7. März 2026
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Deine biblische Berufung für Beziehungen in Ehe, Familie, Gemeinde, Arbeit und Nachbarschaft zur Ehre Gottes ausleben
Das Buch von C.S. Lewis »Dienstanweisung für einen Unterteufel« ist ein satirischer Briefwechsel, in dem der erfahrene Oberteufel Screwape seinem Neffen Wormwood anleitet, wie man einen Menschen durch alltägliche Versuchungen, Selbsttäuschung und kleine Sünden unbemerkt vom Glauben wegführt. Der Beginn des Buches dreht sich darum, dass Wormwood einen jungen Mann, seinen Patienten, zugeteilt bekommt, der gerade zum christlichen Glauben gefunden hat. Screwape instruiert ihn sofort, wie er diesen neuen Glauben möglichst schnell wieder untergraben kann – und zwar in diesem ersten Fall, wie man Beziehung zerstört.
Screwape schreibt: »Mein lieber Wormwood, (…)Erarbeite (…) in diesem Hause feste Gewohnheiten, die zu dauernden gegenseitigen Verärgerungen Anlaß geben; kleine tägliche Nadelstiche! Die folgenden Methoden haben sich als erfolgreich erwiesen: (…) Drittens: haben zwei Menschen jahrelang zusammengelebt, so gibt es sich, daß ein gewisser Tonfall und ein gewisser Gesichtsausdruck des einen dem andern einfach unerträglich wird. Daran mußt Du arbeiten. Bringe Deinem Patienten jenen eigenartigen Augenaufschlag seiner Mutter, der ihn schon in seiner Kindheit peinlich berührte, ins volle Bewußtsein, und lasse ihn völlig beherrscht werden von dem Abscheu, den er davor empfindet.
Bestärke ihn in der Annahme, seine Mutter wisse, wie widerwärtig ihm dies sei, und reize ihn nun absichtlich damit. Wenn Du Dein Handwerk gut verstehst, so wird er nie merken, wie unwahrscheinlich diese Annahme ist. Und lasse ihn natürlich nie vermuten, daß auch er wunderliche Angewohnheiten besitzt, die seiner Mutter ähnlich widerwärtig sein könnten. Viertens: du musst (…) darauf bedacht sein, daß jeder dieser beiden Dummköpfe nach zweierlei Maßstäben mißt. Der Sohn wird verlangen, daß alle seine eigenen Äußerungen unvoreingenommen und ohne Nebenbedeutung verstanden werden, währenddem er gleichzeitig jede Bemerkung seiner Mutter mit größter Empfindlichkeit auslegt nach ihrem Tonfall, nach dem Zusammenhang und einer vermeintlichen Absicht.« (C.S.LEWIS DIENSTANWEISUNG FÜR EINEN UNTERTEUFEL; S.16-17; Vadian-Verlag St. Gallen 194)
Das waren nur ein paar wenige Sätze aus diesem Buch, nur ein kleiner Ausschnitt aus diesem satirischen Briefwechsel. Aber der Einblick und die Absicht werden klar: Das ganze Denken und die ganze Wahrnehmung von diesem Patienten soll völlig verzehrt werden, sodass durch Selbsttäuschung die Beziehung zu seiner Mutter zerstört wird. Lewis zeigt hier im ersten Teil, dass es in Konflikten oft gar nicht um objektive Schwierigkeiten einer Person geht, sondern um gegenseitig verzehrte Wahrnehmung, doppelte Maßstäbe und aufgeschaukelte Empfindlichkeiten – und zwar auf beiden Seiten.
Wenn wir den Kolosserbrief studieren, dann fällt uns auf, dass Paulus eben auch vor solchen Verzerrungen und Täuschungen warnt. Schon in Kapitel 2 hatte er die Kolosser stark davor gewarnt, dass sie den Philosophien der Welt auf den Leim gehen. Und in der letzten Predigt zu Kapitel 3, da wurde immer deutlicher, was genau das für einen Christen bedeutet. Wie Theo in der letzten Predigt zu Kolosser schon angekündigt hat, dreht sich vieles in Kapitel 3 um das Thema Beziehung – und zwar im breitesten Sinne. Es ist also ein wichtiges Thema, denn jeder steht in sehr vielen Beziehungen, manche sehr nah, manche sehr fern. Aber gerade dort zeigt sich, ob wir als wiedergeborene Christen zu Gottes Ehre leben oder ob wir den Philosophien der Welt schon längst auf den Leim gegangen sind. Es zeigt sich, ob unser Blick nach oben auf Christus gerichtet ist oder nach unten.
Um das Thema heute noch deutlicher zu machen, möchten wir das Ganze von zwei Seiten betrachten. Denn dann wird der Unterschied zwischen dem ich-zentrierten Leben – »es dreht sich nur um mich« – und dem Leben, das von Christus durchdrungen ist, was auf ihn schaut, noch viel klarer. Aus diesem Grund werden wir uns die nächsten zwei Predigten genau damit beschäftigen. Es geht darum, deine biblische Berufung für Beziehung in Ehe, Familie, Gemeinde, Arbeit und Nachbarschaft zu Gottes Ehre auszuleben. Denn wir arbeiten entweder daran, Beziehungen zu vergiften oder wir arbeiten daran, Beziehungen zu heilen. Es gibt keine Neutralität, entweder das eine oder das andere.
Aber wie vergiftest oder heilst du denn eine Beziehung? Nun, erstens: Dreh dich um Christus – oder dreh dich um dich selbst. Schaut mal in den Kolosserbrief, Kapitel 3, Vers 1: »Wenn ihr also mit dem Christus auferweckt worden seid, sucht das, was oben ist, wo der Gesalbte sitzt, sitzend zur Rechten Gottes. Haltet den Sinn auf das gerichtet, was oben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist, denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit dem Gesalbten in Gott.« (Der Gesalbte ist hier Christus).
Wenn ihr in diesem Kapitel 3 diesen Abschnitt anfangt und sagt »wenn ihr nun«, dann bezieht er sich auf das, was er bis zu diesem Punkt gesagt hatte. Und er hatte in diesem Abschnitt davor genau darüber gesprochen, dass wir unsere Kraft und unser Vertrauen auf uns selbst setzen. Er hatte vor selbstgemachtem Gottesdienst gewarnt, und die ESB übersetzt und sagt »eine Warnung vor Demutsgebaren«. Ja, Demutsgebaren, das ist ironisch für Demut.
Die Gefahr ist real. Die Gefahr ist sehr real, dass wir uns nur um uns selbst drehen und unsere geistliche Wahrnehmung so verzehrt ist, dass wir wirklich der Meinung sind, dass wir demütig sind und dem Herrn damit dienen. In der Predigt zu Askese – es ist ein bisschen her, aber das war dieser Abschnitt Ende Kapitel 2 und falsche Demut – da ging’s Kolosser 2, 22 bis 23, ist diese Gefahr benannt worden. Theo hatte damals folgendes gesagt: »Besonders bei Gläubigen, die besonders stark hingegeben im Dienst sind für den Herrn, steht die Askese vor der Tür und sie lauert.« Und Jerry Bridges schreibt in seinem Buch: »Ist es nicht so, dass wir umso mehr und eher auf unsere gottgegebenen Fähigkeiten vertrauen, je mehr wir davon besitzen, statt auf Gott?«
Es funktioniert so tricky. Grundlage ist dieses Denken der Askese. Du kannst – und wir nehmen sogar die Mittel Gottes, um in diesem Denken uns selbst zu gefallen, in einem Gottesdienst, der uns selbst gefällt und der so demütig ist.«
Und dieses Vertrauen auf sich selbst und sich nur um sich selbst drehen, um die eigene Kraft, die eigene vermeintliche Demut, sie führt unweigerlich zu zerstörten Beziehungen. Welche Beziehungen? Alle Beziehungen. Wir können unsere Ehen, unsere Familien, unsere Freundschaften, die Beziehungen in der Gemeinde, auf der Arbeit, in der Schule – überall damit vergiften. Und wir vergiften sogar die Beziehung zu unserem Vater im Himmel damit.
Also, wenn du die Absicht hast, das zu tun, dann ist das der Weg: Dreh dich weiter um dich selbst. Vertraue mehr auf dich. Das ist, was Paulus am Ende von Kapitel 2 so deutlich macht. Und Theo hatte mehrere Punkte dazu in der Predigt, wie genau diese Askese und das Selbstvertrauen Auswirkungen auf Beziehungen hat. Ich werde das nicht alles wiederholen – hört euch das gerne noch mal an, das sind sehr gute Predigten zum Thema Askese, zwei Stück –, aber wir wollen ein paar Punkte kurz wiederholen, um uns in Erinnerung zu rufen:
Erstens, es vergiftet Ehen, zum Beispiel wenn man sich sexuell in der Ehe aus Frömmigkeit und der Meinung, dass man das selbst nicht braucht, enthält. Das führt zu Versuchung, Distanz und Spannung. Außerdem sorgt es dafür, dass Beziehungen lieblos, kalt, freudlos und unzugänglich werden. Durch die Selbstkasteiung ist keine Freude mehr da und keine aufbauenden Worte der Gnade und keine zuvorkommende Hilfe mehr für andere. Außerdem macht die Askese stolz und bitter. Du erwartest Lob von Menschen und Segen von Gott und zerstörst dadurch Beziehungen. Deine Enthaltsamkeit machst du zum Maßstab für alle anderen. Das legt ein unbiblisches Joch auf die Schultern von allen anderen, das sie gar nicht tragen können.
Ein kurzes Zitat aus der Predigt: »Dieses miserable Christenleben mit so großen Opfern, gebaut auf Selbstgerechtigkeit und eigener Kraft, ihr Lieben, ist wertlos.« (Hast du deinen Gottesdienst selbst gewählt? Teil 2: Askese) Mit Askese, also mit Opfern aufgebaut aus Selbstgerechtigkeit und eigener Kraft, vergiftest du Beziehungen. Es ist das Drehen um dich selbst.
Und jetzt fragt ihr euch vielleicht, warum fange ich schon wieder in Kapitel 2 an? Heute geht’s doch eigentlich um Kapitel 3. Ja, aber Paulus fängt schon hier bei dem Thema Askese genau das Thema mit den Beziehungen an. Es ist, wo er die Rampe sozusagen startet. Und ihr werdet sehen, viele dieser Dinge werden in dem Hauptabschnitt, den wir haben in Kapitel 3, nämlich aufgegriffen, und es wird gezeigt, was nämlich das Gegenteil unter anderem von Askese ist.
Wenn du also deine Beziehungen zerstören willst, dann dreh dich weiter um dich selbst. Oder wie Paulus es ab Kapitel 3 ausdrückt: »Suche das, was auf Erden ist.« Mach weiter. Aber hier kommt der Wendepunkt, ihr Lieben. Hier kommt der Wendepunkt. Schaut mal in Kapitel 3, Vers 1 rein. Ich hatte den eben gelesen. »Wenn du mit Christus auferweckt worden bist,« das heißt, wenn Christus dich gerettet hat, wenn du ein völlig neuer Mensch bist, »dann suche das, was oben ist«, dann sollst du deinen Sinn auf das gerichtet haben, was oben ist.« Keine falsche Demut mehr, keine Schonungslosigkeit gegenüber dem eigenen Körper. Nein, dein ganzes Leben soll sich auf Christus ausrichten.
Er ist dein Retter. Du bist in der Vergangenheit mit Christus gestorben und auferstanden. Das ist abgeschlossen. Du lebst nicht mehr für dich selbst. Du lebst für Christus und Christus lebt in dir. Das alte Leben, das sich nur um sich selbst dreht – um deine Gefühle, um deinen Nutzen, um deine Begierden, um deine Ziele – das ist weg. Du bist mit ihm gestorben. Und in der Gegenwart sollst du jetzt alles auf Christus ausrichten, auf das Himmlische, weg von dem Blick hier unten und den Blick zu ihm, denn er regiert. Das ist wie Mose: Über ihn wird gesagt, als er Ägypten verließ und alles aufgab, sowohl sein Luxus, aber er auch die Streitmacht hinter sich nicht fürchtete, wird gesagt, Mose, »er tat es, als sähe er den Unsichtbaren«. So sollen wir leben. Und dann sollst du dich daran erinnern, dass du in Zukunft mit Christus offenbar werden wirst. Dieses Leben hier, diese schweren Beziehungen, ja, die sind da. Dieses Leid, ihr Lieben, hat ein Ende. Es hat ein Ende. Aber es ist kein dunkles Loch, in dem wir verschwinden, sondern es ist die Herrlichkeit bei Christus.
Wenn Beziehungen schwierig werden, dann wird die Askese, diese Selbstkasteiung, nur zu Frust, Undankbarkeit und Freudlosigkeit führen. Aber der Blick auf den Unsichtbaren, der Blick auf den Unsichtbaren und was er getan hat und tut und tun wird, das wird alles ändern.
Petrus beschreibt das so schön in seinem ersten Kapitel, 1. Petrus 1, die Verse 6 bis 9: »Dann werdet ihr euch jubelnd freuen, die ihr jetzt eine kurze Zeit, wenn es sein muss, traurig seid in mancher Anfechtung, damit die Bewährung eures Glaubens, die viel kostbarer ist als das vergängliche Gold, das doch durchs Feuer erprobt wird, Lob, Ehre und Herrlichkeit zufolge haben bei der Offenbarung Jesu Christi. Ihn liebt ihr, obwohl ihr ihn nicht gesehen habt.« Seht ihr? Genau wie bei Mose. Wir schauen auf den Unsichtbaren. »An ihn glaubt ihr, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht. Und über ihn werdet ihr euch jubelnd freuen.« Das ist übrigens ein Versprechen. »Über ihn werdet ihr euch jubelnd freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Endziel eures Glaubens davontragt: die Errettung eurer Seelen.« Das geht runter wie Öl. Das, ihr Lieben, ist unsere Zukunft als errettete Christen.
Wenn du zerstören willst, dann mach weiter und dreh dich um dich selbst. Aber wenn du mit Christus auferweckt worden bist, dann bist du ein neuer Mensch und dann kann und darf das nicht mehr dein Ziel sein. Nein, dein Blick soll sich aufrichten auf ihn. Du dienst für ihn, du arbeitest für ihn, nicht aus eigener Kraft, nicht aus eigener für eigene Ehre, weg von der falschen Demut hin zu Christus.
Wenn du Beziehungen in Brand stecken oder zerstören willst – oder wenn du sie heilen willst –, dann lege Lügen, Lästerung und Labern ab. Oder mach weiter damit. Wenn du deine Ehe, deine Familie, die Gemeinde, deine Freunde oder sonst jegliche Beziehung vergiften willst, dann arbeite die Liste ab, die Paulus uns in Kapitel 3, Vers 5 bis 9 gibt. Dort beschreibt er Lästerung, Lügen, Wut, Zorn und schlechtes Reden. Es sind vermeintlich respektable Sünden. Es sind aber Beziehungskiller.
Wir haben das schon in Jakobus gesehen, wie diese Sünden wie Lästerung, Zorn, Wut, schlechtes Reden und Lügen wie ein massives Feuer um sich schlagen. Und wenn die Askese eher wie ein eiskalter Berg ist, der die Beziehungen um uns herum aufschlitzt, so dass sie untergehen, steckt diese Sünde, die Beziehung und alles um uns herum in Brand. Lügen, Lästerung und Labern sind die besten Mittel, um Beziehungen zu zerstören. Wenn du im Verborgenen über eine andere Person lästerst, vielleicht um besser selbst dazustehen, dann ist das wie mit einer Straße, wo unbemerkt Wasser darunter lang läuft und es höhlt das Fundament die ganze Zeit aus, ohne dass du es siehst. Und irgendwann bricht die Straße zusammen.
Lästerung, Lügen und Labern, also schlechtes Reden – Kapitel 3, die Verse 8 bis 9, wir haben uns das schon angeschaut – sind sogenannte respektable Sünden. Wir kümmern uns erstmal nicht so viel darum, aber sie erodieren jede Beziehung um uns herum. Wenn du zum Beispiel bei anderen über deinen Ehepartner lästerst, dich über die ganzen Fehler lustig machst – hört sich ja witzig an – oder du lässt ihn schlecht dastehen, dann wird deine Beziehung zu ihm davon betroffen werden.
Viele fragen sich an irgendeinem Punkt: »Wie konnte denn die Beziehung so schlecht werden?« Aber sie vergessen, dass viele kleine Momente, wo sie an dem Ast gesägt haben, immer ein kleines Stück, aber irgendwann – mit einem lauten Krach – bricht der Ast ab. So wie Lewis schreibt: »Kleine tägliche Nadelstiche.« Wenn du jetzt eine Anleitung benötigst, wie du eine Beziehung zerstören kannst, hier ist sie:
Fange an, über deine Geschwister, deinen Mann, deine Frau, deine Familie und Ältesten in der Gemeinde schlecht zu reden oder über die Lehrer oder über deine Vorgesetzten oder über deine Kinder – oder über wen auch immer. Suche, wo du nicht mit ihnen übereinstimmst. Vielleicht findest du eine andere politische Meinung, einen anderen Musikgeschmack, einen anderen Ernährungsstil oder wie sie ihre Kinder musikalisch weiterbilden oder was sie reden oder wie am Anfang nur so Dinge, wie sie sich nur ein bisschen anders ausdrücken, oder so Kleinigkeiten, die immer wieder vorkommen – die summierst du dann. Das ist besonders effektiv. Suche genau danach und mach eine lange ausführliche Liste in deinem Kopf. Nimm vor allen Dingen auch Dinge, wo du meinst, dass sie es so meinen. Du brauchst keine Fakten und Bestätigungen. Wenn du denkst, dass jemand es schlecht gemeint hat, umso besser. Notiere alles innerlich. Gerade die Kleinigkeiten sind sehr, sehr hilfreich, denn die kommen so oft vor und du bekommst viel schneller eine lange Liste.
Außerdem ist es sehr wichtig, dass du mit doppeltem Maß misst. Erwarte, dass die Gegenseite dich immer genau richtig versteht und alle Dinge zudeckt, aber notiere innerlich jedes Mal, wenn sie es nicht bei dir tun. Und dann füttere deine Wut und deinen Zorn. Wenn du merkst, dass dein Wut, Zorn und Ärger langsam abflacht, dann denk dir noch Lügen über die Person aus. Du weißt die Dinge nicht, aber in deiner Wahrnehmung sind sie so. Das reicht. Reiße Dinge vor allen Dingen auch aus dem Zusammenhang. Und dann geh zu Leuten, wo du weißt, dass sie leichtgläubig sind oder weil sie deine Freunde sind, und fang dort an zu lästern – schön langsam, aber immer mehr, damit auch andere Herzen in Brand gesteckt werden. Und dann verteile noch so kleine Halbwahrheiten – die sind immer ein guter Mix, damit die Stimmung schneller gegen die andere Person geht, und du wirst dich so viel besser fühlen und es wird funktionieren.
Das hört sich krass an, oder? Das ist es auch. Aber wisst ihr was? So oft handeln wir genauso – und wir werden garantiert Beziehungen zerstören.
Aber Paulus warnt uns in Kapitel 3, Vers 8 bis 9. Er warnt uns, und er sagt: »Legt diese Sünden ab.« Schaut mal in Vers 8, Kapitel 3, Vers 8: »Legt auch ihr das alles, das alles ab.« Seht ihr das?
Aber möchtest du lieber deine Beziehungen heilen und kräftigen? Wisst ihr, Geschwister, Gehorsam und Befehle hören sich für uns oft nach Pflicht an, und wir denken, Gehorsam und Befehle können gar nicht zur Freude führen. Aber hier wird so deutlich, dass Gehorsam Leben bedeutet. Gehorsam bedeutet Leben.
Das ist wie Mose in 5. Mose 32, wo er von dem Herrn zu dem Volk Israel sagt, die Verse 46 bis 47: »Da sprach er zu ihnen: Nehmt zu Herzen alle Worte, die ich euch heute bezeuge, damit ihr sie euren Kindern gebietet.« Oh, wieder so ein Wort – kann keine Freude draus hervorgehen –, »dass sie darauf achten sollen, sollen sie auch noch umsetzen, alle Worte dieses Gesetzes zu befolgen, alle Worte zu befolgen.« Na, das muss ja ein schreckliches Leben sein. Aber schaut mal, was er dann sagt: »Denn es ist kein leeres Wort für euch, sondern es ist euer Leben. Und durch dieses Wort werdet ihr eure Tage verlängern in dem Land, das ihr über den Jordan geht, um es in Besitz zu nehmen.« Es ist euer Leben. Seht ihr das? Die Welt sagt: Gesetze – und wenn sie noch von Gott kommen, ganz schlimm. Und die Schrift sagt: Es ist euer Leben.
Es ist das gleiche Prinzip. Wir denken, der Befehl, das alles abzulegen, ist nur Last. Es macht uns unglücklich. Es engt doch ein. Aber das sind die falschen Philosophien der Welt, vor der Paulus warnt. Die wollen uns das weiß machen. Nein, in Realität geben sie uns Leben, Freude, Frieden, wie Paulus sagt, Glück. Es ist Gottes guter und weiser Plan.
Und wenn du deine Beziehungen retten willst, dann sei gehorsam, denn Gott gehorschen bringt Freude. Oder wie Paulus in Kolosser 3, Vers 8 bis 9 schreibt: »Jetzt legt aber auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, hässliche Redensart aus eurem Mund. Lügt einander nicht an, denn da ihr ja den alten Menschen ausgezogen habt mit seinen Handlungen.« Im Bild gesprochen: Leg das Feuerzeug weg. Das ist der erste große Schritt. Es ist wie bei den Zigaretten, da steht auch eine große Warnung, und bei uns steht drauf: Lästerung tötet, Lügen vergiftet, Askese killt.
Wie heilst du also Beziehungen? Dreh dich nicht um dich selbst, sondern um Christus. Hör auf mit der Askese, sondern erinnere dich daran, dass du mit Christus gestorben und auferstanden bist. Leg jegliche Art von Zorn, Wut, Lästern und schlechten Reden ab.
Jetzt der Selbsttest: Denk kurz über dein Leben nach. Gibt es in deinem Leben Punkte oder sogar ganze Bereiche, wo du aus vermeintlicher Frömmigkeit anderen etwas vorenthältst und dich sogar weigerst, Dinge zu tun? Na, die anderen haben das ja nicht erkannt, aber ich habe es erkannt. Oder werden einige deiner Beziehungen kalt und lieblos? Bist du freudlos, vor allen Dingen, wenn du mit gewissen Menschen zusammenkommst? Hast du an manchen Stellen oder bestimmten Personen gegenüber überhaupt keine aufbauenden Worte mehr der Gnade und der zuvorkommenden Hilfe – ja, soll mal sehen, wie sie zurechtkommen? Bist du stolz und bitter, weil du kein Lob und keine Unterstützung bekommst, vielleicht in der Ehe? Oder du denkst, ich habe das doch verdient. Machst du deine Enthaltsamkeit zum Maßstab für andere und legst ihnen das auf? Lästest du, also redest du schlecht über andere – über deinen Ehepartner, über deinen Chef? Bist du wütend, vielleicht auch nur ein ganz kleines bisschen, auf deinen Ehepartner, auf deine Kinder, auf Gott? Redest du schlechte Dinge, fluchst du? Irgendwas geht schief – sofort kommt der Fluch aus deinem Mund. Lügst du oder vermischst du die Halbwahrheiten ein bisschen in so einem guten Mix, das gut aussieht? Wenn diese Dinge in kleinen Sätzen oder ausgeprägt vorhanden sind: Ihr Lieben, es gibt Hoffnung – legt sie ab!
Als drittes: Belaste das richtige Fundament oder wirke aus eigener Kraft. In der letzten Predigt aus Kolosser haben wir uns die Verse 9b bis 12a angeschaut. »So zieht nun an als Gottes auserwählte, heilige und geliebte,« schreibt Paulus dort. Wir sind als Gläubige auserwählt, geheiligt und geliebt. Und wie Theo in der letzten Predigt sagte: Dieses Bewusstsein ist das Fundament, das viele, viele, viele – alle! – Lasten von Beziehung trägt. Wenn wir am letzten Tag gemeinsam vor dem Thron Christi stehen und ihn anbeten, dann müssen wir es auch hierhin kriegen, hier und heute gemeinsam anzubeten als Brüder und Schwestern im Herrn.
Wie können wir Lasten tragen und schwere Verletzungen überwinden? Mit dem richtigen Fundament kein Problem. Unsere Beziehungen brauchen ein starkes und festes Fundament, und gerade Beziehungen in Ehe, in der Familie mit Kindern, mit Eltern, mit Geschwistern, mit Nachbarn, auf der Schule, auf der Arbeit und überall sonst: Wir werden große Lasten erleben. Aber wenn du dieses Fundament nicht hast, sondern auf eigene Kraft baust, dann wird alles wie der Schiefe Turm von Pisa oder diese Kirche in Ostfriesland in Schieflage geraten.
Aber wir sind Auserwählte, Geheiligte und Geliebte. Und dieses Fundament, ihr Lieben, das trägt diese Lasten. Paulus platziert das Evangelium immer und immer wieder. Und auch hier bringt er das Evangelium wieder rein. Es ist das, was trägt. Es ist das, was antreibt. Es ist das, was uns motiviert: Dreh dich um Christus. Verliere dich nicht in der Askese oder falschen Demut. Hör auf zu lügen, zu lästern und zu labern, sondern belaste dieses Fundament, das wirklich trägt.
Oder wie Theo sagte: Die Last, die Paulus gleich ansprechen will mit den Worten »zieht nun an«, ist groß – kann sehr groß sein. Deshalb vertieft er unser Fundament und erinnert uns daran: Wie sollen wir das schaffen? Weil wir Auserwählte sind, weil wir Geliebte sind, weil wir Geheiligte sind. Gott hat – deshalb kann ich und deshalb will ich, weil Gott hat getan.
Diese Erinnerungen sind so essentiell, denn die Aufforderungen, die jetzt kommen, die haben es wirklich in sich. Das ist nicht nur eine Floskel, und ihr werdet das gleich sehen. Auf der einen Seite haben wir jetzt eine augenscheinlich große Last, wo wir uns fragen: Wie können wir die tragen? Und auf der anderen Seite ist es die Antwort auf so viele Dinge, die Paulus von Kapitel 2 bis jetzt schon angesprochen hat: Askese, Lästerung, Lügen und so weiter. Und schaut jetzt noch mal in das Kapitel 3 rein, Kolosser 3, die Verse 9 bis 12: »Lügt einander nicht an, da ihr ja den alten Menschen ausgezogen habt mit seinen Handlungen und den neuen Menschen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat, wo nicht Grieche ist, noch Jude, weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit, noch Barbar, Sküte, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus.« Und jetzt kommt’s: »So zieht nun an als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut.«
Paulus wird jetzt sehr konkret. Er zeigt jetzt ganz konkret auf, was wir anziehen sollen. Bis jetzt hat er uns gewarnt, Askese hat uns aufgefordert, gewisse Sünden abzulegen – Lästerung, Lügen, Labern – und er hat uns daran erinnert, was Gott für uns getan hat. Aber wisst ihr, viele bleiben genau dort stehen. Sie ziehen aus, legen Sünden ab, erinnern sich vielleicht noch hier und da an das, was Gott getan hat, aber sie vergessen völlig, dass das nicht ausreicht. Denn wenn wir Schlechtes, wenn wir Sünde ablegen, dann müssen wir auch Gutes anziehen.
Dieses Prinzip »ablegen – anziehen« sehen wir überall in den Briefen. Es ist immer das gleiche Muster: Erinner dich an das Evangelium, Warnung, ablegen von Sünde, anziehen von Gutem, was der Heilige Geist in unserem Leben bewirkt.
Damit kommen wir zu Punkt 4: Sei voller Erbarmen oder erbarmungslos. Wenn ihr mal in den Text schaut, Kapitel 3, Vers 12, dann schreibt hier Paulus, dass wir etwas anziehen sollen. Und das erste, was er sagt, ist »inniges Erbarmen« oder »herzliches Erbarmen«. Seht ihr das? Und das, ihr Lieben, ist eine Besonderheit, denn das ist nichts, was ein Mensch automatisch auslebt. Der Römerbrief erinnert uns sogar daran in Kapitel 1, dass Ungläubige erbarmungslos sind.
Aber bevor wir schauen, wie das Ganze Beziehungen zerstört oder heilt, müssen wir erstmal erkennen, was das wirklich bedeutet. Und hier wird’s wirklich herausfordernd, denn dieses innige Erbarmen geht so viel weiter, als wir uns das wahrscheinlich alle vorstellen.
Im Deutschen wird das in etwa so definiert: Der Duden sagt, es ist tiefes Mitgefühl und Mitleid mit der Not anderer, aber auch das kratzt eigentlich nur an der Oberfläche. Was will der Herr hier von uns? Warum spricht er darüber, dass wir mit anderen »inniges Erbarmen« haben sollen? Und warum sollen wir es anziehen?
Zuerst bemerken wir, dass wir vorher etwas ausziehen sollen. Was sollen wir ausziehen? Das, was Sünde ist. Wir ziehen den alten, schmutzigen, ekligen Mantel voll Zorn, Selbstsucht und Lügen und so weiter aus. Das ist der erste richtige Schritt in Christus. Dieses stinkende, ekelhafte muss weg. Es ist ein bisschen wie wenn du so ein altes Bad reinigst: Du kannst reinkommen, kannst einfach neue Dekos reinmachen – ja, das Bad stinkt immer noch. Das alte Eklige muss weg, und dann kannst du was Neues reinmachen.
Wisst ihr, das mit dem alten Mantel ist genauso. Jeder in der Umgebung wird wissen, ob wir ihn noch anhaben oder nicht. Und dann sollen wir inniges Erbarmen anziehen. Und dieses innige Erbarmen beschreibt eine Emotion. Es ist nicht nur ein Erbarmen in der Handlung irgendwie, sondern es kommt aus dem Innersten heraus. Im Griechischen bedeutet es so viel wie mitfühlende Klage oder mitfühlend sein.
Interessanterweise stammt diese Wortbedeutung aus einem Buch von jemandem, der mit Nachnamen Kittel heißt, aber es geht noch viel weiter – und deswegen werden wir uns jetzt sozusagen durch ein Museum bewegen, Schritt für Schritt durch eine Sonderausstellung, die »Inniges Erbarmen« heißt. Wir bleiben an großen und kleinen Exponaten stehen, und wir werden am Ende ein gutes und kräftiges Bild davon haben, wie es verwendet wird. Lasst uns also die Tour starten in dieser Sonderausstellung »Inniges Erbarmen«.
Wir starten im Philipperbrief, Kapitel 1, Vers 8. Dort schreibt Paulus an die Philipper: »Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt in der herzlichen Liebe Jesu Christi.« Hier kommt das Wort Erbarmen für uns deutsche Leser nicht direkt vor, aber es ist hier enthalten. Es kommt ein wenig zum Vorschein, nämlich mit der herzlichen oder innigen Liebe des Christus nach ihnen. Das ist, worum es hier geht. Und ihr könnt schon sehen, dass es wesentlich mehr ist als: »Ich freue mich echt, dich mal wiederzusehen.« Das ist bei uns oft, was wir standardmäßig machen, wie wir Menschen begrüßen. Ja, wir haben die irgendwie schon gerne, aber auch nicht so viel. Diese innige, herzliche Liebe, die er hier beschreibt, ist im weiteren Verlauf des Philipperbriefes umso deutlicher. Das ist – stellt euch das vor wie eine Ehefrau, die seit geraumer Zeit wartet, dass ihr Mann von der Geschäftsreise wiederkommt. Ihr ganzes Herz streckt sich danach aus, ihn endlich wieder in die Arme schließen zu können. Es ist wie eine schwangere Frau, die monatelang darauf hinfiebert, dass sie endlich das Kind in den Armen hält und es nicht mehr nur im Bauch tritt. Es ist wie der Mann, der länger nicht zu Hause war und dann die Einfahrt zu seinem Haus reinfährt und sieht, wie die Kinder auf ihn zulaufen. Alles in diesen Personen zieht gewaltig zu den anderen Personen hin, es fiebert regelrecht dahin, diese Person wiederzusehen. Ihr seht, das ist, was hier beschrieben wird: Es hat eine starke innere und emotionale Ausrichtung, die den gesamten Menschen mit einschließt.
Das war das erste kleine Ausstellungsstück. Wir gehen weiter zum nächsten in Matthäus Kapitel 20, die Verse 32 bis 34: »Und siehe, zwei Blinde saßen am Weg. Als sie hörten, dass Jesus vorüberziehe, riefen sie und sprachen: Herr, du Sohn Davids, erbarme dich über uns! Aber das Volk gebot ihnen, sie sollten schweigen. Sie aber riefen nur noch mehr und sprachen: Herr, du Sohn Davids, erbarme dich über uns! Und Jesus stand still, rief sie und sprach: Was wollt ihr, dass ich euch tun soll? Die sagten zu ihm: Herr, dass unsere Augen geöffnet werden! Da erbarmte sich Jesus über sie und rührte ihre Augen an, und sogleich wurden ihre Augen wieder sehend, und sie folgten ihm nach.«
Der Herr erbarmt sich. Vielleicht verstehen wir das gar nicht. Zwei Blinde – körperliche Arbeit galt zu dieser Zeit als minderwertiger als die Tätigkeit eines Gelehrten. Und wisst ihr was? Betteln wurde als schändliches Leben angesehen. Sirach sagt: »Es ist besser zu sterben als zu betteln.« Das, ihr Lieben, sind die zwei Blinden hier. Was konnten sie erwarten? Nichts. Kein Recht. Verachtet. Der Abschaum der Gesellschaft. Ganz ehrlich: »Sterb lieber, ist besser für dich. Haben wir den Ärger nicht mehr mit euch.« Hoffnungslos. Was tat Jesus? Er erbarmte sich über sie. Das ist die herzliche innere Haltung des Herrn über diese zwei verachteten Männer, denen er gibt, was sie nie hätten bekommen können.
Das war das zweite Exponat. Und merkt ihr, dass dieses innige Erbarmen viel mehr ist als eine Floskel oder eine Handlung? Es ist das tiefe innere Gefühl, mit Sehnsucht sich auszustrecken nach jemandem, nach einer Person, die es gar nicht mal verdient hat oder würdig ist. Mal ist es zu jemandem, der mehr gemocht wird – wie die Philipper –, mal zu fremden, elenden Bettlern. Aber der Hammer, ihr Lieben, kommt noch. In meiner Vorbereitung bin ich dann auf einen Textabschnitt in der Bibel gestoßen, der hat mich wirklich getroffen, wie tief dieses Erbarmen geht, von dem Paulus hier spricht.
Schlagt dazu bitte das Buch Nehemia auf. Das ist unser großes Exponat, das wir uns jetzt anschauen. Und wir werden einen längeren Abschnitt lesen. Ich möchte, dass ihr beim Lesen auf Folgendes achtet: Was hat Gott getan? Was haben die Menschen getan? Und aus welcher Charaktereigenschaft heraus arbeitet Gott? Was hat Gott getan? Hört gut zu. Was tun die Menschen – und warum tut Gott, was er tut? Nehemia Kapitel 9, die Verse 5 bis 31.
Es beginnt mit den Worten:
»Und die Leviten (…) sprachen: Steht auf, preist den Herrn, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! (…) Du bist, der da ist, Herr, du allein; du hast die Himmel gemacht, der Himmel Himmel und all ihr Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was in ihnen ist. Und du machst dies alles lebendig, und das Heer des Himmels betet dich an. Du bist es, Herr, Gott, der du Abram erwählt und ihn aus Ur in Chaldäa herausgeführt und ihm den Namen Abraham gegeben hast. Und du hast sein Herz für treu vor dir befunden und hast mit ihm den Bund geschlossen, das Land der Kanaaniter, der Hethiter, der Amoriter und der Perisiter und der Jebusiter und der Girgasiter zu geben – es seinen Nachkommen zu geben; und du hast deine Worte erfüllt, denn du bist gerecht. Und du hast das Elend unserer Väter in Ägypten angesehen und hast ihr Schreien am Schilfmeer gehört. Und du hast Zeichen und Wunder getan an dem Pharao und an allen seinen Knechten und an allem Volk seines Landes; denn du wusstest, dass sie in Übermut gegen sie gehandelt hatten; und du hast dir einen Namen gemacht, wie es an diesem Tag ist. Und das Meer hast du vor ihnen gespalten, und sie zogen mitten durch das Meer auf dem Trockenen; aber ihre Verfolger hast du in die Tiefen gestürzt, wie einen Stein in mächtige Wasser. Und in einer Wolkensäule hast du sie geleitet bei Tag, und in einer Feuersäule bei Nacht, um ihnen den Weg zu erleuchten, auf dem sie ziehen sollten. Und auf den Berg Sinai bist du herabgestiegen und hast vom Himmel her mit ihnen geredet; und du hast ihnen gerade Rechte und Gesetze der Wahrheit, gute Satzungen und Gebote gegeben. Und deinen heiligen Sabbat hast du ihnen kundgetan und hast ihnen Gebote und Satzungen und ein Gesetz geboten durch Mose, deinen Knecht. Und Brot vom Himmel hast du ihnen gegeben für ihren Hunger, und Wasser aus dem Felsen ihnen hervorgebracht für ihren Durst; und du hast ihnen gesagt, dass sie hineinziehen sollten, um das Land in Besitz zu nehmen, das du ihnen zu geben geschworen hattest. Aber sie, nämlich unsere Väter, waren übermütig, und sie verhärteten ihren Nacken und hörten nicht auf deine Gebote. Und sie weigerten sich zu gehorchen und erinnerten sich nicht an deine Wunder, die du an ihnen getan hattest; sie verhärteten ihren Nacken und setzten sich in ihrer Widerspenstigkeit ein Haupt, um zu ihrer Knechtschaft zurückzukehren. Du aber bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an Güte, und du verließest sie nicht. Sogar als sie sich ein gegossenes Kalb machten und sprachen: Das ist dein Gott, der dich aus Ägypten heraufgeführt hat!, und große Schmähungen verübten, verließest du in deinen großen Erbarmungen sie doch nicht in der Wüste. Die Wolkensäule wich nicht von ihnen bei Tag, um sie auf dem Weg zu leiten, noch die Feuersäule bei Nacht, um ihnen den Weg zu erleuchten, auf dem sie ziehen sollten. Und du gabst ihnen deinen guten Geist, um sie zu unterweisen; und dein Manna versagtest du nicht ihrem Mund, und du gabst ihnen Wasser für ihren Durst. Und vierzig Jahre lang versorgtest du sie in der Wüste, sie hatten keinen Mangel; ihre Kleider zerfielen nicht, und ihre Füße schwollen nicht. Und du gabst ihnen Königreiche und Völker und teiltest sie ihnen nach Gegenden zu; und sie nahmen das Land Sihons in Besitz, sowohl das Land des Königs von Hesbon als auch das Land Ogs, des Königs von Basan. Und ihre Söhne mehrtest du wie die Sterne des Himmels; und du brachtest sie in das Land, von dem du ihren Vätern gesagt hattest, dass sie hineingehen sollten, um es in Besitz zu nehmen; und die Söhne kamen hinein und nahmen das Land in Besitz. Und du beugtest vor ihnen die Bewohner des Landes, die Kanaaniter, und gabst sie in ihre Hand, sowohl ihre Könige als auch die Völker des Landes, um mit ihnen zu tun nach ihrem Wohlgefallen. Und sie nahmen feste Städte ein und ein fettes Land und nahmen Häuser in Besitz, die mit allerlei Gut gefüllt waren, ausgehauene Brunnen, Weinberge und Olivengärten und Obstbäume in Menge. Und sie aßen und wurden satt und fett und ließen es sich wohl sein durch deine große Güte. Aber sie wurden widerspenstig und empörten sich gegen dich und warfen dein Gesetz hinter ihren Rücken; und sie ermordeten deine Propheten, die gegen sie zeugten, um sie zu dir zurückzuführen; und sie verübten große Schmähungen. Da gabst du sie in die Hand ihrer Bedränger, und diese bedrängten sie; und zur Zeit ihrer Bedrängnis schrien sie zu dir, und du hörtest vom Himmel her und gabst ihnen Retter nach deinen großen Erbarmungen, und diese retteten sie aus der Hand ihrer Bedränger. Aber sobald sie Ruhe hatten, taten sie wieder Böses vor dir. Da überließest du sie der Hand ihrer Feinde, dass diese über sie herrschten; und sie schrien wieder zu dir, und du hörtest vom Himmel her und errettetest sie nach deinen Erbarmungen viele Male. Und du zeugtest gegen sie, um sie zu deinem Gesetz zurückzuführen; sie aber waren übermütig und gehorchten deinen Geboten nicht, sondern sündigten gegen deine Rechte, durch die der Mensch, wenn er sie tut, leben wird; und sie zogen die Schulter widerspenstig zurück und verhärteten ihren Nacken und gehorchten nicht. Und du hattest viele Jahre Geduld mit ihnen und zeugtest gegen sie durch deinen Geist, durch deine Propheten, aber sie gaben kein Gehör. Da gabst du sie in die Hand der Völker der Länder. Aber in deinen großen Erbarmungen hast du ihnen nicht den Garaus gemacht und sie nicht verlassen; denn du bist ein gnädiger und barmherziger Gott.«
Was soll ich dazu noch sagen? Ich kann nur mit Hiob einstimmen: »Wer verfinstert da den Ratschluss mit Worten ohne Erkenntnis?« Fürwahr, ich habe geredet, was ich nicht verstehe, Dinge, die mir zu wunderbar sind und die ich nicht begreifen kann! Oder wie der Psalmist sagt: Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar, zu hoch, als dass ich sie fassen könnte! Oder wie Paulus: O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass es ihm wieder vergolten werde? Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen.
Versteht ihr, was ich meine? Versteht ihr diese Tiefe der Erbarmung Gottes? Das ist fast das ultimative Exponat in dieser Ausstellung. Gott gab ihnen im Überfluss. Habt ihr das gehört, was er ihnen gegeben hat? Aber das Volk weigerte sich zu gehorchen. Sie waren halsstarrig, dickköpfig, widerspenstig, dreist. So dreist. »Ach, lass uns wieder zurück nach Ägypten gehen. Die Sklaverei – lieber wieder geschlagen und geprügelt werden, als diesem guten Herrn zu folgen.« Sie machten sich einen neuen toten Gott. Stellt euch das vor, was Gott getan hat! Und sie sagen: »Uns hätte hier so ein Ding aufgestellt aus unseren Ohrringen. Das war unser Gott, der uns aus Ägypten rausgeführt hat.« Sie schmähten ihn – der Duden sagt: mit verächtlichen Reden, beleidigen, beschimpfen und schlecht machen. Das haben sie mit Gott gemacht. Sie ermordeten seine Propheten. Sie verschlossen ihre Ohren – wie Kinder, die sagen: »Na na na!« Sie empörten sich aktiv gegen Gott.
Und dann steht da: Aber in deinen großen Erbarmungen hast du ihnen nicht den Garaus gemacht und sie nicht verlassen; denn du bist ein gnädiger und barmherziger Gott. Versteht ihr, wie tief dieses Erbarmen gemeint ist, von dem Paulus in Kolosser 3, Vers 12 spricht? Das ist der Anspruch, ihr Lieben. Das ist der Anspruch, von dem Paulus spricht – und kein bisschen weniger.
Aber denkt ihr, es gibt noch mehr? Denkt ihr, es geht noch tiefer? Es geht noch tiefer. 1. Timotheus 1, 15 bis 17: Da spricht Paulus und schreibt: Glaubwürdig ist das Wort und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten, von denen ich der größte bin. Aber darum ist mir Erbarmung widerfahren, damit an mir zuerst Jesus Christus alle Langmut erzeige, zum Vorbild für die, die künftig an ihn glauben würden zum ewigen Leben. Dem König der Ewigkeit aber, dem unvergänglichen, unsichtbaren, allein weisen Gott, sei Ehre und Ruhm von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Diese Erbarmung Gottes geht noch weiter. Sie weitet sich auf Menschen, auf Rebellen aus, die ihn gehasst haben, ihr Leben lang in Finsternis verschlossen, die nichts von ihm wissen wollten, Menschen, die in Römer 1 als erbarmungslos in ihrem Wesen bezeichnet werden. Und diese Menschen sind du und ich. So weit geht sein Erbarmen: ohne dass irgendein Entgegenkommen von unserer Seite da war, ohne irgendein gutes Werk in uns, ohne dass wir uns retten konnten, rettete er uns, vergab uns jegliche Schuld. Er machte uns zu seinen Kindern. Er lässt Christus in uns wohnen. Er erwählte uns vor Grundlegung der Welt. Er heiligte uns und liebt uns für immer und ewig, ohne dass du auch nur ein Staubkorn, ein winziges Staubkorn an einem guten Werk geben konntest und geben kannst.
Das ist, was Paulus in Timotheus sagt, was er meint, dass das Erbarmen Gottes über ihn gekommen ist. Und jetzt schaut noch mal in Kolosser 3, Vers 12. Da sagt der Herr durch Paulus zu uns: »Zieht dieses innige Erbarmen an.« Seht ihr das? Ja. Du sollst dieses innige Erbarmen, dieses innige Erbarmen anziehen – nichts weniger als das.
Willst du Beziehungen zerstören, dann sei erbarmungslos. Das bedeutet einfach nur, kein Erbarmen zu zeigen. Das reicht schon. Also einfach Erbarmen weglassen. Aber irre dich nicht: Erbarmungslos sind die Heiden.
Willst du Frieden stiften? Willst du Beziehungen heilen, Konflikte lösen, an der Beziehung in deiner Ehe arbeiten, mit deinen Kindern, mit deinen Geschwistern oder in deiner Familie, mit deinem Arbeitgeber, auch wenn er ungläubig ist, mit deinen Klassenkameraden, die so eklig zu dir sind, mit deinen Lehrern, die so woke sind, mit deinen Nachbarn, die Bücher zu Hause liegen haben mit brandenburgischem Nachbarschaftsrecht – »zieht dieses innige Erbarmen an«.
Wer, ihr Lieben, ist das personifizierte Erbarmen? Unser Herr Jesus Christus. Und geht mal in eurer Bibel ein paar Verse zurück im Kolosserbrief bis Vers 3. Da sagt er: »Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.« Es geht nicht durch Askese – das sieht man daran, dass du kalt, freudlos, hart und kantig sein wirst. Es geht nicht durch eigene Kraft – das sieht man daran, dass du scheitern wirst. Aber es geht durch den Mann des Erbarmens. Dieser Mann des Erbarmens wirkt in dem wiedergeborenen Christen diese Frucht. Er wirkt diese Frucht in seinem geliebten Kind. Und wenn du dich auf ihn verlässt, dann bist du wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht der innigen Erbarmung bringt zu seiner Zeit. Und es geht, weil wir selbst dieses Erbarmen erfahren haben.
Denkst du, du warst nicht wie das Volk Israel in Nehemia? Das ist nichts dagegen, was wir waren. Nein, wir waren schlimmer, denn wir hatten als Heiden nicht mal die Hoffnung, gerettet zu werden. Dieses innere Erbarmen, was Paulus in Kolosser 3, Vers 12 beschreibt, ist das: mit voller innerer Sehnsucht nach dem anderen ausstrecken, selbst im Angesicht von feindseligen Handlungen gegen dich und selbst ohne Umkehr der Gegenseite – ein sehnsüchtiges Ausstrecken in Gefühl und Handlung, um trotz wiederholter Angriffe Frieden und Heil zu bringen und in tiefer Freude Gutes zu tun.
Und das, ihr Lieben, braucht ein Fundament. Erinnert ihr euch daran, dass Theo in der letzten Predigt so deutlich gemacht hat, dass wir ein starkes Fundament brauchen? Jetzt wisst ihr warum. Denn ist das Ausleben dieses innigen Erbarmens schwierig? Ja, vor allen Dingen dann, wenn die Gegenseite schwierig ist, wenn die Gegenseite auf Gutes mit Schmähung reagiert. Deshalb braucht es ein festes Fundament. Aber das ist erst der Anfang. Das ist erst der Anfang. Zwar nur der Anfang.
Nächste Woche geht’s weiter und wir werden tiefer einsteigen in die Aufforderung, diese Dinge anzuziehen, wie wir Beziehung heilen können und wie wir Gott durch unser Leben in diesen Beziehungen widerspiegeln, weil wir handeln wie Christus. Und wir haben uns heute den ersten Teil dazu angesehen, wie du Beziehung, Ehe und Gemeinde vergiftest oder aber heilst. Denn dein Auftrag als Christ ist, dass du dich nicht um dich selbst drehst, dass du deine Kraft nicht in der Askese verschwendest, in angeblicher Demut und ohne Erbarmen, sondern auf deine eigene Frömmigkeit ausgerichtet. Hör auf zu lügen und zu lästern und zu labern. Es vergiftet alles um dich herum. Belaste das richtige Fundament, das in der Ewigkeit verankert ist, weil du erwählt, geheiligt und geliebt bist – und ziehe inniges Erbarmen an gegen jedermann. Dieser Mantel, er ist nicht mehr stinkend. Man wird auch nicht mehr fragen müssen: Hast du den neuen Mantel schon an? Nein, wenn du diesen Mantel des innigen Erbarmens anziehst, der ist so ein duftender Wohlgeruch für deine Mitmenschen. Und er spiegelt deinen Herrn und Retter wider. Und dann wandelst du des Herrn würdig, wachsend, mit jeder Kraft gekräftigt. Du wandelst als ein Bürger seines Königreichs, als ein Sohn, als ein Kind Gottes, und du wirst selbst zu einem leuchtenden Scheinwerfer seiner großen Erbarmung.
Philip Friedrich Hiller, (*1699 †1769), schrieb folgendes Lied, mit dem ich abschließen möchte:
Mir ist Erbarmung widerfahren,
Erbarmung, deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren,
mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut
und rühme die Barmherzigkeit.
Ich hatte nichts als Zorn verdienet,
und darf mich Gottes Gnade freun;
Er hat mich mit sich selbst versöhnet
und wusch durch Jesu Blut mich rein.
Jetzt Gottes Kind, einst Gottes Feind!
Erbarmung hat’s so treu gemeint.
Das muss ich Dir, mein Gott, bekennen,
das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt;
ich kann es nur Erbarmung nennen,
so ist mein ganzes Herz gesagt.
Ich beuge mich und bin erfreut
und rühme die Barmherzigkeit.
Lasst uns beten. Ihr könnt gerne aufstehen.
Herr Jesus Christus, wenn wir über diesen Text nachdenken, dann fällt es uns wirklich schwer. Wir können wirklich wie Hiob sagen: Herr, wie groß sind deine Erbarmungen! Wir fassen nicht mal im Ansatz, wie groß diese Erbarmungen wirklich sind, weil wir nicht mal ansatzweise erfassen, wie ekelhaft sündige Rebellen wir waren und wie wir uns immer noch verhalten. Herr, wir erfassen nicht mal tagtäglich, wie wir dich immer noch beleidigen in so vielen Handlungen und so vielen Gedanken, wo wir dich nicht widerspiegeln.
Herr Jesus, ich will wirklich um Vergebung beten, dass wir dich so wenig widerspiegeln in deinem Erbarmen. Und ich will beten, Herr, dass wir in diesem Erbarmen wachsen als Gemeinde – wirklich, Herr, lass uns darin wachsen. Lass uns erkennen, wo wir herkommen, und bitte lass uns erkennen und ablegen die Sünde. Und Herr, lass uns dieses Erbarmen anziehen. Wir wollen darum flehen, dass wir dieses Erbarmen, dieses innige Erbarmen untereinander ausleben und Herr Jesus dich nur geringfügig damit widerspiegeln.
Herr, wer sind wir? Wer sind wir, dass du sogar in uns wohnst und dieses innige Erbarmen in uns bewirkst? Herr, wer sind wir, dass wir Nutznießer dieser Erbarmung sein dürfen – durch dich und durch andere Gläubige? Herr, wie viel Erbarmen haben wir durch dich und andere Gläubige erfahren? Herr, wer sind wir, dass wir dieses Erbarmen ausleben dürfen und sogar können? Herr, was ein Segen! Wir wollen dich dafür preisen, dass wir so handeln können und dürfen. Und ich bete darum: Herr, hilf uns, dich damit zu verherrlichen, auch wenn wir an so vielen Stellen noch zu kurz kommen. Oh Herr, lass uns darin wachsen. Amen.
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