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Crowfood, ein großer Häuptling der Blackfoot-Indianer, hatte die Verantwortung für ein ziemlich großes Gebiet in Kanada, im Süden von Alberta. Eines Tages kam die Eisenbahngesellschaft Canadian Pacific Railroad zu ihm und fragte den Häuptling, ob sie das Land der Blackfoot, das er verwaltete, mit einer Zugverbindung durchqueren dürfe. Der Häuptling genehmigte es und erhielt im Gegenzug dafür eine lebenslange Bahnkarte. Diese Bahnkarte wurde von dem Häuptling in Leder gepackt, um seinen Hals gehängt und so trug er sie vermutlich sein ganzes Leben lang mit sich. Jedoch gibt es keine Aufzeichnungen darüber, dass er diese Bahnkarte je benutzt hat. Ein Indianer, der dieses so große Geschenk bekommen hatte, es auch immer bei sich trug, aber dennoch nie verwendete.
Als Vergleich: Eine Bahncard 100 in Deutschland kostet aktuell zwischen 3.200 und 8.000 Euro. Und mit dieser Bahncard 100 kannst du alle Züge der Deutschen Bahn umsonst fahren, wann und wohin du willst. Das ist doch eine Menge wert – aber sie ist nichts wert, wenn man keinen Gebrauch davon macht und sie immer nur im Geldbeutel lässt, so wie der Indianerhäuptling Crowfood.
Was hat diese Geschichte heute mit dem Predigtthema zu tun? Leider behandeln wir die Verheißungen Gottes manchmal wie dieser Indianer seine Bahncard. Wir haben Gottes Verheißungen. Wir drucken sie aus. Wir hängen sie uns an die Wand oder ins Auto, an den Kühlschrank. Und doch haben sie keine Verwendung für unser Leben, weil wir sie nicht beachten.
Wir wollen heute sehen, dass Gott sehr großen Wert darauf legt, dass Abraham seine Verheißung kennt, die Gott ihm gegeben hat, und dass Abraham sie nicht nur kennt, sondern sie auch auslebt. Und wir wollen uns heute ein Beispiel daran nehmen. Der Predigttitel lautet: Richte deinen Blick auf Gottes Verheißungen. Wir wollen uns drei Punkte anschauen, wie wir von Gottes Verheißungen Gebrauch machen. Erstens: Schaue auf Gottes Verheißungen. Zweitens: Kenne Gottes Verheißungen. Und drittens: Wirke aus Gottes Verheißungen.
Dürft gerne zu 1. Mose gehen, Kapitel 13. Und um den Zusammenhang zu haben, lesen wir noch einmal das gesamte Kapitel. Schlagt gerne mit auf oder lest vorne mit. 1. Mose Kapitel 13, von Vers 1 bis zum Ende.
Und Abram zog mit seiner Frau und mit allem, was er hatte, auch mit Lot, von Ägypten hinauf in den Negev. Und Abram war sehr reich geworden an Vieh, Silber und Gold. Und er zog weiter von einem Lagerplatz zum anderen, vom Negev her bis nach Bethel, bis zu dem Ort, wo sein Zelt zuerst gestanden hatte, zwischen Bethel und Ai, an die Stätte des Altars, den er dort zuerst errichtet hatte; und Abram rief dort den Namen des HERRN an. Aber auch Lot, der mit Abram ging, hatte Schafe, Rinder und Zelte. Und das Land ertrug es nicht, dass sie beieinanderwohnten; denn ihre Habe war groß, und sie konnten nicht beieinanderbleiben. Und es entstand Streit zwischen den Hirten über Abrams Vieh und den Hirten über Lots Vieh; auch wohnten zu der Zeit die Kanaaniter und Pheresiter im Land. Da sprach Abram zu Lot: Es soll doch nicht Streit sein zwischen mir und dir, zwischen meinen Hirten und deinen Hirten! Denn wir sind Brüder. Steht dir nicht das ganze Land offen? Trenne dich von mir! Willst du zur Linken, so gehe ich zur Rechten; und willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken! Da hob Lot seine Augen auf und sah die ganze Jordanaue; denn sie war überall bewässert, wie der Garten des HERRN, wie das Land Ägypten, bis nach Zoar hinab, bevor der HERR Sodom und Gomorra zerstörte. Darum erwählte sich Lot die ganze Jordanaue und zog gegen Osten. So trennte sich ein Bruder von dem anderen. Abram wohnte im Land Kanaan, und Lot wohnte in den Städten der Aue, und er schlug sein Zelt auf bis nach Sodom hin. Aber die Leute von Sodom waren sehr böse und sündigten schlimm gegen den HERRN.
Gott erneuert seine Verheißungen an Abram Der HERR aber sprach zu Abram, nachdem sich Lot von ihm getrennt hatte: Hebe doch deine Augen auf und schaue von dem Ort, wo du wohnst, nach Norden, Süden, Osten und Westen! Denn das ganze Land, das du siehst, will ich dir und deinem Samen geben auf ewig. Und ich will deinen Samen machen wie den Staub auf der Erde; wenn ein Mensch den Staub auf der Erde zählen kann, so soll man auch deinen Samen zählen können. Mach dich auf, durchziehe das Land seiner Länge und Breite nach! Denn dir will ich es geben. Da brach Abram auf, kam und wohnte bei den Terebinthen Mamres in Hebron und baute dort dem HERRN einen Altar.
Um das ganz große Bild vor Augen zu haben, wollen wir uns noch einmal ein paar Punkte vor Augen führen, was Abraham bis zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben durchgemacht hat. Das soll uns ein bisschen helfen zu zeigen, wie Gott Abraham Schritt für Schritt dahin bringt, um für uns dieses großartige Vorbild des Glaubens zu werden. Wir haben gesehen, wie Gott Abraham erwählt. Gott ruft ihn aus diesem götzengeprägten Umfeld und seiner Familie nach Kanaan. Gott verheißt ihm anschließend Nachkommen, Land und auch einen Segen, der Auswirkungen auf die ganze Welt haben wird. Abraham reagiert, er zieht nach Kanaan. Er betet an, dann kommt eine Hungersnot. Er verlässt Kanaan, zieht nach Ägypten. Dort belügt er zusammen mit seiner Frau die Ägypter, weil er Angst hat, dass sie ihm seine Frau nehmen. Das führt fast dazu, dass Abrahams Frau Sarai die Frau des Pharaos wird. Aber durch Gottes Eingreifen sorgt er dafür, dass Sarai die Frau Abrahams bleibt. Abraham wird ganz freundlich bis an die Grenzen Ägyptens begleitet. Und in den letzten Wochen durften wir sehen, wie Abraham nach seiner Lüge und all dem, was bereits geschehen ist, zurückgekehrt ist. Nach seinem Fehltritt sucht er die Gegenwart Gottes und betet an. Es folgt dann dieser Konflikt zwischen seinen und Lots Hirten, aber er wird unter der Leitung von Abraham friedlich gelöst. Und nach dem Konflikt fällt die Wahl von Abrahams Neffen Lot auf die Jordanaue. Und wir haben letzte Woche gesehen, wie diese schlechte Entscheidung, die Lot getroffen hat, das ganze Leben von Lot beeinflusst hat.
Aber nach dieser Entscheidung von Lot und nach allem kommt der Punkt, wo unser Text heute beginnt. Und damit sind wir beim ersten Gliederungspunkt: Schau auf Gottes Verheißungen.
In Vers 14 heißt es: »Der Herr aber sprach zu Abraham, nachdem sich Lot von ihm getrennt hatte: Hebe doch deine Augen auf und schaue von dem Ort, wo du wohnst, nach Norden, Süden, Osten und Westen.«
Vers 13 beschreibt, wie sündig und wie böse die Leute in Sodom und Gomorra waren. Vers 14 zeigt auf, dass Gott deshalb nicht weg vom Radar ist. Gott spricht zu Abraham. Vielleicht dachte Abraham, dass er alleine ist, aber Gott macht sich bemerkbar. Gott greift ganz aktiv in dieses Geschehen mit ein. Und Gott macht deutlich, dass Abraham nicht alleine ist. Jahwe, Gott, der Herr, redet mit seinem Knecht. Und es ist so schön zu sehen, wie Mose ganz bewusst als Autor diesen Kontrast herstellt. Das ist kein Zufall, sondern Mose bezweckt etwas damit. Mose zeigt hier auf, wie Gott zu Abraham spricht und ihn nicht allein lässt.
Was muss Abraham alles durch den Kopf gegangen sein nach den letzten Ereignissen? Wir können es nur erahnen. Der Text klärt uns nicht weiter darüber auf, aber es ist immer wieder gut, bei Erzähltexten zu versuchen, in die Schuhe dieser Hauptfiguren reinzuschlüpfen und einfach mal zu überlegen, was denen passiert ist, oder sich in die Lage dessen zu versetzen. Bei Abraham war es jetzt so: Stellt euch vor, der Vater Terach, der mit ihm zusammen aus Ur ausgezogen ist, lebt nicht mehr. Abraham selbst wurde vor nicht allzu langer Zeit aus Ägypten geworfen, weil er gelogen hatte. Er hat gerade mit angesehen, was für eine schlechte Entscheidung sein Neffe Lot getroffen hat und wie er weggezogen ist. Und Abraham ist nun wirklich alleine. Natürlich hat er seine Frau, seine Knechte, sein Vieh, seinen Besitz, aber er ist vollkommen abgetrennt von seiner Verwandtschaft.
Und dann spricht Gott zu ihm. Wir wissen nicht, ob Gott am selben Tag noch mit ihm gesprochen hat, aber der Text macht deutlich: »Der Herr aber sprach zu Abraham, nachdem sich Lot von ihm getrennt hatte.«
Was genau sagt er zu ihm? Wenn wir den Text anschauen, heißt es dort: »Hebe doch deine Augen auf und schaue von dem Ort, wo du wohnst, nach Norden, Süden, Osten und Westen.«
Diese Phrase kennen wir aus Vers 10 im selben Kapitel: »Da hob Lot seine Augen auf und sah die ganze Jordanaue, denn sie war überall bewässert wie der Garten des Herrn, wie das Land Ägypten bis nach Zoar hinab, bevor der Herr Sodom und Gomorra zerstörte.«
Gott fordert Abraham auf, seine Augen aufzuheben. Aber genau das hat Lot ein paar Verse vorher auch schon getan. Aber wie macht Lot das? Lot richtet seinen Blick auf das grüne, saftige Land, das er so gerne für sich und für seinen ganzen Besitz haben will, damit er nicht noch eine Hungersnot überleben muss. Aber das ist das, worauf er selbst sein Auge geworfen hat. Und bei Abraham war das anders. Er hob seine Augen dorthin, wo Gott ihm gesagt hat, dass er hinschauen soll.
Abraham ist immer noch an dem Ort, an dem er aus Ägypten zurückgekehrt ist, irgendwo zwischen Betel und Ai. Und von dem Ort, wo er jetzt gerade ist, fordert Gott ihn auf zu schauen. Was genau zeigt ihm Gott? Vers 15: »Denn das ganze Land, das du siehst, will ich dir und deinem Samen geben auf ewig.«
Davor sagt er, dass er nach Norden, Süden, Osten und Westen gucken soll. Abraham soll einmal von dem Punkt aus, wo er ist, in alle vier Himmelsrichtungen schauen. Wenn ihr auf die Karte guckt: Dort, wo der rote Kreis ist, zwischen Betel und Ai, hat sich Abraham befunden. Und von dort aus, wo er steht, soll er einmal in Richtung Norden gucken – oben ist der See Genezareth, noch weiter oben der Berg Hermon – nach Süden runter in die Wüste, in den Negef, nach Osten über den Jordan und nach Westen hin Richtung Mittelmeer. Abraham soll einmal in alle vier Himmelsrichtungen schauen und überall dort, wo er hinschaut, das sichert Gott ihm zu.
Gott macht hier noch keine so konkreten und detaillierten Grenzangaben, wo exakt die Grenzen nachher verlaufen werden. Aber Gott sichert Abraham dieses Land zu – und nicht nur ihm, sondern auch seinen Nachkommen auf ewig.
Was ist Abrahams Situation noch einmal? Abraham ist aktuell alleine. Er hat ziemlich viel Besitz, ja – Knechte, Vieh und so weiter – aber er ist nur er und seine Frau. Es gibt noch keine Nachkommen. Es gibt niemanden, der das irgendwie alles in Besitz nehmen kann. Aber Gott richtet an dieser Stelle den Blick von Abraham auf seine Verheißung. Schau auf Gottes Verheißungen. Heb deine Augen auf das, was ich dir geben werde, sagt Gott zu ihm.
Und während Lot auf das geschaut hat, was er vor Augen sah, soll Abraham auf das schauen, was Gott ihm zeigt. Schau auf Gottes Verheißungen. Lot sah das Hier und Jetzt, aber Abraham soll im Glauben noch weiter gucken – nicht auf das Hier und Jetzt, sondern auf das Endziel des Glaubens. Natürlich macht er das mit seinen physischen Augen, dass er sich da einmal umschaut, aber es geht noch viel mehr darüber hinaus. Seine Augen ganz bewusst auf etwas zu lenken ist mehr als es nur anzuschauen. Es geht darum, sich darauf zu konzentrieren, zu fokussieren, es ganz bewusst wahrzunehmen und anschließend auch darauf zu reagieren. Und genau das sollte Abraham tun.
Wir haben bereits in der Einleitung gesehen, dass dieses Konzept von Augen auf etwas heben oder Augen auf etwas werfen nicht neu ist, sondern dass wir es durch die ganze Schrift sehen werden. Gott gebraucht es in seinem Wort immer wieder, um die Aufmerksamkeit ganz bewusst auf etwas zu lenken. Und entweder ist es so, dass die Autoren sich selbst dazu aufrufen, auf etwas zu schauen, oder – wie in unserem Fall – dass Gott derjenige ist, der den Blick lenkt.
Schlagt gerne auf Psalm 121 auf, den wir bereits heute Morgen in der Einleitung gesehen haben. Psalm 121 ist wohl eine der bekanntesten Stellen, wo der Autor genau das tut.
Psalm 121, Vers 1 bis 2: »Ein Wallfahrtslied. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.«
Der Psalmist sagt sich selbst: »Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.« Und gleich im nächsten Satz erinnert er sich daran, woher seine Hilfe kommt. Kommt seine Hilfe von den Bergen? Überhaupt nicht. Sondern der Blick auf die Berge hilft ihm, den Blick auf den zu richten, der die Berge geschaffen hat. Er sagt in Vers 2: »Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.« Auf Gott, den Schöpfer, soll sein Auge gerichtet werden. Die ganzen nächsten Sätze beschreiben, wie sich der Psalmist auf Gottes Wesen ausrichtet – Gott als Beschützer, Gott als Erhalter seines Volkes.
Wenn ihr zwei Psalmen weiter guckt, findet ihr das gleiche Konzept noch einmal in Psalm 123, wo er das auch sagt und es ganz konkret auf Gott bezieht. Der Autor schreibt in Psalm 123, Vers 1: »Ein Wallfahrtslied. Zu dir erhebe ich meine Augen, der du im Himmel thronst.«
Hier macht der Autor deutlich, dass der Leser sich auf den souveränen Gott konzentrieren soll. Warum muss der Leser sich auf Gott konzentrieren? Der ganze Kontext von Psalm 123 macht deutlich, dass sie verachtet und verspottet waren, und all das kann so entmutigend und verzweifelnd sein. Und er richtet sich selbst, seine Augen auf Gott aus und sagt: »Zu dir erhebe ich meine Augen.« Er sagt zu sich selbst: »Beschäftige dich nicht zu sehr mit den Umständen, die du siehst, sondern richte den Blick auf denjenigen, der in der Lage ist, dich durch diese Umstände hindurchzubringen und dich dadurch zu stärken.«
Ein weiteres Beispiel ist Jesaja 40, Vers 26, wo der Prophet sagt: »Hebt eure Augen auf zur Höhe und seht, wer hat diese erschaffen? Er, der ihr Heer abgezählt herausführt. Er ruft sie alle mit Namen. So groß ist seine Macht und so stark ist er, dass nicht eines vermisst wird.«
Ein großer Teil von Kapitel 40 beschreibt die ganze Macht und Herrlichkeit Gottes. Und hier fordert der Prophet seine Zuhörer und Leser auf, genau auf diesen herrlichen Gott zu blicken, seine Augen auf die Höhe zu heben, auf Gott. Und was resultiert daraus? Er sagt es in den dann folgenden bekannten Versen ab Vers 28: »Weißt du es nicht? Hast du es nicht gehört? Der ewige Gott, der Herr, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt. Sein Verstand ist unerschöpflich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Knaben werden müde und matt und junge Männer straucheln und fallen. Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.«
Genau das gleiche Konzept: die Ausrichtung auf diesen herrlichen und majestätischen Gott. Wie notwendig haben wir es, dass unser Blick auf Gott ausgerichtet wird. Und immer wieder wird deutlich gemacht, dass das Augenheben auf Gott mehr beinhaltet als irgendwie nur drauf zu gucken, sondern sich wirklich darauf zu konzentrieren und es bewusst wahrzunehmen. Wegschauen von dem, was unwichtig ist, und hinschauen zu dem, was wirklich zählt.
Schau auf Gottes Verheißungen. Konzentriere dich darauf, was du alles durch das Werk von Christus haben darfst. Liebe Gemeinde, wir stehen so oft in der Gefahr, wie Lot auf unsere unmittelbaren Umstände in unserem Leben und Alltag zu schauen. Wir gucken auf den nächsten Tag oder auf die letzten Tage. Wir gucken auf die nächste Woche. Wir sehen all das, was wir nicht haben. Aber Gott ruft uns dazu auf, seine Perspektive einzunehmen und im Glauben auf das Ergebnis zu schauen, auf die Frucht des Glaubens, die daraus entsteht. Schau auf Gottes Verheißungen.
Was sind eigentlich Verheißungen, auf die wir schauen sollen? Damit kommen wir zum zweiten Punkt: Kenne Gottes Verheißungen.
Damit wir unseren Blick auf Gottes Verheißungen richten können, müssen wir auf sie schauen und wir müssen sie kennen. Wir müssen den Inhalt der Verheißungen gut kennen, auf die wir schauen sollen. Wir müssen sehen und auch untersuchen: Gilt diese Verheißung uns als Gläubige, oder gilt sie – bzw. galt sie – speziell dem Volk Israel? Oder welches Prinzip steht dahinter? Bevor wir darauf eingehen, was es für uns bedeutet oder in unserem Leben ist, schauen wir zunächst, wie Gott mit Abraham gehandelt hat.
Die Verse 15 bis 16 sagen: »Denn das ganze Land, das du siehst, will ich dir und deinem Samen geben auf ewig, und ich will deinen Samen machen wie den Staub auf der Erde. Wenn ein Mensch den Staub auf der Erde zählen kann, so soll man auch deinen Samen zählen können.«
Wir haben es vorhin gesehen. Gott hat zu ihm gesagt, er soll in alle vier Himmelsrichtungen schauen und all das, wo er hinblickt, das hat er und seine Nachkommen sicher auf ewig. Und hier, um ein Bild zu gebrauchen und es zu veranschaulichen, vergleicht er die Anzahl der Nachkommen mit dem Staub der Erde. Wer von euch hat schon mal angefangen, Staubkörnchen zu zählen? Ich glaube, wir wären ziemlich schnell am Ende damit, weil wir einfach nur feststellen müssten: Das können wir gar nicht zählen. Staub ist unzählbar – und genauso sollen die Nachkommen Abrahams unzählbar sein. Das ist die Verheißung, die Gott Abraham gegeben hat.
Abraham hat aus der Perspektive, wo er dort stand, zwischen Betel und Ai, noch nichts davon gesehen, was Gott ihm verheißen hat. Er hat nichts außer anderen Leuten gesehen, die das Land besetzt haben, und er hat Wüste gesehen. Und dennoch betont Gott diese Verheißung.
Hört Abraham hier zum ersten Mal davon, dass er das Land besitzen wird und viele Nachkommen haben wird? Ganz sicher nicht. Gott hat ihm bereits mindestens zweimal gesagt, was für eine Verheißung er bekommen wird. Die erste Verheißung haben wir in Kapitel 12, Verse 1 bis 2 gesehen, wo Gott zu ihm sagt: »Der Herr aber hatte zu Abraham gesprochen: Geh hinaus aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde, und ich will dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen und du sollst ein Segen sein.«
1. Mose 12, Vers 1 ist das erste Mal, dass wir davon in der Bibel lesen. Es ist gut möglich, dass Gott ihm das auch schon vorher gesagt hatte, ohne dass es niedergeschrieben wurde. Aber Gott spricht zu ihm und Abraham ist dem gehorsam. Abraham folgt dem Ruf Gottes. Abraham geht nach Sichem. Er ist im verheißenen Land und Gott erscheint ihm noch einmal und bekräftigt seine Verheißung. Das ist der zweite Punkt, 1. Mose 12, Vers 7.
Und wie arbeitet Gott hier? Denkt Gott sich vielleicht irgendwann: »Okay, gut, ich habe das jetzt dreimal gesagt, das wird doch reichen. Abraham, das musst du doch wohl begreifen. Ich habe es dir dreimal gesagt.« Nein. Wir werden es in den nächsten Wochen und in den nächsten Monaten immer wieder sehen. Gott erinnert Abraham immer und immer wieder an seine Verheißung. Gott wird nicht müde dabei, ihn an seine Verheißungen zu erinnern, damit Abraham sie gut kennt und verinnerlichen kann.
Und ihr seht es in der Auflistung, wie oft Abraham von Gott an die Verheißung erinnert wird. 1. Mose 15, Vers 5: »Und er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst. Und er sprach zu ihm: So soll dein Same sein.«
Oder 1. Mose 17, wo Gott weiter zu Abraham spricht: »Du sollst deine Frau Sarai nicht mehr Sarai nennen, sondern Sarah soll ihr Name sein, denn ich will sie segnen und will dir auch von ihr einen Sohn geben. Ich will sie segnen und sie soll zu Nationen werden und Könige von Völkern sollen von ihr kommen.«
Und dann der ganze Höhepunkt in Kapitel 22, nachdem Abraham bereit war, das Leben seines Sohnes zu opfern und Gott vertraut hat, und Gott zu ihm sagt: »Ich habe bei mir selbst geschworen, spricht der Herr, weil du dies getan und deinen Sohn, deinen einzigen, nicht verschont hast, darum will ich dich reichlich segnen und deinen Samen mächtig mehren, wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres, und dein Same soll das Tor seiner Feinde in Besitz nehmen, und in deinem Samen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorsam warst.«
Seht ihr, wie Gott hier wirklich sicherstellt, dass Abraham seine Verheißung kennt. Gott wiederholt sie immer und immer wieder – nicht immer in allen Aspekten, er erwähnt nicht immer alles noch einmal – aber er weist Abraham immer wieder darauf hin. Und unser Text ist heute schon das dritte Mal, dass Gott Abraham erinnert. Gott stellt wirklich sicher, dass Abraham seine Verheißung kennt.
Warum? Weil wir Menschen vergesslich sind. Weil wir Menschen zweifeln. Weil wir Hoffnung verlieren, weil wir unseren Blick auf die Umstände richten, oder weil Sünde unseren Blick trübt. Deswegen brauchen wir die Erinnerung. Und Gott erinnert den Glaubensvater Abraham an seine Verheißungen, damit er sie kennt.
Dieses Prinzip der Erinnerung finden wir auch darüber hinaus. Im bekannten Schma Israel sagt Gott zu seinem Volk in 5. Mose 6, Verse 4 bis 9: »Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein, und du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst, und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden und sie sollen dir zum Erinnerungszeichen über den Augen sein, und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben.«
Gott fordert sie auf, sich an diese Worte, die Gott gesagt hat, immer wieder zu erinnern. Im Neuen Testament macht Paulus das Gleiche mit den Philippern. Am Anfang von Kapitel 3 sagt er: »Im Übrigen, meine Brüder, freut euch in dem Herrn. Euch immer wieder dasselbe zu schreiben ist mir nicht lästig. Euch aber macht es gewiss.« Paulus wird nicht müde darin, die Philipper immer wieder daran zu erinnern, dass sie sich freuen sollen, auch wenn er das bereits mehrfach gesagt hat. Und genauso arbeitet Gott hier mit Abraham. Gott wiederholt seine Verheißung, damit Abraham sie kennt. Weil wir das so notwendig haben, an das erinnert zu werden, was Gott gesagt hat.
Und Mose als Autor hat es bewusst aufgeschrieben, damit wir sehen können, wie Gott mit Abraham umgeht, wie Gott an Abraham arbeitet, wie Gott ihn ermutigt und erinnert. Wir heute dürfen wissen: Wir haben die ganze Bibel in unseren Händen. Wir dürfen sehen und davon überzeugt sein, wie Gott selbst seine Verheißung gehalten hat. Gott ist einer, der sein Wort hält.
Titus 1, Vers 2 sagt es: »Aufgrund der Hoffnung des ewigen Lebens, dass Gott, der nicht lügen kann, vor ewigen Zeiten verheißen hat.« Gott lügt nicht. Gott hält sein Wort.
Hat Gott sein Wort gehalten in Bezug auf das, was er Abraham alles gesagt hat? Ganz sicher ja. Zwei Belege dafür. 1. Könige 4, Vers 20: Zu der Zeit, als Salomo König war, heißt es dort: »Aber Juda und Israel waren zahlreich wie der Sand am Meer. Sie aßen und tranken und waren fröhlich.«
Seht ihr, dass er genau diese Bezeichnung verwendet? Gott sagt, dass die Nachkommen Abrahams so viele sein werden wie der Staub der Erde oder wie der Sand am Meer oder wie die Sterne im Himmel. Und genau das wird hier in 1. Könige gebraucht und es heißt: »Aber Juda und Israel waren zahlreich wie der Sand am Meer.« Genau das, was Gott gesagt hat, ist eingetroffen.
Aber nicht nur in Bezug auf die Verheißung, dass sie zahlreich wie der Staub der Erde oder wie der Sand am Meer sein würden – auch in Bezug auf all das, was Gott bezüglich der Landeinnahme vorher gesagt hat, trifft es ein. Am Ende vom Buch Josua wird es deutlich. Josua 21, Verse 43 bis 45 sagt uns: »So gab der Herr Israel das ganze Land, von dem er geschworen hatte, es ihren Vätern zu geben, und sie nahmen es in Besitz und wohnten darin. Und der Herr verschaffte ihnen Ruhe ringsum, ganz so wie er ihren Vätern geschworen hatte. Und keiner ihrer Feinde konnte vor ihnen bestehen, sondern der Herr gab alle ihre Feinde in ihre Hand. Es fehlte nichts an all dem Guten, das der Herr dem Haus Israel verheißen hatte. Alles war eingetroffen.«
»So gab der Herr« und »der Herr verschaffte« und »der Herr gab« – »es fehlte nichts an all dem Guten. Alles war eingetroffen.« Gott hält sein Wort. Was für einen Gott dürfen wir haben, der genau das tut – der das, was er Abraham gesagt hat in dem Moment, wo er noch nichts davon gesehen hat, irgendwann einmal eintreffen lässt – weil Gott seinem Wort treu ist. Wenn Gott eine Verheißung gibt, dann hält er sie auch.
Ein Kommentar von J. C. Ryle zum Lobpreis des Zacharias, nachdem Johannes geboren wurde und Gott sein Wort gehalten hat, sagt J. C. Ryle: »Lasst uns lernen, auf Verheißungen zu vertrauen und sie anzunehmen, so wie Zacharias es tat. Lasst uns nicht daran zweifeln, dass jedes Wort Gottes über sein Volk in Bezug auf zukünftige Dinge ebenso sicher in Erfüllung gehen wird, wie jedes Wort über sie in Bezug auf vergangene Dinge in Erfüllung gegangen ist. Ihre Sicherheit ist durch Verheißungen gewährleistet.«
Dinge, die Gott in der Zukunft verheißen hat, werden eintreffen, weil wir so viele Belege dafür haben, dass Dinge in der Vergangenheit genauso eingetroffen sind, wie Gott es gesagt hatte. Gott lügt nicht. Gott hält sein Wort.
Durch das ganze Alte Testament verheißt Gott immer und immer wieder, dass er einen Retter bringen wird. Und Jesus Christus, der Sohn Gottes, wird Gott Mensch, um ans Kreuz zu gehen, nach drei Tagen wieder aufzuerstehen und damit Frieden zwischen Mensch und Gott wiederherzustellen. All das, was da passiert, wurde von Gott durch seine Propheten immer wieder vorhergesagt – und so viele Details sind zu 100% eingetroffen, weil Gott nicht lügt, weil Gott sein Wort hält. Und dabei war und ist und wird Gott nie von einem einzelnen Menschen abhängig sein, sondern Gott handelt, wie es ihm wohlgefällt, und Gott kommt zu seinem Ziel.
Die Verheißung, die Abraham bekommen hat, war ganz spezifisch an Abraham gerichtet. Die Verheißungen in Bezug auf die unzähligen Nachkommen und auch das ganze Land, die galten Abraham. Wir dürfen heute die ganze Bibel in den Händen halten und Gottes Wort steckt voll von Verheißungen. Und ich bin überzeugt, dass es in deinem Leben Verheißungen gibt, die du nicht mehr vor Augen hast, die aus deinem Blickfeld geraten sind. Du hast deinen Blick nicht darauf gerichtet. Du kannst vielleicht gar nicht auf sie schauen, weil du sie nicht kennst. Dir fehlt die Erinnerung daran, was Gott gesagt hat, oder du zweifelst an dem, was Gott gesagt hat.
Und genau aus dem Grund wollen wir uns, die wir seine Kinder sein dürfen, in der Anwendung davon fünf Verheißungen anschauen und uns daran erinnern. Wir wollen uns fünf Verheißungen anschauen, damit wir sie kennen, damit wir auf sie schauen können und damit wir dadurch ermutigt werden.
Die erste Verheißung, mit der wir starten, ist die Verheißung der unerschütterlichen Liebe Christi. Gibt es in deinem Leben manchmal Momente, wo du als wiedergeborenes Kind Gottes zweifelst, dass Christus dich liebt? Gibt es vielleicht Momente, in denen du dich nicht würdig genug fühlst, den Namen Christ zu tragen? Momente, in denen du versagst und denkst, diese Liebe habe ich nicht verdient. Momente, in denen du dich in gewissen Umständen befindest und du an der Liebe Christi zweifelst.
An dem letzten Abend hat Jesus vor der Kreuzigung mit seinen Jüngern noch einmal ziemlich viel Zeit verbracht und er hat ihnen mehrfach deutlich gemacht, wie sehr er sie liebt – und das, obwohl sie darüber stritten, wer der Größte unter ihnen sei, oder auch in dem Bewusstsein, dass ihn in den nächsten Stunden alle verlassen werden. Aber er sagt in Johannes 13, Vers 1: »Vor dem Passahfest aber, da Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater zu gehen, wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.«
Obwohl seine Jünger nicht vollkommen waren, liebte er sie bis ans Ende. Und wenn auch du nicht vollkommen bist und das immer wieder in deinem Leben feststellst: Wenn du ein Kind Gottes bist, dann liebt Christus dich. Deine guten oder auch deine schlechten Werke können die Liebe von Christus zu dir weder größer noch kleiner machen. Weil Christus hat uns geliebt, als wir noch Feinde waren, und er sichert uns in Römer 8 zu: »Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.«
In den Momenten, in denen wir zweifeln, in denen wir herausgefordert sind, dürfen wir uns genau daran erinnern, dass Christus uns liebt. Und es wird nie einen Moment geben, an dem du diese Liebe verdient hast. Es ist ausschließlich seine große Güte gegenüber seinen Kindern. Die Verheißung der unerschütterlichen Liebe Christi.
Die zweite Verheißung, die wir haben dürfen, ist die Verheißung der Vergebung. Wenn wir als Menschen gegen andere Menschen und auch vor allem gegen Gott sündigen, dann fordert uns die Schrift sehr klar dazu auf, dass wir um Vergebung bitten sollen. Wir sind dafür verantwortlich, diesen Schritt zu gehen und Buße zu tun. Und wenn wir es getan haben, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns vergibt. Wir dürfen glauben und dem vertrauen, dass Gott unsere Sünde reinwäscht. Und unser Denken, unser Verstand muss daran erinnert werden, was Gott durch den Propheten Jesaja sagt, Jesaja 43, Vers 25: »Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und an deine Sünden will ich nie mehr gedenken.«
Der Widersacher will genau das Gegenteil. Er will dir sagen, du bist es nicht wert, dass Gott dir vergibt, weil du versagt hast. Er sagt dir, du musst dies und das und jenes tun, damit Gott dir vielleicht wieder gnädig ist. Der Widersacher will dein Gottesbild zerstören oder auch verzerren. Und ja, Gott ist vollkommen heilig. Gott hasst Sünde und Gott will, dass wir Buße tun und Früchte der Buße tun. Aber Gott gibt uns die Zusage, dass er unsere Sünden vergibt und daran nicht mehr gedenkt.
Micha 7, Verse 18 bis 19 sagt: »Wer ist ein Gott wie du, der die Sünde vergibt und dem Überrest seines Erbteils die Übertretung erlässt, der seinen Zorn nicht alle Zeit festhält, sondern Lust an der Gnade hat? Er wird sich wieder über uns erbarmen, unsere Missetaten bezwingen. Ja, du wirst alle ihre Sünden in die Tiefe des Meeres werfen.«
Gott will Sünde vergeben, wenn du sie bekennst, und er vergibt gerne. Diese Verheißung, diese Zusage dürfen wir haben. Und wir haben vorher gesehen: Gott hält sein Wort, weil er nicht lügt, und er verheißt, dass er uns vergibt.
Wir können also festhalten: Gott verheißt uns, dass er uns unerschütterlich liebt und dass er gerne vergibt. Eine dritte Verheißung ist die Verheißung der Versorgung. Ich weiß nicht, wie eure letzten Wochen und Monate so gelaufen sind. Vielleicht hattest du hier oder da einen Engpass. Ein Gerät, eine Maschine ist zu Hause kaputt gegangen. Das Auto muss in die Werkstatt. Eine Renovierung am Haus macht dir zu schaffen, weil die Rechnung deutlich teurer ist, als du erwartet hast. Du machst dir über die steigenden Preise oder über das aktuelle Weltgeschehen Sorgen. Doch hier dürfen wir wissen und die Verheißung als seine Kinder haben, dass Gott uns versorgt.
Jesus ruft seinen Zuhörern in der Bergpredigt zu, in diesem so bekannten und so eindrücklichen Text, Matthäus 6, Verse 25 bis 27: »Darum sage ich euch, sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel des Himmels an. Sie säen nicht und ernten nicht. Sie sammeln auch nicht in die Scheunen. Und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen?«
Was für ein Trost. Gott hat ein Auge auf seine Kinder und Gott sorgt für sie. Und so viele von euch hier in unserer Mitte können das bezeugen, dass Gott das wirklich tut – sowohl materiell als auch geistlich. Gott schenkt uns alles, was wir zum Leben in der Gottesfurcht benötigen. Und auch die Sonne, die wir in den letzten Tagen genießen durften, ist ein Zeichen von Gottes Versorgen und von Gottes Treue, von seiner Güte und seiner Barmherzigkeit. Wir dürfen sicher sein, dass Gott uns versorgt.
Gott verheißt, dass er uns liebt, dass er uns vergibt und dass er uns versorgt. Und Gott verheißt uns aber auch, dass unser Glaube durch Anfechtung bewährt wird. Das ist die Verheißung der Veredlung. 1. Petrus 1, Verse 6 bis 7 sagt: »Dann werdet ihr euch jubelnd freuen, die ihr jetzt eine kurze Zeit, wenn es sein muss, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit die Bewährung eures Glaubens, der viel kostbarer als das vergängliche Gold, das durchs Feuer erprobt wird, Lob, Ehre und Herrlichkeit zufolge habe bei der Offenbarung Jesu Christi.«
Gott gebraucht Anfechtungen in unserem Leben, damit unser Glaube geprüft wird. Gewisse Momente im Leben, die herausfordernd sind, benutzt Gott dazu, damit wir seinem Ebenbild ähnlicher werden, weil genau dazu sind wir geschaffen worden. Und das ist die Art und Weise, wie Gott uns verändert, und er benutzt dafür Glaubensprüfungen, große oder auch kleine. Und wenn wir uns durch seine Gnade darin bewähren, wird unser Glaube veredelt und damit wertvoller und kostbarer. Und wir leben dazu, wozu Gott uns geschaffen hat.
Jesus hat zu uns gesagt, dass wir genauso wie er Anfechtung und Leid durchgehen müssen, aber wir haben ihn als Hohepriester, der in allem versucht wurde wie wir und doch ohne Sünde blieb, und den wir deshalb um Beistand, um Trost, um Kraft, um Hilfe bitten können. Die Verheißung der Veredlung.
Das letzte und fünfte für die Gläubigen ist die Verheißung einer ewigen Heimat bei Gott. Und in all dem Leid und Desaster, egal wie groß oder wie klein das um uns herum ist – ob das im persönlichen Umfeld ist, im familiären Umfeld, im beruflichen Umfeld, im ganzen politischen Umfeld, hier lokal oder auch global – wir haben eine Hoffnung als Gläubige. Dieses Leben auf der Erde hat ein Ende. Der Kampf mit der Sünde und mit Leid besteht nicht für alle Ewigkeit. Es wird einen Moment geben, an dem alles aufhören wird, wenn wir in der Gegenwart Christi leben werden. Wir haben ein Erbe so sicher und so fest, das uns keiner nehmen kann.
Und Petrus sagt zu den verfolgten Gläubigen, 1. Petrus 1, Verse 3 bis 5: »Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns, die wir in der Kraft Gottes bewahrt werden durch den Glauben zu dem Heil, das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit.«
Dieses Erbe, diese Hoffnung kann uns keiner nehmen. Gott hat es mit seinem Heiligen Geist selbst versiegelt. Und das darf uns Trost, Hoffnung und Ermutigung geben. Es wird in der Ewigkeit keine Tränen geben, kein Leid, keinen Tod, keine Schmerzen, keinen Krieg, keinen Hunger, keine Verfolgung. Wie oft vergessen wir das im Alltag, wenn wir von irgendwelchen Herausforderungen überrannt werden? Die müssen gar nicht groß sein, aber sie richten unseren Blick weg. Und ja, wir dürfen dieses Erbe jetzt schon genießen und wir dürfen auch hier schon ein Leben in Freude und in Zuversicht leben durch Gott, der uns seinen Geist gegeben hat. Aber wir dürfen auch diese Verheißung erwarten, die mit hundertprozentiger Sicherheit eintreffen wird für all diejenigen, die Christus im Glauben angenommen haben.
Wisst ihr, wir könnten noch Stunden damit zubringen, eine Verheißung nach der anderen, die Gott uns gegeben hat, zu studieren und zu sehen und darüber zu staunen, was Gott uns alles tut, und dadurch ermutigt zu werden. Und ich hoffe, dass Gottes Wort das ist, was uns ermutigt und tröstet und aufzeigt und kennenlernen lässt, was Gott uns verheißt, damit wir sie vor Augen haben, damit wir sie kennen und immer wieder daran erinnert werden.
Vielleicht stellt sich jetzt auch noch die Frage: Was ist aber mit denjenigen, die keine Kinder Gottes sind? Was ist mit denjenigen, die Christus noch nicht im Glauben angenommen haben? Sie haben auch eine Verheißung. Matthäus 11, Vers 28 sagt: »Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken.« Wenn du heute kein Kind Gottes bist, dann darfst du dich demütig Gott nahen. Du darfst ihn um Vergebung bitten und er wird dich erquicken. Er wird Ruhe für deine Seele geben. Er wird Frieden geben.
Aber was passiert, wenn du das nicht tust? Was passiert, wenn du weiter gegen Gott rebellierst? Dann hast du die sichere Verheißung, dass du für alle Ewigkeit dem Zorn Gottes ausgesetzt bist. Aber ich hoffe und ich bete, dass du dich zu Gott wendest, dass du diese Verheißung in Anspruch nimmst, dass Gott dir Ruhe schenken kann und will, und dass du daraus dann alle weiteren Verheißungen in Anspruch nehmen kannst. Nicht, weil du es verdient hast, sondern weil Gott gnädig ist, weil Gott treu ist und weil Gott sein Wort hält.
Wir haben gesehen, wie Gott Abraham seine Verheißung erneuert, wie Gott sie immer wieder bekräftigt, damit Abraham sie wirklich vor Augen hat und sie kennt. Und auch wir als Kinder Gottes brauchen immer und immer wieder die Erinnerung daran, was Gott verheißen hat, damit wir Mut und Kraft haben. Aber es darf nicht nur beim Schauen und Kennen stehen bleiben, sondern wir wollen Abraham als Glaubensvorbild folgen und noch einen Schritt weitergehen. Und damit kommen wir zum dritten und letzten Punkt: Wirke aus Gottes Verheißungen.
Kommen wir zurück zu unserem Text aus 1. Mose 13 und lesen die Verse 17 und 18, wo Gott zu Abraham spricht: »Mache dich auf und durchziehe das Land seiner Länge und Breite nach, denn dir will ich es geben. Da brach Abraham auf, kam und wohnte bei den Terebinten Mamres in Hebron und baute dort dem Herrn einen Altar.«
Nachdem Gott Abraham diese Verheißung schauen lässt und sie bekräftigt, damit Abraham sie gut kennt und dadurch auch ermutigt ist, fordert Gott Abraham auf, aus der Verheißung heraus zu wirken. Gott hat nicht zu Abraham gesagt: »Bau dir ein schönes Häuschen oder vielleicht ein großes Zelt. Warte, bis die Verheißung eintrifft, deine ganzen Enkel kommen und du dann siehst, wie sie das Land einnehmen werden.« Gott hat zu Abraham gesagt: »Geh und durchzieh das Land.« Gott fordert Abraham auf, etwas zu tun. Abraham soll durch das Land ziehen und sich es aneignen.
Und Vers 18 berichtet genau davon. Er sagt: »Da brach Abraham auf, kam und wohnte bei den Terebinten Mamres in Hebron und baute dort dem Herrn einen Altar.«
Abraham zieht bis zu den Terebinten Mamres bei Hebron. Man ist sich heute nicht ganz sicher, was diese Terebinten waren, aber es könnte eine ziemlich große oder eine ziemlich markante Baumart gewesen sein. Auf jeden Fall können wir davon ausgehen, dass die Leute, die damals gelebt haben, diese Baumart sehr gut kannten. Der Baum musste also gewisse Merkmale haben und sich von anderen unterscheiden, damit er als so eine konkrete Ortsangabe gelten kann, weil Gott zu Abraham sagt, geh zu den Terebinten Mamres, und Abraham sagt, dass er dort gewohnt hat. Das heißt, es war bekannt. Dieser Ort war nicht fremd. Man wusste, wo das war. Es war nicht weit weg von dem Ort, wo Abraham losgezogen ist.
Aber was macht Abraham dann? Der letzte Teil von Vers 18 sagt: »Und baute dort dem Herrn einen Altar.«
Gott richtet Abrahams Blick auf seine Verheißung. Gott erinnert ihn daran, bekräftigt es, damit Abraham das kennt. Und das führt Abraham dazu, dass er Gott anbetet, dass er aktiv wird, hingeht und dann Gott anbetet. Wie gesagt: Abraham sieht noch nicht viel oder fast nichts davon, was Gott ihm alles verheißen hat. Aber Abraham vertraut Gott, handelt und betet an. Und das ist eine so vorbildliche Reaktion auf Gottes Zusage. Abraham wirkt aus der Verheißung Gottes heraus.
Verheißungen sind nicht dazu gegeben, ausschließlich auf ihnen auszuruhen. Abraham ist das Beispiel dafür: Weil Gott seine Verheißung gegeben hat und sein Wort und seine Zusage, durfte Abraham handeln – und dürfen auch wir handeln, mutig dem nachzugehen, wozu Gott uns berufen hat. Egal in welchen Umständen oder Herausforderungen oder Beziehungen wir uns befinden: Du kannst durch die Verheißung der unerschütterlichen Liebe Christi dein Leben ihm voll hingeben und ihm mit deinen Gaben dienen. Du kannst durch die Verheißung der Vergebung wahren Frieden haben. Du kannst anderen vergeben, weil du die Verheißung hast. Du kannst durch die Verheißung der Versorgung ruhig sein und all das, was Gott dir gibt, zu seiner Ehre einsetzen. Du musst durch die Verheißung der Veredlung nicht einfach verzweifeln, wenn dein Glaube gerade geprüft wird und dadurch edler gemacht wird, sondern du darfst durch die Verheißung Gott vertrauen. Du darfst letztendlich auch durch die Verheißung einer ewigen Heimat Hoffnung haben, dass all das einmal ein Ende hat. Du darfst dich jetzt schon so darauf freuen, dass dein Erbe sicher ist. Du darfst es jetzt schon leben und einmal voll erhalten, weil es zu 100% sicher in Christus ist.
Wenn du Christus nicht kennst, dann darfst du dich ihm demütig nahen, um seine Gnade bitten, dass er dir vergibt. Du darfst sein Kind werden und du darfst in den Genuss all seiner Verheißungen kommen. Gottes Verheißungen sind da, um in ihnen zu ruhen und aus ihnen heraus zu wirken. Verheißungen können nicht durch gute Werke erlangt werden, so als Belohnung – je besser und je mehr ich tue, dann gibt mir Gott mehr Verheißungen. Nein. Gottes Verheißungen dürfen wir im Glauben annehmen und leben. Wir müssen immer wieder an sie erinnert werden, damit wir sie auch wirklich leben können.
Und Gott hat uns so verschiedene Mittel gegeben, wie wir daran erinnert werden können: sein Wort in allererster Linie, das uns immer wieder daran erinnert, wenn wir es lesen; seine Gemeinde, in der diese Verheißungen entweder von der Kanzel oder auch im persönlichen Austausch gepredigt werden; durch die Musik, die durch gute biblische Lyrik daran erinnert, was Gott alles getan und gesagt hat. Und wir dürfen aus diesen Verheißungen heraus wirken zu Gottes Ehre.
Eine Begegnung aus dem Buch »Die Pilgerreise« von John Bunyan illustriert sehr gut, wie wir Gottes Verheißungen anwenden können. Ich habe das in eigenen Worten zusammengefasst.
Der Pilger Christ und sein Begleiter Hoffnungsvoll sind auf dem Weg zur himmlischen Stadt. Als der Weg mühsam wird, lassen sie sich dazu verleiten, vom schmalen Weg abzuweichen und einen scheinbar leichteren Umweg zu nehmen. Doch der Umweg wird zur Falle. Sie verirren sich und werden vom Riesen Verzweiflung überwältigt und in seine Burg des Zweifels geschleppt. Im dunklen Kerker werden sie geschlagen, eingeschüchtert und durch Drohungen und Anklagen immer tiefer entmutigt. Alles wirkt hoffnungslos. Die Finsternis, der Schmerz, die Scham über den eigenen Fehltritt und dieses lähmende Gefühl, als gebe es keinen Ausgang mehr. Sie ringen, beten und werden doch innerlich immer schwächer.
Doch dann kommt die Wende. Christ besinnt sich darauf, dass er etwas bei sich trägt, das er nicht genutzt hat: den Schlüssel der Verheißung. Er sagt zu Hoffnungsvoll: »Gottes Verheißungen könnten jedes Schloss in dieser Burg öffnen.« Er probiert es. Erst geht die Kerkertür auf, dann weitere Türen, schließlich auch das äußere Tor. So entkommen die beiden aus der Burg des Zweifels und kehren zurück auf den richtigen Weg.
Wir dürfen diesen Schlüssel der Verheißung im Kampf gegen Sünde und gegen Zweifel anwenden. Wir dürfen sie dem Widersacher entgegenhalten. Wir dürfen aus Gottes Verheißungen leben und Gott dafür anbeten. Es reicht nicht aus, wenn wir sie uns um den Hals hängen wie der Indianerhäuptling.
Richte deinen Blick auf Gottes Verheißungen. Schau auf Gottes Verheißung, kenne Gottes Verheißung und wirke aus Gottes Verheißung. Ich schließe mit folgendem Vers, 2. Korinther 1, Vers 20: »Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt, in ihm ist das Ja und in ihm auch das Amen. Gott zum Lob durch uns.«
Dürft gerne stehen und ich bete.
Treuer Gott, ewiger Vater, wir loben und preisen dich für deine Güte und für deine Barmherzigkeit, für deine Treue und für deine Langmut und für deine Liebe zu uns. Danke für dein Wort und die Verheißung, die du damals Abraham gegeben hast, und auch dein Wort, das deutlich macht, wie du diese Verheißungen erfüllt hast und wie du mit ihm gearbeitet hast, indem du ihn immer wieder daran erinnert und deine Verheißungen bekräftigt hast. Danke für all die Verheißungen, die du uns als deine Kinder gegeben hast, damit wir in ihnen ruhen und auch aus ihnen heraus wirken. Schenk du viel Gnade dabei, in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder uns das vor Augen zu führen, unseren Blick darauf zu richten, damit wir das tun, wozu du uns berufen hast, zu deiner Ehre. Amen.
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