22. Februar 2026
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Heute soll es in ganz Deutschland regnen. Das bringt mich dazu, die Geschichte zweier Regentropfen zu erzählen. Tief im Südwesten Deutschlands befindet sich, wie ihr wahrscheinlich alle wisst, der Schwarzwald in Baden-Württemberg. Schöne hohe Berge, herrliche Aussichten.
Und an einem Ort im Schwarzwald passiert beim Regen Folgendes: Es fällt ein Regentropfen vom Himmel, der sickert in die Erde, mündet in den kleinen Fluss Brigach – den kennt bestimmt kaum einer von uns – und nach einigen Kilometern dann in die Donau. Die Donau beginnt bei Donaueschingen, trägt den Regentropfen weiter bis nach Ulm, Ingolstadt, Regensburg, Passau, fließt dann weiter bis nach Wien in Österreich, dann nach Bratislava in der Slowakei, nach Budapest in Ungarn und Belgrad in Serbien. Dann fließt er an der bulgarisch-rumänischen Grenze entlang, um dann in Rumänien bei Sulina in das Schwarze Meer zu münden. Dieser Regentropfen hat auf seiner Flussreise stolze 2800 km zurückgelegt und acht Länder bereist.
Zurück zum Schwarzwald. Zehn Zentimeter neben diesem Regentropfen fällt ein weiterer Regentropfen auf die Erde und versickert. Dieser Tropfen fließt links vom Gebirgskamm runter, sickert also links in die Erde ein und findet seinen Weg durch einige kleine Flüsse nach ungefähr 60 bis 70 km in den Rhein. Danach zieht der Regentropfen seinen Weg über den Rhein an der deutsch-französischen Grenze über Straßburg nach Mannheim, Mainz, Koblenz, Köln und schließlich in die Niederlande, um dann in die Nordsee zu fließen. Auch dieser Regentropfen hat einige Tage benötigt, bis er dort angekommen ist, vom Himmel bis in die Nordsee.
Beide Regentropfen waren am Anfang zehn Zentimeter voneinander entfernt. Jetzt liegen sie Luftlinie 2200 km in verschiedenen Meeren – und das Ganze nennt man eine Wasserscheide.
Unser Bibeltext heute beschreibt uns auch eine solche Wasserscheide. Es geht aber nicht um zwei Regentropfen, sondern es geht um zwei Verwandte – ja, um einen Neffen und um seinen Onkel, nämlich Abraham und Lot.
Vor ein paar Wochen haben wir von Matthias schon gehört. Wir haben in 1. Mose 13 angefangen und begonnen über Abraham zu sprechen, seine Umkehr, wie er wieder zum Anbeter wurde. In einer weiteren Predigt hat Matthias uns dann über den Streit zwischen Abraham und Lot berichtet. Und heute steigen wir mitten in diese Geschichte ein. Wir sind noch in dieser Streitsituation, die gelöst ist und die gelöst wird.
Und wir sehen, dass diese beiden Männer – Abraham und Lot – eine Trennung vollziehen, die so extrem weit ist wie diese beiden Regentropfen, die nachher 2200 km entfernt liegen. Nicht kilometermäßig sind sie so weit entfernt, aber geistlich sind sie so weit voneinander entfernt. Wir werden uns heute überblicksweise mit dem Leben Lots auseinandersetzen.
Und das ist so wie die Flüsse, die ich gerade beschrieben habe, die Orte, die die Donau zum Beispiel durchfließt. Also: Wir werden nicht auf jedes Detail eingehen, nicht alle Fragen beantworten, die euch heute während der Predigt kommen. Ich habe eine Idee für euch: Wenn euch Fragen kommen bei der Predigt, dann schreibt sie auf, weil wir werden alles, was wir heute – die Kapitel, die wir heute durchgehen – noch mal im Detail durchpredigen. Da könnt ihr also Matthias, Erik und mir eure Fragen zukommen lassen, und dann werden wir sie hoffentlich auch beantworten können. Aber heute geht es im Überblick über Lot, und wir werden seinen Lebensweg von Anfang bis Ende einmal betrachten.
Lest mit mir zusammen jetzt 1. Mose 13. Ich lese das ganze Kapitel noch mal vor. Auch das, was Erik nächste Woche predigen wird – das ist nach meinem Predigttext –, aber das ganze Kapitel 13 könnt ihr gerne mitlesen. 1. Mose 13 ab Vers 1:
Und Abraham zog mit seiner Frau und mit allem, was er hatte, auch mit Lot von Ägypten hinauf in den Negev. Und Abraham war sehr reich geworden an Vieh, Silber und Gold. Und er zog weiter von einem Lagerplatz zum anderen, vom Negev bis nach Bethel, zu dem Ort, wo sein Zelt zuerst gestanden hatte, zwischen Bethel und Ai, an die Stätte des Altars, den er dort zuerst errichtet hatte, und rief dort den Namen des Herrn an. Aber auch Lot, der mit Abraham ging, hatte Schafe, Rinder und Zelte. Und das Land ertrug es nicht, dass sie beieinander wohnten, denn ihre Habe war groß und sie konnten nicht beieinander bleiben. Und es entstand Streit zwischen den Hirten über Abrahams Vieh und den Hirten über Lots Vieh. Auch wohnten zu der Zeit die Kanaaniter und Peresiter im Land. Da sprach Abraham zu Lot: »Es soll doch nicht Streit sein zwischen mir und dir, zwischen meinen Hirten und deinen Hirten, denn wir sind Brüder. Steht dir nicht das ganze Land offen? Trenne dich von mir. Willst du zur Linken, so gehe ich zur Rechten. Willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken.« Da hob Lot seine Augen auf und sah die ganze Jordanaue, denn sie war überall bewässert wie der Garten des Herrn, wie das Land Ägypten bis nach Zoar hinab, bevor der Herr Sodom und Gomorra zerstörte. Darum erwählte sich Lot die ganze Jordanaue und zog gegen Osten. So trennte sich ein Bruder von dem anderen. Abraham wohnte im Land Kanaan und Lot wohnte in den Städten der Aue. Und er schlug sein Zelt auf bis nach Sodom hin. Aber die Leute von Sodom waren sehr böse und sündigten schlimm gegen den Herrn. Der Herr aber sprach zu Abraham, nachdem sich Lot von ihm getrennt hatte: »Hebe doch deine Augen auf und schaue von dem Ort, wo du wohnst, nach Norden, Süden, Osten und Westen. Denn das ganze Land, das du siehst, will ich dir und deinem Samen geben auf ewig. Und ich will deinen Samen machen wie den Staub auf der Erde. Wenn ein Mensch den Staub auf der Erde zählen kann, so soll man auch deinen Samen zählen können. Mach dich auf, durchzieh das Land seiner Länge und Breite nach, denn dir will ich es geben.« Da brach Abraham auf, kam und wohnte bei den Terebinten Mamres in Hebron und baute dort dem Herrn einen Altar.
Wie ihr im Wochenblatt finden könnt, versuche ich euch anhand der folgenden Punkte mit in den Text hineinzunehmen. Die Überschrift ist »Wie du dein Leben vergeudest«, weil wir heute eine ja perfekte Anleitung dazu finden am Beispiel Lots – wie man sein Leben in den Sand setzt. Und ich werde folgendermaßen durch den Text durchgehen:
Das wird der längste Teil sein: der erste Punkt – Ein Tag der Entscheidung. Die Verse 10 bis 13 werden wir da genauer betrachten aus diesem Kapitel. Dann Die Jahre der Vergeudung – da werden wir uns weiter mit dem Leben Lots in den Kapiteln 14 und 19 beschäftigen. Dann Ein Jahrtausend der Prägung – da werden wir uns am Ende von Kapitel 19 beschäftigen. Das wird auch mein kürzester Punkt sein. Und ganz am Ende werden wir überlegen, was lernen wir jetzt daraus heute – das sind dann die gegenwärtigen Warnungen.
Wir befinden uns immer noch in der Streitsituation zwischen Abraham und Lot. Matthias hat darüber gepredigt. Er hat uns sieben Prinzipien an die Hand gegeben, wie wir Frieden stiften. Hört es euch gerne auch mal an. Und da, wo ich jetzt einsteige, ist das uneigennützige Handeln von Abrahams. Das lesen wir, wie er seinem Neffen Lot das Angebot unterbreitet und sagt: »Lot, wenn du willst, dann geh ich zur Linken, dann gehe ich zur Rechten oder andersherum.« Das lesen wir in Vers 9: Steht dir nicht das ganze Land offen, trenne dich von mir. Willst du zur Linken, so gehe ich zur Rechten. Und willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken.
Wir wissen nicht, wie dieses Gespräch weiterging, aber ich könnte mir vorstellen – oder ich hätte eigentlich damit gerechnet –, dass das Gespräch in etwa so weitergeht: »Geschätzter Onkel Abraham, ich stehe tief in deiner Schuld. Du hast mich mit nach Kanaan angenommen. Du warst mir wie ein Vater. Du hast mich beschützt und bist immer gut zu mir gewesen. Ich möchte mich nur sehr ungern von dir trennen. Aber auf keinen Fall möchte ich diese Entscheidung treffen. Sieh doch, du sollst zuerst wählen, wo du hin möchtest. Ich bin schließlich der Jüngere und überlasse dir die Entscheidung.«
So hätte es ja weitergehen können, aber so ist es nicht weitergegangen. Wir wissen nicht, was Lot gesagt hat, aber wir wissen, wie Lot reagiert hat. Das, was wir jetzt in Vers 10 lesen, das spricht ganze Bände über das, was in Lots Gedanken drin ist. Ich lese Vers 10:
Da hob Lot seine Augen auf und sah die ganze Jordanaue, denn sie war überall bewässert, wie der Garten des Herrn, wie das Land Ägypten.
Lots Reaktion in diesen Versen kann man in drei Worten ganz einfach beschreiben – das könnt ihr euch gut merken: Lot sieht, Lot wählt und Lot zieht.
Um das etwas besser zu verstehen, habe ich euch eine Karte von Israel mitgebracht, wohin Lot eigentlich seine Augen gerichtet hat. Sein Ausgangspunkt, wo er mit Abraham war, lag zwischen Bethel und Ai. Bethel und Ai lagen ungefähr 5 km auseinander, und dazwischen hatte Abraham seinen letzten Ort, wo er auch den Altar gebaut hatte. Betel liegt im Gebirge, das heißt, es liegt sehr hoch – ungefähr bei 800 Metern über dem Meeresspiegel. Das ist schon realistisch, sehr wahrscheinlich, dass man da auch weit schauen konnte. Bei 800 Metern kann man ungefähr 100 km weit schauen, habe ich recherchiert. Die Jordanaue lag auf jeden Fall in Sichtweite, und er konnte sogar bis nach Zoar schauen, sagt uns der Bibeltext. Zoar liegt ganz am unteren Ende vom Toten Meer, ganz am untersten Zipfel – das ist tatsächlich ungefähr Luftlinie 80 bis 100 km weit entfernt.
Jetzt lesen wir auch von den Gründen, die Lot hatte, warum er seine Augen auf diesen saftigen Platz gerichtet hat. Und das sind gute Gründe. Aber vorher sagt uns der Schreiber noch, wie fruchtbar das Land war – »wie der Garten des Herrn«. Das spricht vom Garten Eden, wo wir schon in 1. Mose 2 lesen, dass der Garten Eden sehr gut bewässert war. Und das Zweite, was uns der Schreiber sagt: »wie das Land Ägypten«. Und da kam ja Lot her mit Abraham. Die hatten ja zusammen aufgrund der Hungersnot in Israel nach Ägypten gezogen, weil es da Wasser gab. Der ganze Nil sorgt in Ägypten für reichlich Wasser und gute Bewässerung. Also Lot wusste, was es bedeutet, genügend Wasser zu haben.
Menschlich gesehen können wir seine Entscheidung so gut nachvollziehen. Es war eine sehr kluge Entscheidung, weil: Wenn du Herden hast, dann suchst du natürlich auch nach den besten Plätzen. Du willst das ganze Jahr über Wasser haben. Das Gras muss grün bleiben. Das ist also eine gute Entscheidung gewesen.
Wir können nicht genau in Lots Kopf hineinschauen, was er alles gedacht hat. Wir haben nur diese paar Verse, die hier stehen. Aber was wir auf jeden Fall sagen können, ist, dass Lot auch die Erfahrung einer Hungersnot durchgemacht hat. Er wusste, was es heißt, 600 km aus einem Land zu ziehen, weil im eigenen Land kein Wasser mehr war und die Hungersnot kam, und dann 600 km wieder zurückzuziehen – abgesehen von der demütigenden Erfahrung, die er in Ägypten gemacht hat. Sicher hat er gesagt: »Sowas will ich nicht mehr erleben, deswegen will ich in ein bewässertes Gebiet ziehen.« Also, wir können das gut nachvollziehen.
An dieser Stelle möchte ich uns ganz kurz erklären, wie unser Denken eigentlich funktioniert. Ich habe das mal sehr einfach dargestellt – ich bin kein Denkforscher. Nach allem, was wir in der Bibel lesen, ist es so: Du siehst etwas, du hörst etwas – also Informationen kommen zu dir –, dann geschieht ein Denkprozess, du verarbeitest die Informationen, und dann entspringt daraus dein Handeln. Und dieses Denken in der Mitte kann entweder sehr schnell passieren oder es dauert länger. Wenn du an die Gewohnheiten deines Lebens denkst: Eine Gewohnheit ist eigentlich nichts anderes, als dass dieser Teil des Denkens ganz klein geworden ist. Man kann sich darüber streiten, ob man gar nicht mehr nachdenkt oder ob es nur unbewusst abläuft. Aber das Denken ist ganz kurz, weil du so oft die Gewohnheit schon gemacht hast. Das ist eine vereinfachte Darstellung, und so geschieht unser Denken immer: Informationen kommen rein, wir denken und wir handeln aufgrund dessen.
Jetzt lesen wir, dass Lots Augen ihm doch einen gewissen Streich gespielt haben. Nämlich in Vers 10 sagt uns der Schreiber noch mehr. Lot richtete seine Augen auf die Jordanaue – und dann im letzten Teil steht da: bevor der Herr Sodom und Gomorra zerstörte.
Hier nimmt der Schreiber uns ein Ereignis vorweg, was erst in Kapitel 19 beschrieben wird. Aber er sagt: Meine Leser, die müssen das jetzt schon wissen, dass der Herr eines Tages Sodom und Gomorra zerstören wird. Und das ist schon eine Ironie, dass er uns das hier beschreibt. Lot blickt auf ein Gebiet, das der Herr in weniger als 20 Jahren zerstören wird. Und der Leser – du und ich – wir fragen uns da: Wie wird das wohl weitergehen, wenn wir die Informationen schon haben? Lot schaut darauf, und es wird zerstört.
Was hier beschrieben wird, wird uns extrem schnell im Zeitraffer geschildert. Es gibt scheinbar kein Nachdenken bei Lot. Wir wissen nicht, wie viel er nachgedacht hat. Der Schreiber sagt einfach so: Dann kam – zack – und dann Schlag auf Schlag die nächste Entscheidung. Ich lese euch jetzt Vers 11a vor, und ihr werdet sehen, wie schnell das geht:
Darum erwählte sich Lot die ganze Jordanaue und zog gegen Osten.
So schnell geht das. Was hier Tage dauert, vielleicht dauert es sogar Wochen – das schreibt der Schreiber hier in einem Satz. Lot hat gewählt und – zack – zieht er nach Osten.
Ich habe mich gefragt, ob das wirklich Abrahams Absicht war, als er zu Lot gesprochen hat: »Lot, geh du zur Linken oder zur Rechten, ich nehme dann den anderen Weg.« Meinte Abraham wirklich damit, dass Lot 20 bis 25 km weiter nach Osten ziehen sollte? Für mich hört sich das eher so an wie: »Lot, du kannst 100 Meter da den Berg runtergehen, und ich gehe 100 Meter dahin, dann haben wir den Streit auch gelöst.«
Ich kann mir gut vorstellen, dass Abraham zu Lot gesagt hat: »Lot, ich glaube, du hast mich etwas falsch verstanden. Ich meinte nicht, dass du so weit wegziehen musst. Du kannst ja auch 100 Meter in die Richtung gehen, dann sind wir wenigstens ein paar Minuten auseinander und sind trotzdem noch als Brüder und Verwandte hier in der Nähe. Aber soweit – bist du dir sicher, das ist eine gute Idee?« Und Lot hat vielleicht geantwortet: »Ja, sicher. Also, ich denke, das ist eine gute Idee. Das Land ist so bewässert und so toll, und ich habe schon so lange Seite an Seite mit dir hier die Herden gehütet. Ich habe von dir gelernt. Jetzt kann ich bestimmt auch auf eigenen Beinen stehen. Ich vertraue ganz auf meine Erfahrung. Das wird schon gut gehen.«
Ich kann mir auch vorstellen, dass Abraham, als Lot so seines Weges zog – ja, die 100, 200 Meter weit weg war –, ihm noch etwas nachrufen wollte. Lot dreht sich um. Abraham ruft etwas: »Vergiss nicht, einen Altar zu bauen.« Lot hat es gar nicht richtig verstanden und fragt dann seinen Nebenhirten: »Hast du verstanden, was er gesagt hat?« – »Was? Vergiss nicht, einen Altar zu bauen.« – »Hast du verstanden?« – »Nee, ich habe auch nicht verstanden.« – »Okay, wird schon nichts Wichtiges sein. Danke, Gott sei mit dir.« Ja, so könnte ich mir das gut vorstellen.
Und so hat dieser Satz, den wir als nächstes lesen, einen traurigen Beigeschmack. Vers 11, der zweite Teil:
So trennte sich ein Bruder von dem anderen.
Das steckt eine gewisse Traurigkeit dahinter – vor allem seit nicht 100 Metern, sondern über 20 km Trennung.
Aber für Lot war das doch super. Bewässertes Gebiet, das ganze Jahr Wasser ohne Ende – Lot hatte den Himmel auf Erden erspäht. Der hat sich bestimmt in seinen Gedanken so ausgemalt: seine Liegematte zwischen den saftigen, kühlen Bäumen spannen, die Hände hinter den Kopf legen und seine Hirten herumkommandieren. Das Vieh würde schon alleine zum Wasser gehen. Er müsste wahrscheinlich gar nicht mehr arbeiten. Das muss der Himmel auf Erden gewesen sein. Und das war keine Fata Morgana, das war keine Luftspiegelung – das war wirklich da. Die Jordanaue gab es wirklich. Er hat es mit eigenen Augen gesehen. Das war bewässert. Das war saftig. Und so war er unterwegs, um sein ewiges Glück im Osten in Besitz zu nehmen.
Und dann berichtet uns der Schreiber weiter, was wieder wahrscheinlich Tage, Wochen, vielleicht Monate dauerte – in ganz kurzen Sätzen in Vers 12:
Abraham wohnte im Land Kanaan und Lot wohnte in den Städten der Aue. Und er schlug sein Zelt auf bis nach Sodom hin.
In einem Satz die nächsten Wochen geschildert. Und was dem aufmerksamen Leser auffällt, ist sofort die Frage: Ist Lot wirklich in der Jordanaue angekommen? Er wollte in die Jordanaue, und das Erste, was wir jetzt lesen in Vers 12, ist, dass er in den Städten der Aue wohnt.
Lot kam also in die Jordanaue und hat gedacht, er kann seinen Stab mit dem Familienwappen in die Wiese stecken und sagen: »Das ist jetzt mein Land, das gehört mir.« Aber das Problem war: Da waren schon andere. Da waren Städte, da waren Bewohner. Ich kann mir gut vorstellen, dass einer da rauskam und gesagt hat: »Ey, Fremder, was machst du denn hier? Das ist mein Land. Sieh gefälligst zu, dass du wegkommst.« – »Wie? Hier ist doch gar kein Schild.« – »Das weiß jeder, dass das Land mir gehört. Du kannst doch nicht einfach deine Herden hier weiden lassen. Wer bist du denn? Da geh in die Stadt. Du kannst auch zur Miete wohnen, wenn du willst.«
In Kapitel 13, Vers 7 steht, dass die Kanaaniter und die Peresiter damals im Land wohnten. Glauben wir wirklich, dass das saftige, bewässerte Gebiet wirklich unbewohnt war und dass da keiner vorher war, dass Lot der Erste war, der gedacht hat, das ist ein gutes Gebiet? Ich glaube nicht. Sehr wahrscheinlich war Lot nicht der Erste, der diese Jordanaue erspäht hat. Und so musste er also in den Städten der Aue wohnen. Er hatte gedacht, er ist in der Jordanaue – jetzt ist er irgendwie in die Stadt gekommen.
Und noch schlimmer: Der Text berichtet uns, dass er sein Zelt bis nach Sodom aufgeschlagen hat. Ich habe in der Vorbereitung in meiner Bibel überall den Ortsnamen Sodom gesucht. Ich habe ihn in keiner Bibel gefunden, außer in einer – und da war ein Fragezeichen dran. Ich habe mir gedacht: Gut, es scheint wohl nicht ganz 100% klar zu sein, wo dieser Ort heute liegt. Also, der Herr hat es so nachhaltig zerstört, Sodom, dass man wohl keine Rückschlüsse mehr darauf ziehen kann, wo das ganz genau gewesen ist. Die meisten sind sich einig, dass Sodom am südöstlichen Ende des Toten Meeres lag.
Und jetzt könnt ihr sehen, wie weit der Weg Lots war. Die Jordanaue liegt oben, und er zog los bei Bethel, wollte in die Jordanaue und ist dann am Toten Meer entlang immer weiter in den Süden gezogen bis nach Sodom. Seine ursprüngliche Reiseroute war also über ungefähr 20 bis 25 km, und jetzt waren es 70 km bis nach Sodom.
Lot zog also viel weiter als ursprünglich beabsichtigt. Vielleicht fragen wir uns auch, ob ein Widerspruch hier im Text vorliegt, weil es erst heißt, dass Lot in den Städten der Aue wohnte, und gleich danach steht, dass er sein Zelt bis nach Sodom aufgeschlagen hat. Was denn nun – wohnt er in Städten oder im Zelt? Ich glaube, beides war so, weil ich denke: Lot irrte umher. Er hat gemerkt, das Land ist besetzt, und musste dann weiterziehen, wieder weiterziehen, wieder weiterziehen, bis er an irgendeinen Ort kam, wo er halbwegs bleiben konnte. Und das war dann eben in Sodom. Manchmal wohnte er in der Stadt vorübergehend, und dann musste er wieder rausziehen und weiterziehen. Also, ich denke, Lot irrte umher, und so können wir beides nebeneinander stehen lassen.
Alles zusammengenommen: Lots Plan ging nicht auf. Das, was er sich erhofft hatte, ist nicht eingetreten. Und der Abschlusskommentar des Schreibers hier in Vers 13 zeigt noch mal die katastrophale Richtung, die Lots Entscheidungen genommen haben:
Aber die Leute von Sodom waren sehr böse und sündigten schlimm gegen den Herrn.
Ein großes »Aber« steht am Anfang von diesem Text. Sodom war die gottloseste Stadt in ganz Kanaan. Das sagt er hier. Das war Gottes Urteil über die Bewohner in Sodom. Die Bewohner von Sodom waren nicht nur böse – sie waren sehr böse, sagt uns der Text. Und es heißt nicht nur, sie waren schlimm – sie sündigten schlimm gegen den Herrn. Sie hatten einen Gegner: den Herrn. Das Urteil trifft auch die gesamte Bewohnerschaft. Es ist nicht nur so, dass 50% der Stadt böse war. Der Text sagt: alle. Ausnahmslos alle. Und das bestätigt sich auch in späteren Kapiteln. Ihre Einstellungen und ihre Taten waren böse. 20 Jahre bevor Sodom zerstört war, wird dieses Urteil schon über diese Stadt getroffen.
Warum schreibt der Autor hier das schon? Warum nimmt er das wieder vorweg? Er will sagen: Das hätte Lot schon bekannt sein müssen. So eine Ansammlung von gottlosen Menschen und die Stadt Sodom – das muss klar sein, dass die so gottlos ist, dass du nicht in die Nähe dieser Stadt ziehst. Das wusste jeder im Land, dass die gottlos war. Besonders, wenn du zu denen gehörst, die den wahren Gott Israels kennen. Also, der Schreiber will hier sagen: Das weiß jeder. Und die Entscheidung, die Lot hier getroffen hat, so nah an Sodom anzuziehen, die ist katastrophal. Lot hätte das wissen müssen.
Der Schreiber will hiermit aufzeigen: Es war allgemein bekannt. Jeder konnte es offensichtlich sehen. Er hörte davon, dass Sodom die böseste und gottloseste Stadt im Land war.
Und so haben wir in vier Versen in ganz kurzen Sätzen geschildert, wie Lots Entscheidung aussah und wie schnell er in Richtung Sodom gezogen ist. Einmal haben wir seine falsche Einschätzung gesehen, dann seinen unheilvollen Entschluss, dann seinen misslungenen Plan, dann seine weiteren falschen Entscheidungen weiterzureisen anstatt z.B. zu Abraham umzukehren, und dann noch seine Blindheit, in der Nähe Sodoms zu wohnen.
Das alles geht aus dem großen Tag der Entscheidung Lots hervor – ein Tag, wo er diese Entscheidung getroffen hat, und viele weitere, wo er diese Entscheidung erneut oder ähnlich getroffen hat.
Im nächsten Punkt werden wir uns das Leben Lots weiter ansehen. Die nächsten 20 Jahre – wie sehen die in Lots Leben aus? Die Erzählung setzt hier bei Abraham fort, und da wird Erik nächste Woche drüber predigen. Wir werden uns jetzt weiter mit Lot beschäftigen.
Das Große, was man bei Abraham und Lot bei beiden sieht, ist dieser Kontrast, der aufgemalt wird. Wenn man die ganze Geschichte Abrahams und Lots nebeneinander liest, so wie sie auch in der Bibel steht, dann merkt man, dass der Weg Abrahams wirklich ein Weg ist, im Glauben zu wachsen. Er geht immer weiter vor, wächst im Glauben, und am Ende in Kapitel 22 ist er ein sehr großes Glaubensvorbild und für die damaligen Bewohner ein angesehener Mann, der wirklich Einfluss hatte in der damaligen Welt. Ganz anders der Weg Lots: Genauso wie Abrahams Weg aufsteigend war, ist der Weg Lots ein Abwärtstrend. Immer weiter geht es bergab bei Lot.
Zwei Jahre später findet eine große Schlacht statt – die erste, die uns in der Bibel berichtet wird. Sie fand im Tal Sidim statt, ganz in der Nähe von Sodom. Da kamen vier Könige aus dem Norden und die kämpften gegen fünf Könige im Land Kanaan. Diese fünf Könige waren Könige von fünf Städten – Sodom und die Nachbarstädte. Lot wurde unabsichtlich in diese Schlacht verwickelt, weil die Könige Sodoms und ihre Verbündeten die Schlacht verloren und alle Bewohner Sodoms in den Norden verschleppt wurden – einschließlich Lot. Alles verloren, sein ganzer Besitz. Ab in die Sklaverei.
Wir lesen Kapitel 14, Vers 12:
Sie nahmen auch Lot mit sich, den Sohn von Abrahams Bruder, und seine Habe. Er wohnte in Sodom und zogen davon.
Also Lot ist mit in Mitleidenschaft gezogen worden und wird, wenn nichts passiert, in die Sklaverei gehen im Norden. Aber was uns jetzt interessiert, ist Lots Wohnort. Habe ich gerade vorgelesen: Denn Lot wohnte in Sodom. Wie? Er hatte vorher sein Zelt bis Sodom aufgeschlagen. Jetzt wohnt er in Sodom. Wir wissen nicht, wie das kam, dass Lot seine Zelte abgebrochen hat und nun zu einem Bewohner Sodoms wurde – und seinen Personalausweis mit einer Straße in Sodom und der Postleitzahl von Sodom trug. Er war jetzt ein Bürger Sodoms.
Schlimm genug, nach Sodom zu ziehen in die Richtung – aber ein Bewohner, ein Bürger dieser gottlosen Stadt zu werden, das ist die verheerendste Entscheidung, die Lot in seinem Leben getroffen hat. Sie kostete ihn jetzt erst einmal seinen Besitz. Alles war weg. Und sie brachte ihn dahin, dass er ziemlich nah in die Sklaverei fremder Könige aus dem Norden geriet, die dabei waren, ihn zu verschleppen – wenn nicht Abraham ihm zu Hilfe gekommen wäre mit Gottes Hilfe.
Abraham hört, dass sein Neffe verschleppt wird, und greift ein. Das lesen wir in Vers 14:
Als nun Abraham hörte, dass sein Bruder gefangen sei, bewaffnete er seine 318 erborenen Knechte, die in seinem Haus geboren waren, und jagte jenen nach bis Dan.
Und das Ende finden wir in Vers 16:
Abraham ist siegreich und er brachte alle Habe wieder, auch Lot, seinen Bruder und dessen Habe, die Frauen und das Volk brachte er wieder.
Noch mal gut gegangen für Lot. Aber wie sehr hätte ihn das aufrütteln müssen! Peng – das ist ein Warnschuss. Ein Warnschuss von Gott, über sein Leben nachzudenken, wo er wohnte – ob Sodom wirklich der beste Platz war. Aber dieser Warnschuss blieb völlig unbeachtet von Lot. Er war einfach unbeeindruckt.
Noch schlimmer: Diese Begebenheit brachte Lot zu großem Ansehen in Sodom. Wie komme ich darauf? Ich will es euch erklären. Dazu dürfen wir zu Kapitel 19 blättern. Da lesen wir als nächstes von Lot. Dazwischen lesen wir nichts mehr von Lot. Kapitel 19 passiert 18 Jahre nach diesem Ereignis – 18 Jahre später.
Ihr kennt die Geschichte von Sodom und Gomorra zu 99% alle, die im Raum sind, bin ich mir sicher. Wenn ihr sie nicht kennt, lest sie nach in aller Ruhe – eine sehr ernste Geschichte, und wir werden wie gesagt noch im Detail darüber predigen. Gott wollte die Stadt Sodom zerstören wegen ihrer Gottlosigkeit, aber kam noch mal zu Besuch in Sodom, weil er wissen wollte, ob die Sünde wirklich so schrecklich ist, wie man hört. Und so schickt Gott seine Boten in Form von zwei Engeln nach Sodom, und sie kommen zu Besuch.
Kapitel 19, Vers 1:
Und die zwei Engel kamen am Abend nach Sodom. Lot aber saß in Sodom unter dem Tor.
Das Wort, was hier mit »Tor« übersetzt wird, ist nicht bloß das Stadttor – sondern im Tor wurden damals auch alle politischen Entscheidungen getroffen. Das lesen wir in der Bibel immer wieder. Das Tor ist also ähnlich wie heute das Rathaus, da wo wirklich die Entscheidungen getroffen werden. Es ist interessant und erschreckend zu sehen, dass Lot zu einem Mann geworden ist, der in Sodom politisches Mitspracherecht hat.
Wie kam er dahin? Ich glaube, dass es sehr vernünftig ist anzunehmen, dass Abrahams Rettungsaktion ihm Ansehen gebracht hat. Man kann sich gut vorstellen, wie das war: Abraham wollte insbesondere Lot retten aus den Fängen dieser vier Könige aus dem Norden, und er kam zurück. Dann kommt ein Bewohner von Sodom zu Lot und sagt: »Ey, Lot, du hast ja mit diesem Abraham wieder gesprochen und so. Das ist ja echt – boah, das ist so gut, dass der uns gerettet hat. Ich habe meinen ganzen Besitz wieder bekommen und meine Familie. Boah, ich bin echt dankbar. Aber kennt ihr euch irgendwie? Es scheint so, als wärt ihr bisschen vertraut miteinander gewesen.« Und Lot sagt: »Ja, das ist mein Onkel.« – »Dein Onkel. Okay. Dein Onkel. Ähm – eine so einflussreiche Verwandtschaft hast du also. Oh, das ist sehr interessant. Könntest du dir vorstellen, Lot, dass dein Onkel vielleicht auch in Sodom Einfluss nehmen könnte? Ein so mächtiger Verbündeter würde in den Beziehungen der Stadt gut tun und würde Sodom Erfolg bringen. Und wenigstens vielleicht – wenn du als einflussreiche verwandtschaftliche Beziehung mit ihm bei uns mitbestimmen würdest, das würde uns sehr freuen.«
Vielleicht war es so. Jedenfalls – ich glaube das sehr wahrscheinlich. Lot kam dadurch in Ansehen, dass Abraham sie alle gerettet hatte, und er immer sagen konnte: »Mein Onkel, das war mein Retter.«
Kapitel 19 berichtet uns jetzt weiter sehr eigenartige Dinge über Lot. Gut, vom Ansehen Lots und von seiner Stellung im Tor haben wir schon gesprochen. Das Nächste, was wir lesen, ist, dass er immerhin gastfreundlich ist. Er sprach zu den Engeln:
»Siehe, meine Herren, kehrt ein in das Haus eures Knechtes und bleibt über Nacht und wascht eure Füße, so mögt ihr morgen früh aufstehen und euren Weg ziehen.«
Weiter lesen wir, dass die Bewohner, die mitten in der Nacht aufstehen und diese beiden Gäste sexuell missbrauchen wollen, dass er sie »Brüder« nennt. In Vers 7:
»Ach, meine Brüder, versündigt euch doch nicht.«
Dann lesen wir, dass er ihnen – dem Mob, der da kommt und tobt – seine Töchter als Angebot herausgeben möchte, dass sie mit ihnen nach ihrem Willen verfahren. Dann lesen wir in Vers 9, dass sie Lot einen Fremdling nennen. Dann lesen wir, dass Lot, als er seine zukünftigen Schwiegersöhne warnen möchte, aus Sodom rauszuziehen, in den Augen seiner Schwiegersöhne wie einer war, der scherzt. In Vers 14: Abraham war in den Augen seiner Schwiegersöhne eine Witzfigur in dem Moment.
Und dann im entscheidenden Moment, als die Engel gesagt haben: »Lot, du musst jetzt gehen. Sodom wird zerstört« – da heißt es in Vers 16: »Als er aber noch zögerte.« Und schließlich lesen wir in Vers 18, als die Engel zu ihm gesagt haben: »Flieh hier ins Gebirge, rette dich, damit du nicht umkommst« – dann sagt er: »Ach nein, mein Herr« – er widerspricht den göttlichen Boten.
Unsere Analyse der Situation: Was ist das? Ich habe nach einem passenden Ausdruck gesucht, der das Leben und das Denken und das Handeln Lots hier beschreibt. Ich habe keinen gefunden. Ich habe mal nach ein paar gesucht: komisch, ohne Sinn und Verstand, bizarr, unfassbar, seltsam, verrückt, schrecklich, haarsträubend, grauenhaft. Wie soll man es beschreiben? Ich habe alle diese Worte zusammen.
Das waren die Auswirkungen von 18 Jahren Sodom auf das Denken Lots, was wir hier sehen.
Und ihr wisst alle – Alex hat Psalm 1 vorgelesen –, dass die Sprüche, Psalm 1, immer davon warnen, dass die Vermischung mit Gottlosen, eine so enge Vermischung, ihre schlechten Früchte trägt. Und Lot ist ein Beispiel davon. Das ganze Buch der Sprüche fängt schon an und sagt: »Meide den Weg der Gottlosen. Meide es, mit ihnen so zusammen zu sein, als wärst du ihr Bruder.« Das ist das Schrecklichste, das Schlimmste, was wir von Lot hier lesen. Die ganze Bibel spricht da eine Sprache, egal wo wir sie aufschlagen.
Der Fluchtweg Lots ging dann weiter. Es waren einige Kilometer bis nach Zoar – dorthin durfte er dann fliehen. Die Engel haben gesagt: »Gut, dann flieh halt bis nach Zoar.« Das waren einige Kilometer. Er brauchte sicher eine halbe Stunde oder mehrere Stunden dafür. Und was er zurückließ, war alles. Es war alles.
Als er vor 20 Jahren seine Augen erhob, um für sich die beste Entscheidung zu treffen, da wusste er nicht, dass diese Entscheidung ihn eines Tages alles kosten würde. Die Entscheidung vor 20 Jahren hatte einen versteckten Preis, den hat er nicht gesehen.
Dieser versteckte Preis war: Er verlor sein Zeugnis und seinen Einfluss in der Welt. Er verlor seine Frau, die zur Salzsäule erstarrte, und seine Schwiegersöhne, die im Feuersturm Sodoms mit verbrannt wurden. Und er verlor seinen gesamten Besitz – nun zum zweiten Mal und diesmal endgültig.
Das Einzige, was Lot nicht verlor, das war sein Heil. Das wissen wir aus dem Neuen Testament, im zweiten Petrusbrief. Viele von euch kennen die Stelle, wo Lot als Gerechter beschrieben wurde, den der Herr aus dieser gottlosen Umgebung herausgerettet hat. Was er nicht verlor, war sein Heil – dass er ein Gläubiger war, das ist auf jeden Fall sicher. Aber das sind 20 vergeudete Lebensjahre in seinem Leben.
Dann kommen wir zum Ende, was wir von Lot lesen. Das ist wirklich das Letzte, was wir von seinem Leben lesen. Ich habe es überschrieben mit »Ein Jahrtausend der Prägung«.
Lot ist also in Zoar angekommen, dieser kleinen Stadt, wohin er geflüchtet ist. Vor wenigen Stunden ist seine Frau zu einer Salzsäule erstarrt – übrigens ist die Frau noch aus Sodom rausgeflüchtet. Sie ist offensichtlich in Zoar zur Salzsäule erstarrt, also erst ziemlich spät, vielleicht sogar wenige Minuten vorher.
Und alle Bewohner von Zoar gehen raus und gucken, was los ist. Sie können ja sehen, da in Sodom steigt Rauch auf, da ist irgendetwas Schreckliches passiert. Lot wusste, was da passiert ist. Wie würde er sich jetzt fühlen? Ich weiß es nicht, aber wir lesen in Vers 30 folgenden Satz:
Und Lot ging von Zoar hinauf und blieb mit seinen beiden Töchtern auf dem Bergland, denn er fürchtete sich in Zoar zu bleiben, und er wohnte mit seinen Töchtern in einer Höhle.
Lot fürchtete sich – warum auch immer. Saftiges Weideland war Illusion. Und jetzt erhob er seine Augen in einer dunklen Höhle, an die kahlen Steinwände eingeengt, hoffnungslos, alles verloren.
Dann fassen seine Töchter einen Plan. Sie haben nämlich auch Angst, dass sie keine Nachkommen bekommen. Und der Plan ist folgender: Sie machen ihren Vater betrunken und missbrauchen ihn und werden von ihm schwanger. Und so geschieht es auch tatsächlich. Sie werden schwanger von ihrem eigenen Vater.
Ich lese die Verse 37 und 38:
Und die Ältere gebar einen Sohn, den nannte sie Moab, und er wurde der Vater der heutigen Moabiter. Und die Jüngere gebar auch einen Sohn, den nannte sie Ben-Ammi. Der wurde der Vater der heutigen Ammoniter.
Warum jetzt die Überschrift »Ein Jahrtausend der Prägung«? Lots Leben ist hier vorbei. Wir lesen nie wieder etwas von Lot. Wir lesen nicht von seinem Begräbnis. Wir wissen nichts von einer Umkehr. Wissen nichts von einem Gebet – gar nichts. Das ist wirklich das Ende, was wir von Lot lesen. In den fünf Büchern Mose lesen wir nur noch von den Nachkommen Lots. Aber von Lot selbst ist das das Letzte, was wir lesen.
Lots Leben ist vorbei, aber sein Erbe geht weiter – und wie in seinen Nachkommen. Zwei Söhne gehen aus ihm hervor, und die Ereignisse, die hier beschrieben werden, spielen ungefähr 2100 vor Christus. Diese beiden Völker – die Söhne seiner Töchter – waren die Moabiter und die Ammoniter, sagt uns der Text. Die Moabiter und Ammoniter wurden noch 1500 Jahre lang erbitterte Feinde Israels. Wir lesen in 2. Könige 24 von ihnen, ganz kurz bevor Juda weggeführt wird, dass die Moabiter, die Ammoniter und die Chaldäer an Juda Gottes Gericht ausführen. Und das ist 600 vor Christus. Also über 1500 Jahre hat das noch Auswirkungen auf die gesamte Geschichte Israels.
Du sagst jetzt vielleicht: »Ja, mit mir hat das nichts mehr zu tun.« Ja, das stimmt. Aber du bist auch nicht der Erste, der diesen Bericht in der Hand gehabt hat. Mose hat das aufgeschrieben während der Wüstenwanderung. Das Volk Israel lagerte ein Jahr in den Ebenen Moabs. Da war diese ganze Geschichte mit Bileam, der das Volk Israel verfluchen sollte, aber dann gesegnet hat. Das war alles Moabiter – Balak war ein moabitischer König. Dieses ganze Gedeihen ist eine Frucht davon, dass hier Söhne rauskamen.
Und ich kann mir gut vorstellen: Die Israeliten, die diesen Abschnitt gelesen haben und die hatten die Moabiter und die Ammoniter vor sich – die waren ja vorm verheißenen Land – und die haben sich gedacht: »Lot, was hast du gemacht? Was hast du gemacht?«
Wir hören nichts mehr von Lot. Es ist alles über sein Leben gesagt worden. Hier endet der Bericht über Lots Leben. Kapitel 12 bis 19 – und dann ist es vorbei.
Der beste Kommentar, glaube ich, über Lots Leben gibt das Neue Testament selbst. Dazu schlagen wir mal 1. Korinther 3 auf. 1. Korinther 3, Vers 14:
Wenn jemandes Werk, das er darauf gebaut hat, bleibt, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden erleiden. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.
Dieser ganze Abschnitt spricht davon, wie man als Gläubiger auf der Grundlage weiterbaut, die gelegt ist. Und Lot hat darauf weitergebaut, und sein ganzes Lebenswerk ist im wahrsten Sinne des Wortes verbrannt. Und dann steht hier: »Aber er selbst ist gerettet, doch so wie durchs Feuer.« Lot war ein Gläubiger. Lot werden wir auch im Himmel wiedersehen. Aber sein ganzes Lebenswerk war verbrannt – im wahrsten Sinne des Wortes.
Eine Analyse: Nach allen vorliegenden Informationen darf sich jetzt jeder Leser selbst ein Urteil bilden über sein Leben. Man möge die Lebenslinie Lots verfolgen und zu einem Ergebnis kommen. Und das Ergebnis ist eindeutig.
Wenn wir heute Lots Grabstein finden würden, würden wir da wahrscheinlich solche Worte finden, die sein Leben zusammenfassen:
Hier ruht Lot. Er ist nicht mehr. Er ist tot, begraben in einer Höhle am Toten Meer. Sein Leben vergeudet, sein Erbe verdorben. Er wurde gerettet, doch so wie durchs Feuer. Falsche Entscheidungen – der Preis war teuer. Weiter als auf sich selbst hat er nicht gesehen, wollte den Weg mit dem Herrn nicht mehr gehen.
Und dann findet sich viele hundert Jahre später noch eine Kritzelei auf dem Grabstein, mit einem scharfen Gegenstand wie einem Stein reingekratzt. Und soweit wir es entziffern können, stehen da noch folgende Worte:
Lot, Lot, warum hast du das gemacht? 1500 Jahre Feindschaft hast du uns gebracht.
Das war das Leben Lots im Überblick und in Kürze. Ein Tag der Entscheidung, viele Jahre der Vergeudung und ein Jahrtausend der Prägung.
Es ist kein Wunder, dass dieses Lebensbild uns dazu bewegt, ein anderes Leben zu führen. Dieses Leben soll sich in dieser Weise nicht wiederholen. Und ich bin mir sicher, dass es auch deshalb für uns hier in 1. Mose aufgeschrieben wurde. Wir haben keinen einzigen Hinweis dafür, Lots Handeln in einem guten Licht zu interpretieren. Ich habe keine einzige Silbe im Text gefunden, die irgendwie erwähnt, dass Lot in irgendeiner Situation mit dem Herrn wandelte, dass er gebetet hat, dass er an Gott gedacht hat – also nichts, nichts davon, obwohl er ein Gläubiger war. Und das ist sehr, sehr tragisch.
Lass uns zurück zum Ausgangspunkt gehen. Kapitel 13, Vers 10. Lot erhob seine Augen. Und nun einige Warnungen, die uns heute betreffen, die wir mit auf den Weg nehmen. Was lernen wir von Lot und davon, dass er seine Augen erhob mit dieser Entscheidung?
Lot erhob seine Augen – damit begann die falsche Entscheidung. Ich möchte dich als Erstes ermutigen und ermahnen, wenn du vor einer Entscheidung stehst: Hebe deine Augen höher. Damit beginnt immer das richtige Denken und Entscheiden.
Der Aufblick zu Gott ist das Wichtigste, was du in jeder entscheidenden Situation als Erstes tun sollst. Der wichtigste erste Schritt. Bedenkt mal Folgendes: Der böse Kain, der gottlose Kain, den wir in der Bibel lesen, der hat einen Wunsch geäußert an Gott und er wurde erhört. Der gottlose Jerobeam, ein gottloser König in Israel, hat zu Gott gebetet und wurde erhört. Wie viel mehr wirst du als Gottes geliebtes und erwähltes Kind von Gott gehört, wenn du ihn um Hilfe bittest? Wenn du ihn um Weisheit bittest – wie viel mehr? Und wenn deine Bitte dann noch eine Bitte ist um Wegweisung, dann sage ich dir: Warum sollte Gott das nicht hören?
David hat um Wegweisung gebeten. Psalm 86, Vers 11: Weise mir, Herr, deinen Weg, damit ich wandle in deiner Wahrheit. Ist das ein Gebet, was Gottes Willen entspricht? Ganz sicher. Und solltest du, wenn du im Namen Christi nach dem Willen Gottes betest, abgewiesen werden, dass Gott dir keine Wegweisung gäbe? Nein.
Hebe deine Augen höher – wie Nebukadnezar. Er erhob seine Augen zum Himmel. Daniel 4, Vers 31. Und sein Verstand kehrte ihm wieder. Das war der Anfang seiner Rettung. Er erhob seine Augen zum Himmel, zu Gott.
Und das größte Beispiel ist der Herr Jesus selbst. Als er das hohepriesterliche Gebet gesprochen hat, lesen wir im ersten Vers in Johannes 17, Vers 1: Dies redete Jesus und hob seine Augen zum Himmel empor.
Wenn es einen Moment gibt, wo du deine Augen höher heben solltest, dann in großen und wichtigen Entscheidungen, die du triffst. Wenn du dein Leben vergeuden willst, blicke nur auf das Irdische und vergiss den Himmlischen darum. Hebe deine Augen höher.
Das Zweite, womit ich dich ermahnen und ermutigen möchte, ist: Beachte, dein Sehen prägt dein Handeln. Lot erhob seine Augen – und das ist ein Grundsatz der Bibel, der sehr offensichtlich ist. Selbst in der Welt sagt man: »Aus dem Auge, aus dem Sinn.« Das Gegenteil ist auch wahr: Im Auge, im Sinn.
Wie du auf dich selbst und auf die Welt siehst, das wird dein Handeln ganz gravierend bestimmen. Am klarsten wird es auch im Neuen Testament beschrieben, da nennt es Johannes im ersten Johannesbrief:
Denn alles, was in der Welt ist, die Fleischeslust, die Augenlust und der Hochmut des Lebens ist nicht von dem Vater, sondern von der Welt.
Die Augenlust. Die erste Sünde der Menschheitsgeschichte war über das Einfallstor des Auges gekommen. Eva sah. 1. Mose 3 – das war der Beginn des Sündenfalls. Eva sah, dass der Baum gut aussah – und so weiter. Und wir haben viele weitere Beispiele in der Bibel. Achan sah den schönen Mantel aus Schinar und ihn gelüstete danach. Die Augen sind das Einfallstor und sie prägen dein Handeln massiv. Der Teufel versuchte bei Jesus das Gleiche, als er ihm alle Reiche der Welt zeigte und gesagt hat: »Ja, das zeige ich dir, das gebe ich dir, diese Pracht, wenn du vor mir anbetest.«
Der Herr Jesus hat in der Bergpredigt schon gelehrt, dass deine Sichtweise dein Leben bestimmt. Er hat das so ausgedrückt: Die Lampe des Leibes ist dein Auge. Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib Licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Matthäus 6,23 – im Kontext von Geld und Reichtum. Also lehrt er schon vor 2000 Jahren: Deine Sichtweise bestimmt dein Leben.
Das Einzige, was dich und mich vom falschen Sehen bewahren kann, ist der Glaube. Glauben bedeutet nicht vermuten – das wissen wir. Glauben bedeutet: das Unsichtbare sehen und damit rechnen. Glauben hat auch einen Aspekt des Sehens – aber das Unsichtbare sehen und damit rechnen.
Das belegt auch Hebräer 11, das Kapitel des Glaubens schlechthin. Da lesen wir von Abraham und seinen Nachkommen, wie sie genau diese Art von Glauben hatten. Hebräer 11, Vers 13:
Diese alle sind im Glauben gestorben, ohne das Verheißene empfangen zu haben, sondern sie haben es nur von Ferne gesehen und waren davon überzeugt und haben es willkommen geheißen.
Sie haben es von Ferne gesehen. Ich glaube, hier ist nicht das Sehen mit den natürlichen Augen gemeint, sondern das Sehen der Verheißung, die eines Tages eintreffen wird. Und ebenso Mose in Vers 27 im gleichen Kapitel:
Durch Glauben verließ Mose Ägypten, ohne die Wut des Königs zu fürchten. Denn er hielt sich an den Unsichtbaren, als sähe er ihn.
Mose handelte, als würde er Gott vor seinen Augen gestellt haben. Und das macht den ganzen Unterschied: mit dem Unsichtbaren rechnen – das ist Glauben.
So gibt uns auch Paulus, vor allem den Leidenden, in 2. Korinther 4, Vers 18 und fasst es noch mal zusammen:
Da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich. Was aber unsichtbar ist, das ist ewig.
Also ist es möglich, seine Augen auf das Unsichtbare zu lenken – auf das, was zählt.
Die wichtigste und beste Gewohnheit in diesem Zusammenhang, die du in deinem Leben haben solltest, ist, was David in Psalm 16 so ausdrückt:
Ich habe den Herrn alle Zeit vor Augen. (Psalm 16,8)
Beschäftige dich mit allem, was über Jesus Christus geschrieben ist. Denn Johannes sagt in seinem Evangelium: »Wir sahen seine Herrlichkeit.« Sie haben sie gesehen, Johannes und seine Jünger. Sie konnten die Herrlichkeit Jesu Christi sehen. Gut, wir sehen sie nicht – aber wir lesen von der Herrlichkeit. Wir können lesen, wie herrlich der Herr Jesus Christus ist. Und ich bin mir sicher, darum hat Gott uns auch vier Biografien des Herrn Jesus geschenkt. Wir lesen zur Zeit durch das Markusevangelium. Das ist so wunderbar, den Herrn vor Augen zu haben, wie er gehandelt hat – ja, vor seinem geistigen Auge. Das ist das Sehen, was uns verändert. Das ist das Sehen, was zählt: den Herrn vor Augen zu haben und seine Herrlichkeit.
Also: Habe den Herrn Jesus stets vor Augen und an deiner Seite. Auch das Gegenteil ist wahr: Willst du dein Leben vergeuden, dann beschäftige dich nie mit dem Herrn Jesus. Dein Handeln folgt auf dein Sehen.
Das Dritte, was ich dir mitgeben möchte: Prüfe deine Motive. Ich kann auch anders fragen: Was willst du denn mit der Jordanaue?
Welche Beweggründe stecken hinter deinem Handeln? Wenn man nur selektiv sieht – wie Lot, der hat selektiv gesehen: »Ah, Jordanaue, die gibt mir diesen Gewinn und diesen Vorteil habe ich davon« –, aber das ganz große Bild hatte er nicht gesehen. Und wenn wir in unserem Leben auch selektiv auf Dinge schauen, auf Entscheidungen, die zu treffen sind, dann sehen wir häufig nur den Vorteil, der für uns herausspringt, ohne aber das ganze Bild zu sehen. Und eine einfache Frage deckt auf, ob du in deinen Motiven rein bist, nämlich die Frage: Was willst du mit der Jordanaue? Was willst du mit dem neuen Job? Was erhoffst du dir von deinem Umzug? Was willst du mit dem Gemeindewechsel? Und so wie du die Frage ehrlich beantwortest, das ist dein Beweggrund.
Die Bibel sagt uns: Ja, die höchsten Beweggründe sind – Matthäus 6, Vers 33: Trachtet viel mehr zuerst nach Gottes Reich und nach seiner Gerechtigkeit. Oder 1. Korinther 10, Vers 31: Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes. Das sind alle Entscheidungen mit eingeflossen.
Wenn du dein Leben vergeuden willst, denke nur an deinen Vorteil und bedenke nie Gottes Reich. Daher: Prüfe deine Motive.
Eine Ermahnung an jeden, der noch nicht verheiratet ist: Ich möchte mich auch an die jungen Leute wenden, die noch Single sind. Mit Lots Beispiel will ich euch eine wirklich ernste Warnung an die Hand geben. Die Wahl eines Ehepartners allein mit dem Auge zu treffen, ist eine katastrophale Entscheidung. Dann hast du die besten Voraussetzungen getroffen, dein Leben zu gehen wie Lot. Diese Entscheidung – die Wahl des Ehepartners – ist wie keine andere die wichtigste im Leben, weil sie dein ganzes Leben wie keine andere Entscheidung prägen wird. Das ist wirklich die wichtigste Entscheidung, nachdem die Entscheidung für den Herrn selbst. Natürlich gilt der biblische Befehl: Zieht nicht am fremden Joch mit Ungläubigen. 2. Korinther 6, Vers 14. Der wurde schon vielen Lots in dieser Welt ignoriert. Und es ist immer gleich abgelaufen: Das Auge hat wieder nur einen Teil des Ganzen gesehen und diesen Teil für alles gehalten. Selektive Wahrnehmung.
Vor 150 Jahren hat ein Mann die gleiche Warnung ausgesprochen. Das war J. C. Ryle – er hat das geschrieben in seinem Buch »Seid heilig«, und er hat auch Lot zum Thema gehabt und hat genau diese Warnung ausgesprochen. Ich zitiere aus seinem Buch, vor 150 Jahren niedergeschrieben:
»Wenn Sie noch nicht verheiratet sind, dann denken Sie bei der Wahl eines Mannes oder einer Frau an meine Worte. Es ist nicht genug, dass Ihr Auge befriedigt ist, Ihr Geschmack getroffen ist, Ihr Verstand zusagt, Liebe und Zuneigung da sind und es ein komfortables Heim zum Leben gibt. Mehr als das ist nötig. Es kommt noch ein Leben. Denken Sie an Ihre Seele, Ihre unsterbliche Seele. Wird ihr durch die Heirat, die Sie planen, aufgeholfen? Oder wird sie hinuntergezogen? Wird es himmlischer oder irdischer werden? Werden Sie näher zu Christus gezogen oder mehr zur Welt? Wird der Glaube Ihrer Seele kräftig wachsen oder wird er verdorren?«
Also: Willst du dein Leben vergeuden, wähle deinen Ehepartner nur mit den Augen.
Viertens: Es gibt ein Zurück. Es gibt viele Möglichkeiten zur Umkehr, auch wenn es etwas kostet. Lot hatte 20 Jahre Zeit, aus Sodom wieder wegzuziehen. Er traf aber an jedem Tag eine Entscheidung – und zwar: in Sodom zu bleiben. Wenn du 20 Jahre hochrechnest mal 365 Tage, da kommst du auf gut 7000 Entscheidungen, die er in 20 Jahren getroffen hat. 7000 Entscheidungen, in Sodom zu verharren und zu bleiben.
Natürlich wird es an jedem Tag schwerer, die Entscheidung rückgängig zu machen. Je mehr man eine Sache gewohnt ist, desto schwieriger ist das. Und hinzu kommt, dass sich seine Frau in Sodom sehr wahrscheinlich auch sehr wohlgefühlt hat. Es wurde also schwieriger für Lot. Aber auch wenn es schwierig war: Die Entscheidung zur Umkehr war immer möglich. Und das lehrt uns auch der Herr im Neuen Testament. Der verlorene Sohn wurde mit offenen Armen empfangen, als er in das Vaterhaus ging. Und so hat Gott auch offene Arme für jeden, der die Möglichkeit annimmt, umzukehren und seine falsche Entscheidung rückgängig zu machen. Je früher, desto besser.
Und die letzte Warnung für uns heute: Sei wachsam, egal wie alt du bist.
Vielleicht erweckt es den Anschein, dass wir heute nur für die jungen Leute gesprochen haben. Ja, nur junge Leute treffen dumme Entscheidungen – das ist natürlich nicht wahr. Wie alt war Lot, als er diese Entscheidung getroffen hat, nach Osten zu ziehen? Wir wissen es nicht genau. Wir lesen nichts von seinem Lebensalter. Aber wenn er der Neffe Abrahams war und wahrscheinlich der Sohn seines jüngsten Bruders, könnte es sein, dass er ungefähr 20 bis 40 Jahre jünger war. Abraham war zu dem Zeitpunkt 80 Jahre alt, das heißt Lot war 40, 50, 60 Jahre alt. Das ist schon mittleres Alter. Das ist keine Jugend mehr, kein Teenager. Also, der war schon weiter fortgeschritten.
Deshalb dürfen wir nie denken: Schlechte Entscheidungen werden nur von jungen Leuten getroffen. Du und ich, wir stehen genauso in der Gefahr, schlechte Entscheidungen zu treffen. Viele von uns sind noch nicht mal dem Alter, was Lot hatte, als er diese Entscheidung getroffen hat. Salomo, der König, hat eine schlechte Entscheidung getroffen, als er alt war. Das lesen wir in der Bibel. Du und ich – wir dürfen niemals denken, dass wir zu alt sind, um in diese Falle zu tappen. Du kannst mit 18 schlechte Entscheidungen treffen, mit 28, mit 68. Wir müssen immer wachsam und auf der Hut sein. Auch deine bisherigen Erfahrungen bewahren dich nicht vor dem Fallen. Egal, ob du ein Ältester bist, ob du ein Dienstbereichsleiter bist, ein Mitarbeiter – egal in welcher Funktion du bist: Wenn dein Dienst so treu war in der Vergangenheit, wie es nur geht, aber die Treue der Vergangenheit bewahrt dich nicht für die Zukunft vor falschen Entscheidungen.
Und wenn du dein Leben vergeuden willst, dann denke nach dieser Predigt: »Mir kann sowas nicht passieren.« Sei wachsam, egal wie alt du bist.
Ihr Lieben, ich habe gelesen, dass wir pro Tag – ich kann es nicht nachprüfen – 18 000 bis 20 000 Entscheidungen treffen pro Tag. Ich weiß nicht, wie man das ausrechnet, keine Ahnung, aber es sind auf jeden Fall viele, und ich glaube, die meisten treffen wir unbewusst. Wenn es stimmt – 18 000 Entscheidungen –, dann haben wir jeden Tag 18 000 Mal die Möglichkeit, eine falsche Entscheidung zu treffen. Und wir haben jeden Tag 18 000 Gelegenheiten, Entscheidungen zu treffen, die unseren Herrn ehren – und das ist auch wunderbar.
Ich wünsche es mir für mich, und für uns alle ist es mein Gebet, dass wir im Himmel ankommen und auf ein Leben zurückblicken können, was der Herr einsetzen konnte, was so brauchbar war wie möglich und was nicht vergeudet war. Das möge uns das Beispiel Lots als Warnung widerhallen lassen – uns ermutigen, ein Leben der Brauchbarkeit für den Herrn anzustreben.
Ich schließe mit einem Gebet aus Psalm 119. Da hat der Schreiber uns das wunderbar zusammengefasst – alle Lektionen, die wir heute von Lot gelernt haben. Psalm 119, Vers 37:
Halte meine Augen davon ab, nach Nichtigem zu schauen. Belebe mich in deinen Wegen.
Lieber Vater im Himmel, wir danken dir, dass du uns das Leben vor Augen gemalt hast. Danken dir für die Weisung, die du uns gegeben hast auf unseren Lebensweg. Wir wollen ebenso beten, wie wir es gerade gelesen haben, Herr, dass du unsere Augen davon abhältst, nach Nichtigem zu schauen, nach Dingen zu sehen, die nur uns einen Vorteil bringen, aber nicht an dich, an dein Reich, an deine Ehre zu denken. Bitte Herr, hilf uns dabei, belebe uns in deinen Wegen. Schenke du uns Weisheit bei unseren Entscheidungen und schenke, dass wir zur rechten Zeit den Blick höher heben, dass wir zu dir beten, dass wir zu dir rufen, und bewahre uns, Herr, vor einem vergeudeten Leben. Führe uns dahin, immer brauchbarer für dich zu werden – jeden Einzelnen hier, egal wie jung oder wie alt er ist. Und gib, dass das unser Herz wirklich weiterhin prägt, Herr – dieses Warnbeispiel und dann auch diese Ermutigung, Herr, unser Leben mit dir zu führen, dass du durch deine Gnade uns ganz sicher ans Ziel bringen wirst und auch aus unserem Leben etwas machen kannst. Dafür danken wir dir, und wir freuen uns sehr, jetzt am Abend an dich zu denken – ja, wie du für uns gestorben bist für alle falschen Entscheidungen. Amen.
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