6. August 2023

Wie sieht dein Dank aus? (1)

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Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, wobei wir allezeit für euch beten, seit wir gehört haben von eurem Glauben an den Gesalbten, Jesus, und von der Liebe zu allen Heiligen, wegen der euch im Himmel aufbewahrten Hoffnung, von der ihr vorher gehört habt durch das Wort der Wahrheit, die Heilsbotschaft,
Kolosser 1,3-5 (ESB)
  1. Dankst du für deine Geschwister?
  2. Hoffst du auf den Himmel?

Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. Ihr kennt diesen Abschnitt, ihr kennt diese Verse. Was würdet ihr antworten, wenn jemand euch fragt: Wie soll man beten? Genau das hat Jesus gedacht – es ist eine gute Frage, und er hat sie beantwortet. Die Jünger haben gefragt, und Jesus hat gesagt: »Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten: Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden.«

Vielleicht würdest du genau zu dieser Stelle gehen oder genau das aus deiner Erinnerung heraus zitieren, wenn jemand dich fragt: Wie sollen wir beten? Aber meine Frage wäre: Trifft das auch die Praxis deines Gebetslebens, oder wäre das nur die Antwort, die du gibst, wenn jemand fragt? Betest du Tag ein, Tag aus: »Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden«? Ist unser Gebetsleben nicht viel mehr geprägt von meinem Reich, von meinen Wünschen, um nicht zu sagen Willen? Es dreht sich so viel, wie man sprichwörtlich sagt, um unseren eigenen Bauchnabel. Und es sind auch die Anliegen, die wir gerne weitergeben und unsere Nächsten am Sonntag bitten. Gleich haben wir die Gemeinschaft nach dem Gottesdienst – wofür kann ich denn die Woche über beten? – und wir präsentieren Anliegen unseres Bauchnabels, unserer selbst.

Die Frage, die wir heute Morgen beleuchten wollen, ist: Wie sieht eigentlich unser Gebetsleben aus? Und wenn wir vom Gebetsleben sprechen, dann beginnen wir mit dem Dank, mit der Danksagung. Allein diese Einteilung ist schon gegen den Alltag und die Gewohnheit der meisten betenden Menschen. Denn die wenigsten würden mit Dank beginnen, die wenigsten würden mit Gott beginnen – und stattdessen würden wir mit unseren Nöten beginnen, mit den Herausforderungen beginnen.

Der Kolosserbrief: Ein Brief, der mit Gebet beginnt

Heute Morgen möchten wir in den Kolosserbrief hineinschauen. Wir studieren diesen Brief, lesen ihn und legen ihn aus, und sind in Vers 3 in Kolosser 1 angelangt. Ihr dürft eure Bibeln gerne schon aufschlagen in den Kolosserbrief. Heute Morgen möchte ich die Frage beantworten: Wie soll unser Dank aussehen? Wir werden den Abschnitt nicht ganz schaffen heute, aber nächste Woche geht es dann weiter mit unserem Dank im Gebetsleben.

Wie sieht dein Dank aus? Wir haben schon gesehen, dass Paulus den Kolossern schreibt und einen wundervollen Brief-Umschlag – wie wir ihn genannt haben – in den ersten zwei Versen uns liefert, wie Paulus dort deutlich macht, dass er in der Autorität Christi selbst schreibt, dass er mit Timotheus zusammen ist, dass er die Geschwister in Kolosse als Heilige und Treue ansieht in Christus. Sie sind zuallererst in Christus und dann in Kolosse. Ihre Bürgerschaft mit und Verbundenheit mit Jesus ist wichtiger als ihr Pass hier auf Erden.

Und nun, direkt im ersten Atemzug, wo der Brief beginnt, beginnt Paulus mit einem Gebet – nicht nur einem Gebet, sondern mit Danksagung. Warum er das tut, werden wir im Laufe der Predigt hoffentlich mehr verstehen. Und wir werden merken, dass Paulus doch sehr nah dran ist an dem Vater Unser, an dem »Vater, der du bist im Himmel«, an dem »geheiligt werde dein Name«, an dem »dein Reich komme«, an dem »dein Wille geschehe«. Jesus hat keine Zauberformel damals gegeben, als er sagte: »So sollt ihr beten«, sondern Prinzipien. Und Paulus ist einer, der gut gelernt hat von Jesus und diese Prinzipien umsetzt. Und eines seiner Gebete haben wir heute Morgen vor uns.

Wir wollen nicht nur lernen, wie wir beten, wir wollen auch verstehen: Warum würde jemand wie Paulus jemandem anderen sagen, was er betet? Warum schreibt er überhaupt ein Gebet in seinen Brief hinein? Tinte ist teuer, Papyrus ist teuer, und er könnte doch so viel anderes sagen. Aber er beginnt mit einem Gebet. Das sind die Fragen, die wir uns anschauen möchten und herausarbeiten: wie und wozu unser Gebetsleben dienen soll, insbesondere unsere Danksagung.

Wir möchten gemeinsam den Text lesen. Wir beginnen noch mal in Vers 1 und lesen den Zusammenhang bis Vers 8, Kolosser 1, die Verse 1 bis 8, und schauen uns dann die Verse 3, 4 und 5 genauer an.

Kolosser 1, Vers 1: Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und der Bruder Timotheus, an die Heiligen und treuen Brüder in Christus in Kolosse: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Wir danken dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, indem wir alle Zeit für euch beten, da wir gehört haben von eurem Glauben an Christus Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, um der Hoffnung willen, die euch aufbewahrt ist im Himmel, von der ihr zuvor gehört habt durch das Wort der Wahrheit des Evangeliums, das zu euch gekommen ist, wie es auch in der ganzen Welt ist und Frucht bringt, so wie auch in euch, von dem Tag an, da ihr von der Gnade Gottes gehört und sie in Wahrheit erkannt habt. So habt ihr es ja auch gelernt von Epaphras, unserem geliebten Mitknecht, der ein treuer Diener des Christus für euch ist, der uns auch von eurer Liebe im Geist berichtet hat.

Dankst du für deine Geschwister?

Der Kolosserbrief beginnt mit einem Dank. Und zuallererst möchte ich dir heute Morgen die Frage stellen: Ob du, wie Paulus, für deine Geschwister dankst? Dankst du für deine Geschwister? Wie sieht unser Dank aus? Wir werden einiges herausarbeiten können aus diesen Versen. Dankst du für deine Geschwister? Denn Paulus beginnt direkt nach dem Gruß – Gnade und Friede, den wir uns in der letzten Predigt angeschaut haben – mit dem Dank: »Wir danken dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.«

Paulus beginnt mit Begeisterung. Paulus hat Epaphras vor sich, der mit Bauchschmerzen nach Rom gekommen ist und gesagt hat: »Lieber Paulus, ich muss kommen, weil in Kolosse und in Laodizea und in Hierapolis da kommen Lehren auf – was sollen wir machen?« Aber Paulus, im ersten Atemzug, beginnt mit Dank, mit Freude, mit Begeisterung. Denn Epaphras berichtet auch davon, wie diese kleinen Gemeinden sich entwickeln, wie Glaube, Liebe, Hoffnung – die wir so oft in vielen Briefen hören – in ihnen wächst.

Wir erinnern uns daran: Paulus hat die Kolosser nie gesehen, er kennt sie nicht. Er weiß nur von ihnen durch Epaphras. Er weiß nur von ihnen, und er bezeichnet sie dennoch als seine Brüder. Er liebt sie, er schickt ihnen einen Brief – und es sind mehr als 70 Cent gewesen. Aber nicht nur das: Er bezeichnet sie nicht nur als Brüder, er schreibt ihnen nicht nur einen Brief, sondern schaut mal, was er sagt in Vers 3: »Wir beten alle Zeit für euch.«

Paulus hat eine so enge Verbundenheit zu diesen Gläubigen, dass sie Teil seines regelmäßigen Gebetslebens geworden sind. Immer wieder betet er. Aber nicht nur für sie, sondern wir sehen noch eine Steigerung: Er dankt für sie. Er interessiert sich nicht nur einmal, sondern regelmäßig, und nicht nur mit Bitten, sondern sogar mit Dank. Wem gebührt der Dank? Gott gebührt der Dank. Er beginnt den Brief mit den Worten: »Wir danken dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, indem wir alle Zeit für euch beten.«

In der Schlachter-Übersetzung: Wann immer er an die Kolosser denkt, dankt er für sie. Wer dankt? Nicht nur Paulus, sondern »wir«. Wer ist das »wir« von dem wir in Vers 3 lesen? Wir müssen hochgehen zu Vers 1. Dort lesen wir davon, dass Paulus, Apostel Jesu Christi, diesen Brief schreibt, und der Bruder Timotheus. Mindestens die beiden beten für die Kolosser und danken für die Kolosser. Paulus war immer im Team – die Predigt haben wir schon gehalten, nur als Erinnerung: Gott liebt Teams. Wir danken – Paulus und Timotheus, vielleicht noch andere Mitarbeiter in seinem Hausarrest in Rom – danken für das, was in Kolosse geschieht.

An wen richtet sich dieser Dank? An Gott den Vater. In unseren Gebeten rückt Jesus oft in den Mittelpunkt unseres Danks, je nach Denomination auch der Heilige Geist, der adressiert wird. In der Bibel sehen wir, dass der Dank und der Hauptadressat der Gebete Gott der Vater ist. Gott der Vater – ihm gebührt der Dank, denn er ist der Gott und er ist der Vater unseres Herrn Jesus Christus. Christus, der in dem Brief noch öfter vorkommen wird, wie ihr schon wisst, wird mit eingebunden. Er wird seine Stellung hochgehoben: Er ist der Herr, er ist derjenige, der das Haupt der Gemeinde ist, wie wir noch lernen werden in Kapitel 1.

Der Dank gebührt Gott, denn er ist es, der den Gläubigen – die ganze Architektur dahinter, den Heilsplan – gewirkt hat. Und Paulus dankt ihm für das, was geschieht, für das Evangelium, das Kraft hat, wie wir in Vers 7 und 8 sehen, das Wort der Wahrheit in Vers 5, das Frucht bringt, dass ihr gehört habt, dass ihr erkannt habt – und all das hat Gott der Vater orchestriert.

Wichtig ist hier, dass Paulus schon zu Anfang seines Briefes zwar dankt, aber nicht ohne Theologie. Die Ursache für das Schreiben dieses Briefes war das Anzweifeln an der Gottheit Jesu unter anderem. Und direkt hier in Vers 3 erinnert Paulus die Kolosser daran: Gott der Vater ist Gott, und Gott der Sohn ist Gott, weil er sie in einem Atemzug nennt. Es ist der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der das ganze Werk vollbracht hat durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Also: Wer dankt? Paulus und Timotheus, eventuell weitere Geschwister dort. Der Dank gebührt Gott. Und wann danken sie? Der Text sagt: alle Zeit. Es gibt unterschiedliche Übersetzungen bei diesem Teil des Verses. Die Schlachter übersetzt: »indem wir alle Zeit für euch beten«, und bezieht das »alle Zeit« aufs Beten. Aber ich denke, der Zusammenhang lässt die Übersetzung klarer und deutlicher sein, wenn das »alle Zeit« sich auf das Danken bezieht, wie Elberfelder, Luther oder auch die NGÜ es übersetzen, nämlich: »Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, alle Zeit, wenn wir für euch beten« – oder die NGÜ: »Jedes Mal, wenn wir für euch beten, danken wir Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus.« Der Satzfluss ist besser und der Zusammenhang passt besser.

Es ist nicht einfach so dahingesagt, sondern Paulus betet nicht nur, sondern wann immer er betet, dankt er auch. Das ist Paulus‘ Gewohnheit: Wenn er an Gläubige denkt, zu danken. Was ist deine Gewohnheit, wenn du an Mitgläubige denkst? Was ist deine Gewohnheit, wenn du an Mitgläubige aus deiner Gemeinde denkst, oder wenn du an Gläubige denkst aus der Nachbargemeinde? Ist es deine Gewohnheit zu danken?

Paulus dankt – immer und überall

Paulus schon. Wir lesen das nicht nur in Kolosser 1,3. Wir lesen das in 1. Korinther 1,4 – die Gemeinde in Korinth, da musste man schon suchen, wofür man danken will. Aber er beginnt in Vers 4: »Ich danke meinem Gott alle Zeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus.« Genauso in 1. Thessalonicher: »Wir danken Gott alle Zeit für euch alle, indem wir euch erwähnen in unseren Gebeten und unablässig vor unserem Gott und Vater an euer Werk des Glaubens gedenken und an die Bemühung der Liebe und das Ausharren in der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus.«

Oh, sind das die gleichen Dankesanliegen! Er dankt für die Gnade, für den Glauben, die Liebe und die Hoffnung. Könnt ihr euch das merken? Die Gnade, Glauben, die Liebe und die Hoffnung. Wir wollen lernen, wie wir beten, wir wollen lernen, wie wir danken. Dafür können wir jederzeit danken: Gnade, Glaube, Liebe, Hoffnung im Leben meines Nächsten.

Das war 1. Thessalonicher. 2. Thessalonicher 1: »Wir müssen Gott alle Zeit für euch danken« – es ist so toll, was geschieht, wir können nicht anders als zu danken – »weil euer Glaube reichlich wächst.« 2. Thessalonicher 1,3: »und die Liebe zueinander bei jedem einzelnen von euch allen zunimmt.« Wofür dankt er? Glaube und Liebe, die wachsen. 2. Thessalonicher 2, ein Kapitel später, Vers 13, muss Paulus schon wieder danken: »Wir aber müssen Gott alle Zeit für euch danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang an erwählt hat zur Errettung in Heiligung des Geistes und im Glauben der Wahrheit.« Wir können nicht anders als Gott zu danken, dass er unsere Geschwister erwählt hat zum Heil.

Gnade, Glaube, Liebe, Hoffnung sind die Stichworte, die wir immer in den Dank packen können. Philemon Vers 4 und 5: »Ich danke meinem Gott, indem ich alle Zeit deiner in meinen Gebeten gedenke, da ich von deiner Liebe und von dem Glauben höre, den du an den Herrn Jesus und allen Heiligen gegenüber hast.« Wofür sollen wir danken? Gnade, Glauben, Liebe, Hoffnung.

Paulus dankt. Er dankt Gott. Er dankt alle Zeit. Er dankt für andere Geschwister. Ich möchte dich ganz direkt heute Morgen fragen: Zu wem könntest du gleich bei der Tasse Kaffee sagen: »Ich danke Gott für dich«? Regelmäßig. Welche Gemeinde könntest du besuchen und sagen: »Ich danke Gott für euch, regelmäßig, wann immer ich an euch denke«? Mir fallen als allererstes nicht Bitten ein – vielleicht fallen sie mir ein, aber ich diszipliniere mich dann, ich beginne mit dem Dank.

Habt ihr gemerkt, dass ich die ganzen Verse, die ich gelesen habe, die waren alle irgendwie Vers 3 – ganz am Anfang. Das Erste, was Paulus tut, ist danken, für viele Gläubige. Zu wem könntest du heute sagen: »Ich danke Gott für dich«?

Wenn der Stuhl nicht heiß genug ist – Männer, ihr könnt eurer Ehefrau sagen: »Wann immer ich an dich denke, wann immer ich für dich bete, danke ich Gott für dich.« Fang einfach an, dem Herrn für deine Geschwister zu danken: für die Gnade, die er wirkt, für den Glauben, für die Liebe, für die Hoffnung, die wächst. Mach dir eine Liste der Namen – am Kühlschrank, im Auto, in der Bibel, auf dem Handy. Benutze die Gemeindeliste. Fang an zu danken. Es wird dir so viel Freude bereiten, wenn du einfach anfängst zu danken.

Hatte Paulus Bauchschmerzen, als er an die Kolosser dachte? Im Laufe des Briefes werden wir sehen: ja – Mystizismus, Gesetzlichkeit, alles Mögliche. Aber er beginnt mit dem Dank. Es wird dir Freude bereiten, wenn du – hier ist das Prinzip – von dem Kleinen, von dem Unmittelbaren, von dem Kurzsichtigen in die Vogelperspektive wechselst. Paulus wechselt in die Vogelperspektive. Er sieht Gottes Wirken im Leben seiner Geschwister, und dann hat er Grund zu danken.

Diese Vogelperspektive ist absolut gegen unsere menschliche Natur. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen auf diesem Planeten, die gerne in der Vogelperspektive denken. Aber die meisten – glaube ich, statistisch 80% – sind Problemlöser und sehen Probleme, und die sind direkt vor Augen. Die Vogelperspektive müssen wir lernen und müssen uns daran erinnern, nicht mit den negativen Dingen zu beginnen, sondern für die Geschwister zu danken.

In dem Buch »Lernen zu beten« – ihr findet es, soweit ich weiß, auf dem Büchertisch heute – arbeitet D. A. Carson 42 Bibelstellen von Paulus durch, in denen Paulus für andere betet, oder darüber schreibt, dass er für andere betet, oder um Gebet bittet. Warum also – die andere Frage, die ich zu Anfang gestellt habe – beginnt Paulus mit einem Gebet in seinem Brief? Warum schreibt er das auf? Was war seine Absicht?

Stell dir vor, die Person zehn Plätze weiter oder hinter von dir kommt nach dem Gottesdienst zu dir, oder schickt dir eine Nachricht, in der steht: »Ich danke Gott für deinen Glauben, für deine Liebe, für deine Hoffnung.« Was würde das mit dir machen, wenn jemand dir das schreiben würde? Es würde ermutigen. Man würde denken: »Wirklich? Und du meinst das ernst? Du dankst Gott wirklich für mich?«

Das ist Paulus‘ Absicht, warum er das schreibt. Natürlich ist es auch ein tolles Muster zu beten, und davon habe ich gerade gesprochen. Aber das, was er hier tut, der Paulus, ist: Er fasst es in dem Brief, und es baut so viele Brücken und es reißt so viele Mauern ein. In was für einer Beziehung? Sie hatten kaum eine Beziehung – Paulus hat sie nie gesehen. Aber er liebt sie, er trägt sie auf dem Herzen, und er dankt für sie.

Nachdem du begonnen hast, wirklich regelmäßig für Geschwister zu beten, sag es ihnen auch. Sag es ihnen, dass du Gott dankst für sie. Du klopfst nicht ihnen auf die Schulter – du ermutigst sie einfach. Dem, dem du auf die Schultern klopfst, glaubst du, ist Gott – wenn man das überhaupt so sagen kann. Du freust dich über das Wirken Gottes in seinem Leben, und es ermutigt, und es schafft Einheit.

Dieses Vorbild können wir nachahmen. Und wir merken, wie nah dran Paulus‘ Gebet an Jesu Vater Unser ist. Denn es geht um Gott den Vater, es geht um sein Reich, es geht um seinen Willen. Denn Gnade, Glaube, Liebe, Hoffnung ist das, wovon Gott redet, wovon die Bibel voll ist. In Johannes 17 betet Jesus für seine Jünger, und er dankt Gott für diese Jünger. Er betet auch für sie, und die Bitte am Ende ist, dass der Vater die Jünger bewahren möge bis ans Ende.

Wir sehen dann in den nächsten Wochen noch, wie das Gebetsleben weitergeht, oder das Gebet von Paulus weitergeht. Natürlich hat er auch Anliegen, die er formuliert, ab Vers 9: »Ja, nicht hören wir auf zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit Erkenntnis seines Willens« – oh, »dein Wille geschehe«, da haben wir wieder die Parallele zum Vater Unser – »dass sie würdig wandeln.« Aber er beginnt mit Dank.

Diese dankbare Haltung ist aber nicht nur hier in Vers 3 zu sehen, sondern zieht sich durch den ganzen Brief. Wir sehen in Kolosser 1,12 noch mal, dass er dem Vater danksagend ist, »der euch fähig gemacht hat am Anteil am Erbe der Heiligen im Licht«. In Kolosser 2,7, dass sie überreich sein sollen in Danksagung. In Kolosser 3,15: »und seid dankbar« – es ist der Aufruf jetzt an die Kolosser. Und in Kolosser 3,17: »Sagt Gott dem Vater Dank durch Christus.« Und in Kolosser 4,2: »Haltet fest am Gebet und wacht darin mit Danksagung.« Das Element des Gebetslebens, an das Paulus wohl meint, wir erinnert werden müssen, ist die Danksagung. Er lebt also hier in Vers 3 das aus, was er gleich in den nächsten Versen die Kolosser lehren wird.

Dankst du für deine Geschwister, oder betest du in der Bauchnabel-Spirale? Du beginnst bei dir selbst, da verbringst du schon einige Zeit, hast eine Menge Anliegen – natürlich fällt ja auch der ein oder andere Dank ein. Kommst als nächstes zu deinen Kindern und deinem Ehepartner, auch dort verbringst du ein wenig Zeit. Die Ausdauer des Gebetslebens nimmt langsam ab. Vielleicht erinnerst du dich noch an jemanden aus der Gemeinde, und dann kommt auch schon das Amen. Das ist die Bauchnabel-Spirale des Gebets.

Aber für Menschen am anderen Ende des Planeten zu beten und für sie zu danken – kommen wir auf die Idee? Nein, wir kommen nicht auf die Idee. Und deshalb müssen wir es planen, deshalb müssen wir es uns vornehmen, deshalb sind Listen gut. Ich habe einen Kommentator gelesen, der ganz aufgebracht darüber war, wenn man ein Gebet ausschreiben würde – ich weiß, dasselbe gibt’s auch bei Predigten –, aber bei Gebet wäre dann das Wirken des Geistes nicht mehr möglich, weil es ja von Herzen kommen muss. Ihr Lieben, diese Bibelstelle habe ich noch nicht gefunden. Ich lese aber gerade ein aufgeschriebenes Gebet von Paulus. Ich kenne auch eins von Jesus. Also, lasst euch nicht abbringen. Lasst uns planen, zu tun, was richtig ist. Und wenn wir wissen, wie wir beten sollen, dann lass es uns richtig machen. Und wenn wir dafür eine Liste brauchen, dann nimm eine Liste. Und wenn die Liste dich ablenkt, dann nimm sie nicht. Aber lasst uns anfangen zu danken.

Alle gemeinsam danken. Der Dank ist an Gott gerichtet. Der Dank ist alle Zeit. Der Dank wird aufgeschrieben, um die Gläubigen zu ermutigen. Und er zieht sich durch den ganzen Brief. Gott wird gedankt. Wir wollen richtig beten, wir wollen unsere Geschwister ermutigen.

Hoffst du auf den Himmel?

Du sagst zu allem Ja und Amen, aber wie mache ich das? Wie genau danke ich denn jetzt? Wir haben gerade schon gesehen: Gnade, Glaube, Liebe, Hoffnung. Wir sehen es hier im zweiten Punkt unserer Predigt, dass Paulus es weiter ausformuliert. Und die große Frage, die sich stellt, ist: Ob du selbst lebst, wofür du für andere dankst? Es ist schwierig, für den Glauben der anderen zu danken, wenn du selbst gerade nicht glaubst. Es ist schwierig, für die Liebe von Geschwistern zu anderen zu danken, wenn du selbst gerade nicht liebst.

Und deshalb möchte ich zuerst den Aufruf an dich stellen: Hoffst du auf den Himmel? Das ist die Ursache, oder das ist, womit das Dankesleben gefüllt wird – mit der Hoffnung auf den Himmel. Wir beginnen bei uns und können dann für andere danken aufgrund der Hoffnung.

Also zuallererst: Dankst du für Geschwister? Und als zweites: Hoffst du auf den Himmel? Denn das ist der Inhalt des Dankes. Wir sehen das in Vers 4. In Vers 3 haben wir gesehen, Paulus und Timotheus danken. Warum? Denn Vers 4: »Da wir gehört haben von eurem Glauben an Christus Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, um der Hoffnung willen, die euch aufbewahrt ist im Himmel.«

Sie danken, da sie vom Glauben gehört haben, von der Liebe gehört haben, um der Hoffnung willen. Die Verse 3 bis 8 sind ein einziger Satz im Griechischen. Er ist sehr verschachtelt, dieser Satz. Und wenn ihr ihn versuchen wolltet, in einem kleinen Diagramm aufzuzeichnen, dann würdet ihr sehen, dass die Verschachtelung immer weiter geht, es geht immer tiefer ins Detail hinein. Und wir müssen hier bei der Hoffnung heute einen Strich machen, nächste Woche weitermachen. Aber es ist nicht ein neuer Punkt, sondern er vertieft seine Danksagung immer weiter bis zum Ende von Vers 8.

Jetzt nennt er den Grund seiner Danksagung. Der Grund, warum er dankbar ist, wie wir gerade schon gesagt haben, ist der Glaube und die Liebe und die Hoffnung – nicht das leibliche Wohl, nicht der Friede im Land, nicht die Gesundheit, sondern Glaube, Liebe, Hoffnung. Diese drei werden angetrieben von der Hoffnung. Entschuldigung: Die zwei – Glaube und Liebe – werden angetrieben von der Hoffnung. Das ist, was Paulus in diesem Vers 4 und dann 5 deutlich macht. Die Hoffnung ist der Anfang, die Hoffnung ist das, worum es als allererstes geht, bevor du anfangen kannst zu glauben.

Der Schlüssel für aufrichtigen Dank ist diese Vogelperspektive, diese Weitsicht. Hoffnung auf den Himmel – gibt es eine größere Weitsicht? Glaube an Jesus Christus – das ist Weitsicht. Wir kennen den Unterschied von Kurzsicht und Weitsicht. Wir sehen kurz und sehen vielleicht ein Blatt, eine Brennnessel, eine Blume mit einer Biene. Aber wenn wir ein bisschen weiter weggehen und das ganze Bild sehen, haben wir auf einmal die Augenweide einer Wiese vor uns. Das ist der Unterschied: nahe etwas zu sehen im Makro und dann groß im Weitwinkel.

Auf der Wanderung in den Bergen kann es sein, dass der ein oder andere in der Familie nur die Steine sieht und die Neigung, die es zu überwinden gilt – kurzsichtig. Und der andere weiß, wenn er dann oben ist, was für eine atemberaubende Herrlichkeit ihn erwartet. Das ist die Weitsicht, der herrliche Ausblick. Das Gleiche kann uns am Meer passieren: Der Sand in der Kleidung kann uns nerven, oder die Weite des Meeres kann uns den Atem rauben – vielleicht auch wegen dem starken Wind.

Der Glaube ist genauso. Der Glaube kurzsichtig sieht Anfechtung. Der Glaube kurzsichtig sieht Herausforderung. Der Glaube langfristig – weitsichtig – sieht Bewährung, sieht Läuterung, sieht den Lohn im Himmel. Wir haben gerade den 1. Petrusbrief studiert. Und was ist das, womit Petrus beginnt? Mit dem Erbe der Empfänger, was aufbewahrt ist im Himmel und fest ist. Genau das tut Paulus hier: Er weitet den Blick.

Wenn du in Dankbarkeit wachsen willst, weite den Blick. Sieh, was Gott tut in Gnade, Glauben, Liebe und Hoffnung. Es kann sich auf dein Leben beziehen, und es kann sich auch auf die Geschwister beziehen und auf die anderen Gemeinden beziehen.

Nun, der Glaube – er ist nicht irgendein Glaube, sondern es ist der Glaube an Christus Jesus. Seht ihr das in Vers 4? »Der Glaube an Christus Jesus.« Das ist der Grund für die Hoffnung. Er spricht vom Evangelium, was sie gehört haben, und es ist der Glaube an Christus, der der Grund für die Dankbarkeit ist. Christus ist das Ein und Alles. Die Kolosser haben das Evangelium nicht verdreht, wie die in Galater, auch nicht wie die in 1. Petrus 4, die sich weigern, dem Evangelium Gottes zu glauben. Wir sehen in den Versen 6 und 7, dass sie dem Evangelium geglaubt haben, sie haben der Botschaft Jesu Christi geglaubt.

Wenn du heute Morgen hier bist und diese Botschaft, dieser Glaube an Christus Jesus, nicht dein Glaube ist, der dein Leben kennzeichnet, dann ist das Urteil für dein Leben ein dramatisches. In 2. Thessalonicher 1, Vers 8, lesen wir davon, dass Gott Vergeltung üben wird an denen, die ihn nicht anerkennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorsam sind. Es ist Grund zu danken, wenn jemand glaubt an Christus. Und es ist Grund von größter Sorge, denn Gott wird Vergeltung üben, wenn jemand – wenn du heute Morgen hier nicht glaubst.

Vers 9 in 2. Thessalonicher 1 geht weiter: »dass diese, die dem Evangelium Jesu nicht gehorsam sind, Strafe erleiden werden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Kraft.« Wenn die Folge für diejenigen, die nicht glauben, die Strafe ist, das Leid, das ewige Verderben – meint ihr, es gibt einen Grund zu danken, wenn jemand glaubt an Christus? Ja, das ist ein großer Grund zu danken, ein unfassbarer Grund zu danken, dass dieser Wechsel von Statten ist. Und in dem Kontrast sehen wir erst die große Kluft dazwischen.

Dankbarkeit wächst, wenn wir darüber nachdenken, was der Unterschied von Glaube und Unglaube ist – nicht in der kurzsichtigen Perspektive, denn dem Ungläubigen mag es hier besser gehen als dir, der du glaubst. Sondern in der großen Perspektive wird es dem Ungläubigen nach dem ewigen Verderben ergehen, und dem Gläubigen nach der Hoffnung, die aufbewahrt ist im Himmel, wie wir in Vers 5 lesen. Wir müssen also herauszoomen, wir brauchen das große Bild, und dann können wir danken.

Der Glaube ist der Anker für unser Leben. Er gründet sich in der Hoffnung, die wir haben. Wir können beim Glauben von verschiedenen Glauben sprechen. Wenn ihr den Begriff »Glaube« in der Bibel findet, dann müsst ihr genau hingucken, welchen Glauben der Autor eigentlich meint. Meint er den Moment des Gläubigwerdens, den Tag, den Moment, die Phase deiner Wiedergeburt? Oder meint er das Leben im Glauben?

Was meint Paulus hier, wenn er davon spricht, dass er Gott dankt für den gehörten Glauben an Christus und die Liebe zu allen Heiligen? Das ist das Leben, in dem sie Tag für Tag stehen. Die Kolosser lieben Tag für Tag, sie glauben Tag für Tag. Es ist das Glaubensleben, was Paulus meint, der alltägliche Glaube, der herausgefordert wird und der auf Hoffnung hinschaut und der dann im Glaubensgehorsam reagiert. Dafür ist Christus der Anker. Es ist der Glaube an Christus.

Ist Christus dein Anker im Glaubensalltag? Ist Christus die stabile Komponente in deinem Glaubensalltag? Ist er es, zu dem du immer wieder zurückkehrst, damit du nicht abtreibst? Ist Christus deine Hoffnung? Ist das Kreuz Christi das, woran du glaubst, das, worauf du hoffst? Seine Auferstehung, die Ewigkeit, die uns bevorsteht? Es ist der Glaube an Christus, der so viel Dank hervorbringt, weil nur dieser Glaube von Hölle zu Himmel wechselt.

Die Liebe zu allen Heiligen

Und es ist zweitens die Liebe zu allen Heiligen. Wenn wir in Vers 4 noch mal hineinschauen, dann ist das, was diesen Dank so befeuert und beflügelt, die Liebe zu allen Heiligen. »Sie haben gehört von der Liebe zu allen Heiligen.« Im Griechischen ist es noch mal verstärkt: Da kommt noch mal hinterher – »die ihr habt«, diese Liebe habt ihr – ist noch mal extra das Verb hinten dran, was nicht nötig wäre. Ihr habt diese Liebe zu allen Heiligen. Ihr habt diese Liebe nicht nur zu den Gleichgesinnten, nicht nur zu denen, die das gleiche Hobby haben, nicht nur zu den Freunden, sondern ohne Ausnahme zu allen Heiligen.

Ein wahres Kind Gottes wird seine Geschwister lieben. Wir lieben, weil wir geliebt wurden, und weil wir Gottes Gebot gehorchen, der sagte in Johannes 13: »Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander lieben sollt, damit – wie ich euch geliebt habe – auch ihr einander liebt.« Der lebendige Glaube bleibt nicht allein, sondern das Werk der Rettung wird zu Liebe der Heiligen führen. Das, was Johannes zeigt in 1. Johannes 3: »Wer seinen Bruder nicht liebt, der ist nicht aus Gott«, sagt er. Die Botschaft ist uralt: Wir sollen einander lieben. Das ist, was Paulus so erfreut, wofür er so dankbar ist – dass sie Liebe zu allen Heiligen haben.

Das heißt natürlich nicht, dass es keine Freundeskreise gibt, mit denen du mehr zu tun hast. Aber auch keine Cliquen, die sich abgrenzen. Liebe zu allen Heiligen heißt nicht, dass du bei jedem, den du siehst, die gleichen emotionalen Freudensschwünge in deinem Herzen hast. Liebe ist eben nicht nur dieses Emotionelle, sondern ist die Entscheidung. Es ist viel mehr als das Gefühl. Diese Liebe, die Christus uns gegenüber hatte, war in seiner Menschwerdung, war in seinem Dienen, war in seinem Höhepunkt der Fußwaschung deutlich. Das ist die Liebe, von der Paulus spricht, die sie zu allen Heiligen haben – eine aufopfernde Hingabe, wo wir Not sehen. Und das Bild der Liebe ist die Fußwaschung, und natürlich ultimativ das Kreuz selbst.

Denken wir diese Liebe einmal kurz durch. Wenn Paulus von der Liebe zu allen Heiligen spricht, dann sind es natürlich die Gläubigen in der Ortsgemeinde. Aber es ist auch darüber hinaus: Es sind alle Gläubigen in allen Gemeinden. Wir sehen im Kolosserbrief in Kapitel 4, dass sie den Brief nach Laodizea weitergeben sollen. Auch die sollten Gemeinschaft haben miteinander. Und in Hierapolis ist noch eine Gemeinde. Und wahrscheinlich wissen die Kolosser auch von den Gläubigen in Rom und von denen in Ephesus. Und sie hegen eine Liebe zu allen Heiligen.

Liebe Geschwister, auch wir wollen als Gemeinde und als einzelne bekannt dafür sein, dass wir Liebe untereinander haben und dass wir Liebe über die Gemeinde hinaus haben, andere Gemeinden wertschätzen, uns freuen für sie, danken, sie lieben. Deshalb bestellen wir Grüße aus anderen Gemeinden, deshalb beten wir für andere Gemeinden, für Missionswerke, für Bibelschulen – und nicht nur als Lippenbekenntnis, sondern aufrichtig, weil Gott sein Werk tut in Gnade, in Glauben, in Liebe und in Hoffnung, auch in anderen Menschen und in vielen Teilen der Welt.

Kennt ihr den Einwand? »Ich habe zu danken« – die Gemeinde in Kolosse wäre eigentlich Paulus sehr dankbar. Aber Paulus wendet hier ein: »Ich habe zu danken, nicht euch, sondern Gott. Ich habe zu danken, was Gott wirkt.« Diesen Einwand sollten wir immer haben können: »Ich habe zu danken, was Gott wirkt – für den Glauben an Christus, den ich sehen darf, für die Liebe zu den Heiligen, die sie haben, weil ihr eine so starke Hoffnung habt.«

Warum der Glaube an Christus, warum die Liebe zu den Heiligen? Wir sehen den letzten Aspekt für heute in Vers 5: »Um der Hoffnung willen, die euch aufbewahrt ist im Himmel.« Wir haben die ganzen letzten Minuten schon darüber gesprochen, dass alles in dieser Hoffnung gipfelt. Um der Hoffnung willen – diese Hoffnung bezieht sich auf den Glauben und die Liebe, weil die Hoffnung Glaube und Liebe stärkt.

Vielleicht sagst du: »Glaube, Liebe, Hoffnung – ja, habe ich oft im Neuen Testament gelesen. Mein Glaube ist schwach, meine Liebe erkaltet.« Wenn du diesen Text jetzt anschaust: Wo musst du beginnen? Wenn Glaube und Liebe abnehmen, woran liegt es? Woran liegt es, dass Glaube und Liebe bei den Kolossern stark sind? Vers 5: »Um der Hoffnung willen, die euch aufbewahrt ist.« Wenn ein Glaube durch tiefe Täler geht, wenn deine Liebe erkaltet, dann hast du die Hoffnung vergessen, die du hast.

Ist es nicht wundervoll zu wissen, wo wir ansetzen sollen, wenn es mal schwieriger wird? An der Hoffnung. Die Hoffnung muss wieder vor Augen geführt werden, denn die Hoffnung stärkt Glauben und Lieben.

Es ist die Hoffnung, die dich zum Glauben gebracht hat. Irgendwann kam es an dem Punkt, dass jemand dir erklärt hat – er musste dir eine schlechte Botschaft bringen –, dass nämlich Gott dein Schöpfer ist und dass du in deiner Sünde gegen Gott rebellierst und dass die Strafe von deiner Rebellion gegen Gott die ewige Verdammnis ist. Wenn du das damals verstanden hast, dann warst du hoffnungslos verloren. Als du dann verstanden hast, dass Gott seinen Sohn Jesus Christus auf die Welt sandte und er die einzige Öffnung ist, um mit Gott versöhnt zu werden, hat diese Hoffnung auf Gott, auf seine Zusage, auf das Werk Christi, den Glauben gewirkt, der dich rettet. Es beginnt mit der Hoffnung, die du hast – aus der Hoffnungslosigkeit, dass Glaube gestärkt wird und Liebe entfacht wird.

Wenn du Herausforderung hast zu danken für Glauben, stärke deine Hoffnung. Wenn deine Liebe erkaltet, stärke deine Hoffnung. Welche Hoffnung nun? Die blanke, nackte Wahrheit, was du wärst ohne Christus, und die herrlich wundervolle Wahrheit, wie er dich adoptiert hat, zu seinem Kind gemacht hat. Das ist die Hoffnung, die Paulus hier anspricht als Grundlage. Vers 5: »Um der Hoffnung willen, die euch aufbewahrt ist im Himmel.« Denn diese Hoffnung ist dann das ewige Leben, das ist uns aufbewahrt im Himmel. Die Freiheit von Sünde, die ist uns aufbewahrt im Himmel.

Schluss: Das Gebetsleben neu befeuern

Und so werden wir unser Gebetsleben und unseren Dank neu befeuern. Wir werden wissen, wofür wir danken können: für die Gnade in den Gläubigen, für den Glauben an Christus, für die Liebe zu Heiligen, für die Hoffnung auf das Erbe in Ewigkeit. Und wenn wir beginnen, unser Gebetsleben mit Dank zu füllen, und dann anderen noch sagen, dass wir Gott dankbar sind für sie, dann erreichen wir das, was Paulus hier erreichen wollte: Ermutigung der Geschwister, Ansporn der Geschwister.

Und es ist so ähnlich wie das, womit wir heute früh begonnen haben: Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden.

Unser Gebetsleben ist so oft in der Spirale des Bauchnabels gefangen. Plane sie zu durchbrechen. Notiere dir die großen, den Weitblick-Dankesanliegen. Fang an, dich zu freuen darüber, was Gott in der Mission tut. Fang an, dich zu freuen darüber, wie unterschiedliche Kulturen in der Gemeinde zusammenkommen. Das ist der Weitblick. Was ist die kurze Sicht? »Wie kann der nur, das ist so anders, niemand würde das so machen, es ist einfach eine andere Kultur.« Im Weitblick kannst du danken für deine Geschwister, auch wenn Dinge anders gemacht werden. Und das ist die Priorität, die uns so viel Freude bringt.

Und so haben wir gelernt heute Morgen, dass wir selbst danken für Geschwister, dass unsere Hoffnung auf den Himmel gerichtet sein muss – so wird Glaube und Liebe befeuert –, und dann können wir auch dafür danken, wenn wir das große Bild sehen. Einen Bruder über fünf Jahre lang kennen und sagen können: »Er ist im Glauben gewachsen« – vielleicht nicht die letzten fünf Wochen, weil da war es schwierig mit ihm. Aber du kannst danken, wenn du den Weitblick annimmst und Gottes Perspektive siehst.

Wir wollen gemeinsam still werden. Ihr dürft aufstehen zum Gebet, und ich bete mit uns.

Himmlischer Vater, wir haben so viel zu lernen. Nicht nur die Jünger mussten lernen, richtig zu denken und auch richtig zu beten – auch wir müssen lernen und erinnert werden. Herr, du bist ein Gott, der uns in den Kleinigkeiten des Alltags sieht und sie beantwortet. Aber viel zu oft drehen sich unsere Gedanken und Gebete nur um das Hier und Jetzt, über das Gestern und das Morgen und Übermorgen. Wir wollen dich bitten, dass gerade auch im Blick auf Menschen um uns herum, die Geschwister um uns herum, die Gläubigen um uns herum, in unserer Gemeinde, in den Nachbargemeinden, in dem, was du weltweit tust, dass wir eine Dankbarkeit aufbauen, dass wir einen Blick schulen für die Gnade, die wirksam wird, für deinen Vorsatz, auch sie zu wählen für das ewige Heil, für die Liebe, die sie haben zu den Heiligen, für den Glauben an Christus, der standhält. Wir beten darum, Herr, dass wir einander so ermutigen dürfen, wie Paulus hier die Kolosser ermutigt, indem er dann von dieser seiner Gewohnheit schreibt, und Geschwistern weiter sagen können: »Wir danken Gott, wann immer wir für euch beten.« Wie ermutigend, wie belebend und wie schön, dass wir gemeinsam unterwegs sind in die Ewigkeit zu dir hin. Segne du und lass du diese Botschaft eine Erinnerung und eine Ermutigung sein, nicht zu vergessen zu danken. In Jesu Namen, Herr. Amen.


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