12. Juli 2026
Philipper 2 zeigt: Christus entäußerte sich, diente als Sklave und gehorchte bis zum Kreuzestod.
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Liebe Geschwister, ich grüße euch von Herzen. Auch von der Bibelgemeinde Barnim soll ich euch ganz liebe Grüße weitersagen. Auch wir sind im Sommermodus etwas reduziert, aber dennoch habe ich die Freiheit, heute hier zu sein. Danke, Theo, für die herzlichen, warmen Worte der Begrüßung.
Ja, ich freue mich, bei euch zu sein, und das Wort Gottes zu öffnen ist das Schönste, was wir überhaupt tun können, wenn wir auf das Wort Gottes hören.
Nun, ich habe mich entschieden, den Philipperbrief zu predigen, auch in der Bibelgemeinde Barnim. Ich bin gerade fertig damit. Ich habe noch eine Predigt, eine zusammenfassende Predigt. Und als Theo mich diese Woche kontaktierte, habe ich gleich gedacht: Ja, irgendetwas aus dem Philipperbrief. Ich habe aber nicht nachgesehen, dass ihr gerade eine Predigt im Januar von Professor Dr. Tim Dane aus genau Philipper 2 gehört habt. Nun, ich bin froh, dass ich das gar nicht gehört habe und dass ich diese Predigt dennoch vorbereiten konnte. Und wisst ihr, ich bräuchte jeden Tag eine Predigt über die Demut unseres Herrn Jesus Christus, weil das haben wir alle so sehr nötig.
Lasst uns zu Beginn des Gottesdienstes das Wort Gottes aufschlagen und den Text lesen aus Philipper 2. Die Verse 5 bis 8 ist der Predigttext, aber ich lese ab Vers 1, um euch einen näheren Kontext zu geben. Ich werde euch noch weiteren Kontext geben.
Da heißt es in Kapitel 2, Vers 1:
»Gibt es nun bei euch Ermahnung« – besser übersetzt: »Da es nun bei euch Ermahnung in Christus gibt, es Zuspruch der Liebe gibt, es Gemeinschaft des Geistes gibt, es Herzlichkeit und Erbarmen gibt, so macht meine Freude völlig, indem ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und auf das eine bedacht seid, tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen.«
Denn ihr sollt so gesinnt sein. Und jetzt ist der Predigttext ab Vers 5. Das »Denn« ist nur in den neueren Handschriften. Ich lasse es deshalb weg.
»Ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie ein Raub festhielt, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes (oder eines Sklaven) an und wurde wie die Menschen. Und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuz.«
Soweit der Text. Lasst uns noch einmal vor der Predigt beten.
Oh Herr, wir danken dir von ganzem Herzen für dein unfehlbares, heiliges Wort. Du sprichst heute noch – sprich du heute zu unseren Herzen. Danke für die Wahrheiten dieses Textes. Danke für die Tatsache, Herr Jesus Christus, dass du, der ewige Gott, die zweite Person der Gottheit, das du Mensch wurdest, dich gedemütigt hast, um uns zu erretten. Oh, welch wunderbares Vorrecht, dass wir das schwarz auf weiß lesen können, dass es so ist. Danke für die Ermutigung und die Ermahnung, die wir aus diesem Text erhalten. Segne uns als deine Kinder dir zu Ehre, in Jesu Namen. Amen.
Nur ein paar Worte zum Philipperbrief. Der Philipperbrief wurde etwa 61 nach Christus geschrieben. Paulus war zur Zeit in seiner ersten römischen Gefangenschaft und er war an einen römischen Soldaten gekettet. Er hatte eine sehr gute Beziehung zu dieser Gemeinde. Er hatte sie auf seiner zweiten Missionsreise zusammen mit Silas gegründet – auch der junge Timotheus war dabei. Nachdem sie dort ein wenig verweilt hatten und Paulus und Silas nicht nur eine kurze Gefängniszeit erlebten, sondern auch äußerlich viel Prügel gekriegt hatten, reisten sie weiter nach Thessalonich. Philippi lag im Osten des damaligen Mazedoniens.
Paulus ist weiterhin mit dieser Gemeinde verbunden. Er ist sogar auf Geschwister angewiesen, die ihn in dieser Zeit, in dieser Gefangenschaft, in diesem Hausarrest, von dem wir auch in Apostelgeschichte 28 lesen, versorgen. Nun, er hat Timotheus bei sich und die Gemeinde aus Philippi sendet ihm Epaphroditus mit einer größeren Geldgabe, und um auch Paulus zu dienen.
Diese Gemeinde ist vorbildlich. Sie ist wirklich eine Gemeinde – so wie ihr es auch seid – eine vorbildliche Gemeinde, und sie war eine freigiebige Gemeinde. Das lesen wir auch im zweiten Korintherbrief, Kapitel 8. Die Gemeinden aus Mazedonien, und dazu gehörte auch Philippi, waren äußerst freigiebig. Sie gaben so viel Geld bei der Sammlung für die Armen in Jerusalem, über ihr Vermögen hinaus. Aber nicht nur das: Sie gaben zunächst sich selbst hin und dann gaben sie über ihr Vermögen hinaus.
Sie waren eine wirklich gute Gemeinde und dennoch gibt es, wie in jeder Gemeinde, auch Schwierigkeiten. Und wir erkennen aus dem Text, dass es dort Unstimmigkeiten gab. Am bekanntesten ist natürlich der Konflikt der beiden Frauen Euodia und Syntyche in Kapitel 4, die ermahnt werden und die auch Hilfe von außen brauchten.
Aber auch scheint es so, dass Paulus noch nicht ganz vollkommen war in seiner Freude. Dies ist ein Brief voller Freude. Wir sehen das Thema immer wieder erwähnt, besonders Kapitel 4, 4, wo er auffordert, sich zu freuen in dem Herrn. Und er sagt: »Und abermals sage ich euch, freuet euch in dem Herrn.« Diese Philipper waren mit dem Herrn verbunden. Sie waren eine wunderbare Gemeinde, aber sie sollten Paulus‘ Freude völlig machen. Das heißt, es war noch ein bisschen Raum dort zum Wachsen, wie in jeder anderen Gemeinde auch. Wir können nie sagen, wir sind bereits dort angekommen, wo wir sein sollen. Wir können noch wachsen.
Und wie wir gerade gelesen haben, ist ein ganz entscheidender Teil dabei unser Denken. Immer wieder wird das Denken betont – die Gesinnung. Eine Gesinnung, eine Einstellung ist ein dauerhaftes Denken. Sie sollten dauerhaft nicht zu hoch von sich selbst denken. Sie sollten demütig sein. Sie sollten den anderen höher achten als sich selbst. Das zeigt Paulus uns in den ersten vier Versen. Aber dann, in Vers 5, sehen wir, wer diese Demut, dieses richtige Denken verkörpert. Und ihr wisst es natürlich, ohne dass ich euch die Antwort gebe: Es ist der Herr Jesus Christus.
Mein Text heute möchte euch auffordern: Sei wie Christus Jesus demütig gesinnt.
Ich möchte euch heute zeigen, wie diese Demutsgesinnung des Herrn Jesus Christus – des Christus, wobei der Name Christus immer die Erhabenheit, die Gottheit unseres Herrn betont, während der Name Jesus mehr das Menschsein betont – wie die Demutsgesinnung des Christus sich in seiner Entäußerung zeigt. Als zweites möchte ich euch die Demutsgesinnung Jesu in seinem irdischen Dienst zeigen, und als drittes die Demutsgesinnung Jesu in seinem Gehorsam. Und ihr denkt, Mensch, der Borchmann der ist irgendwie ein Künstler, der kann das in einer Predigt machen. Natürlich kann ich nicht allumfassend auf jeden Bereich eingehen, aber ich versuche es zusammenzufassen.
Nun, der erste Vers »Sei wie Jesus Christus demütig gesinnt«, in Vers 5 heißt es: »Ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war.« Besser übersetzt wäre: Diese Gesinnung – denn es fängt mit einem hinweisenden Fürwort im Griechischen an – diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war.
Dieser Vers zeigt auf der einen Seite zurück und er zeigt auf der anderen Seite nach vorne, er blickt nach vorne. Das heißt, es gibt in diesem Text einerseits eine gedankliche Verbindung zu dem bereits Gesagten und andererseits werden die Gedanken weiter fortgeführt. Kurz gesagt, dieser Vers 5 dient dazu, das Vorhergehende mit dem Nachfolgenden zu verbinden. Paulus sagt hier im Prinzip nach: Hab die demütige Gesinnung, die ich gerade in den Versen 1 bis 4 dargelegt habe, denn das ist genau die Gesinnung, die Jesus Christus oder Christus Jesus in sich hatte.
Es ist möglich, dass das erste Demonstrativpronomen zurück auf die Aufforderung zuvor weist und das mittlere Relativpronomen wie nach vorne zu dem Beispiel Christi. Beides wird also gebraucht, um diesen Vers als Übergang zu benutzen.
Ihr Lieben, wir sollen gesinnt sein wie Jesus Christus. Und wie zeigt Jesus Christus das? Was sagt uns dieser Text? Er zeigt seine Demut, seine Gesinnung in seiner Entäußerung.
Entäußerung – heißt es nicht Veräußerung? Nein. Er entäußerte sich selbst. Das hat nichts mit Weggabe zu tun. Es hat auch nichts mit einem entäußern zu tun, etwas zu verkaufen, sondern es hat mit etwas Hinzutun zu tun. Wie kann das sein? Nun, an dieser Stelle im Text – und ich lese den Text einfach noch einmal: »Der in der Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich selbst. Er nahm Knechtsgestalt an (oder die Gestalt eines Sklaven).«
Nun, das Wort entäußern, da wurde soviel darüber geschrieben, das ist das griechische Wort Kenoō. Und Kenoō ist die Kenosis. Haben vielleicht einige von euch mal gehört: die kenotische Christologie. Darauf gehen wir nicht ein, weil da wird so viel spekuliert, was das alles bedeuten könnte. »Jesus hat aufgehört, Gott zu sein.« »Jesus hat aufgehört, seine göttlichen, unabhängigen Eigenschaften zu nutzen.« All solche Dinge werden spekuliert in der kenotischen Theologie, aber wir gehen da nicht drauf ein. Wir wissen, was hier steht.
Entäußern, Kenoō, bedeutet entleeren. Wovon hat er sich denn nun entleert? Was hat denn unser Herr Jesus Christus getan? Nun schauen wir uns genau den Text an. Haltet eure Bibel am besten aufgeschlagen dabei.
»Ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, der« – was war er? – »der in der Gestalt Gottes war« – das ist das Wort Morphē – »und es nicht wie ein Raub festhielt, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und nahm die Gestalt, Morphē, eines Sklaven an.«
Nun, das Wort Gestalt hat nichts mit einer äußeren, physischen Erscheinung zu tun. Das ist nicht der Sinn, sondern es hat mit dem Wesen Gottes zu tun. Diese Verse reichen tief in die ewige Vergangenheit unseres Herrn, der zweiten Person der Gottheit, in das Vorzeitliche hinein. Es hat nichts mit physischer Größe zu tun. Es hat nichts mit sichtbarer Form zu tun. Und wir werden bei diesem Text herausgefordert, auch zu denken. Man lässt, wenn man in die Gemeinde kommt, ohnehin nicht den Verstand an der Garderobe, sondern man muss ihn mit in die Reihe nehmen und man muss mitdenken. Das werdet ihr hier auch gelehrt, dass wir denken müssen. Und Denken ist auch das Entscheidende hier in diesem ganzen Abschnitt: Eine Gesinnung zu haben wie Jesus Christus, heißt, dauerhaft so zu denken. Das ist auch der Befehl, der Imperativ – er wird dauerhaft zu denken aufgefordert. Eine Gesinnung ist ein dauerhaftes Denken.
Wir erinnern uns nur daran, dass Gott Geist ist. Das wissen wir alle. Johannes 4, Vers 24 macht es deutlich: »Gott ist Geist. Und wer ihn anbeten will, der muss ihn in Geist und Wahrheit anbeten.« Und er war Geist, bevor er diese Welt überhaupt machte. Er war der ewige Geist. Gott ist Geist. Gott selbst kann nicht in menschlichen Begriffen oder Vergleichen zutreffend beschrieben werden. Und dennoch machen wir das immer wieder. Wir benutzen bestimmten Stil dafür. Das nennt man Anthropomorphismus. Anthropomorphismus bedeutet, man schreibt Gott menschliche Eigenschaften zu. Gott hat auf einmal Hände und er hat Augen. Aber wenn wir uns einen Geist ansehen – den können wir nicht sehen. Gott hat keine Augen und er hat auch keine Hände. Das ist eine Tatsache. Gott ist Geist, er hat keine Hände, und trotzdem wird er so beschrieben. Obwohl wir so reden und die Schrift das auch so tut, behaupten wir deshalb nicht, dass Gott eine menschliche Gestalt hat. Die hat er nicht. Gott ist Geist.
Und es fällt uns sehr schwer, von Gott als einem Geist zu denken. Deshalb werden wir nochmals menschliche Begriffe anwenden, um göttliche Eigenschaften oder Vollkommenheiten und Handlungen zu beschreiben. Und das ist legitim. Das tun auch die Verfasser der heiligen Schrift. Dennoch müssen wir jetzt realisieren, dass die Vergleiche einfach nur metaphorische, bildhaftliche Sprache sind.
Das Wort Gestalt in unserem Text zeigt in diesem Zusammenhang nur den äußeren Ausdruck seiner inneren Natur. Und das bedeutet nichts anderes, als dass Christus, die zweite Person der Gottheit, bereits in der Vergangenheit, in der ewigen Vergangenheit, Gott war. Wir wissen, einige Sekten können das überhaupt nicht anerkennen, dass Jesus Gott ist, aber er war schon immer. Jesus war und ist der ewige Gott. Kurz und bündig: Die zweite Person der Gottheit, der Christus, ist und war schon immer Gott.
Und tatsächlich sagt Paulus von Christus Jesus in unserem Text auch, dass er Gott gleich war – Vers 6. So ist der Ausdruck: Isos – er war Gott gleich. Und das betonen viele Abschnitte in der Schrift, zum Beispiel Johannes 1 – legt unser Bruder Daniel gerade aus, die Verse 1 bis 4 –, Kolosser 1, Vers 15, Hebräer 1 bis 3, wo er die Ausstrahlung der Herrlichkeit Gottes und seines Wesens ist. Er ist Gott. Er reflektiert nicht nur die Herrlichkeit Gottes, sondern er strahlt sie selbst aus, weil er Gott ist.
Und als Gott brauchte der Sohn Gottes natürlich gar nichts. Er ist der selbstgenügsame, unabhängige Gott, der selbstexistierende Gott. In der Theologie spricht man von der Aseität Gottes. Er hat an nichts Mangel, überhaupt nichts. Er ist der ewige Gott und er besaß von Ewigkeit her die völlige Herrlichkeit Gottes und war dabei selbst mit sich zufrieden. Es fehlte ihm tatsächlich an gar nichts.
Denk mal zurück. Ich meine, die Menschheit ist noch nicht so alt, aber es gibt eine ganze ewige Vergangenheit. Und da war Gott – die ganze ewige Vergangenheit. Wir sehen natürlich alles in einem Zeitstrahl. Gott war mit sich selbst zufrieden, aber dann fasste er einen ewigen Ratschluss, und dieser ewige Ratschluss sah vor, dass Gott Mensch werden sollte.
Philipper 2,6 stellt nun eine erstaunliche und für uns höchst erfreuliche Tatsache fest. Er betrachtete seine Gleichheit mit Gott – das heißt mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist – damit die Privilegien, die er hatte, nicht als etwas, an dem er selbstsüchtig festhalten würde, wie ein Raub, den man ergattert hat und den man nur für sich haben will. Nein, das tat er nicht. Er betrachtete das nicht wie einen Schatz, den er nur für sich haben wollte.
Er dachte schon von Anbeginn der Welt nicht nur an sich selbst, sondern an andere. Römer 15,3 sagt: »Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen.« Seine Gesinnung, sein dauerhaftes Denken war nicht eine selbstbezogene Sorge, sondern auf andere gerichtet, auf seine Schöpfung. Und das ist die Gesinnung des Christus, von der wir lernen sollen. Eine Haltung, die sagt: Ich werde meine Vorrechte nicht aus egoistischen Motiven für mich behalten.
Wir müssen lernen, anders orientiert zu sein, uns auf andere zu konzentrieren. Und wir haben gerade gelesen in den Versen 1 bis 4: »Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf das seine, sondern auf das, was des anderen ist.« Das war die Gesinnung des Christus.
Christus, ihr Lieben – und das ist die gute Nachricht –, er wollte seine Herrlichkeit nicht nur für sich behalten. Und das wird deutlich ganz besonders in dem Gebet aus Johannes 17, wo er mit seinem Vater redet und sagt: »Die Herrlichkeit, die ich vor Grundlegung der Welt hatte – ich möchte, dass sie auch meine Jünger sehen, und nicht nur die, sondern auch die, die durch die Jünger zum Glauben kommen.« Also wir. Er wollte, dass wir alle seine Herrlichkeit sehen.
Und das sehen wir im Evangelium bestätigt, denn überall sehen wir, dass Gott Interesse hat, den Mangel, den wir haben, zu stillen – nämlich den Mangel an der Herrlichkeit. Kennt ihr Römer 3, Vers 23? »Denn alle haben gesündigt und mangeln der Herrlichkeit, die sie bei Gott haben sollten.« Das sind wir alle. Wir haben Mangel an der Herrlichkeit Gottes. Und Christus möchte, dass wir Anteil haben an seiner Herrlichkeit. Und deshalb muss er uns erlösen.
Johannes 17,24 heißt es: »Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.« Um unsertwillen sind diese Worte des Gespräches auch in Johannes 17 festgehalten, damit wir das sehen können. Sie zeigen uns das ewige Denken des Christus auf, nachdem er sich den Menschen als Retter und Christus offenbart hat und Jünger in der Gefolgschaft hatte.
Nun, was heißt es, dass er es nicht wie einen Raub festhalten sollte Gott gleich zu sein? Paulus gibt die Antwort in Vers 7: »Er entäußerte sich selbst.« Und ich habe schon gesagt, er nahm eine andere, neue Gestalt an – Morphē –, was nichts mit Aussehen zu tun hatte, sondern mit seinem Wesen. Er wurde wahrer Mensch.
Und das Verb hat viele dazu veranlasst zu denken, dass diese Entleerung – Kenoō – bedeute, Christus habe einfach aufgehört, Gott zu sein, oder er hat verzichtet auf seine unabhängigen Eigenschaften seiner Gottheit. Erstens: Christus ist nicht unabhängig. Er ist nicht unabhängig von seinem Vater. Christus hat immer getan, was sein Vater wollte. Immer.
Nun, was hat er denn getan? Die Schrift lehrt, dass Christus in seiner Inkarnation, in seiner Fleischwerdung, nur das Recht auf die ständige Kundgebung seiner göttlichen Perfektion aufgab. Er hat nicht ständig gesagt: »Guck mal, ich bin Gott.« Wenn du Jesus auf Erden gesehen hättest, wenn du damals gelebt hättest und Jesus vor dir gesehen hättest, hättest du nicht gesagt: »Oh, wow, was für ein herrlicher Gott.« Nein, wisst ihr, was du gesehen hättest? Als wenn du Theo in die Augen gesehen hättest, einfach ein ganz normaler Mensch.
Er hat darauf verzichtet, nicht ständig diese Herrlichkeit, seine göttliche Perfektion, zum Ausdruck zu bringen. Manchmal tat er das – besonders auf dem Berg der Verklärung, als man seine Herrlichkeit sah, die drei Jünger, oder wenn er Wunder tat. Die Hochzeit zu Kana, als er aus Wasser Wein machte – da sahen sie seine Herrlichkeit. Aber in den meisten Fällen war diese Herrlichkeit hinter dem Schleier seiner wahren Menschheit verborgen. Er war ein Mensch. Deshalb heißt es in Johannes 1: Er kam in die Welt, aber die Welt erkannte ihn nicht. Und dann kam er zu den Seinen und sie nahmen ihn nicht an. Er kam in sein Eigentum und sie nahmen ihn nicht an. Wisst ihr warum? Jesus sah aus wie ein ganz normaler Mensch, und er wurde ein ganz normaler Mensch – und dennoch blieb er 100% Gott.
An seiner Gottheit veränderte sich gar nichts. Er hat nicht gesagt: »Jetzt höre ich mal auf, Gott zu sein, ich muss jetzt Mensch werden.« Nein, nein. Er war – und wie Theologen das immer ausdrücken – wahrer Mensch und wahrer Gott gleichzeitig. Verstehst du das? Ich nicht. Aber so war’s. Müssen wir auch nicht verstehen. Wir müssen es glauben. So lehrt die Bibel das.
Er hat eine wahre Menschheit angenommen, und in der Menschheit hat die bestehende zweite Person der Dreieinheit alle wesentlichen Eigenschaften des Menschseins und das für einen Knecht angemessene Dasein angenommen, und somit wurde er Gott-Mensch.
Ihr Lieben, ihr denkt: Na und – das ist Gott, und Gott wird auf einmal von Sündern so behandelt, als wäre er ein normaler Mensch. Ihr guckt ihn an und sagt: »Was willst du eigentlich hier? Wer bist du eigentlich?« Dabei ist er der Schöpfer dieser Welt. Und Jesus hatte alle Macht. Er hätte diese Leute sofort wegblasen können mit einem Wort. Und es geht weiter. Er blieb beständig dabei, den Willen des Vaters zu tun – in Demut.
Wisst ihr, wie schwer das ist, demütig zu sein? Jesus kam nicht wie ein aufgeblasener Gockel daher. Er kam demütig, wurde geboren in einer Krippe. Er ritt auf einem Eselfüllen – demütig, nicht auf einem ägyptischen Wagen, der den Mercedes schlechthin darstellte in der Gesellschaft. Nein, nein, er kam immer demütig und er wurde demütig in seiner Menschwerdung.
Christus entleerte sich also nicht selbst von irgendetwas. Er legte weder göttliche Eigenschaften ab, noch verzichtete er auf seine unabhängigen Rechte bei der Ausübung seiner Gottheit, sondern er entäußerte sich selbst. Das heißt, er machte sich selbst ohne Ansehen. Und das ist der Punkt. Im Englischen wird es so schön in der King James Version ausgedrückt: »He made himself of no reputation.« Er machte sich selbst ohne Ansehen.
Nochmals: Du guckst ihn an und sagst: »Normaler Mensch.« Stell dir vor, Gott wird nach der Menschwerdung nur als Mensch angenommen und auch so behandelt. Du siehst ihn und weißt nicht, dass er Gott ist. Er ist scheinbar ein Nichts. Scheinbar, einfach nur so wie du und ich. Wow. Dem Herrn sei Dank.
Er war nicht untätig und hat uns gezeigt, wer er wirklich ist. Und die Selbstentäußerung des Christus besteht darin, dass er die menschliche Natur annahm, ohne dass er dabei etwas an seinem göttlichen Wesen veränderte oder wegnahm. Christus wurde in seiner Geburt durch die Zeugung des Heiligen Geistes ein wahrer Mensch, blieb aber gleichzeitig wahrer Gott.
Nun, warum tat er all das? Er tat es nicht, um das Gefühl eines Menschen einmal erleben zu können. Nein, er tat das aus der Gesinnung der Demut, um auf diesem Wege – und das war der einzige Weg – die Menschen vom Fluch des Gesetzes in seinem Fleisch zu erlösen.
In Römer 8, Verse 2 und 3 lesen wir: »Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch kraftlos war – das tat Gott, indem er seinen Sohn sandte in der gleichen Gestalt wie das Fleisch der Sünde und um der Sünde willen, und die Sünde im Fleisch verurteilte« – und das ohne selbst zu sündigen. Wie wunderbar.
Stell dir vor, der wahre Gott kam in diese verfluchte Welt, um Menschen aus der Sklaverei der Sünde zu befreien, sie zu retten – nur aufgrund dieses demütigen Aktes.
Wisst ihr, wie schwer es ist, sich manchmal zu demütigen? Wir sind alle stolze Wesen, extrem stolz. Mir geht es schon langsam auf den Keks, dass ich immer wieder stolz bin. Ja, ich denke manchmal: Kann nicht wahr sein. Warum stört mich das? Ihr werdet vielleicht irgendwo übersehen. Von allen wird geredet, nur von dir wird nicht geredet. Du wirst übersehen und auf einmal kratzt dich irgendetwas, und du denkst: Warum vergessen die mich? Und wir sind erstmal gar nicht so wichtig, und wir müssen Demut lernen. Und das gebraucht Gott dafür. Es geht nicht um uns. Es geht gar nicht um uns.
Er wurde für alle, die an ihn glauben, zu Gerechtigkeit, weil er sich demütigte in seiner Fleischwerdung. Und das kam aus seiner Gesinnung heraus, aus seinem Denken heraus. Und das Denken ist so wichtig auch im Philipperbrief – wir sehen das nachher noch in Kapitel 4, Vers 8, dass wir immer an das denken sollen, was wahr ist, was ehrbar ist, was vom guten Ruf ist. Wenn irgendetwas lobenswert ist, dem sollen wir nachdenken, weil das Denken sorgt dafür, dass wir es tun. Das, was wir denken, das leben wir.
Und der Herr Jesus Christus wurde Mensch, weil er demütig gesinnt war. In Jesaja 53, Verse 5 und 6 heißt es: »Um unserer Übertretung willen wurde er durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn.«
Das, ihr Lieben, ist die gewichtige Bedeutung der Erniedrigung und demütigen Gesinnung des Christus.
Aber er kam nicht nur zur Entäußerung und Erniedrigung, wurde Mensch, sondern in seiner demütigen Gesinnung nahm er die Gestalt eines Sklaven an. Doulos. Das ist der zweite Punkt: die Demutsgesinnung Jesu in seinem irdischen Dienst.
»Er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Sklaven an und wurde wie die Menschen.« Vers 7.
Also zunächst haben wir die Demutsgesinnung unseres Gottes gesehen, der sich als Gottes ewiger Sohn entäußerte und das Wesen eines Sklaven annahm und uns ähnlich wurde. Bereits in seiner ewigen Gottheit besaß Christus diese Gesinnung. Es ist nämlich der ewige Ratschluss: Was hier heute und was in Zukunft geschieht, entspringt seinem ewigen Ratschluss. So hat er schon immer gedacht. Es ist ein bisschen schwierig für uns zu begreifen, aber so ist es. So stellt die Schrift es dar. Wir wurden begnadigt vor ewigen Zeiten in Christus Jesus, und jetzt zeigt sich das alles, wie es stattfindet.
Und wir lehren, dass Jesus durch den Heiligen Geist im Leib der Jungfrau Maria empfangen wurde und somit von einer Frau geboren wurde. Und das Resultat seiner Geburt waren zwei ganze, vollkommene und unterschiedliche Naturen – die göttliche und die menschliche –, die in einer Person vereint wurden.
Aber jetzt heißt es hier, dass er Sklave wird. Und wofür ist ein Sklave bekannt? Nun, denk nicht an den afrikanischen oder amerikanischen Sklavenhandel, sondern Sklave ist in erster Hinsicht ein Diener, ein Diener, der keine eigenen Rechte besitzt. Und der Herr Jesus Christus, er wurde so ein Sklave, so ein Diener. Und er war nicht versklavt durch die Sünde. Er war nicht versklavt durch das, was er unbedingt haben musste, weil es seinem Fleisch entsprang, sondern er war ein Diener.
Und er war ein Diener, um seinem Vater zu gefallen. Er tat nichts, außer was sein Vater wollte. Immer, in jedem Fall. Und wir erinnern uns besonders an Gethsemane, wo er in diesem Todeskampf sagt: »Vater, wenn dieser Kelch an mir vorbeigehen kann – aber nicht mein Wille, sondern dein Wille.« Und Leute sagen: »Seht ihr, da sind zwei unterschiedliche Willen.« Nein, nein, das bestätigt nur, dass es nur einen Willen gibt. Er hatte den Willen des Vaters – »Dein Wille geschehe« – und das wird betont darin, dass er nur diesen Willen hatte. Aber er fühlte wie ein Mensch und er fürchtete sich vor diesen schrecklichen Konsequenzen, von seinem Vater bestraft zu werden, den Zorn des Vaters gegen sich erleiden zu müssen als Mensch. Aber als wahrer Gottmensch blieb er treu und diente bis zum Ende.
Gemäß seiner menschlichen Natur handelte er in Unterordnung unter seinen Vater. Das sehen wir in Johannes 4, Vers 34. Und durch die Kraft des Heiligen Geistes in Unterordnung unter den Vater, während er gemäß seiner göttlichen Natur durch seine Autorität und Macht als ewiger Sohn handelt. Wunderbar. Gott lässt die eigene Herrlichkeit hinter dem Schleier seiner Menschheit verschwinden.
Stellt euch mal vor – kommt mir gerade in den Sinn –: Herr Trump, der Präsident der Vereinigten Staaten, möchte nach Deutschland reisen, und er nimmt einen normalen Flieger – was er natürlich nicht tut – und stellt sich in der Schlange an und Menschen erkennen ihn. Vielleicht hat er sich ja verkleidet. Aber Menschen erkennen ihn, und was sagen sie? »Oh, Herr Trump, bitte, Sie kommen als Erster dran.« Nun ja, ich weiß nicht, ob die Stimmung wirklich so gut ist in den Vereinigten Staaten, dass sie das tun würden, aber er hat eine bestimmte Würde als Präsident der Vereinigten Staaten, und man würde ihn vorlassen, weil man sieht, wer er ist. Aber Jesus – den konnte man das nicht ansehen. Er zeigte nur denjenigen, die ihn liebten, seine Herrlichkeit. Er offenbarte sich nur denjenigen, die ihn liebten und die ihn lieben sollten.
Jesus nahm das Wesen dieses Sklaven an, der keine eigenen Rechte mehr hat und sie nicht mehr bei sich sucht, um seine Dienste zu leisten. Er tat nichts aus sich heraus, sondern er tat die Werke im Namen seines Vaters. Jesus bekundet das sehr deutlich in Johannes 10, Vers 37: »Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt mir nicht.«
Das ist etwas, womit sich Menschen – sogar wir als neue Menschen – immer noch sehr schwer tun, so zu denken und zu sagen: »Ich habe keine eigenen Rechte, ich tue einfach das, was der Vater will.« Wisst ihr, das war das Problem im Garten Eden. Adam rebellierte der Mensch gegen das, was Gott gesagt hatte. Wenn wir immer das tun und uns demütigen unter das, was Gott sagt, dann wird es uns gelingen und wir werden ihn ehren. Dann sind wir wahre Sklaven unseres Herrn Jesus Christus, unseres Gottes – und das sollen wir sein. Deshalb sollen wir auch lernen, wie Christus Jesus demütig gesinnt zu sein.
Und in seinem irdischen Dienst haben wir genügend Beispiele. Wir haben gerade vorhin aus dem Markusevangelium gehört. Im Markusevangelium wird es ja betont, dass Jesus der Diener ist. Ganz richtig. Und dass er nicht kam, um sich bedienen zu lassen, sondern er kam zu dienen. Und er gibt auch ein sehr anschauliches Beispiel dafür. Erinnert euch, als er im oberen Saal ist und die Jünger sich vorbereiten auf seinen Abschied, auf sein Gehen: Da wäscht er ihnen auf einmal die Füße, und Petrus ist völlig außer sich und sagt: »Das kann nicht sein! Kann doch nicht sein, dass der mir die Füße wäscht.« Ja, aber so war unser Herr Jesus Christus. Er war demütig gesinnt, nahm die Gestalt eines Sklaven an und er diente als ein Sklave, um das zu erreichen, was der ewige Ratschluss vorgesehen hatte, nämlich dass er eine Menschheit gewinnen würde – und nur so konnte sie erreicht werden.
Ihr Lieben, das ist so wichtig für die Philipper, das zu verstehen. Es gab offensichtlich ein paar Dinge, die nicht so gut rund liefen. Vielleicht gab es Zank. Ja, er sagt: »Macht meine Freude völlig, indem ihr eines Sinnes seid.« Sie mussten genau diese Gesinnung haben. Der Schlüssel für die Einheit in der Gemeinde ist zunächst einmal der Geist Gottes. Die Einheit des Geistes ist etwas, das sofort gegeben ist, wenn wir gläubig werden. Wir sind sofort eins, aber wir müssen auch in der Praxis eins werden, wie es in Epheser 4 heißt: Wir wachsen zu der Einheit des Glaubens. Und um dahinzugelangen, müssen wir diese Gesinnung des Herrn Jesus Christus haben und sagen: »Ich ordne mich so unter, wie der Herr Jesus Christus es will.« Und wisst ihr, dabei dürfen wir nicht höher von uns denken, als uns zu denken gebührt, sagt Paulus in Römer 12.
Wisst ihr, manchmal kommen Leute so auf mich zu, und sie kennen mich offenbar nicht und sie wissen auch gar nicht, wer ich bin, und sie wollen sich mit mir an den Tisch setzen. »Lass uns mal erörtern, was die Bibel dazu sagt.« Und es nützt nicht, wenn ich ihnen sage: »Weißt du was? Ich habe 8 Jahre Theologie studiert.« Das ist völlig egal. Sie wissen es besser. Sie wissen schon, was der Text bedeutet. Und dann muss man demütig sein. Muss man auf einmal sagen: »So, wie kann ich die Person gewinnen?« Und ich könnte sagen: »Ja, ich gehe jetzt mal zu meinem Schrank und hole mein Abschlusszeugnis und zeige ihm mal, was ich gelernt habe.« Nein. Einfach dieser Person entgegentreten, demütig als ein Sklave, und sagen: »Ich will diese Person gewinnen. Kann ich diese Person gewinnen, wenn ich mich selbst demütige und einfach auf bestimmte Dinge verzichte?« Man muss nicht jedem sagen, wer ich bin und was ich alles geschafft habe und was ich nicht geschafft habe.
Theo hat es vorgelesen aus Matthäus 11, Vers 29. Wir müssen von Jesus lernen. Er sagte dort: »Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.« Es war nicht nur eine Fassade. Und wenn das passiert, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Das, was er sagte, lebte er auch.
Sei wie Christus Jesus demütig gesinnt. Wir haben seine Demutsgesinnung in seiner Entäußerung gesehen, dass er Mensch wurde, und dann in seinem irdischen Dienst, dass er wie ein normaler Sklave oder Diener gedient hat. Seine Rechte waren bei seinem Vater. Und dann: die Demutsgesinnung Jesu in seinem Gehorsam. Und das macht der Text so wunderbar deutlich.
»Der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Sklaven an und wurde wie die Menschen. Und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam« – und zwar »bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuz.«
Der schändlichste Tod von allen ist der Tod am Kreuz. Diese beiden Ausdrucksweisen überlappen natürlich – der Dienst und sein Gehorsam. Genauso, lieber Bruder, liebe Schwester, soll sich auch in deinem Leben die Demutsgesinnung des Herrn in deinem Leben zeigen, indem du gehorsam bist. Und wenn ihr mal das Kapitel 2 im Philipperbrief genau anschaut, dann baut Paulus jetzt, wenn er weiter fortfährt, auf diesen Gehorsam auf und sagt: »Verwirklicht euer Heil mit Furcht und Zittern.« Das ist der erste Aufruf. Dem müssen wir gehorsam gegenüber sein. Und es kommen Befehle, denen wir gehorsam gegenüber sein müssen.
Und später kommen zwei Illustrationen, zwei Personen, die genau das illustrieren – diese demütige Gesinnung –, nämlich Timotheus und Epaphroditus in diesem zweiten Kapitel.
Jesus blieb gehorsam. Nun, in Hebräer 5 lesen wir etwas ganz Interessantes. Da heißt es: »Obwohl er Sohn war, hat er doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt, und nachdem er zur Vollendung gelangt ist, ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden.« Und der Schreiber des Hebräerbriefes sagt: Obwohl er Sohn war, obwohl er Sohn Gottes war und damit Gott, hat er doch an dem, was er in seinem Menschsein litt, den Gehorsam gelernt.
Das ist entscheidend für die Philipper, denn die Philipper litten. Sie waren eine verfolgte Gemeinde. Das vergaß ich noch anfänglich zu sagen, aber sie erlitten tatsächlich den Widerstand, den Paulus auch erlitt, und sie sollten sich in alldem trotzdem würdig des Evangeliums verhalten. In Kapitel 1, Vers 27 heißt es: »Nur führt euer Leben würdig des Evangeliums von Christus Jesus, damit, ob ich komme und euch sehe oder abwesend bin, ich von euch höre, dass ihr feststeht in einem Geist, einmütig« – wie macht man das? Mit genau demselben Denken – »miteinander kämpft für den Glauben des Evangeliums.«
Und dann sagt er etwas sehr Interessantes. Vers 29: »Denn euch wurde, was Christus betrifft, die Gnade verliehen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch um seines Willens willen zu leiden.« Leidest du um Christi willen, dann ist es Gnade.
Und Christus litt und wurde vervollkommnet durch dieses Leiden. Oh, ich weiß, das bereitet uns ein bisschen Probleme. Christus musste nicht leiden, um Gehorsam zu überwinden oder zu korrigieren, weil er ungehorsam war. Nein, in seiner Gottheit verstand er den Gehorsam vollkommen, aber er wurde dennoch zugerüstet. Als wahrer Mensch lernte er jetzt das erste Mal auf perfekte Weise den Gehorsam. Als ewiger Gott war das immer so, aber jetzt ist er das als wahrer Mensch. Er lernte diesen perfekten Gehorsam, ohne dass er ein einziges Mal ungehorsam war.
Als fleischgewordener Gott demütigte er sich selbst, um vieles zu lernen. Und in Lukas 2, Vers 52 heißt es: »Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.« Und dazu gehörte auch der Gehorsam. Der Gehorsam des Herrn Jesus ehrte seinen Vater.
Und das, ihr Lieben, erfordert das Höchstmaß an Demut, denn in seinem Leben und auf seinem Weg im Fleisch erlebte er zunächst immer wieder einen scheinbar unvereinbaren Widerspruch von Sündern. Nicht nur ist es so, dass die Menschen der damaligen Zeit Jesus ins Angesicht geschaut haben und gesagt haben: »Oh, das ist ein Mensch wie wir.« Sondern er ließ sich von seiner eigenen Schöpfung ans Kreuz nageln. Das scheint doch ein Widerspruch zu sein. Scheinbar, ist es aber nicht, denn das war der Plan. Er war gehorsam und litt das Kreuz.
Warum? Weil 5. Mose 21, Vers 22 sagt: »Wenn auf einen Mann eine Sünde ist, die ein Todesurteil nach sich zieht, und er wird getötet und du hängst ihn an ein Holz, so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holz bleiben, sondern du sollst ihn unbedingt an jenem Tag begraben, denn von Gott verflucht ist derjenige, der ans Holz gehängt wurde. Und du sollst dein Land nicht verunreinigen, das Jahwe, dein Gott, dir zum Erbe gibt.«
Seht ihr? Das greift Paulus in Galater 3 auf und sagt dort in den Versen 13 und 14: »Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch wurde um unseretwillen. Denn es steht geschrieben: ›Verflucht ist jeder, der am Holz hängt‹, damit der Segen Abrahams zu den Heiden komme in Christus Jesus, damit wir durch den Glauben den Geist empfingen, der verheißen worden ist.«
Menschen gingen mit Jesus um, als sei er ein gewöhnlicher Mensch, als wäre er der Fußabtreter der Menschheit überhaupt. Ihr Lieben, Menschen behandeln heute noch den Sohn Gottes genauso herabwürdigend. Aber Jesus war bereit dazu, zu sterben.
Und wenn du hier heute bist und dich noch nie vor Gott gedemütigt hast, dann ist es Zeit, dass du das tust. Denn er wird wiederkommen. Er ist in Demut gekommen, aber er wird in Macht und Herrlichkeit erscheinen, und zwar als Richter der Lebendigen und der Toten. Es sei als eine Warnung gegeben: Du musst dich vor Jesus Christus demütigen.
Der Psalmist sprach in Psalm 119: »Bevor ich gedemütigt wurde, irrte ich.« Du irrst immer noch, wenn du dich nicht vor Gott gedemütigt hast. Demütige dich. Bekenne deine Schuld vor ihm, denn wir sind keine Universalisten. Wir sind keine Allversöhner. Wir glauben, dass das Heil denjenigen gilt, die an ihn glauben – und das aus Gnade allein.
Demütige dich. Nimm diese Gesinnung an und behalte sie. Kämpfe dafür, dass sie in deinem Leben die Oberhand behält – so wichtig für das Wohl und die Ehre Gottes. Denn nur eine Gemeinde, die eins ist, kann Gott ehren. Eine Gemeinde, die sich zerstritten hat, eine Gemeinde, die unterschiedliche Auffassungen toleriert und alle möglichen Leute einlädt, nur damit sie voll werden – das ist nicht eine Gemeinde zur Ehre Gottes. Eine Gemeinde zur Ehre Gottes ist die Gemeinde, die die Gesinnung des Herrn Jesus Christus hat.
Und das erfordert immer wieder etwas von uns, dass wir Buße tun. Ihr Lieben, wir sind so schnell hochmütig – genau das Gegenteil von dem, was wir sein sollen. Hochmut kommt immer vor dem Fall. Demütigt euch vor seinem Angesicht. Bekennt eure Schuld. Habe diese Gesinnung des Herrn Jesus Christus. Und dann wirst du auch erleben, was in den folgenden Versen steht: Dann wirst du erhöht werden, wie Gott den Sohn erhöht hat und zur Rechten des Thrones gesetzt hat, von wo wir ihn jetzt auch erwarten.
Genau das sollten die Philipper hören und müssen auch wir hören. Wenn du dich demütigst, dann ist es der Weg zur Verherrlichung – zu deiner Verherrlichung und zu dem Heil, dass Christus nicht für sich selbst behalten will, sondern uns alle sehen lassen will.
Lasst uns zusammen beten.
Oh himmlischer Vater, wir danken dir für die Bereitschaft, deinen Sohn, den Herrn Jesus Christus, zu senden. Und Herr Jesus, dir danken wir, dass du diesen Weg gegangen bist. Zugegeben können wir nicht nachvollziehen, was es für dich bedeutet hat. Wir können das nicht fühlen, aber wir glauben das, was dein Wort sagt. Und es war kein einfacher Weg – ständig mit Jüngern, die nicht begreifen konnten, was du wolltest, die darum gerungen haben, der Größte im Reich Gottes zu sein, und die neben dir sitzen wollten, die dafür gestritten haben, während du gelitten hast. Herr Jesus Christus, danke für die Bereitschaft, auf die Erde zu kommen, uns zu erlösen, die wir glauben. Und selbst den Glauben hast du uns geschenkt. Es ist deine Gabe, damit sich nicht jemand rühme. Herr, hilf uns, eine Gesinnung zu haben wie die eines Sklaven, dass wir erkennen: nicht unser Wille, nicht mein Wille, nicht der Wille des Fleisches, sondern dein Wille geschehe – so wie du es uns gelehrt hast in dem Gebet. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Und im Himmel wirst du angebetet, und wir wollen dich auch anbeten auf Erden. Und dafür wollen wir uns demütigen vor dir. Hilf du uns, dass wir gehorsam sind. Oh Herr, vergib uns all unsere Ungehorsamkeiten. So oft tun wir nicht, was du willst. Bitte heilige uns durch dein Wort. Lieber Vater, gestalte uns um in das Bild deines lieben Sohnes, dass wir so sind wie Jesus. Oh, wir möchten sein wie Jesus. Danke, Herr Jesus, dass du für diese Versagen unserer Sünde gestorben bist. Nicht nur einmalig dürfen wir die Vergebung in Anspruch nehmen, sondern deine Jünger erkannten, dass du voller Gnade und Wahrheit bist. Gnade um Gnade – überströmende Gnade. Nicht nur zur Errettung, sondern auch zur Erhaltung unseres geistlichen Lebens lässt du uns entgegenkommen, und dafür danken wir dir. Wir beten dich an. Du, der du dich für uns gedemütigt hast, du bist der Erhobene, weit über jede Autorität und jedes Fürstentum. Über die Maßen erhöht bist du jetzt. Und als solchen werden wir dich eines Tages sehen von Angesicht zu Angesicht. Welch wunderbare Freude. Hilf uns bitte, in dieser Gesinnung zu leben, um deines Namens willen. Amen.
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