17. Oktober 2021

Berauscht euch an der Liebe – Sexualität in der Ehe als Geschenk Gottes (2)

Von verliebt bis verheiratet – der biblische Weg zur ehelichen Liebe: Keuschheit, Verlobung, Vollzug der Ehe

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Wir haben im ersten Teil gesehen, dass Gott auf sensible Art mit poetischer Sprache und Bildsprache über ein sensibles Thema redet, nämlich die romantische Liebe zwischen einem Mann und einer Frau innerhalb des Bundes. Es soll uns nicht wundern, dass Salomo sich einer Sprache bedient, die man als königliche Sprache beschreiben könnte. Es wird sehr viel Erhabenheit verwendet. Wenn wir über Liebe reden würden, würden wir Bilder aus Firmen und Schnecken nehmen, oder auch aus Pfirsichen, Salz, Öl und ähnlichen Dingen, die ein bisschen passend dazu sind – und das ist genau das, was die Versammlung tut.

Wir wollen uns jetzt mit dem Hohelied Salomos beschäftigen. Das Hohelied schildert in der Form eines Liedes die Gefühle eines verliebten Paares vor, während und nach dem Vollzug der Ehe. Hier wird das Wunder der romantischen Liebe auf sensible und taktvolle Weise gefeiert. Aber wir werden in diesem Lied auch klar und deutlich gewarnt: Die Liebe ist eine Kraft, die mit einem Feuer verglichen wird. Wenn wir falsch mit der Liebe umgehen, können wir uns und anderen Menschen verletzen. Das Feuer der Liebe soll nicht außer Kontrolle geraten, sondern innerhalb des Planes Gottes genossen werden.

So kommen wir zum ersten Teil, nämlich: verliebt sein. Ich nehme ein bisschen mehr Zeit dafür, denn es ist so wichtig – besonders für die, die noch single sind. Diese Phase des Verliebtseins hat ihre Höhen und ihre Tiefen, und das wollen wir gleich betrachten.

Ich habe vorhin erklärt, dass wir den Hochzeitsmarsch in Hohelied 3,6–11 sehen – das ist ziemlich mittig in diesem Lied. Alles, was davor ist, hat mit der Beziehung vor der Eheschließung zu tun. Dann haben wir in Kapitel 4,1 bis 5,1 den Vollzug der Ehe, die erste Hochzeitsnacht. Ab Kapitel 5,2 erfährt die Ehe Reife, und dann wird am Ende über die Kraft der Liebe gesprochen. So beginnen wir jetzt mit Kapitel 1 und lesen gemeinsam Kapitel 1,2 bis Kapitel 2,7.

Das Lied der Lieder von Salomo – Kapitel 1,2 bis 2,7

Er küsse mich mit Küssen seines Mundes, denn deine Liebe ist köstlicher als Wein. An Duft gar köstlich sind deine Salben, ausgegossenes Salböl ist dein Name, darum lieben dich die Mädchen. Zieh mich dir nach, lass uns eilen! Der König möge mich in seine Gemächer führen. Wir wollen jubeln und uns freuen an dir, wollen deine Liebe preisen mehr als Wein. Mit Recht liebt man dich.

Schwarz bin ich und doch anmutig, ihr Töchter Jerusalems, wie die Zelte Kedars, wie die Teppiche Salomos. Seht mich nicht an, weil ich schwärzlich bin, weil die Sonne mich gebräunt hat. Die Söhne meiner Mutter erzürnten sich gegen mich, sie setzten mich als Hüterin der Weinberge ein; meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet.

Erzähle mir, du, den meine Seele liebt, wo du weidest, wo du lagern lässt am Mittag. Wozu sollte ich wie eine Verschleierte sein bei den Herden deiner Gefährten?

Wenn du es nicht weißt, du Schönste unter den Frauen, so geh hinaus auf den Spuren der Herde nach und weide deine Zicklein bei den Wohnstätten der Hirten.

Einem Stück einer Stute an den Prunkwagen des Pharao vergleiche ich meine Freundin. Anmutig sind deine Wangen zwischen den Schmuckkästchen, dein Hals mit der Muschelkette. Goldene Schmuckkästchen wollen wir dir machen mit Perlen aus Silber.

Während der König bei seiner Tafelrunde weilt, gibt meine Narde ihren Duft. Ein Beutelchen Myrrhe ist mir mein Geliebter, das zwischen meinen Brüsten ruht. Eine Blütentraube von Henna-Sträuchern ist mir mein Geliebter aus den Weinbergen von En-Gedi.

Siehe, du bist schön, meine Freundin, siehe, du bist schön, deine Augen sind Tauben. Siehe, auch du bist schön, mein Geliebter, und hold. Unser Lager ist frisches Grün, die Balken unseres Hauses sind Zedern, unsere Dachsparren sind Wacholder.

Man kann kurz anhalten: Es ist klar, dass man, wenn man das so durchliest, nicht auf Anhieb alles versteht, was da gesagt wird. Aber was versteht man ziemlich deutlich, besonders in den letzten drei Versen?

»Du bist schön, meine Freundin« – Augen nur füreinander

»Du bist schön, meine Freundin« – dann sagt sie über ihn: »Auch du bist schön, mein Geliebter.« Und dann sprechen sie von ihrem Lager, frischem Grün, und die Balken ihres Hauses sind Zedern, die Dachsparren Wacholder. Was beschreibt das Buch damit? Wo befinden sie sich? Sie liegen auf den grünen Wiesen und schauen hoch durch die Äste von Bäumen. Das ist einfach eine Bildsprache dafür, dass sie gemeinsam in der Natur unterwegs sind. Da ist eine Zweisamkeit – sie lernen sich kennen, sie legen sich mit dem Rücken auf den Rasen und blicken durch die Äste der Bäume.

In unserer Gegend gibt es ein paar Teiche und da sind ein paar Sitzbänke. Ich weiß noch, als unser Diakon in unserer Gemeinde sich verliebt hatte in eine Frau, die er auch geheiratet hat – ich bin joggen gegangen da lang und habe sie erwischt, wie sie am Tisch saßen, Händchen hielten und miteinander redeten. Also: Die Natur zieht die Leute, die verliebt sind, nach draußen. Da können sie alleine sein, da können sie reden, da können sie sich näher kennenlernen. Und das ist das, was hier wunderbar geschrieben wird.

In den Versen 1 bis 3 sieht man, dass sie nur Augen füreinander haben. Woran erkennen wir das? Ich lese sie kurz vor: »Ich bin eine Narzisse von Scharon, eine Lilie der Täler.« Und jetzt muss das Wort nochmal vorkommen: »Wie eine Lilie unter Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern.« Sie sagte: »Ich bin wie eine schöne Blume unter vielen schönen Blumen.« Da sagt er: »Hey, du bist wie eine schöne Blume unter Dornen!« Also: Du stichst so hervor unter allen Töchtern. Du bist die Schönste. Es ist nicht eine Blume unter vielen – sie ist eine Blume unter Dornen. Der hat nur Augen für sie; alle anderen Frauen kommen für ihn nicht in Frage. Nur die eine.

Und sie sagt genau dasselbe über ihn in Vers 3: »Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Geliebter unter den Söhnen.« Ein Apfelbaum – gerade jetzt gibt es Äpfel in unserem Garten, wir haben einen Macintosh-Apfelbaum, und der ist wie ein Weihnachtsbaum, da sind Kugeln überall, rote Kugeln. Der Baum sieht lecker aus, und die schmecken auch lecker. Und sie sagte: Das ist, als ob du im Wald bist und da sind Nadelbäume überall – man kann nichts davon essen, man kann höchstens ein Haus daraus bauen. Aber wenn man einen Apfelbaum sieht, denkt man: »Ich würde gerne einen Apfel nehmen und schmecken, ob er gut ist.« Und sie redet von ihm so. Sie sagte: »Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Geliebter unter den Söhnen.«

Das heißt, sie schenken sich gegenseitig Komplimente. Sie sagen: »Du bist schön.« Er sagt: »Du bist schön.« Sie sagt: »Ich bin nur wie eine Blume unter vielen.« Er sagt: »Nein, nein, du bist wie eine Blume unter Dornen.« Und sie sagt: »Du bist wie ein Apfelbaum unter Nutzholz.« So verliebt sind sie ineinander.

Wir wissen aber, dass das nicht nur eine physische Attraktion ist. Obwohl hier viel vom Äußerlichen geredet wird – von Zähnen, dass sie alle da sind und keiner fehlt, was ein bisschen seltsam klingen mag –, wird das Äußerliche sehr stark betont. Aber gleich in Vers 4 sehen wir etwas sehr Wichtiges.

»Er hat mich ins Weinhaus hineingeführt« – Edle Absichten

Es steht hier: »Er hat mich ins Weinhaus hineingeführt, und sein Zeichen – sein Feldzeichen – über mir ist Liebe.« Das ist, wie ein Schild, und in diesem Fall bedeutet es: Seine Absicht mit mir – das heißt, was er auf einem Schild geschrieben hat, sein Zeichen über mir – ist nicht das hebräische Wort für Liebe, das in Kapitel 1,2 verwendet wird. Hier ist das Wort Ahavah, und das ist diese erhabene Liebe – in der Septuaginta wird dieses Wort meistens mit Agape übersetzt. So geht es hier um eine Liebe, die nicht rein physisch ist. Das heißt, seine Absichten mit ihr sind nicht das, was man auf Englisch einen »one night stand« nennt – er will sie nicht nur als Lustobjekt nutzen und dann irgendwann von sich stoßen. Hier geht es um eine Beziehung, die von Dauer sein soll. Seine Absicht mit ihr ist es, ein Leben lang miteinander zu verbringen.

Man sieht hier, dass er edle Absichten hat. Früher war es üblich, dass wenn ein Mann sich für die Tochter eines anderen Mannes interessierte, der Vater ihn eingeladen hat. Meistens hat er seine Schrotflinte rausgeholt und angefangen, sie zu ölen, während der junge Mann dasaß und zitterte. Und dann hat er gesagt: »Junger Mann, was sind deine Absichten?« – Er wollte ihm klarmachen: »Komm mir nicht in die Quere. Wenn du das Herz meiner Tochter brichst…« Er hat ihm einfach klargemacht, dass er reine und gottesfürchtige Absichten haben muss. Und hier in diesem Lied sehen wir: Der Mann hat edle Absichten mit ihr. Sein Feldzeichen, was über ihr steht, ist Ahavah – reinste Liebe. Er meint es gut mit ihr.

Auch in Kapitel 1,3 steht: »Ausgegossenes Salböl ist dein Name.« Hiermit sagt die Braut, dass ihr Geliebter ein wohl angenehmes Wesen hat.

Die Höhen des Verliebtseins

Wenn wir die Höhen des Verliebtseins betrachten, ist da zunächst die Feststellung, dass die Liebe gegenseitig ist, und die Aufregung, jemanden gefunden zu haben, bei dem es passen könnte. »Das könnte die richtige Person sein!« Und dann wird es klar: »Für mich gibt es keinen anderen. Du bist der Richtige.«

Was ich ebenfalls betonen möchte: Man sieht hier, dass die Frau eine gewisse Vorfreude hat. »Er küsse mich mit Küssen seines Mundes, denn deine Liebe ist köstlicher als Wein.« Das heißt, sie sehnt sich nach dem Vollzug der Ehe. Sie sehnt sich nach dieser Zeit, wo sie in seinen Armen liegt und von ihm geküsst wird. Und dass sie diese Liebe freien Lauf lassen können.

Ich erinnere mich dabei an Jakob. Ich lese kurz aus 1. Mose: »Und Jakob liebte Rahel, so sagte er: Ich will dir sieben Jahre für deine jüngere Tochter Rahel dienen. Da sagte Laban: Es ist besser, ich gebe sie dir, als dass ich sie einem anderen Mann gebe; bleibe bei mir. Und so diente Jakob für Rahel sieben Jahre, und sie waren in seinen Augen wie einige wenige Tage, weil er sie liebte.« So sieht man diese Sehnsucht auch hier bei der Frau und dem Mann: eines Tages eins zu werden, zusammen zu sein. Die Liebe blüht auf – und das ist eine der Höhen dieser Phase des Verliebtseins.

Es gibt aber in dieser Phase nicht allein Aufregung und Vorfreude, sondern auch Freundschaft und Gemeinschaft. Das sehen wir hier auch mit der Aussage: »Ausgegossenes Salböl ist dein Name.« Hiermit sagt die Braut, dass ihr Geliebter ein wohl angenehmes Wesen hat. In einem Kommentar, der das Alte Testament erklärt und auslegt, wird betont, dass im alten Orient der Name eines Menschen in Verbindung mit seinem Charakter oder Wesen stand. Wenn sie sagte: »Ausgegossenes Öl ist dein Name«, meinte sie: »Du hast ein angenehmes Wesen. Dein Wesen ist genauso angenehm wie diese wohlriechende Salbe.« Damit meint sie den Charakter, sein Auftreten ist ihr so angenehm.

In Kapitel 1,9 bis 2,4 nennt er seine Geliebte neunmal »meine Freundin« – so in der revidierten Fassung. Er nimmt sie das als einen seiner Kosenamen: »Du bist meine Freundin.« Er nennt sie auch seine Schwester und seine Freundin. Das sind nicht unbedingt die Worte, die du verwendest, wenn du nur eine physische Attraktion hast. Das sind Worte, die du verwendest, wenn du eine seelische Verbindung hast – wenn diese Person dir wirklich am Herzen liegt und du nicht nur den Körper liebst.

Und so sehen wir: Auch wenn der Körper und das Aussehen gegenseitig bewundert werden in der Beziehung, wird auch das Wesen, der Charakter der Person betont. Sie haben sich verliebt in eine Person, nicht in einen Körper.

In Kapitel 2,3 lesen wir: »In seinem Schatten zu sitzen gelüstet mich, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß.« Das heißt, sie genießt seine Freundschaft, sie genießt es, Zeit mit ihm zu verbringen. Und das ist vor der Eheschließung. In Kapitel 4 ist sie ein versiegelter Garten, eine verschlossene Quelle – das heißt, sie ist Jungfrau. In dieser Phase des Kennenlernens genießen sie noch nicht die körperliche Intimität. Jetzt ist es ein Kennenlernen, und sie genießen die Freundschaft, die Gemeinschaft.

Wir haben einen jungen Mann in unserer Gemeinde, der eine Frau geheiratet hat. Die sagte: »Für mich war das eine logische Entscheidung, denn sie war meine beste Freundin.« Ihre Art, ihr Wesen hatte ihn gezogen – nicht nur das Äußerliche. Und in Kapitel 2,4 lesen wir, wie vorhin betont: »Sein Zeichen über mir ist Liebe.« Als wir verlobt waren, haben wir öfters zusammen gebetet, und sie hat einmal gesagt: »Hey, ich liebe deine Gebete.« Als ich gebetet hatte, hat es sie beeindruckt. Sie sagte: »Es tut mir gut, gemeinsam mit dir zu beten. Ich liebe deine Gebete.« Meine geistliche Führung war ihr angenehm. Und das wird genauso stark, wenn nicht sogar noch stärker betont im Hohelied – nicht nur das Äußerliche.

Gegenseitige Bewunderung

Ein dritter Höhepunkt dieser Phase des Verliebtseins ist die gegenseitige Bewunderung. Wie schön ist es, wenn das Verliebtsein gegenseitig ist! Wie schmerzhaft, wenn es das nicht ist. Als ich die Bibel kennenlernte, gab es ein paar Situationen, wo ich mich in Frauen verliebt hatte und es nicht gegenseitig war. Das war nicht schön – für sie war es nicht schön, und für mich auch nicht. Es ist so unangenehm zu hören: »Ich sehe dich nur als Bruder.« Das tut weh. Man kann auch so eifersüchtig sein in dieser Zeit.

Aber es ist so schön, wenn es gegenseitig ist, wenn die Bewunderung gegenseitig ist. Und es ist ein Wunder Gottes, wenn ein Mann und eine Frau nur Augen füreinander haben, wenn es für sie keinen anderen geben kann. Das ist eine Gnade Gottes, das ist das Wirken Gottes, das ist eine Gebetserhörung von Gott.

Die Tiefen des Verliebtseins

Es gibt natürlich aber auch die Tiefen des Verliebtseins. Wir lesen in Kapitel 2,5: »Stärkt mich mit Traubenkuchen, erquickt mich mit Äpfeln, denn ich bin krank vor Liebe.« Man hat zunächst den Schmerz der Ungewissheit.

Wir sehen in Kapitel 3,1–5 so etwas wie einen Albtraum kurz vor der Hochzeit. Als ob sie am Abend vor der Hochzeit zurückliegt und sich an diese Phase des Verliebtseins erinnert, wo sie sich kennengelernt haben, wo sie sich verlobt haben. Und dann kommt die Angst: »Etwas wird dazwischen kommen.« Sie suchte ihren Geliebten im Traum, findet ihn nicht, hat Panik – und dann wird sie wach, und die Hochzeit fand jedoch statt. Ich weiß noch, als ich in der Bibelschule war, habe ich gebetet: »Herr, lass die Entrückung nicht kommen, bevor ich verheiratet werde!« Als ob die Ehe besser wäre als beim Herrn zu sein – aber wenn du jung bist, denkst du so. Man hat diese Ängste und diese Ungewissheit.

Kennt ihr das? Wenn Leute verliebt sind und noch nicht wissen, ob es ganz gegenseitig ist oder ob es klappen wird – sie nehmen eine Blume und zupfen: »Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, er liebt mich nicht…« Und egal wie es ausgeht, es kommt immer so raus, wie sie es wollen, weil sie nur noch ein Blatt übrig lassen. Wenn das letzte Blatt bei »er liebt mich nicht« wäre, wird es einfach zerrissen. Aber das ist schon schmerzhaft, diese Ungewissheit.

Sie sagte: »Schwarz bin ich, aber anmutig.« Und sie sagte: »Meine Brüder haben mich gezwungen, den Weinberg anderer zu hüten, und ich durfte nicht auf meinen eigenen Weinberg achten.« Damit meint sie ihren Körper. Das wäre heute dasselbe wie wenn jemand sagt: »Ich habe so Sommersprossen auf meiner Nase – kann er mich trotzdem lieben?« Und die Antwort ist: Ja! Wenn er der Richtige ist, wird er die Sommersprossen ganz toll finden.

Zweitens haben wir den Schmerz des Wartens – das Verlangen, den inneren Gefühlen freien Lauf zu lassen und die Ekstase der physischen Liebe jetzt zu genießen. Schmerzhaft, eben weil man warten muss. Diese Gefühle zu zügeln ist schmerzhaft. Es ist, als ob du auf einem schnellen Hengst reitest und du am liebsten in die Rippen treten und ihn losrennen lassen würdest. Aber du musst ihn einzügeln. Du bist schon verliebt, vielleicht sogar verlobt, und musst trotzdem warten bis zur Hochzeit.

Manchmal sind es die Eltern, die sagen: »Nein, erst musst du einen Job haben, ein Auto haben, ein Haus haben, und dann kannst du meine Tochter haben.« Und diese Dinge alle auf die Reihe zu kriegen – fertig studiert haben und dann heiraten –, das dauert lang. Öfters schaffen sie das nicht und fallen in die Sünde, weil das auch unbiblische Erwartungen von vielen Eltern sind. Meine Großeltern hätten in Russland nicht geheiratet, wenn sie erst alles auf die Reihe hätten bringen müssen. Mein Urgroßvater hatte elf Kinder, das zwölfte Kind wurde hier in Deutschland geboren. Er wusste nicht, woher er Essen holen sollte für alle seine Kinder. Das war sehr ungewiss damals. Aber sie haben Gott vertraut und trotzdem geheiratet. Nur nebenbei erwähnt – aber diese Zeit, wo man warten muss, ist schmerzhaft.

Warum muss man warten?

An dieser Stelle möchte ich eine wichtige Frage stellen: Warum muss man warten, wenn man schon verliebt ist und verlobt ist und denkt: »Wir werden sowieso heiraten – warum nicht jetzt schon die körperliche Verbindung genießen?« Zuerst: Gott verbietet das. Und die Frage ist: Warum verbietet Gott das?

Ich kann euch ein paar gute Gründe nennen.

Erstens: Weil die Zeit gewisse Dinge offenbart, die man wegen seiner Gefühle noch nicht sehen kann. Man sagt nicht umsonst: »Die Liebe macht blind.« In dieser Zeit des Kennenlernens, bevor man sein Herz dem anderen gibt, soll man warten und die Person in der Nähe kennenlernen. Ich mache Seelsorge mit Christen, die schon Bibelschulen abgeschlossen haben, und du glaubst nicht, was da in manchen Ehen vor sich geht – wie uneinig sie sind, und wie sie die Person bereuen, die sie geheiratet haben. Sie fühlen sich gefangen in der Ehe. Und sie sind einfach zu schnell hingelaufen und haben geheiratet, ohne diese Kennenlernphase, ohne sich gegenseitig das Herz zu schenken. Und jetzt fühlen sie sich gefangen. Vielleicht war es nicht der Wille Gottes, dass sie geheiratet haben, aber jetzt ist es sein Wille, und jetzt müssen sie klarkommen. Und sie müssen lernen, einander zu lieben und richtig miteinander umzugehen, weil sie das vorher nicht gelernt haben.

Zweitens: Gott will, dass wir warten, weil die Fähigkeit, unsere Gefühle unter Kontrolle zu haben, auch später notwendig ist, um Treue in der Ehe zu bewahren. Wir wohnen in einem sündigen Leib, der gegen den Geist Gottes begehrt. Die meisten Männer, die ich kenne – bis jetzt habe ich keinen einzigen Mann kennengelernt wo das nicht so ist –, müssen wie Hiob Scheuklappen auf die Augen setzen. Egal wie schön seine Frau ist, egal wie oft sie sich gegenseitig beschenken – es gibt immer mehr, was das Fleisch haben will. Je mehr das Fleisch hat, desto mehr will es haben. Wenn du nicht aufpasst, fallen selbst Pastoren in die Sünde. Ehebruch kann auch in der Zukunft passieren. Du musst lernen, jetzt schon dein Begehren und deine Lust unter Kontrolle zu haben.

Drittens: Weil eine Familie zu gründen mehr als nur Liebe fordert. Es fordert Reife und gewisse Fähigkeiten, um für die Familie sorgen zu können. Denn Paulus schrieb in 1. Timotheus 5,8: »Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger.« Manche Menschen müssen warten, weil die Reife noch nicht vorhanden ist.

Viertens: Weil Gott es nicht will, dass wir die Früchte des Bundes genießen, ohne die Verpflichtung des Bundes bereits eingegangen zu sein. Und das geschieht bei der Hochzeit, wenn man vor Ort einen Eid ablegt, in einer heiligen Versammlung. Gott will, dass wir zuerst diese Verpflichtung eingehen, bevor wir die Früchte des Bundes genießen.

»Weckt die Liebe nicht auf, bevor es ihr selbst gefällt«

In Kapitel 2 ab Vers 7 sehen wir diese Aussage: »Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, bei den Rehen oder bei den Hirschen des Feldes: weckt nicht auf und erweckt nicht die Liebe, bevor es ihr selbst gefällt.« So schmerzhaft dieses Warten ist – ich beschwöre euch.

Ich habe meinen Kindern auch gesagt, besonders meinen Töchtern: »Es kommt gar nicht in Frage, dass du mit irgendjemand ausgehst oder in einer Beziehung bist – ich gebe meinen Segen dazu nicht, bis du ein gewisses Alter hast. Du darfst nicht daten, bis du reif genug dafür bist.« Ich sagte also: »Bevor du 18 bist, kannst du es vergessen – ich gebe meinen Segen dazu nicht.« Und das habe ich angefangen zu sagen, als sie schon fünf, sechs, sieben Jahre alt waren, damit sie sich daran gewöhnen konnten. Das ist ähnlich wie bei Elefanten: Wenn sie ganz klein sind, haben sie nicht die Kraft. Man haut einen Pfosten in die Erde und bindet sie daran. Wenn sie klein sind, ziehen und ziehen sie, aber schaffen es nicht. Wenn sie groß geworden sind, versuchen sie es nicht mehr, weil sie denken: »Das schaffe ich sowieso nicht.« Mit der Größe könnten sie es schaffen – aber sie denken nicht daran. Also muss man das den Kindern ganz jung eintrichtern.

Das Kennenlernen in der Natur – Kapitel 2,8–11

Hier ab Vers 8 sehen wir diese Phase, wo sie sich näher kennenlernen. Der Mann lädt sie ein, einen Ausflug mit ihm zu machen, einfach in die Natur zu gehen. Und er sagt: »Es blüht alles, es ist Frühjahr, der Winter ist vorbei!« Das sehen wir in Vers 11: »Denn siehe, der Winter ist vorbei, die Regenzeit ist vorüber, ist vergangen. Die Blumen zeigen sich im Lande, die Zeit des Singens ist gekommen, und die Stimme der Turteltaube lässt sich hören in unserem Land. Der Feigenbaum rötet seine Feigen, und die Reben, die in Blüte stehen, geben Duft. Mach dich auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm! Eine Taube in den Schlupfwinkeln der Felsen, im Versteck an den Felsstufen – lass mich deine Gestalt sehen, lass mich deine Stimme hören, denn deine Stimme ist süß und deine Gestalt anmutig.«

Dann kommen zwei Verse, die ich besonders hervorheben möchte. Vers 16 sagt uns die Grundeinstellung zur Verlobung: »Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein.« Das heißt, sie geben sich gegenseitig ihr Herz bereits bei der Verlobung – nicht erst bei der Hochzeit.

Und kurz zu Vers 15 möchte ich eingehen: »Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben, denn unsere Weinberge stehen in Blüte.«

Die kleinen Füchse – Keuschheit bewahren

In diesem Zusammenhang ist Vers 15 ein Ausdruck der Keuschheit. Wenn ein Pärchen spazieren geht und das Umfeld so verlockend ist, wie es da beschrieben wurde, brauchen sie eine Notbremse, damit sie vor der Ehe nicht eins im Fleisch werden. Kleine Füchse sind verspielt und kennen keine Grenzen. Wenn du Welpen hast und nicht aufpasst, ist ein Schuh kaputt, ist eine Sockelleiste kaputt. Diese Verspielten, Sorglosen machen alles kaputt. Und die kleinen Füchse, wenn sie toben in einem Weinberg, machen die Reben kaputt – sie verderben die Weinberge, weil sie einfach so verspielt sind.

Was meinen sie mit »unseren Weinbergen«? In Kapitel 1,6 hat sie von ihrem Körper gesprochen: »Meine Mutter Söhne erzürnten sich gegen mich, sie setzten mich als Hüterin der Weinberge ein; meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet.« Deswegen ist sie braun geworden. Sie spricht von ihrem Körper als ihrem Weinberg. Und hier steht: »Unsere Körper stehen voll in Blüte« – nicht nur die Natur blüht, sondern sie sind in diese Lebensphase gekommen, wo der Körper sich nach dieser romantischen Beziehung sehnt. Ihre Weinberge stehen voll in Blüte. Aber die kleinen Füchse könnten es verderben. So geht es hier um eine Bitte um Hilfe, rein zu bleiben.

Denkt daran: In der Vergangenheit gab es immer eine Anstandsperson. Die jungen Leute wurden nie allein gelassen – die waren immer in der Sichtweite von jemandem. Die waren schlauer damals. Sie wussten, wohin das führt, wenn ein junges Pärchen irgendwo in den Wald fährt und sich auf die Rückbank setzt – es ist logisch, was da passieren wird. Und die haben das einfach nicht so weit kommen lassen. Es gab immer eine Anstandsperson dabei. In der Antike waren das die Familienvertreter, die Brüder. Deswegen denke ich, haben die Brüder von Dina – die Tochter von Lea –, Levi und Simeon, die ganze Stadt umgebracht, weil sie ihre Schwester vergewaltigt hatten. Das war für sie eine persönliche Beleidigung, weil sie die Verantwortung für ihre Keuschheit, für ihre sexuelle Reinheit fühlten.

Und wir sehen auch in diesem Hohelied am Ende: Die Brüder sagen: »Du bist noch zu jung. Wenn du eine Tür bist, wollen wir sie mit einem Brett zunageln, damit kein Mann dazu kommt.« Und sie sagt: »In seinen Augen bin ich so weit.« In den Augen ihrer Brüder ist sie noch nicht so weit, aber in seinen Augen ist sie bereit.

So sehen wir hier: Keuschheit ist etwas Kostbares. Es soll bewahrt werden. Und ein kluges Pärchen sagt: »Wir brauchen Hilfe, und wir wollen diese Hilfe haben. Wir wollen uns nicht dieser Gefahr aussetzen, indem wir viel Zeit alleine miteinander verbringen – vor allem in der freien Natur. Das ist verlockend.« Man muss wissen: Das kann passieren. Und ich habe als Pastor so oft Gespräche mit Leuten geführt, die kamen und sagten: »Wir haben es nicht geschafft.« Du hast sie vorher ermahnt, aber sie dachten: »Irgendwie sind wir kugelsicher.« Und auch wenn es nicht zu dieser Tat kommt, werdet ihr trotzdem euer Gewissen verunreinigen. Und dann habt ihr eine dunkle Wolke über eurer Hochzeit.

»Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein« – Die Entscheidung der Verlobung

Vers 16: »Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein, der unter den Lilien weidet.« Diese Aussage offenbart, welche Entscheidung als Grundlage der Ehe steht. Sie haben sich dafür entschieden, sich gegenseitig das Herz zu schenken.

Dass dieses Thema wichtig ist, sehen wir an der Wiederholung. Ich habe vorhin gesagt: »Weckt die Liebe nicht auf, bevor es ihr selbst gefällt« – das kommt dreimal vor. Und diese Aussage kommt ebenfalls dreimal vor. Wir sehen sie hier zum ersten Mal in Kapitel 2,16. Wir sehen sie nochmal in Kapitel 6,3: »Ich gehöre meinem Geliebten, und mein Geliebter gehört mir, er, der unter den Lilien weidet.« Das ist Wort für Wort eine Wiederholung dieser Aussage bei der Verlobung. Das heißt: Verliebt sein und einander gehören – im Denken und im Handeln – das ist vor der Ehe, und auch nachdem man verheiratet ist, nachdem die Ehe vollzogen ist, nachdem man jahrelang miteinander verheiratet ist. Da ändert sich nichts daran. Meine Frau gehört mir, und ich gehöre ihr. Wir gehören einander. Wir sind ein Fleisch geworden. Die zwei sind ein Fleisch geworden – nicht nur im sexuellen Sinne, sondern in Gottes Augen. Wir sind eins. Wir haben eine neue Identität.

Was interessant ist: Das dritte Mal kommt diese Aussage, nachdem sie einen Liebesstreit hatten. Wieder gehen sie in die Natur, und wieder vergnügen sie sich gegenseitig. Und dann kommen wir zum Schlusswort des Liedes. In Kapitel 7,11 sagt sie: »Ich gehöre meinem Geliebten« – das ist der erste Teil. Aber der zweite Teil ist dieses Mal anders: »und nach mir ist sein Verlangen.«

»Nach mir ist sein Verlangen« – Gottes Design für die Ehe

Das Wort »Verlangen« kommt nur dreimal im hebräischen Alten Testament vor. Zweimal in 1. Mose – einmal beim Sündenfall in 1. Mose 3, und einmal in 1. Mose 4, wo es heißt: »Die Sünde lauert an der Tür, ihr Verlangen ist nach dir, aber du musst sie beherrschen.« Diese Parallelaussagen zu 1. Mose 3 und 4 sind bedeutsam. Einmal geht es um die Ehebeziehung – nach dem Sündenfall kommen negative Auswirkungen: Dornen und Disteln werden vorkommen. Gott hat den Erdboden verflucht. Im Schweiße des Angesichts sollst du dein Brot essen. Und die Frau wird das Verlangen haben, über den Mann zu herrschen.

Und dann hier in Hohelied 7,11 sagt die Frau damit: »Ich bin einverstanden mit dem Plan Gottes. Nicht mein Verlangen soll nach ihm sein im Sinne von Herrschaft, sondern sein Verlangen soll nach mir sein.« Sie dreht es genau andersherum, wie es in 1. Mose 3 und 4 negativ steht. Sie sagt es genau anders herum und erklärt: »Ich bin einverstanden mit dem Willen Gottes, dass die Frau sich unterordnen soll in der Ehe. Ich bin damit einverstanden.«

In Hohelied 7,11 – »Ich gehöre meinem Geliebten, und nach mir ist sein Verlangen« – drückt die Frau damit aus, dass sie mit Gottes Design für die Ehe einverstanden ist. Nämlich: Es gibt eine Hierarchie, genau wie in der Gottheit selbst. Gott Vater, Gott Sohn, Gott Geist – beide, Mann und Frau, geschaffen nach dem Bilde Gottes. Aber der Mann soll das Haupt sein, genau wie Christus das Haupt der Gemeinde ist.

Die Verlobung – eine ernsthafte Entscheidung

Vers 16: »Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein.« Diese Aussage offenbart, welche Entscheidung als Grundlage für die Ehe steht. Wir entscheiden uns füreinander. Und das findet schon bei der Verlobung statt.

Also: Ein Mann soll nicht seine Freundin heiraten, wenn er nicht die Überzeugung hat, wenn er nicht bereit ist, ihr sein Herz zu geben. Und eine Frau sollte niemals Ja sagen, wenn sie nicht bereit ist, ihrem Mann ihr Herz zu geben. Das sind zwei Fragen, die ich jungen Leuten sage: Bitte klärt das in eurem Verstand, bevor ihr Ja sagt zur Heirat.

Die erste Frage ist: Kann ich mir vorstellen, mit dieser Person eins zu werden? Kann ich mir vorstellen, dass wir gemeinsam alt werden?

Die zweite Frage ist: Will ich gemeinsam mit diesem Menschen Kinder bekommen und sie gemeinsam für Gott erziehen? Kann ich mir vorstellen, dass ich gemeinsam mit dieser Person an einem Strang ziehe in der Erziehung von Kindern?

Ich hatte einmal ein junges Pärchen vor mir, das heiraten wollte. Ich habe diese Fragen gestellt, und die Frau sagte: »Weißt du was – das kann ich mir nicht vorstellen.« Und die Beziehung wurde in dem Gespräch beendet. Weil sie sagte: »Das ist ein erschreckender Gedanke. Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass er ein guter Partner in der Erziehung wäre.« Und ich sagte: »Gut, dass das Verständnis jetzt gekommen ist.«

So ist es wichtig für uns zu verstehen: Die Verlobung ist keine Probezeit. Sie ist eine ernsthafte Entscheidung, wodurch der Mann und die Frau sich selbst sagen, dass sie nicht mehr auf der Suche sind. Auf Englisch würde ich sagen: »They take themselves off the market.« Du bist nicht mehr auf der Suche.

Ich kenne manche Männer, die nicht verheiratet sind – nicht weil Gott ihre Gebete nicht erhört –, sondern weil sie süchtig sind nach dieser Möglichkeit: »Vielleicht ist beim nächsten Hauskreis ist eine Frau da, oder vielleicht auf der nächsten Reise ist eine« Und sie haben sich daran gewöhnt, immer auf der Suche zu sein. »Vielleicht ist was Besseres da.« Die genießen dieses Gefühl: »Morgen könnte es passieren. Morgen könnte ich die richtige Frau finden.« Und sie können sich nicht einfach für eine gottesfürchtige und ansprechende Frau entscheiden.

Das ist wie in den USA, wenn ein Haus verkauft wird: Da steht ein Verkaufsschild im Garten vorne. Und wenn es verkauft wird, kommt ein roter Aufkleber dran – »Verkauft«. Das ist das, was dieses Pärchen getan hat, wenn sie in Vers 16 sagen: »Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein, der unter den Lilien weidet.« Ein paar Verse später findet die Hochzeit statt. Also gehören sie einander, ohne schon verheiratet zu sein – das heißt, sie haben sich verlobt, sie haben sich gegenseitig ein Versprechen ausgesprochen.

Die Hochzeit und der Vollzug der Ehe – Kapitel 4,1 bis 5,1

So haben wir: verliebt, verlobt, dann die Hochzeit. Aber zwischen Verlobung und Hochzeit haben wir in Kapitel 3,1–5 diesen Albtraum der Frau unmittelbar vor der Hochzeit. Hier wird auf liebevolle Weise die Angst beschrieben, die Paare oft haben, wenn sie kurz vor der Hochzeit stehen: »Ich will ihn oder sie nicht verlieren.«

Dann überspringen wir diese Verse und kommen zum Vollzug der Ehe in Kapitel 4,1 bis 5,1. Ich will nicht Vers für Vers durchgehen – ich denke, die Sprache, die hier verwendet wird, ist ziemlich deutlich. Das Wort »Braut« kommt sechsmal vor. Es ist die erste Nacht nach der Hochzeit. Jetzt dürfen sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Und das wollen sie auch tun.

Was ich betonen will, sind ein paar Verse. In Kapitel 4,8: »Mit mir vom Libanon, meine Braut, mit mir vom Libanon komm, steig herab vom Gipfel des Amana, vom Gipfel des Senir und Hermon, weg von den Lagerstätten der Löwen, von den Bergen der Leoparden.« Ist sie nicht schon vom Libanon abgeholt worden? Laut Kapitel 3 ist sie schon da – sie kam aus der Wüste, wurde abgeholt, und die Helden Salomos begleiteten sie, jeder mit seinem Schwert. Sie ist schon physisch nicht mehr im Libanon. Und jetzt bittet er sie an der Hochzeit, sich auch psychisch von ihrem früheren Leben zu trennen. Er sagt: »Jetzt will ich, dass du ganz bei mir bist.«

Das ist ähnlich wie es in 1. Mose steht: »Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden zu einem Fleisch werden.« Und hier ist genau dasselbe. Er lädt sie ein, sich zu verabschieden von ihrer Vergangenheit, von ihrer Heimat, und seine Rolle als Haupt anzunehmen.

Wir sehen dann auch in Vers 12 etwas Wichtiges: »Ein verschlossener Garten ist meine Schwester, meine Braut, ein verschlossener Garten, eine versiegelte Quelle.« Da sind drei verschiedene Worte – Garten, Brunnen, Quelle –, aber die Adjektive sind Synonyme voneinander. Das heißt: Es ist nicht versorgt, es ist verschlossen, es ist bewahrt worden. Hier wird die Keuschheit der Frau dargestellt. Sie ist eine junge Frau an diesem Abend. Und man nimmt an, dass der Mann ebenso ist.

Dann sehen wir, dass sie den Mann einlädt in seinen Garten. Sie ist sein Garten. Sie gibt sich ihm jetzt. Das sehen wir in Hohelied 4,16: »Wach auf, Nordwind, und komm, Südwind! Lass durchströmen meinen Garten, lass strömen seine Balsamdüfte! Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse seine köstlichen Früchte!«

Und wie reagiert der Mann darauf? »Ich komme in meinen Garten, meine Schwester, meine Braut, ich pflücke meine Myrrhe samt meinem Balsam, esse meine Wabe samt meinem Honig, trinke meinen Wein samt meiner Milch.«

Und dann haben wir die Reaktion der Freunde – wahrscheinlich die Töchter Jerusalems. Hier kommt Gottes Sicht zum Ausdruck über den Vollzug der Ehe: »Esst, Freunde, trinkt und berauscht euch an der Liebe!« Das ist genau das, was wir in Sprüche 5 gelesen haben: Der Mann soll sich berauschen an den Brüsten seiner Frau. Sie sollen sich gegenseitig vergnügen. Das ist der Wille Gottes. Das ist ein Geschenk Gottes – aber innerhalb des Bundes.

Gottes Ja zur ehelichen Liebe

Gott sagt hier: »Esst, Freunde, trinkt und berauscht euch an der Liebe.« Wenn in der Gemeinde eine gottesfürchtige Frau und ein gottesfürchtiger Mann sich finden, sich rein bewahren und dann heiraten und in den Flitterwochen endlich dürfen – Gott sagt: »Es ist mein Wille. Es ist genehmigt. Es ist etwas Heiliges. Es ist etwas Gutes. Es ist kein notwendiges Übel.«

Es ist nicht so, wie François de Sales im Mittelalter darüber gedacht hat. Es ist eine schöne, wunderbare Sache, wenn ein Mann intim sein kann mit seiner Frau, mit seiner Geliebten, seiner Schwester, seiner Freundin, seiner Taube, seinem Häuschen. Das ist gewollt von Gott. Und Generationen von Christen haben darunter gelitten, dass sie ein schlechtes Gewissen dabei hatten. Sie dachten: »Vielleicht ist das nicht so keusch oder nicht so rein.« Doch es ist eine schöne Sache. Es ist vom Herrn geplant, gedacht und genehmigt und gesegnet.

Das ist eines meiner Hauptziele heute: Euch davon zu überzeugen, dass das eine gute Sache ist. Es ist nicht schmutzig. Es ist nichts Perverses. Natürlich wird nach dem Sündenfall das, was Gott als gut gemeint hat, sehr pervertiert – so dass Männer mit Männern schlafen, Menschen mit Tieren, und alles Mögliche außerhalb der Ehe geschieht. Aber zwischen einem Mann und einer Frau, innerhalb des Bundes, in aller Furcht und Liebe Gott gegenüber – ist es eine heilige Sache.

Die Reife der Ehe – Kapitel 5,2 bis 8

In Kapitel 5,2 haben wir den nächsten Abschnitt. »Ich schlief, aber mein Herz war wach.« Das heißt, sie hat einen Traum. »Mein Geliebter klopft: Öffne mir, meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Vollkommene! Denn mein Haupt ist voll Tau, meine Locken voll von Tropfen der Nacht.« Und dann redet die Frau: »Ich habe meinen Leibrock schon ausgezogen – wie sollte ich ihn wieder anziehen? Ich habe meine Füße gewaschen – wie sollte ich sie wieder beschmutzen?«

»Mein Geliebter streckte seine Hand durch die Öffnung, da wurden meine Gefühle für ihn erregt. Ich stand auf, um meinem Geliebten zu öffnen. Da troffen meine Hände von Myrrhe und meine Finger von flüssiger Myrrhe, als ich sie legte an die Griffe des Riegels. Ich öffnete meinem Geliebten, aber mein Geliebter hatte sich abgewandt, war weitergegangen.«

Das heißt, es stört ihr Gewissen. »Meine Seele war außer sich, dass er weggegangen war. Ich suchte ihn, doch ich fand ihn nicht. Ich rief ihn, doch er antwortete mir nicht. Es fanden mich die Wächter, die die Stadt durchstreifen – sie schlugen mich, verwundeten mich.« Manche Ausleger meinen, sie wäre vergewaltigt worden. Ich denke, das geht gegen den ganzen Ton dieses Liedes, etwas so Brutales hier einzufügen. Es geht darum, dass die Wächter der Stadt sie fragten: »Was machst du hier nachts? Was suchst du?« Und sie verwundeten sie mit ihren Fragen – das heißt, ihr Gewissen wurde nur noch schlechter.

»Die Wächter der Mauern nahmen mir meinen Überwurf.« Und sie sagt: »Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems: Wenn ihr meinen Geliebten findet, was sollt ihr ihm ausrichten? Dass ich krank bin vor Liebe.« Woher haben wir das vorhin gesehen? In Kapitel 2,5: »Stärkt mich mit Traubenkuchen, erquickt mich mit Äpfeln, denn ich bin krank vor Liebe.«

Das heißt: Auch nach dem Vollzug der Ehe, auch nachdem man verheiratet ist, kann man immer noch Liebeskummer haben. Es kann Auseinandersetzungen geben, es kann Probleme in der Ehe geben. Aber wir sehen hier, wenn man weiterliest: Sie finden sich wieder zueinander. Sie machen wieder einen Ausflug. Und das ist immer ratsam, wenn ein Ehepaar auseinandergewachsen ist – durch Kindererziehung, Arbeit, Hausbau und alles andere so abgelenkt wurde, dass sie ihre Beziehung vernachlässigt haben. Das ist eine schöne Sache, wenn sie sagen: »Hey Schatz, wir müssen Zeit für uns nehmen. Wir müssen einen Ausflug machen.« Wir lassen die Kinder bei den Großeltern für ein paar Tage – die meisten Großeltern freuen sich darüber, aber nur wenn die Kinder gut erzogen sind. Und dann kann man für ein paar Tage verschwinden. Das tut einer Ehe gut.

Die Kraft und Dauer der Liebe – Kapitel 8

In Kapitel 8 geht es um die Dauer der Liebe. In Kapitel 8,5 lesen wir: »Wer ist sie, die daheraufkommt aus der Wüste, gestützt auf ihren Geliebten?« Woher haben wir diese Aussage schon gesehen? In Kapitel 3,6: »Wer ist sie, die daheraufkommt aus der Wüste?« Der erste Teil ist identisch. Aber der zweite Teil ist anders. In Kapitel 3 kommt sie alleine. Hier in Kapitel 8,5 stützt sie sich an ihrem Geliebten. Sie kommt dieses Mal nicht alleine aus der Wüste. Dieses Mal kommt sie an den Armen ihres Mannes, von ihm gestützt. Und so gehen sie durchs Leben – nicht mehr als Einzelgänger, sondern wie eine Person, wie ein Mensch. Jetzt kommt sie aus der Wüste zusammen mit ihrem Mann.

Dann wird geredet über die Dauer der Liebe und die Kraft der Liebe. Wir lesen Vers 6: »Lege mich wie ein Siegel an dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm.« Das heißt, sie will, dass er sie nicht vergisst, dass die Liebe von Dauer ist, dass sie selbst an seinem Herzen wie eine Versiegelung angelegt wird. Das hat mit seinem Verlangen, mit seinem Denken zu tun. Aber auch an seinen Armen – das hat mit seinem Handeln zu tun. So dass er, egal womit er sich beschäftigt, egal welche Tätigkeiten er ausübt, nie vergisst: »Das ist meine Frau, und ich liebe sie, und wir wollen gemeinsam durch das Leben gehen.«

Und dann lesen wir in Vers 6 weiterhin: »Denn stark wie der Tod ist die Liebe, hart wie die Unterwelt die Leidenschaft. Ihre Gluten sind Feuergluten, eine Flamme des HERRN.« In manchen Übersetzungen steht »Eifersucht« anstatt »Leidenschaft«. Das Wort bedeutet häufig auf Hebräisch Eifersucht oder Eifer – es kann positiv oder negativ verwendet werden. Aber hier wird das Positive als Kraft betont. Es ist schön, wenn ein Mann eifersüchtig ist, und es ist schön, wenn die Frau eifersüchtig ist. Sie sollen eifersüchtig aufeinander sein.

Meine Frau sollte es nicht gefallen, wenn ich auf die Jagd gehen würde mit einer anderen Frau. Die sollte schon besorgt sein, wenn ich sowas täte. Das ist einmal passiert, aber nur weil ich so dumm war. Ich hatte in einer Gruppe Leute eingeladen, bei mir im Bezirk auf die Jagd zu gehen. Und die einzige, die geantwortet hatte, war eine Frau. Dann stand ich da: Wie erkläre ich, dass ich das nicht will? Und ich war zu feige, ihr zu sagen: »Nee, das geht nicht.« Da habe ich sie auf einem Baum in einem Ansitz sitzen lassen. Das ist dumm gelaufen. Aber sonst haben Linda und ich die Regel: Wir sind nie alleine mit einer Person vom anderen Geschlecht. Das ist einfach eine Regel, seitdem wir uns kennen. Sie ist nie allein mit einem anderen Mann, und ich bin nie allein mit einer anderen Frau. Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft wir diese Regel in über 30 Jahren gebrochen haben. Einmal musste ich Lindas Schwester ins Krankenhaus fahren, da war kein anderer da – ich habe sie gefahren. Aber der Punkt ist: Die Liebe soll geschützt werden. Sie ist stark und kräftig, und diese Leidenschaft ist auch stark. Es ist eine Flamme des HERRN – das ist die Kurzform für JHWH hier. Es ist eine Flamme Gottes. Das ist ein Geschenk Gottes. Aber es ist auch etwas, das wir pflegen müssen.

In Kapitel 8,11–12 steht: »Einen Weinberg hatte Salomo in Baal-Hamon, er übergab den Weinberg den Hütern; jeder brachte für seine Frucht tausend Silberstücke ein. Meinen eigenen Weinberg habe ich für mich.« Das heißt, sie redet wieder von ihrem eigenen Körper. Und sie sagt: »Mein Weinberg ist meins zu geben.« Sie hat es ihrem Mann gegeben.

Und dann Vers 7: »Mächtige Wasser sind nicht in der Lage, die Liebe auszulöschen, und Ströme überschwemmen sie nicht. Wenn einer den ganzen Besitz seines Hauses für die Liebe geben wollte, man würde ihn nur verachten.« Das heißt: Wahre Liebe kannst du nicht mit Geld bezahlen. Du kannst sie nicht kaufen. Es ist eine Entscheidung. Sie sagt: »Mein Weinberg ist meins zu geben. Ich gebe es nicht wegen Geld.« Frauen, die reiche Männer suchen, weil sie einen gewissen Lebensstandard ermöglicht bekommen möchten – hier sagt sie: »Ich bin nicht motiviert von Geld.« Und sie sagt: »Wer seinen ganzen Besitz seines Hauses für die Liebe geben wollte, man würde ihn nur verachten.«

Mächtige Wasser können echte Liebe nicht auslöschen, und keine Bestechung kann jemanden so weit bringen, dass er bereit wäre, die Liebe, die er von Gott erfahren hat und in eine zwischenmenschliche, romantische Beziehung trägt, wegen Geld zu tauschen.

Anwendungen

So hat dieses Lied uns viel zu sagen über den Willen Gottes. Ich möchte ein paar Anwendungspunkte zum Schluss durchgehen.

Erstens: Junge Leute sollen sich in aller Keuschheit kennenlernen. Überfordert euch nicht selbst, indem ihr meint, dass ihr die kleinen Füchse selber fangen könnt. Ihr braucht Hilfe, um sie zu fangen. Ihr sollt euch nicht der Versuchung ausliefern, indem ihr viel Zeit alleine verbringt. Das ist eine Hauptanwendung für Leute, die noch single sind.

Zweitens: Seid vorsichtig, wenn ihr euer Herz schenkt. In Kapitel 2,16 – das ist eine ernsthafte Sache. Es wurde wiederholt, in Kapitel 6,3 und 7,11. Die Frau sagt: »Ich gehöre meinem Geliebten, und es ist richtig, dass sein Verlangen nach mir ist.« Das heißt, er hat die Herrschaft in der Beziehung. Frauen müssen besonders vorsichtig sein, weil sie eine untergeordnete Rolle innerhalb der Ehe haben. Wehe einer Frau, wenn sie einen Faulen und Faulpelz heiratet, der sie arbeiten lässt und seinen Hobbys nachgeht, immer das neueste Handy haben muss, Geld ausgibt für alles und nicht zuverlässig ist. Er kann aussehen wie Ronaldo – du wirst irgendwann kein Gefallen an ihm haben, weil er einfach unnütz ist. Deswegen ist es so wichtig, vorsichtig zu sein, wenn man sein Herz schenkt.

Drittens: Sorgt dafür, dass keine dunkle Wolke über eurer Hochzeit hängt. Wartet also auch nicht zu lange mit dem Heiraten. Dieses »Warte, bis man alles auf die Reihe hat« – wenn die Weinberge in Blüte stehen, dann warte nicht.

Viertens: Was tun, wenn du bereits dein Herz einem Ungläubigen geschenkt hast? Wir haben auch in unserer Gemeinde Menschen, die dachten: »Irgendwie wird der Herr Gnade schenken, er oder sie wird zum Glauben kommen.« Und sie haben gegen den Willen Gottes einen Ungläubigen geheiratet. Was soll man in so einem Fall tun? Erstens: Du musst Gott sagen, dass es dir leid tut, dass du ihm gegenüber ungehorsam warst, und um Vergebung bitten. Gott vergibt gerne. Und dann sehen wir in 1. Petrus 3,1–6, was Frauen tun sollen, wenn der Mann ungläubig ist: ohne ein Wort, durch ein vorbildliches Leben sollen sie hoffen und beten, dass der Mann durch ihr Leben zum Glauben erweckt wird. Auch in 1. Korinther 7,16 steht: »Bleibe in dem Zustand, in dem du zum Glauben gekommen bist.« Das heißt: Wenn du schon mit einem Ungläubigen verheiratet bist und der Ungläubige bereit ist, in der Beziehung zu bleiben, dann sollst du in der Ehe bleiben und um Gnade bitten.

Fünftens: Was sollst du tun, wenn du noch nicht verheiratet bist, aber in einer Beziehung mit einem Ungläubigen? Du sollst die Beziehung sofort beenden. Das ist ganz klar ein K.o.-Kriterium vor Gott. Gott hat es so oft gesagt: Sie sollen die fremden Frauen nicht heiraten. Und es gab immer wieder dieses Problem. Als das Volk nach 70 Jahren Gefangenschaft in Babylon zurückkam, fingen sie gleich wieder an mit den Sünden der Väter. Esra raufte sich den Bart aus und saß betäubt da bis zum Abendopfer. Dann lesen wir von seinem Gebet. Der Punkt ist: Es ist eine ernste Sache. Es führt zum Götzendienst, und du sollst niemals einem Menschen mehr Wert schenken als deinem Gott. Das ist nicht der Wille Gottes, dass Gläubige Ungläubige heiraten.

Sechstens: Auch verheiratete Menschen sollen das Verliebtsein nicht verlieren. Investiert in neue Nähe. Wenn das Verliebtsein nicht mehr da ist, dann ist Alarmstufe Rot – dann tut etwas! Ich muss uns alle ermahnen: Ich laufe rum mit acht Kilo zu viel. Als ich meinen Dachstuhl neulich gemacht und das Dach gedeckt hatte, wog ich 78 Kilo. Dann bin ich für zwölf Tage in die Vereinigten Staaten gefahren, meine Eltern zu besuchen, und kam zurück mit acht Kilo mehr. Wie geht das? Acht Kilo in zwölf Tagen – ist das möglich? Ich weiß auch nicht.

Aber das fördert normalerweise das Verliebtsein nicht. Man soll sich nicht einfach gehen lassen. Wir werden alle älter. Die Zähne werden weniger, und wenn das Geld nicht da ist, kann man sich keine Implantate leisten. Aber man kann schon dafür sorgen, dass man keinen Mundgeruch hat, dass man mindestens einmal am Tag die Zähne putzt. Manche Frauen oder Männer – beide – lassen sich einfach gehen. Aber diese gegenseitige Bewunderung ist auch Teil der romantischen Liebe. Im Laufe der Jahre sehe ich nicht mehr aus wie mit 20, aber trotzdem kann ich ein bisschen was tun, damit ich mindestens nicht unangenehm werde.

Und man kann hin und wieder – manche Frauen lieben das – einfach daran denken, eine Blume mitzubringen. Wenn du bei Aldi Milch einkaufst, kannst du eine von diesen Blumen für 1,50 Euro mitnehmen. Es tut Wunder, glaubt mir. Es kostet nicht die Welt, ein bisschen romantisch zu sein. Und Frauen wollen in der Regel nicht zu Weihnachten immer nur ein Kochgerät bekommen. Die fragt sich dann: »Hat er das für sich gekauft oder für mich?«

So ist es schon wichtig, dass wir Ausflüge planen, dass wir investieren, dass wir regelmäßig Zeit miteinander verbringen. Das ist eine große Anwendung des Hoheliedes: Wir sollen das Verliebtsein durch die ganze Ehe tragen. Und dieses Wissen – »Ich gehöre meinem Geliebten, er gehört mir« – das ist das Fundament der Beziehung. Wir sind nicht mehr auf der Suche. Wir haben das gefunden, was wir finden wollten. Und wir bleiben bei dieser Entscheidung und schützen diese Entscheidung mit allem, was wir sind. Und das tun wir auch gemeinsam.


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