Du erinnerst dich noch an die Zeit, bevor das erste Kind kam. Ihr hattet als Ehepaar Zeit füreinander, ihr habt miteinander geredet, ihr wart ein Team – oder wie die Bibel sagt – ihr habt aneinander geklebt. Und dann kam das erste Kind – und plötzlich dreht sich alles nur noch darum. Dein Ehepartner hat nur noch einen Fokus: Geht es dem Kind gut? Welche Kleidung, welche Bildung, welche Erziehung – und vieles mehr.
Und irgendwann merkst du: Die Ehe läuft nur noch nebenbei. Oder gar nicht mehr. Du fühlst dich wie in einer WG. Ihr habt noch dasselbe Zuhause, aber du hast das Gefühl, nicht mehr wirklich verheiratet zu sein. Die Gespräche mit deinem Ehepartner werden weniger, gemeinsame Aktivitäten zu zweit kommen kaum noch vor, die Intimität verschwindet.
Was ist passiert? Und vor allem: Ist das normal – oder ist das ein Problem? Was sagt die Bibel dazu?
Was Einheit in der Ehe wirklich bedeutet
Das wichtige ist, dass die Bibel von der Einheit von Mann und Frau innerhalb der Ehe spricht. Nicht von der Einheit von einem Ehepartner mit dem Kind. Was bedeutet diese Einheit? Einheit bedeutet nicht, dass du deine Persönlichkeit aufgibst. Einheit bedeutet auch nicht, dass du ein Klon deines Ehepartners wärst, sondern Einheit bedeutet Kameradschaft. Salomo geht auf diesen Begriff in Sprüche 2,17 ein. Er spricht von der Ehefrau, aber er nennt sie »die Vertraute deiner Jugend« – er meint damit eine innige, vertraute Freundschaft. In Psalm 144,14 wird dasselbe Wort gebraucht, und es meint »ein gespanntes Rinderpaar«. Mann und Frau sind in einem Gespann. Sie sind Kameraden, die dieselbe Last tragen, denselben Weg gehen, Seite an Seite nebeneinander sind – und auch nicht ausbrechen, sondern aneinander geschweißt sind für den Rest ihres Lebens. Das ist die erste biblische Wahrheit, die eine sehr wichtige Grundlage ist. Denn egal was kommt, auch wenn es Kinder sind, diese Wahrheit gilt nur für die Ehepartner.
In diesen 6 Bereichen zeigt sich, ob ihr wirklich eins seid
Wie weit geht diese Einheit? Sie betrifft die Gedanken – das heißt, was dir wichtig ist, das ist deinem Ehepartner wichtig. Diese Einheit betrifft eure Emotionen: Du hast Anteil an den Freuden des anderen, du hast Anteil an der Trauer, an den Schmerzen des anderen. Diese Einheit betrifft eure Beziehungen: Wer sind eure gemeinsamen Freunde? Wen ladet ihr ein, mit wem verbringt ihr Zeit? Diese Einheit betrifft eure Zeit: Wie verbringt ihr die Zeit zusammen als Ehepaar, als Mann und Frau? Welchen gemeinsamen Freuden und Hobbys geht ihr nach? Einheit betrifft euren Körper – eheliche Einheit gipfelt in der Intimität. Diese Einheit betrifft eure Arbeit: Auch wenn ihr acht Stunden am Tag voneinander getrennt seid, betet gemeinsam für die Aufgaben des anderen. Wenn du nicht nachfragst, wie der Tag des anderen war, dann nimmst du nicht Anteil an den acht Stunden des anderen. Dann seid ihr keine Einheit, sondern vielleicht fühlt es sich eher an wie zwei Gefangene, die dieselbe Baracke teilen. Diese Einheit betrifft das geistliche Leben: gemeinsam zu lesen, zu beten, gemeinsam in der Gemeinde zu dienen, gemeinsam einander helfen, Sünde zu erkennen, aber auch Sünde abzulegen. Alles das wird durch Kinder natürlich herausfordernder, aber es bleibt Gottes Plan für die Ehe.
Warum Gott die Ehe nicht als Glücksquelle gedacht hat
Gott ist die primäre Quelle, all deine Bedürfnisse und all deine Freuden zu stillen – und nicht die Ehe. Wenn du die Ehe als Mittel zum Zweck ansiehst, um glücklich zu werden, dann nimmt sie einen Platz ein, den nur Gott einnehmen kann, und du wirst garantiert enttäuscht werden – in jeder Beziehung, die du eingehst. Denn keine Beziehung bringt diese Erfüllung. Allein Gott bringt Stabilität in die Einheit. Das gleiche gilt aber auch für deine Kinder. Auch sie sind nie dazu gedacht, dass sie deine Freuden stillen. Auch wenn du denkst, dass du bei deinen Kindern viel mehr Freude und Glück bekommst, als zum Beispiel bei deinem Ehemann, darfst du dieser Lüge nicht auf den Leim gehen. Gott ist und bleib die primäre Quelle all deiner Bedürfnisse.
Der Moment, in dem die Ehe in Gefahr gerät
Meistens beginnt die Ehe mit einer guten Einheit. Dann kündigt sich das erste Kind an. Und was geschieht so oft? Sobald der Schwangerschaftstest positiv ist, dreht sich jede freie Minute nur noch um das Kind, um die Geburt, um den Namen. Sogar das Budget dreht sich darum, das Kinderzimmer, die Kleider, der Urlaub – irgendwie alles wird nur noch nach nach diesem kleinen Kind ausgerichtet. Und dann wird dieses süße kleine Bündel aus dem Krankenhaus nach Hause gebracht und es geht genau so weiter.
Sobald Kinder die Familie betreten, müsste irgendwie ein Alarm losgehen – Alarmstufe Rot für die Ehe – denn die Priorität kann aus dem Gleichgewicht geraten. Nicht das Kinder schlecht sind, sie sind eine Gabe Gottes, aber wir neigen dazu unsere Berufung und Rolle innerhalb der Ehe zu vergessen. Gleichzwitig neigen Kinder dazu, die Gravitation in der Ehe aus dem Gleichgewicht zu bringen, weil sie den Mittelpunkt des Universums einnehmen wollen. Kinder sind wie jeder Mensch von Geburt an Sünder und wollen immer alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wenn du das nicht glaubst, dann lass deine Kinder ein Familienbild zeichnen und schau einfach, wen sie in die Mitte platzieren (meistens sich selbst).
Kinder wollen den Mittelpunkt – und wir lassen es zu
Alles dreht sich um die Kinder – und das sind die K.o.-Tropfen Satans, die Satan dir geben will. Er wird dir einreden und sagen: »Wenn sich alles um deine Kinder dreht, dann wird es ihnen gut gehen.« Das ist falsch. Wenn Kinder der Mittelpunkt von Ehe und Familie sind, dann macht das die Ehe und Familie krank – langfristig hat es große Auswirkungen.
Dabei sind es die kleinen Dinge des Alltags, die darauf hinweisen, wer in deinem Haus das Sagen hat. Wer zieht aus dem Ehebett oder aus dem Schlafzimmer aus, weil das Kind darin Platz nimmt? Wenn du als Ehemann nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommst: Wem gibst du die größte Aufmerksamkeit, den ersten Kuss, die erste Umarmung? Freust du dich mehr, deine Kinder zu sehen als deine Frau? Oder hat deine Frau wirklich den Vorrang? Plant ihr als Ehepaar einen Abend alleine, oder muss sich immer alles nach den Kindern ausrichten?
Was die Bibel über Kinder wirklich sagt
Schau dir mal den Vers in 1. Mose 2,24 an. Da steht:
»Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen.«
Ein erwachsener Mann wird Vater und Mutter verlassen. Das bedeutet: Kinder sind Gäste. Vielleicht zieht es dir den Boden unter den Füßen weg, aber das ist, was der Text sagt. Deine Kinder sind Gäste in deinem Haus, auch wenn sie etwas länger als drei Tage bleiben. Aber sie gehen wieder und dass ist Gottes Plan. Gott hat sie dir eine ganze Weile als Gäste zur Verfügung gestellt – sie zu prägen, zu investieren, sie zu lieben. Vielleicht dauert das 18 Jahre oder 20 Jahre, 22 oder 25 – aber sie gehen. Aber die Ehe, sie bleibt. Zumindest was danach noch von ihr übrig ist. Gott selbst hat dir deine Kinder nur für eine Zeit gegeben. Aber dein Ehemann, oder deine Ehefrau, sie soll für dein ganzes Leben lang an dir kleben. Die Ehe ist nicht auf Zeit!
In Psalm 127,3 heißt es: »Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN.« Wörtlich steht da: »Siehe, Kinder sind ein Erbteil, ein Erbesitz.« Man könnte im Deutschen eher sagen: »Kinder sind eine Leihgabe des Herrn.« Kinder gehören dir nicht – sie sind nur Gäste. Sie kommen für eine Weile, aber sie gehen auch wieder.
Kinder profitieren von einer starken Ehe – nicht umgekehrt
Die Kinder profitieren am meisten, wenn deine Ehe auf Betriebstemperatur läuft – das heißt, wenn deine Ehe nicht überhitzt ist, aber auch nicht unterkühlt ist. Dann profitieren deine Kinder am meisten davon. Einheit ist eine tägliche Entscheidung, auch wenn es schwer ist. Auch wenn deine Kinder viel Aufmerksamkeit fordern, lass es nicht zu, dass deine Ehe dadurch gefährdet wird.
Macht die Einheit der Ehe zu eurer Priorität. Das ist nicht wie eine Kopfschmerztablette, die du einmal einwirfst und die Kopfschmerzen sind vorbei. Dieses arbeiten an der Einheit der Ehe ist eher wie Vitamine, die du jeden Tag zuführen musst. Du musst immer auf der Hut sein, immer dafür kämpfen. Erinnere dich an die biblischen Wahrheiten:
Ihr sollt als Ehepaar aneinander »kleben«, denn das ist die Rolle die Gott selbst der Ehe zugedacht hat (denk daran, deine Ehe ist ein Leben lang). Und denk daran, dass deine Kinder Gäste sind. Gott hat sie euch für eine gewisse Zeit gegeben, aber sie werden und sollen irgendwann Vater und Mutter verlassen.
Willst du noch mehr dazu wissen? Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Predigt »Die Grundlagen einer stabilen christlichen Familie« von Matthias Fröhlich. Die Predigt wurde in unserer Predigtserie »Biblische Kindererziehung« gehalten. Alle Predigten dazu findes du hier.
Wenn du mehr Predigten über Gottes Plan mit der Ehe hören, sehen oder lasen möchtest, kannst du diese Predigten hier finden.