen und helfen. Du kannst die Kinderbibel für die Kleinen durchgehen, du kannst die Missionsgeschichte durchgehen. Aber halte immer vor Augen, was dein Auftrag ist: die nächste Generation zu unterweisen mit Gottes Wort. Versuch, die Familie einzubeziehen beim Bibellesen – vielleicht liest jemand anders etwas vor. Aber sehr wahrscheinlich – lass nicht den Erstklässler Jeremia buchstabieren, das ermüdet alle. Stell Fragen! Kinder lieben Fragen. Und damit sieht man, ob sie zugehört haben, ob sie es verstanden haben. Fragen hämmern quasi das Gesagte noch einmal ein. Und hab die geistliche Entwicklung der Kinder vor Augen. Wenn die Kinder größer werden, ermutige sie zum selbstständigen Bibellesen.

Drittens:

Betet alle zusammen.

Thomas Brooks sagte: »Eine Familie ohne Gebet ist wie ein Haus ohne Dach – offen und ungeschützt für jeden Sturm aus der unsichtbaren Welt.« Ziemlich gut zusammengefasst. Bete kurz, nicht lange. Sei auch ein Vorbild, wie du betest. Lobe Gott, dan ke ihm, bete ihn an. Die Anliegen, die folgen, sowieso. Bete über das Gelesene. Nutze Gebetsanliegen oder Gebetskarten. Nutze die Gebetsanliegen, die wir im Wochenblatt als Gemeinde beten. Bete mit den Kindern für Gemeindemitglieder. Betet miteinander für die Herausforderungen des Alltags – die Klassenarbeit, für das Lernen, für die Charakterschwächen, für die Sünden. Bete vor deinen Kindern für ihre Errettung.

Ich bin immer wieder begeistert von Spurgeons Mutter. Was für eine unglaublich starke Theologin sie war – also keine Theologin im akademischen Sinne, aber sie hatte ein unglaubliches Verständnis. Spurgeon erinnert sich sehr oft daran, wie seine Mutter unter Tränen für ihn betete, während er da war. Und sie sagte folgendes: »Herr, du weißt, wenn diese Gebete nicht in Charles‘ Bekehrung erhört werden, werden genau diese Gebete am Tag des Gerichts gegen ihn zeugen.« Spurgeon schrieb: »Der Gedanke, dass die Gebete meiner Mutter am Tag des Gerichts als Zeugnis gegen mich dienen würden, versetzte mein Herz in Angst und Schrecken.« Und es sind Elemente, die Gott gebraucht hat, um ihn zu überführen, um ihn zur Rettung zu führen.

Zwing deine Kinder nicht zum Beten. Aber du kannst sie ermutigen – auch wenn sie noch nicht gerettet sind. Eines Tages werden sie so oder so ihre Knie vor dem lebendigen Gott beugen müssen. Sie können Gott genauso loben, ihm danken, ihn um Vergebung bitten, ihn darum bitten, dass er sie rettet.

Nun, das ist einfach – oder? Drei Dinge: Trommel alle zusammen, schlag Gottes Wort auf und bete zusammen. Setz die Latte nicht zu hoch, weder für dich noch für die anderen, die dabei sind. Halt dich lieber kürzer als länger – lieber fünf kurze Minuten als 20 langatmige. Lass dich nicht entmutigen, wenn es manchmal frustrierend wird. Es gibt nicht die richtige Art, sondern die Hauptsache ist, dass du beginnst, die Verantwortung anzunehmen. Fang an und sei beständig. Und dann könnt ihr weitere Elemente noch hinzufügen, ob es Singen ist oder Mitsingen. Du willst deinen Kindern einschärfen, du willst Gottes Wort zur Gewohnheit werden lassen. Und genauso wie die alltäglichen Routinen dazu führen, dass die Liebe zu Gott abnimmt, genauso können geplante Routinen dazu führen, dass dem vorgebeugt wird – nämlich die Zeit in Gottes Wort.

Gottes Wort überall

Lehren und Leben – nun kommen wir zu Vers 8 und Vers 9. Da sagt Gott: Und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden und sie sollen dir zum Erinnerungszeichen über den Augen sein. Du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben.

Nun, diese zwei Verse veranschaulichen, wie und wo Gottes Wort gelebt werden soll – nämlich überall. Er sagt hier: »Zum Zeichen auf deine Hand binden.« Nun, stell dir vor, folgendes: Du würdest, metaphorisch gesprochen, bildhaft Gottes Worte irgendwie so an deine Hand binden. Was würde geschehen? Du hast Gottes Wort quasi immer an der Hand. Und was geschieht bei all dem, was du tust? Du hast Gottes Wort vor Augen. Richtig. Und genau das ist der Punkt: nämlich Gottes Wort soll all das, was wir tun, lenken und eingrenzen und beschränken. Und es soll sich in den Bahnen aufhalten, im Einklang sein mit dem Wort Gottes.

Und dann sagt er: »Als Erinnerungszeichen über den Augen.« Nun, stell dir vor, du hättest irgendwie so über den Augen immer Gottes Wort eingeblendet – das wäre cool, nicht wahr? So als unsichtbare Glasbrille irgendwie. Und was bewirkt es, wenn du quasi immer rumläufst und du siehst quasi in deiner unsichtbaren Brille immer da oben Gottes Wort? Das leitet dich. Richtig. Alles, was du siehst und was du denkst und wie du die Welt da draußen beurteilst, wird alles von Gottes Wort geprägt und nach Gottes Wort gemessen – nach Gottes Weltanschauung, nicht nach der irdischen Weltanschauung.

Und dann heißt es: »Auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore.« Das bedeutet, dass Gottes Gesetz im Haus gelebt werden soll, aber auch in der größeren Gemeinschaft – also die Stadttore. Gottes Wort soll nicht nur zu Hause sein, sondern überall soll Gottes Wort ausgelebt und praktiziert werden.

Nun, wenn du schon mal in Israel warst oder Bilder von der Klagemauer gesehen hast, dann wirst du wahrscheinlich jetzt sagen: »Warte mal, die Juden nehmen das wortwörtlich, nicht wahr?« Da gibt es so etwas wie Gebetsriemen, die sie beim Morgengebet um die linke Hand wickeln und die sie sogar über die Stirn sich hinwickeln und da festmachen – allerdings nur beim Morgengebet. Also stellt man sich die Frage: Warum nicht den Rest des Tages? Und auch in der Regel nur die Männer. Die werden auch Tefillin oder Phylakterien bezeichnet. Und dann haben die Juden noch etwas: Über jeder Wohnraumtür – außer Bad, WC, Kellergeschoss und Abstellraum – da wird so eine Mesusa angebracht. Plural: Mesusot. Sogar – wer schon in Israel war – auf dem großen Stadttor Jerusalems, dem Jaffator – quasi Gottes Wort an dem Türpfosten angenagelt.

Genau das ist das Problem, nämlich das Problem in ihrer Hermeneutik: Sie unterscheiden nicht zwischen Metapher und Realität. Sie machen die Metapher zu einer Realität. Sie wollen die Metapher wortwörtlich nehmen und auslegen. Nun, die Frage ist legitim: Sind diese Worte, die Gott hier gibt, bildlich zu verstehen, oder sollen sie wirklich wortwörtlich umgesetzt werden – soll man sich quasi Gebetsriemen machen und Gottes Wort dahineinlegen und so weiter? Nein. Und wenn sie diese Worte wortwörtlich auslegen und nicht als Metapher – was machen sie mit Vers 6? Diese Worte sollst du über dem Herzen tragen. Also da gab’s noch kein irgendwie Gehänge oder Halskette.

Außerdem werden so ähnliche Redewendungen häufig verwendet. Sprüche z.B.: Gnade und Wahrheit, binde sie um deinen Hals, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens. Nun, wie bindet man sich Gnade und Wahrheit um den Hals? Also, gute Frage. Sprüche 7: Binde sie, das Wort Gottes, um deinen Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens. Oder 2. Mose 13 – da wird die Erstgeburt erwähnt: Sie soll dieselbe Redewendung tragen: Wie ein Zeichen in deiner Hand sein und ein Erinnerungszeichen vor deinen Augen – dieselben Worte, ein Erinnerungszeichen vor deinen Augen. Also, es ist eindeutig als Bild zu verstehen, metaphorisch zu gebrauchen.

Nun, diese Gebetsriemen gab es schon zur Zeit Jesu. In Qumran hat man einige Originale aus der Zeit Jesu ausgegraben. Und Jesus selbst erwähnt die in Matthäus 23, Vers 5. Und er verurteilt nicht das Tragen – er sagt nicht: »Ach, schmeiß sie weg, sowieso nutzlos.« Er verurteilt ihre heuchlerische Hermeneutik. Sie meinen nämlich, wenn sie diese Gebetsriemen tragen, dann erfüllen sie Gottes Gebot. Und Jesus sagt: »Nein, ihr erfüllt auch mit den Gebetsriemen Gottes Gebot nicht.« Gottes Wort soll überall dich leiten. Das ist, was hier gemeint ist: Du sollst dir an die Hand binden, oder es soll über den Augen sein – Gottes Wort soll alles beurteilen, und alles soll an Gottes Wort beurteilt werden.

Das war Melanchtons Ziel: nicht nur lesen und schreiben beizubringen, sondern um in allen Bereichen das tun zu können, was Gott gefällt. Lieben und Lesen. Lehren und Leben.

Das kostbarste Erbe

Das kostbarste Erbe für unsere Gesellschaft, für unsere Generation und für die nächste Generation ist nicht ein schweres Testament. Es ist nicht Ländereien und hohe Summen. Noch nicht mal zwingend lesen und schreiben zu können. Es ist auch nicht gute Werte oder eine gute Schulbildung oder selbstständiges Denken. Sondern: Lieben und Lesen, Lehren und Leben.

Das kostbarste Erbe, das du deinen Kindern mitgeben kannst, ist, dass du den Herrn liebst – mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit aller Kraft. Dass du sein Wort liebst, dass du es aus Liebe befolgst und nicht aus Pflichtgefühl. Und dass du die nächste Generation anleitest, dasselbe zu tun.

Nun, wenn die nächste Generation den Herrn liebt mit ihrem ganzen Herzen, ihrer ganzen Seele und aller Kraft, dann ist es das Wertvollste. Es ist wertvoller als drei Groschen, die sie im Testament von dir erben werden – unabhängig, wie arm oder reich sie sein werden, unabhängig, wie gebildet oder nicht gebildet sie sein werden, unabhängig, wo sie auf dem Planeten sein werden, unabhängig, welchen Beruf sie haben, ob sie verheiratet sind oder nicht verheiratet sind. Ihnen werden die kostbaren Segnungen Gottes zuteil. Warum? Weil wir wissen: Denen, die Gott lieben – das ist, was wir beibringen wollen –, allen Dingen, egal was es ist, zum Besten mitwirken. Wenn der Herr segnet, ist alles andere zweitrangig.

Lass uns aufstehen und zum Schluss beten.

Herr Jesus Christus, wir danken dir so sehr für diese Worte im Alten Testament, das Schma Israel – »Höre Israel, der Herr ist unser Gott«. Ja, du selbst hast diese Worte gelesen, du hast sie zitiert, ja, du selbst hast sie inspiriert und sie gegeben, um immer wieder daran erinnert zu werden. Herr, es geht nicht darum, formell dir zu gehorchen mit einem widerwilligen Herzen, sondern du willst, dass wir dich lieben – mit unserem ganzen Herzen, unserer ganzen Seele und all unserer Kraft. Und so oft versagen wir darin, und wir haben es notwendig, Buße zu tun darüber. Aber danke, dass wir bei dir Vergebung finden, dass bei dir vollkommene Liebe da ist, dass wir lieben können, weil du uns zuerst geliebt hast. Herr, wir haben so viel Grund, dich zu lieben, und wir wollen dich ehren und dich anbeten. Herr, mögen diese Worte, die wahrscheinlich fast jeder Israelit jeden Tag betet, auch tief in unser Herz dringen und zu unserer Grundhaltung werden – dich zu lieben, dein Wort zu lieben und diese Liebe an die nächste Generation weiterzugeben. Wir beten dich an. Amen.

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