13. Juni 2026
Gott stellt hohe Anforderungen an Älteste: tadelloser Ruf, charakterliche Reife, geistliches Wachstum und Abhängigkeit vom Evangelium.
Ein bekanntes altes Sprichwort lautet: Wie der König, so das Volk – oder heutzutage: Der Fisch stinkt vom Kopf. Oder ein bisschen älter: Wie der Herr, so´s Gescherr – damit sind die Angestellten gemeint. Oder an der Spitze entscheidet sich der Erfolg – für alle Startupper. Es gibt eine Wechselwirkung.
Wie auch das ganze Alte Testament uns oft aufzeigt bei den Königen und dem Volk: Das die Könige, die sich von Gott abwenden, auch dazu führen, dass nicht lange danach auch das Volk sich von Gott abwendet. Das Umgekehrte – Preis den Herrn – gilt auch. Wir kennen Josia als einer dieser Beispiele: Als junger König führt er Reformen durch, hält sich wieder an das Gebot Gottes, und er darf diese Hoffnung und Zuversicht haben – und wir dürfen sie haben: Das Volk folgt ihm.
Vor drei Wochen haben wir mit der Serie zu unserem Leitbild, unseren Überzeugungen als Gemeinde, unserer DNA angefangen zu predigen. Wir sind in dieser Serie bis in den Sommer hinein und werden mit unseren Bibelbüchern pausieren und hier weitermachen – in Predigt Nummer 3 angekommen.
Nun, wir haben zuerst davon gesprochen, wer die Gemeinde überhaupt ist: dass die Gemeinde nicht vier Wände sind, sondern die einzelnen Gläubigen, die sich in einer Ortsgemeinde versammeln, und wie wichtig es ist, dass jeder Gläubige auf diesem Planeten eine Ortsgemeinde hat.
Letzte Woche ging es dann darum, wer denn nun diese Gemeinde, diese Gruppe von Menschen leitet – denn jede Gruppe von Menschen braucht einen Leiter. Und Matthias hat uns wundervoll aufgezeigt, dass die Bibel, das Neue Testament, davon spricht, dass eine Vielzahl von Ältesten die Gemeinde leiten.
Ein wichtiger Punkt letzte Woche war: Älteste sind immer im Team, in der Pluralität. Sie brauchen einander, sie ergänzen einander, sie stützen einander, sie gleichen Schwächen aus.
Heute aber beachtet folgenden Unterschied: Heute kann nicht ein Ältester die Qualifikation eines anderen ausgleichen. Heute steht jeder für sich alleine im Fokus. Jeder einzelne Älteste einer Ortsgemeinde muss diese Qualifikation, die wir heute in Teil 1 durcharbeiten – in zwei Wochen geht es weiter –, als Einzelner erfüllen.
Ich möchte euch das zeigen in Titus 1, Vers 5. Die Qualifikation muss jeder Älteste haben und nicht im Kollektiv erfüllt werden. In Titus 1,5 heißt es: »Ich habe dich (Titus) zu dem Zweck in Kreta zurückgelassen, damit du das, was noch mangelt, in Ordnung bringst und in jeder Stadt Älteste« – die Mehrzahl, wie wir uns letzte Woche angeschaut haben – »einsetzt, so wie ich dir die Anweisung gegeben habe.«
Und nun kommen die Qualifikationen. Achtet in Vers 6 auf den Wechsel: »wenn einer« – Einzahl – »untadelig ist, Mann einer Frau, und treue Kinder hat, über die keine Klage wegen Ausschweifung oder Aufsässigkeit vorliegt, denn ein« – besser noch: »der« – da ist ein bestimmter Artikel im Griechischen – »der Aufseher« – Einzahl – »muss untadelig sein als Haushalter Gottes.«
Das ist der große Unterschied zu letzter Woche: Im Team als Älteste ergänzen wir einander in den Gaben, in den Aufgaben – aber in den Qualifikationen steht jeder einzelne vor Gott und auch in der Prüfung.
Die Lehre, dass der Älteste lehrfähig ist, war letzte Woche schon ein sehr wichtiges Thema. Und die Lehre der Bibel, die jeden Gläubigen verändert, ist ein Thema, was wir gerade in Kolosser 1,6 durchgearbeitet haben: Das Wort des Christus wohnt reichlich in uns und verändert uns.
Wenn wir heute über den Charakter und die Qualifikation eines Ältesten sprechen, werdet ihr gleich merken – viele von euch wissen es schon –, es geht nicht so sehr um die Qualifikation seiner Fähigkeiten, sondern allem voran um seinen Charakter. Warum ist das so? Diese Frage möchte ich in der Einleitung noch ganz kurz beleuchten.
Es geht bei der Leitung der Gemeinde – wenn der Kopf vom Fisch her anfängt zu stinken – darum, dass der Kopf eben so ist, wie der Fisch sein soll. Und das sehen wir in Johannes 17. Ihr kennt Johannes 17 als das letzte große Gebet von Jesus, mit die letzten Worte, in denen er sich selbst und seine Jünger vorbereitet auf die Passionstage.
Und in Johannes 17 bekommen wir einen guten Einblick darin, wie Christus für die Seinen, für die Jünger und für alle, die durch sie an Christus glauben werden, im Gebet eintritt. Dieses hohepriesterliche Gebet, wie es oft benannt wird, ist das Herzstück. Und am Ende bittet Jesus in Johannes 17 – das ist, worin alles zusammengipfelt – um die Heiligkeit seiner Jünger.
Einer der Schlüsselverse in diesem Kapitel ist Johannes 17,17: »Heilige sie durch die Wahrheit. Dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt, und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien durch Wahrheit.«
Was hat Jesus Christus für die Jünger getan? Er hat sich selbst geheiligt und er hat ihnen das Wort verkündet, was sie wiederum heiligt. Und das ist, wie er uns aussendet. Er ist der große Oberhirte und er hat es vorgelebt. Er kümmert sich um die Jünger, er beschützt sie, er leitet sie, er korrigiert sie, er nährt sie – die ganze Gemeinde – und all das mit dem Ziel der Heiligung.
Und nun – wir haben letzte Woche gehört, dass der lateinische „Pastor“, vom deutschen Hirten, genau das tun soll. Er soll sich leidenschaftlich einsetzen für die Heiligkeit der Herde. Er soll sich einsetzen für die Heiligkeit der Schafe Christi, damit dieses Ziel aus Johannes 17 erfüllt wird. Wenn ihr das ganze Thema vertiefen wollt, gibt es von John MacArthur das Buch Heiligung, und es bespricht nur, dass Heiligung das zentrale, ein zentrales Ziel der Ältesten für die Gemeinde sein muss.
Wenn also das ganze Ziel Gottes mit der Gemeinde eine heilige Gemeinde ist – wo beginnt es dann? Bei der Leitung! Und deshalb muss der Älteste vorbildlich leben.
Wir schaffen heute zwei von fünf Punkten, und in zwei Wochen machen wir weiter. Heute: Ein Ältester muss vorbildlich leben, und ein Ältester braucht das Evangelium.
Ein Ältester muss vorbildlich leben. Hier werden wir einen Großteil der Qualifikationen durcharbeiten, sie ein bisschen gruppieren. Ein Ältester soll Vorbild sein, weil Gott den Menschen so geschaffen hat, dass er sich nach einem Vorbild ausrichtet und entsprechend lebt. Das trifft auf viele Menschen zu. Und wenn gerade das WM-Fieber so langsam losgeht, dann sind da ganz viele Vorbilder für ganz viele junge Männer. Wir strecken uns aus nach Vorbildern, und die Gemeinde braucht Vorbilder – und die Ältesten sollen diese Vorbilder sein.
Wofür braucht die Gemeinde Vorbilder? Noch ein bisschen Aufwärmphase hier: Für all die Aspekte wo es dann praktisch wird im Leben als Christ. Nicht nur die Lehre sauber darlegen, sondern entsprechend leben. Und in den ganzen Briefen des Neuen Testaments – wo beginnt es immer? Mit der Praxis. Häufig in der zweiten Hälfte.
Lasst uns diese Verse kurz in Erinnerung rufen. Der Älteste soll eben Vorbild sein, was für alle gilt:
Epheser 4,1: Jeder soll der Berufung würdig wandeln.
Kolosser 3,1: Jeder soll suchen, was droben ist, wo der Christus ist. Jeder soll danach trachten, nachdem was droben ist.
Philipper 3,1: Jeder soll sich freuen im Herrn.
Römer 12,1: Jeder soll angesichts der Barmherzigkeit Gottes seinen Leib darbringen als lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.
Und für diese Liste zuletzt:
Apostelgeschichte 1,8: Jeder soll Zeuge sein von dem, was er erfahren hat – in ganz Jerusalem, Judäa, Samaria und bis ans Ende der Welt.
Für diese Umsetzung, für dieses »wir glauben das alles – wie mache ich das jetzt?«, brauchen wir Vorbilder. Und das sollen die Ältesten einer Gemeinde sein – mindestens die Ältesten einer Gemeinde.
Wir werden übernächste Woche darauf eingehen, dass es viele Vorbilder gibt, die all diese Qualifikationen erfüllen und doch nicht das Amt des Ältesten annehmen. Das machen wir in zwei Wochen mit weiteren Punkten die wir durcharbeiten, aber mindestens das Vorbild müssen sie sein, und es ist die große Qualifikation neben der Lehrfähigkeit.
All diese Qualifikationen, die wir uns nun anschauen, treffen auch auf die Diakone zu. Weil wir die Lehrfähigkeit auf übernächste Woche auslagern, ist jeder Aspekt auch ein Aspekt, in dem die Diakone dieses gleiche Vorbild in ihrem Leben zeigen sollen.
Das Vorbild folgt dem großen Vorbild: Jesus. In unserem Leitbild als Gemeinde – ihr findet es auf der Webseite – dort heißt es unter der Leitung der Gemeinde: »Ein geistlicher Leiter muss ein Vorbild in Heiligkeit für die Herde sein.« Das ist eine große Verantwortung, die ein Hirte nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Alle Leiter innerhalb der Gemeinde sollen das Gewicht der Verantwortung erkennen, das mit ihrer privilegierten Position einhergeht.
Diese Vorbildsache, die ich gerade einfach in den Raum gestellt habe – wo ist die zu finden? Auch das kurz zur Erinnerung:
1. Korinther 4,16: Paulus sagt: »Werdet meine Nachahmer.«
1. Korinther 11,1: »Seid meine Nachahmer, gleich wie auch ich Nachahmer des Christus bin.«
2. Thessalonicher 3,7–9: »Ihr wisst ja selbst, wie ihr uns (nicht nur Paulus) nachahmen sollt, denn wir haben nicht unordentlich unter euch gelebt. Wir haben auch nicht umsonst bei jemandem Brot gegessen, sondern mit Mühe und Anstrengung haben wir Tag und Nacht gearbeitet, um niemanden von euch zur Last zu fallen. Nicht, dass wir kein Recht dazu hätten, sondern um euch an uns ein Vorbild zu geben, damit ihr uns nachahmt.«
Und selbst die, die schon beim Herrn sind, sind Vorbilder: »Gedenkt an eure Führer« – Hebräer 13,7 – »die euch das Wort Gottes gesagt haben. Schaut das Ende ihres Wandels an« – offensichtlich haben sie es erreicht – »und ahmt ihren Glauben nach.«
Gott möchte, dass die Gemeinde heilig ist. Gott hat uns geschaffen, dass wir Vorbildern folgen. Älteste und Diakone sollen diese Vorbilder sein.
In unserem Leitbild heißt es: »Ein geistlicher Leiter muss in seinem Charakter qualifiziert sein.« Und heute arbeiten wir uns durch einige – ich könnte wahrscheinlich sagen: die meisten, nicht ganz alle – Qualifikationen in 1. Timotheus 3,1–7 durch, ein bisschen parallel noch aus Titus 1, und schauen uns an, wie dieses Vorbild aussehen soll.
Ein Ältester muss vorbildlich leben, und wir werden hier drei Aspekte anschauen: Er muss erstens einen guten Ruf haben, er muss zweitens charakterlich reif sein, und er muss drittens geistlich reif sein.
Das sind die drei Aspekte des vorbildlichen Lebens, die wir jetzt durcharbeiten. Er hat zuallererst einen guten Ruf. Sein guter Ruf ist ein guter Ruf innerhalb der Ortsgemeinde. In 1. Timotheus 3,1–7 lesen wir: »Glaubwürdig ist das Wort: Wer nach einem Aufseherdienst trachtet, der begehrt eine vortreffliche Tätigkeit.« Diesen Vers schauen wir uns in zwei Wochen erst an. In Vers 2: »Nun muss aber ein Aufseher untadelig sein.«
Untadelig sein ist hier die erste Eigenschaft. Man kann auch übersetzen: unbescholten, unangreifbar. Es gibt nichts, wofür er einen Tadel bekommt. Das ist untadelig. Es ist eine Qualifikation, die über allen steht. Es ist so ein Einabwaschding: Zusammenfassend ist er untadelig. Nichts in seinem Leben, würde man sagen, muss sich ändern. Keine Charaktereigenschaft, die fortwährend Gott Unehre bringt.
Wenn wir über die Eigenschaft eines Ältesten nachdenken, dann haben wir diesen Überbegriff: unbescholten, unangreifbar, untadelig. Wie wir letzte Woche von Matthias schon gehört haben: Es ist nicht Perfektion, sondern Älteste sollen keine Sünde haben, die ihr Leben beherrscht und die sie entsprechend in Frage stellen könnte. Die Menschen sollen über diesen Mann sagen können: »Ich respektiere ihn und ich folge ihm.« Es geht darum, dass er nicht angreifbar ist und zu Fall gebracht werden kann durch seinen Charakter.
Ein Ältester muss kein großer Unternehmer sein, kein erfolgreicher Geschäftsmann und keine Berühmtheit. Nein, er muss einen ehrbaren Ruf haben unter den Gläubigen, aber auch vor den Ungläubigen. Das lesen wir in 1. Timotheus 3,7: »Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen außerhalb der Gemeinde, damit er nicht in üble Nachrede und in die Fallstricke des Teufels gerät.« Also ein gutes Zeugnis in der Gemeinde und ein gutes Zeugnis außerhalb der Gemeinde.
Die EsraBibel übersetzt: »damit er nicht den üblen Leumund, Vorwurf, Beschimpfung und in die Schlinge des Teufels falle.«
Es ist gut möglich, dass in der Gemeinde eine tolle Maske gewahrt wird, ein schönes Gesicht getragen wird, aber außerhalb der Gemeinde würde jeder davon abraten, mit diesem Mann Geschäfte zu machen. Würde jeder davon abraten, neben ihm ein Haus zu kaufen. Es ist gut möglich, dass die Menschen außerhalb der Gemeinde Dinge über den Mann wissen, die in der Gemeinde unbekannt sind.
Er soll bekannt sein als freundlich, gütig, rein, großzügig – selbst wenn sie nicht gläubig sind, die Leute, die ihn beobachten. Sonst sagt der Text, wird das Zeugnis beschädigt und er gerät in die Fallstricke des Teufels.
Wir kennen das Sprichwort: Wasser predigen und Wein trinken. Eine Sache sagen und eine andere tun. Einer dieser unterbelichteten Aspekte in dem Bereich ist von meiner Beobachtung her die Demut in der Gesellschaft und am Arbeitsplatz. Insbesondere für uns Deutsche: Wir kennen unsere Rechte, insbesondere kennen wir unsere Arbeitsrechte und viele weitere Rechte.
Ein Ältester ist nicht jemand, der seine Rechte kennt und sie einzufordern vermag. Er ist jemand, der bekannt ist, selbst wenn er Rechte hat, sie auch aufzugeben. Die Bibel nennt das Demut. Und wofür er bekannt ist, ist nicht, dass er Rechte kennt und sie einfordert, sondern dass er Gott liebt und seinen Nächsten. Auch auf der Arbeit, auch in der Gesellschaft. Er kann sich einordnen, unterordnen, und es geht nicht nur um den Buchstaben. Es ist eine dieser Aspekte, die ich hier und da beobachte. Nun, er hat ein gutes Zeugnis. Er hat einen guten Ruf in der Gemeinde und außerhalb der Gemeinde. Schauen wir weiter und wir kommen zu seinem sehr grossen und wichtigen Punkt.
Er hat nicht nur einen guten Ruf, sondern er ist charakterlich reif. Diese Reife im Charakter beginnt mit seiner Reinheit, mit seiner Ehe. Diese Qualifikation ist die Qualifikation, die die meisten Männer im Dienst zu Fall gebracht hat. Die die meisten Diener im Dienst zu Fall gebracht hat.
Er ist Mann einer Frau. Es ist so wichtig – egal ob du verheiratet bist oder nicht: Der Mann ist treu. Oder wenn du als Frau zuhörst, du bist treu. Ihr habt auf euren Plätzen eine grosse Tabelle gefunden im Gottesdienst hier. Ich kann sie nachher nochmal zuschicken. Und wenn wir diese Dinge nun durcharbeiten, die einzelnen Charaktereigenschaften, dann fokussieren wir uns hier von der Kanzel her auf die Eigenschaften des Ältesten. Und in diesem Blatt, ein Auszug aus dem Buch „Qualifiziert“, seht ihr, dass jede Eigenschaft eines Ältesten auch Gottes Anspruch an jeden Gläubigen ist. Wir werden es nicht schaffen all diese Texte durchzugehen, deshalb könnt ihr sie mit nach Hause nehmen und ihr könnt jede Eigenschaft genauso an euch halten und euch selbst prüfen. Für den Ältesten ist es jedoch unumgänglich, dass er diese Eigenschaften hat. In 1. Timotheus 3,2 heißt es: » Der Aufseher muss untadelig sein, Mann einer Frau.« Also charakterlich reif, Mann einer Frau, ist die erste Eigenschaft die wir hier hineinpacken. Der griechische Text würde wörtlich übersetzt werden: Ein Fraumann. Was bedeutet das genau? Manche denken, es heißt, er darf nur einmal im Leben verheiratet gewesen sein. Das ist nicht wirklich der Kern der Sache. Ganz klar ist, dass Polygamie falsch ist – mehrere Frauen zu haben ist auf jeden Fall Sünde –, aber das ist hier nicht der Hauptpunkt.
Die Bibel geht an dieser Stelle davon aus, dass die meisten Ältesten verheiratet sein werden. Und trotzdem ist es auch nicht so, dass es nur verheiratete Älteste geben kann, wenn wir von dieser Qualifikation sprechen. Witwer oder Singles können auch Älteste sein. Der Fokus in dieser Qualifikation liegt auf seinem Charakter, seiner Reinheit – in Gedanken und in Taten. Der Fokus dieser Eigenschaft liegt auf der Qualität seiner Ehe. Es ist eine Aussage und eine Prüfung zur Treue seiner Frau gegenüber. Unerschütterliche Treue seiner Ehefrau gegenüber.
Wie verhält dieser Mann sich seiner Frau gegenüber? Können sie zusammen lachen, oder ist er bitter gegen sie? Wir kommen schon sehr bald zu der Warnung: »Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie.« Kolosser 3,19. Zeugt die Ehe von Einmütigkeit, von Vertrautheit, von Liebe? Hat er Einsicht und Verständnis für sie?
Denn wenn ein Mann seine Frau nicht liebt, kann er Gott nicht lieben. Das ist das große Gebot: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten. Und 1. Petrus 3,7 sagt uns, seine Gebete werden verhindert. Das wäre fatal, denn eine seiner Hauptaufgaben, wie wir letzte Woche gelernt haben, ist zu beten. Deshalb ist diese Eigenschaft so zentral. Und in 1. Petrus 3,7 ist es eben diese Einmütigkeit, dieses Verständnis für seine Frau, was der Fokus ist.
Wie verhält sich dieser Mann gegenüber anderen Frauen? Er flirtet nicht, er schäkert nicht, er hat keine Gedanken, die zu anderen Frauen abschweifen. Wir sehen in 1. Timotheus 5,2, wie der Gläubige mit anderen Gläubigen umgeht, insbesondere mit dem anderen Geschlecht: Er geht mit älteren Frauen um wie mit einer Mutter, er geht mit jüngeren Frauen um wie mit einer Schwester in allem Anstand. In 1. Timotheus 5,2 kommt hier extra die Ergänzung mit Sittlichkeit, in nötiger Zurückhaltung.
Das sind alles Umschreibungen für das Wort, was ihr in 1. Timotheus 5 findet: Keuschheit. Keuschheit heißt Anstand, zurückhaltend. Diese Zurückhaltung zeigt der Älteste den jüngeren Frauen gegenüber insbesondere. Was ist, wenn jemand Single ist – kann er auch dann ein Fraumann sein? Ja, auch wenn er nicht verheiratet ist, kann dieses Prinzip für ihn gelten, indem seine Gedanken rein bleiben und er so lange keine Frau begehrt, bis der Herr ihm eine geben würde, wenn es so ist. Seine Gedanken in diesem Fall – 1. Korinther 7,34 – sind auf das Reich Gottes ausgerichtet. Das ist die Spezialeinheit Single, sowohl als Mitglieder als auch unter Ältesten.
Nun, wie ich schon sagte, ist die traurige Wahrheit, dass dieser Punkt – ein Fraumann zu sein oder eben nicht – leider mehr Männer im geistlichen Dienst disqualifiziert hat als jede andere Anforderung, die wir hier finden. Die Untreue in der Ehe – das Versagen in dieser Hinsicht – ist ein großer Stolperstein für viele. Wir sind in dem Punkt, dass er charakterlich reif ist. Neben dem, dass er Mann einer Frau sein soll, sehen wir nun, dass er nüchtern und besonnen sein soll.
Er ist nüchtern und besonnen. Ich nehme die beiden Eigenschaften zusammen. Er muss besonnen und nüchtern, er muss klar denken. In Titus 1 sehen wir diese Begriffe in Vers 6 und Vers 8. Was bedeutet es, besonnen und nüchtern zu sein? Es geht um diese Fähigkeit, sich nicht in Verstrickungen zu verlieren. Diese Eigenschaft bedeutet nicht, dass du nur noch kalt bist und nie mehr lächelst, nüchtern! Nein, sondern es bedeutet, dass wir die Dinge in unserem Leben im Alltag aus Gottes Sicht betrachten – nüchtern und nicht verblendet, abgelenkt, hin und her geworfen, wie Epheser 4 sagt. Dieser Mann lässt sich nicht von impulsiven Gefühlen leiten, sondern er ist überlegt und vorsichtig. Er hat sein Denken im Griff. Nun, seine charakterliche Reife geht weiter.
Er ist anständig. Anständig ist das Wort »schön«, »schicklich« – davon kommt Kosmetik. Ja, es ist nicht die Qualifikation seiner Ehefrau, es ist seine Qualifikation. Auch wenn wir alle zugeben müssen, darin haben wir auf jeden Fall die Gehilfin besonders nötig. Er hat ein geordnetes Leben – das ist hier die Qualifikation, kein chaotisches Leben. Im Gegensatz zu Unordnung ist er ehrbar, wie es nachher bei den Diakonen heißt, oder auch in Titus: anständig.
Er ist gastfrei. Auch hier bemerkt bitte: Es ist seine Qualifikation, nicht die Qualifikation seiner Ehefrau, dass sie gastfrei ist. Er ist es. Er leitet sein Haus und er hilft in der Gastfreundschaft, nah bei den Menschen zu sein – indem er zu Gast ist, das ist einfach und indem er zu sich nach Hause einlädt, werden die ganzen Aspekte, in zwei Wochen mehr dazu, seinem Haus gut vorstehen, nahbar für die Gemeinde. Die Leute sehen wie er lebt. In den eigenen vier Wänden – wir merken das in den Hauskreisen – ist es so schön und angenehm und viel einfacher, über Informelles auszutauschen, Sorgen, Nöte und vieles Weitere zu besprechen.
Er ist indirekt in der Gastfreundschaft ein Vorbild in seinem Leben. Er hat auch indirekt eine Rechenschaft in der Gastfreundschaft, denn die Leute sehen, wie er lebt. Und er liebt nicht nur seine Freunde, sondern er liebt auch Fremde – auch das ist Teil dieses Begriffs Gastfreundschaft. Menschen in der Gemeinde, die er nicht gut kennt. Sein Haus ist offen, nicht nur für seine Freunde. Er ist nicht nur gastfrei, er ist auch lehrfähig. Er ist weiterhin kein Weintrinker.
Er ist nicht dem Wein ergeben. Wortwörtlich: Er ist nicht jemand, der lange beim Wein sitzt. Ein wichtiger Punkt – »kein Säufer«, übersetzen einige Bibeln – es ist mehr als nur die Aussage, dass er kein Trunkenbold ist. Es ist mehr als nur, dass er nicht andauernd in der Kneipe sitzt. Es geht darum, dass er sich nicht dem Wein hingegeben hat. Er wird nicht mit denen in Verbindung gebracht, die man immer mit einem Glas Wein sieht – Männer, von denen man sagt: Die hast du immer mit dem Bier in der Hand gesehen oder mit einem Glas Wein. Natürlich gibt es viele andere Möglichkeiten, sich die Sinne zu berauschen – all das ist hier mit inbegriffen.
Was passiert in diesem Fall? Du bist geknechtet, nicht nüchtern, hast kein klares Urteilsvermögen und dich selbst nicht im Griff. Und es soll für den Ältesten – den Vorsteher der Gemeinde, den Hirten der Gemeinde, den Aufseher der Gemeinde – nichts geben, was sein Urteilsvermögen beeinträchtigt. Nur dann kann er gute, gerechte und wohlüberlegte Entscheidungen treffen.
Wie viel ist zu viel? Ich denke, jede Gemeindeleitung sollte bei Gelegenheit das durchdenken im Bezug auf das Zeugnis nach außen, und es wird Unterschiede geben in unterschiedlichen Regionen vielleicht oder unterschiedlichen Kulturen. Aber eines können wir ganz sicher sagen, wie einer meiner Schüler in einer Hausaufgabe es sehr einfach und treffend formulierte: Spätestens wenn jemand kein Auto mehr lenken darf, kann er auch die Gemeinde nicht leiten. Wir wollen ja immer so Grenzen, dass ist die allerallerletzte Grenze. Er ist nicht nur kein Weintrinker, er ist auch milde und gütig.
Er ist milde und gütig. Milde und Güte folgt direkt auf »kein Schläger« – ich überspringe den Punkt einfach, ich denke, es ist klar, was kein Schläger bedeutet. Aber milde und gütig ist den meisten nicht klar. Milde und gütig ist eine Schwierigkeit für die Jungen wie für die Alten.
Gütig, die Barmherzigkeit Gottes, die dich gerettet hat – die vergisst der jung aufstrebende Theologiestudent ganz schnell. Er erkennt die Wahrheit, er kann sie ganz genau auseinandernehmen, und er will, dass sie heute umgesetzt wird. Aber auch ältere Männer haben ihre Herausforderung, gütig zu sein – denn so lange warten, so viel Geduld, so viel Langmut. Aber genau das soll den Ältesten auszeichnen.
Er hat keine kurze Zündschnur. Man muss nicht ständig befürchten, bei ihm im Graben zu landen und dass er schnell explodieren würde. Seine Emotionen laufen nicht Amok. Er kann sich steuern. Er bewahrt sein Herz. Er passt auf, was reinkommt und was rauskommt.
Diese Güte und Milde ist insbesondere notwendig, dass er nicht frustriert wird, wenn andere versagen. Er darf nicht frustriert werden, wenn andere versagen. Er reagiert mit Geduld, mit Verständnis und mit Gnade. Gnade heißt, dass unser Gegenüber nicht bekommt, was er verdient, sondern wir übernehmen die Rechnung und reagieren mit Gnade. Die Barmherzigkeit Gottes, die uns treibt und lenkt, ist eine Eigenschaft, die ihn kennzeichnet.
In Milde und Güte ist er auch bereit, schnell zu vergeben. Er hält nicht fest am Groll. Er wird nicht bitter. Er ist ein Friedensstifter in seiner Milde – er ist nicht streitsüchtig als explizite Charaktereigenschaft. Friedensstifter – er sucht den Frieden zu stiften. Das ist aktiv. Dieser Mann beharrt nicht immer auf seinem Recht, sondern es ist ihm wichtig, die Beziehung zu wahren, als das Recht zu wahren.
Er ist nicht eigenmächtig. Auch diese Eigenschaft ist in der Wirtschaft gern gesehen – ein Mann, der weiß, wo er hingeht. Leute, die führen, die leiten, die vorangehen, Ellenbogen benutzen, wo notwendig natürlich nur. Aber die Welt, auch wenn sie das theoretisch vielleicht ablehnt, feiert viele dieser Männer. Die Bibel sagt: Er ist nicht eigenmächtig, nicht eigenwillig. Es geht nicht nur auf seine Art und Weise, sondern das Team von Ältesten erfordert, dass man zusammenarbeiten kann. Nicht eigenmächtig heißt: Er ist ein guter Teamplayer.
Wir sehen in Titus 1,8, das war Titus 1,7, dass er in allen Bereichen beherrscht sein soll. Diese Beherrschung in allen Bereichen heißt, in allen Bereichen ein reines Gewissen zu haben. Er kann sich beherrschen. Ihr erinnert euch an Korinther: »Alles ist euch erlaubt, aber nicht alles ist nützlich, und nichts soll uns beherrschen.« Nun, zuletzt im Bezug auf die charakterliche Reife sehen wir, dass er ohne Geldliebe sein soll.
Er ist ohne Geldliebe. Sein Lebensstil ist genügsam. Er lebt mit dem, was Gott ihm schenkt. Er denkt nicht die ganze Zeit darüber nach, wie er zum großen Geld kommt, sondern er ist dankbar für das, was Gott ihm schenkt. Und er ist im Bezug auf Finanzen – ihr habt das schon oft gehört – ein guter Verwalter seiner Mittel. Er will das, was er hat, nutzen und nicht mehr haben. Sein Antrieb ist, nutzen was er hat – und nicht mehr haben. Nicht geldliebend. Er ist großzügig. Er hat also, der Älteste, einen guten Ruf und er hat charakterliche Reife, aber er ist auch geistlich reif.
Er ist kein Neuling. In 1. Timotheus 3,6 lesen wir davon, dass er kein Neuling sein soll. Wortwörtlich schreibt Paulus hier: kein Neugepflanzter. Warum? Damit er (Esrabibel) nicht benebelt wird und ins Gericht des Teufels fällt. Ein Neugepflanzter, ein frisch Bekehrter, er wird schnell vernebelt, und wenn er vernebelt ist, sieht er nicht mehr klar – und dann stolpert er schnell. Dieses Bild zeichnet Paulus in 1. Timotheus 3,6: Er wird überheblich, er wird stolz.
Je länger ein Mann im Glauben ist, umso mehr hat er verstanden, wie langsam und fortwährend Reife und Wachstum in seinem eigenen Leben vorwärts geht. Und diese Momente des Jungbekehrten – er hat auf einmal ein neues Leben und hat eine Menge Sünden sofort abgelegt – geht dann über zu der fortwährenden Heiligung, immer und immer weiter, ein Dauerlauf bis ans Ende unseres Lebens.
Wir könnten sagen: Er muss vom Sprint des Neubekehrtseins übergegangen sein und sich bewährt haben im Dauerlauf. Dann kann er Ältester werden – kein Neuling.
Diese Reife zeigt sich aber auch in all den Aspekten der Bibelkenntnis. Wir werden in zwei Wochen mehr darauf eingehen, aber der Älteste muss die Schrift verteidigen können. Er muss sie kennen. Er muss den Herrn lieben. Und es braucht seine Zeit für diese Reife. Die große Gefahr, wenn jemand zu jung eingesetzt wird – zu jung im Glauben, nicht so sehr vom Alter her –, ist, wie der Text uns sagt, überheblich zu werden.
Demut ist das Gegenteil der Überheblichkeit und ist also eine entscheidende Eigenschaft für einen Ältesten.
Er ist empfindlich für Sünde. Nicht direkt hier in 1. Timotheus 3 und auch nicht direkt in Titus 1, aber in den ganzen Pastoralbriefen sehen wir zuletzt bei geistlicher Reife, dass er empfindlich sein muss für Sünde. Er ist sensibel, wenn er nachdenkt über sein Leben. Wenn er Sünde in seinem Leben erkennt, reagiert er darauf mit Traurigkeit, mit Offenheit. Er will sie nicht verdecken, seine Sünde nicht glattbügeln, nicht unter den Teppich kehren, sondern bekennen und schnell Buße tun.
Es ist wichtig, dass wir diese Eigenschaften eines Ältesten, eines Aufsehers vor Augen halten. Es ist so weit verbreitet, dass es mehr um Wirksamkeit geht, mehr um Ergebnisse geht als um Charakter. Und der Text hier in 1. Timotheus 3 macht uns deutlich: Er muss ein Vorbild sein. Warum? Weil Johannes 17,17 uns zeigt: Jesu Ziel mit der Gemeinde ist, dass sie heilig ist. »Heilige sie in der Wahrheit. Dein Wort ist Wahrheit.« Der Älteste muss ein Vorbild sein. Diese Liste sind noch nicht mal alle Punkte, die hier genannt werden und auch nicht alle Punkte, die auf eurem Handout stehen – aber für heute reichen sie.
Punkt Nummer 2 für heute ist: Ein Ältester braucht das Evangelium und ein Bewusstsein für seine Unzulänglichkeit. Beachtet, dass ich diese Aussage unter die Anforderung Gottes an einen Ältesten stelle. Das ist der Titel unserer Predigt. Gott fordert von einem Ältesten, dass er um seine Unzulänglichkeit weiß – er fordert, dass er das Evangelium benötigt. Und es ist ein Aspekt, der nicht ganz so bekannt ist, wahrscheinlich für euch.
Der Älteste braucht das Evangelium. Er braucht es, um zu wachsen. Wir haben schon gesagt, dass der Älteste nicht eingesetzt wird, wenn er perfekt ist. Das beinhaltet, dass er wächst. Er braucht das Evangelium für das Wachstum. Er muss wissen, wo er wachsen muss.
Erinnert euch kurz an Petrus. Petrus, bevor er Ältester wurde – der Draufgänger, alles für den Herrn. Ich weiß, viele Eltern sehen ihre Kinder und sagen sich: Wenn diese Energie bloß für den Herrn eingesetzt wird. So einer war Petrus. Er war immer zu 100% committed – nur nicht unbedingt für die richtigen Dinge.
Und jetzt haltet euch mal vor Augen: Wann wurde Petrus zum Ältesten eingesetzt? Wie weit war er schon? Petrus wurde zum Ältesten eingesetzt 53 Tage, nachdem er in Gethsemane tatsächlich sein Schwert zückte und zuschlug. Petrus wurde zum Ältesten eingesetzt 53 Tage, nachdem er Jesus dreimal verleugnete. Selbst nach der Auferstehung will Petrus wieder fischen gehen – nach der Auferstehung, raus aus dem Dienst. Und dann wird Petrus einer von vielen Ältesten von 5.000 Mann, also ungefähr 15.000 Mitglieder. Warum? Wie kann das sein?
Nun, ihr könnt es gerne nachlesen in Johannes 21. Ein Frühstück mit Jesus – hätte auch Mittagessen sein können, aber sie waren halt Fischer, sie haben die Nacht gearbeitet. Ein Frühstück mit Jesus, eine klare Berufung durch Jesus. Aber hier kommt der springende Punkt: ein ungeteilter Gehorsam von Petrus Jesus gegenüber, trotz der Leidensankündigung, die Jesus ihm in Johannes 21 gibt. Ihr habt sicher den Wortlaut vergessen – die Zeit reicht nicht, lest es nach, was Jesus ihm alles sagt, auf ihn zukommt. Und was sagt Petrus? 100% ja: Ich werde die Schafe weiden.
Und dann, 30 Jahre später, 30 Jahre Wachstum, schreibt Petrus in 1. Petrus 2,19: »Es ist Gnade, wenn jemand aus Gewissenhaftigkeit gegenüber Gott Kränkungen erträgt, indem er zu Unrecht leidet. Denn was ist das für ein Ruhm, wenn ihr geduldig Schläge ertragt, weil ihr gesündigt habt? Wenn ihr aber für gutes Tun leidet und es geduldig ertragt, das ist Gnade bei Gott, denn dazu seid ihr berufen, weil auch Christus für uns gelitten und uns ein Vorbild hinterlassen hat, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt.«
Petrus hat beide Leiden erlebt. Er hat die Leiden erlebt, die auf seine eigene Kappe gehen, und er hat die Leiden erlebt um des Namens Jesu willen.
Ein Ältester braucht das Evangelium. Ein Ältester braucht Wiederherstellung. Ein Ältester muss wachsen. Und Petrus ist ein Beispiel dafür, was nach 30 Jahren passiert ist.
Ein Ältester braucht zweitens ein Bewusstsein für seine Unzulänglichkeit. In Kolosser 1,29 – wir waren schon in diesem Text – sagt Paulus: »Ich arbeite und ringe gemäß seiner wirksamen Kraft, die in mir wirkt mit Macht.« Er ist es, der wirkt.
In 2. Timotheus, dem Abschiedsbrief an Timotheus aus dem Gefängnis, sagt er Timotheus: »Halte im Gedächtnis Jesus Christus, aus dem Samen Davids, der aus den Toten auferstanden ist, nach – Achtung! – nach meinem Evangelium, in dessen Dienst ich Leiden erdulde, sogar Ketten wie ein Übeltäter – aber das Wort Gottes ist nicht gekettet!«
Paulus kommt so weit, dass er Timotheus sagt: Dieses Evangelium, diese Botschaft ist meine Botschaft. Diese Botschaft durchdrängt mein Leben. Welche Botschaft? Dass wir nichts können und dass Jesus alles getan hat an unserer Statt. Der Älteste braucht das Evangelium, und diese Botschaft ist sein Evangelium – und in all seiner Schwachheit, in diesem Fall gekettet, Umstände passen nicht, er kann nichts mehr tun. Der Fokus ist: Das Wort Gottes ist nicht gekettet.
Jeder Älteste braucht das Evangelium. Jeder Älteste muss wachsen. Jeder Älteste wird sündigen. Aber das Wort Gottes wird seine Arbeit tun, trotz den fehlbaren Unterhirten – wegen dem vollkommenen Oberhirten.
Und das muss der Älteste wissen, und die Gemeinde muss es wissen: dass ihr Ältester Wachstum braucht, dass ihr Ältester das Evangelium braucht, dass er Kraft von Gott braucht. Jeder einzelne Prediger muss sich vor Augen halten, dass kein Wachstum von irgendeiner Seele auf seine Kappe geht, sondern auf das Konto des Wortes Gottes, das nicht gekettet ist und Kraft hat, weil der Geist das Wort gebraucht.
Paulus macht in 1. Korinther 2 den Korinthern deutlich: »Ich war in Schwachheit und in Furcht und Zittern bei euch. Und meine Rede und meine Verkündigung bestand nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit beruhe, sondern auf Gottes Kraft.« Und worin ist die Kraft Gottes? In der Auslegung des Wortes.
Wenn wir davon sprechen, dass Älteste das Evangelium brauchen und unzulänglich sind, dann möchte ich dich darauf hinweisen: Sei nicht überrascht bei begabten Männern und Frauen von einem Stachel im Fleisch in ihrem Leben, und verwechsle nicht den Stachel im Fleisch in einer Person mit Disqualifikation.
Ich erkläre es. Älteste sind keine Hollywood-Helden. Paulus sagt in 2. Korinther 12, dass er selbst wegen viel Begabung einen Stachel oder Pfahl im Fleisch bekommen hat von Gott. Warum? Damit er sich nicht überhebe. Verwechsle nicht, dass wenn Gott einem begabten Menschen Schwachheit gibt – mehr sagt Paulus nicht, er sagt nur, es ist eine Schwäche –, dies mit Disqualifikation gleichzusetzen ist.
Diese Schwachheit beschreibt Paulus in 2. Korinther 12,10 etwas näher: Er ergänzt die große Schwachheit mit Misshandlung, mit Nöten, mit Verfolgung, mit Angst. Und die ganze Lösung, was Gott beabsichtigt für Paulus, ist: »Der Herr hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollkommen. Darum will ich mich am liebsten viel mehr meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft des Christus bei mir wohne.«
Begabte Menschen, die Gott lieben, haben wahrscheinlich – ich denke, man könnte sagen: immer – irgendeine große Schwachheit, eine Not, eine Misshandlung, einen Schmerz. Das sind die Begriffe, die Paulus wählt. Und genauso wie Paulus nicht postete, was genau diese Schwachheit war, genauso wissen wahrscheinlich die wenigsten – bis auf einige wenige im Umfeld eines jeden einzelnen Gläubigen –, was diese Schwachheiten sind.
Sie sind wozu da? Damit du dich nicht überhebst. Und sie sind wozu da, damit was genügt? Die Gnade genügt. Und damit was unser Vertrauen ist? Das Wort Gottes allein und die Botschaft allein.
Aber Schwäche kann sehr schnell mit Disqualifikation verwechselt werden – und sie kann disqualifizieren. Versteht mich nicht falsch. Die Schwäche disqualifiziert in dem Moment, wo ich mit Bitterkeit Gott und Menschen gegenüber darauf reagiere. Anstatt was? Was sollte Paulus tun? Lass dir an meiner Gnade genügen, anstatt mit Offenheit über diese Schwäche.
Aber so viele haben eine Schwäche und sagen: »Gott, wenn du das nicht nimmst, dann bin ich bitter gegen dich.« So viele haben Misshandlung – das ist nichts anderes als: Ich werde nicht zu Recht behandelt – und sie nehmen sie nicht an, sondern sie werden bitter gegen Gott und Menschen. So viele haben Nöte und Ängste und sagen sich: Lieber will ich die Nöte und Ängste nicht mehr haben, und ich höre auf zu dienen. Dabei will Gott, dass du sagst: Lass dir an meiner Gnade genügen.
Der Älteste wird seine Dinge vom Herrn haben, die ihn auf dem Boden halten. Vielleicht nicht Tag für Tag, aber immer und immer wieder. Seid davon nicht überrascht, sondern wisst: Gott wirkt.
Und es ist so bemerkenswert, wenn wir von diesem Punkt reden – ich habe nachgedacht, und ich glaube, ich kann sagen: so gut wie alle meine persönlichen Vorbilder, Älteste oder gewesene Älteste in den 20, 30 Jahren, in denen ich sie kenne, weitergewachsen sind. Wenn ich das sage, beinhaltet es was? Dass sie vor 20, 30 Jahren nicht da waren, wo sie heute sind. Aber Älteste werden immer nach Heiligkeit streben in ihren Leben, in ihren Familien, in ihrer Gemeinde, in ihrem Umfeld. Und Älteste werden sich dazu auszeichnen, dass sie sich um das Unkraut in ihrem Garten kümmern – im geistlichen Leben, meine ich damit. Aber manchmal ist das Unkraut zäh. Manchmal kann man noch nicht mal unterscheiden: Ist es Unkraut oder Weizen, ist es jetzt eine Stärke oder eine Schwäche? Aber sie bleiben dran.
Älteste brauchen das Evangelium, und Älteste brauchen ein Bewusstsein über ihre Unzulänglichkeit. Und wisst ihr – Älteste werden weiter sündigen. Indem sie weiter sündigen, wird ihnen mehr vergeben, weil sie das Unkraut jäten. Und wem viel vergeben ist, der liebt viel. Älteste sollen viel lieben – also müssen sie Männer sein, denen viel vergeben wurde. Das ist Petrus gewesen. Das ist Petrus gewesen und viele weitere.
Sie werden weiter sündigen, und wir werden einen Teil davon auf übernächste Woche vertagen, wie wir in 1. Timotheus 5 davon lesen, dass 1. Timotheus 5 davon ausgeht, dass ein Ältester sündigt – denn der Timotheusbrief beschreibt, wie Timotheus damit umgehen soll.
In zwei Wochen, so Gott will, werden wir weitermachen mit den Anforderungen Gottes an die Ältesten und werden uns anschauen, dass er nicht nur das, was wir heute angeguckt haben – ein vorbildliches Leben führen muss und das Evangelium braucht –, sondern dass er auch den Wunsch haben muss, Aufsicht zu üben, und das wollen muss. Außerdem das er fähig sein muss zu lehren, und zuletzt, dass er ein Mann sein muss.
Wie ich schon sagte: Ihr habt diesen Zettel, wo ihr sehen könnt, dass all diese Eigenschaften, die wir gerade durchgegangen sind und gestreift haben, eine Spalte hat, dass alle Christen genau diese Eigenschaften Gottes in ihrem Leben anstreben sollen.
Und deshalb möchte ich, dass du nach Hause gehst und dir drei Dinge vornimmst für diese Woche.
Das erste ist: Halte daran fest in deinem Herzen, dass Älteste einer Gemeinde diese Reife und dieses Vorbild haben sollen. Halte in deinem Herzen daran fest, denn die Not und die Gesellschaft geben uns so schnell andere Maßstäbe. All diese Eigenschaften sind nicht einfach nur wünschenswert, wie ich anfangs sagte, sondern sie sind Gottes festgelegter Bauplan. Es ist seine Vorgabe. Halte an diesen Qualifikationen fest für Älteste in der Ortsgemeinde.
Zweitens: Denk daran, dass jede Eigenschaft, die wir durchgegangen sind und die wir durchgehen werden, eine Eigenschaft Gottes ist, die zu deiner Berufung dazugehört. Du sollst genauso leben. Und nun möchte ich dich herausfordern: Von dieser langen Liste oder nur von dieser Liste, die wir heute durchgearbeitet haben. Welche zwei Eigenschaften brauchen Schliff in deinem Leben? Benenn sie, markiere sie dir, halte sie dir vor Augen, und denk nicht, dass nächsten Sonntag alles erledigt ist. Sondern es ist eher eine Aufgabe von Wochen, diese Eigenschaften durchzudenken, diese Bibelstellen, die hier draufstehen und weitere, die dazu passen, zu studieren, auswendig zu lernen – dass das Wort reinigt und reinigt und reinigt. Vielleicht ein passendes Buch zu diesem Thema zu suchen. Die Taschenhilfen, die ihr vorne seht, eignen sich zu vielen Themen sehr gut. Und arbeite an den Dingen. Denk daran – Kolosser 3,16 –, dass das Wort Christi reichlich in dir wohnt und diese Reinigung bewirken wird. Und dann Philipper 2,12: Verwirkliche deine Rettung mit Furcht und Zittern. Denk nicht, dass diese Eigenschaften nur für zwei Männer in diesem Raum gelten. Nein, sie gelten für jeden von uns und sollen jeden von uns anspornen. Und deshalb braucht jeder von uns auch Predigtpunkt 2: das Evangelium und das Bewusstsein für Unzulänglichkeit.
Und dann drittens: Halte nicht nur die Qualifikation vor Augen und mach dir nicht nur Gedanken über Eigenschaften, die du umsetzen willst – sondern bete für Älteste. Bete für die Ältesten in deiner Gemeinde. Bete für zukünftige Älteste in deiner Gemeinde. Ich glaube, es ist verständlich, dass Gott so einen Mann formt und dass es nicht von heute auf morgen geschieht. Es sind viele, viele Jahre im Leben eines jeden. Aber bete auch für Älteste in anderen Gemeinden und bete für zukünftige Älteste in anderen Gemeinden und auf dem Missionsfeld. Gott beruft Älteste, wie wir letzte Woche gesehen haben. Also lasst uns im Gebet auch dafür einstehen.
Gottes Anforderung für Älteste ist, dass er vorbildlich ist und dass er sich selbst bewusst ist um die Kraft des Evangeliums und die Notwendigkeit des Evangeliums.
Herr Jesus Christus, in diesem Moment wollen wir dich preisen dafür, dass du in deinem Wort sagst: »Neues Leben gibst du, du rechtfertigst, du stellst uns vollkommen dar.« Und diese Wahrheit brauchen wir, Herr, Tag für Tag – dieses Bewusstsein der Gnade. Und doch ist es nicht eine billige Gnade, die uns nur begnadigt, sondern dein Wort macht uns auch deutlich, dass Gnade uns in Zucht nimmt, dass unser Leben sich verändert, wenn wir Gnade wirklich verstanden haben. Und Herr, du kennst das Herz, den Alltag von jedem einzelnen, der diese Botschaft nun gehört hat. Und wir bitten dich, Herr, wirke durch deinen Geist und dein Wort, was du verheißen hast, wie ein zweischneidiges Schwert. Offenbare du Herzen, Gesinnungen, Gedanken, und lass uns zu dir laufen, der du der Thron der Gnade selbst bist. Vergebung empfangen und deine Gebote als leichte Gebote empfinden, wie Johannes uns schreibt. Denn schwer wäre es, wenn wir bewirken müssten, was wir nicht können, in all unserer Schuld. Und so preisen wir dich für das Evangelium Jesu Christi, dass wir, Herr, begnadigt sind und diese Botschaft heute noch gilt. Lass du sie uns hinaustragen als Zeugen für deinen Namen. Amen.
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