5. April 2026

Warum wir einander gnädig vergeben wollen

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13 Ertragt einander und vergebt gnädig, wenn jemand gegen jemanden eine Klage hat. So wie der Herr euch gnädig vergeben hat, [tut] auch ihr.
Kolosser 3,13 (ESB)

Warum wir einander gnädig vergeben wollen – und wie Ostern uns dazu befähigt

Von den Toten aufzuerstehen ist schon besonders, aber das Ausmaß der Auferstehung Jesu ist noch viel, viel größer. Das Ausmaß der Auferstehung Jesu ist vor dem Hintergrund zu verstehen, dass wir ewig verloren sind ohne ihn, dass es um den Tod geht, der in der Auferstehung endgültig besiegt wird – und nicht nur, dass Jesus aufersteht, sondern dass er nicht mehr stirbt. Das ist das Geniale an der Auferstehung: den ewigen Tod in ewiges Leben verwandelt durch den Einzigen, der es kann, den alleinigen Gottmenschen Jesus Christus.

In der Auferstehung ändert sich alles, weil Leid zu Herrlichkeit wird – wie die Wehen der Schwangerschaft zur Geburt führen. Leid wird zur Herrlichkeit, so wie Prüfungen zur Absolvierung führen. Leid wird zur Herrlichkeit, wie Jesu Tod zu seiner Herrlichkeit und unserer Herrlichkeit wird.

Unser Bekenntnis der Schuld und Sünde führt zur Zusicherung der Vergebung durch Gott wegen Karfreitag und Ostersonntag. Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Doch das geschieht nur, weil sein Blut geflossen ist. Und das Leben, das wir erhalten, ist das Leben von Ostersonntag.

Als du und ich in Rebellion und in Hass gegen Gott auf dieser Welt, auf seiner Welt, uns bewegt haben, hat er dich nicht einfach ignoriert, sondern er hat sich über dich erbarmt. Er war nicht kalt dir gegenüber, sondern er zeigte seine Freundlichkeit, er zeigte seine Güte dir gegenüber – dir als seinem Feind. Er ließ sich nicht aufbrausen, egal wie sehr du seine Gebote übertreten hättest. Stattdessen hat er jede Anfeindung in Sanftmut weggesteckt und in Langmut dir gegenüber ertragen.

Und ihr Lieben, all diese Eigenschaften – das Erbarmen, die Freundlichkeit, die Demut, die Sanftmut und die Langmut – habt ihr schon mal gehört? Es sind unsere neuen Kleider. Es ist unsere neue Garderobe, die wir anziehen, wenn wir gerettet sind. Wir legen ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, üble Nachrede, unreine Gedanken, Lust, Habsucht. Und wir ziehen an: Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut als unsere neue Kleidung. Und diese haben wir erhalten mit der Auferstehung Jesu Christi.

In Kolosser 3,1 ist dieser großartige Höhepunkt von Paulus, wie wir lesen. Wenn Paulus hier in Kolosser 3,1 von einem »da ihr« spricht, ist das kein Zweifel, sondern eine Gewissheit: Da ihr nun mit Christus auferweckt worden seid, so sucht das, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.

Leid wird zur Herrlichkeit auch für dich und mich, weil wir mit Christus auferweckt worden sind.

Die Kraft der Auferstehung im Alltag und unsere höchste Berufung

Paulus spricht hier nicht in der Zukunft, sondern in einer vergangenen Realität: Du bist auferweckt worden. Jeder, der glaubt, ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen. Diese Wahrheit ist eine Wahrheit, die uns antreibt und Kraft gibt für die größten Herausforderungen unseres Lebens. Welche Wahrheit? Die Wahrheit, dass Jesus Christus auferstanden ist und wir mit ihm – diese Kraft, die ihn aus dem Tod riss, ist dieselbe Kraft, die uns befähigt zu all dem, was hier in Kolosser 3 kommt.

Brauchst du diese Kraft oder schaffst du es alleine? Wir haben diese Kraft notwendig, und wenn du es noch nicht gemerkt hast, ist heute der Tag, es anzuerkennen. Kolosser 3,1 ist der Moment, der uns deutlich macht – wie es gerade gesagt wurde –, dass die Auferstehung das ist, was wir Tag für Tag brauchen, das Bewusstsein davon.

Und heute dreht sich unsere Predigt um die Kraft der Auferstehung in deiner höchsten Berufung, in der Spitze all unserer Berufung, wo alles zusammenkommt. Ich weiß, manch ein Lehrer an der Schule denkt immer, sein Fach sei das einzig Wichtige. Seine Hausaufgaben können nie vergessen werden, und manch ein Prediger meint, seine Predigt sei die allerwichtigste. Nicht, dass ich dieser Gefahr nicht erlegen könnte, aber ich werde euch zeigen, dass dieser Punkt der Wichtigste ist – nämlich, dass du gerne vergibst, in der Kraft der Auferstehung Jesu Christi, die dir gegeben wird, wenn du an Jesus glaubst. Und die Spitze, wo diese Kraft notwendig ist, ist anderen zu vergeben und die Einheit zu bewahren.

Das ist die Botschaft unseres Textes heute Morgen: Leid wird zur Herrlichkeit, zerstörte Beziehungen werden versöhnt. Ja, wir leben in einer Zwischenzeit, in der beides noch da ist: Das Leid ist noch da und die Herrlichkeit ist zum Teil schon da, aber beides nicht vollkommen. Das Leid ist nicht vollkommen weg und die Herrlichkeit ist nicht vollkommen da. Aber die Sicherheit, dass das Leiden endgültig beiseite getan wird und die Herrlichkeit endgültig greifen wird und wir in Herrlichkeit leben in Ewigkeit – das ist die Zusicherung von Ostern.

Noch gibt es aber Leid. Wie gelangst du nun von Leiden zu Herrlichkeit, wenn jemand dich verletzt? Was dann? Wie gelangst du von Leiden zur Herrlichkeit, wenn du jemanden verletzt? Wie soll der erlittene Schmerz zur Herrlichkeit werden? Wie kann ich diese empfundene Scham und Schuld, jemanden verletzt zu haben, zur Herrlichkeit werden lassen – weil Christus in der Auferstehung den Tod besiegt hat? Deshalb ist genau dies möglich. Das ist die frohe Botschaft, das Evangelium. Und diese frohe Botschaft ist sehr froh, denn Jesus ist auferstanden.

Und deshalb habe ich der Predigt heute den Titel gegeben: »Warum wir einander gnädig vergeben wollen und wie Ostern uns dazu befähigt.«

Der Höhepunkt: gnädig vergeben wie Christus

Wenn ihr im Kolosserbrief zurückblättert in Kolosser 1,27, da hat Paulus uns schon erinnert, dass wir den Reichtum der Herrlichkeit haben: Gott wollte bekannt machen, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.

Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit. Er ist auferstanden. Das ist die Herrlichkeit. Christus in dir, die Hoffnung der Herrlichkeit – das muss sichtbar werden in deinem Leben. Und deshalb beginnt Paulus in Kapitel 3, Vers 1 mit diesen Worten: Da ihr mit Christus auferweckt worden seid – ihr habt die Kraft, lebt nun entsprechend eurer Berufung. Zeigt die Früchte eures Lebens. Das EKG muss ausschlagen.

Und das unumgänglichste Kennzeichen eines Gläubigen, eines in Christus Auferweckten, eines Menschen mit ewiger Hoffnung, eines Menschen, der auf die Herrlichkeit zusteuert, ist es, anderen gnädig zu vergeben. Das ist das unumgänglichste Kennzeichen.

Wir leben in einer Zeit und in einer Gesellschaft, in der zwischenmenschliche Beziehungen immer flacher werden. Wir sind immer mehr auf Distanz zueinander, weil wir das verlernt haben. Je enger wir einander kommen, umso häufiger müssen wir einander vergeben. Deshalb bleiben wir lieber auf Abstand. Bloß nicht mehr treffen, lieber digital bleiben. Da merkt man nicht so schnell, wenn man mal wegschaut. Wieso fällt es uns so schwer, echte Beziehungen, echte Freundschaften zu pflegen – nicht Angelfreunde, nicht Fußballfreunde, einer für alle, solange wir siegen? Echte Freundschaften, echte Beziehungen werden immer mehr zum Fremdwort, weil wir, je enger wir zueinander kommen, mehr Klagen haben gegeneinander. Das ist der Wortlaut unseres Textes heute Morgen. Aber Gott hat einen anderen Plan. Er hat eine wundervolle Strategie.

Nun möchte ich euch als Erstes zeigen, dass diese Aufforderung tatsächlich Paulus‘ ganzes Ziel ist und das unumgänglichste Kennzeichen des Gläubigen. Und sein ganzer Punkt, warum er von der Kraft der Auferstehung spricht, findet sich in Kolosser 3, Vers 12 bis 17. Wir lesen den ganzen Text, und heute dreht sich alles um Vers 13, den Höhepunkt dieses Textes:

So zieht nun an als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut. Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer gegen den anderen zu klagen hat; gleich wie Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Über dies alles aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen; zu diesem seid ihr ja auch berufen in einem Leib, und seid dankbar. Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit; lehrt und ermahnt einander und singt mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern dem Herrn lieblich in euren Herzen. Was immer ihr tut in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott dem Vater durch ihn.

Wir haben an vielen Stellen schon formuliert, wie das alte Leben hier abgelegt wird und das neue angezogen wird. Nun sehen wir aber, warum Vers 13 der Höhepunkt ist. Als Erstes sehen wir in Vers 12 die Bestimmung, die wir haben. Danach kommt die Garderobe, dann der Auftrag, dann noch mal die Garderobe, dann wieder zurück zur Bestimmung, und dann folgt die Strategie. Was tut Paulus hier? Es ist ein klassisches Argument auf den Höhepunkt hin und vom Höhepunkt wieder weg. Wir nennen das den Chiasmus. Und das, was in der Mitte steht, ist der eigentliche Kern, um den es geht – der Höhepunkt.

Von unserer Bestimmung her, über unsere Garderobe, was wir anzulegen haben, hin zu unserem Auftrag: »Ertragt einander und vergebt einander.« Hier kommt auch Christus ins Spiel – ein weiteres Argument, dass das der Kern seiner Aussage ist. Und dann geht er die Leiter wieder hinunter, über die Garderobe der Liebe, hin zur Bestimmung, und erklärt dann noch mal die Strategie, wie wir das tun.

Der Höhepunkt des Kreuzes ist, dass Christus dir vergeben hat. Der Höhepunkt des Christenlebens ist, dass du anderen vergibst.

Warum Vergebung einfach ist – und warum wir sie kompliziert machen

Es sind so viele, die es so kompliziert machen wollen. Wisst ihr, warum man das verkomplizieren will? Sowohl die Versöhnung mit Gott will man verkomplizieren als auch die Versöhnung miteinander. Es ist einfach. Es sind einfach nur Ausreden – Ausreden, die du dir machst, um nicht auf die Knie gehen zu müssen, um die Schuld nicht tatsächlich zu tragen. Denn der, der vergibt, zahlt und sagt: »Du musst nicht mehr zahlen.« Deshalb ist es gnädiges Vergeben, wovon Paulus hier spricht.

Der Höhepunkt Christi, der Höhepunkt des Planes Gottes, das Ziel des Lebens Jesu ist es, Gott zu verherrlichen, indem Menschen mit Gott versöhnt werden. Das Ziel deines Lebens, Gott zu verherrlichen, damit Menschen mit Gott und miteinander versöhnt werden – das ist, was wir uns heute Morgen anschauen.

Vers 13, der Auftrag, um den es geht, ist der Höhepunkt. Er kommt aus der Aufforderung des Paulus und der Erinnerung: »Du bist mit Christus auferweckt worden.« Ihr Lieben, es ist einfach. Es ist wirklich einfach. Es ist heute keine höhere Mathematik, keine hochkomplexe Thematik. Keine Integralrechnung, keine Differentialrechnung oder Vektoranalysis. Einmal Eins ist heute Morgen nur gefragt. Aber auch das müssen wir im Glauben annehmen und umsetzen.

Deinen Nächsten, der neben dir sitzt, in der Beziehung zu helfen – zwischen ihm und Gott, zwischen ihm und dir, zwischen ihm und seinem Nächsten – das ist unsere Berufung. Oder deinem Nächsten, neben dem du dich absichtlich heute nicht gesetzt hast. Auch das kann vorkommen.

Wir sind Menschen und wir wollen von unserer alten Natur aus für uns selbst leben, in Selbstsucht, in Egoismus. Und es gelangt immer mehr Sand ins Getriebe. Beziehungen sind schwierig, weil wir Sünder sind. Das Evangelium ist einfach: Du musst einfach nur vergeben, wie Christus dir vergeben hat.

Dieser Auftrag, dieser Höhepunkt, ist in Vers 15 noch einmal betont: Der Friede Gottes regiere in euren Herzen. Zu diesem seid ihr ja auch berufen in einem Leib, und seid dankbar. Diese Vergebung führt zum Frieden. Der Friede Gottes in dir führt dazu, dass du anderen vergibst und dass die Berufung, die wir haben, ein Leib zu sein, gelebt wird.

Jesu Werk der Rettung an Ostern ist unsere Befähigung, unser Sehnen, unser Streben. Wir sehnen uns nach dem Himmel – das ist, was Kolosser 3,1 sagt. Wir suchen das, was droben ist. Wir sehnen uns danach, wir streben danach. Und wie kommen wir in diesen Himmel? Durch gnädige Vergebung Gottes an uns. Und auf diesem Weg in den Himmel ist das Liebste, was wir tun, anderen gnädig zu vergeben.

Ich weiß, es ist manchmal schwer, aber das kennzeichnet uns am allermeisten – zusammen mit dem nächsten Vers der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist.

Wie kommen wir nun zu diesem gnädigen Vergeben-Wollen? Indem wir uns erinnern, was Jesus für uns getan hat. Wir kommen dazu, gnädig vergeben zu wollen, indem wir uns erinnern an das, was Christus für uns getan hat. Das ist das Ende von Vers 13 – wir fangen hinten an. Wir erinnern uns daran, was Jesus für mich getan hat. Wir erinnern uns daran, was Jesus für meinen Nächsten getan hat. Das ist der erste Punkt: Wir schauen auf Jesus, überlegen uns, wie er uns behandelt hat, und bekommen Kraft und Ausdauer, meinen Nächsten so zu behandeln.

Was haben wir Jesus für Unrecht getan, wo er uns doch vergeben hat? Kolosser 2,13 ist der Schlüssel für Kolosser 3,13. Da geht es um dich und um deinen Zustand Gott gegenüber: Er hat auch euch, die ihr tot wart in den Übertretungen und dem unbeschnittenen Zustand des Fleisches, mit ihm lebendig gemacht, indem er euch alle Übertretungen vergab. Und er hat die gegen uns gerichtete Schuldschrift ausgelöscht, die mit ihren Satzungen uns entgegenstand, und hat sie aus dem Weg geschafft, indem er sie ans Kreuz heftete.

Wenn ich mich daran erinnere, was ich gegen Gott hatte, dann sagt der Text hier: Die Liste der Übertretungen ist so lang. Ich war tot, ich war sein Feind, ich war unbeschnitten – das heißt, ich hatte noch nicht mal Zugang zu Gott. Ich konnte noch nicht mal hin. Es ist wie wenn du mit jemandem etwas klären willst und du hast keine Telefonnummer, keine E-Mail-Adresse, keine Adresse, und das Ganze mit der Social-Media-Suche funktioniert auch nicht. Du hast keinen Zugang. Das ist, wer wir waren. Wir wollten nicht, wir konnten nicht. Und trotzdem haben wir Gott gehasst. Was hat er getan? Er hat die Übertretungen vergeben. Er hat die Schuldschrift ausgelöscht. Wie? Indem er sie bezahlte – indem er sie ans Kreuz heftete. Das hat Gott für dich getan.

In 2. Korinther 5,18 lesen wir: »Das alles aber kommt von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat, weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte.«

Was hat Gott getan? Gott hat uns mit sich selbst versöhnt. Gehen wir in die Vergebungsszenarien von uns: Du wirst verletzt. Wenn du nun vergibst, gleichwie Christus dir vergeben hat – wartest du dann auf den, der zugeschlagen hat, bis er kommt? Wartest du, bis er es versteht? Hat Christus das mit dir gemacht? Gott hat die gesamte Versöhnung selbst in die Hand genommen, obwohl er derjenige war, gegen den wir uns gewendet haben. Er war der, gegen den wir uns aufgelehnt haben. Und er setzt alles in Bewegung, übernimmt alle Kosten, um auf uns zuzugehen. Das ist heftig. Und du brauchst nichts weniger als die Kraft der Auferstehung, um darin zu leben.

Das Ausmaß der Vergebung in der Praxis: Beispiele aus Schrift und Alltag

In Johannes 13 – dem Beginn seiner letzten Stunden – schreibt Johannes: Vor dem Passafest, da Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zum Vater zu gehen, und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.

Zu jedem einzelnen Augenblick, egal wie weit seine Jünger gerade im Verständnis waren, hat er sie geliebt und hat sie vorwärts gebracht, einen Schritt nach dem anderen. Das ist die Perspektive Jesu. So ist Jesus auch mit dir umgegangen und so geht er heute mit dir um.

Du würdest dir zustimmen, dass du noch nicht alle deine Sünden ganz konkret vor Augen hast, die du je gegen Jesus begangen hast. Ich denke, du würdest zustimmen, dass uns manche Dinge erst später klar werden, die schon längst Vergangenheit sind – dass das falsch war, unweise war oder Sünde war. In der Zwischenzeit bis zu diesem Erkennen: Wie geht Jesus mit dir um? Als wenn nichts gewesen wäre. Das ist heftig.

Vergeben heißt, wir gehen mit unserem Nächsten um, als wenn nichts gewesen wäre, egal wie viel er verstanden hat oder nicht. Das ist, was Jesus mit Judas getan hat in diesem letzten Moment beim Abendmahl. Drei Jahre lang mit Judas zusammen, und keiner kommt auf den Trichter, wer der ist, der Jesus verrät – sein Feind, der Verräter. Und niemand merkt es, weil der Umgang Jesu mit Judas nie anders war als mit denen, die tatsächlich an ihn glaubten.

Denn Paulus sagt uns: Wenn einer eine Klage hat, vergebt und ertragt einander, wie Christus euch vergeben hat – dann ist das das Ausmaß, bis ans Ende zu lieben, unabhängig davon, was mein Gegenüber sieht, versteht, weiß, erkennt. Ich rechne Sünde nicht an. Das ist die Hoffnung der Herrlichkeit. Warum kann ich das tun? Weil ich weiß, mir ist so viel mehr vergeben worden.

Wenn das nicht genug für dich ist, um deinem Nächsten zu vergeben, dann kannst du den gerade abgeschlossenen ersten Predigtpunkt noch mal von vorne durchgehen. Dein Nächster, der gläubig ist – wir nennen ihn heute Morgen Max –, wie wurde Max vergeben? Ich meine, der hat mich gerade verletzt. Wie wurde Max vergeben? Wie sieht Gott ihn? Gott sieht Max, dass er nicht zu Gott kommen konnte, dass er Gott gehasst hat. Gott sieht Max, dass ihm alle Übertretung vergeben wurde, als Jesus am Kreuz gestorben ist. So sieht Gott Max. Gott sieht Max, dass er ihm die Sünden nicht mehr anrechnet, sondern er sich selbst mit ihm versöhnt hat. Jesus sieht Max, dass er sein Leben für ihn hingegeben hat und ihn liebte von Anfang bis zum Ende.

Der Korintherbrief macht an so vielen Stellen diese ganze Uneinigkeit deutlich. Das sagt Paulus den Korinthern: »Liebe Korinther, denkt mal darüber nach – wie viele Messiasse haben wir denn? Hast du einen Jesus und du hast einen anderen Jesus und du hast noch einen Jesus? Stirbt er einmal für dich und einmal für mich? Wird er einmal für dich auferstehen und einmal für mich auferstehen?« Es ist derselbe Jesus, der für mich gestorben ist, woran ich mich erinnern muss. Und es ist derselbe Jesus, der für meinen Nächsten, den Max, gestorben ist – obwohl er mich gerade behandelt hat, als würde ich nicht existieren, als wäre ich kein Mensch. Wir haben denselben Retter.

Das ist die Kraft der Einigkeit zu erkennen: Wir leben in Christus, und das Ausmaß beginnt stärker zu werden, je klarer wir uns selbst sehen.

Und ihr wisst, wie deutlich Jesus wird in Matthäus 18, wo Petrus fragt: »Wie oft soll ich denn meinem Bruder vergeben, der an mir sündigt? Reicht siebenmal?« Die Antwort Jesu ist 7 x 70 – 490 Mal am Tag kannst du ihm vergeben. Und natürlich will er damit sagen: Es gibt keine Grenze.

Und dieses große Gleichnis folgt dieser Aussage: Dass nämlich das Himmelreich einem König gleicht, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. Als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm 10.000 Zentner Silber schuldig. Da er es nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen. Da fiel ihm der Knecht zu Füßen, flehte ihn an und sprach: »Hab Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen.« Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei. Und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging dieser Knecht hinaus, traf einen seiner Mitknechte, der war ihm 100 Silbergroschen schuldig. Er packt ihn und spricht: »Bezahle, was du schuldig bist.«

Ihr wisst, wie die Geschichte weitergeht. Dieser Knecht, dem so viel erlassen wurde – beachtet: Er wollte den anderen, der ihm etwas schuldet, gar nicht umbringen. So schlimm war er nicht. Er wollte ihn einfach nur ein bisschen leiden lassen, damit seine Schuld gedeckelt wird. Nur ein bisschen zappeln lassen. Genauso vorenthalten wir gnädige Vergebung – so häufig.

Was war die Erwartungshaltung des Herrn hier? Erinnere dich an 10.000 Zentner Schuld – das sind vielfache Jahresgehälter. Er hätte sie nie bezahlen können. Und er lässt es einfach. Er lässt es einfach. Er denkt nicht mehr darüber nach.

Warum sollte ich gnädig vergeben? Weil du dich daran erinnerst, was Christus mit dir gemacht hat. Du solltest auch gnädig vergeben, weil Gott dich auserwählt hat, weil Gott dich heilig gemacht hat, weil Gott dich geliebt hat. Auch das kannst du wieder für Max durchdenken, der dich gerade verletzt hat: Gott hat auch ihn auserwählt, heilig gemacht und geliebt.

Warum soll ich gnädig vergeben? Du sollst gnädig vergeben, weil du nicht überrascht bist von Sünde. Sei nicht überrascht von Sünde, solange wir nicht verherrlicht sind. Welcher Handwerker ist beim Sägen überrascht von Spänen? Welche Mutter wundert sich über volle Windeln? Welche Köchin über notwendigen Abwasch? Welcher Radfahrer wundert sich über einen Platten? Welcher Autofahrer über die notwendige Wäsche? Welcher Christ wundert sich über Sünde? Es sollte uns nicht überraschen.

Jesus sagt in Johannes 13,10: Wer gebadet ist, hat nicht nötig, gewaschen zu werden – ausgenommen die Füße – im Kontext der Fußwaschung Jesu – sondern er ist ganz rein. Lasst uns nicht überrascht werden, dass wir einander die Füße waschen müssen. Die Straßen draußen sind dreckig. Es ist normal. Es gehört dazu, solange wir hier sind. Und wir sind nicht überrascht, weil der Knecht nicht höher ist als sein Meister, was Jesus nachher in Vers 14 deutlich macht: Ein Vorbild habe ich euch gegeben, damit ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Ihr erinnert euch an die andere Aussage in den Evangelien: Wem viel vergeben ist, der liebt viel. Wie wirst du also mehr lieben können, mehr vergeben können? Indem du verstehst, wie viel dir vergeben ist.

Jesu Werk der Rettung an Ostern ist unsere Befähigung, unser Sehnen und Streben – das macht Kolosser 3,1 deutlich. Wir sehnen uns nach dem Himmel, und wir kommen durch gnädige Vergebung in diesen Himmel. Und so vergeben auch wir gerne gnädig auf dem Weg in den Himmel.

Ertragen, vergeben, vorwärts gehen – wie Leid zu Herrlichkeit wird

Wie komme ich zum gnädigen Vergeben-Wollen? Erstens, indem ich mich erinnere, was Christus für mich getan hat und was Christus für meinen Nächsten, den ich vergeben soll, getan hat.

Zweitens: Vergib die Sünde gegen dich. Vergib sie. Der Text in Kolosser 3,13 in der Elberfelder Bibelübersetzung sagt: »Vergebt gnädig.« Das kommt von dem Stamm Gnade – gnädig vergeben, so wie der Herr euch gnädig vergeben hat: begnadigen, die Schuld erlassen, wiederschenken. In Lukas 7,42: Sie hatten nichts zu zahlen, und deshalb schenkte er es beiden. Das ist Vergebung.

Was sollen wir vergeben? Nun, ein Klassiker der Gläubigen ist: »Nur Sünde muss ich vergeben.« Welches Wort steht hier in Kolosser 3,13? Paulus ist sehr präzise. Es ist keine Sünde, die du vergeben sollst – es ist jegliche Klage. Jegliche Klage. Wir können uns manchmal herausreden und sagen: »Na, ich habe ja jetzt nicht so richtig einen Vers dafür, aber meckern kann ich ja schon mal.« Nein – alles, worüber du meckern würdest, sollst du tragen oder vergeben, wenn nötig.

Klage ist das Wort für Tadel, für Vorwurf, für Fehler. Wir könnten sagen: Was auch immer ihr einander vorzuwerfen habt, wer auch immer eine Beschwerde gegen jemanden hat, wer auch immer jemanden irgendwie beleidigt haben möge – vergebt. Hast du einen berechtigten Grund? Hast du vielleicht sogar Recht im Rechtsstreit? Hat die Person dir wirklich Unrecht getan? Gut. Dann vergib. Vergib einfach. Kein großes Ding. Versteht ihr, wie einfach das ist? Ich weiß, wir wollen es nicht so einfach haben. Wir wollen Ausreden. Wir wollen überlegen, wie mein Nächster wenigstens noch etwas leiden kann. Aber das können wir alles ganz getrost – genauso wie Jesus – dem Vater überlassen. Denn Jesus sagte: »Mein Vater wird am Ende richten. Keine Sorge.«

Und die ganze Veränderung meines Nächsten kann ich ganz getrost dem Heiligen Geist überlassen. Der weiß, wie das geht. Der kann das, der muss das bei mir tun, und er wird es bei meinem Nächsten tun, in seinem Timing. Was kann ich tun? Ich kann einfach loslassen und die Beziehung wieder anbieten, wiederherstellen, wieder einleiten mit allem, was mir möglich ist.

Was auch immer wir vorzuwerfen haben – vergib die Sünde. Einfach so. Ja, einfach so, wie Jesus dir vergeben hat. Wie viel war nötig, dass Jesus dir vergibt? Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. So weit ging Jesu Haltung denen gegenüber, die gewissermaßen unwissentlich den Willen des Teufels taten.

Was war notwendig in Lukas 23? Wie viel Erkenntnis deiner Schuld, der Tragweite deiner Schuld musstest du haben? Zwei Übeltäter hingen links und rechts neben Jesus, sie lästern, und einer interveniert und sagt: »Wir hängen hier gerechterweise.« Lukas 23,41: »Aber er hat nichts Unrechtes getan.« Und er sprach zu Jesus. Die Frage ist: Wie kompliziert ist Vergebung? Wie einfach können wir vergeben? »Herr, gedenke an mich, wenn du in deiner Königsherrschaft kommst.« Und Jesus sprach zu ihm: »Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein.«

Einfach so. Ja, so einfach. »Herr, gedenke an mich.« Und Jesus sagt: »Ist okay. Du bist gerettet auf ewig. Ich sterbe für dich.«

Wie exakt muss der Wortlaut sein, bevor ich vergebe? Einer der großen schwierigen Personen im Leben Jesu war Petrus. Jesus sagt ihm schon: »Bleib wach und bete.« Er schläft ein. Jesus sagt ihm schon: »Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben.« Was passiert? Er verleugnet ihn. Und jetzt ist die große Frage: Wie exakt muss der Wortlaut sein, bevor Jesus sagt: »Vergeben«?

In Johannes 21 stellt Jesus Petrus wieder her. Was sagt Jesus zu Petrus? »Also Petrus, ich habe gesagt, du sollst beten. Petrus, ich habe dir gesagt, bleib wach. Ich habe dir sogar gesagt, du wirst mich verleugnen. Du solltest aufpassen, dass du nicht verleugnest.« Irgendetwas davon in Johannes 21 zu lesen – ihr könnt es gerne nachlesen – nichts davon. Jesus lädt Petrus auf ein Fischessen ein. Und er sagt: »Petrus, hast du mich lieb?« Und dann sagt er ihm: »Weide meine Lämmer, hüte meine Schafe.«

Was macht Jesus? Er hilft Petrus nur in einer einzigen Sache: nach vorne zu schauen. Er sagt Petrus einfach: »Schau nach vorne. Ich habe bezahlt. Es ist in Ordnung.« Der Blick nach vorne auf das Evangelium, der Blick nach vorne auf den Auftrag ist alles. Und dann sagt er: »Folge mir nach.«

Wie exakt muss der Wortlaut sein, wie weit die Einsicht, bevor ich Vergebung aussprechen kann? Bitte nimm keinen höheren Maßstab als Jesus und nimm keinen höheren Maßstab als Gott mit Jona. Auch Jona haben wir gerade durchgepredigt, und wir wissen in Jona 2,11: Der Herr gebot dem Fisch. Er spie Jona wieder ans Land. Das war der Moment, an dem er erkannt hat: Gott hat recht. Was lesen wir in Jona 3,1? Und das Wort des Herrn erging zum zweiten Mal an Jona folgendermaßen: »Mache dich auf, geh nach Ninive, die große Stadt, und verkünde ihr die Botschaft, die ich dir sagen werde.«

Welchen Wortlaut erwartet Gott von Jona? Nichts zu finden. Was tut Gott mit Jona? Er erinnert ihn an das Evangelium. Er erinnert ihn an seinen Auftrag und schickt ihn wieder los.

Jesu Werk der Rettung an Ostern ist unsere Befähigung, dass wir uns nach diesem Himmlischen sehnen und danach streben. Wir sehnen uns nach dem Himmel, und in diesen Himmel kommen wir, weil uns gnädig vergeben wird. Und deshalb werden wir auf dem Weg in unseren Himmel allen anderen gnädig vergeben – auf dem Weg in unseren ersehnten Himmel.

Wie komme ich zu diesem gnädigen Vergeben-Wollen? Indem ich mich an Christi Vergebung für mich erinnere und indem ich Sünde einfach vergebe, sie nicht mehr zurechne, sie bezahle.

Und das Letzte, worauf ich noch eingehen möchte: Ich ertrage Widrigkeiten. Auch wenn es keine Sünde ist, die ich vergebe, wenn es irgendeine Form der Klage ist, ertrage ich sie. Schaut in den Text hinein. Der Text sagt in Kolosser 3,13: »Wenn einer gegen den anderen zu klagen hat« – als ob das hin und wieder mal der Fall sein könnte. Nein, das sagt Paulus hier nicht, sondern er spricht von dem, was garantiert häufig in Zukunft eintreffen wird. Wann immer es so ist, dass einer gegen den anderen zu klagen hat – da musst noch nicht mal du involviert sein –, ertragt einander.

Es geht los mit Geschmäckern, mit Vorlieben. Ich würde den Kaffee ein bisschen stärker mögen, mit Fahrweisen, mit frühem oder spätem Bremsen, mit Farben, mit Geschmäckern von Kunst, Kulturaspekten, Traditionen – was ihr sucht. Eier an Ostern. Ihr habt einen Baum zu Weihnachten. Es gibt so viele Elemente, wo nicht direkt ein Vers da ist, aber ich bin mir ziemlich sicher: »Sowas macht man nicht.« Es sind so viele Dinge, wo ich gegen einen anderen etwas zu klagen hätte, einen Tadel aussprechen würde. Das ist, wovon Paulus spricht: Wenn einer – es ist der generelle Fall, dass wir gegeneinander klagen.

In Markus 7,2 kommt dieses Wort vor, dass einige der Jünger mit unreinen Händen Brot essen und sie diese Jünger tadeln. »Sowas macht man nicht, hast du nicht gelesen? Dafür gibt’s einen Vers.« Aber das Wort geht weiter – es geht bis zu Schuldvorwürfen, egal welcher Beschwerde, Klage, Reklamation oder Schuld in die Schuhe zu schieben. Missverständnisse, alles ist hiermit gemeint. Deshalb wählt Paulus nicht das Wort »wenn einer gegen den anderen sündigt«, sondern er wählt: »wenn einer gegen den anderen zu klagen hat.«

Und versteht ihr langsam, warum das der Höhepunkt des Christseins ist, das zu tragen? Es sind zerstörerische Gedanken für jede Beziehung, wenn wir einander anklagen – für jede Freundschaft, für jede Ehe.

Welche zwei Aufforderungen gilt es umzusetzen? Vergib und ertrage. Ertragen heißt aushalten, heißt sich gefallen lassen, heißt die Situation erdulden, ausharren, standhalten. Es heißt das zu tragen, was normalerweise eine andere Reaktion hervorrufen würde. Normalerweise würde es die Reaktion von Zorn, Wut, Bosheit hervorrufen – davon haben wir doch gerade schon gelesen. Sollten wir ja nicht mehr. Wir ertragen und üben stattdessen Sanftmut, Langmut, Demut.

Wie weit sollen wir ertragen? 1. Korinther 6 macht uns deutlich: Selbst wenn wir vor Gericht gewinnen würden, geh lieber nicht vor Gericht und lass dich übervorteilen. Wie oft hatten wir schon 7 x 70? Wie sollen wir ertragen, entsprechend unserer Berufung? Du bist auferstanden. Du hast die Kraft Christi. Du bist erwählt, geliebt, geheiligt. Du bist zum Frieden berufen. Das ist, wie wir ertragen.

Nun, ihr Lieben, das ist alles die Perspektive von mir gegenüber den Geschwistern, von dir gegenüber den Geschwistern. Ich sage hiermit nicht, dass jeder einzelne nun dahergehen kann und sagen kann: »Ich bin halt so. Ertrag mich.« Das steht nirgends im Text. Wenn du auf den Gedanken kommst, »ich bin halt so« zu sagen, dann hast du größere Schwierigkeiten mit dem Kreuz. »Ich bin halt so« funktioniert nie bei Jesus. Deshalb starb er, damit du eben nicht mehr so bist. Deshalb gab er den Geist, damit du durch Wort und Geist verändert wirst.

Wir ertragen Widrigkeiten. Wir machen Dinge nicht größer als sie sein müssen. Und ja, es heißt nicht, dass wir nicht da, wo es angemessen und richtig ist, einander ansprechen auf Sünde, auf schwierige Sachen, auf unsere Vorlieben. Aber es gibt keine Möglichkeit für irgendeine Form der Bitterkeit, die wir zulassen, sondern wir tragen und erinnern uns an Jesus, was er mit uns gemacht hat. Wir praktizieren all das, was wir in den letzten Predigten durchgegangen sind: In Vers 12 ziehen wir an herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut. Und wir werden konkret darin, einander zu vergeben und es zu ertragen.

Schlussappell und Gebet

Wieso war Ostern noch mal so wichtig? Ostern war so wichtig, weil Leid zu Herrlichkeit wird, weil der Tod zur Auferstehung führt, weil unsere Sünde vergeben ist. Und jeder, der das erlebt, ist nun berufen, es selbst zu leben.

Christi Auferstehung ist unsere Auferstehung. Die Kraft, die ihn dem Tod entriss, ist die Kraft, die in uns wirkt heute – nicht erst auf dem Sterbebett. Und in dieser Zwischenzeit, in der das Leid noch da ist und die Herrlichkeit aber schon da ist, gilt es für uns: Wenn wir verletzen, diese Vergebung zu suchen. Und wenn wir verletzt werden, schnell und komplikationslos – ohne jegliche Bürokratie – zu vergeben, die Beziehung wiederherzustellen.

Die Verletzung an dir – wie wird Schmerz zur Herrlichkeit? Indem du dich an Christi Vergebung für dich erinnerst und an seine Verheißung. Du willst ihn imitieren und du kannst ihn imitieren durch die Kraft des Geistes in dir. Du kannst gnädig vergeben, wie er vergeben hat. Und wenn du andere verletzt und die Scham und die Schuld dich quält, dann wird Leiden zur Herrlichkeit, indem du bekennst, Vergebung in Empfang nimmst und in der Kraft, die Gott durch den Geist dir gibt, nicht noch mal sündigen willst und nicht zur Ursache für Klage wirst.

Das ist, was Christus am Kreuz getan hat, und das ist, warum die Auferstehung wichtig war. In der Auferstehung ist deine Rettung sicher und die von Max. Erinner dich daran. In der Auferstehung ist sicher, dass Jesus den Geist gegeben hat, der uns zu all dem befähigt und Max zu all dem befähigt. In der Auferstehung ist Jesus nun dein himmlischer Fürbitter. Er sitzt zur Rechten – Kolosser 3,1 – und tritt für uns ein. Er ist der Hohepriester an unserer Stelle.

Deshalb ist das Werk Jesu an Ostern unsere Befähigung, unser Sehnen und Streben ist nun nach oben gerichtet, und wir kommen durch gnädige Vergebung in diesen Himmel. Und auf dem Weg in den Himmel wollen auch wir gnädig vergeben. Ertragt einander und vergebt gnädig, wenn jemand gegen jemanden eine Klage hat. So wie der Herr euch gnädig vergeben hat, tut auch ihr.

Herr Jesus Christus, die Botschaft von Ostern ist so froh, so herrlich, und sie ist vor allem so herrlich, weil sie uns bewegt, weil sie uns frei macht, weil sie uns aus dem Tod herausrettet – und nicht nur das, sondern sogar die Kraft hat, unsere Beziehungen zu heilen, Kraft zu geben und zu vergeben, wie du uns vergeben hast.

Oh Herr Jesus Christus, bitte vergib, wenn wir diese Ostertage uns lediglich auf freie Stunden gefreut haben, wenn wir diesen Ostersonntag einfach nur toll finden, weil es viel Freude macht. Herr, schenk du ein wirkliches Nachdenken über die Relevanz deines Wirkens, deines Lebens, deines Sterbens an unserer Stelle, deiner Auferstehung – wie wir mit dir aufstehen und die Auswirkungen für uns heute und morgen.

Danke dir, Herr, für diese großartige Ermutigung, die wir sehen dürfen in Kolosser, wie du uns vergeben hast, Herr. Wir preisen dich dafür, dass es so einfach ist, gerettet zu werden und Vergebung für unsere Schuld zu erhalten. Und ich bete, dass es heute wahr werden möge für viele, die zum ersten Mal Vergebung suchen bei dir oder erneut Vergebung suchen für die schmutzigen Füße unseres Alltags. In deinem Namen preisen wir dich, Herr, dass du das Opfer ein für alle Mal gebracht hast.

Amen.


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