14. September 2025
Seit jeher versucht der Mensch in Religion, Gott zu gefallen oder sogar Göttern zu gefallen. Der Mensch will seit jeher die Götter, die Gottheiten zufriedenstellen, die Schuld, derer man sich bewusst ist, wieder gut machen, diesen Gott, an den man glaubt, besänftigen. Und die Frage, die jeden einzelnen Menschen bewegt, ist: Wie kann ich gegen meine Sünde ankommen? Wie kann ich sie besiegen? Wie kann ich die Begierden zügeln? Wie kann ich Gott besänftigen?
Jeder Einzelne von euch, der hier heute zuhört, weiß, dass auch wir diese Frage haben, auch wir diese Herausforderung haben, diese Sünde, die uns bewusst wird, gegen die wir kämpfen, unsere falschen und selbstzentrierten Wünsche, die wir erkennen, wenn wir in ruhiger Minute mal wirklich nachsinnen.
Und die große und sehr verbreitete Methode, dieser Schuld, dieser empfundenen Schuld zu begegnen und Gott oder die Götter zu besänftigen, ist die Enthaltsamkeit oder die Askese, das Entsagen von mir eigentlich wohltuenden Dingen. Askese und Gesetzlichkeit sind wie zwei Seiten derselben Medaille. Sie sind wundervolle Partner, die Askese und die Gesetzlichkeit darin, dir deinen Lohn zu rauben, einen Gläubigen davon abzuhalten, Jesus allein im Zentrum zu behalten, oder einen Ungläubigen in so viel Aktivismus zu verstricken, dass er meint, er würde Gott dienen und gleichzeitig Jesus verpassen.
Askese und Gesetzlichkeit sind wundervolle Partner, die in jeder humanistischen Religion wiederzufinden sind. Sie heben die Selbstverleugnung hervor – vielleicht die Freude an der Ehe oder die Freude an Essen und Gaben, was Gott geschenkt hat, die Freude an einem Urlaub, die Freude an einem Feierabend, das Zölibat, das Fasten, ja, das Leben als Mönch oder Nonne, wir kennen es, sind alles Ausprägungen davon. Und im ersten Augenblick sieht diese Lebensweise sehr lobenswert aus: so viel Hingabe für Gott. Viele würden uns in den Schatten stellen, und doch ist es völlig entgegengesetzt zu dem Leben aus Gnade, das Jesus uns bereithält und was der einzige Weg zu Gott ist und was der einzige Gottesdienst für den Gläubigen ist, der ewigen Lohn bringt.
Askese steht der Gnade entgegen. Der Duden beschreibt Askese als die strenge, enthaltsame und entsagende Lebensweise zur Verwirklichung sittlicher und religiöser Ideale. Askese ist außerdem zweitens eine Bußübung zur Überwindung von Lastern und Abtötung von Begierden, strenge Enthaltsamkeit und Bußübungen.
Der ganze Kern im Unterschied zur gottgefälligen Anbetung und der Askese, um die es heute Morgen geht, ist, dass in der Askese der Mensch Gott aus seiner Kraft gefallen will und die Überzeugung hat, ihm zu gefallen. In der Askese will der Mensch seine Begierde aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln abtöten, unter Kontrolle halten. Das Problem der Askese ist, dass Christus allein ohne jeglichen Zusatz in Gottes Plan der einzige Weg ist, um sündige Begierden zu bekämpfen, um Gott zu gefallen und Sünde wirklich zu überwinden.
In dem einen wirkt Gottes Gnade, wirkt Gott alles in Jesus Christus, in seinem Tod, hat den Schuldschein ausgelöscht, und in dem anderen wirke ich alles mit meinen Mitteln und ich will Gott zeigen, dass ich es kann aus meiner Kraft.
Das erste, was wir in Kolosser 2, Vers 20 sehen, ist: Religiös. Ihr dürft gerne den Kolosserbrief mit aufschlagen. Wir sind in unserer fortlaufenden Predigt in Vers 20 angelangt. Wir werden heute die Verse und 21 genauer anschauen. Der ganze Kontext ist immer wichtig. Der ganze Zusammenhang: In Kolosser 2, Vers 20 beginnt Paulus den Satz mit diesen Worten: »Wenn ihr nun mit Christus den Grundsätzen der Welt gestorben seid, weshalb lasst ihr euch Satzungen auferlegen, als ob ihr noch in der Welt lebtet?«
Paulus hat im Kolosserbrief beschrieben, dass Jesus alles getan hat für uns, dass wir in ihm gestorben sind, dass wir in ihm auferweckt wurden, dass wir in ihm leben. Und nun sagt Paulus in Vers: Was lässt du dir Satzungen auferlegen? Diese Satzungen sind Religiosität, deine Bemühungen, deine Enthaltsamkeit. Sie ist Teil jeder Religion: Streng du dich an. Und so ist in irgendeinem Aspekt und Ausmaß immer die Askese beteiligt in jeder Religion ohne Christus.
Die Regeln dieser Religionen, alle zusammengefasst, nennt Paulus die Regeln aller Religionen der Welt, nennt Paulus Grundsätze der Welt. Weil Gott dem Menschen in das Herz, in die Seele gelegt hat, ein Anbeter zu sein, muss der Satan Möglichkeiten der Anbetung schaffen, um den Menschen dieses Bedürfnis zu füllen. Und deshalb gibt es die unzähligen Religionen und die vielen Fußball- und sonstigen Sportvereine, dass wir anbeten können und dieses Streben nach Herrlichkeit und alle Anbetung, alle Religionen sind zusammengefasst in diesem Begriff: die Grundsätze der Welt.
So betet jemand an, der Jesus nicht kennt, wie aus eigener Kraft statt aus Christi Kraft. Und mit diesen Grundsätzen der Welt, mit all den Religionen kommen Satzungen, die dir auferlegt werden. Die Grundsätze der Welt sind diese ganze Vielfalt der Religion, und jeder Einzelne hat irgendwelche Satzungen, die sie behauptet und meint, wichtig wären. Und wir sind all diesen Satzungen mit Jesus gestorben. Wir haben uns das ausführlich in den Predigten angeschaut zu dem ans Kreuzheften und die Satzung nicht mehr wirksam sein lassen. Ihr dürft die Predigten gerne noch mal anhören.
Wir haben keine Rechtsprechung mehr aufgrund dieser alten Satzung. Sie gelten uns nicht, denn Jesus hat sie erfüllt. Und deshalb sagt er in Vers zu den Gläubigen gerichtet: Warum lasst ihr euch wieder Satzung auferlegen? Warum vermischt ihr die Gnade mit diesen Satzungen? Insbesondere – er war bei Gesetzlichkeit und kommt jetzt zu Askese, dieser Selbstverleugnung aus eigener Kraft.
Die Erscheinungsformen von Askese sind sehr unterschiedlich: Verzicht auf Genussmittel, um geistlicher zu sein, Fasten oder Beschränkung der Ernährung auf das Lebensnotwendige, die sexuelle Enthaltsamkeit entweder zeitlich befristet oder dauerhaft im Zölibat, um Gott näher zu sein, Verzicht auf Körperpflege, zum Beispiel will nicht mehr waschen, nicht mehr Bart und Haare schneiden. Einzelne Sekten haben zur Gewohnheit, einmal im Jahr noch die Haare zu schneiden. Das ist der Verzicht auf Kosmetik, besonders bescheidene oder ganz grob unbequeme Kleidung, um geistlicher zu sein. Schlafentzug, freiwilliges Aushalten von Kälte oder Hitze, eine harte Schlafstätte – kann man nicht mehr Bett nennen, um geistlicher zu sein. Es gibt sogar Kommunikationsverzicht, Schweigegebot, um geistlicher zu sein, Beschränkung der Bewegungsfreiheit oder Heimatlosigkeit, um geistlicher zu sein, um irgendwie sich Gott zu nahen.
Und all das rührt daher, dass man der Überzeugung ist, der Leib, das Fleisch, ist die Ursache für die Sünde und Begierde in meinem Leben. Und deshalb will ich diesen Leib knechten, unterdrücken, und dann werde ich auch die Begierde in den Griff bekommen. Das Fatale an Askese ist, sie wird Begierden fördern. Asketische Menschen sind die perversesten, die ihr treffen werdet in den Gedanken, die sie nie teilen, weil die Askese keine Kraft hat, eine Begierde zu bändigen. Sie wird sie nur befeuern.
Die ganzen körperlichen Schmerzen und Verwundungen, die ein Asket sich selbst zufügt, sind dann noch Sonderformen von Askese, und irgendeine Kombination davon nehmen Menschen auf sich in unterschiedlichen Religionen – die Liste war sicher nicht vollständig – um Gott zu gefallen und um diesem fleischlichen, sündigen Leib abzusagen. Ist das die Anbetung, die Gott sich wünscht? Ist das der Gottesdienst, den Jesus erwartet? Können wir durch diese Dinge geistlich wachsen, wenn wir uns der Askese widmen?
Wir haben in den letzten Predigten schon gesehen, es ist der selbstgewählte Gottesdienst: nutzlos, wertlos. Riesige Opfer – am Ende nichts wert, verbrannt. Selbst Martin Luther ruinierte fast seine Gesundheit durch die Askese, bevor er die Wahrheit erkannte und die Rechtfertigung aus Glauben entdeckte und glaubte.
Versteht mich nicht falsch: Gott mag manche zu einem Leben in Selbstverleugnung in manchen dieser Elemente, die ich gerade genannt habe, berufen. Viele Missionare beispielsweise haben aus der Notwendigkeit heraus ein sehr enthaltsames Leben gelebt, aber sie taten es nicht, um Geistlichkeit zu erlangen, sondern um das Evangelium voranzubringen.
Die richtige Art der Anbetung Gottes ist wichtig für dich und für mich. Und Paulus schreibt diesen Brief an eine gläubige Gemeinde und er warnt sie vor Askese. Das heißt, auch ihr heute Morgen müsst gewarnt sein vor Askese, vor den Gedanken, die ihr Lehrer hineinbringen, falsche Lehrer hineinbringen, Prioritäten verschieben und dann behaupten, Gott so näherzukommen. Wir haben die Gesetzlichkeit schon angeschaut, den Mystizismus und nun die Askese.
Es ist sehr, sehr wichtig: Viele Ratschläge der Psychologie heute gründen sich in Askese. Schaut mal genau hin. Du machst – das ist der ganze Kern der Askese. Du kannst, und du machst. Und der ganze Kern von »in Jesus« lautet: Jesus hat gemacht. Jesus hat vollkommen gemacht. Dann kommt: Ja, wir kommen zu Imperativen und Aufforderungen in Kapitel 3. Keine Sorge, aber nein, wir können nicht. Und so ist die Psychologie als Ganzes auf diese Lehre gegründet: Du könntest am Ende asketische Aspekte. Und diese Psychologie hat in Büchern, bei Bibellehrern, auf YouTube überall Einzug genommen, und deshalb müsst ihr sie kennen. Dieses grundsätzliche Prinzip: Mache ich, oder hat Jesus gemacht, in Bezug auf die früheren Themen. Ja, wird vielleicht dein Kind auch demnächst mal fragen. Jemand hat gesagt, er hat die Stimme Gottes gehört. Mama, hast du die auch schon mal gehört? Die Themen hatten wir das letzte Mal schon. Am Ende ist der ganze Kern: Wir vertrauen auf eigene Kraft, im Mystizismus auf eigene Visionen, in Gesetzlichkeit auf eigene Regeln, in Askese auf eigene Kraft. Wir vertrauen auf deine eigene Kraft und das ist der Kern, der auch im Leben eines Gläubigen in unterschiedlichen Auswirkungen sichtbar wird.
Besonders, liebe Leuchttürmer, bei Gläubigen, die besonders stark hingegeben sind im Dienst für den Herrn, steht die Askese vor der Tür und lauert. Ich möchte ein wenig davon heute mitbeleuchten. Wie lauert die Askese? Indem du aus eigener Kraft dienst, wirkst, arbeitest und nicht, weil Jesus deine Rettung vollbracht hat.
Was passiert noch mal, wenn wir uns dieser Askese hingeben? Und aus dieser Haltung heraus, ich mach das, dienen? Wie viel bleibt übrig von all unserem Dienst? Gar nichts. Selbstgemachter Gottesdienst, sagt Kolosser 2: nutzlos, nichtig. Und deshalb wollen wir gut hinschauen und hören, was Gott für Anbetung wünscht.
Dein Dienst aus eigener Kraft, deine Berufung aus eigener Kraft, sogar dein christlicher Alltag aus eigener Kraft können Hinweise auf Askese in deinem Denken sein. Jerry Bridges schreibt in einem Buch: »Ist es nicht ironisch, dass wir umso eher auf unsere gottgegebenen Fähigkeiten vertrauen, je mehr wir davon besitzen, statt auf Gott.«
Noch mal: Ist es nicht ironisch, dass wir umso eher auf unsere gottgegebenen Fähigkeiten vertrauen, je mehr wir davon besitzen, statt auf Gott. Das Trügerische daran ist, dass die Fähigkeiten Gott gegeben sind, und dann vertrauen wir auf sie, aber nicht mehr auf Gott.
Jerry Bridges schreibt weiter: »Auch wenn manche Menschen begabter sind als andere, so ist doch jeder von uns mit verschiedenen Talenten und Fähigkeiten ausgestattet. Wir neigen dazu, uns auf sie zu verlassen, so dürftig sie auch sein mögen. Der Feind des Evangeliums, dem wir alle, jung oder alt, reich oder arm, ständig ausgesetzt sind, ist dieses Vertrauen auf eigene Kraft.«
Selbst reife Gläubige, die an einen Rollstuhl gefesselt sind wie Johnny Ericson Tada, können davon berichten, dass sie gegen das Kämpfen aus eigener Kraft ankämpfen.
Wir stehen in der Gefahr, dieses asketische Denken zu leben. Der Schlüssel ist folgender: Wir vertrauen mehr auf die gottgegebenen Fähigkeiten, als wir Gott vertrauen.
Du vertraust mehr gottgegebenen Gaben als Gott selbst. Du vertraust mehr dem gottgegebenen Wohlstand als Gott selbst. Du erinnerst dich immer daran: Der Wohlstand, den ich habe, er ist Gott gegeben – und doch vertraust du auf einmal auf den Wohlstand statt auf Gott.
Du vertraust mehr auf die Gott gegebene Arbeitsstelle statt auf Gott. Du kannst dir in Erinnerung rufen: Ich bin hier, weil Gott ein Wunder getan hat, Montag bis Freitag, und doch aus eigener Kraft deine Arbeit vollbringen und in keinem Moment daran denken, dass Jesus alles getan hat.
Du kannst mehr auf Gott gegebene Lebensmittel vertrauen als auf Gott selbst, dich so sehr freuen, wie wundervoll die Natur ist mit allem, was sie uns gegeben hat, und doch Gott nicht mehr vertrauen.
Es funktioniert so tricky. Grundlage ist dieses Denken der Askese: Du kannst – und wir nehmen sogar die Mittel Gottes, um in diesem Denken uns selbst zu gefallen, in einem Gottesdienst, der uns selbst gefällt und der sehr demütig ist. Vers 23.
Wir können mehr auf die gottgegebene Erholung vertrauen als auf Gott oder den gottgegebenen Sport vertrauen als Gott selbst. Und du kannst es erkennen, indem du dich fragst: Welche Rolle spielt Jesus in diesem Gottgegebenen? Wenn er keine Rolle spielt, vertraust du auf deine Kraft, ohne die Kraft des Heiligen Geistes, die Jesus gegeben hat.
Und so haben wir uns schon angeschaut in den Versen in Kolosser 2 ab Vers 18, dass die Warnung ist: Es geht um Folgendes. Lasst nicht zu, dass euch irgendjemand um den Kampfpreis bringt. Kolosser 2,18. Darum geht’s. Deshalb wende dich von Gesetzlichkeit ab. Wende dich vom Mystizismus ab. Die Verehrung von Engeln, Sachen, die er gesehen hat oder nicht gesehen hat, in fleischlicher Gesinnung nicht festhält Kolosser 2,19 an dem Haupt, von dem aus der ganze Leib durch die Gelenke und Bänder unterstützt und zusammengehalten heranwächst in dem von Gott gewirkten Wachstum.
Diese Aspekte haben wir uns angeschaut und angeschaut, wie das Lösen von Gesetzlichkeit dazu führt, dass du die ganze Gemeinde auferbaust. Das ist das Geniale für den Christen, der sich an Jesus als sein Haupt hält, dass dieses Haupt Jesus alle Glieder koordiniert und zusammenfügt. Wenn ich mich an Jesus, mein Haupt halte, werde ich erfahren können, wie ich dazu beitragen kann, ohne dass ich es geplant habe, dass der ganze Leib wächst und auferbaut wird, weil alle Glieder sich am Haupt Jesus ausrichten.
Nun, als erstes möchte ich uns aufzeigen, was das große Prinzip der Askese ist. Ich habe euch schon das Element der eigenen Kraft als wichtiges Element in der Askese beschrieben, als Grundlage. Und im Text sehen wir einige weitere Aspekte, die insbesondere für die Kolosser relevant waren und auch heute noch – nur in anderem Gewand – daherkommen. Kenne das Prinzip der Askese als erstes.
Und als zweites möchten wir uns mehr anschauen, wie wir diese Askese in unserem Leben enthüllen können. In Vers 21 in Kolosser 2 lesen wir diese Warnung von Vers 18: »Komm, lass nicht zu, dass dir jemand den Kampfpreis nimmt.« Vers 21: Wie sehen diese Satzungen aus, von denen er versprochen hat? »Rühre das nicht an, koste jenes nicht, betaste dies nicht.«
Rühre das nicht an, koste jenes nicht, betaste dies nicht – das ist das Prinzip der Askese. Die meisten Juden außerhalb von Palästina hielten sich an die Speisevorschriften. Manche verboten sogar die Berührung bestimmter Speisen. Andere alttestamentliche Vorschriften erklärten den Menschen nach der Berührung von bestimmten Dingen als unrein. Die Askese hat insbesondere im Heidentum ganz viele Anhänger. Sie sehen in der Askese die Möglichkeit, eben geistliche Kraft zu erlangen und besondere Visionen und Offenbarungen durch die Askese zu bekommen.
Das haben wir letztes Mal auch schon erwähnt. Paulus nennt deshalb diese drei Beispiele, um deutlich zu machen, was die Kolosser wahrscheinlich hoch und runter gehört haben – wie so ein Sprichwort. Wird sich ja sogar im Deutschen ein bisschen reimen, ne? Rühre nicht an, koste nicht, betaste nicht. Im Griechischen sind es noch kürzere Formeln, immer nur zwei Worte.
Schauen wir uns die drei an. Das erste ist: rühre nicht an. In der Schlachter: »Rühre das nicht an.« Man könnte übersetzen: »Berühre nicht« – Elberfelder oder Esra Bibel: »Fasst nicht an.« Wenn man schnell drüber liest, könnte man meinen, es drehen sich alle drei um Nahrungs- und Lebensmittelvorschriften. Ich glaube, die erste ist eine Anspielung auf die sexuelle Enthaltsamkeit, denn dieses »rühre nicht an« finden wir wieder in 1. Korinther 7 und in Kolosser 3,5.
In der heidnischen Welt müssen wir verstehen, hatte der Götzendienst zwei große Bereiche – gerade in Korinth: Wir hatten die ganzen Opfer, die wir den Götzen bringen, und dann hatten wir – wenn es schwer vorstellbar ist für euch heute – die Tempelprostitution durch den Geschlechtsverkehr mit diesen Frauen im Tempel. Das wollte man als Anbetung. Das war wirklich der Glaube. Das war die besondere Hingabe dieser Frauen und der Wunsch in diesen Männern. Es galt, dass diese Frauen, die Tempelprostituierten, eine Einheit mit der großen Göttin Aphrodite bildeten und im Einzelnen ihre Göttlichkeit darstellten. Das Eingehen zu diesen Frauen ist also angenehm und anbetend für Aphrodite.
Paulus musste dieses Thema sieben bis neun Jahre, bevor er den Kolosserbrief schreibt, bei den Korinthern ansprechen. Es ist ein paar Jahre her, dass der Korintherbrief geschrieben wurde, aber es ist sehr hilfreich, diese großen zwei Themen von Speisevorschriften und Unreinheit vor Augen zu haben. Auch hier bei der Askese – die Enthaltsamkeit von Essen und Sexualität sind in 1. Korinther 6 schon ausführlich beschrieben. Und da wollen wir kurz ein wenig Ausflug hin machen: 1. Korinther 6 und 7 und uns anschauen, wie Paulus dort arbeitet und diese Gottlosigkeit und falsche Anbetung aufzeigt.
Beides war Götzendienst damals. Und 1. Korinther 6,13 ist der Vers, der beides zusammennimmt: »Die Speisen sind für den Bauch und der Bauch für die Speisen; Gott wird diesen und jenen wegtun. Beides wird vergehen.« Nun, der zweite Aspekt in Vers 13: »Der Leib ist aber nicht für die Unzucht, sondern für den Herrn und der Herr für den Leib.« Seht ihr die zwei Elemente, mit denen sie gekämpft haben? Die Speise und die Unzucht, die Vorschriften.
In 1. Korinther 7 beantwortet Paulus dann eine Frage, die die Korinther ganz konkret hatten, nämlich – achtet hier auf die Wortwahl von Paulus: »Was aber das betrifft, wovon ihr mir geschrieben habt, so ist es ja gut für den Menschen, keine Frau zu berühren.« Genau dieses Wort berühren, anfassen wie in Kolosser 2 und unserem Vers. Er spricht hier bei der Verwendung dieses Wortes von der Intimität mit einer Frau. Und er sagt den Korinthern in Vers 1, 7,1: »Ja, sollt nicht irgendeine Frau berühren.«
Hintergrund: Die ganze Tempelprostitution. In Korinth war der Geschlechtsverkehr mit den Frauen im heidnischen Tempel ein Anbetungsaspekt. Jetzt kommen diese Korinther zum Glauben, sie werden Christen, sie sind verheiratet oder haben erwachsen werdende Töchter und sie stellen sich die Frage: Was nun? Wir sind zum Glauben gekommen. Sollen wir jetzt gar keine Frau mehr anfassen, auch nicht unsere eigene? Sollen wir jetzt unsere Töchter nicht mehr verheiraten? Das ist 1. Korinther 7,1. Sollen wir uns vielleicht lieber scheiden lassen, dann sind wir gottseliger?
Deshalb gibt es dieses Kapitel und Paulus antwortet auf ihre Verwirrung und Frage. 1. Korinther 7, wir lesen die Verse 2 bis 10: »Um aber Unzucht zu vermeiden…« Hier spricht Paulus von der wirklichen Sünde. Seht ihr das? Um Unzucht zu vermeiden, soll jeder Mann seine eigene Frau und jede Frau ihren eigenen Mann haben. Hier spricht er davon, dass sie verheiratet sind, und sie sollen verheiratet bleiben. Die griechische Zeitform macht es unmissverständlich: Sie sind verheiratet und der Aufruf ist, ihr bleibt verheiratet. Der Mann, Vers 3, gebe der Frau die Zuneigung, die er ihr schuldig ist, ebenso aber auch die Frau dem Mann. Die Frau verfügt nicht selbst über ihren Leib, sondern der Mann. Gleicherweise verfügt aber auch der Mann nicht selbst über seinen Leib, sondern die Frau. Entzieht euch einander nicht! Hier ist die Askese, in die sie hineinrutschen könnten. Entzieht euch einander nicht, außer nach Übereinkunft eine Zeit lang, damit ihr euch dem Fasten und dem Gebet widmen könnt und kommt dann wieder zusammen, damit euch der Satan nicht versucht um eurer Unenthaltsamkeit willen.«
Weiter in Vers 8: »Ich sage den Ledigen und den Witwen, es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich. Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten. Denn heiraten ist besser als in Glut geraten. Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass eine Frau sich nicht scheiden soll von dem Mann.«
Genau das gleiche macht Paulus in Kolosser 2. Die Askese tendiert in die Richtung, die Nahrungsmittel – da kommen wir gleich zu – jetzt die Sexualität zu unterdrücken, weil sie eine Form von Begierde sein kann, die sündig ist. Und die nennt Paulus auch Sünde: Es ist Unzucht. Aber jeder soll seine eigene Frau haben, jede Frau ihren eigenen Mann und die Zuneigung geben. Das ist, was Gott möchte.
Und die asketische Religion, sie sagt: Enthaltsamkeit zu üben. Trainiere dich selbst und trainiere deinen Ehepartner dazu, dass ihr mit weniger Zuneigung immer noch glücklich seid. Das ist Askese. Ihr Lieben, unsere Aufgabe als Eheleute ist, einander diesen Dienst und Freude zu schenken. Das macht 1. Korinther 7 deutlich.
Deshalb: Die Freiheit, nicht mehr anzurühren, spricht hier in Kolosser 2 von der Intimität im Gegensatz zu Ehelosigkeit, um in Geistlichkeit zu wachsen. Paulus in Kolosser 3, er nennt auch die Sünden: In Kolosser 3,5 sagt er später: »Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft und böse Lust.« Sie zielen alle in diese Richtung der sexuellen Verirrungen, aber innerhalb der Ehe ist es Geschenk Gottes.
Merkt ihr den Unterschied von wahrer Anbetung und echtem Gottesdienst und falscher Anbetung? Die wahre Anbetung hat die Schrift zur Grundlage, den Plan Gottes zur Grundlage. Die falsche Anbetung ist aus eigener Kraft und aus eigenen, ausgedachten Gesetzen von irgendwelchen Religionen oder deinem eigenen Kopf.
Das Äußerliche bei der Askese ist wichtiger als das Innerliche. Christus spielt keine Rolle. Gott möchte, dass wir ihm von innen heraus gefallen. Er will uns von innen heraus ändern. Unser Denken soll verändert werden und dann unser Handeln.
Und wir müssen auf der Hut sein und in dieser Erkenntnis wachsen – zwischen Gesetzlosigkeit und Gesetzlichkeit, zwischen der Ablehnung von Übernatürlichem und dem Mystizismus, zwischen der völligen Abstinenz und Speisevorschriften und dem Missbrauch von Essen, zwischen Unmoral und sexueller Freizügigkeit und lebenslanger Keuschheit oder dem Zölibat. Beides sind Wege, die der Teufel vorschlägt: ein selbstgemachter Gottesdienst.
Später, in einem weit späteren Brief, schreibt Paulus Timotheus in 1. Timotheus 4,3 und er sagt: »Timotheus, hab acht vor den falschen Lehrern, hüte dich vor ihnen, die verbieten zu heiraten.« Alles die gleiche Kategorie.
Liebe Singles, ihr werdet folgenden Satz immer wieder in Büchern für Singles lesen: »Du hast Jesus als deinen Bräutigam. Das ist deine wahre Freude.« Nein, dieses Bild, dass Jesus Bräutigam der Gemeinde ist, kannst du nicht einfach missbrauchen auf dich persönlich und meinen, er sei jetzt dein Bräutigam. Diese Grundlage ist losgelöst von dem Bild, was er eigentlich sagen will. Du kannst auch nicht sagen: Ich habe Jesus, das Lamm, und deshalb brauche ich keine Schurwollkleidung. Oder: Ich habe Jesus, den Löwen aus Juda, und deshalb fürchte ich keine Tiere im Dschungel.
Jesus, der Bräutigam der Gemeinde, ist einfach ein Bild und es ist haltlos zu sagen, er ist jetzt mein Bräutigam und deshalb brauche ich keinen Ehepartner, Ehefrau, Ehemann. Stattdessen ist Jesus mein Erlöser und er hilft mir in Genügsamkeit, wenn ich die Gabe der Ehelosigkeit nicht habe, auf den Mann zu warten, der kommt. Und ich soll heiraten nach 1. Korinther 7, wenn ich diesen Wunsch habe.
Es ist so viel Verdrehung da – ich weiß, das ist ein bisschen ein Nebenaspekt hier. Aber auch ein weiterer Satz dazu, liebe Ehemänner – von Ehefrauen habe ich es noch nicht gehört, kann aber auch sein, dass sie das Denken haben. Ehemänner, die sagen: »Meine erste Liebe ist Jesus, meine zweite Liebe meine Ehefrau.« Das ist eine Lüge, eine Verdrehung, denn ganz schnell schwingt die Askese mit, irgendetwas damit zu entschuldigen, was ich als Ehemann meiner Frau – 1. Korinther 7 sagt es – schuldig bin: Zuneigung.
»Jesus ist meine erste Liebe. Ich habe ein Date mit Jesus. Sorry.« Nein, Askese ist so schnell mit dabei. Pass auf, denn Jesus sagt: »Gott lieben und deinen Nächsten lieben. Die zwei sind sich gleich.« Du kannst nicht sagen, das eine ist Nummer eins, das andere ist Nummer zwei, und »deinen Nächsten lieben«, dazu gehört auch dein Ehepartner. Diese Gebote sind gleich, Matthäus 22,39.
Wo beginnt nun Askese und wo nehme ich mein Kreuz nicht mehr auf mich? Ihr kennt diese Aussagen, oder? »Du kannst nicht mein Jünger sein, wenn du dein Kreuz nicht aufnimmst«, hat Jesus gesagt. Jesus hat gesagt: »Besser, du reißt dein Auge aus und gehst mit einem Auge in den Himmel als mit zwei Augen in die Hölle.« Das Gleiche mit deiner Hand und mit deinem Fuß.
Also, wo beginnt die Askese und wo ist der Aufruf, richtig weiterzukämpfen und die Begierde zu besiegen? Paulus selbst sagt in 1. Korinther 9,26–27 die bekannten Worte: »Ich zerschlage meinen Leib.« Kennt ihr den Satz, ne? »Ich zerschlage meinen Leib.« Hört sich das nicht an wie die Askese, die du gerade beschrieben hast?
Lass uns in 1. Korinther hineinschauen. Wir sind eh schon da. Das sagte er in Kapitel 9. Nebenbei gesagt hat er gerade in Kapitel 6 davon gesprochen, dass die Speisen für den Bauch sind und verwesen und dass die Unzucht Sünde ist. In Kapitel 7 hat er davon gesprochen, dass du heiraten sollst. Und in Kapitel 9 spricht er nun davon: »Ich zerschlage meinen Leib.« Was meint er?
Er liefert die Antwort selbst in Kapitel 10. Dort spricht er davon, dass Israel uns ein warnendes Beispiel ist. Wir können uns nicht die Zeit nehmen, das Kapitel komplett durchzusehen, aber ihr werdet sehen, seine Warnung ist, dass wir eben nicht wie Israel dem Götzendienst auf den Leim gehen, der Hurerei auf den Leim gehen, Christus versuchen oder murren. Dagegen kämpft er und zerschlägt seinen Leib, aber mit Jesus im Fokus. Das hat er in Kapitel 2 schon deutlich gemacht im 1. Korintherbrief.
Der Gläubige – wie reagiert er auf seine Begierde? Er beginnt und endet mit Jesus. Das ist der große Unterschied. Der Kampf gegen die Begierde bleibt aber aus der Kraft des Heiligen Geistes heraus. Und es beginnt damit, dass ich mich erinnere: Jesus hat alles vollbracht. Und in diesem Bewusstsein kommt die Aufforderung, der Imperativ, einen Bund mit meinen Augen zu schließen oder nicht so viel zu essen oder alles zu essen und zu genießen, weil Jesus es vollbracht hat. Das ist der ganze Unterschied.
Viele von euch haben eine Menge Zurüstung in Seelsorge erhalten. In Jüngerschaft benutzen wir das Prinzip immer wieder: Lern diesen Vers auswendig und erinnere dich an ihn in Momenten deiner Anfechtung. Schon gehört? Super Rat – ist nur eine Seite von zweien, die wichtig ist. Gib in Zukunft nie wieder diesen Rat, ohne auch einen Vers zum Auswendiglernen mitzugeben, der aus den ersten Kapiteln dieses Briefes kommt. Versteht ihr, was ich meine?
Du kannst schnell in Kolosser 3 sagen: »Liebe deine Frau« und diesen Vers auswendig lernen – »ja, sei nicht bitter gegen sie« – ohne dass du überhaupt nur noch daran denkst, was in Kolosser 1 und 2 geschrieben steht: Jesus hat dich versöhnt. Er hat die Schuldschrift ausgelöscht. Wir müssen diese Verse des Imperativs immer in der Kombination von Jesu Werk und dem Aufruf auswendig lernen. Ansonsten rutschen wir wohin? Aus eigener Kraft in die Askese und wir werden verzweifeln, weil der Motor nicht mehr damit gefüllt ist, womit er funktioniert – mit dem Werk Christi am Kreuz.
Jesus will, dass wir von innen heraus verändert werden. Wir werden noch viel mehr davon sprechen in den nächsten Versen und Kapiteln, wenn wir in Kolosser 3 hineinkommen.
Nun, »rühre nicht an« – damit ist die Enthaltung von Intimität gemeint. Das ist ein asketischer Gedanke in Bezug auf die Ehe. Nun kommen wir zum zweiten, was das Prinzip der Askese beinhaltet, nämlich: »koste jenes nicht, betaste dies nicht.«
Wir haben viel davon gesprochen in den letzten Predigten, wesentlich kürzer an dieser Stelle heute: »Koste jenes nicht« – ermutigte zum Fasten oder zu einer vorgeschriebenen Diät. Wir haben bei der Gesetzlichkeit schon oft darüber gesprochen. Bestimmte Lebensmittel wurden als notwendig erachtet – die solltest du essen, dann könntest du vielleicht Visionen bekommen. Gewisse Lebensmittel solltest du nicht essen. Und diese Speisevorschriften waren da. Wir sehen das an vielen Stellen auch im Alten Testament und es wurde eben immer weitergebracht, so dass es ein Mittel zur Geistlichkeit sei.
Nicht selten führt diese Askese »koste jenes nicht« zu Vegetarismus – im religiösen Sinne, nicht im medizinisch notwendigen. Bestimmte Lebensmittel sind unerlässlich, bestimmte sind abzulehnen, und das Ganze mit dem Ziel, Gott näher zu sein, Gott mehr zu gefallen.
Was sagt die Schrift? In 1. Timotheus 4,3–5 lesen wir, dass wir alles essen dürfen mit Dankbarkeit.
Nun, das letzte ist: »betaste nicht«. »Rühre nicht an, koste nicht, betaste nicht.« Das Betasten geht noch weiter und sagt: Du bist schon verunreinigt und der Kanal zum Himmel ist geschlossen, Wolken ziehen auf, wenn du nur anfasst, was du nicht essen darfst. Es spielt vielleicht auf 1. Mose 3,3 an, wo Gott Adam und Eva gesagt hat: »Esst nicht davon und rührt auch nicht an.«
Satan nun sagt: Seht ihr, es ist nicht nur das Essen, sondern Eva wurde auch gesagt, nicht mal anfassen. Also, jetzt gehen wir einen Schritt weiter und wir rühren auch nicht an. Auch der zufällige Kontakt wäre schon verboten. Das ist das Prinzip der Askese. Es nimmt Gebote Gottes und überzieht sie, übertreibt sie, fügt eigene Kraft hinzu und in Gesetzlichkeit weitere Regeln hinzu. Deswegen gehören die so zueinander.
Der Kern der Askese ist die eigene Kraft, der Kern der Gesetzlichkeit weitere Regeln. In der Einleitung haben wir schon aufgezählt, wie die Askese sich zeigt, und ein wenig Gedanken zur persönlichen Enthüllung der Askese in unserem Leben möchte ich nun noch mit euch durchgehen.
Lass uns noch einmal auf uns als Gläubige zurückkommen. Paulus schreibt den Brief an die Kolosser an Gläubige. Wie kann ich in meinem Leben Motive erkennen, die aus Askese herrühren und somit falscher Gottesdienst sind und nichtig wären? Das wollen wir nicht. Paulus hat Sorge, dass diese Gläubigen ihren Kampfpreis verlieren, dass ihr ganzes Opfer, ihr ganzer Aufwand wertlos ist. Und deshalb wollen auch wir prüfen, ob wir unseren Gottesdienst selbst gemacht haben.
Wir sollen – Kolosser 2,6 sagt uns das – »so mit Jesus wandeln, wie wir ihn angenommen haben, gewurzelt und auferbaut in ihm und gefestigt im Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid, und seid darin überfließend mit Danksagung.« Wir haben schon gezeigt, dass das Werk Christi die Askese ausschließt, weil Christus unser vollkommenes Opfer ist und in der Askese ich derjenige bin, der Gott wohlgefällig arbeiten will.
Wir stehen unter dieser Autorität der Gesetze von Religionen nicht mehr. Wir haben uns viele Beispiele angeschaut. Gott möchte die Veränderung von innen. Und ein Kern, diese Veränderung oder diese Askese-Aspekte zu enthüllen, sind folgende Schritte:
Das erste ist: Decke deine Selbstsicherheit auf. In Matthäus 26 behauptet Petrus völlig selbstsicher: »Wenn ich auch sterben müsste, ich werde dich nicht verleugnen.« Nachdem Jesus gesagt hat, ihr alle werdet mich verleugnen. Aus welcher Kraft heraus sagt Petrus das? Worauf baut er, wenn Jesus ihm gerade sagt, er wird’s tun? Auf seine eigene Kraft.
Askese beginnt damit, dass wir selbstsicher sind, wir können es schaffen. Askese geht weiter und vergisst diesen Nachsatz – ich meine ihn nicht, dass wir ihn immer aussprechen müssen, aber in unserem Herzen: »So Gott will und wir leben.« Jakobus 4, ihr erinnert euch – ja, wir können planen und machen und wir sind so überzeugt davon, dass wir gar nicht Jesus brauchen dafür. Und deshalb werden wir auch nicht beten oder an ihn denken. Selbstsicherheit ist das erste Anzeichen für dieses »ich kann aus mir selbst und ich werde Gott zeigen, dass ich ihn anbeten kann.«
Das zweite, was daraus folgt nach der Selbstsicherheit, ist, dass du arrogant wirst. Du vergisst die Aussage aus 1. Korinther 4,7: »Was hast du, was du nicht empfangen hast?« Und du denkst: »Ich kann und ich werde mehr machen als die meisten, und mein Lohn im Himmel, ich freue mich schon drauf.« Zu schade für all meine Geschwister neben mir links und rechts, mögen sie auch noch wachsen.
Diese Arroganz wird spürbar werden für Menschen in deinem Leben. Wenn du sie selbst nicht spürst – ich habe sie so oft schon gespürt – und intervenierst, dann geht’s weiter und andere werden dir sagen: »Du kommst arrogant rüber.« Das sind Alarmglocken für das Wirken aus eigener Kraft, die logischerweise zum Stolz führen muss. Weil: Wenn Gott etwas sagt und ich liefere, bin ich stolz.
Es geht ganz normal immer weiter. Ich spüre mein Opfer regelmäßig. Ich erwarte Segen von Gott. Ich erwarte Lob von Menschen. Er wird zu wenig sein für meine Erwartung und für mein großes Opfer. Und so werde ich immer arroganter und immer verbitterter gegen Gott, weil: Er sollte mich eigentlich mehr segnen, wenn er wüsste, was ich alles tue.
Selbstsicherheit, Arroganz – du kannst diese Arroganz auch daran feststellen, dass Menschen schneller von dir wissen, wogegen du bist, statt wofür du lebst. Denn du wirst immer wieder davon sprechen, was alles so schief läuft. Du natürlich den Maßstab erreichst. Ich vermische hier ein bisschen Gesetzlichkeit und Askese, weil sie so eng beieinander sind. Wissen die Leute, wofür du lebst, warum du Montag aufstehst? Spielt Jesus eine Rolle dabei? Wenn nicht, dann ist dein ganzer Motor asketisch und dein ganzer Gottesdienst für die Katz. Fatal.
Nach der Selbstsicherheit und Arroganz kommt deine Selbstkasteiung. Ja, auch wir kasteien uns: »Ich kann und ich mache und ich halte meine Zusage und ich brauche keine Hilfe.« Ich weiß nur, ich habe manchmal solche Gedanken, aber die besten Anwendungen für die Gemeinde sind die persönlichen Kämpfe. Hoffentlich sehen die Leute, wie viel ich mich hingebe. Meine Enthaltsamkeit wird zum Maßstab für andere. Und natürlich schwingt die Arroganz hier mit. Ich gönne anderen keine Freude mehr, keine physischen Freuden vor allem. »Warum macht er schon wieder Urlaub? Warum hat sie ein neues Kleid?« Diese ganzen WhatsApp- und Social-Media-Status, wo jeder immer glänzt, sind für mich nur wohltuend, denn ich brauche das alles nicht in meiner Askese, um Gott zu gefallen.
Du hast in deiner Selbstkasteiung keine Lebensfreude mehr. Menschen gucken dich an und sagen: »Hey, wo ist dein Lächeln hin?« Du hast keine lebensspendende Freude in deinen Augen. Du hast keine auferbauenden Worte der Gnade in deinem Mund. Du hast keine zuvorkommende Hilfe für andere mit deinen Händen. All das ist die Spirale, auf eigene Kraft zu bauen, und es ist asketisch im Grunde, denn ich will Gott zeigen, wie sehr ich ihn anbete.
Jede Askese befeuert aber dann die Begierde, statt sie zu töten. Und deshalb diese Spirale, dass ich immer tiefer rutsche und einer Sünde die nächste folgt und einem sündigen Gedanken der nächste folgt. Dieses miserable Christenleben mit so großen Opfern, gebaut auf Selbstgerechtigkeit und eigener Kraft, ihr Lieben, ist wertlos. Wertlos.
Und deshalb: Bring Jesus ins Spiel. Das ist alles. Ich sage nicht, hört auf zu dienen. Ich sage: Dient und opfert euch, aber fangt mit Jesus an. Der Schlüssel für jedes einzelne physische Leiden morgen früh wieder oder in diesem Moment ist: Erst auf Jesus schauen und dann in Freude reagieren. Der Schlüssel ist: Erst auf Jesus schauen. Davon haben wir in den ersten Kapiteln die ganze Zeit gesprochen. Wir klammern Jesus aus, und es hört sich zu einfach an.
Paulus, er sagt in 2. Korinther 12,9–10: »Darum will ich mich am liebsten viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus bei mir wohne. Darum habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um des Christus willen. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.«
Der Gläubige, der asketisch lebt, wird auch nicht mehr brauchbar werden für Gott, weil es gibt keine Kraft mehr. Die Kraft ist aufgebraucht. Ich hatte ein Auto und es ist nur noch auf drei Zylindern gefahren von vier. Was muss ich machen? Ja, die Kompression war nicht mehr da. Dieser vierte Zylinder liefert nicht mehr die Kraft. Ich musste mehr Gas geben, hochtouriger fahren, später schalten, damit ich noch vorwärts komme. Das machst du, wenn Zylinder 1 ausfällt. Dann machst du weiter, und Zylinder 2 fällt aus. Oder machst du weiter und der dritte fällt aus, und dann fällt der vierte aus. Und ich sage nicht, du kommst in die Hölle, aber du verlierst alles, denn deine eigene Kraft, sie muss dich ans Ende bringen. Und besser früher als später kommst du zu Jesus und bittest ihn, wieder mit Jesus im Zentrum anzufangen.
Glaubst du Johannes 15,5? Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; und ohne mich könnt ihr weniger tun als mit mir. Ohne mich könnt ihr nichts tun. Wie oft denken wir in unserem Alltag – und ich rede von Montagmorgen, von Dienstagabend, von Mittwochmittag – in unseren Arbeiten und Tätigkeiten daran, dass Jesus meine Kraft ist, meine Motivation, meine Freude? Der Alltag wird sich nicht ändern, aber du wirst wirkliche Freude wiedergewinnen.
Ich habe einige Jahre Theologie studiert, bis Geschwister auf mich zukamen und sagten: »Dein Lächeln ist weg.« Und ich musste viel nachdenken. Und das ist der Schlüssel gewesen: Wenn du merkst, Freude fehlt – ich sage dir, Jesus fehlt. Denn mit Jesus Freude haben und du wirst Kraft haben. Und er ist die Quelle, die lebendige Quelle, aus der wir leben.
Deshalb, wenn du dich heute darin wiederfindest, denke an diese Aspekte der Askese und komm zurück zu ihm. Wie machst du das? Petrus beschreibt uns das sehr treffend in 2. Petrus 1.
Petrus 1 fasst es so gut zusammen. Vers 3: Da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zum Wandel in Gottesfurcht dient, durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend; durch welche er uns die überaus großen und kostbaren Verheißungen gegeben hat, damit ihr durch dieselben göttlicher Natur teilhaftig werdet, nachdem ihr dem Verderben entflohen seid, das durch die Begierde in der Welt herrscht, so setzt eben allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend die Erkenntnis, in der Erkenntnis die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren die Gottesfurcht, in der Gottesfurcht die Bruderliebe, in der Bruderliebe die Liebe.
Die göttliche Kraft, die uns alles geschenkt hat. Dann listet Petrus hier auf, wo du herkommst und was er getan hat. Und dann sagt er: »Setzt allen Eifer daran.« Und wenn du das nicht hast, dann sagt er dir in Vers 8: »Wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind und zunehmen, so lassen sie euch nicht träge noch unfruchtbar sein für die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus. Und nun Vers 9: Wem dagegen diese Dinge fehlen, der ist blind und kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen.«
Dein Schritt heute zur Freude ist, über deine Sünde, die Jesus dir vergeben hat, nachzudenken – die alte Sünde und die Sünde von gerade eben, die Sünde von gestern – und so in Freude zu wachsen und nicht in Askese versuchen, Gott zu gefallen. Und diese Freude, dieser Motor, dieser Glaube, der versetzt Berge, weil der Heilige Geist wirkt. Der Heilige Geist wirkt, und wir tun, was er möchte.
Behalte Jesus im Blick. Wenn du noch gar nicht angefangen hast, dein Leben Jesus zu geben, dann denke darüber nach, was er getan hat, und fang an, Gott zu ehren. Du wirst gesegnet und Menschen werden auferbaut.
Lass uns still werden, und ich bete mit uns. Ihr dürft aufstehen dazu.
Herr Jesus Christus, wir beten dich an, der du alles gewirkt hast an unserer Statt. Herr, vergib du uns, dass wir so selten an die Sünde, die du uns vergeben hast, denken. Und wenn wir nicht daran denken, auch kraftlos werden, freudlos werden, selbstzentriert werden und die Askese zuschlägt, in unserem Leben wieder zu neigen, aus eigener Kraft dir wohlgefallen zu wollen.
Gebrauche du dieses dein Wort und deinen Heiligen Geist in unserem Leben und in unserem Alltag in der kommenden Woche, um uns hinzuweisen auf die Momente in unserem Leben, in denen wir auf uns vertrauen, auf Menschengebote vertrauen und nicht auf das, was du möchtest und auf das, was du getan hast.
Herr, wir wollen all unsere Blicke ausrichten auf dich, nach oben schauen, wie der nächste Vers lautet in Kolosser 3,1, dass unser Leben mit dir verborgen ist, dass die Herrlichkeit wartet und dein Werk wundervoll und vollkommen ist. Wir wollen, Herr, aus der vollen Erkenntnis von dir weiter wachsen und entsprechend heilig leben – zu deiner Ehre.
Wir beten in Jesu Namen. Amen.
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