Powered by RedCircle
Warum bist du heute hier? Hast du schon mal darüber nachgedacht, was du stattdessen tun könntest? Dein Nachbar hat heute noch mal ausgeschlafen und sitzt gerade am Frühstückstisch, aber du bist hier. Was bringt dir das?
Und in Psalm 73 stellt sich Asaf diese Frage. Asaf lebte zur Zeit von König David und König Salomo, also etwa vor 3000 Jahren. Und wir wollen uns jetzt mal in die Zeit hinein versetzen, in einen Israeliten, der zu dieser Zeit lebte.
Du zerrst dieses Schaf durch die Gassen von Jerusalem. Dir ist deine Sünde deutlich bewusst und daher willst du dieses Schaf Gott opfern, wie er es seinem Volk geboten hat.
Für dieses Schaf musstest du leider auf deine Ersparnisse zurückgreifen, die du eigentlich für ein neues Gewand für deine Frau zurückgelegt hattest, weil ihres schon rissig ist und nicht mehr lange halten wird. Sie hatte nur verständnisvoll genickt, mit Tränen in den Augen, als du ihr gesagt hattest, dass du wieder gesündigt hast. Das Schaf ist widerwillig, als wüsste es, was kommt.
Nur noch durch diese Wohngegend und dann sehen wir schon den Tempel. Und hier fällt mal wieder auf, wie reich diese Wohngegend ist, aber auch gottlos, denn überall stehen Götzenstatuen. Woher haben die all ihr Gold und all ihr Silber?
Ein korpulenter Mann, der scheinbar nicht gucken muss, wie er über die Runden kommt, grinst dich höhnisch an: »Na, noch ein Schaf – das bringt dir doch nichts. Gott stört sich nicht daran. Ich habe mit all diesen Geboten schon längst aufgehört. Ich mache jetzt, was ich will, gehe verschiedenen Geschäften nach, habe überall meine Finger im Spiel – und es geht mir besser als vorher.«
Du versuchst ihn zu ignorieren, aber dir entgeht nicht das neue teure Gewand, das eine seiner Frauen trägt, die gerade im Haus verschwindet. Irgendwie hat er schon recht. Du bemühst dich, Gott zu gefallen, und du kommst dabei kaum über die Runden. Und dieser Mann kümmert sich nicht um Gott und ihm geht es besser als vorher.
Und du hast auch schon darüber nachgedacht, wie du vielleicht an etwas mehr Reichtum kommst, wenn du nicht alle Gebote befolgst. Warum segnet Gott nicht die Gottesfürchtigen, die wirklich tun wollen, was er sagt, die wirklich für ihn leben wollen? Er hat doch gesagt, dass er die segnet, die seine Gebote befolgen, und dass er die verfluchen wird, die seine Gebote nicht befolgen.
So eine Situation könnte die Grundlage für Psalm 73 gewesen sein. Und ein Psalm ist, wie ihr wahrscheinlich wisst, ein Lied, eine Poesie, ein Gebet, das für die Anbetung Gottes im Tempel geschrieben wurde. Und der Autor eines Psalms macht sich also Gedanken darüber, was er sagt und wie er es sagt. Asaf hat in Psalm 73 eine klare Struktur benutzt. Er benutzt eine Spannungskurve, die absichtlich aufbaut, und teilt damit diesen Psalm in zwei Abschnitte. Die erste Hälfte zeigt Asafs Problem auf und die zweite Hälfte zeigt die Lösung von diesem Problem.
Lasst uns Psalm 73 aufschlagen und dann die erste Hälfte lesen.
Ein Psalm Asafs. Nur gut ist Gott gegen Israel, gegen die, welche reines Herzens sind. Ich aber – fast wäre ich gestrauchelt mit meinen Füßen, vielleicht hätte ich einen Fehltritt getan, denn ich beneidete die Übermütigen, als ich das Wohlergehen der Gottlosen sah. Denn sie leiden keine Qual bis zu ihrem Tod und ihr Leib ist wohl genährt. Sie leben nicht in der Not der Sterblichen und sind nicht geplagt wie andere Menschen. Darum ist ihr Hochmut ihr Halsschmuck und Gewalttat ist das Gewand, das sie umhüllt. Ihr Gesicht strotzt von Fett. Sie bilden sich sehr viel ein. Sie höhnen und reden boshaft von Bedrückung. Hochfahrend reden sie. Sie reden, als käme es vom Himmel. Was sie sagen, muss gelten auf Erden. Darum wendet sich auch sein Volk ihnen zu und es wird von ihnen viel Wasser aufgesogen. Und sie sagen: Wie sollte Gott es denn wissen? Hat denn der Höchste Kenntnis davon? Siehe, das sind die Gottlosen. Denen geht es immer gut und sie werden reich. Ganz umsonst habe ich mein Herz reinhalten, meine Hände in Unschuld gewaschen, denn ich bin doch den ganzen Tag geplagt worden und meine Züchtigung war jeden Morgen da. Wenn ich gesagt hätte, ich will ebenso reden, so hätte ich treulos gehandelt am Geschlecht deiner Söhne. So sann ich denn nach, um dies zu verstehen, aber es war vergebliche Mühe in meinen Augen.
Wir können diesen ersten Teil überschreiben mit: Durch Kurzsicht kommen Zweifel. Und das ist auch der erste Punkt: Durch Kurzsicht kommen Zweifel.
Die meisten wissen, dass David die meisten Psalmen geschrieben hat. Aber jetzt taucht hier Asaf auf. Wer war Asaf? Asaf war ein Mann aus Israel, aus dem Stamm Levi, also dem Stamm, der für den Dienst am Tempel eingeteilt wurde. Und Asaf lebte eigentlich in der Blütezeit von Israel, also zur Zeit von David und Salomo, und trotzdem spricht er hier in Vers 8 von Bedrückung durch Gottlose.
Als David in Israel den Gottesdienst wieder richtig einführte, da hat er neben anderen auch Asaf dazu bestimmt, im Haus des Herrn mit Gesang und Musik das Volk Gottes im Gottesdienst anzuleiten. Und in 1. Chronik 25, Verse 1 bis 2 lesen wir von Asafs Amtseinsetzung und seinem Auftrag:
»Und David samt den Heerführern sonderte von den Söhnen Asafs, Hemans und Jedutuns solche zum Dienst aus, die weissagten, zum lauten Harfen- und Zimbelspiel. Die Zahl der Männer, die diesen Dienst verrichteten, war: von den Söhnen Asafs – Sakkur, Josef, Netanja, Asarela, die Söhne Asafs unter der Leitung Asafs, der nach Anweisung des Königs weissagte.«
Wir lernen hier über Asaf, dass er weissagte. Das Wort, das hier mit »Weissagen« übersetzt ist, ist dasselbe Wort wie »Prophet« oder »prophetisch reden«. Und das meint nicht zwangsläufig, zukünftige Dinge zu verkündigen, sondern es bedeutet, Aussprüche Gottes zu reden. David hat also diese Männer, unter anderem Asaf, dazu beauftragt, nicht einfach nur nette Lieder zu singen, sondern sie sollten im Auftrag Gottes das Volk mit Liedern zum Lobpreis und zur Ehre Gottes anleiten. Sie haben Gottes Wort gesprochen. Gott wollte durch sie reden. Und in Psalm 73 sehen wir eines dieser Lieder niedergeschrieben, die Asaf zur Anbetung im Tempel geschrieben hat.
Damit war Asaf so eine Art Anbetungsleiter, ein Chorleiter oder Musikleiter im Tempel, damit Gottes Volk Gott anbetet. Wir sehen hier im Psalm auch, dass er eine persönliche Beziehung zu Gott hat. Er spricht mit ihm. Er hat eine große Sicht von Gott. Und wenn wir jetzt in Vers 1 schauen, da heißt es, dass er sagt, nur Gutes ist Gott gegen Israel. Er war eigentlich davon überzeugt, dass Gott gut ist gegenüber Israel und gegenüber denjenigen, die reines Herzens sind. Und ich sage »eigentlich«, weil er in den nächsten Versen diese Überzeugung hinterfragt – sein Glaube bekommt Risse.
In den Versen 2 und 3 seht ihr, dass er beinahe gestrauchelt wäre, weil er die Gottlosen mit ihrem Wohlergehen beneidete. Straucheln bedeutet, er hat beinahe den Glauben aufgegeben. Und Asaf erlebt hier Umstände in seinem Leben, die zweifeln lassen.
Die Aussage zu beginnen, dass Gott gut ist, ist wie eine These, die ihr aufstellt und die es jetzt zu prüfen gilt, denn direkt danach sagt er: »Fast wäre ich gestrauchelt. Ich aber – fast wäre ich gestrauchelt.«
Asaf war gläubig. Er gehörte Gott und hatte eine persönliche Beziehung zu Gott. Und dennoch wäre er hier beinahe gestrauchelt. Und was hat ihn fast straucheln lassen? Die Antwort ist auch in Vers 3: Er hat die Gottlosen beneidet. Seine Überzeugung, dass Gott gut gegenüber denen ist, die reines Herz haben, kollidierte völlig mit dem Reichtum, den die Gottlosen haben. Ihre Gesundheit und ihre stolze Haltung passten irgendwie nicht zu dem zusammen, was Gott geboten hat. Da müsste Gott doch eingreifen. Asaf müsste es gut gehen und dem Gottlosen müsste es schlecht gehen. Und Asaf fragt sich: Ist Gott gut? Ist er wirklich gut gegenüber Israel und gegenüber denen, die reines Herzens sind?
Und dass Asaf hier die Gottlosen beneidet, lässt schon darauf schließen, dass es den Gottlosen besser ging als ihm. Wir neiden, wenn wir uns ärgern, dass andere etwas haben, was wir wollen, und wir meinen, dass es eigentlich uns zusteht. So wie unser Nachbar jetzt gerade frühstückt und ausschlafen kann, aber wir hier teilweise müde im Gottesdienst sitzen – lohnt sich diese Mühe?
Der Israelit sieht diesen korpulenten Mann, der reich und gottlos ist, und er fragt sich, ob das so richtig ist. Passt das zu Gott? Was hatten die Gottlosen, was eigentlich er haben sollte? Und Asaf führt das hier noch weiter aus. Schaut mal in den Versen 4 und 5, da spricht er davon, dass sie keine Qual bis zu ihrem Tod hatten, ihr Leib ist wohl genährt, sie hatten keine Not und sind nicht geplagt wie andere Menschen.
Was Asaf bei den Gottlosen sieht, ist das, was ihm zusteht als jemand, der den Geboten Gottes folgt. Stattdessen hat der Gottlose genügend Essen und weniger Leid in diesem Leben. Sie sind wohl genährt, sie schlafen friedlich ein. Sie müssen sich nicht so mit der Arbeit abmühen, wie Asaf es musste oder wie andere Menschen. Und er beschreibt den Gottlosen hier so, als wäre der gar nicht mehr unter dem Fluch aus 1. Mose 3, wo es heißt, dass wir im Schweiße unseres Angesichts unser Brot essen müssen.
Du hast vielleicht deine Heimat für Gott aufgegeben, bist ins schöne Ostberlin gezogen und das Leben ist hier schwerer als vorher. Andere ziehen nach Berlin, um mehr Geld zu verdienen. Ein Umzug mit mehr Problemen macht irgendwie keinen Sinn. Was bringt dir das?
Asaf würde gerne diese Lebensqualität haben, die die Gottlosen haben, aber er hat sie nicht. Und in den Versen 6 bis 12 beschreibt er jetzt den Gottlosen. Wenn man das so liest, kann man Asaf schon gut verstehen, warum er zweifelt, warum es ihn so herausgefordert hat. Es ist allen bekannt, dass sie hochmütig und gewalttätig sind. Sie tragen es wie Kleidung am Körper, wie ein Aushängeschild. Alle sehen es und sie tragen es stolz wie eine Kette um den Hals. Ihr Gesicht strotzt von Fett – es ist wieder eine Anspielung auf ihren Reichtum, auf ihre Gesundheit, dass sie wohl genährt sind – und sie halten sehr viel von sich selbst.
Ihr Reden ist von zwei Dingen geprägt: von Bedrückung und von Gotteslästerung. Und das sind die Verse 8 und 9. Sie reden hochfahrend, als käme es vom Himmel, und es muss hier auf der Erde gelten. Sie unterdrücken und bedrohen andere und gleichzeitig reden sie, als wäre es von Gott. Sie bilden sich ein, dass Gott sie segnet oder dass er sich zumindest nicht daran stört, dass er ihnen nichts anhaben kann.
Und genau wie der korpulente Mann am Anfang diesen Israeliten einfach angesprochen hat und sich über ihn lustig gemacht hat, so werden die Gottlosen auch hier im Psalm beschrieben. Und sicherlich kennst du Menschen, die sagen, dass der Glaube ja ganz nett sei, vor allem für hilflose und arme und alte Menschen – aber ich kann mir selber helfen. Ich bin ein Selfmade Man.
Dir ist bewusst, dass du mit ein paar Tricks bessere Noten bekommen könntest, aber du lässt es, weil du für Gott lebst. Deine Klassenkameraden und Lehrer machen sich über deinen Glauben lustig und du weißt, welches Auto sie fahren und in was für einem großen Haus sie wohnen. Ihnen geht es besser, obwohl sie Gott lästern. Das ist doch nicht gut.
Und das Schlimme ist, dass das Volk Gottes diesen Menschen auch noch glaubt. Das ist Vers 10. So wie Fliegen und Mücken von einem leuchtenden Elektroschocker angezogen werden, der ihren Tod bedeutet, so wird das Volk Gottes von diesen gottlosen Großmäulern angezogen.
Ihre hochmütige Gotteslästerung wird dann noch mal in Vers 11 deutlich: »Hat denn der Höchste Kenntnis davon?« Ja, er weiß es – er ist allwissend –, aber das macht gerade ihren Hochmut deutlich. Vielleicht überlegen sie: Wenn Gott noch nicht eingegriffen hat, dann weiß er es etwa nicht, oder er stört sich nicht daran, oder es gibt ihn gar nicht. Dieses Denken ist, glaube ich, uns allen bekannt, dass wir das schon mal gehört haben. Solche Aussagen wie: Bei so viel Leid in der Welt kann es keinen Gott geben.
Und Asaf war nicht weit davon entfernt, auch so zu denken. Er hatte auch schon angefangen, an Gott zu zweifeln. Der Blick auf die Umstände hat ihn zweifeln lassen. Und das ist doch nachvollziehbar, oder? Regierungen legen Gesetze fest und der fleißige Arbeiter muss sie auslöffeln, obwohl er ohne Arbeit vielleicht sogar besser dran wäre. Bekommt Gott das wirklich mit?
Hätte der Israelit am Anfang, der das Schaf durch die Gassen zerrt, seiner Frau ein neues Gewand gekauft, dann würde es seiner Frau jetzt besser gehen und er hätte die Zeit nutzen können, um arbeiten zu gehen, um sich auch ein neues Gewand zu kaufen. Wenn du aufhörst zu spenden und deine Zeit und dein Geld statt für die Bibelschule lieber für Spaß verwendest, könntest du vielleicht dieses Jahr noch ein zweites oder drittes Mal in den Urlaub fahren. Generell scheinen die Menschen doch ohne Gott viel mehr Spaß zu haben.
Wenn man diese Perspektive einnimmt, die Asaf hier hat, dann müssen wir sagen: Asaf zweifelt zurecht. Ohne Gott wird es uns hier besser gehen. Und so ist seine Reaktion in den Versen 13 bis 15, dass all sein Mühen und seine Gottesfurcht umsonst ist: »Ganz umsonst habe ich mein Herz reinhalten.«
Asaf sieht die Umstände um ihn herum. Er sieht, wie die Gottlosen an Reichtum zunehmen, obwohl sie Gott lästern. Und schaut mal, wie es Asaf vergeht. Er sagt: »Denn ich bin doch den ganzen Tag geplagt worden und meine Züchtigung war jeden Morgen da.« Es wird nicht beschrieben, was diese Züchtigung ist. Er nennt es hier eine Erziehungsmaßnahme Gottes. Und was hat er davon? Was hat er von einem Leben, das allein auf Gott gerichtet ist? Sein Fazit ist: nichts.
Und in Vers 15 sehen wir dann, dass er sogar mit dem Gedanken spielt, genauso zu reden wie die Gottlosen: »Hat denn der Höchste Kenntnis davon?« Aber das hätte nicht zu seinem Auftrag als Anbetungsleiter gepasst. Hätte er so gesprochen, so hätte er seinen Dienst missbraucht, dann wäre er dem Volk Gottes untreu gewesen. Und untreue Leiter sind nicht nur Gott untreu, sondern auch dem Volk. Aber was für einen Unterschied hat es denn gemacht, dass er treu geblieben ist? Den Gottlosen geht es besser und das Volk läuft ihnen nach.
Es gibt doch auch in unserem Leben keinen bis kaum einen Anreiz, für Gott zu leben. Du hast weniger Geld, weniger Zeit, mehr Probleme mit anderen Menschen. Was bringt uns das? Wärst du kein Diener in dieser Gemeinde, hättest du auch weitaus weniger Sorgen und du hättest mehr Zeit, deinen Hobbys nachzugehen.
Asaf konnte es nicht verstehen. Gott hat mit Israel einen Bund gemacht. Demnach müsste es doch dem Gottlosen schlecht gehen und dem Gottesfürchtigen gut. Aber Asaf erlebt hier genau das Gegenteil. Wie kann es sein? Und Asaf versucht es zu verstehen in Vers 16. Er sagt, er sann nach, aber es war vergebliche Mühe. Wieso geht es dem Gottlosen so gut und dem Gottesfürchtigen so schlecht? Ist Gott nicht gut?
Asaf fragt sich, ob es sich lohnt, für Gott zu leben, aber es geht ihm schlechter als dem Gottlosen und es lässt ihn an Gottes Güte zweifeln. Ohne Kinder zu Hause könntest du deinen Hobbys oder einem Job nachgehen. Vielleicht wärst du im Sport oder in der Musik wesentlich weiter, wenn du sonntags oder unter der Woche nicht hier wärst. Was bringt uns also all dieses Abmühen, all die Zeit, all das Geld?
Durch Kurzsicht kommen Zweifel, dass Gott gut ist. Wenn wir nur auf diese Umstände schauen, nur auf das Hier und Jetzt, dann kommen wir zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass Gott es nicht gut mit uns meint. Es ist sinnlos, ihm nachzufolgen, und es wird uns besser gehen, wenn wir uns nicht für ihn interessieren würden. Wenn wir uns diese Gesellschaft anschauen, dann kommen wir zu dem gleichen Schluss, dass Leute machen können, was sie wollen, und es gibt keine Konsequenzen. Und vielleicht ist das auch ein Grund, warum du noch nicht zu Gott gekommen bist, warum du noch nicht an das Evangelium glaubst.
Aber worauf blickst du bei all dem? Du blickst auf das Hier und Jetzt. Du blickst auf die Umstände. Durch diesen Fokus kommen Zweifel, dass Gott einen guten Plan hat. Durch Kurzsicht kommen Zweifel.
Asafs Kurzsicht war der Grund, warum er hier an Gott zweifelte. Deshalb konnte er nicht verstehen, wieso es den Gottlosen besser ging als ihm. Lass dir Asafs Kurzsicht eine Warnung sein, eine Lehre. Er schaut die ganze Zeit auf die irdischen Umstände. Schau nicht auf das Hier und Jetzt, sonst gibst du beinahe den Glauben auf wie Asaf.
Asaf hat versucht zu verstehen, aber er verstand es nicht – bis es dann endlich Klick gemacht hat. Und was Asaf dann doch verstanden hat und wie es dazu kam, lesen wir jetzt in der zweiten Hälfte des Psalms ab Vers 17.
Und der zweite Punkt heißt: Durch Weitsicht wächst Gottvertrauen.
Wir lesen ab Vers 17:
»Bis ich in das Heiligtum Gottes ging und auf ihr Ende Acht gab. Fürwahr, du stellst sie auf schlüpfrigen Boden. Du lässt sie fallen, dass sie in Trümmer sinken. Wie sind sie so plötzlich verwüstet worden? Sie sind untergegangen und haben ein Ende mit Schrecken genommen. Wie man einen Traum nach dem Erwachen verschmäht, so wirst du, oh Herr, wenn du dich aufmachst, ihr Bild verschmähen. Als mein Herz verbittert war und ich in meinen Nieren das Stechen fühlte, da war ich töricht und verstand nichts. Ich verhielt mich wie ein Vieh gegen dich und dennoch bleibe ich stets bei dir. Du hältst mich bei meiner rechten Hand. Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich danach in Herrlichkeit auf. Wen habe ich im Himmel außer dir und neben dir begehre ich nichts auf Erden? Wenn mir auch Leib und Seele vergehen, so bleibt doch Gott ewiglich meines Herzens Fels und mein Teil. Denn siehe, die Fernen von dir gehen ins Verderben. Du vertilgst alle, die dir hurenhaft die Treue brechen. Mir aber ist die Nähe Gottes köstlich. Ich habe Gott, den Herrn, zu meiner Zuflucht gemacht, um alle deine Werke zu verkünden.«
Asaf hatte Mühe, es zu verstehen, warum es den Gottlosen so gut ging und ihm so schlecht – bis er in das Heiligtum Gottes ging und auf ihr Ende Acht gab. Asaf brauchte eine Neuausrichtung. Er war so sehr auf das Hier und Jetzt fokussiert, dass er die viel größere Realität aus dem Auge verlor. Erst im Tempel konnte er wieder richtig denken. Und was sah er im Tempel – beziehungsweise: Wer war im Tempel?
Gott war im Tempel. Er sah Gottes Heiligkeit. Er sah, dass man sich Gott nicht einfach so nahen konnte, sondern dass ein Opfer dargebracht werden musste, weil wir Menschen Sünder sind. Gott ist absolut rein. Er ist ohne Sünde und so weit erhaben über alles andere. Das ist Heiligkeit. Wir dagegen sündigen. Seitdem wir geboren wurden, sündigen wir gegen Gott. Unsere Zweifel sind Sünde gegen Gott. Unsere mangelnde Liebe ist Sünde gegen Gott. Unsere Liebe zur Welt ist Sünde gegen Gott.
Den ganzen Tag waren die Priester im Tempel damit beschäftigt, für das Volk Opfer darzubringen. Es wurden jeden Tag viele Tiere geschlachtet. Und das muss Asaf daran erinnert haben, dass es Gott um so viel mehr geht als um dieses Leben. Gott fordert den ewigen Tod von uns Menschen für unsere Sünden. Jeden Tag wurde ein Tier geschlachtet statt des Menschen. Und wenn kein Opfer dargebracht wird, dann bleibt es bei dem ewigen Tod für uns Menschen.
Gott wird eines Tages abrechnen. Er wird eines Tages alle Menschen richten und sie zur Rechenschaft ziehen. Wir dürfen uns nicht davon täuschen lassen, dass Gott das Gericht aufschiebt. Nur weil Gerechtigkeit nicht sofort hergestellt wird, heißt das nicht, dass es keine Gerechtigkeit geben wird. Und in Prediger 8, Verse 11 bis 12 stellt Salomo genau das schon fest:
»Weil der Richterspruch über die böse Tat nicht rasch vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder davon erfüllt, Böses zu tun. Wenn auch ein Sünder hundertmal Böses tut und lange lebt, so weiß ich doch, dass es denen gut gehen wird, die Gott fürchten, die sich scheuen vor seinem Angesicht.«
Das Gericht kommt bestimmt. Also bleibt die Wahl zwischen einem Tier zu opfern oder selbst das Gericht Gottes zu tragen. Und im Hebräerbrief wird dann deutlich, dass die Tiere niemals die Schuld wegnehmen konnten. Aber sie haben das Volk jeden Tag daran erinnert, dass das Lamm Gottes kommen wird, das die Sünden tatsächlich wegnimmt. Und dieses Lamm ist Jesus Christus. Er ist das Lamm, das einmal für alle Zeit geschlachtet wurde. Und jedes Tier, das für Asafs Augen geschlachtet wurde, sollte genau auf Jesus Christus hinweisen.
Sünde ist so schlimm, dass sie den Tod bedeutet – entweder deinen Tod oder den Tod Jesu Christi. Und Asaf weiß jetzt wieder, dass Gott nicht für immer den Gottlosen laufen lassen würde. Er wird eingreifen. Gott wird jeden Menschen eines Tages in den Gerichtssaal rufen – auch die, die sich über deinen Glauben und über deinen Gott lustig machen. Und dann wird es ein rasches Ende geben, wie es in den Versen 18 und 19 heißt.
Schaut mal rein: »Fürwahr, du stellst sie auf schlüpfrigen Boden« – und in Vers 19: »plötzlich verwüstet«. Es wird ein schreckliches, schnelles Ende geben, und das meint den Tod der Gottlosen hier auf der Erde. Asaf hatte im ersten Teil nur eine eingeschränkte Sicht. Da meinte er, sie haben keine Qual im Sterben. Aber hier in den Versen 18 und 19 sehen wir plötzlich ein schlimmes Ende.
Und auch Psalm 37, der das gleiche Thema hat wie Psalm 73, beschreibt in den Versen 35 und 36 das Verschwinden des Gottlosen: »Ich sah einen Gottlosen, der war gewalttätig und breitete sich aus wie ein grünender, tiefwurzelnder Baum. Aber als man wieder vorbeiging, da war er nicht mehr. Ich suchte ihn, doch er war nicht mehr zu finden.«
Der Tod ist nicht das Schlimmste, das den Gottlosen ereilt, denn wir wissen, dass jeder eines Tages diese Erde verlässt. Schaut mal, was Asaf dann in Vers 20 sagt – da wird ein viel schlimmeres Ausmaß gezeichnet. Gott verschmäht den Gottlosen wie einen Traum. Kennst du das, dass du einen komischen Traum hast, aufwachst und realisierst, dass es nur ein Traum war und nicht die Realität? Du kannst dann darüber lachen, weil du weißt, es ist nicht wahr. Und so wird Gott den Gottlosen verlachen. Sie haben keinen Bestand. Er wird ihnen sagen: »Weg mit euch, ich kenne euch nicht. Es gibt euch nicht.«
Und Asaf macht hier gerade deutlich, dass es nur zwei Personengruppen gibt. Die einen, die Gott ablehnen, die Gott verlachen und eines Tages von Gott verlacht werden. Und dann gibt es die anderen, die sich Gott demütig nahen und die Gott in seiner Gnade annimmt und ihre Sünden auf seinen Sohn legt.
Und Asaf macht es uns hier vor, wie er sich demütig Gott naht. Und das Erste, was wir hier von Asaf lernen können, ist, dass er zu Gott kommt. Er besinnt sich auf Gottes Wesen, auf sein Wort. Wo kommt er hin? Er kommt in das Heiligtum. Er beginnt plötzlich, seine Umstände aus Gottes Perspektive zu sehen und nicht nur noch die irdischen Dinge. Und er stellt sein kurzes Leben hier auf der Erde gegenüber der ewigen Länge der Ewigkeit.
Er gab Acht, heißt es. Und wie kannst du das machen? Was kannst du machen, um dich regelmäßig an die Ewigkeit zu erinnern, die dir bevorsteht, wenn du an Christus glaubst? Vielleicht hilft dir ein Bibelvers, ein Bild, das dich daran erinnert. Ein Spaziergang über den Friedhof kann uns auch sehr schnell ernüchtern. Hör auf, dein irdisches Leben mit dem Leben deines Nachbarn zu vergleichen. Schau auf dein ewiges Leben und auf das Ende der Gottlosen.
Füll dich mit seinem Wort. Geh ins Gebet. Schau darauf, was es Gott gekostet hat, um dich zu retten. Er hat seinen Sohn hingegeben, damit du nicht das gleiche Ende haben wirst wie der Gottlose – und dann bekommst du Weitsicht.
Das Zweite, was Asaf tat, war, seinen Irrtum Gott zu bekennen. Er kehrt um zu Gott. Als Gläubiger hat er gezweifelt. Er beschreibt selbst die Zweifel, die er hatte, und den Neid, und er sagt: »Beinahe wäre ich gestolpert.« Er ist also nicht ganz gestolpert, aber fast. Beinahe hätte er den Glauben aufgegeben. Beinahe hätte er wie die Gottlosen geredet. Und Asaf bekennt hier in den Versen 21 und 22 seine Sünde. Er bekennt Gott seine Verbitterung und sein Unverständnis.
Er hatte aus den Augen verloren, dass Gott gut ist und dass es Gott vor allem um unser ewiges Wohl geht, nicht um das Leben hier auf der Erde. Stattdessen hatte er Gottes Haltung immer von seinen Umständen abhängig gemacht. Er hatte gedacht: Wenn es mir gut geht, ist Gott gut. Wenn es mir schlecht geht, dann ist Gott schlecht. Und er muss sogar eingestehen, dass er wie ein Tier vor Gott war – dumm und ignorant wie eine Kuh.
Sehen wir uns mal diese Kuh an. Hat sie eine persönliche Beziehung zu Gott? Nein, das kann sie nicht. Das unterscheidet das Tier vom Menschen. Der Mensch kann Gott erkennen. Ein Tier kann es nicht. Ein Mensch kann eine Beziehung mit dem ewigen, allmächtigen Gott haben. Aber so hatte Asaf vor Gott gelebt wie ein Tier – ignorant, nur auf das Hier und Jetzt fokussiert.
Was sind Zweifel, die du Gott bekennen musst? Wo musst du umkehren von einer Verbitterung, von einer Bitterkeit gegenüber Gott? Wo beneidest du andere? Wo würdest du gern Dinge haben, die du bei anderen siehst? Wo schaust du nur auf das Hier und Jetzt? Bete darüber, bekenne es Gott und hebe deine Augen auf zu Gott und seiner Herrlichkeit.
Asaf bekennt seine Sünde und dann kommt im Text direkt danach in Vers 23 ein großes »Und dennoch«.
Er sagte, er war wie ein Tier vor Gott – und dann sagt er: »Und dennoch bleibe ich stets bei dir. Du hältst mich bei meiner rechten Hand.« Und das ist ein unglaublicher Vers, aber er macht uns auch etwas stutzig. Er sagt vorher, dass er bei Gott war wie ein Tier – und jetzt sagt er, aber ich bin dennoch stets bei dir. Stell dieses »bei dir« gegenüber und wir fragen uns: Wie kann er das sagen? Wieso kann er sagen, er war verbittert gegenüber Gott, hat in Ablehnung gegenüber Gott gelebt – und jetzt sagt er, ich bin alle Zeit bei dir?
Er kann es sagen, weil Gott ihn bei seiner rechten Hand hält. Und das ist ein so zentraler Vers in diesem Text. Warum ist Asaf nur beinahe gestolpert? Weil Gott ihn festgehalten hat. Und daran erinnert sich Asaf als Nächstes. Auch wenn Gott Herausforderungen und Erziehungsmaßnahmen in dein Leben stellt, weiß er jetzt, dass Gott ihn hält. Und wenn es Herausforderungen in deinem Leben gibt, wer ist es, der dich in diesen Herausforderungen auch hält? Es ist Gott selber. Und deshalb kann Asaf sagen: »Ich bin stets bei dir« – weil Gott ihn festhält.
Und wie ein kleines Kind, das von seinem Vater festgehalten wird – es mag stolpern, aber der Vater hält es fest an der Hand, damit es nicht fällt. Asaf meinte, dass er sich reingehalten hat, dass er seine Hände in Unschuld gewaschen hat. Aber jetzt muss er hier doch bekennen, dass Gott derjenige ist, der ihn gehalten hat.
Und diese Wahrheit lädt doch dazu ein, ein Lied zu schreiben, oder? Es lässt uns Gott loben. Es lässt uns auf ihn blicken. Und wir lesen hier einen Psalm, der genau zu diesem Zweck geschrieben wurde, damit wir an diese Wahrheit erinnert werden, damit wir Gott dafür loben. Welches Lied kann dir helfen in solchen Momenten, von den Umständen weg auf Gott zu blicken?
Das ist ein Grund, warum es Psalmen gibt, warum wir in Kolosser 3, Vers 16 dazu aufgefordert werden, Psalmen zu singen. Statt auf die Umstände zu schauen, blick auf Gott, auf das, was er getan hat und was er tut, darauf, dass er dich festgehalten hat und dass er dich immer noch festhält.
In seiner Ausrichtung auf Gott hat Asaf dennoch immer noch die Herausforderung mit diesen Umständen. Er ist ja noch nicht in der Herrlichkeit, er ist immer noch im Hier und Jetzt. Und wie geht er mit dieser neuen Perspektive damit um? Die Antwort ist in Vers 24:
»Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich danach in Herrlichkeit auf.«
Für das Hier und Jetzt wählt Asaf den besten Ratgeber, den es gibt: Gott selbst. Er hört auf das, was Gott sagt. Das Wort »leiten« ist dasselbe Wort, das auch in Psalm 23, Vers 3 benutzt wird. Und da heißt es: »Er führt mich auf rechter Straße.« Der gute Hirte führt mich auf rechter Straße. Wir tun gut daran, auf seinen Rat zu hören, aber damit wir auf seinen Rat hören können, müssen wir überhaupt seinen Rat hören und auch annehmen.
Wie sieht deine stille Zeit aus? Liest du die Bibel mit Gott und ist es dir ein Anliegen, Gott tiefer kennenzulernen, ihn zu verstehen und seinen Willen zu tun? Lies Gottes Wort. Komm hier zum Gottesdienst. Lass dich durch die Predigt, aber auch durch die Lieder und durch die Geschwister ermutigen, auf Gott zu blicken. Es ist gut, dass du heute hier bist und nicht ausgeschlafen hast.
Schaut noch mal in Vers 24. Im Hier und Jetzt schaut er auf den Rat Gottes und gleichzeitig blickt er auf die Ewigkeit. Das heißt, er hat zwei Dinge im Auge: den Rat Gottes für das Hier und Jetzt und die Herrlichkeit für alles, was danach kommt. Und so stellt Asaf sein Ende, sein ewiges Ende, seine Herrlichkeit, die er bei Gott haben wird, gegenüber dem Ende der Gottlosen, das schnell und eine Verwüstung ist. Und so muss er wählen zwischen Verwüstung oder Herrlichkeit. Und dieses Lied erinnert ihn daran, dass er die Herrlichkeit gewählt hat. Was wählst du? Wähle die Herrlichkeit.
Wir müssten im Hier und Jetzt Gott in seiner Herrlichkeit vor Augen haben – und dann ist das Leben erst sinnvoll. Verlieren wir den Blick auf Gott und seine Herrlichkeit, dann können wir nur an Gottes Güte zweifeln. Dann macht das Leben keinen Sinn. Und das gleiche Prinzip begegnet uns auch am Anfang von Kolosser 3. Da ermutigt Paulus uns, auf die Herrlichkeit zu schauen, nach oben zu schauen. Lasst uns Kolosser 3 lesen:
»Wenn ihr nun mit Christus auferweckt worden seid, so sucht das, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, offenbar werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.«
Paulus ermutigt hier die Kolosser, auf Christus und auf die Herrlichkeit zu schauen. Und erst dann macht dein Leben Sinn. Wenn dir die Nachfolge sinnlos erscheint, dann betrachte Gott und die Ewigkeit. Dort siehst du Christus in seiner Herrlichkeit. Paulus sagt: »Schau nach oben, schau nicht auf die Erde, schau nicht auf die Umstände, schau dahin, wo Christus ist.«
Der Text aus Kolosser macht auch deutlich, dass die Herrlichkeit nicht von Christus zu trennen ist. Es heißt dort: Christus ist unser Leben und mit ihm kommt die Herrlichkeit. Wir sollen uns auf die Herrlichkeit freuen, aber wir dürfen sie nicht von Christus trennen.
Eine sehr herausfordernde und prüfende Frage, die man immer wieder hört, ist: Wenn du den Himmel hättest, so schön, wie du ihn dir nur vorstellen könntest – wärst du zufrieden damit, wenn Christus nicht da wäre? Nein. Ein Himmel ohne Christus ist kein Himmel. Und so sagt es Asaf dann auch in Vers 25:
»Wen habe ich im Himmel außer dir und neben dir begehre ich nichts auf Erden?«
Asaf hat nur einen einzigen Wunsch, nur ein einziges Begehren – und das ist Gott. Er möchte nur ihn. Alles andere ist ihm egal. Am Anfang beneidete er die Gottlosen und das, was sie haben, aber jetzt ist sein Herz wieder völlig auf Gott ausgerichtet. Er hat nur einen Wunsch: Gott selbst. All die Dinge, die ihm auf der Erde wichtig wurden, haben wieder an Bedeutung verloren, weil er sich der Güte und der Herrlichkeit Gottes bewusst wurde.
Hör auf darüber nachzudenken, was du alles mit dem Geld kaufen könntest, wenn du so leben würdest wie dein Nachbar. All diese Dinge haben keinen ewigen Bestand. Asaf weiß jetzt wieder: Nur Gott hat Bestand. Alles andere wird vergehen, aber Gott bleibt bestehen.
In Vers 26 sagt er dann sogar: »Selbst wenn sein Leib und seine Seele vergehen, Gott bleibt sein Fels und sein Teil.« Ob es seine Erschöpfung oder sein Tod ist – Gott bleibt bestehen wie ein Fels. Und das Wort »Teil« finden wir immer wieder in dem Psalm. Es meint das Hab und Gut. Es ist sein Besitz. Gott ist sein Besitz. Den kann keiner ihm nehmen. Mag der Gottlose noch so böse schnauben – er kann dir aber niemals Gott rauben.
Und dann kommt Asaf in den letzten beiden Versen des Psalms zu seinem Fazit.
Er stellt die Gottfernen den Gottnahen gegenüber. Und es gibt nur diese beiden Gruppen. Entweder bist du Gott fern und er kennt dich nicht – und die Konsequenz ist, dass du den Zorn Gottes für immer ertragen wirst –, oder du nahst dich Gott in Jesus Christus und machst ihn zu deinem einzigen Wunsch, und dann wirst du dich für immer an ihm erfreuen und dann wirst du seine Werke verkünden.
In Vers 15 hat Asaf noch überlegt, ob er so lästert wie die Gottlosen – aber hier in Vers 28 verkündet er die Werke Gottes. Asaf gibt uns hier in diesem Psalm einen Einblick in seinen Herzenskampf. Er ringt um ein reines Herz vor Gott, das nur auf ihn ausgerichtet ist. Durch den neidischen Blick auf sein eigenes Leiden und das Wohlergehen der Gottlosen sündigt er gegen Gott und verschmutzt sein Herz. Doch wie gut ist es, dass Gott derjenige ist, der sein Herz reinwäscht mit dem Blut seines Sohnes.
Sei nicht kurzsichtig, sondern komm zu Gott und blick auf die Ewigkeit. Geh dorthin, wo Gott angebetet wird, damit du wieder Weitsicht bekommst.
Gibt es wirklich nur zwei Gruppen? Was ist mit denen, die nicht ganz so böse sind, die nicht ganz so gottlos sind? In der ersten Hälfte finden wir Asaf und die, die reines Herzens sind, und wir finden das Volk und wir finden die Gottlosen. In der zweiten Hälfte des Psalms gibt es dann nur noch zwei Personengruppen: die Gottfernen und die Gottnahen. Was ist mit dem Volk passiert?
In Vers 10 heißt es: »Darum wendet sich auch sein Volk ihnen zu.« Das Volk hat sich entschieden. Das Volk spricht mit den Gottlosen: »Wie sollte Gott es wissen?« Du musst dich entscheiden, ob du Gott fern bleibst oder dich Gott nahst. Für alle Menschen gilt, dass die Sünde sie von Gott trennt, von Geburt an. Aber wenn wir uns Gott nahen, legt er unsere Sünde auf seinen Sohn und macht uns rein.
Benedikt Peters übersetzt Vers 28a mit: »Aber ich – Gott nahen ist mir gut.« Und das hebräische Wort für »gut« beziehungsweise, wie es hier in der Schlachter heißt, »köstlich«, ist dasselbe Wort, das in Vers 1 für »Nur gut ist Gott gegen Israel« verwendet wird. Und Asaf macht hier den Bogen zu. Er kommt wieder auf diese These zurück und kann sie jetzt bestätigen. Gott ist gut – aber nicht, weil er die Umstände betrachtet, sondern weil er in Gottes Nähe Weitsicht bekommen hat. Durch Weitsicht wächst Gottvertrauen.
Jetzt konnte er bestätigen und laut verkündigen: Gott ist gut. Gott ist sein ganzes Hab und Gut.
Und wir wollen daraus lernen: Wenn dir die Nachfolge sinnlos erscheint, weil es dem Gottlosen besser ergeht, dann betrachte Gott und die Ewigkeit. Dort siehst du, wie schnell der Gottlose vergeht. Aber ewig bleibt dir Christus in seiner Herrlichkeit.
Gebet:
Herr Jesus, wenn wir auf diese Welt blicken, auf unser Leben, auf das, wie andere leben – ja, dann können wir manchmal ins Zweifeln kommen, ins Straucheln geraten und uns fragen, ob das alles so sinnvoll ist, ob das alles Realität ist. Herr, und wir bitten dich, dass du uns hilfst, klarzusehen in deiner Nähe. Wir danken dir, dass du derjenige bist, der die Seinen festhält, der uns bewahrt, uns von dir abzuwenden, Herr. Und in solchen Momenten hilf uns durch dein Wort, durch deinen Geist und auch durch andere Geschwister, wieder auf dich zu blicken, die richtige Perspektive einzunehmen, unsere Augen aufzuheben zu dir, zu der Ewigkeit, die vor uns liegt, und nicht nur die Umstände, das Hier und Jetzt und diesen Tag zu sehen. Wir danken dir für dein Wort, für all die Gläubigen, die vor uns gegangen sind, die diesen Kampf auch hatten. Und wir bitten dich, dass du uns hilfst – und jeden hier, ob er dein Kind ist oder noch nicht –, auf die Ewigkeit zu schauen und sich zu fragen: Was kommt dann? Danke für diese Hoffnung, die wir in dir haben dürfen, weil du unsere Schuld getragen hast. Amen.
Du möchtest die Predigt weitergeben? Hier kannst du die Predigt teilen
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen