29. August 2026

Wie du allezeit für deine Gemeinde beten kannst

Sei dankbar für gottgewirktes Wachstum, zuversichtlich im Blick auf Christi Wiederkunft und bittend für seine Verherrlichung.

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Ja, vielen Dank für die liebe Begrüßung. Meine Frau und ich freuen uns auch sehr, hier zum ersten Mal sein zu dürfen. Und wir bringen euch herzliche Grüße aus unserer Gemeinde Bad Oeynhausen mit. Und auch wenn wir jetzt zum ersten Mal hier sind, fühlen wir uns sehr mit euch verbunden. Es hat damit zu tun, dass eure Ältesten in mich investiert haben in der Predigerausbildung beim EBTC, die ich sehr schätze, dass ich diese Ausbildung machen durfte. Aber auch gleichzeitig bin ich dadurch mit euch verbunden, weil ihr als Gemeinde diesen Dienst mit möglich macht und mittragt, dass eure Ältesten das tun können. Und dafür sind wir sehr dankbar, und umso mehr freuen wir uns jetzt hier sein zu dürfen.

Stell dir vor, du erfährst durch einen Bekannten, dass ein gemeinsamer Freund von euch gerade einige Herausforderungen zu durchleben hat. Persönlich macht ihm ein gemeiner Kollege auf der Arbeit das Leben schwer, weil er Christ ist. Aber auch in seiner Familie gibt es Probleme. Zum einen leidet seine Frau schon länger unter starken Kopfschmerzen, und die Ärzte kommen einfach nicht weiter. Dazu kommt noch, dass den beiden die Entwicklung von einem ihrer Söhne Sorge bereitet. Nach einem guten Anfang in der Nachfolge lebt dieser nun unordentlich, indem er seine Zeit mit übermäßigem Medienkonsum vergeudet.

Du erfährst aber auch Dinge, die ermutigend sind. Dein Freund ist nicht verbittert gegenüber Gott. Nein, vielmehr wird er trotz allem nicht müde, Gott und den Heiligen in aufopferungsvoller Liebe zu dienen. Du hörst davon, wie er sich trotzdem an Gott klammert und ihm vertrauen will, ihm glaubt. Aber wozu diese schon so lange andauernden Herausforderungen dienen sollen, erschließt sich ihm nicht. Es fällt schwer, die Hoffnung aufrechtzuerhalten. Es fällt schwer, diese Bedrängnisse mit einem liebenden Vater in Einklang zu bringen.

Und das lässt dich nicht kalt. Und so nimmst du dir vor, deinem Freund eine Nachricht zu schreiben. Was wirst du ihm als Erstes schreiben, nachdem du ihn begrüßt hast in deinem Brief? Vielleicht etwas wie: »Ich habe von deinen Herausforderungen gehört und es tut mir so leid, was ihr gerade durchleben müsst.« Oder: Ich bete darum, dass Gott euch von euren Bedrängnissen befreit. Oder wirst du folgendes schreiben?

»Mein lieber Freund, ich bin es Gott schuldig, alle Zeit für dich zu danken.«

Auf diese Weise nämlich beginnt Paulus seinen zweiten Brief an die Thessalonicher, nachdem er sie in Kapitel 1 mit seinem üblichen und doch nicht floskelhaften Gruß mit Gnade und Frieden begrüßt hat. Ja, die gesamte Gemeinde stand vor ähnlichen Herausforderungen, wie ich sie eingangs geschildert habe. Sie waren starker Verfolgung ausgesetzt. Das war schon bei Paulus erstem Brief der Fall gewesen, doch es ist seitdem anscheinend nur schlimmer geworden. Sie wurden vor allem von den Juden verfolgt, aber der Herrschaftsanspruch Jesu war auch ein Angriff auf den römischen Kaiser, unter dessen Herrschaft die Thessalonicher standen.

Dazu kam, dass einige Irrlehrer die Gemeinde verwirrten, indem sie meinten, dass ihre Bedrängnisse mit dem Tag des Christus zusammenhingen und dass sie die Vereinigung mit ihm verpasst hätten, und was sie nun erleben, sei Gottes Gericht — Gottes hoffnungsloses Gericht über sie, das sie verderben wird. Und dies versetzte sie in große Unruhe und Verwirrung. Andere aus der Gemeinde wiederum verstanden, dass Christus noch nicht wiedergekommen war, aber sie zogen selbst falsche Lehren aus dieser Tatsache. »Wenn Jesus doch bald wiederkommt, dann ist das Leben hier auf der Erde unnütz«, lautete ihre verdrehte Auffassung. Und so lebten sie ein unordentliches Leben und machten Rückschritte. So oder so — in beiden Fällen war die rechte Hoffnung auf die Wiederkunft abhanden gekommen. Und diesen Problemen widmet Paulus sich in dem zweiten Brief.

Aber bevor er das tut, berichtet er der Gemeinde als Erstes von seinem Gebet in Kapitel 1, die Verse 3 bis 12. Schlag diesen Abschnitt bitte auf und lies mit mir aus Gottes wunderbarem Wort.

»Wir sind es Gott schuldig, alle Zeit für euch zu danken, Brüder, wie es sich auch geziemt, weil euer Glaube über die Maßen wächst und die Liebe jedes einzelnen von euch zunimmt, allen gegenüber, sodass wir selbst uns im Hinblick auf euch rühmen in den Gemeinden Gottes wegen eures standhaften Ausharrens und eurer Glaubenstreue in allen euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr zu ertragen habt. Sie sind ein Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes, dass ihr des Reiches Gottes würdig geachtet werdet, für das ihr auch leidet, wie es denn gerecht ist vor Gott, dass er denen, die euch bedrängen, mit Bedrängnis vergilt, euch aber, die ihr bedrängt werdet, mit Ruhe, gemeinsam mit uns bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her, mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung üben wird an denen, die Gott nicht anerkennen und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorsam sind. Diese werden Strafe erleiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Kraft an jenem Tag, wenn er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die glauben. Denn unser Zeugnis hat bei euch Glauben gefunden. Deshalb beten wir auch allezeit für euch, dass unser Gott euch der Berufung würdig mache und alles Wohlgefallen der Güte und das Werk des Glaubens in Kraft zur Erfüllung bringe, damit der Name unseres Herrn Jesus Christus in euch verherrlicht werde und ihr in ihm gemäß der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus.«

In diesem Abschnitt sehen wir, wie Paulus für diese verfolgte Gemeinde betet. Er erwähnt hier seinen Dank, seine Zuversicht und seine Fürbitte für diese Gemeinde. Und worauf gründet sich sein Gebet? Auf Dinge, die Gott in seiner Gnade tut bzw. tun wird und tun soll. Und es ist ein Gebet, das er alle Zeit betet. In Vers 3 sagt er, dass er alle Zeit für sie dankt, und in Vers 11, dass er alle Zeit für sie betet — er und seine Mitstreiter.

Und gleichzeitig zeigt dir Gottes Wort hier, wie du konkret für deine Gemeinde beten kannst. Ich denke, wir machen alle immer wieder diese Erfahrung, dass wir beten wollen und dass es dann doch irgendwie sehr allgemein bleibt, dass die Ausdauer fehlt. Und dieser Text zeigt dir, wie du für deine Gemeinde beten kannst. Er zeigt dir noch viel mehr, worauf du deinen Blick richten sollst, um alle Zeit für deine Gemeinde zu beten, so wie Paulus es hier tut. Und daher lautet der Titel meiner Predigt: Wie du alle Zeit für deine Gemeinde beten kannst.

Und mein Ziel mit dieser Predigt ist, dass du erkennst, dass Gott in seiner Gemeinde wirkt, damit du motiviert bist, alle Zeit für deine und auch für die verfolgte Gemeinde zu beten.

1. Dankend im Blick auf das gottgewirkte Wachstum (Verse 3–4)

Das Erste, was wir in dem Gebet von Paulus sehen, ist ein überfließender Dank. Und damit kommen wir zum ersten Punkt, wie du alle Zeit für deine Gemeinde beten kannst: dankend im Blick auf das gottgewirkte Wachstum. Und dazu schauen wir uns die Verse 3 und 4 an.

Paulus erwähnt in Vers 3 zwei Motive, warum er und seine Mitstreiter alle Zeit für die Gemeinde danken. Zum einen sagt er, dass sie Schuldner sind, zum anderen, dass es sich so geziemt, dass es angemessen ist. Und das ist es wirklich, wenn wir hinschauen, worin der Grund für diese Danksagung liegt. Sie liegt im Glauben und der Liebe der Thessalonicher begründet. Das sind Tugenden, für die Paulus schon im ersten Brief gedankt hat. Doch hier sagt er, dass der Glaube über die Maßen gewachsen ist und die Liebe reichlich zugenommen hat. Das gleiche Wort kommt in Römer 5, Vers 20 vor, wo Paulus sagt: Wenn die Sünde voll geworden ist, so ist doch die Gnade überströmend geworden. So ist ihre Liebe gewachsen.

Dass ihr Glaube gewachsen ist, zeigt sich weniger in Erkenntnis und Begabung, sondern im Vertrauen und Gehorsam. Was sie taten, taten sie nicht widerwillig, sondern in überströmender Liebe zu allen, nicht nur zu denen, die es gut mit ihnen meinten. Allein deshalb ist es angemessen, für sie zu danken.

Sie sind aber auch Schuldner, weil sie genau für dieses Wachstum gebetet haben. In 1. Thessalonicher 3, Vers 12, erwähnt Paulus in seinem Gebet für die Gemeinde: »Euch aber lasse der Herr wachsen und überströmend werden in der Liebe zueinander und zu allen.« Genau die gleiche Formulierung. Und dieses Gebet hat Gott erhört, und deshalb sind sie schuldig, dafür zu danken.

Aber dir ist sicher aufgefallen: Sie danken nicht den Thessalonichern, sondern Gott, der dieses in ihrem Leben bewirkt hat. Und wenn du in Vers 4 schaust, wird es noch einmal ganz deutlich, dass dieses Wachstum nicht den Menschen, sondern nur Gott zugeschrieben werden kann. Denn dieses Wachstum ist nicht unter idealen Bedingungen geschehen, sondern unter Verfolgungen und Bedrängnissen. Es gibt keine natürliche Erklärung für ihr Wachstum, nur eine göttliche.

Ihr kennt sicher das Sprichwort: Unter Druck wird aus Kohle Diamant. Und mancher lernunwillige Schüler rechtfertigt damit seine Undiszipliniertheit. Aber bei Gott funktioniert es tatsächlich genauso. Wachstum im geistlichen Leben geschieht unter äußerem Druck. Gerade in diesen Widrigkeiten kommen der Glaube und die Liebe der Thessalonicher zum Ausdruck.

Und manche haben hier aufmerksam bemerkt, dass Paulus nicht mehr für das standhafte Ausharren in der Hoffnung dankt, wie noch im ersten Brief, sondern nur noch vom standhaften Ausharren spricht. Glaube, Liebe, Hoffnung — dieser bekannte Dreiklang fehlt hier. Wahrscheinlich deshalb, weil es gerade die Hoffnung war, die bei den Thessalonichern zu schwinden begann. Ja, sie harrten noch aus, sie blieben treu, aber doch scheint ihnen die Zuversicht und der Trost in diesem Ausharren abhanden gekommen zu sein. Und darauf geht Paulus auch noch ein.

Aber er ist hier auch nicht unbarmherzig, sondern er erkennt ihr Ausharren und ihre Glaubenstreue an — sogar so sehr, dass er sich in den anderen Gemeinden ihrer rühmt. Im ersten Brief sagte Paulus noch, dass sie es nicht nötig haben, von dem Glauben der Thessalonicher zu erzählen, weil er durch sie selbst allen bekannt geworden ist. Doch hier sagt er, dass sie sich in den anderen Gemeinden Gottes ihrer rühmen.

Paulus und seine Kollegen, durch deren Verkündigung Gott diese Gemeinde ins Leben gerufen hat, verhalten sich hier wie stolze Eltern, die von ihren Kindern schwärmen. Vielleicht sind euch solche Eltern auch schon mal begegnet, die so am Schwärmen waren, dass man schon dachte, langsam wird’s unangenehm, weil man das Gefühl bekommt, die Kinder machen ja gar nichts falsch. Aber so ein Stück weit eine solche Begeisterung empfindet Paulus hier für die Thessalonicher, und er teilt sie in diesem Fall auch den anderen Gemeinden mit. Aber nicht nur das — er teilt dieses auch den Thessalonichern selbst mit.

Und das ist doch bemerkenswert, oder? Die Thessalonicher gegenüber den anderen zu rühmen ist ja das eine. Aber es ihnen auch noch zu sagen, dass man sie in den anderen Gemeinden rühmt — ist das nicht gefährlich? Ist da nicht die Gefahr, dass sie stolz werden?

Doch was denkst du: Wie muss Paulus‘ Dank und sein Rühmen auf diese bedrängte und verwirrte Gemeinde gewirkt haben? Ich denke, es muss unglaublich ermutigend und befreiend für sie gewesen sein, denn ich bezweifle, dass die Thessalonicher sich in ihren Bedrängnissen selbst so gesehen haben, wie Paulus sie hier sieht. Im Leid sehen wir oft nicht richtig, sondern unser Blick ist verschwommen.

Eine angeheiratete Cousine von mir kommt aus einer muslimischen Familie und hat hier in Deutschland zum lebendigen Glauben an Jesus Christus finden dürfen, während ihr Mann selbst nicht im Glauben ist, also mein Cousin. Meiner Frau und mir erzählte sie mal von einer Phase in ihrem Leben, wo sie sehr entmutigt war, ihren Glauben mit ihrer Familie zu teilen und Gehör zu finden. Wir können ahnen, dass dies sehr schwer war und auch wenig erfolgreich. Und so war sie entmutigt und empfand sich als Versagerin.

Und dann ist sie auf der Gebetsstunde in ihrer Gemeinde und hört auf einmal, wie ein Glaubensbruder laut für ihren Glauben dankt. Und sie hört das und erzählte meiner Frau und mir, was sie in dem Moment gedacht hat. Sie dachte: Was? Halt, stopp — was betest du da? Das stimmt nicht, was du da sagst. Ich habe keinen starken Glauben. Ich bin eine Versagerin.

Und genau das ist der Punkt. In Herausforderungen sehen wir oft nicht richtig. Und umso wichtiger ist es, dass dann jemand an unserer Seite ist, der Gott für sein Wirken in uns dankt. Jemand, der sagt: Ich sehe da etwas in deinem Leben, das nur Gott gewirkt haben kann. Und es geht dabei nicht darum, dass wir uns selbst beweihräuchern und sagen, wie gut wir sind, wie großartig wir sind, sondern es geht darum zu sagen, wie großartig das ist, was Gott in unserem Leben tut. Und das ist wirklich ermutigend.

Aber liebe Geschwister, um das zu sehen, müssen wir bereit sein, genau hinzusehen. Ist dir schon mal aufgefallen, dass das Wort »Danken« im Wort »Gedanken« steckt? Ich liebe die deutsche Sprache. Und das kommt nicht von ungefähr, denn im Gegensatz zur Undankbarkeit fällt uns die Dankbarkeit nicht einfach in den Schoß — uns gefallenen Menschen. Um wirklich danken zu können, musst du dir Gedanken machen. Wir sehen das Gegenteil in Römer 1, wo Paulus die gottlose Menschheit beschreibt und sagt, sie hätten Gott erkennen können durch Nachdenken und es nicht getan haben. Sie haben ihm nicht gedankt als Folge und sind dann in die ganze Unwahrheit und Sünde gefallen, die er dann weiter beschreibt.

Der Christ ist nicht der Mensch, der nicht nachdenkt und seinen Verstand an der Garderobe abgibt. Gerade der Christ sollte derjenige sein, der nachdenkt und dadurch Grund zum Danken findet. Und das geht vor allem im Blick auf geistliches Wachstum.

Und in dem Zuge möchte ich dich fragen: Woran misst du geistliches Wachstum? Wir verbinden Wachstum oft mit sichtbaren und messbaren Resultaten. Mehr Personen, mehr Geld, größere Gebäude, mehr Begabung, mehr Erkenntnis. Und Gottes Segen kann sich manchmal durchaus so äußern, aber das Wachstum, das er wirkt, ist persönlich, oft unsichtbar und nicht mit menschlichen Skalen messbar. Aber du merkst es, wenn du mit diesen Menschen zusammen bist. Ihr Vertrauen, ihre Gottesfurcht, ihre Reinheit. Du siehst es an ihrem Leben, wo die Taten dem Glauben und der Liebe entspringen und immer mehr zunehmen.

Und ich möchte dich fragen: Siehst du, wie einzelne Geschwister in deiner Gemeinde im Glauben wachsen und in der Liebe zunehmen? Die jungen Geschwister im Glauben, die Fortschritte machen. Diejenigen, die es sich zur Aufgabe machen, bei Beerdigungen mit anzupacken, obwohl sie gar nicht unmittelbar betroffen sind, und die kommen, um mit den Weinenden zu weinen. Siehst du die Geschwister, die seit Jahren treu ihren Dienst ausüben, ohne diesen Dienst als weiteren Schritt auf der geistlichen Karriereleiter zu betrachten, die vielleicht sogar einen Teil ihres Urlaubs dafür opfern? Siehst du die Ältesten, die sich in ihrem Dienst aufopfern? Siehst du die Geschwister, die sich auch in großem Leid an Gott klammern und sich versuchen, einfach an ihm zu freuen, und immer mehr zu lernen, dass er das Einzige ist, was sie brauchen?

Siehst du diese Dinge, oder betrachtest du sie als selbstverständlich? Nein, sie sind nicht selbstverständlich, sondern gottgewirkt. Und bringst du Gott den Dank dafür? Oder bleibst du ihm diesen Dank schuldig, weil du gleichgültig bist? Oder weil deine eigenen Vorstellungen und nebensächliche Dinge deinen Blick im Weg stehen?

Man kann sich so schnell über den Kleidungsstil, den Musikgeschmack oder über eine scheinbare Gesetzlichkeit des anderen aufregen und dabei die Hingabe zu Gott, die Liebe zum Wort Gottes oder das Herz für Verlorene übersehen, welches dieser Mensch hat. Und es ist schwer, die gottgewirkten Dinge zu sehen und dafür zu danken, wenn vor dem eigenen Blick der eigene egoistische Maßstab für Wachstum steht.

Und ich sage nicht, dass man blind für Probleme und Sünden sein soll. Das ist auch Paulus hier nicht in diesem Brief — das sehen wir vor allem in Kapitel 3. Aber wie sprichst du solche Dinge an? Auf der Basis einer dankbaren Haltung für Gottes Wirken? Oder so, als ob Gott schon gar nicht mehr wirken würde und es jetzt an deiner Kritik liegt, dass Gott wieder anfängt zu wirken?

Auch hier bewahrheitet sich der Spruch: »Danken schützt vor Wanken, Loben zieht nach oben.«

Wann hast du das letzte Mal bewusst und namentlich für einzelne Glaubensgeschwister in deiner Gemeinde gedankt? Ich weiß nicht, wie es bei euch in der Coronazeit war — ich will keine alten Wunden aufreißen. Ich will nur einen kleinen Punkt erzählen. Bei uns in der Gemeinde war es so, dass man in einer Phase der Coronazeit auf einem Zettel schreiben musste, neben wem man gesessen hat, falls man dann krank wurde. Also, es reicht als Info — und vielleicht kann man ja solche Zettel wieder einführen, gerne ohne Corona. Aber solche Zettel, oder zumindest imaginäre Zettel: Das möchte ich dir heute als Hausaufgabe geben. Schau, wer heute neben dir sitzt — neben deinem Ehepartner oder deinen Kindern, für die du sowieso beten solltest — wer da sitzt, und danke Gott heute Abend. Denk darüber nach, was tut Gott im Leben dieser Person, und danke für ihren Glauben und für ihre Liebe. Danke dafür, was Gott im Leben dieser Menschen tut.

Paulus war dankbar für das, was Gott im Leben der Gemeinde der Thessalonicher tat. Er dankte für das Wachstum der Gemeinde, das trotz oder gerade wegen der Bedrängnisse ausgeschlagen hatte. Aber ist es nicht merkwürdig, angesichts dieser Verfolgungen dankbar zu sein? Es ist ja nicht besser, sondern nur noch schlimmer geworden. Wird nicht vielleicht doch irgendwann der Glaube der Thessalonicher einknicken? Warum kann er so zuversichtlich sein und weiterbeten?

Die Antwort hat mit einem zukünftigen Ereignis zu tun, nämlich der Wiederkunft Jesu, an dem Gottes Gerechtigkeit sichtbar triumphieren wird und die Situation der Gläubigen grundlegend verändert wird. Und das bringt uns zum zweiten Punkt.

2. Zuversichtlich im Blick auf die Wiederkunft Christi (Verse 5–10)

Wie du alle Zeit für deine Gemeinde beten kannst — zweitens: zuversichtlich im Blick auf Jesu Wiederkunft.

Dieser Abschnitt ist sehr spannend und sehr reichhaltig, und man kann hierzu wunderbar eine Themenpredigt über Gottes Gerechtigkeit halten. Aber wir sollten hier nicht übersehen, dass diese Verse in das Gebet von Paulus eingebettet sind. Gottes Gerechtigkeit ist das Fundament, warum er so zuversichtlich für sie beten kann.

Paulus ordnet hier ihre Leiden ein, indem er sie mit Gott in Zusammenhang bringt. Er erklärt ihnen, dass ihre Leiden ein Anzeichen — das heißt ein eindeutiger Beweis — dessen sind, dass sie des Reiches Gottes für würdig geachtet werden (Vers 5).

Das allein ist ja schon bemerkenswert. Wir empfinden es als Segen, wenn Gott uns gute Dinge sehen lässt, nicht jedoch, wenn er uns Schwierigkeiten zumutet. Solche Bedrängnisse und Verfolgungen geben uns eher das Gefühl, Gott würde uns im Stich lassen. Aber es ist genau anders herum. Gott lässt seine Gemeinde leiden, nicht weil er sie im Stich gelassen hat, und auch nicht deshalb, damit sie sich damit den Himmel verdient, sondern um ihnen und der Welt draußen zu zeigen, dass sie zu ihm gehören, dass sie Teilhaber seines Reiches sind und nicht erst dadurch werden. Gott wendet sich durch die Verfolgung seiner Gemeinde nicht von ihr ab, sondern ihr zu.

Aber das ist noch nicht alles. Schaut noch einmal in Vers 5. Paulus schreibt hier, dass diese Leiden im Zusammenhang mit Gottes gerechtem Gericht stehen. Es entspricht seiner Gerechtigkeit, dass er denen, die zu seinem Reich gehören, es zumutet, dafür zu leiden. Und das ist noch schwieriger zu fassen.

Wieso denn jetzt Gericht? Und wie um alles ist das gerecht? Zeichnet es einen Vater nicht aus, dass er alle Gefahren von seinem Kind fernhält, so viel an ihm liegt? Wenn die Gläubigen des Reiches Gottes für würdig geachtet sind, müssten sie dann nicht als Kinder des großen Königs eher königlich durch dieses Leben schreiten? Das ist ja auch einfach heruntergebrochen der Gedanke hinter dem Wohlstandsevangelium.

Aber ist dieses Bild von Gott richtig, dass er als liebender Vater alle Gefahren von uns fernzuhalten hat? Denkt da mal mit. Selbst wir menschlichen Väter oder Eltern halten von unseren Kindern doch nicht alle potenziellen Gefahren fern, obwohl wir sie lieben. Wir bringen ihnen — ich möchte es an einem kleinen Beispiel deutlich machen — wir bringen ihnen zum Beispiel das Fahrradfahren bei, obwohl wir ganz genau wissen, was irgendwann passieren wird. Es wird blutige Knie geben, blutige Ellenbogen, vielleicht einen ausgeschlagenen Zahn, und im schlimmsten Fall passiert noch mehr. Ich hab es gerade diese Woche erlebt — waren Gott sei Dank nur blutige Knie. Und meine Tochter kam nicht zu mir und hat gesagt, warum hast du mir das Fahrradfahren beigebracht?

Aber denk mal nach: Warum machen wir es trotzdem, dass wir den Kindern zum Beispiel das Fahrradfahren beibringen, obwohl wir wissen, dass wir sie damit Gefahren aussetzen? Die einfache Antwort, einfach heruntergebrochen, ist: um sie zur Selbständigkeit zu erziehen und um sie auf das Leben vorzubereiten.

Warum setzt Gott seinen Kinder Gefahren und Leiden aus? Um das geistliche Leben zu stärken und sie auf das ewige Leben vorzubereiten. Gott schützt seine Kinder nicht vor allen Gefahren, obwohl er sie liebt — sondern weil er sie liebt. Nur im Gegensatz zu uns gibt es einen gewaltigen Unterschied. Gott schickt uns nicht Leiden, um uns zur Selbständigkeit zu erziehen, sondern damit wir immer mehr lernen, dass wir von ihm abhängig sind und dass wir ihn brauchen. Und er wirkt an ganz vielen Stellen in unserem Leid.

Ja, wir sind Königskinder. Königskinder, die noch eine Menge Schmutz an und mit sich herumtragen. Und dieses hohe Ziel unserer Berufung ist unvereinbar mit einem ärmlichen, bequemlichen Leben, in dem wir so bleiben, wie wir sind. Zu einer Hochzeit gehen wir nicht mit Jogginghose und T-Shirt, und das wird sich auch nie ändern. Und zur Hochzeit des Lammes erscheinen wir ebenfalls nicht unordentlich. Gold und Silber werden im Schmelztiegel von ihren Schlacken gereinigt, und die Gemeinde wird durch Bedrängnisse von ihren Flecken und Runzeln gereinigt.

Schon im ersten Brief hatte Paulus das den Thessalonichern deutlich gemacht in Kapitel 3, Vers 4, deutlich gemacht, wo er sagt: »Als wir nämlich bei euch waren, sagten wir euch voraus, dass wir Bedrängnisse erleiden müssten. Und so ist es auch gekommen, wie ihr wisst.«

Diese Verfolgungen und Bedrängnisse sind nicht Gottes verderbendes Gericht. Es ist das gerechte Gericht über seine Gemeinde, wodurch er zeigt, dass sie zu seinem Reich gehören, und wodurch er sie darauf vorbereitet. Der Apostel Petrus bringt es in seinem ersten Brief in Kapitel 4, Vers 17, so eindrücklich auf den Punkt — schreibt diese Stelle gern daneben, 1. Petrus 4,17: »Denn die Zeit ist da, dass das Gericht beginnt beim Haus Gottes. Wenn aber zuerst bei uns, wie wird das Ende derer sein, die sich weigern, dem Evangelium Gottes zu glauben?« Was Petrus hier sagt, ist: Wenn bei den Gläubigen schon Hand angelegt wird, wie wird es dann erst den Ungläubigen ergehen?

Und davon spricht Paulus nun in den Versen 6 bis 9. Er beschreibt hier, dass es nicht immer so bleiben wird, sondern dass eine Umkehrung der Situation geschehen wird (Vers 6). Denen, die die Gemeinde bedrängen, wird selbst Bedrängnis widerfahren, wohingegen der bedrängten Gemeinde Ruhe geschenkt wird. Und auch das entspricht der Gerechtigkeit Gottes, sagt uns sein Wort hier. Er wird Vergeltung üben (Vers 8) an denen, die Gott nicht anerkannt und die dem Evangelium von Christus nicht gehorcht haben. In diesen beiden Formulierungen ist die gesamte Menschheit eingeschlossen — Juden wie Heiden.

Und wann wird das geschehen? Vers 7: Bei der Wiederkunft Jesu. Wenn die Weltgeschichte zu dem von Gott gesetzten Ziel kommt, dann wenn er vom Himmel als Triumphator, als Retter und Richter erscheinen wird. Dann wird die Gemeinde Jesu zur Ruhe gebracht werden. Und darauf wartet auch Paulus hier. Es bedeutet nicht, dass die Gläubigen zum Beispiel nach ihrem Tod nicht in der Ruhe sind, aber wenn Jesus wiederkommt, wird es vollkommen sein und für alle sichtbar werden, dass die Gläubigen das bessere Teil haben.

Und was für ein Kontrast wird dann für die Gemeinde zutage treten, wenn Jesus sichtbar und triumphierend wieder erscheint? Der Sommerurlaub liegt jetzt schon hinter uns, aber dann machen wir es eben im Bezug zum Herbsturlaub. Stellt euch mal vor, ihr fahrt in dem Herbst in die Berge nach Österreich — und damit es für mich einfacher ist, machen wir jetzt die Route von Bad Oeynhausen. Also, nehmen wir mal an, du entscheidest dich mit dem Auto anzureisen und hast diese größere Strecke vor dir, und so planst du, in der Nacht loszufahren, um den Großteil der Strecke schon geschafft zu haben. Aber auf der Reise geht alles schief.

Die ganze Nacht über stehst du vor einem Tunnel im Stau. In München wirst du aufgrund eines weiteren Unfalls passend zum Berufsverkehr durch die Stadt umgeleitet. In Österreich hast du eine Reifenpanne, und 100 km vor dem Ziel übergibt sich dein Kind im Auto. Gerade als du auf dem Seitenstreifen geparkt hast und die Tür aufgemacht hast, um dein Kind herauszunehmen, ist ein Teil davon noch auf deine Schuhe gekommen, die du vor dem Urlaub neu gekauft hast.

Wie wird es für dich sein, wenn du die Berge deines Urlaubsortes erblickst und bei deiner Ferienwohnung aus dem Auto steigst? Endlich — da.

Liebe Gemeinde, wie wird es der Gemeinde Jesu ergehen, wenn Jesus triumphierend wiederkommt, wo er alles gut macht und Gerechtigkeit wiederherstellt? Genauso: Endlich — er ist da. Und dann ist es keine Auszeit wie ein Urlaub, wo du weißt, dass noch die Rückfahrt mit diesem nach Übelkeit riechenden Auto ansteht. Nein, es ist Ruhe in alle Ewigkeit.

Ja, sicher, Gott hat die Kraft, uns vor jedem Leid zu bewahren, und Gott könnte uns auch nach der Bekehrung sofort in den Himmel holen. Aber der Kontrast ist größer, wenn die Gemeinde zuvor durch Leiden geläutert wurde. Der Kontrast wird so riesig sein, dass Paulus in Römer 8, Vers 18 sagt: Das die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.

Aber was ist das für eine Herrlichkeit? Wir denken da — denke ich — oft schnell an die Ruhe, die wir dann haben, von der der Text auch spricht. Kein Leid mehr, keine Sünde mehr, goldene Straßen. Das ist ein Teil, aber das ist nicht das Eigentliche. Schaut in Vers 10.

Paulus zeigt hier, was bei dieser Wiederkunft Jesu geschieht, wenn wir ihm begegnen. Jesus wird sich in seiner Gemeinde verherrlichen. Das heißt, seine Herrlichkeit wird sich in ihr widerspiegeln. Wir werden ihm gleichgestaltet — das sagt die Bibel an mehreren Stellen. Und das geschieht nicht zu unserer Verherrlichung, sondern zu seiner. Es werden alle sehen, wie schön Jesus ist. Es wird sich jedes Knie vor ihm beugen müssen und jede Zunge wird bekennen müssen, dass er Herr ist zur Ehre Gottes des Vaters. Es werden alle Jesus bewundern müssen.

Es geht nicht einfach um unsere Ruhe. Es geht um so viel mehr. Es geht um ihn, um Jesus selbst. Und ich musste dabei an eine Aussage von John Piper denken, der sinngemäß mal schrieb: »Die Menschen, die ohne Jesus im Himmel glücklich wären, werden auch nicht mit ihm im Himmel sein.« Die Menschen, die ohne Jesus im Himmel glücklich wären, werden auch nicht mit ihm im Himmel sein, denn im Himmel geht es um ihn.

Und in einem Evangeliumslied aus dem 20. Jahrhundert wird diese Zentralität Jesu im Himmel so schön auf den Punkt gebracht. Ich lese nur die erste Strophe — lest das Lied gerne mal im Internet nach:

Wenn nach der Erde Leid, Arbeit und Pein, ich in die goldenen Gassen zieh ein, wird nur das Schauen meines Heilands allein Grund meiner Freude und Anbetung sein. Das wird allein Herrlichkeit sein, wenn frei von Weh ich sein Angesicht seh.

Jesus kommt nicht nur, um das Gericht an den Ungläubigen zu vollstrecken und den Gläubigen Ruhe zu bringen, sondern um sich in seiner Gemeinde zu verherrlichen und bewundern zu lassen. Aber es ist schrecklich, wenn man zu denen gehört, die das als Außenstehende bewundern müssen. Denn Paulus spricht in Vers 9 davon, wie die Bedrängnis der Ungläubigen aussieht: Ihre Strafe ist ein ewiges Verderben. Und Verderben meint hier nicht Auslöschung, denn das wäre nichts, was man bewusst dauerhaft erleidet. Nein, es meint eine ewige Pein. Aber das Schlimmste daran ist nicht die Pein an sich in der Hölle — so wie die Ruhe im Himmel nicht das Eigentliche ist — sondern es ist die ultimative Trennung vom Angesicht des Herrn.

So verstehen die meisten Ausleger diese Stelle hier. Es geht weniger darum, wie Gott die Strafe vollzieht, von seinem Angesicht, sondern mehr darin, worin die Strafe besteht: weg vom Angesicht des Herrn. Und diese Auslegung macht auch in der Gegenüberstellung, die Paulus hier vornimmt, am meisten Sinn. Denn während die Ungläubigen getrennt von Gott sind, verherrlicht sich Jesu Angesicht auf ewig in seiner Gemeinde, während sie auf ewig weg von seinem Angesicht sind.

Und Paulus schreibt das hier nicht, um in den Gläubigen Schadenfreude zu wecken, sondern um sie mit dieser Gegenüberstellung vom Ende der Gläubigen und Ungläubigen zu ermutigen. Es wird nicht immer so bleiben, wie es jetzt gerade ist, sagt er ihnen hier.

Und Paulus bestätigt, dass auch die Thessalonicher das gute Ende auf ihrer Seite haben, denn sie haben dem Zeugnis über Jesus dauerhaft Glauben geschenkt. Sie haben ihr Vertrauen nicht auf ihre Werke, sondern auf Jesus gesetzt, der das perfekte Leben gelebt hat, welches sie nicht leben konnten, welches sie nicht gelebt hatten, der auch wegen ihrer Sünden am Kreuz hingerichtet wurde und um ihrer Rechtfertigung willen auferweckt worden ist, der nun für immer bei Gott lebt, womit erwiesen ist, dass sein Opfer für alle Zeit gültig ist. Durch den Glauben an ihn haben sie seine Gerechtigkeit bekommen. Aufgrund seines Opfers haben sie diese wunderbare Hoffnung.

Ich möchte auch dir sagen: Diese Hoffnung hast auch du, wenn du an Jesus glaubst. Doch wenn du nicht an Jesus glaubst, dann hast du diese Hoffnung nicht. Und ich möchte dich auffordern, Buße über deine Sünden zu tun und an Jesus Christus zu glauben. Er ist der Einzige, der dich retten kann und retten wird, wenn du dich unter ihn als Retter und Herr demütigst.

Wie ermutigend muss diese Belehrung von Paulus für die Thessalonicher gewesen sein — zu verstehen, dass ihre Leiden nichts damit zu tun haben, dass sie von Gott verworfen sind, sondern dass sie viel mehr in Jesus gerettet sind und dass ihre Leiden in der Verherrlichung von Jesus in ihnen enden werden. Was ist das für eine gewaltige Geschichte?

Wir Menschen empfinden ja eine gewisse Begeisterung bei sogenannten Underdog-Storys, also Geschichten, wo Außenseiter triumphieren. Ich denke, bei der WM hat jeder Fußball-Interessierte so ein Stück weit mit Kap Verde mitgefiebert und es gefeiert, wie weit sie gekommen sind, und man hätte ihnen auch noch mehr gegönnt. Liebe Geschwister, wenn Jesus sich bei seiner Wiederkunft in seiner Gemeinde verherrlicht — bei seiner geplagten und verfolgten Gemeinde, die hier so aussieht, als sei sie auf der Verliererstraße — dann ist das die ultimative Underdog-Story. Die Gemeinde wird triumphieren, nicht jedoch wegen ihrer Kraft, sondern wegen der Gerechtigkeit Gottes und wegen ihrem wunderbaren Herrn und Heiland.

Und deshalb kannst auch du zuversichtlich beten. Bete zuversichtlich gerade für die verfolgte Gemeinde, auch wenn es so aussieht, dass sich nichts ändert, auch wenn Nordkorea seit Jahren auf Platz 1 der meisten verfolgten Länder steht. Betet zuversichtlich — es gibt dazu zum Beispiel von Open Doors gute Ressourcen. Bete zuversichtlich, auch wenn sich nichts zu ändern scheint, denn spätestens bei der Wiederkunft unseres Herrn wird sich alles grundlegend ändern.

Du kannst auch für deine Gemeinde zuversichtlich beten. Nein, wir sind hier in Deutschland bei weitem nicht den Leiden der Thessalonicher ausgesetzt, aber merken auch wir, wie in unserem Land der Wind immer rauer weht? Zum Beispiel hat die Partei der Linken in Sachsen-Anhalt jetzt diese Woche in ihrem Wahlprogramm festgehalten, dass die Linke dafür steht, dass — Zitat — religiöser Fundamentalismus, sei er christlich evangelikaler oder djihadistischer Prägung, durch Intervention, Aufklärungsarbeit, Prävention und zivilgesellschaftliche Initiativen entschieden bekämpft wird. Und es ist erschreckend zu sehen, mit welchen Gruppierungen hier christlich Evangelikale in eine Schublade gesteckt werden. Man fragt sich, was hinter diesen friedlich klingenden Begriffen teilweise genau gemeint ist und dahinter steckt.

Und manchmal habe ich Angst davor, was uns in Zukunft noch blühen kann. Du vielleicht auch. Aber sei zuversichtlich. Gott wendet sich durch Verfolgung nicht von seiner Gemeinde ab, sondern er wendet sich ihr zu. Und Jesus wird sich in seiner Gemeinde verherrlichen. Deshalb wollen wir zuversichtlich beten — nicht leidensscheu, sondern im Blick auf die Wiederkunft Christi leidenstreu zu sein. Preise Gott für die Hoffnung, die Jesu Wiederkunft mit sich bringt, und überlass die Rache ihm.

Jesus wird sich in der Gemeinde verherrlichen, wenn er wiederkommt. Diese herrliche Hoffnung hat Paulus den Thessalonichern vor Augen gestellt, und daher kann er auch danken und so zuversichtlich sein. Er wird seine leidende Gemeinde aus dem Staub erheben.

3. Bittend im Blick auf Jesu Verherrlichung (Verse 11–12)

Was ist nun daraus gehend sein Gebet für sie? Es geht um etwas, das Gott in seiner Gnade tun soll. Es ist das Anliegen, dass dieser Jesus, der sich einmal für alle sichtbar in ihnen verherrlichen wird, schon jetzt in ihrem Leben auf der Erde verherrlicht wird. Und damit kommen wir noch ganz kurz zum dritten Punkt, wie du alle Zeit für deine Gemeinde beten kannst: bittend im Blick auf Jesu Verherrlichung.

Aufgrund dieser herrlichen Hoffnung, dass Jesus sich einmal in allen Gläubigen verherrlichen wird, leitet Paulus nun seine Fürbitte für die Gemeinde ab. Und zusammengefasst bittet er in Vers 11 um einen der Berufung entsprechend würdigen Wandel. Er betet alle Zeit dafür, dass Gott die Thessalonicher in ihrer Berufung würdig macht, das heißt ihr Leben so verändert, dass es diesem Ziel entspricht, und dass ihre Pläne und Absichten dem Wohlgefallen Gottes entsprechen und dann auch ausgeführt werden.

Wir Menschen kennen es nur zu genüge, dass wir uns gute Dinge vornehmen und die Umsetzung dann doch auf der Strecke bleibt. Aber Jesus wird nicht so sehr durch unsere guten Absichten verherrlicht, als vielmehr durch die Ausführung der guten Absichten.

Angenommen, du kündigst deiner Frau für den nächsten Samstag — gut, das passt bei euch nicht, dann für einen Samstag darüber hinaus — angenommen, du kündigst deiner Frau eine große Überraschung an. Du denkst dabei an einen wunderbaren Ausflug zu zweit, an dem sie sich um nichts kümmern muss, weil du alles genau geplant hast. Die Kinder sind abgegeben, du machst das Essen — es soll ein wunderbarer Ausflug werden. Doch letztlich führst du diesen Plan nicht aus, weil es am Ende doch zu verlockend war, an diesem freien Tag auf dem Sofa zu entspannen. Wie geehrt wird sich deine Frau fühlen, wenn du nachher zu ihr kommst und sagst, »aber ich hatte echt einen tollen Plan«, und ihr diesen Plan erzählst? Ich glaube nicht wirklich geehrt, sondern eher verunehrt.

Und so verunehren wir unseren Herrn doch auch oft, oder? Oder bleiben ihm in unserer Nachfolge Ehre schuldig. Da möchte man spenden und vergisst das Geld mitzubringen. Da möchte man in der Küche aushelfen, doch Möhren zu schälen, während der eigene Hals kratzt — undenkbar. Da möchte man beim Arbeitseinsatz mithelfen, aber das gute Wetter schreit nach einer spontanen Fahrradtour.

Und deshalb beten Paulus und seine Mitstreiter hier auch für die Thessalonicher, dass sie zum einen Wohlgefallen daran haben, was Gott gefällt, und dass sie dann auch das Werk des Glaubens ausführen. Zu welchem Ziel? Vers 12: dass Jesus schon hier durch das Leben der Gemeinde verherrlicht wird, und auch, dass sie in ihm immer mehr verherrlicht werden, weil sie immer mehr seine Herrlichkeit tragen und widerspiegeln, weil sie immer mehr in sein Bild verwandelt werden. Und dieses hohe Ziel, dieses wunderbare Ergebnis, liegt nicht in der Kraft der Thessalonicher, sondern hängt ganz und gar von der Gnade Gottes ab, auf die Paulus sich hier ganz zum Schluss stützt und die er erfleht. Gott muss in seiner Gnade die Kraft geben, deshalb beten sie.

Und ist dir aufgefallen, dass Paulus hier nicht um die Wegnahme der Verfolgungen und Bedrängnisse betet? Nein, es ist überhaupt nicht verkehrt, um Linderung zu beten — versteht mich nicht falsch. Paulus selbst wünscht sich in 1. Timotheus 2 ein ruhiges und stilles Leben für die Gläubigen. Doch mehr als dass die Leiden zum Abschluss kommen, betet Paulus dafür, dass das Werk des Glaubens in Kraft zur Erfüllung kommt und Jesus verherrlicht wird. Weit mehr als ihre jetzige irdische Ruhe wünscht er sich einen Christus verherrlichenden Wandel, und damit ähnelt er dem Gebet, das die Urgemeinde in Apostelgeschichte 4 gebetet hat.

Diese Gemeinde ist noch nicht am Ziel, und sie ist von Gottes Gnade abhängig. Und deshalb betet Paulus für sie, damit Jesus immer mehr durch sie verherrlicht wird.

Und dafür sollst auch du beten — wir, die wir wahrscheinlich eine beispiellose Zeit der Ruhe und des Friedens haben —, dass wir als Gemeinde und als Einzelne daran Gefallen haben, woran Gott Gefallen hat, damit Jesus immer mehr verherrlicht wird. Bete dafür, dass die Projekte deiner Gemeinde — ein Neubau wie jetzt, das Familienfest, aber auch die Dienstbereiche, die ihr schon habt, die Jugendarbeit, die Jungschararbeit, die Bibelschule und so weiter — dass diese Dinge zur Verherrlichung Jesu dienen. Aber auch, dass die persönlichen Entscheidungen und Absichten Jesu Ehre zum Ziel haben. Machst du dir — macht ihr euch als Ehepaar, als Familie — darüber Gedanken, wie euer Leben Jesu Namen groß machen kann?

Bete, dass die Bereitschaft da ist, kleine und auch große Entscheidungen zu treffen und in seiner Gnade auch durchzuziehen, und so für das Reich Gottes zu arbeiten und zu leiden, damit Jesus verherrlicht wird, so wie es bei den Thessalonichern der Fall war. Vielleicht beruft Gott euch in eine Gemeindegründung, vielleicht in die Außenmission, vielleicht legt Gott es euch aufs Herz, Pflegekinder aufzunehmen, was ein großer Dienst ist.

Liebe Geschwister, wir haben hier in Gottes Wort Paulus‘ dreifache Blickrichtung in seinem Gebet gesehen. Er blickt zurück und dankt Gott für das Wachstum der Gemeinde, das er gewirkt hat. Er blickt nach oben und betet im Hinblick auf die Wiederkunft Christi zuversichtlich für die Gemeinde. Aber er weiß auch: Diese Gemeinde ist noch nicht fertig. Und so blickt er nach vorn und bittet um Jesu Verherrlichung im hier und jetzt durch die Gemeinde.

Und es ist spannend zu sehen, wie Paulus mit diesem Gebet beide Gruppen in der Gemeinde anspricht. Da waren ja die, die bezüglich ihres Heils verunsichert waren, die Paulus hier ganz stark ermutigt: Gott erachtet euch würdig für sein Reich, deshalb leidet ihr, und ihr werdet durch Jesus verherrlicht werden, sagt er ihnen hier. Da waren aber auch die, die nachlässig wurden und ein unordentliches Leben führten. Ihnen macht er damit deutlich, dass Jesus schon hier durch ihr Leben verherrlicht werden will. Und beidem wird er sich noch genauer widmen.

Aber für heute bleibt die Frage: Betest auch du so für deine Gemeinde? Du bist es schuldig, und es ist angemessen, denn Gott ist der Wirkende auch in eurer Gemeinde. Er hat euch durch Christus errettet. Er wirkt in euch, und er möchte durch euch den Namen Jesu groß machen. Und wenn er wiederkommt, wird er sich für alle Ewigkeit auf unglaubliche Weise in seiner Gemeinde verherrlichen.

Dieses Gebet ist daher nicht hoffnungs- oder ziellos, und das soll dich zum Gebet motivieren. Verstehe das kann im Titel bitte nicht als optional: »Wie du alle Zeit für deine Gemeinde beten kannst« — ich kann es auch lassen. So ist es nicht gemeint. So ist vor allem Gottes Wort hier nicht gemeint. Nein, das Gebet kann nicht ersetzt werden. Und daher lehn dich nicht zurück, sondern weil Gott wirkt, bete — damit er alle Ehre für sein Wirken bekommt und er immer mehr durch seine Gemeinde verherrlicht wird, bis sich Christus eines Tages für alle Ewigkeit in seiner Gemeinde verherrlicht. Amen.

 

Großer Gott, wir danken dir für dein herrliches Wort hier im Thessalonicherbrief. Danke für das Gebet des Paulus, von dem wir so viel lernen dürfen. Danke, Herr, dass du derjenige bist, der in der Gemeinde wirkt — den unvollkommenen, sündigen Menschen, die du errettet hast durch deinen geliebten Sohn. Und danke, dass du uns ein so herrliches Ziel vor Augen stellst. Danke, dass du in uns wirkst, auch in dieser Gemeinde hier vor Ort in Berlin. Danke für den Segen, den viele Menschen schon durch diese Gemeinde erfahren durften. Und danke, dass du uns gebrauchst, dass wir hier als gefallene Menschen schon hier dir Ehre bereiten und immer mehr deine Herrlichkeit tragen und widerspiegeln dürfen, damit Menschen auf dich aufmerksam werden. So möchte ich dich auch hier für diese Gemeinde bitten, dass du immer mehr durch sie verherrlicht wirst und dass alles, was sie planen und tun, deine Ehre zum Ziel haben, damit du immer mehr durch sie gesehen und geehrt wirst. Mögest du das in deiner Gnade vollbringen, du lieber guter Herr. Amen.


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